Der Talent- Mythos : Die verborgene Wahrheit hinter außergewöhnlichen Fähigkeiten

Es gibt ein paar zentrale Fragen des Lebens, die jeden Menschen beschäftigen und die du dir bestimmt auch schon einmal gestellt hast: „Wo ist die zweite Socke schon wieder hin ? und „Warum wird die Ampel immer rot, wenn ich gerade ankomme?“ Nein, aber jetzt mal im Ernst: Was sorgt dafür, dass einige Menschen (angeblich) einen göttlichen Funken an Talent haben, während andere selbst nach 20 Jahren der Übung noch nicht annähernd zu Meistern ihres Bereiches geworden sind.

Seit Darwin ist die traditionelle Art, über Talent nachzudenken etwa so: Gene (Natur) und Umwelt kombiniert,bestimmen, wer wir sind. In dieser Betrachtungsweise sind Gene die kosmischen Karten, die uns ausgeteilt worden sind und die Umwelt ist das Spielbrett, auf dem sie gespielt werden. Ab und zu einmal würfelt das Schicksal eine perfekte Kombination von Genen und Umwelt, was zu einem hohen Maß an Talent und / oder Genie führt.

Die Menschen der Vergangenheit beobachteten, wie es in der Wissenschaft üblich ist, ihre Umwelt und stellten als Folge dessen Thesen auf. Ihre Beobachtung: Viele Menschen kamen trotz jahrelanger harter Arbeit nicht über ein gewisses Level an „Talent“ hinaus, während andere scheinbar mühelos besser und besser wurden.

Aber gleichzeitig sah man auch, dass die Meister der Disziplinen eine Menge an Arbeit und Fleiß in ihre Fähigkeiten steckten. So fügte sich langsam das Bild zusammen, das die Gesellschaft heute zum Großteil hat:

Talent + harte Arbeit/Übung = Meisterung

Logisch, dass die Menschen in einem Zeitalter, in dem die Religion nicht aus dem Leben der Menschen weg zu denken war, Phänomene, die sie nicht erklären konnten einem göttlichen Funken (Talent) zuschreiben würden, oder ?

Doch was ist, wenn es gar nicht so etwas , wie vorherbestimmtes Talent gibt und der Begriff wie viele Konzepte in der Wissenschaft dazu diente ein Phänomen zu erklären, das sich in der Geschichte nicht wissenschaftlich erklärt werden konnte?

Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag sehr lang und deine Zeit begrenzt ist, aber ich schreibe diesen Beitrag auch nicht, damit er der ganzen Welt gefällt, sondern damit die einige Wenigen, die den Artikel komplett lesen, alles über den Mythos des Talents wissen, was ich weiß und was der aktuelle Stand der Forschung ist. Aber noch viel wichtiger: Nach dem Artikel sollen diejenige, die alles gelesen haben, wissen, welche Schritte sie persönlich noch heute unternehmen können um Meisterung zu erlangen.

Die Ergebnisse vom Psychologen Ericsson und seinen Kollegen, die sich die Suche nach dem Ursprung der ultimativen Performance zur Lebensaufgabe gemacht haben, könnten eine Antwort geben: Vielleicht ist unsere Definition von Übung sehr vage ist ? Ihre Forschung basiert nicht auf einer simplen „Übung macht den Meister“- Beobachtung. Vielmehr beruht sie auf ihrem hochspezifischen Konzept der “ deliberate practice“.

Die neue Wissenschaft des Talents

Auch ich habe lang an diesen Talentmythos geglaubt. Ich habe jahrelang Fußball im Verein gespielt, aber es gab immer einige Spieler, die trotz weniger Spieljahre besser waren als ich. Ich habe es mir mit fehlendem Talent erklärt. Heute glaube ich, dass ich falsch lag und diese Spieler einfach besser trainiert haben.

Die Hauptprämisse ist zu erklären, dass das, was wir über den Erwerb von Fähigkeiten denken, wahrscheinlich falsch ist. Es gibt keine natürliche Fähigkeit; Jeder kann ein Experte werden, indem er in genug Zeit und Übung hineinsteckt. Alles kommt auf deine eigene Anstrengung an.-Ericsson

Auch wenn dieses Zitat vor allem durch Malcolm Gladwells Buch „Überflieger“ in Form der 10.000 Stundenregel popularisiert wurde, fehlt ein wichtiger Teil. Die Zeit abzusitzen und die Übung allein führt nicht zur Meisterung- es ist eher eine bestimmte Art des Übens.

Außerdem impliziert diese 10.000 Stundenregel, dass man ab diesem Zeitpunkt endlich sein Potenzial erreicht. Doch die Entwicklung des Potentials ist kein fixierter Punkt, sondern auch die neusten Erkenntnisse der Neuroplastizität und Epigenetik zeigen, dass unser Gehirn hochgradig anpassungsfähig ist.

