Der Umgang mit negativen Gefühlen – Warum nur dein vollständiges Ich und nicht allein dein positives Ich zur Erfüllung beiträgt

Erst neuerdings mit dem Aufstieg der positiven Psychologie ist der Fokus der Menschheit und der Gesellschaft darauf gefallen das Glück zu maximieren und aktiven Suchens nach positiven Emotionen aufgekommen.

Dieser Aufstieg ist auch sehr lobenswert und hat eine Menge hochgradig spannender und wertvoller Erkenntnisse gebracht. Auf der anderen Seite wird die Nachricht der positiven Psychologie zum Teil überinterpretiert. Wir wollen uns eher mit dem Verhältnis von emotionaler Intelligenz und negativen Gefühlen auseinandersetzen.

Viele glauben besonders durch die Idealisierung des positiven Denkens, dass sie nun „schlechte“ negative Emotionen nicht mehr zulassen dürfen. Die unterbewusste Nachricht, die gesendet wird, ist, dass etwas nicht mit dir stimmt, wenn du einmal negative Gedanken hast und vermeiden als Folge dessen sich diesen Emotionen zu stellen.

So funktioniert unser menschlicher Verstand jedoch nicht. Das erinnert mich an meinen kleinen Cousin, der sich beim „Versteckspiel“ die Augen mit einem Kissen zuhält, damit ich ihn nicht sehe. Genauso ist es mit negativen Emotionen. Nur weil wir die Augen davor verschließen, heißt es nicht, dass sie weg sind.

Doch nicht nur Philosophen haben damals schon erkannt, dass zu einem erfüllten Leben nicht nur positive Gefühle gehören, sondern auch die Psychologie belegt, dass ein Sinn, für den wir bereit sind zu leiden, einen großen Wert in unserem Leben haben kann. Denn auch negative Emotionen haben einen Wert und Vorteile, die nicht zu verachten sind.

Eine Geschichte über den Wert negativer Emotionen

Ungefähr vor 2500 Jahren wurde am Fuße des Himalayagebirges (im heutigen Nepal) ein Prinz geboren.

Seine Geburt an einem Vollmondtag im Mai war von besonderen Zeichen begleitet, und seine Eltern erhielten folgende Prophezeiung: „Wenn der Junge nicht mit den Leiden der Welt in Berührung kommt, wird er ein großer Herrscher werden und all eure Wünsche erfüllen. Sollte er aber das Leidbringende aller bedingten Zustände wahrnehmen, wird er alles verlassen und eine ganz neue Dimension in die Welt bringen.“

Die Eltern beschlossen ihn innerhalb des Palastes in einer künstlichen Welt großzuziehen, die perfekt sein sollte. Der Prinz sollte nie ein Bedürfnis haben, einen Moment des Leidens oder irgendein Verlangen. Sein Vater, der König, baute hohe Mauern um den Prinzen von der Außenwelt fern zu halten. Er verwöhnte das Kind und wie geplant erfuhr der Prinz niemals von den negativen Seiten der menschlichen Existenz.

Die ganze Kindheit dieses Prinzen verlief nach diesem Muster. Trotzdem wurde der Prinz nicht glücklich und erfüllt. Jede Erfahrung fühlte sich leer und wertlos an. Egal, was sein Vater ihm gab: Er konnte nie einen Wert daraus ziehen. Nichts schien von Bedeutung zu sein. Nichts war genug.

Dies hielt bis zu seinem 29. Lebensjahr, als er bei heimlichen Ausflügen die Schattenseiten des Lebens kennen lernte. An drei aufeinander folgenden Tagen sah er einen schwer kranken Menschen, einen Alten und einen Toten. Er verstand plötzlich verstehen, dass weltliche Freuden, Schönheit, Kraft und Jugend vergänglich sind.

Als er in den Palast zurückkehrte, fand er sich beinahe in einer Existenzkrise wieder. Er beschuldigte sogar seinen Vater, der ihm nur Gutes tun wollte, dass er diese Seite des Lebens vor ihm versteckt hielt. Gerade sein Glück und seine Reichtümer sorgten für sein Unglück. So entschied er sich von zuhause zu flüchten.

Er beschloss, seine adlige Herkunft hinter sich zu verlassen. Er schnitt sein langes Haar, das Zeichen seiner adligen Abstammung war, ab. Sechs Jahre lang widmete er sich der Askese.

Nachdem er als Prinz alle Freuden des Körpers und der Sinne erfahren hatte, glaubte er jetzt, seine Emotionen allgemein- besonders die positiven Emotionen- seien ein Hindernis und ihre Unterdrückung führe zu mehr geistiger Klarheit.

So hungerte er sich fast zu Tode- nur um später zu erkennen, dass Askese nicht nur den Körper, sondern auch seinen Geist schwächte und ihn dem Ziel nicht näher brachte. Diese Erfahrung war ein weiterer Wendepunkt in seinem Leben – seine Abkehr von den Extremen.

Er bemerkte etwas, das uns heute auch schon bekannt ist: Leiden ist auch scheiße und gibt auch in Isolation keinen Sinn.

Vollkommen verwirrt setzte er sich in die Nähe eines Flusses unter einen Baum und bemerkte, dass weder Reichtümer noch Leid ihm Erfüllung brachten, wenn er es ohne Sinn verfolgte. Laut der Legende saß er insgesamt 49 Tage unter dem Baum. Man kann sich natürlich über die historische Wahrheit der Geschichte streiten, aber das soll jetzt nicht Gegenstand dieses Blogartikels sein.

Was man aber sagen kann, ist, dass der Prinz zu einer Reihe von tiefen Einsichten kam.

Eine davon ist: Solange wir Menschen sind, die lieben und leben, gibt es immer ein Teil von negativen Emotionen und Leid. Es gibt also keinen Grund sich zu verurteilen- auch wenn manchmal propagiert wird. Arme Menschen leiden. Reiche Menschen leiden. Menschen ohne Familie leiden. Menschen leiden wegen ihrer Familie. Es gibt Menschen, die weltliche Güter und Besitztümer und Ruhm anhäufen und leiden. Auf der anderen Seite leiden Leute, aber auch , die ihnen vollkommen abschwören.

Es heißt natürlich nicht, dass alles Leiden gleich ist. Manches Leid ist natürlich schmerzvoller als anderes. Was ich sagen möchte ist, dass kein Leiden besser oder edler ist als ein anderes. Beides bleibt unangenehm.

Um noch einmal zur Geschichte zurück zu kehren: Der Name des Prinzens war übrigens Siddhartha Gautama- auch bekannt als der Buddha. Falls du noch nie von ihm gehört hast- in Asien war er echt eine große Nummer. 😛

siddhartha gautama leben

Wie gehen wir Menschen mit negativen Emotionen um

Wenn ich Menschen in meinem Umfeld beobachte, fallen mir 4 generelle Muster in der Art und Weise auf, wie wir mit Emotionen umgehen.

