Intrinsische Motivation: Das vergessene Puzzleteil-Was uns wirklich motiviert

Ich war immer schon begeistert von Psychologie, weil sie tiefe Einblicke in die menschliche Psyche liefert und erklärt, warum wir das tun, was wir tun. Doch erst neulich habe ich mich gefragt, was eigentlich für Menschen eigentlich motiviert.

Ich hatte zwar schon einmal von intrinsischer Motivation gehört, aber mich nie näher damit auseinander gesetzt, bis ich neulich auf folgende Geschichte stieß, die mich wieder darüber nachdenken ließ, was uns motiviert- unsere intrinsische Motivation:

Einst wanderten zwei Männer, die sich auf der Landstraße kennengelernt hatten, gen Salamis, die Stadt der Säulen. Am Nachmittag gelangten sie an einen breiten Fluss, doch es gab keine Brücke. Sie mussten entweder schwimmen oder eine andere Straße suchen in unbekanntem Gelände.

Und sie sagten zueinander: »Lass uns schwimmen. So breit ist der Fluss schließlich nicht.« Und sie sprangen ins Wasser und schwammen.

Und einer der Männer, der seit seiner frühesten Kindheit Flüsse kannte und mit ihnen vertraut war, verlor auf halber Strecke die Kraft und begann, mit der Strömung abzutreiben; während der andere, der noch nie in seinem Leben geschwommen war, den Fluss in einem Zug durchquerte und ans jenseitige Ufer stieg.

Als er dann sah, dass sein Weggefährte noch immer mit der Strömung kämpfte, stürzte er sich wieder in die Fluten und brachte ihn ebenfalls sicher an Land.
Der Mann, der von der Strömung fortgerissen worden war, sagte: »Aber du hattest doch gesagt, du könntest gar nicht schwimmen! Wie konntest du den Fluss mit solcher Sicherheit durchqueren?«

Und der zweite Mann antwortete: »Mein Freund, siehst du meinen Gürtel? Er ist voll von Goldmünzen, die ich für meine Frau und meine Kinder verdient habe: der Lohn eines ganzen Jahres Arbeit. Es war das Gewicht dieses Goldgürtels, was mich durch den Fluss getragen hat, zu meiner Frau und meinen Kindern.

Und während ich schwamm, saßen meine Frau und meine Kinder auf meinen Schultern.«Und die zwei Männer setzten ihre Wanderung nach Salamis fort.

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Intrinsische Motivation- Die erstaunliche Wahrheit über unsere Motivation

Ist es wirklich Geld und Strafe, was uns motiviert oder steckt vielleicht noch mehr dahinter?

In der Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckten zwei junge Wissenschaftler durch einige Experimente etwas, das die Welt eigentlich hätte ändern müssen. Sie entdeckten das fehlende Stück um die Frage herum, was uns Menschen eigentlich motiviert- intrinsische Motivation.

Harry F. Harlow, ein Professor für Psychologie an der Universität zu Wisconsin machte im Jahr 1949 eine erstaunliche Entdeckung. Bis 1949 wurde angenommen, dass wir Menschen ausschließlich durch innere Triebe und extrinsische (äußere) Faktoren beeinflusst werden.

Die inneren Triebe sind tief in unseren DNA verankert. Zu diesen inneren Trieben zählen besonders auch das Verlangen nach Nahrung und Wasser und Sexualität. Das ist Grundpfeiler Nummer 1 der menschlichen Motivation.

Spätestens in der Industrialisierung wurde der Grundpfeiler 2 der Motivation in den Vordergrund gerückt. Es ist der Pfeiler der extrinsischen Motivation. Das bedeutet, dass wir Menschen auch durch äußere Einflüsse, wie Belohnung und Bestrafung lernen können.

Belohnungen werden eingesetzt um gewünschtes Verhalten zu verstärken. Beispielsweise können uns kleine Belohnungen kurzfristig motivieren härter zu arbeiten, weil wir unmittelbar eine Gehaltserhöhung vor Augen haben. Strafen dagegen können dafür sorgen, dass wir bestimmtes Verhalten unterlassen.

Aber ist das wirklich alles ?