Ich möchte auch nicht die genetischen Komponenten vollkommen aus dem Spiel lassen. Wenn ich mir den Schwimmer und Olympiagewinner Michael Phelps angucke, kann ich nicht abstreiten, dass der Junge die perfekten Hebel und Maße für das Schwimmen hat und damit einen genetischen Vorteil. Genauso können auch nicht körperliche genetische Attribute und Präsdispositionen gewisse Vorteile mit sich bringen.

Das will ich gar nicht bestreiten. Trotzdem zeigt die Wissenschaft durch ihre neusten Ergebnisse, dass unsere Auffassung von „Talent “ überholt ist und wir mehr Einfluss haben als wir glauben.

Myelin und der Mythos des Talents

Neurowissenschaft 101

Um zu verstehen, wie „Talent“ gebildet wird brauchen wir zwei kleine Einblicke in die Neurowissenschaft. Keine Angst: Wir können das Ganze in 3-4 Sätzen zusammenfassen.

Erkenntnis 1

Alle Handlungen sind das Ergebnis von elektrischen Impulsen, die an unseren Nervenfasern entlang geschickt werden. Um bei der Metapher zu bleiben: Grundsätzlich sind unsere Gehirne Bündel von Leitungen- genannt Neuronen, die durch Synapsen miteinander verbunden sind.

Wann auch immer du etwas tust, sendet dein Gehirn ein Signal durch diese Ketten von Nervenfasern zu deinen Muskeln. Jedes Mal, wenn du etwas übst, aktiviert sich eine anderer hoch spezifischer Schaltkreis . Die einfachste Fähigkeit -wie eine Kniebeuge -ist ein Prozess, in den Hundertausende von Fasern und Synapsen involviert sind.

Erkenntnis 2

Je mehr wir einen Schaltkreis für eine bestimmte Fähigkeit benutzen, desto weniger sind wir uns bewusst, dass wir ihn benutzen. Wir sind evolutionär darauf ausgelegt, um Fähigkeiten automatisch auszuführen. Je mehr unsere Fähigkeiten sich in unserem Unterbewusstsein festigen, desto besser konnten wir in prähistorischen Zeiten überleben, um vor einem Säbelzahntiger zu flüchten, der sich im Gebüsch versteckte.

Das Ganze schafft aber auch eine überzeugende Illusion: Eine Fertigkeit, die einmal gewonnen wurde, fühlt sich ganz natürlich an, als ob es etwas ist , das wir immer besessen haben. So glauben wir häufig, dass es eine Art Talent sein muss.

Früh auf meiner Suche nach dem Mythos des Talents wurde ich auf eine mikroskopisch kleine Substanz namens Myelin aufmerksam.

Dr. George Bartzokis, Professor für Neurologie behauptet sogar, dass Myelin der Schlüssel zum Sprechen, Lesen, Lernfähigkeiten und allgemein zur Menschlichkeit ist. Gerade zu revolutionär. Diese Revolution basiert auf drei einfachen Fakten.

(1) Jede menschliche Bewegung, jeder Gedanke und jedes Gefühl ist ein genau getimetes
elektrisches Signal, das durch eine Kette von Neuronen fließt - ein Kreislauf von Nervenfasern.

(2) Myelin ist die Isolierung, die diese Nervenfasern umgibt und die Signalstärke, Geschwindigkeit und Genauigkeit erhöht.

(3) Je häufiger wir eine bestimmte Übung ausführen , desto mehr Myelin umgibt diesen Kreislauf und desto stärker, schneller und fließend werden unsere Bewegungen und Gedanken.


Das heißt um gut in einem Sport, in der Meisterung eines Musikinstruments oder in Bezug auf die emotionale Meisterung zu werden, braucht es deshalb viel Zeit, weil viel Myelin gebildet werden muss.

Was machen gute Athleten, wenn sie trainieren? Sie senden präzise Impulse an die Neuronen, die das Signal geben, diesen Verbindung zu "myelinisieren".

Es erklärt die Komplexität der Welt mit einem einfachen, eleganten Mechanismus. Jede Fähigkeit dieser Welt ist eine Myelin-Isolierung, die neuronale Schaltungen verpackt und das wächst nach bestimmten Signalen. Die Geschichte des Talents ist die Geschichte des Myelins.

Ich weiß, dass es sich nicht so sexy anhört, wie der Gedanke, dass wir alle vom Schicksal, Gott, dem heiligen Spaghettimonster ( oder was auch immer du glaubst) auserwählt wurden eine gewisse Sache in der Welt zu erfüllen. Wenn ich dir solche Mythen verkaufen würde, könnte ich bestimmt ein Vermögen machen.

Doch woran ich eher interessiert bin, ist die Wahrheit. Und diese Wahrheit möchte ich dir zumindest anhand des aktuellen Wissenschaftsverständnisses erklären. Ob sich diese Theorien eines Tages in der Zukunft auch wieder als nicht vollständig herausstellen, weiß nur das heilige Spaghettimonster.

