Über die Kürze des Lebens- Die vielleicht wichtigste Frage deines Lebens-Wie gehen wir mit dem Tod um ?

Es gibt Menschen, die nicht in ihrem aktuellen Leben leben. Sie leben so als bereiteten sie sich mit all ihrem Eifer auf ein anderes Leben vor. Während sie das tun, verfließt die Zeit und ist für immer verloren.
—ANTIPHON

Das Leben ist kurz und eines Tages werden wir sterben. Ich weiß : Netter Start in einen neuen Blogpost.

Warum erinnere ich dich daran und erzähle dir etwas, dass du schon weißt? Damit wir beide uns daran erinnern, dass der Tod eine helle Seite hat- er macht unsere Zeit auf der Erde so kostbar und lässt uns unsere begrenzte Zeit hier wertschätzen. Das Ganze gibt uns jedoch einen Sinn von Dringlichkeit heute noch zu handeln und zu leben!

Ich weiß, ich weiß! Das hast du schon Tausende Male gehört und gedacht, aber wir sind verdammt gut daran es wieder zu vergessen. Wir alle haben schon einmal Dinge aufgeschoben, die wir tun wollten- so wie ich diesen Blogpost.

Die beste Analogie, die ich jemals gehört habe, ist, dass der Tod wie die Sonne ist. Sie beeinflusst jeden Teil unseres Lebens, aber es macht keinen Sinn rein zu starren. Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag weniger gelesen wird als die Beiträge zur positiven Psychologie und Freude auf Abruf , aber beim Erzählmirmehr-Podcast geht es um emotionale Meisterung und da ist eine rosarote Brille nicht immer hilfreich. Auch Tod und Sterben gehören dazu: Lass uns doch lernen damit umzugehen und sogar Kraft aus der Erkenntnis schöpfen.

Wer absolut alles tut um Niederlagen zu vermeiden, wird nie etwas von Wert erschaffen, sagten die Stoiker. Die eigentliche Niederlage ist es gegen deine eigenen Prinzipien und Werte zu verstoßen.
Eine Niederlage ist es das zu verneinen, was du liebst und was du der Welt wirklich mitteilen möchtest, um nicht verrückt oder seltsam zu klingen.

Ich bin ehrlich zu dir. Ich hatte Angst diesen Post zu veröffentlichen und mit Freunden, Verwandten und der Welt zu teilen. Doch die einzige Sache vor der, ich noch mehr Angst habe, ist es eines Tages voller Reue sagen zu müssen: „Hätte ich mich doch getraut das zu sagen, was mir wirklich wichtig ist und das Leben nach meinen Vorstellungen zu leben. “

Purpose

Was der Sinn dieses Beitrags ist

Ich bin ehrlich zu dir : Ich habe keine Ahnung, was nach dem Tod passiert !

Wer bin ich, um so eine große Frage beantworten zu können ?

Der Beitrag soll sich deshalb auf das konzentrieren, was wir wissen. Wie du das Ganze bewertest, überlasse ich dir.

Die drei Strategien um mit dem Tod und dem Sterben umzugehen

Es lassen sich immer wieder drei Strömungen in der Gesellschaft betrachten. Die einen, die den Tod verneinen, diejenigen, die ihn ignorieren und diejenigen, die sich bewusst über den Tod sind und als Folge dessen dankbar sind zu leben.

Eine Geschichte über die Kürze des Lebens und die Vergänglichkeit

Unter den zahlreichen Fragen der Menschheit ragt eine ganz besondere Herausforderung heraus: der Tod. Bis vor wenigen Jahrzehnten gingen die meisten Religionen und Ideologien selbstverständlich davon aus, dass der Tod ein unabwendbares Schicksal ist.

Gilgamesch-Epos : Wie wir Menschen mit dem Tod umgehen

Das ist die zentrale Botschaft des ältesten Mythos der Menschheit, des Gilgamesch-Epos der alten Sumerer. Der Mythos erzählt die Geschichte von König Gilgamesch von Uruk, des stärksten und fähigsten Menschen der Welt, der alles besitzt und jeden Feind in der Schlacht besiegt.

Eines Tages stirbt jedoch sein bester Freund Enkidu. Tagelang sitzt Gilgamesch neben dem Leichnam und starrt ihn an, bis er sieht, wie ein Wurm aus dem Nasenloch seines toten Freundes kriecht.

