Leben ohne Reue: Was sterbende Menschen am meisten bereuen

Reue bewegt die Menschen, die kurz vor dem Tod stehen. Aber was sorgt eigentlich dafür, dass wir ein Leben ohne Reue leben und was sind die Dinge, die sterbende Menschen am meisten bereuen.

Höre dir hier die Podcastepisode an:

Leben ohne Reue : die Vorgeschichte

Das, was all die anderen wollten – einen sicheren Job, ein geregeltes Einkommen usw. Das wollte Bronnie Ware nie. Nach Jahren in einer Bank kündigt die damals Ende Zwanzigjährige ihre Stelle und zieht durch die Welt um als Pflegerin – für Todkranke, für Sterbende zu arbeiten.

Bronnie Ware begleitet ihre Patienten zu Hause in den Tod – und hört wochenlang in den Gesprächen mit den Sterbenden immer wieder dasselbe Bedauern und dieselben Vorwürfe: das Bedauern darüber, nicht das Leben gelebt zu haben, das sie sich gewünscht hatten.

Reue angesichts der Entscheidungen, die man getroffen oder nicht getroffen hat. Vorwürfe gegenüber sich selbst, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war. Ein Leben ohne Reue ist das, was diese Menschen sich am sehnlichsten wünschen.

Aber warum leiden wir unter Verlust mehr als durch Gewinne: Kennst du die Studie mit den Affen und den Äpfeln aus der Verhaltensökonomie? Ein Affe war glücklich, wenn er einen Apfel erhielt. Aber wenn er zwei bekam und dann nahm man ihm einen wieder weg, wurde er böse – obwohl er immer noch einen Apfel besaß. Menschen funktionieren genauso. Das Ganze nennt man Verlustaversion.
Wir mögen nicht, wenn uns etwas weg genommen wird und wir es nicht wieder bekommen können. Und das gilt für keinen Lebensbereich so sehr wie Zeit.

Das Ganze fasst sie in ihrem Buch:"Die 5 Dinge, die Sterbende bereuen zusammen". Und besonders eine Geschichte ist mir im Kopf geblieben, die ich mit dir teilen möchte.

Ja, es stimmt! Wir Menschen lernen nur durch Fehler. Aber es müssen nicht immer unsere eigenen Fehler sein.

Bedauern vor dem Tod : Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"

Grace tut jahrzehntelang das, was von ihr erwartet wird: Sie heiratet, kriegt Kinder, opfert sich für ihren Mann und den Haushalt auf. Sie erträgt selbst die Ehe, als ihr Ehemann sie tyrannisiert.

Ihr ganzes Leben lang träumt sie davon ein unabhängig Leben zu leben, zu reisen, sich auszuleben und glücklich zu sein.

Doch eines Tages wird sie schwer krank und die Krankheit ist sehr aggressiv. Nach und nach verliert Grace ihre ganze Stärke und sie muss den Großteil ihrer Zeit im Bett verbringen.

Sie beginnt nachzudenken und mit dem Nachdenken kommt Reue. Warum habe ich nicht das getan, was ich wirklich will? Wieso war ich nicht stark genug? Warum habe ich nie wirklich gelebt?

Sie hadert mit sich und bittet Bronnie, ihrer Pflegerin um eine einzige Sache:
"Bronnie, versprich mir eins ! Versprich dieser sterbenden Frau nur eine Sache! Lass dich niemals von der Sache abhalten, die du wirklich tun willst.

Sieh mich an, Bronnie ! Mein letzter Wille ist es, dass du aus meinem Fehler lernst! Wenn du diese Nachricht verinnerlichst und teilst, ist die größte Lehre meines Lebens nicht umsonst gewesen und ich kann in Frieden sterben.

Bronnie, versprichst du mir das ? Versprichst du mir, dass du dich selbst lieben wirst und für dich selbst einstehst?

"Ja, Grace, das werde ich ! " , sagte Bronnie.

Es ist nicht so, als ob ich egoistisch sein will. Ich will niemandem schaden und zur Last fallen. Aber ich wollte auch einmal Dinge für mich tun, aber ich konnte einfach nicht den Mut finden.