1. Vermeidung

Wir alle wollen schmerzvolle Emotionen vermeiden. Als Folge dessen versuchen die meisten alles zu vermeiden, was auch nur die geringste Unannehmlichkeit erwecken könnte oder noch schlimmer- sie versuchen überhaupt keine Gefühle zu haben. Um Ablehnung und Zurückweisung zu vermeiden, vermeiden sie tiefere emotionale Bindungen, die zur Verletzlichkeit oder Zurückweisung führen könnten. Sie bewerben sich nicht für herausfordernde Jobs, obwohl sie es gerne tun würden usw..

Diese Vorgehensweise ist die ultimative Falle. Während dich das Vermeiden negativer Emotionen vielleicht vor kurzzeitigem Schmerz schützt, ist es nicht im Sinne von emotionaler Intelligenz und hält dich langfristig davon ab Gefühle wie Liebe, Intimität und Verbindung zu fühlen, die Teil der 6 menschlichen Bedürfnisse sind. Solange wir Menschen sind, die leben und lieben, werden wir immer Emotionen haben.

2. Verneinung der Existenz

Ablehnung

Der zweite Versuch mit Emotionen klar zu kommen, ist ähnlich wie der Versuch dem Tod zu entkommen die Verneinungsstrategie. Oft versuchen sich Leute nach außen hin stark zu geben und sagen so etwas wie: " Mir gehts super !", während es sie innerlich zerreißt. Sie haben nicht ihren Fokus geändert, keine innere Verwandlung gemacht und stellen immer noch dieselben entmutigenden Fragen.

Die Verneinung und Ignoranz von Emotionen ist auch keine effektive Strategie, da sie das "Problem" nicht bei der Wurzel packt. Wenn die Nachricht, die dir die Emotion sendet einfach ignoriert wird, intensiviert sich diese, bis du handelst.

3.Wettbewerb

Wettbewerb

Vielleicht hast du es noch nie bewusst wahrgenommen, aber du hast es bestimmt schon einmal beobachten können. Manche Menschen haben kein Interesse daran ihre negativen Emotionen zu bekämpfen, sondern entscheiden sich vollkommen in diesen aufzublühen. Was meine ich damit ?

Anstatt die Nachricht, die dieses Gefühl ihnen gibt, um emotionale Intelligenz zu erlangen, zu nutzen, intensivieren sie es dadurch indem sie es wie einen Orden tragen und sogar mit anderen darum kämpfen, wer sich jetzt schlechter fühlt oder wer noch mehr vom Schicksal bestraft wurde.

Das hört sich dann ungefähr so an: " Du denkst, dass du es schlecht hast ? Dann guck dir erstmal an, wie sehr ich leide." Es wird förmlich zum Teil ihrer Identität. So wird es langsam aber sicher zur selbst erfüllenden Prophezeiung, weil die Person tagtäglich ein Investment in diese negativen Gefühle macht.

4. Gefühle nutzen und daraus lernen

(Negative) Gefühle haben einen spezifischen evolutionären Sinn: Sie helfen dir dich ein wenig besser zu reproduzieren. Sie sind Feedbackmechanismen, die uns sagen, ob etwas eher richtig oder eher falsch ist. Damit ist nicht gemeint, dass etwas mit dir nicht stimmt. Genau so wie das Berühren der heißen Herdplatte eine Reaktion deines Körpers ist, ist auch Traurigkeit allein zu sein eine Reaktion des Körpers, die sagt: Du bist ein soziales Wesen. Du magst die Gesellschaft anderer Menschen.

Du merkst also, dass es biologische Signale sind um dich in eine Richtung zu lenken, die sogar vorteilhaft für dich sein können. Es gibt natürlich Emotionen, die mehr schmerzen als andere und ich maße mir gar nicht an zu wissen, wie sich der Verlust eines Kindes oder Ähnliches anfühlt, aber oft gibt uns eine negative Emotion den Impuls uns einem bisher ungelöstem Problem zu widmen- ähnlich wie beim körperlichen Schmerz.

Emotionen sind jedoch nur ein Teil in der Rechnung unseres Lebens und nicht die ganze Rechnung. Nur weil sich etwas gut anfühlt, heißt es nicht immer, dass es gut für dich ist und nur weil sich etwas schlecht anfühlt, heißt es nicht, dass es schlecht für dich ist. Beispielsweise hat sich jede Situation deines Lebens, in der du dich mutig gehandelt hast, im Moment selbst unangenehm angefühlt. Trotzdem ist etwas daraus erwachsen, das mehr Wert hat als dieser Schmerz des Unbequemlichkeit.

Emotionen- besonders negative- zu unterdrücken und zu missachten, ist gleichzeitig auch die Missachtung eines biologischen Feedbackmechanismus', der uns hilft Probleme zu lösen. Oft ist Schmerz daher ein Aufruf des Körpers zu handeln und erfüllt einen biologischen Zweck. Die Menschen, die du liebst, sind auch die Personen, um die du dich am meisten sorgst und daher leidest, der Traumjob, den du verfolgst, ist auch der Job, der bei dir am meisten Stress auslöst, weil er dir wichtig ist usw.

Ich denke, dass du das Prinzip verstanden hast. Auch wenn es eine Pille ist, die manchmal schwer zu schlucken ist: Wir können nicht vor negativen Emotionen wegrennen, aber wir können sie nutzen um besser zu werden.

Emotionen sind nicht deine Feinde

Vielleicht muss der Glaubenssatz darüber, was Emotionen sind, verändert werden. Es sind nicht unsere Feinde oder etwas, das bekämpft werden muss, sondern können häufig auch als Impulse zu handeln beschrieben werden , die auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen können.

Doch eine simple Veränderung unser Physiologie und unseres Fokus', wie ich in dem Beitrag zur Fallstudie zur emotionalen Meisterung beschrieben habe , kann unsere Auffassung von negativen Emotionen enorm verändern. Besonders im Rahmen von Freuds Psychoanalyse sucht man nach dunklen Geheimnissen und Problemen in der Kindheit. Wenn man lange genug sucht, wird man bestimmt auch fündig. Wir finden immer Antworten, wenn wir uns lange genug auf die Frage konzentrieren. Auch wenn es die Frage: "Was stimmt nicht mit mir ? ist.

Wie würde sich dein Leben positiv verbessern, wenn du den Glaubenssatz annehmen würdest, dass deine Vergangenheit nicht deine Zukunft sein muss ?
Das ist vor allem einer der Werte der Meditation. Du lernst, dass Emotionen vergänglich sind.