In diesem Moment erfasst ihn die Verzweiflung und er beschließt, nie zu sterben.

Er ist entschlossen, den Tod zu besiegen-egal, was es kostet. Gilgamesch reist bis ans Ende der Welt, tötet Löwen, trifft auf Skorpionmenschen, fährt in die Unterwelt und zerschlägt die
Steinriesen von Urschanabi. Doch alle Mühen sind vergebens.

Mit leeren Händen kehrt er nach Hause zurück und ist genauso sterblich wie zuvor. Er hat nur eines gelernt: Als die Götter den Menschen erschufen, gaben sie ihm den Tod als sein unvermeidliches Schicksal mit, und der Mensch muss lernen, damit zu leben

Mein erster Kontakt mit der Vergänglichkeit

Vergänglichkeit

Ich erinnere mich noch haargenau an meine erste Begegnung mit der Vergänglichkeit. Ich war ca. 8 Jahre alt als mein Opa wieder einmal von früher erzählte. Mit leuchtenden Augen fragte ich: Boaaah und wie lange ist das her ?

Seine Antwort:" Bestimmt schon 50 Jahre."

Diese harmlos klingende Antwort hat mich das erste Mal verstehen lassen, dass ältere Menschen das Leben in Blöcke einteilen und ich noch nicht einmal einen Zehnerblock hinter mir hatte.

Das "Ich" und meine Welt in der ich 24/7 lebte, hatte vor 10 Jahren noch nicht einmal existiert. das war der Moment in dem ich verstand, dass mein Opa, meine Eltern und ich auch eines Tages nicht mehr sein werden.

Über die Kürze des Lebens - Seneca

Zum größeren Teil beklagen sich die
Menschen heftig über die Mißgunst der Natur, weil wir
nur für ein kurzes Leben geboren werden und weil so
rasch, so ungestüm die uns gewährte Zeitspanne
entflieht, dergestalt, daß mit Ausnahme von ganz
wenigen für alle anderen inmitten der Vorbereitung auf
das Leben das Leben endet.

Abgesehen von der Sprache klingt das nach einer ziemlich genauen Beschreibung unser heutigen Gesellschaft. Einige Fragen der Menschheit ändern sich nicht.

Schon Seneca hat damals in seinem Werk "über die Kürze des Lebens"(De brevitate vitae) den Nagel auf den Kopf getroffen: Das Leben ist kurz und verrinnt schnell, wenn wir es aufschieben.

Zum Glück durfte ich das Ganze schon mit meinen jungen 20 Jahren von Seneca lernen. Aber wie sieht das eigentlich in Bildern und Zahlen aus, wenn ich einfach einmal davon ausgehe, dass ich 90 Jahre alt werde:

Geburtstage:

Geburtstage

Ich hatte zunächst auch Tabellen und Graphiken für Monate, Wochen und Tage angefertigt, aber das hätte den Rahmen etwas gesprengt.
Was mir dabei bewusst wurde : Wenn ich die Punkte, die Tage unseres Lebens repräsentieren auf ein Blatt Papier aufmale, passen sie auf ein einziges Blatt Papier .

Aber lass uns das ganz doch einmal nicht in Zeit messen, sondern in Ereignissen:

Fußballweltmeisterschaften:

Wie viele Fußballweltmeisterschaften werde ich noch erleben? Hmm , da sie nur alle 4 Jahre sind gar nicht so viele...

Fußballweltmeisterschaften

Urlaub alle 2 Jahre:

Ich mag es zu arbeiten ! Gehen wir davon aus, dass ich alle 2 Jahre mal in den Urlaub fahre. Oh Mist ! Ich sollte meine Reiseziele gut und sorgfältig auswählen, wenn ich etwas von der Welt sehen will.

Eltern

Am Anfang meines Lebens habe ich 90 % meines Tages mit meinen Eltern verbracht. Aber viele werden es kennen. Man zieht um, arbeitet an seinen eigenen Projekten und sieht sich häufig nur an Wochenenden oder Feiertagen.

Ich bin noch jung und gehe stark davon aus, dass mir und meinen Eltern noch eine Koexistenz von mindestens 30 Jahren vergönnt ist. Gehen wir einfach einmal davon aus, dass wir uns aufgrund der räumlichen Distanz nur noch 10 Tage im Jahr sehen.