Ich wäre glücklicher gewesen und hätte auch den Menschen in meinem Umfeld mehr von meinem Glück abgeben können.

Tränen rannen ihre Wangen hinunter.

Bronnie, ich meine es ernst: Versprich diese sterbenden Frau, dass du ehrlich zu dir selbst sein wirst und für deine Werte einstehen wirst, dass du mutig genug bist dich selbst so sehr zu leben, wie andere- egal was die anderen sagen.

"Ja, ich verspreche es, Grace", sagte sie ebenfalls mit Tränen in den Augen.

Daraufhin bildete sich auf Graces Lippen ein Lächeln, ihre Schulter sackten ab und sie gewann ungeahnte Ruhe und tiefen Frieden in der Stimme, weil sie wusste, dass ihre Erfahrung sie überdauern würde.


Die letzten Worte

Einige Wochen später, als ihr gesundheitlicher Zustand am schlimmsten war, sagte sie zu Bronnie:" Erinnerst du dich an dein Versprechen, Bronnie? Sei ehrlich zu dir, tu was du liebst uns sei du selbst, als ob dein Leben davon abhinge- weil es das tut.

Nickend und weinend gleichzeitig brachte sie ein leises :" Das tue ich!" heraus, während ihre Hand die ich hielt erschlaffte und sie ihre Augen für immer schloss.

Gerade deshalb hat sie dieses Buch geschrieben: Weil sie von dieser kleinen, verletzlichen Frau, die nicht das Leben gelebt hatte, das sie wollte, inspiriert wurde, es für ihr Leben zu tun.

Leben ohne Reue und die Rolle des gesunden Egoismus'


Es ist ein unglaubliches Gefühl nicht mehr zwei Identitäten zu haben, sondern sowohl in den eigenen vier Wänden als auch in der Gesellschaft der Gleiche zu sein.

Viele leben ihr Leben so, dass sie versuchen alle glücklich zu machen, aber vergessen dabei eine der wichtigsten Personen ihres Lebens- sich selbst.
Wir können anderen nur wirklich auf tiefer Ebene helfen, wenn wir im Reinen mit uns selbst sind.

Zur Veranschaulichung kann ich dir folgendes Beispiel anbieten:

Du kennst die Situation, wenn du häufig mit einem Flugzeug fliegst. Eine Passagiermaschine kurz vorm Start. Die Flugzeug erste lassen das Ritual der Sicherheit Sicherheitshinweise durch eine der Flugbegleiterinnen über sich ergehen: Richtig anschnallen, es gibt sechs Notausgänge, Schwimmwesten befinden sich unter dem Sitz...

Dann erklärt die Flugbegleiterin,wie man die Sauerstoffmasken aufsetzt. Jedes Mal, wenn dieser Satz fällt, ist es für die Eltern sehr befremdlich. Es tönt: "Wenn Gefahr droht, setzen sie sich als Erwachsene bitte zuerst die Masken auf, bevor sie ihren mitreisenden Kind beim Anlegen der Maske helfen.

In vielen Eltern lösen diese Worte Widerstand aus: Wenn Gefahr droht, ist es doch selbstverständlich, dass Mütter oder Väter zuerst Ihrem Kind helfen, bevor sie an sich denken. Jedoch macht es in dieser Situation Sinn, eine gewisse Selbstbezogenheit zu haben.

Um für Kinder da sein zu können, müssen die Eltern handlungsfähig bleiben. Ansonsten droht die Gefahr, dass sie wegen eines Sauerstoffmangel bewusstlos werden, bevor dem Kind helfen können. Sich die Maske aufzusetzen, ist also ein Akt des Egoismus, der nicht nur den eigenen Überleben dient, sondern auch dem des Kindes.

Ein Leben ohne Bedauern: Liebe dich selbst, als ob dein Leben davon abhängt

Meistens tun wir Menschen deutlich mehr um Schmerz zu vermeiden als um Freude zu empfinden. Die meisten müssen diesen Weg bis zu diesem Punkt gehen, an dem sie beinahe zerbrechen. Viele handeln erst, wenn der Schmerz so unerträglich ist, dass sie keine Möglichkeit mehr haben außer zu handeln und für sich selbst einzustehen.