Ein bekannter Prozess

Auf einer Ebene klingt das wie exotische Neurowissenschaft. Aber auf einer anderen Ebene ist Myelin ähnlich wie ein anderer entwickelter Mechanismus, den wir jeden Tag benutzen: Muskeln. Wenn du deine Muskeln auf eine gewisse Art benutzt, indem du versuchst, Dinge zu heben, die du kaum heben kannst, werden diese Muskeln immer stärker .

Wenn du deine Neuronen auf die richtige Art und Weise feuern lässt, indem du wiederholt schwierige Dinge tust und deinen Verstand und deinen Körper an die Grenze bringst, dann werden die neuronalen Verbindungen hinter deinen Fähigkeiten immer schneller und fließender reagieren.

So schafft Myelin, was wir heute Talent nennen

Das, was du hier siehst, ist der Moment, an dem eine Fähigkeit geboren wird. Wenn die Neuronen feuern und die Nervenfasern mit Myelin umwickelt werden,wird Talent geboren. (Von R. Douglas Fields, "White Matter Matters", Scientific American (2008), S. 46.)

Jedes Mal, wenn wir ein Gitarren-Akkord üben, wird die Myelinschicht größer. Auch wenn häufig den Spruch hören, dass Übung den Meister macht, sodass es schon als Naturgesetz gilt, würden die genialsten Neurowissenschaftler vermutlich gerne eine kleine Änderung daran vornehmen: Die Wahrheit ist, die Übung macht Myelin, und Myelin macht den Meister.

1. Myelin ist nicht darauf ausgelegt, um auf vage Ideen zu antworten

1. Das Befeuern des Schaltkreises ist von größter Bedeutung. Myelin ist nicht darauf ausgelegt, um auf Wünsche oder vage Ideen oder Informationen zu antworten. Der Mechanismus ist eingebaut, um auf Handlungen zu antworten: die elektrischen Impulse, die die Nervenfasern entlang geschickt werden. Es reagiert auf Wiederholung.

2. Myelin ist universell.

Myelin weiß nicht, ob es benutzt wird, um Schach zu spielen oder der beste Verkäufer aller Zeiten zu werden. Unabhängig von seiner Verwendung wächst es nach den gleichen Regeln.

3. Myelin ist meritokratisch

Das heißt: Wenn du etwas leistest, wirst du im Gegenzug etwas bekommen. Nur wenn die richtigen Neuronen wiederholt zusammen feuern, wirst du die Fähigkeit lernen. Um es anders auszudrücken: egal, wer du bist - Myelin kümmert sich nur darum, was du tust.

4. Myelin umwickelt nur Fasern

Es löst diese Verbindungen aber nicht aktiv. Sobald ein neuronaler Schaltkreis integriert ist, wird er nicht so schnell wieder abgebaut (außer durch Alter oder Krankheit). Das ist der Grund, warum Gewohnheiten so schwer zu brechen sind. Der einzige Weg, um sie zu ändern, besteht darin, neue Gewohnheiten aufzubauen, indem neue Verhaltensweisen wiederholt und neue neuronale Verknüpfungen myelinisiert werden.

Diesen Prozess beschreibt Charles Duhigg in seinem Buch "Die Macht der Gewohnheit " eindrucksvoll, über das ich auch einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben habe.

Sobald wir die Anpassungsfähigkeit des Gehirns und des Körpers verstehen, beginnen wir über das menschliche Potenzial in einem ganz anderen Licht nachzudenken und es weist uns auf einen ganz anderen Lernansatz hin.

Der Grund, warum die meisten Menschen (mich eingeschlossen) diese außergewöhnlichen Fähigkeiten (noch) nicht besitzen, ist nicht, weil sie nicht die Kapazität für sie haben, sondern weil wir nicht wie die Profis trainieren.

Andres Ericsson und die 10.000 Stundenregel

Myelin-Wissenschaft ist noch in den Kinderschuhen. Aber ein paar Dinge wissen wir bereits, die gegen den Talentmythos sprechen. Jeder Experte in jedem Bereich ist das Ergebnis von rund zehntausend Stunden engagierter Arbeit und Übung. Es klingt zwar nicht sexy aber: "Talent" ist Isolierung, die deine neuronale Schaltkreise umhüllt und nach bestimmten Signalen wächst.

Je genauer sich Psychologen die Biografien von "Genies mit übermenschlichem Talent" ansehen, desto mehr fällt auf , wie wichtig die Ausbildung dieser ist. Den ersten Beweis in der Diskussion nach dem Geheimnis des Talents ist eine Untersuchung, die der Psychologe K. Anders Ericsson durchführte.

Um dich nicht lange mit Statistiken, Zahlen und dem Versuchsaufbau zu foltern, sag ich dir direkt ihre Ergebnisse. Bei der Erforschung von Elitemusiker und -musikerinnen (wahren Meister in ihrem Bereich) hatten diese insgesamt rund 10 000 Stunden geübt. Im Gegensatz dazu kamen die "guten" Studierenden nur auf etwa 8 000 Stunden Spielpraxis und die künftigen Musiklehrer auf knapp über 4 000.