10 x 30 =300

Das würde bedeuten, dass ich mit ihnen den Rest meines Lebens weniger Zeit verbringen würde als in jedem der ersten 20 Jahren meines Lebens.

zeit mit eltern

Hmm wie sieht es dann mit der Zeit gemeinsam mit meiner Schwester oder meinen Freunden und Kumpels aus der Heimat aus ? Früher unzertrennlich und heute sehen wir uns nochmal ab und zu an Feiern in der Heimat.

Wahrscheinlich habe ich prozentual auch schon 90 % meiner Zeit mit ihnen verbraucht. Klar haben du und ich noch einiges an Zeit vor uns und wir werden die Personen, die uns wichtig sind noch einmal sehen, aber wir sollten nicht die Augen vor dem Fakt verschließen, dass auch unsere Zeit begrenzt ist.

Auch hier muss ich wieder meinen alten Freund Seneca zu Rate ziehen :

Mit dem Allerkostbarsten geht man leichtfertig um und merkt es nicht einmal, weil es nichts Gegenständliches ist, weil es nicht ins Auge fällt und deshalb als ganz selbstverständlich gilt, ja fast wertlos ist.

Regelmäßige Einkünfte und außerordentliche Spenden beziehen die Leute sehr gern und verwenden darauf Mühe, Anstrengung und Sorgfalt. Doch niemand weiß die Zeit zu schätzen; sie gehen mit ihr ziemlich großzügig gleich als gäbe es sie umsonst. -Seneca

Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

Über die Kürze des Lebens und den Tod - Das zweischneidige Schwert

Am deutlichsten mache ich dir die Situation über die Kürze des Lebens, indem ich, eine Stelle aus Sigmund Freund Unterhaltung mit dem Dichter Rilke wiedergebe:

Freud befand sich auf einem Spaziergang mit Rilke durch eine blühende Sommerlandschaft. Der Dichter bewunderte die Schönheit der Natur um sie herum, aber ohne sich ihrer zu erfreuen.

Ihn störte der Gedanke, dass all diese Schönheit eines Tages vergehen wird und ebenso jede menschliche Schönheit und alles Schöne und Edle, was Menschen geschaffen haben und schaffen könnten. Alles, was er sonst geliebt und bewundert hätte, schien ihm entwertet durch das Schicksal der Vergänglichkeit, zu dem es bestimmt war.

Laut Freud ist dies ein zweischneidiges Schwert. Rilke fühlt eine gewisse Traurigkeit, weil das Schöne nicht ewig halten wird, aber kann sich trotzdem der Schönheit des Moments erfreuen. Das Ablehnen dieser Wahrheit wäre sonst gleichzeitig eine Ablehnung gegen die Realität, da Tod und Vergänglichkeit Teil des Lebens sind.

Freud argumentiert jedoch dagegen, dass in dieser Vergänglichkeit eigentlich doch eine Wertsteigerung des Moments liegt. Wie mit allen knappen Ressourcen (Gold, Platin...) wird auch Zeit kostbar, weil sie begrenzt ist.

Hier einmal die Ausführung dieses Gesprächs in Videoformat :

Geschichten, Mythen und Theorien um das Leben nach dem Tod als Möglichkeit den Tod zu verarbeiten- Strategie der Verneinung des Tods

Joseph Campbell Mythen

Wenn wir die psychologischen und physiologischen Bedürfnisse des Menschen betrachten, ist der offensichtlichste Unterschied, dass wir unser Leben primär rund um Mythen und Theorien und erst sekundär um Gesetze, Ziele und Wirtschaft bauen.

Nahrung, Wasser, Reproduktion und Reviersuche spielt auch im Leben unser verwandten Primaten eine Rolle. Aber aus welchem Grund erschaffen wir Institutionen, gründen Unternehmen, schreiben Bücher und bauen Pyramiden ?

Im Gegensatz zu vielen anderen Tieren sind wir uns bewusst, dass wir eines Tages sterben werden. Dieses Bewusstsein um den Tod sorgt dafür, dass wir seit Tausenden von Jahren Geschichten über den Tod erfinden, um besser damit umgehen zu können.

Das erkennen wir daran, dass in allen Kulturen dieser Erde Mythen und Theorien rund um den Tod herrschen und auch in der Antike geherrscht haben.