Auch wenn diese extrinsische Motivation momentan die Arbeitswelt dominiert, gibt es dahinter doch einen kleinen Denkfehler. Wenn man Arbeitnehmer beispielsweise ausschließlich mit Geld lockt und bei Fehlern bestraft, geht man davon aus, dass die Menschen ihren Beruf gar nicht mögen oder suggeriert ihnen das unterbewusst.

Anders waren jedoch Harlows Ergebnisse in einer Vielzahl von Studien mit Affen. Er gab 8 Affen ein Geduldsspiel. Jedoch belohnte er sie weder mit Futter noch mit Applaus.

Er war sich sicher, dass die Affen schon nach kurzer Zeit kein Gefallen mehr an den Spielen finden würden, wenn sie keine Bananen als Belohnung bekämen. Zu seiner Überraschung jedoch lösten die Affen diese Spiele jedoch mit großer Freude in weniger als 60 Sekunden.

Das war die Entdeckung des 3. Grundpfeilers der Motivation- der intrinsischen Motivation. Es scheint so, als sei eine Arbeit oder Aufgabe, die uns erfüllt Freude genug, sodass wir gar keine äußere Belohnung mehr nötig haben.
Dieser Beweis liefert uns tiefe Einblicke in die menschliche Psychologie und gibt uns Auskunft darüber, dass wir nur ein starkes Warum brauchen um wirklich motiviert zu sein. Später mehr dazu!

Wie Wikipedia intrinsische Motivation nutze, um zum Imperium wurde





Lass uns gedanklich einmal ins Jahr 1995 gehen. In diesem Jahr gingen zwei Onlineenzyklopädien an den Start.

Die erste Enzyklopädie kommt aus dem Hause Microsoft, einem riesigen und sehr profitablen Unternehmen. Wikipedia heuert eine enorm großes Team an Schreibern an, um ein Komplex aus Tausenden und Abertausenden von Artikeln zu schrieben. Ausgebildete Manager überwachen das Ganze und Microsoft will die fertige Enzyklopädie auf CD verkaufen.

Die zweite Enzyklopädie geht nicht von einer großen Firma aus, sondern wird von ein paar Menschen erschaffen, die aus Freude daran arbeiten- geschaffen aus intrinsischer Motivation. Im Gegensatz zur Enzyklopädie von Microsoft soll diese komplett kostenlos verfügbar sein.

Auf welche Enzyklopädie hättest du wohl dein Geld gewettet?

2009 zog Microsoft schließlich der hauseigenen Enzyklopädie den Stecker, weil sie einfach nicht mehr gegen die Macht von Wikipedia ankommen konnten. Wikipedia hat über 13 Millionen Artikel. Was ist passiert? Das ganze lässt sich nicht durch den ursprünglichen Glauben an die extrinsische Motivation erklären, sondern ausschließlich durch die neuen Erkenntnisse- die intrinsische Motivation.

Weitere Beweise für die Ineffektivität der extrinsischen/ äußeren Motivation

Auch das Kerzenproblem beweist, dass extrinsische Motivation nicht immer effektiv ist, sondern sogar die Leistung und die Ergebnisse verschlechtern kann.

Die Teilnehmer dieser Studie sollten eine Kerze an einer Wand befestigen. Die Lösung erforderte eine kreative Idee. Auch hier wurde einigen Beteiligten Geld versprochen, sollten Sie die Lösung am schnellsten finden.

Anstatt die Teilnehmer in ihrer Kreativität zu beflügeln, führte die Aussicht auf eine Belohnung zu vernebelten Denken und abgestumpften Einfallsreichtum.

Durch die Aussicht auf Geld, fehlte ihn der nötige offenem Blick, um die Aufgaben zu lösen und sie brauchten deutlich länger als die Teilnehmer ohne Belohnung.



In einem weiteren Experiment wurden Kinder aufgefordert Zeichnungen anzufertigen. Einigen wurde versprochen dass sie dafür eine Urkunde erhalten würden-anderen nicht.

Als man die Kinder später wieder zeichnen liest (diesmal beide Gruppen ohne Belohnung) hatten die Kinder, die zuvor eine Urkunde bekommen hatten, keine Lust mehr, während die Kinder ohne Urkunde hingegen freudig weitermalten.