Wenn wir auf Kriegsfuß mit Emotionen sind und das Vermeidungsmuster anwenden, verpassen wir die wertvolle Nachricht, die hinter diesen negativen Gefühlen steht. Oft flüstern oder vielleicht schreien diese Impulse zum Handeln förmlich durch die Erfahrung von Schmerz, dass du das ändern sollst, was du gerade als Strategie verfolgst oder machen dich darauf aufmerksam, dass du einen Konflikt mit einem bestimmten Glaubenssatz hast. Vielleicht ist es ja auch der Glaubenssatz, dass Emotionen etwas Schlechtes sind.

Die Feedback - Lücke

Unsere Gedanken folgen unserem Fokus.

Wenn etwas geschieht, entscheidest nur du, was es bedeutet. Ist es der Anfang ? Ist es das Ende ? Ist es die schlimmste Niederlage deines Lebens oder ist es eine Chance etwas zu lernen und Resilienz und mentale Stärke zu entwickeln.

Wir Menschen erfahren die Welt als Kreislauf von Erwartungen und Ereignissen. Wir alle nehmen Feedback von unserem Umfeld wahr. Wenn wir Feedback bekommen, fühlen wir uns in unserer Wahrnehmung, wie die Welt funktioniert bestätigt. Und gerade dieses Bedürfnis nach Kontrolle und Gewissheit ist eins der 6 menschlichen Bedürfnisse

So übernehmen wir oft Meinung aus der Gesellschaft ohne sie zu hinterfragen. Zum Glück gibt es eine Alternative. Das Allein-Sein kann eine durchaus positive Erfahrung sein, wenn wir unsere eigene Bedeutung dafür vergeben.

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion selbst zu wählen.- Viktor E. Frankl

Wenn wir lernen diese Lücke bzw. diesen Raum, von dem Viktor Frankl spricht zu schließen, indem wir unsere eigene positive Bedeutung für gelegentliches Alleinsein vergeben, lernen wir, dass unser Glück nicht von anderen abhängt, sondern das Alleinsein auch eine positive Seite hat. Du bekommst ein Gefühl von persönlicher Autonomität, Frieden und Freude

Wenn du dir deinen Verstand nochmal wie einen Garten vorstellst, kannst du dir so oft einreden, wie du willst, dass es kein Unkraut (Probleme) gibt. Davon verschwinden sie nicht. Nicht die Emotionen sind das Problem, sondern sie sind nur Signale, dass wir in einem bestimmten Bereich besonders aufpassen sollen und uns dieser Schwierigkeit widmen sollen. Bei einer Hautkrankheit ist es zwar gut sich nicht mehr so häufig jucken zu müssen, aber was noch besser ist es ein Gegenmittel zu finden- auch wenn du dafür im übertragenen Sinne Zeit und Aufwand investieren musst.

Die dunkle Seite des Komforts- Hypersensivität für negative Emotionen

Auch wenn negative Emotionen ein Signal Handlung sind, stressen wir und doch häufig über Dinge, die beim genaueren Herauszoomen halb so wild sind. Wenn wir alles in die Perspektive rücken, müssen wir uns eingestehen, dass wir es in der Geschichte der Menschheit noch nie so gut hatten, wie heute. Ein Überfluss an Nahrung, Wasser, Internet, Supermärkten und anderem Luxus ist noch lange nicht in allen Teilen der Welt der Regelfall. Wir übersehen häufig, wie gut wir es doch eigentlich haben

Das Leiden hört auf, wenn die Dankbarkeit beginnt.- Neale Donald Walsch

Aber das ist nicht nur meine bescheidene Meinung, sondern ist auch wissenschaftlich belegbar. In den 1970ern , sagten 13 Prozent der Menschen, dass sie eine Klimaanlage im Auto brauchen und 25 % müssen eine Klimaanlage zuhause haben. In der Mitte der 1990er haben sich auch die Einstellung zur Bequemlichkeit verändert. 41 % brauchten eine Klimaanlage zuhause und 50 % eine im Auto. Ich habe zwar keine Daten vorliegen, aber bin enorm sicher, dass die Zahl 2017 deutlich höher ist.

Aber auch wenn wir uns Google bedienen bekommen wir interessante Ergebnisse. Wenn wir dem englischen Wort "discomfort" suchen bekommen wir entstellte und verzogene Gesichter zu sehen, die eindeutig tiefen Schmerz zeigen. Wenn wir dagegen "comfort" eingeben, sehen wir weiche Betten, Sessel und Luxusjets. Die Nachricht dahinter ist eindeutig: Unbequemlichkeit ist innerlich attribuierbar und ein Phänomen, das bei dem Individuum auftritt, ist Komfort im Äußeren und in Form von materiellen Gütern zu finden.

Diese unpopuläre Sicht auf Unbequemlichkeit als innerlich und oft als nicht selbst zu bewältigen, ist eines der Hauptthemen dieses Beitrags. Denn diese Sicht hält uns oft davon ab die ganze Bandbreite von Emotionen zu erleben und mit negativen Gefühlen mit emotionaler Intelligenz zu begegnen. So befindet sich die Angst bei vielen Menschen im Zentrum ihres Lebens.

Dr. Albert Ellis , die neben Sigmund Freud und Carl Rogers zu den wahrscheinlich berühmtesten Psychologen des 20. Jahrhunderts zählt und die Urheberin der kognitiven Verhaltenstherapie ist, sagt, dass die 3 zerstörerischsten Glaubenssätze, die negativen Stress und destruktives Verhalten fördern, folgende sind:

  • Ich muss um jeden Preis die Anerkennung anderer Menschen suchen um akzeptiert zu sein
  • li> Andere Menschen müssen das richtige tun, weil sie sonst schlechte Menschen sind

    li> Das Leben muss immer einfach und ohne Schmerz und Unbequemlichkeit verlaufen


    Anstatt wie Freud und Co. in Kindheitskonflikten und traumatischen Ereignissen herumzustochern, stellte Ellis fest, dass die meisten Probleme von den Glaubenssätzen stammen, die wir uns über andere Menschen, die Welt und vor allem über uns selbst erzählen. Obwohl wir durchaus von unseren psychologischen Erfahrungen beeinflusst werden, sind wir nicht unsere Gedanken und Emotionen. Das Problem liegt eher in ihrer Bewertung. Hochgradig spannend , dass die Psychologie des 20. Jahrhunderts nach und nach herausfindet, was die Philosophie seit Tausenden von Jahren sagt.

    So entstehen die meisten Probleme nicht aus dem Stress der Gefühle und Probleme, sondern aus unserem Unwillen uns mit diesen auseinander zu setzen.

    Was ist also passiert zwischen der Zeit, in der wir tagtäglich um unsere Existenz fürchten mussten, Nahrung knapp war und Krankheiten wie die Pest ein Drittel der Menschheit auslöschen konnte und die Leute trotzdem weitgehend fast genauso glücklich und emotional stabil waren, wie wir heute ? Dazu beigetragen hat definitiv unsere Abneigung überhaupt jemals negative Gefühle annehmen zu wollen und diese als unnatürlich zu verteufeln.