Die Erkenntnis, dass wir vergänglich sind, scheint uns Menschen so sehr zu beschäftigen, dass wir ganze Religionen darum bauen und mentale Bilder schaffen.

Kurz gesagt: Das Bewusstsein über den Tod gibt uns Menschen den Impuls für Mythen, wie Joseph Campbell sagt.

Ernest Becker- Die Überwindung der Todesfurcht (the denial of death )

Ernest Becker gewann 1974 sogar den Pulitzer Preis für sein Werk The Denial of Death (die Ablehnung des Todes)

Kurz zusammengefasst : In diesem Buch geht es darum, dass die menschliche Zivilisation einen Selbstverteidigungsmechanismus gegen das Wissen entwickelt hat, dass unsere Zeit hier begrenzt ist. Becker sagt, dass wir unterbewusst alle an einem Unsterblichkeitsprojekt teilnehmen. Menschen versuchen Teil von etwas zu werden, das für immer bleibt- Religion, Kunst, Musik, Patriotismus, politische oder soziale Bewegungen usw.

Laut Becker sei das unser Versuch an etwas Größerem teilzuhaben, das uns selbst ein Gefühl von Bedeutung, Wachstum und Beitrag gibt (3 der extrem wichtigen menschlichen Bedürfnisse.

Auch Viktor Frankl, der enorme Folter in Konzentrationslagern über sich ergehen lassen musst, die er in seinem Buch "Trotzdem Ja zum Leben sagen" beschreibt, sagt, dass er das Konzentrationslager nur überleben konnte, weil er im Leiden einen Sinn erkennen konnte.

Das ist der Terror: aus dem Nichts erstanden zu sein, einen Namen zu haben, Bewusstsein zu haben, Gefühle und Gedanken und ein qualvolles Verlangen nach dem Leben zu haben und trotzdem sterben zu müssen.

# Strategie 2: Ignoranz des Gedanken an den Tod

Hedonimus als Strategie

Hedonismus

Hedonisten glauben, dass sie Glück erhalten, indem sie ausschließlich Dinge machen, die ihnen Spaß machen und von spaßiger Aktivität zu spaßiger Aktivität springen ohne die Zukunft oder den tieferen Sinn dahinter zu suchen.

Besonders muß ich aber auch jene nennen, die nur für Suff und Sex etwas übrig haben. Sie lassen sich nämlich von den schändlichsten Trieben beherrschen. Denn wenn die anderen auch von den trügerischen Vorspiegelungen ihres Ehrgeizes nicht loskommen, befinden sie sich doch in einem schönen Wahn.- Seneca

Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

Bequemlichkeit und positive Gefühle und Vergnügen sind toll und wir wollen und sollen sie alle in unserem Leben haben. Doch es ist ein Wert, den man nicht an absolut oberste Stelle stellen sollte. Frag jeden Drogensüchtigen, was die Jagd nach kurzzeitigem Vergnügen macht. Frag Menschen, die kurzzeitiges Vergnügen erlangt haben, in dem sie so viel Zucker und Fett gegessen haben, dass sie fast platzen. Hat Vergnügen ihnen geholfen ihre Probleme zu lösen ?

Auch die Wissenschaft dahinter ist eindeutig: Menschen, die ihre Energie auf oberflächliches Vergnügen richten, sind anfälliger für Depression, Panik und emotionale Instabilität, falls ihnen das Vergnügen entzogen wird. Gerade weil Vergnügen die oberflächlichste Form von Genugtuung im Leben ist, ist sie auch am leichtesten zu verlieren.

Aber warum glauben wir an diese Hedonismuslüge ? Weil es uns durch Marketing 24/7 vermittelt wird. So stumpfen wir uns ab und lenken uns ab. Obwohl Vergnügen ohne Frage ein notwendige Bestandteil des Lebens ist, reicht es an sich nicht aus.

Produktivität und Geschäftigkeit

Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die am Morgen hängt und das Heute verliert.

Die zweite Strategie zur Verdrängung ist das so genannte Hamsterrad, in dem die Gegenwart und alle Freude in der Gegenwart für Glück in der Zukunft geopfert wird. Jetzt enorm leiden um eines Tages den Job zu haben und viel Geld zu verdienen und dann mit 70 Jahren erschöpft und unglücklich, aber mit viel Geld in den Ruhestand zu gehen.