Das Interessante an dieser Untersuchung ist, dass Ericsson nirgends auf Naturtalente traf, die mühelos
und mit einem Bruchteil der Übungsdauer Meisterung erlangt haben. Andererseits fand er aber auch "Hustler", die mehr geübt hatten als alle anderen, ohne jemals Weltklasseformat zu erreichen.

Kurz gesagt: Die Ergebnisse zeigen, dass die Meister ihres Bereichs sich lediglich darin unterscheiden, dass sie mehr übten- sehr viel mehr. Dabei stießen die Wissenschaftler auf eine angeblich "magische Zahl", die wirklich Meisterung ausmacht: 10 000 Stunden.

Bislang ist kein Fall bekannt, in dem Meisterung der absoluten Elite innerhalb kürzerer Zeit erworben wurde, sodass es als Talent bezeichnet werden könnte. Man übt also nicht erst dann, wenn man schon gut ist. Man übt, um gut zu werden.

HALT ! Das soll aber kein Motivationsaufruf zum Hustlen werden- das können andere besser als ich! Wie Gary Vee so schön sagt: "Put in the work !" Er hat damit, wie wir gerade bewiesen haben nicht ganz Unrecht, aber eine extrem wichtige Komponenten fehlt in dieser Rechnung: das richtige Training.

Training ist nicht gleich Training

Die jüngsten Studien mit Businessmanagern als Probanden bestätigen, dass die Fähigkeit in ihrem Beruf kein Ergebnis von Erfahrung in Bezug auf die reine Zeitdauer ist. Das Phänomen, das unter dem Namen "the experience trap" bekannt ist, zeigt folgende Ergebnisse: Während Unternehmen in der Regel erfahrenen Führungskräfte einstellen, zeigt eine Studie , dass Manager mit Erfahrung im Durchschnitt keine signifikant höheren Ergebnisse erzielen.

Auf die Frage, warum ein paar Leute hervorragend in dem sind, was sie tun, haben die meisten die Antwort parat, dass ein Produkt von Zeit und Arbeit ist. Es stellt sich jedoch empirisch heraus, dass das nicht das vollständige Bild ist.

Es geht ihnen natürlich so gut, genau wie alle anderen Leuten auch und sie sichern damit ihr Einkommen, aber sie werden nicht durch die Macht der Zeit alleine gut werden.

Was ist mit Mozarts Talent ?

Auch wenn wir immer nach Ausnahmen nach diesen Regeln suchen, werden wir nur selten fündig. Ein Name, der immer im Kontext mit dem Wort "Naturtalent" fällt, ist Mozart.

Mozart ist das ultimative Beispiel für die göttlich-Funken-Theorie des Talents. Im Alter von acht Jahren trat er schon als Pianistin und Violinistin auf und hat Hunderte von Werken produziert.

In seinem Buch "Genius Explained" erklärte Dr. Michael Howe , dass auch Mozart an seinem sechsten Geburtstag mit seinem Vater (der professioneller Musiklehrer war ) bereits 3.500 Stunden geübt.

Diese Tatsachen dürfen wir nicht außer Acht lassen. Mozarts Vater Leopold Mozart war selbst ein berühmter Komponist und Performer. So kam es, dass sein Sohn im Alter von drei eine intensive Ausbildung in Musik und der Kunst der Komposition begann.

Leopold war hochqualifziert für seine Rolle. Obwohl er selbst nicht der größte Musiker war, verdiente er sein Geld mit dem Unterricht anderer Musikschüler und war sich so über die pädagogischen und fachlichen Hintergründe mehr als bewusst.

So erhielt Wolfgang von frühester Kindheit auf täglichen Unterricht von einem erfahrenen Lehrer, der mit ihm lebte. Natürlich sind seine frühen Kompositionen immer noch bemerkenswert, aber sie heben einige provokative Fragen auf. Es ist interessant, dass die Manuskripte immer "korrigiert" wurden, bevor sie von der Öffentlichkeit gesehen wurden.

In einigen Fällen ist klar, dass die Kompositionen des Jungen nicht originell sind. Wolfgangs erste vier Klavierkonzerte, zusammengesetzt, als er elf war, enthielt eigentlich keine originelle Musik von ihm. Er setzte sie aus Werken anderer Komponisten zusammen .

Mozarts erstes Werk , das heute als Meisterwerk gilt, komponierte er im Alter von 21. Das ist sicherlich ein frühes Alter, aber wir müssen uns daran erinnern, dass Mozart zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Jahre extrem intensiv und sorgfältig ausgebildet und gefördert wurde.

Ich will natürlich nicht die Leistung Mozarts schlecht reden. Die größte musikalische Leistung meines Lebens war es einen CD- Player anzuschalten. Was ich dir eher sagen möchte, ist, dass hinter angeblich gottgegebenen Talent mehr steckt als uns häufig erzählt wird.