    Das ist absolut kein Urteil. Wer bin ich um mir ein solches Urteil erlauben zu dürfen ? Es ist nur eine empirisch belegbare Feststellung. Wie du diese daten für dich interpretierst, bleibt dir überlassen. Meiner Meinung nach ist Resilienz und der Umgang mit negativen Emotionen ein fester Bestandteil emotionaler Intelligenz.

    Aristoteles über die Mäßigkeit: Warum negative Emotionen einen Wert haben

    Aristoteles

    Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.

    -ARISTOTELES

    Bei Aristoteles ist die σωφροσύνη die Besonnenheit bzw. die Mäßigung das Ideal.
    Wie Aristoteles sagt, sind nicht die Emotionen an sich das Problem, sondern unsere Ausdrucksweise und die Angemessenheit dieser. Es geht also darum, wie wir unsere Emotionen intelligent verwenden. Er bezieht sich auf die Fähigkeit der emotionalen Flexibilität, die wir in dieser Podcastepisode angesprochen haben:

    Die Psychologen Jonathan Adler und Hal Hershfield fanden beispielsweise heraus, dass diejenigen, die Fähigkeit hatten sowohl mit negativen als auch mit negativen Emotionen umzugehen, deutlich höhere Anstiege in ihrem Wohlbefinden zeigten, während reine Positivität keinen Zuwachs in Bezug auf die emotionale Intelligenz zeigte.

    Die Suche nach Glück im Hedonismus

    hedonismus

    Der Hedonist ist einer der vier Archetypen des Glücks. Der Typ von Mensch, der sich dem Hedonismus verschrieben hat, tut alles um Glück zu empfinden und Schmerz zu vermeiden. Es geht um puren Fokus auf kurzzeitige Freude und Verlangen, sodass alle potentiellen negativen Konsequenzen in der Zukunft missachtet werden.

    Der Glaubenssatz, der dahinter steht, ist, dass durch die Vermeidung von negativen Emotionen ein konstanter Fluss von Glück und Glück entsteht. Es ist derselbe Irrglaube wie der des Perfektionisten, der glaubt, dass er durch krankhaften Perfektionismus Kritik vollkommen vermeiden kann.

    Kurze Schübe des Vergnügens können wir auf die verschiedensten Arten erlangen- egal ob durch Alkohol, das Checken des Smartphones oder andere für unser Leid verantwortlich zu machen. Alles sind Wege um Schmerz zu vermeiden und kurzfristige Befreiung von diesem zu suchen.

    Und auch wenn Freude ein bedeutender Teil unseres Lebens ist, wie wir in der bisher beliebtesten Episode "Freude auf Abruf" besprochen haben, sind auch andere negative Emotionen wichtig und erfüllen einen wichtigen Zweck. Schmerzvolle Gefühle verstärken sich, wenn wir sie missachten oder unterdrücken wollen.

    Nach wie vor ist es kein Geheimnis, dass positive Psychologie einen großen Mehrwert für unser Leben bietet, aber auch die andere Seite- der Umgang mit negativen Gefühlen sollte nicht in den Hintergrund rücken. Wofür wir hier beim Erzähl mir mehr-Podcast stehen wollen, ist emotionale Intelligenz und Erfüllung, die beide Seiten wertschätzen und nutzen.

    Auch die Studien von Barbara Mellers aus der University of Pennsylvania haben Studien über das Thema "emotional time travel errors " zeigen ein eindeutiges Bild. Wir Menschen sind unfassbar schlecht darin einzuschätzen, welche Ereignisse uns welche Emotionen in der Zukunft schaffen.

    Um dich jetzt nicht mit langen Ausführungen der Studien zu nerven : Wir machen alle Entscheidungen, die darauf basieren, wie viel Glück uns dies in der Zukunft beschaffen könnte. Das Problem ist, dass wir maßlos überschätzen, welche Erfüllung wir aus dem Kauf eines neuen Fernsehers oder der Rente bekommen werden.

    Wir alle wissen, dass Schmerz scheiße ist. Ich will noch einmal sicher stellen, dass es nicht darum geht keine negativen Emotionen zu zeigen oder sich über darüber zu freuen, wenn etwas Neatives passiert. Du musst auch nicht jeden Morgen im Eiswasser schwimmen um dich abzuhärten , aber ich möchte mit diesem Beitrag auf die wachsende Anzahl von Studien verweisen, die zeigen, dass Hedonismus und blindes positives Denken , das die Probleme verneint nicht die optimale Strategie für ein gutes Leben ist.

    Was die Studienlage und so ziemlich alle alten Philosophien über die Jahrhunderte empfehlen ist eine Form von emotionaler Intelligenz, die eine gewisse Dualität beinhaltet. Wir bekommen nur die Vollständigkeit an Erfüllung, wenn wir nicht die unbequemen Qualitäten aussortieren, nur weil sie von dr Gesellschaft als weniger wertvoll angesehen werden.

    Was ist anders ?

    Ich bin ein alter Mann und habe viel Schreckliches erlebt, aber zum Glück ist das meiste davon nie eingetroffen.- Mark Twain

    Natürlich haben die Menschen im Verlauf der Geschichte immer Vergnügen über Schmerz gewählt. Nichtsdestotrotz ist diese Ära eine Besondere in der Geschichte der Menschheit. Wie suchen nicht nur nach Komfort- wir sind süchtig danach.

    Gerade weil uns heutzutage so viele Ablenkungen und einfache Möglichkeiten Vergnügen zu finden gegeben werden, entwickeln wir eine Tendenz Unbequemlichkeit um jeden Preis zu vermeiden. Langeweile? Einmal aufs Smartphone schauen und bei Facebook surfen, einen Knopf auf der Fernbedienung drücken und ja nicht aufstehen müssen, um auf den Knopf des Fernsehers selbst drücken zu müssen.

    Was wir häufig vergessen ist, dass diese natürliche Aversion gegen das Unbequeme auch in das Negative umschlagen kann. Menschen, die Angst vor Zurückweisung haben, meiden allgemein den Kontakt mit Menschen. Menschen, die Angst haben, nehmen gar kein Risiko auf sich. Leute, die Intimität fürchten, nachen einfach den Fernseher an und betäuben sich damit. Ich denke du hast meinen Punkt verstanden.

    Das Problem des hedonistischen Ansatzes ist, dass wir hyperintensiv auf alles Negative reagieren.