Ich bin ehrlich zu dir: Auch ich falle häufig in diese Kategorie und sorge mich ab und zu, wenn ich mir einmal ein bisschen mehr Zeit im Fittnessstudio lasse oder einmal in Ruhe mein Essen genieße. Manchmal kaufe ich den Mythos der Geschäftigkeit so sehr ab, dass ich mich schuldig fühle, wenn ich einmal nicht arbeite oder produktiv bin.

Kierkegaard glaubte, dass die größte Quelle unseres Unglücks die Tatsache ist, dass wir Geschäftigkeit nicht als Entscheidung anerkennen und Gegenwärtigkeit viel mehr Fülle gibt als Produktivität um der Produktivitäts willen.

Zeit ist Geld

Illustration von Lisbeth Zwerger- Alice in Wonderland

Wie wir unsere Tage verbringen ist eine Reflektion davon, wie wir unser Leben verbringen. Ein vollgepackter Zeitplan gibt uns den Luxus nicht das Chaos in uns selbst ansehen zu müssen und uns nicht uns selbst stellen zu müssen.

Eine Leserin beschrieb mir neulich ziemlich ähnliche Realität :

Meditation? Oh je... genau vor der Ruhe und Stille laufe ich derzeit noch weg (...) allein das Wort Angst löst etwas in mir aus...

Was ist der Wert der Freiheit, Gesundheit und Freizeit, wenn niemand weiß, wie sie zu nutzen ist ?

Zeit ist Geld

Von denen, meinst du, rede ich, deren schlimme Lage
außer Zweifel steht? Schau die an, um deren Glück man
sich drängt! Sie ersticken an ihren Schätzen! Wie vielen
ist ihr Reichtum eine Last! Wie viele kosten ihre
Redekunst und der krankhafte Drang, sich täglich als
Talent zu produzieren, den letzten Blutstropfen? Wie
viele sind blaß von dauernden Ausschweifungen? Wie
viele haben keine freie Minute mehr, weil sie Klienten in
Scharen umringen! - Seneca

Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

Materieller Erfolg. Viele Menschen messen ihren Selbstwert daran, wie viel Geld sie machen, welches Auto sie fahren, ob ihre Einfahrt schöner ist als die des Nachbars. Das ist kein Urteil, sondern eine Feststellung. Wer bin ich um urteilen zu dürfen, was das gute Leben beinhaltet ?

Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht hat das Recht auf seine eigenen Fakten. Die Studienlage ist eindeutig. Sobald einmal für alle körperlichen Bedürfnisse gesorgt ist, nimmt die Korrelation von Glück und Geld enorm ab. Man kann dieses natürlich weiterhin verfolgen und da ist auch absolut nichts Verwerfliches dran. Man sollte sich aber bewusst machen, dass es nicht mit Glück korreliert.

Wenn du auf den Straßen von Indien verhungerst sind 10.000 Euro pro Jahr ein großer Faktor in deinem Glück. Wenn du hier im Westen dafür 19 Stunden Tage einlegen musst, muss man sich gut überlegen, ob es das wert ist.

Die Schwierigkeit der Verknüpfung des Selbstbildes an materiellen Erfolg sorgt dafür, dass der Verlust zum Verlust des Selbstwertgefühls führt.

Produktivität

Illustration von Gus Gordon

Tim Ferriss trifft den Nagel auf den Kopf

Im Buch "Die 4-Stundenwoche" sagt Tim Ferriss sehr passend: Finanziell reich zu sein und wie ein finanziell Reicher zu leben, sind zwei unterschiedliche Dinge.

Angenommen wir arbeiten eine 80 Stundenwoche als Investmentbänker(und hassen es), brennen uns körperlich und mental vollkommen aus und verdienen 500.000 im Jahr. Jemand der ein kleines Onlinebusiness besitzt, in dem er nur 40.000 verdient, kann unter Umständen trotzdem deutlich reicher und freier sein, wenn man sich den Lebensstil ansieht.

Geld gibt uns Möglichkeiten das zu tun, was wir wollen, Optionen, die Möglichkeit zu entscheiden. Dafür ist Geld da- um es für Waren, Dienstleistungen und Erlebnisse eintauschen zu können, die es uns wert sind.