Gerade solche Dinge wollen wir nicht nur durch Erfahrung lernen, sondern von anderen. Es mag sehr klischeehaft klingen, aber die Nachricht dieser Geschichte ist : Sei du selbst und liebe dich selbst, als ob dein Leben davon abhängt, weil es das tut.

Wie alles, ist auch das eine Übung. Auch vom einmaligen Gang ins Fitnessstudio wirst du nicht fit. Mit der Selbstliebe und dem Einstehen für deine eigenen Werte ist es nicht anders. Die Taktik des Vermeidens und Wegschiebens der Angst ist nicht langfristig und erfolgreich, wie wir schon erfahren haben.

Daher müssen wir jeden Tag üben für uns selbst einzustehen. Affirmationen sind zwar eine gute Option, aber reichen alleine nicht. Es geht darum jeden Tag etwas zu tun, das wir tun wollen, aber das uns Angst macht oder uns unangenehm ist.

Natürlich ist damit nicht ein täglicher Fallschirmsprung gemeint, sondern es können auch Kleinigkeiten sein, wie ein Gespräch mit einer fremden Person im Zug, jemandem in Nähren Umfeld deine ehrliche Meinung zu sagen...

Ich erinnere mich noch an Zeiten, wo das nicht einfach für mich war, aber durch dieses tägliche Besiegen meiner Angst, baut sich Momentum auf.

Leben ohne Reue und die Macht des Momentums

Hast du schon einmal versucht einen Zug aufzuhalten, der mit 200 Stundenkilometern rast ? Selbst wenn du eine große Mauer auf die Gleise bauen würdest, würde der Zug trotzdem mühelos durch die Mauer brettern. Der Grund ist Momentum.

Wenn der Zug einmal Fahrt aufgenommen hat, ist er schwer ihn zu bremsen . Aber wenn der Zug dagegen noch still steht, kann ein kleiner Keil unter den Rädern dafür sorgen, dass der Zug nicht los fährt.

Genauso ist es mit Gewohnheiten, wenn du dir als Ziel setzt, jeden Tag eine Unbequemlichkeit zu überwinden, dann wird es dir leicht fallen Momentum aufzubauen und du wirst bald für dich selbst und deine Werte einstehen können und ein Leben ohne Reue leben können.

5 Comments

  1. […] der meisten Leute anzuschauen, die kurz vor ihrem Tod standen anzuschauen, um zu sehen, dass Reue nicht nach seinen eigenen Standards gelebt zu haben auf Platz 1 steht. Wenn wir Risiko nämlich als "Wahrscheinlichkeit eines unwiederbringlichen […]

  2. […] der meisten Leute anzuschauen, die kurz vor ihrem Tod standen anzuschauen, um zu sehen, dass Reue nicht nach seinen eigenen Standards gelebt zu haben auf Platz 1 steht. Wenn wir Risiko nämlich als "Wahrscheinlichkeit eines unwiederbringlichen […]

  3. […] in den letzten zwölf Wochen ihres Lebens kümmerte,hörte immer wieder dieselben Geschichten- Geschichten der Reue. An der Spitze der Liste: "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt mein eigenes Leben zu leben und […]

  4. […] Selbsttransformation: Die meisten Menschen leben ein Leben in stiller Verzweiflung- diese Bemerkung hat Henry David Thoreau vor über 150 Jahren gemacht. Jedoch ist es eine Beobachtung, die heute noch Anklang findet. Diese Verzweiflung ist das Produkt von nagenden Gefühlen, dass wir unser Leben verschwenden könnten-begleitet von der Frustration, dass wir trotz unseres Wunsches zu wachsen und unserem Leben Bedeutung zu geben, die Jahre haben vorbeiziehen lassen. […]

  5. […] möchte dir dagegen eine andere Möglichkeit vorschlagen: Ein gelebtes Leben ohne Reue, ein Leben, in dem du gewirkt hast und die Welt um dich herum zu einem besseren Ort gemacht hast, […]

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