    Die Feedback-Schleife aus der Hölle- Warum wir glauben, dass etwas nicht mit uns stimmt

    Wir kennen alle die Witze über "Erste-Welt-Probleme", aber oft sind wir wirklich zu Sklaven und Opfern des Irrglaubens geworden, dass es eine Katastrophe ist einmal eine negative Emotion zu haben. Depression und Stress bezogene Gesundheitsprobleme sind in den letzten 30 Jahren in die Höhe geschossen, wenn man sich die Statistiken ansieht, obwohl jeder Haushalt einen Flachbildfernseher hat und die Möglichkeit jede Kleinigkeit von Amazon nachhause liefern zu lassen. Die Krise ist also nicht mehr auf materieller Ebene, sondern eher eine Sinnkrise.

    Auch wenn ich ein riesiger Fan der positiven Psychologie bin und der Wert dieser Erkenntnisse unsere Lebensqualität enorm anhaben kann, schwingt bei den 10.000 "Wie wird man glücklich" Büchern und Blogposts eine subtile Botschaft mit.

    Das Verlangen nach mehr positiven Erfahrungen und Emotionen ist an sich eine negative Erfahrung und der richtige Umgang mit negativen Emotionen und die Akzeptanz, dass negative Gefühle Teil des Lebens sind, ist an sich eine positive Erfahrung.- Mark Manson

    Um Mark Mansons Worte einmal in eigene Worte zu fassen: Krankhaftes Verlangen nach mehr positiven Emotionen ist ein Vertrag mit dir selbst erst wieder glücklich zu sein, wenn du diesen bestimmten Wunsch befriedigt hast. Danach folgt jedoch meist der nächste Wunsch. Das Ablehnen von Leid ist eine Form des Leidens.

    Negative Emotionen als Signale zu handeln um Möglichkeit emotionale Intelligenz zu erlangen

    Bevor wir in die Nachrichten, die uns die Situationen geben einsteigen, muss ich vorher kurz anfügen, dass es nur EINE mögliche Nachricht der Emotionen ist und man über jede Nachricht und jede Emotion ganze Bücher verfassen könnte. Diese kurzen Ausführungen sind also in keinster Weise vollständig, sondern sollen dir im Endeffekt nur eine Möglichkeit aufzeigen diese Situation umzuwerten.

    Der Wert und die Vorteile von Angst

    Angst

    Wäre es nicht schön ein für alle Male deine Angst für immer los zu werden ? Vielleicht nicht ! Nicht alle Art von Angst ist unerwünscht und destruktiv.

    Angst ist auch ein evolutionärer Prozess, der uns manchmal vor Verletzung schützen kann. Hätten wir gar keine Angst würden wir uns regelmäßig in lebensgefährliche Situationen begeben. Gerade die Menschen, die Angst empfinden, nehmen sich Zeit wichtige und wertvolle Informationen einzuholen, bevor sie voreilige Schlüsse und Entscheidungen treffen und sich damit eventuell selbst ins Knie schießen.

    Auch wenn das Ziel achtsam und glücklich zu sein oft als scheinendes Beispiel propagiert wird und das Erleben von negativen Gedanken und Emotionen verteufelt wird, ist diese Ansicht nur die halbe Wahrheit. Auch unsere Schwächen und negativen Gedanken haben eine wertvolle Nachricht für uns, die uns leiten kann.

    Die Nachricht hinter Angst

    Natürlich lässt sich Angst auch wieder in mehre Unterkategorien verteilen, aber die Basis bzw. der Kern dieser Emotion bleibt weitgehend gleich: Es wird etwas passieren, für das du vorbereitet sein solltest. Wir sollen uns also darauf vorbereiten mit der Situation umzugehen oder sie zu ändern.

    Tragisch ist es aber, wenn wir beginn es zu unterdrücken, es abzulegen oder uns darin schwelgen. Keiner dieser Ansätze respektiert die Nachricht, die die Angst vermitteln will. Wenn du nicht bereit bist dich dieser zu stellen, verstärkt sie sich.

    Angst auflösen

    Lauf nicht vor den Ängsten davon. Schreib präzise auf (!), wovor du dich fürchtest und evaluiere dann, ob es eine wirkliche Gefahrensituation ist, auf die du dich vorbereiten musst. Welche Handlungen müsstest du vornehmen, um möglichst gut mit der Situation umgehen zu können.

    Wie du Angst vor der ungewissen Zukunft den Stecker ziehst

    Benannt werden muss die Angst, bevor du besiegen sie kannst.
    —Yoda

    Diese Übung ist für Situationen geeignet, in denen du nervös bist einen neuen Schritt zu wagen oder es aufschiebst aus Angst vor der Ungewissheit. Hier ist das Gegengift. Schreibe die Antworten auf. (!) Das bloße Denken wird nicht den gewünschten Effekt haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man dazu verleitet ist sich nicht die Zeit dafür zu nehmen einen Stift und Papier zu holen, aber wenn du nicht bereit bist mit zu machen, klick jetzt das rote X in der rechten Ecke. Denn Ergebnisse bekommst du nur, wenn du es umsetzt.

    Schreibe also Antworten auf die folgenden Fragen auf und editiere nicht. Kotz dich richtig aus und lass dir ruhig ein paar Minuten Zeit bei der Beantwortung der Fragen.

    1) Definiere deinen Alptraum, das Allerschlimmste, was passieren könnte. Auch wenn einige Vertreter des puren Hedonismus und sturen positiven Denkens jetzt auch ihren Sitzen fallen werden, sehen wir später,wo der Mehrwert in dieser Übung liegt. Welche Zweifel, Ängste und Was-wäre-Wenns kommen in deinen Kopf ? Visualisiere sie im Detail und schreibe sie auf- auch wenn es schmerzvoll sein mag.

  • Wäre es das Ende deines Lebens ?
  • Wie dramatisch wären die Auswirkungen auf einer Skala von 1- 10 ?
  • Wären die Folgen wirklich permanent ?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass sie wirklich eintreten ?

  • 2) Welche konkreten Handlungsschritte könntest du treffen um den Schaden zu reparieren und die Dinge zeitweise wieder zum Ursprungszustand zurück zu bringen ?

    Aus Erfahrung weiß ich, dass es einfacher ist, als wir es uns vorstellen können. Wie könntest du die Dinge wieder unter Kontrolle bekommen ?

    3) Was sind die Ergebnisse und Vorteile aus der Situation der wahrscheinlicheren Szenarios ?

    Nachdem wir den Alptraum bestimmt haben, können wir uns nun den wahrscheinlicheren und positiven Szenarios widmen.

  • Wie wären die Auswirkungen dieser wahrscheinlicheren Ereignisse auf einer Skala von 1- 10 ?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass du wenigstens ein halbwegs gutes Ergebnis erzielst ?
  • Haben weniger begabte oder intelligente Personen es schon geschafft ?

  • 5) Was kostet es dich finanziell, emotional, körperlich und spirituell die Handlung aufzuschieben?

    Evaluiere nicht nur die negative Seite der Aktion, sondern es ist auh wichtig die Kosten zu berechnen und abzumessen, die du dadurch hast, das du inaktiv bist.