Es gibt Menschen, die sagen, dass sie Reichtümer haben, wie wir sagen, dass wir Fieber haben. Eigentlich hat das Fieber uns. — SENECA

Prokrastiantion und Reue

Niemand gibt dir deine Jahre zurück, niemand bringt
dich wieder zu dir selber. Dein Leben eilt dahin, wie es
begonnen hat, und wird seinen raschen Lauf nicht
zurückrufen oder hemmen.

Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

Dinge, die man wirklich machen will, aufzuschieben, ist eine der größten Verschwendungen der Lebenszeit. Reue bewegt die Menschen, die kurz vor dem Tod stehen. Aber was sorgt eigentlich dafür, dass wir ein Leben ohne Reue leben und was sind die Dinge, die sterbende Menschen am meisten bereuen ?

Höre dir hier die Podcastepisode an:

Reue angesichts der Entscheidungen, die man getroffen oder nicht getroffen hat. Vorwürfe gegenüber sich selbst, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war. Ein Leben ohne Reue ist das, was diese Menschen sich am sehnlichsten wünschen.

Aber warum leiden wir unter Verlust mehr als durch Gewinne: Kennst du die Studie mit den Affen und den Äpfeln aus der Verhaltensökonomie? Ein Affe war glücklich, wenn er einen Apfel erhielt. Aber wenn er zwei bekam und dann nahm man ihm einen wieder weg, wurde er böse – obwohl er immer noch einen Apfel besaß. Menschen funktionieren genauso. Das Ganze nennt man Verlustaversion.

Unsere größte Reue ist, wenn wir uns die Erfahrungsberichte von Sterbenden ansehen, dass wir ein ungelebtes Leben gelebt haben und nicht nach unseren Vorstellungen gelebt haben.

Dagegen ist deren Leben äußerst kurz und unruhig, die
Vergangenes vergessen, sich um die Gegenwart nicht
kümmern und vor der Zukunft fürchten. Wenn ihr
letztes Stündchen kommt, erkennen die Bedauernswerten
zu spät, daß sie so lange, ohne etwas zu tun,
geschäftig waren.- Seneca

Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

Nur weil ein Mensch graue Haare hat und sein Pass eine Lebenszeit von 90 Jahren anzeigt, heißt es nicht, dass er lange gelebt hat, sondern beim ersten Anblick erst einmal nur, dass er lange existiert hat.

Was kannst du mit dieser Information anfangen ?

Dankbarkeit gegen die Angst vor dem Tod

Dankbarkeit fürs Leben

Dankbarkeit rückt in Perspektive, wie wertvoll doch jeder Moment ist und mit wie viel Freude wir unser Leben leben könnten.

Oft nehmen wir Dinge als gegeben und selbstverständlich hin, die alles andere als selbstverständlich sind. Die Möglichkeit fließendes, warmes Wasser aus dem Wasserhahn zu bekommen, den Kühlschrank zu öffnen und eine Fülle an Lebensmitteln zu haben und in einem friedvollen Land zu leben, in dem es keinen Krieg gibt, ist ein Luxus, den Millionen von Menschen nie erleben werden.

Gerade deshalb muss ich mir das in meinem 5- Minuten- Journal immer wieder bewusst machen. Dankbarkeit hilft uns zu sehen, dass die Dinge, die wir nebenbei als selbstverständlich betrachten, eigentlich enorm wertvoll sind.

Bewusstsein in Bezug auf den Tod

Auch wenn die Wissenschaft und die Technologie die Lebenserwartung immer weiter verlängert, muss ich mir eingestehen, dass ich und alle, die ich liebe, sterben werden. Wir gehen einmal davon aus, dass die Lebenserwartung sich nicht aufgrund der Technologie und Medizin von 90 auf 700 erhöht.

Vielleicht werden einige von euch sagen : Was zur Hölle ? Wie soll ich mit so einer Erkenntnis glücklich sein ?

Der Fernsehsender BBC hat einmal eine Geschichte geteilt, die den Namen “Bhutan’s Dark Secret to Happiness” trug, veröffentlicht, die er erklärt, warum die Leute im Bhutan so glücklich sind. Der Grund ? Sie dachten täglich 5 Mal an den Tod. Das Ganze ist in einer Studie aus dem Jahr 2007 festgehalten worden.