Du kannst den Namen Mozarts mit den von anderen Genies austauschen. Auch Warren Buffet, Einstein und Alexander der Große (Meister in unterschiedlichen Bereichen) haben eine herausragende Ausbildung genossen und sehr früh mit ihrer Leidenschaft begonnen.

Andres Ericsson: Warum Deliberate Practice den Talent - Mythos auflöst



Wie konnte Mozart jede beliebige Note zielsicher auf jedem Musikinstrument treffen und wie können sich manche Menschen hunderte Nachkommastellen der Zahl Pi merken ? Die müssen doch bestimmte ein besonderes angeborenes Talent haben. Zumindestens nahmen die Wissenschaft und die Gesellschaft das lange an. Tatsächlich kann jeder von uns mit der richtigen Übung hoch spezifische Fähigkeiten erlangen, die angeblich nur Genies mit viel "Talent vorbestimmt waren. Es bedarf einer bestimmten Art von Training, die sich deliberate practice nennt.

Deliberate Practice ist aus zwei Gründen ein seltsames Konzept. Der erste Grund ist, dass es gegen unsere Intuition über Talent spricht. Unsere Intuition sagt uns, dass Übung und Talent auf die gleiche Weise zusammenhängen, wie ein Schleifstein und ein Messer: Es ist wichtig zu schleifen, aber nutzlos ohne eine solide Klinge von so genanntem "Talent". Deliberate Practice wirft eine andere faszinierende Möglichkeit auf: Diese Praxis könnte der Weg sein, die Klinge selbst zu schmieden.

Ein weiterer Grund, warum deliberate practice ein merkwürdiges Konzept ist , dass es Ereignisse beinhaltet, die wir normalerweise vermeiden wollen - nämlich Fehler. Später mehr dazu. Bei Talent denken wir an die Fähigkeit mühelos zu lernen, aber wie wir heute wissen, ist das eine schreckliche Art zu lernen.

Anstatt direkt in die Kriterien für "Deliberate Practice" einzusteigen, macht es mehr Sinn dir das Ganze an einem greifbaren Beispiel aus der Realität aufzuzeigen.

Futsal

Der Versuch, das kollektive Talent der brasilianischen Fußballer in Worte zu fassen, ist enorm schwer, aber du kannst es messen - die fünf WM-Siege, Tausende Talente, die jedes Jahr von professionellen europäischen Vereinen gekauft werden. Oder du wagst ein Blick ins Geschichtsbuch und siehst Namen wie Pelé, Zico, Romário, Ronaldo, Ronaldinho, Kaká und Neymar uvm.

Auch wenn die brasilianische Nationalmannschaft nicht mehr das ist, was sie einmal war, lässt sich nicht abstreiten, dass Brasilien weiterhin einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz an Profifußballern hervorbringt. Der konventionelle Weg, um diese Art von konzentrierten Talent zu erklären, ist eine Kombination von Genen und Umwelt. Ihnen liegt neben dem Tanzen auch das Fußballspielen im Blut, oder ?

Wie produziert Brasilien also so viele überragende Spieler, wenn angeblich angeborenes Talent verantwortlich ist und warum haben wir in Europa Milliarden für die Ausbildung der jungen Fußballer ausgeben, trotzdem keine so gute Profirate ? Die überraschende Antwort könnte sein, dass Brasilien große Spieler produziert, weil seit den 1950er Jahren brasilianische Spieler in einer bestimmten Weise trainiert haben, mit einem speziellen Werkzeug, das Ball-Handling und technisches Geschick schneller als überall auf der Welt verbessert.

Sie haben die Lernkurve drastisch verkürzt und wie wir später sehen werden, gilt diese Art von Training für mehr als Fußball.

Es ist ein seltsames Spiel, das dem Fußball sehr ähnelt und von den Kindern auf der Straße, im Haus oder auf Basketballfeldern, die aus Beton und Schmutz bestehen anstatt aus riesigen Grasfläche, wie bei uns, gespielt wird. Und es gibt noch eine Schwierigkeit -der Ball ist doppelt so klein und wiegt doppelt so viel. Jede Mannschaft hat nur fünf oder sechs statt 11 Spielern auf dem Feld . Wenn man sich die Geschwindigkeit und die komplizierten Passstafetten ansieht, glaubt man nicht, dass da Kinder am Werk sind.

Das Spiel heißt futebol de salão, Portugiesisch für "Fußball im Zimmer". Seine moderne Inkarnation hieß Futsal und ist eine relativ moderne Erfindung- zumindest in Europa. Aber was macht das Spiel so besonders ?

Ein Grund liegt in der Mathematik. Futsal-Spieler berühren den Ball weit häufiger als Fußballspieler - sechsmal häufiger pro Minute, laut einer Liverpool University Studie. Der kleinere, schwerere Ball verlangt und belohnt eine präzisere Handhabung. Die Kinder haben praktisch keine Zeit und keinen Platz zu zögern, was in besseren Fähigkeiten endet . Futsal ist unser nationales Labor der Improvisation, sagen die Brasilianer selbst.