    Wenn du beispielsweise nicht die Dinge verfolgst, die dir etwas bedeuten, wo wirst du in einem, in fünf oder in zehn Jahren stehen ?

    Wie wirst du dich fühlen zehn Jahre deiner begrenzten Zeit verstreichen lassen zu haben, in denen du an destruktiven Glaubenssätzen festgehalten hast, deine persönlichen Werte ignoriert hast oder nicht so gelebt hast, wie du möchtest ?

    Man braucht sich einfach nur die Erfahrungsberichte der meisten Leute anzuschauen, die kurz vor ihrem Tod standen anzuschauen, um zu sehen, dass Reue nicht nach seinen eigenen Standards gelebt zu haben auf Platz 1 steht. Wenn wir Risiko nämlich als "Wahrscheinlichkeit eines unwiederbringlichen negativen Ergebnisses " definieren, ist das Nichthandeln das größte Risiko überhaupt.

    Schon Seneca wusste, dass das Proben für den Ernstfall ein befreiendes Gefühl ist, da es dir die Angst vor der Zukunft nimmt.

    Leg ein paar Tage ein, an denen du , zufrieden mit ganz geringer und billiger Nahrung, mit harter und rauer Kleidung, dir sagen kannst:" Ist das der Zustand, den ich so sehr gefürchtet habe?" Gerade in der Sorgenlosigkeit bereite sich die Seele auf Schweres vor und stärke sich gegen die Ungerechtigkeit des Schicksals. (...) Wer im Ernstfall nach deinem Willen nicht zittern soll, den musst du für den Ernstfall ausbilden.- Seneca

    Anstatt dir einen konkreten Rat zu geben, was du tun kannst, gebe ich dir lieber eine Übung mit der du es selbst herausfinden kannst.

    Der Wert und die Vorteile von Verletzung und Wut

    Verletzung

    Wenn es eine Emotion gibt, die menschliche Beziehungen dominiert, ist es häufig das Gefühl von Verletzung. Oft seht dahinter ein Gefühl von Verlust- einem der 3 Schmerzauslöser.

    Die Nachricht hinter Verletzung

    Oft ist die simple Nachricht einfach, dass eine unser Erwartungen nicht erfüllt wurde. Wenn jemand beispielsweise sein Wort nicht hält, empfinden wir einen Verlust von Vertrauen und Intimität in Bezug auf diese Person. Und da Verlust einer der 3 Schmerzauslöser ist, fühlen wir uns verletzt.

    Verletzung heilen

    1) Realisiere, dass du eventuell gar nichts verloren hast. Die Person, die dich verletzt hat, ist sich womöglich gar nicht bewusst, was diese Situation für dich bedeutet hat. Vielleicht hat die Person einfach eine deiner ungeschriebenen Regeln gebrochen und wusste gar nichts davon, dass du diese Sache wertschätzt oder als festgesetzte Regel hast.

    2) Klingt zwar abgedroschen, aber es ist wahr: Rede mit der Person ! Oft vergessen wir, dass wir andere Wertesysteme haben als andere Menschen und uns nicht dieselben Sachen am Herzen liegen. ich habe vor langer Zeit einmal Harzer Käse probiert und habe mich fast übergeben müssen, aber anscheinend scheint es ja Leute zu geben, die dieses Dreckszeug mögen.

    Auch wenn ich es nicht ausstehen kann, geben andere sogar Geld dafür aus. Oft vergessen wir, dass das Ganze auch für Emotionen und andere Werte gilt. Weil wir 24/7 in unserem eigenen Kopf leben, vergessen wir häufig, dass andere Menschen auch andere Ansichten haben könnten und auf andere Dinge Wert legen.

    Daher kann ein Gespräch darüber extrem aufschlussreich sein. Niemand kann in unsere Köpfe hineingucken und lesen, welche unterbewussten Verhaltensregeln für ein "richtiges Leben" wir in unserem Kopf festgelegt haben und daher können wir auch nicht erwarten, dass andere es wissen.

    Ungeklärte Verletzungen schlagen nämlich häufig in Wut um. Bei Verletzung ist es ähnlich. Entweder jemand anderes oder wir selbst haben eine Regel oder einen Standard verletzt, den wir für uns selbst gesetzt haben.

    Wut überwinden

    Um dem Ganzen fürs nächste Mal vorzubeugen könntest du dich, nachdem die Wut ein wenig abgekühlt ist, fragen : Wie kann ich meine Standards und Regeln besser kommunizieren ? Was kann ich daraus lernen ?

    Der Wert und die Vorteile von Schuldgefühlen

    Schuldgefühle

    Der kleine Prinz und der Säufer- Über Scham und Schuldgefühle

    der kleine prinz und der säufer

    Quelle: http://www.derkleineprinz-online.de/

    Es handelt sich um einen kleinen Auszug aus dem Buch "Der kleine Prinz " von Antoine de Saint-Exupéry. Zur Einordnung in den Gesamtkontext lässt sich sagen, dass der kleine Prinz ist ein Reisender ist: Er reist von Planet zu Planet um Freunde zu finden und die Welt zu erkunden. Hier der Textausschnitt:

    Den nächsten Planeten bewohnte ein Säufer. Dieser Besuch war sehr kurz, aber er tauchte den kleinen Prinzen in eine tiefe
    Schwermut. »Was machst du da?« fragte er den Säufer, den er stumm vor einer Reihe leerer und einer Reihe voller Flaschen sitzend
    antraf. »Ich trinke«, antwortete der Säufer mit düsterer Miene.

    »Warum trinkst du?« fragte ihn der kleine Prinz. »Um zu vergessen«, antwortete der Säufer. »Um was zu vergessen?« erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte. »Um zu vergessen, daß ich mich
    schäme«, gestand der Säufer und senkte den Kopf. »Weshalb schämst du dich?« fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen. »Weil ich saufe!« endete der Säufer und verschloß sich endgültig in sein Schweigen.

    Und der kleine Prinz verschwand bestürzt. Die großen Leute sind entschieden sehr, sehr wunderlich, sagte er zu sich auf seiner Reise.

    Die Nachricht hinter Schuldgefühlen

    Wie die Geschichte des kleinen Prinzen zeigt, wissen wir oft gar nicht mehr, woher unser Schuldgefühle eigentlich kommen, aber sie gibt uns trotzdem tiefe Einblicke in da Gefühl der Schuldgefühle. Schuldgefühle zeigen uns, dass wir einen unser höchsten Standards verletzt haben und dass wir sicherstellen sollen, dass es nicht nochmal passiert. Das Ganze ist jedoch kein Zeichen, dass wir ein schlechter Mensch sind, sondern eher ein Signal.