Es scheint also so, als ob die Achtsamkeit in Bezug auf unsere Sterblichkeit eins der Geheimnisse für Glück ist. Als ich das erste Mal davon gehört habe, war meine Reaktion darauf : " Das ist doch absolut lächerlich. Das stürzt mich doch eher in eine Depression." Doch ein weitere Studie zeigt sogar, dass jemand, der das Gefühl hat nur noch sehr wenig Zeit auf dieser Erde zu haben, eher Freude und Dankbarkeit bei gewöhnlichen Situationen empfindet und damit glücklicher ist.

Auch Steve Jobs hat bei seiner berühmten Rede in Stanford im Jahr 2005 sagte, dass der Gedanke an seinen Tod sein Erfolgsgeheimnis sei:

Mich daran zu erinnern, dass ich eines Tages tot sein werde, hat mir eines der wichtigsten Werkzeuge gegeben um große Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Weil fast alles- alle äußeren Erwartungen, jeder Stolz, jede Angst sich zu blamieren oder zu scheitern im Angesicht des Todes wegfällt.

Sich daran zu erinnern, dass man sterben wirst, ist die beste Möglichkeit die Falle zu vermeiden zu denken, dass du etwas zu verlieren hast. Es gibt keinen Grund nicht deinem Herzen zu folgen.

Achtsamkeit in Bezug auf den Tod ist eine meiner wichtigsten täglichen Rituale. Es rückt alles in die richtige Perspektive und gibt mir Klarheit, was mir wirklich wichtig ist und ändert dadurch meine Priorisierung.

Es hat erstaunliche Auswirkungen: Es macht es wirklich schwierig wütend auf jemanden zu sein, der mir etwas bedeutet. Was wäre, wenn es mein letztes Treffen mit ihm oder ihr wäre ? Wie viel Empathie und Dankbarkeit würde ich dann zeigen ?

Ich denke, dass du meine Nachricht dahinter nachvollziehen kannst. Ich will dich gar nicht überzeugen dasselbe auch zu versuchen, sondern nur dazu einladen.

Achtsamkeit in Bezug auf den Tod

Erinnere dich mindestens einmal pro Tag- am besten morgens- , dass wir alle eines Tages sterben werden.

  • Eines Tages werde ich sterben. Jeder Moment hier ist wertvoll
  • Eines Tages werden auch alle Personen, die ich liebe nicht mehr hier sein. Jeder Moment, den ich mit ihnen verbringen darf, ist ein Geschenk.
  • Doch man verliert am meisten von seinem Leben durch
    Aufschub. Der nimmt einen Tag nach dem andern weg,
    der raubt uns die Gegenwart, indem er uns Hoffnung auf
    Künftiges macht. Das größte Lebenshemmnis ist das
    Warten, das sich ans Morgen klammert und das Heute
    verliert.

    Bildquelle: http://partiallyexaminedlife.com

    Persönliche Gedanken zur Kürze des Lebens

    Über die Kürze des Lebens

    Das Welken der Blume sorgt nicht dafür, dass wir leiden, sondern das unrealistische Verlangen, dass die Blume niemals vergeht, tut es. Wir können den Anblick der Pflanze genießen, obwohl sie eines Tages verwelkt sein wird.

    Du hörst es immer wieder : Lebe dein Leben, als ob heute dein letzter Tag wäre. Gemeint ist nicht der hedonistische Exzess (wie oben beschrieben). Ich stimme an dieser Stelle den Stoikern zu, dass wir von Zeit zu Zeit reflektieren sollten, ob wir wirklich so leben, wie wir leben wollen.

    Es geht nicht primär darum andere Aktivitäten auszuführen, sondern eher darum die Art und Weise des Denkens, die Präsenz und die Dankbarkeit zu hinterfragen, mit der wir den Tag leben.

    Es ist nämlich absolut nicht selbstverständlich in einem goldenen Zeitalter mit fließendem, warmen Wasser, genug Nahrung und Frieden im Land zu leben. Das ist ein Luxus, den Millionen von Menschen niemals haben werden.

    Mein persönliches Ziel ist es die Welt innerhalb des Rahmens meiner Möglichkeiten die Welt zu einem besseren Ort zu machen und mit meinen Unternehmen dazu beizutragen. Mir ist bewusst, dass mir niemand jemals meine Jahre zurückgeben wird. Gerade deshalb ist es meine Mission mein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben. Wenn ich nicht für meine Ziele, Träume und Werte arbeite, arbeite ich für die von jemand anderem.