Das Ganze spiegelt sich aber auch in den Biographien der Spieler wider. Von Pelé an spielten praktisch alle großen brasilianischen Spieler Futsal als Kind, zuerst in der Nachbarschaft und später bei den brasilianischen Fußballakademien, wo sie im Alter von sieben bis zwölf Jahren typischerweise drei Tage pro Woche dem Futsal gewidmet haben. Juninho zum Beispiel sagte, er habe nie einen richtigen Ball auf dem Rasen gestanden, bis er vierzehn war.

Futsal ist nicht der einzige Grund, warum der brasilianische Fußball großartig ist. Die anderen Faktoren, die so oft zitiert werden - Klima, Leidenschaft und Armut - spielen auch eine Rolle. Aber wenn wir Futsal mit den Kriterien der "deliberate practice" vergleichen, sehen wir den enormen Einfluss.

Die Prinzipien der deliberate practice

Die Horizonte des menschlichen Potenzials erweitern sich mit jeder neuen Generation. Das Motto der Olympiade: Höher, schneller, weiter ist Realität. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass das richtige Training eine Rolle spielt. Neben dem verbesserten Doping, das die Athleten erhalten, werden auch die Trainingsmethoden besser und besser.

Deliberate practice ist ein Prozess der ständigen Wiederholung

Wir sind alle mit dem Sprichwort vertraut, dass die Übung den Meister macht. Unsere heutigen Kenntnisse über Myelin stützen dieses alte Sprichwort . Es gibt keinen Ersatz für aufmerksame und fokussierte Wiederholung. Wiederholung ist ein wichtiger Bestandteil des aktiven Lernens. Je öfter wir eine Übung wiederholen, desto mehr Myelin entsteht um die Nervenzellen und desto präziser und schneller werden wir bei der Ausführung der gelernten Tätigkeit.

Was wäre die sicherste Methode, um sicherzustellen, dass Bastian Schweinsteiger anfängt Fehlpässe zu spielen oder dass Beyoncé die Töne nicht mehr trifft ? Die Antwort: Lass sie ein paar Wochen oder Monate nicht üben.

Damit Fähigkeit beginnen zu schwinden, braucht es nicht viel. Es erfordert keine genetische Veränderung und kein psychologisches Manöver. Es erfordert nur, dass man einen Meister seines Faches davon abhält seine oder ihre Schaltung für nur dreißig Tage systematisch abzurufen.

Die Muskeln und hochgepriesenen Gene werden sich nicht verändert haben. Aber du wirst "ihr Talent" an ihrer Schwachstelle erwischen. Myelin, wie der Neurowissenschaftler Bartzokis sagt, ist lebendes Gewebe. Wie alles andere im Körper, ist es in einem konstanten Zyklus von Zerfall und Reparatur.

Deshalb ist die tägliche Praxis wichtig, vor allem, wenn wir älter werden. Nicht umsonst sagte der Pianist Vladimir Horowitz: "Wenn ich die Übung für einen Tag überspringe, bemerke ich es. Wenn ich zwei Tage lang vernachlässige, bemerkt es meine Frau. Wenn ich drei Tage ohne Training verbringe, bemerkt es die Welt. "

Deliberate practice ist ein Prozess der konstanten Fehlerbehebung

Deliberate practice beinhaltet Feedback und Änderung des Vorgehens als Reaktion auf diese Rückmeldung. Fehler zu machen ist also nicht nur ein lästiges Muss, sondern eine Notwendigkeit um voran zu kommen.

Üben ohne Feedback und Reflexion ist wie Bowling durch einen Vorhang. Du kannst an der Technik arbeiten, so viel du willst, aber wenn du die Auswirkung nicht sehen kannst, werden zwei Dinge passieren:

Du wirst nicht besser.
Du verlierst irgendwann die Lust.

Deshalb siehst du auch absolut keinen Meister in seinem Gebiet, der keinen Lehrer, Trainer oder Mentor hat, der entscheidendes Feedback geben kann.

Chunking

Es ist wichtig die praktizierte Übung in ihre Einzelteile aufzubrechen. Unser Gehirn lernt und behält Dinge am besten in so genannten Chunks. Hier einmal ein Beispiel aus deinem Alltag: Wenn dir jemand seine Telefonnummer vorliest, wirst du selten sehen, dass jemand dir alle Zahlen einzeln vorliest.

Gleichzeitig siehst du aber auch nicht, dass jemand alle Ziffern in einer Kette vorliest. Was sich durchgesetzt hat, sind so genannte Pakete (Chunks). Wenn ich dir also meine Telefonnummer vorlese, nutze ich Chunks wie 017 // 775 //821.