    So kann Schuld manchmal sogar als Hebel fungieren um ungewolltes Verhalten zu ändern. Auch hier bringt die Strategie der Unterdrückung nur mäßige Erfolge. Oft missdeuten viele Leute die Nachricht in einer solchen Art und Weise, dass sie sich nicht würdig oder unterlegen fühlen. Was Schuldgefühle jedoch eher sicher stellen wollen, ist, dass wir diesen Standard nicht nochmal verletzen und uns wieder diesen Standard annehmen. Doch wie macht Schuld das ? Mit Schmerz ! Gerade deshalb empfinden wir Schuld als so unangenehm.

    Oft steht hinter Schuld auch zwanghafter Perfektionismus . Du musst nicht perfekt sein, um ein herausragendes Leben zu leben. Auch wenn du alles "perfekt " machst, wird es wieder Menschen gebn, die dich kritisieren, dass du zu perfekt wirst. Da du es nicht allen Recht machen kannst, mache es wenigstens dir selbst recht.

    Mehr dazu kannst du dir hier anhören:

    Schuldgefühle auflösen

    1) Stelle fest, welchen für dich wichtigen Standard du verletzt hast.

    2) Schreibe dir deine persönlichen Werte oder Standards auf in Blatt Papier, das du täglich siehst, um deine Werte und Standards nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Verpflichte dich dazu bei enorm wichtigen Entscheidungen durchzugehen, welche Werte für dich am wichtigsten sind und welche du nicht verletzen möchtest.

    3) Und wenn du einmal wieder Schuldgefühle hast, erinnere dich daran, dass Schuld eine Chance ist deine aktuellen Werte und Standards zu überprüfen und eventuell sogar deine Standards zu heben.

    Der Wert und die Vorteile von Einsamkeit

    In dieser Podcastepisode haben wir das Gefühl schon mehr als ausführlich besprochen:

    Um diese Liste wirklich effektiv zu nutzen, halte das nächste Mal nach der versteckten Nachricht hinter dem negativen Gefühl Ausschau. Was könnte es dir sagen wollen ? Wie könntest du aus dieser Situation etwas lernen ?

    Es ist wichtig, dass wir die richtigen emotionalen Samen in unserem Garten des Verstandes pflanzen. Doch diese positiven Pflanzen müssen auch ausreichend gegossen werden, wie ich in folgender Episode beschrieben habe:

    Der heilige Gral der Psychologie: Erfüllung

    Doch neben dem Hedonismus, der Vergötterung des Stroms der ausschließlich positiven Gefühle, aber auch neben dem Wert der negativen Gefühle gibt es eine Zustand der Vollständigkeit und Erfüllung, der beides vereint. Genau so wie Medizin sich nicht allein um Penicilin dreht oder Knochen zu richten, sondern um Gesundheit. Das gute Leben und Vollständigkeit vereint ebenso eine Bandbreite von Emotionen und nicht nur einige auserwählte.

    Auch der berühmte Schweizer Psychiater Carl Jung drückte diese Erkenntnisse etwas poetischer aus: "Eine vollständige/ erfüllte Person ist eine, die somit Gott gegangen ist als auch mit dem Teufel gekämpft hat.” Manchmal ist es auch effektiv zu fragen, was funktional ist, anstatt die Frage nach der aktuelle Gemütslage zu stellen. Bei der Erfüllung geht es nämlich um ein Wechselspiel von Vergnügen, Freude und positiven Emotionen und Sinn im Leben. Es ist eine Balance:

    Stell dir einmal folgende Fragen:

  • Würdest du in der nächsten Stunde eher ein freudiges Leben ohne Sinn oder in sinnerfülltes Leben ohne Freude leben?
  • Würdest du in der nächsten Woche eher ein freudiges Leben ohne Sinn oder in sinnerfülltes Leben ohne Freude leben?
  • Würdest du im nächsten Monat eher ein freudiges Leben ohne Sinn oder in sinnerfülltes Leben ohne Freude leben?
  • Würdest du im nächsten Jahr eher ein freudiges Leben ohne Sinn oder in sinnerfülltes Leben ohne Freude leben?
  • Als die Forscher die Probanden exakt diese Fragen fragten, fanden sie heraus, dass sich eine erstaunlicher Trend zeigte. Die Menschen waren angezogen vom kurzzeitigen Vergnügen und Glück, aber je länger die angegebene Zeitspanne wurde, desto mehr Wert legten sie auf Erfüllung und Bedeutung. Wenn wir Menschen diesen psychologischen Trend in einer Aussage zusammenfassen würden, würde es sich so anhören: " Mir ist ein Sinn und Erfüllung wichtig, aber jetzt im Moment ist es mir egal und ich will lieber Vergnügen."

    Man kann also keine Unterteilung der Menschen in Sinn-getriebene Menschen und Freude-getriebenen Menschen treffen, da wir alle Mischtypen sind.

    Aristoteles mäßigung

    Ein Leben mit Sinn, dem Vergnügen, Freude und Glück fehlt, macht keinen Spaß. Aber auch auf der anderen Seite verliert das alleinige hedonistische Streben auch nach kurzer Zeit seinen Reiz. Wenn ich dir aus den Ergebnissen der psychologischen Studien eine Formel zusammenstellen müsste, wäre es:

    Freude + Wachstum + Hingabe für einen höheren Zweck = Erfüllung/Ganzheit

    Es geht nicht darum die perfekte Balance zu finden, sondern offen für alle Teile deiner Persönlichkeit zu sein und nicht nur die positiven Seiten zu akzeptieren. Auch die negativen Emotion, deine Niederlagen und Schwächen haben einen Wert, wenn es um deine mentale Gesundheit und emotionale Intelligenz geht. Ich weiß, dass du lieber hören würdest, wie du in einer Zustand frei von Leiden und des ewigen Glücks kommst, aber das spricht einfach gegen das heutige Verständnis der Psychologie und wäre eine dreiste Lüge von meiner Seite.

    Da ich kein Interesse daran habe dich anzulügen, will ich dir das Ganze einmal zusammen fassen: Es gibt zahlreiche Methoden, um mehr Positivität, Glück und Freude in dein Leben zu ziehen , aber auch deine negativen Emotionen und der souveräne Umgang mit diesen, geben dir eine gewisse emotionale Intelligenz, die dir hilft durch das Leben zu navigieren, auch wenn es stürmisch wird.

    Wir alle haben einen fast überwältigenden Drang unsere Lebensqualität zu verbessern, aber ihn den letzten Jahren hat sich das Ganze von diesem Streben nach Verbesserung eher auf die Achse des Komforts und der Bequemlichkeit verschoben, wie die Daten zeigen. Daher versuche nicht die dunkleren Seiten und Emotionen zu verdrängen, zu ignorieren oder zu verstecken. Sei achtsam in Bezug auf diese, nehme sie wahr und wenn du beriet bist, nutze sie zu deinem Vorteil.