    Hinreichend lang ist das Leben und großzügig
    bemessen, um Gewaltiges zu vollbringen, würde man es
    im Ganzen nur richtig investieren. Doch wenn es uns in
    Genuß und Nichtstun verrinnt, wenn wir es keinem
    guten Zweck widmen, dann wird uns erst in unserer
    letzten Not bewußt, daß, was von uns unbemerkt
    verging, vorbei ist!- Seneca

    Ob Aristoteles, Buddha, Jesus oder die Psychologen aus Harvard. Alle sagen im Prinzip das Gleiche. Langanhaltendes Glück entsteht, wenn wir uns um etwas sorgen, das bedeutender ist als unsere eigene Existenz- eine Mission oder der Wunsch einen Beitrag zu leisten.

    Der Realität unser eigenen Sterblichkeit ins Auge zu sehen ist so wichtig, weil es alle fragilen und oberflächlichen Werte in den Hintergrund stellt. Der Tod konfrontiert uns mit deutlich wichtigeren Fragen : Welchen Fußabdruck willst du hinterlassen ? Wird die Welt besser sein, weil du da warst ? Wie sollen dich deine Familie und deine Freunde in Erinnerung behalten ?

    Obwohl die Frage so wichtig ist, vermeiden wir sie. Warum ? Weil sie unangenehm ist und uns Angst macht !
    Und weil sie uns Angst macht, vermeiden wir darüber nach zu denken, zu sprechen und manchmal sogar, dass es wahr ist.

    Ich lehne es mit allen, was ich habe, ab ein ungelebtes Leben zu sterben. Wie sieht es mit dir aus ?

    Mein Ziel dieses Betrags ist es nicht dir eine Lösung auf diese Frage zu geben oder dir meine Meinung auf zu zwängen. Ich habe meine Lösung gefunden- deine kann eine ganz andere sein.

    Mein Ziel ist es dich zum Nachdenken anzuregen, was wirklich wichtig für dich ist.

    Das Überwinden der Todesangst ist das Wiederfinden der Lebensfreude. Eine wirklich vollkommene Lebensbejahung kann nur erreicht werden, wenn Tod nicht als Gegenteil des Lebens, sondern als Teil akzeptiert wird. Das Überwinden des Todes bedeutet den Mut wahrhaft zu leben. - Joseph Campbell

    10 Comments

    1. […] zweite Versuch mit Emotionen klar zu kommen, ist ähnlich wie der Versuch dem Tod zu entkommen die Verneinungsstrategie. Oft versuchen sich Leute nach außen hin stark zu geben und sagen so etwas […]

    2. […] braucht sich einfach nur die Erfahrungsberichte der meisten Leute anzuschauen, die kurz vor ihrem Tod standen anzuschauen, um zu sehen, dass Reue nicht nach seinen eigenen Standards gelebt zu haben auf […]

    3. […] die Erinnerung: " Eines Tages wirst du sterben ! Lebe nach deinen Vorstellungen […]

    4. […] gut geschrieben, klar und verständlich. Diejenigen die ihre Zeit wirklich wertschätzen und die Kürze des Lebens nicht leugnen, werden nicht enttäuscht sein und außergewöhnliche Ergebnisse […]

    5. […] Über die Kürze des Lebens- Die vielleicht wichtigste Frage deines Lebens-Wie gehen wir mit dem Tod… […]

    6. […] denen wir uns zu Recht Gedanken machen sollten. Beispielsweise wird es schwer zu leugnen, dass wir eines Tags sterben werden und dass es nicht in unserer Kontrolle liegt, wie andere uns behandeln oder ob wir krank werden […]

    7. […] erschüttern – sei es ein Gefühl der Isolation von anderen, ein Bewusstsein für die Kürze des Lebens oder andere existenzielle […]

    8. […] die ihre Zeit wirklich wertschätzen und die Kürze des Lebens nicht leugnen, werden nicht enttäuscht sein und außergewöhnliche Ergebnisse […]

    9. […] weißt, dass ich kein Fan von stumpfer Produktivität bin- einfach um produktiv zu sein. Doch unser Leben ist zu kurz, um halbe Sachen zu machen, die uns keinen Spaß machen, aber auch gleichzeitig nicht zu unseren […]

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