So ist es einfacher einen Prozess, eine Bewegung oder ein Lied zu lernen, wenn es in viele kleine Einzelteile zerlegt und diese Schritt für Schritt durch eine verlangsamte Wiederholung gelernt werden. Auf langsam legt die Betonung. Denn wenn wir etwas in deutlich gedrosseltem Tempo ausführen, lernen wir präziser und fehlerbewusster.

Ozean / Welle Brot / B_tter
Blatt / Baum Musik /L_rics
Süß / sauer Schuh / Sock_n
Stuhl / Couch Frühstück/ Abend_ssen

Wenn du jetzt die Seite verdeckst und versuchen würdest dich an so viele der Wortpaare zu erinnern, wie du kannst, wird die Spalte 2 klar überwiegen. Das sagt zumindest die Studienlage. Es ist, als ob in diesen wenigen Sekunden deine Gedächtnisfähigkeiten plötzlich geschärft wurden. Tut mir leid: Dein IQ hat sich nicht erhöht und du hast nicht plötzlich einen Funken Genie gesendet bekommen.

Aber als du die Worte mit Leerzeichen gefüllt hast, hast du ein paar Millisekunden angehalten und dann die Lösung gefunden. Was will ich dir damit sagen ? Die Forschung hat gezeigt, dass die Menge an Zeit, die in dieser Art von Analyse verbracht wird - nicht die Zeitspanne allein- ein wichtiger Faktor ist.

Deliberate practice ist anspruchsvoll und fordert Konzentration

Deliberate practice ist anspruchsvoll und fordert eine hohe Konzentration. Meistens ist diese Art des mentalen Fokus' und der Anstrengung auch so kräftezehrend, dass niemand es sehr lange aufrecht erhalten kann. Eine Feststellung, die in den Disziplinen bemerkenswert konsistent ist, ist, dass die Übungsstunden des absoluten Fokus nur selten länger als eine Stunde bis neunzig Minuten dauern. Die besten Geiger in einer Berliner Studie zum Beispiel praktizierten etwa dreieinhalb Stunden pro Tag, typischerweise in zwei oder drei Sitzungen.

Aber diese Beobachtungen ziehen sich auch durch andere Bereiche wie Schach oder Profisport. Die Elite aus beiden Bereichen berichtet, dass ihre Praxis zeitbegrenzt ist, weil ihre Fähigkeit nachlässt die Konzentration zu halten, sodass ein Mittagsschalf keine Seltenheit ist, sondern notwendig um Leistung zu erbringen.

Nicht umsonst bekommt man von den Meistern in ihrem Fachgebiet auf die Frage nach der wichtigste Fähigkeit in ihrem Bereich immer Antworten wie:

  • Aufmerksamkeit
  • Klarheit
  • Fokus
  • Prozess
  • Wachheit
  • Achtsamkeit

  • Multitasking und Ablenkung kommt nicht in Frage, weil das Gehirn nicht in der Lage ist zwei Aufgaben gleichzeitig auszuführen. Es wechselt nur ganz schnell zwischen den Aufgaben hin und her und verschwendet damit eine Menge wertvolle Energie. Wie das alte russische Sprichwort sagt: Derjenige, der zwei Hasen jagt, fängt gar keinen.

    Deliberate practice ist nicht immer angenehm

    Natürlich tun wir lieber Dinge, die wir schon gut können und die in unser Komfortzone sind. Aber Übung, die über diesen Punkt hinausgeht, ist nur selten angenehm. Wenn wir 600 Mal "Smoke on the water " auf der E-Gitarre üben, obwohl wir es bereits können, mag es sein, dass wir dieses eine Lied gut spielen können, aber hat es uns wirklich zu besseren Spieler gemacht ? Vermutlich nicht.

    Anstatt im Prozess unserer Meisterung nur auf dem zu beharren, was wir schon können, gehört es laut Ericsson dazu beharrlich an dem Teil des Prozesses zu arbeiten, der noch nicht sitzt. Meistens sind es die unangenehmen und schwierigen Aktivitäten, die uns besser machen und das größte Wachstum bringen . Deliberate practice ist von von Natur aus nicht angenehm. Das ist der Grund, warum es so wenig Meister gibt.

    Ich hasse es, wie ein Motivationsguru klingen zu müssen, aber gerade, wenn es draußen regnet, die Bedingung zum Trainieren scheiße und unangenehm sind und es drinnen nach warmen Keksen riecht, dann zählt es.

    Der Prozess der Homöostase

    Wir alle haben gewisse Widerstände gegen große Veränderungen- egal ob sie schlimm oder gut sind. Unser Körper, Gehirn und Verhalten hat die langfristige Tendenz so zu bleiben, wie es ist und innerhalb der engeren Limitationen zu verharren und jedes Mal zurückzufallen, wenn sich etwas ändert.