Die versprochene Anerkennung durch die Urkunde hat ihre intrinsische Motivation zerstört. Sie hatten gelernt nur für eine Belohnung zu zeichnen. Nach diesem Muster löschen sogenannte Wenn-Dann-Belohnungen nach und nach intrinsische Motive für viele Tätigkeiten aus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass extrinsische Motivation zwar kurzfristig bei bestimmten Aufgaben als gute Möglichkeit zur Motivation beweist, aber bei langfristigen und komplexen Problemen sollte eine tiefere intrinsische Motivation zu besseren Ergebnissen führen.

Was erzeugt intrinsische Motivation ?

Basketballspieler wollen immer mehr Körbe werfen Informatiker wollen immer bessere Programme schreiben und Unternehmer wollen immer mehr Umsatz machen. Alle haben den Drang und den Wunsch sich in einer Sache, die sie lieben zu verbessern.

Es lässt sie bei dem was Ihnen wichtig ist, stetig besser werden. In den USA geben 50% der Arbeitnehmer an in ihrem Job kaum engagiert zu sein. Sie erfüllen zwar ihre Pflicht, aber es fehlt ihnen an Leidenschaft.

Die Lösung ist der sogenannte Flow Zustand, der in dem gleichnamigen Buch Flow - Das Geheimnis des Glücks beschrieben wird. Flow heißt höchst konzentriert und leidenschaftlich einer Aufgabe nachgehen, die Welt um dich vergessen und sich rege und ich regelrecht in ihre Arbeit verlieren.


Quelle Wikipedia

Vielleicht ist ja doch etwas dran an dem Spruch: Finde, was du liebst und du musst nie wieder arbeiten?

Sind wir doch einmal ehrlich: Perfektion ist etwas, dass wir nie erreichen können, aber das Streben und das Wachsen an unseren Aufgaben macht uns glücklicher. Es ist ein tiefes menschliches Verlangen in einer Sache, die wir lieben aufzugehen und als Mensch zu wachsen.

Zahlreiche Studien bestätigen ebenfalls, dass es sinnvoll ist eine größere Vision, die größer ist, als man selbst vor den Augen zu haben, um motivierter und aktiver zu sein. Diese Motivation ist größer als die Motivation hinter Geld jemals sein könnte.

Statt einen möglichst hohen Gewinn anzustreben, wollen Menschen die einen Sinn in ihrem Leben nachgehen der Gesellschaft etwas zurückgeben und schöpfen daraus selbst Kraft das Streben. Sinn ist ein grundlegender intrinsischer Antrieb.

Daher ist die Vision von etwas höherem fester Bestandteil der Googlepolitik. Allen Mitarbeitern wird das Gefühl gegeben an etwas Großem mitzuarbeiten und sehr viel Freiraum gewährt.

So setzt Google zum Beispiel auf die selbst Einteilung der Arbeitszeit. Die Angestellten können 20% ihrer Zeit für die Ausarbeitung eigener innovativen Ideen verwenden. Der Erfolg dieser Motivationsstrategie spricht für sich. In diesem selbstbestimmten Phasen entwickelten die Google Mitarbeiter Erfolgsschlager wie Google News und Google Mail.

Wie bleibe ich und langfristig motiviert und intrinsische Motivation nutzt

Deshalb ist mein praktischer Tipp für euch heute: Starte mit dem "Warum", bevor du mit einer Sache beginnst und verlasse dich nicht auf deine Willenskraft und äußere Motivationsfaktoren.

Breche deine großen Visionen in kleine, erreichbare und tägliche Teilziele runter, sodass du nicht gelähmt bist und wirklich auch auf deine Ziele und Träume hinarbeitest. Die Vision dahinter darf und soll ruhig groß bleiben, dass diese unsere Motivation nährt.

Es tut fast schon weh den Beitrag mit einem Klischee zu beenden, aber die Wissenschaft stützt das Ganze: Motivation kommt von innen. Aber wichtig ist, dass trotz aller Motivation der Welt deine Vision ohne Aktion eine Illusion bleibt.

2 Comments

  1. […] leben. Keineswegs ! Persönliche Werte sind das, was wir "wertschätzen", was uns wichtig ist und, was uns antreibt. Im Gegensatz zur Moral der Gesellschaft sind persönliche Werte einzigartig für jede Person wie […]

  2. […] soziale Veranlagung zu haben, müssen neurologische Mechanismen existieren, die soziales Verhalten intrinsisch belohnen . Wir sind evolutionär darauf ausgelegt soziale Wesen zu […]

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