    Wenn leiden unvermeidlich ist- Entscheide wofür du bereit bist zu leiden

    Im Osten Asiens gibt es eine zu Japan gehörige Inselgruppe namens Okinawa. Die Einwohner Okinawas haben die höchste Lebenserwartung der Erde und haben kein Wort oder Konzept für Ruhestand und Rente. Sie haben verstanden, dass ein gewisser Sinn enorm zu unserem Wohlbefinden beiträgt.

    Deshalb haben sie ein Konzept bzw. Wort, das sich ikigai nennt, welches man grob mit " dem Grund morgens aufzustehen " übersetzen kann. Sie behaupten sogar, dass es essentiell für ihre Vitalität und Langlebigkeit ist. Diese Behauptung ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern tatsächlich auch empirisch zu belegen.

    Forscher der Tohoku Universität haben 7 Jahre damit verbracht den Einfluss von ikigai anhand von 43.000 Probanden zu erforschen. Die Resultate zeigten, dass diejenigen, die sich gesünder fühlten alle einen Grund hatten aus dem Bett zu kommen. Am Ende der Studie waren 95 % derjenigen, die ikigai als festen Bestandteil ihres Lebens integriert hatten, noch am Leben, während nur 83 % der anderen Gruppe lebte.

    Das zeigt, dass nicht Hedonismus und das Suchen nach ewiger Freude und Vergnügen für wahre Erfüllung und eine herausragende Lebensqualität gibt, sondern auch ein gewisser Sinn.

    Wenn du andere Menschen fragst, was sie vom Leben wollen und ihre Antwort ist: " Ich will einfach glücklich sein, eine großartige Familie haben und einen Beruf, den ich mag.", dann ist diese Antwort, die ich früher übrigens auch immer gegeben habe, so allgemein und standardmäßig geworden, dass sie beinahe inhaltsleer ist.

    Jeder will sich gut fühlen. Jeder möchte ein einfaches unbeschwertes Leben führen, sich verlieben, großartigen Sex und Beziehungen haben, ein perfektes Aussehen haben, eine Menge Geld verdienen und Respekt genießen.
    Logisch. Jeder will das.

    Viel interessanter ist jedoch die Frage: Welche Dinge sind mir so viel Wert, dass ich dafür ein wenig Schmerz auf mich nehme ? Für welche Ziele, Beziehungen oder Werte bin ich bereit zu straucheln? Beinahe jeder möchte viel Geld verdienen, aber die wenigsten sind bereit 70 Stundenwochen in der Anfangszeit zu investieren. Jeder will eine glückliche Familie, aber die wenigsten sind bereit Kompromisse mit dem Partner einzugehen, empathisch zu zu hören und stundenlang an einem Samstag nachmittags Bälle im Nachbargarten zu holen, wenn die Kumpels Bier trinken und Fußball gucken.

    Jeder möchte weise sein und emotionale Intelligenz erlangen, aber nur die wenigsten sind bereit zu meditieren, Bücher zu lesen und die Übungen zu machen, die ich häufiger empfehle. Jeder will einen gestählten Körper haben, aber die wenigsten wollen auf bestimmte Lebensmittel verzichten, weniger essen oder stundenlang im Fitnessstudio zu schwitzen.

    Was viel eher die Richtung deines Lebens bestimmt als die Frage: "Woran findest du Gefallen?" ist die Frage: " Für welche Sache oder für welche Menschen bist du bereit Schmerz und Unbequemlichkeit auf dich zu nehmen?"
    Ich muss es wiederholen: Solange du ein Mensch bist, der lebt und liebt, wird es nicht immer ein Strom von Glück und ausschließlich positiven Emotionen sein. Es wird kein Pfad voller Regenbögen und Einhörner sein. Wenn du dich also ohnehin entscheiden musst, kannst du auch ein Pfad wählen, der es dir Wert erscheint.

    Ich will dir nicht sagen, was falsch oder richtig ist, sondern DICH fragen : Was bedeutet dir so viel, dass du bereit bist dafür Unbequemlichkeit und Leid auf dich zu nehmen ?

    Uncle Sam

    Es geht nicht um eine Lobeshymne auf Willenskraft und Durchhaltevermögen, sondern um die Frage, was dich erfüllt und welcher Sache du wert abgewinnen kannst. Auch wenn sie unangenehm sind und du jetzt viele Techniken gelernt hast mit diesen umzugehen und den Wert daraus zu ziehen: Negative Emotionen sind trotzdem unangenehm, aber sind normal und gehören dazu.

    Wenn du dich noch einmal erwischen solltest, wenn du dich selbst aufgrund eines negativen Gefühl verurteilen solltest und denkst, dass irgendetwas mit dir deshalb nicht stimmt, denk daran : Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht !

    8 Comments

    1. […] du garantiert eine Antwort, wenn du dich in diese Frage festbeißt. Vielleicht wäre die Frage: " Wie gehe ich mit negativen Gefühlen um und erhöhe langfristig mein Glück […]

    2. […] 3:1 Verhältnis, weil es endlich mal im Gegensatz zu vielen positiven Gurus beschrieben hat, dass negative Gefühle auch dazu gehören und nicht der Weltuntergang […]

    3. […] Ist es angenehm das ganze zu teilen ? Nein ! Muss ich mich dafür schämen- Nein ! Wie du weißt, beschäftige ich seit mehr als 5 Jahren mit emotionaler Meisterung und trotzdem habe ich manchmal Unsicherheiten oder sabotiere mich selbst mit destruktiven Glaubenssätzen. Das ist in Ordnung. Zum Glück weiß ich mittlerweile, wie ich damit umgehen kann. […]

    4. […] dieser Basis im Nachhinein akzeptieren. Doch radikale Akzeptanz ist die absolute Grundlage, um mit Schmerz umgehen zu können ohne sich selbst zu bemitleiden und im Leid zu […]

    5. […] der heutigen Wissenschaft nicht möglich ohne gewisse Eingriffe in deinem Gehirn zu machen. Das Management von Emotionen und destruktiver Glaubenssätze ist unser […]

    6. […] das Ablehnen von negativen Emotionen und Verletzlichkeit unsere Fähigkeit Glück zu empfinden. Auch unangenehme Emotionen sind ein Teil des Menschseins und damit ist die Ablehnung dieser, gleichzeitig die Ablehnung der […]

    7. […] dir erzählen könntest. Klar: Wir wollen die negativen Aspekte nicht wegdiskutieren, sondern den richtigen Umgang mit ihnen lernen, aber das Leben ausschließlich über Leiden zu definieren beraubt uns eine Menge der Schönheit […]

    8. […] Sich zu sorgen und Angst zu haben ist ein ganz normaler und wichtiger Teil des Menschseins. Wie der Psychiater Jeffrey Schwartz rausgefunden hat, kann es aber bei Fehlern oder Unsicherheiten und den damit einhergehenden negativen Gefühlen auch zu Angststörung kommen. […]

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