    Diesen Prozess nennt man Homöostase. Das Ganze ist ein Schutzzustand. Wenn beispielsweise deine Körpertemperatur um 10% nach oben und unten schwanken würde, hättest du große Probleme zu überleben. Alle selbstregulierenden Systeme( von Bakterien zum menschlichen Individuum) haben einen Zustand der Homöostase.

    Ein passendes Beispiel aus dem Alltag findest du in Form eines Thermostat . Er muss sich flexibel an die Umwelt anpassen und so diesen Status der Homöostase bewahren. Immer, wenn etwas passiert, das außerhalb der Norm ist, springt das Thermostat wieder an den Ursprungspunkt zurück.

    Das Problem an der Homöostase ist ,dass sie nicht zwischen gut und schlecht unterscheidet.

    Wenn eine Änderung in deinem Leben geschieht, gehen alle Alarmglocken der Homöostase an. Diese möchte, dass du sofort damit aufhörst, um keine potenzielle Gefahr zu erschaffen. Sie leistet Widerstand gegen jede Veränderung. Selbst wenn du 20 Jahre ohne Sport gelebt hast, nimmt sie das als einen normalen Zustand wahr und deutet einen Gefahrenzustand an.

    Wenn du nicht über das Basislevel herausgehst, wird sich der Körper zurück in die Homöostase begeben.

    Während sich die besten Entwicklungsmethoden ständig verändern, sind sie immer um ein zentrales Prinzip gebaut: Sie sollen das Individuum über seine gegenwärtigen Fähigkeiten hinaus fordern. Das klingt offensichtlich, aber die meisten von uns haben die Auffassung von Training, dass da bloße Erscheinen genug ist.

    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. -Einstein

    Der häufigste Einwand: In meinem Bereich kann man das nicht anwenden.

    Das Ganze mag schon und gut sein für Fähigkeiten wie Kunst, Musik und Sport, aber in meinem Bereich kann man das nicht anwenden.

    Wenn ich dir jetzt ausführen wollen würde, wie du das Ganze auch in Branchen anwendest, die eher mit Denkarbeit erfordert, bräuchte ich noch 10-20.000 Wörter mehr und würde zu sehr vom eigentlichen Thema abschweifen, aber wenn es dir wirklich ernst ist, kann ich dir das Buch "Deep Work" von Cal Newport empfehlen.

    Hier eine kleine Definition aus dem Buch um "Deep Work" zu beschreiben:

    Deep Work: Professionelle Aktivitäten in einem Zustand der ablenkungsfreien Konzentration durchgeführt, die deine kognitiven Fähigkeiten an ihre Grenze bringen. Diese Bemühungen schaffen einen neuen Wert, verbessern deine Fähigkeiten und sind schwer zu replizieren.

    Deep Work ist mit anderen Worten genau die Art von Praxis, um in einem kognitiv anspruchsvollen Feld im 21. Jahrhundert zu bestehen und zu wachsen.

    Der soziale Aspekt und warum unser Umfeld eine Rolle in Bezug auf unser "Talent" spielt

    Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du am meisten Zeit verbringst.- Jim Rohn

    Dieses Zitat ist ein absoluter Klassiker in der Persönlichkeitsentwicklung. Ist da etwas Wahres dran und vor allem : Was sagt die Wissenschaft dazu ? Wie kann es beispielsweise sein, dass es so viele gute Komponisten im 19.Jhr. in Wien, gute Schriftsteller zu Zeiten Shakespears und Meister der Kunst in Florenz gab -eine Stadt mit damals 70.000 Einwohnern ? Es wäre ein riesiger Zufall, wenn das ganze Genie oder die guten Gene in diesem beschränkten Sektor verteilt wurden.

    Der Mythos des selfmade-man

    Unsere Kultur zelebriert den Mythos des Selfmade-Man. Wenn wir einen herausragenden Sportler treffen gehen wir häufig davon aus, dass ihm ein sein Talent für den Sport mit in die Wiege gelegt wurde. Das liegt daran ,dass die Erfolge und Errungenschaften eines Einzelnen meistens auch eigene Bemühungen zurückzuführen sind.

    Trotzdem hat jeder Menschen von denen er gelernt hat, die ihm Input gegeben haben und die ihm den Weg gewiesen haben. Niemand kommt aus dem Nichts und hat nie Hilfe gehabt. Auch Einstein und so ziemlich jeder Person, die wir bewundern und für einen Genie halten, hatte einen Mentor.

    Selbst Arnold Schwarzenegger (der Inbegriff des selfmade-man ) sagt:

    Ich bin kein self-made man. Jedes Mal, wenn ich eine Rede auf einer Business-Konferenz gebe oder mit College-Studenten spreche, behauptet jemand etwas in der Art. Gouverneur / Gouvernator / Arnold / Arnie / Schwarzie / Schnitzel (je nachdem wo ich bin) ist ein self-made man, was ist dein Plan für den Erfolg? Sie sind immer schockiert, wenn ich ihnen für das Kompliment danke, aber sage: "Ich bin kein self-made man . Ich habe viel Hilfe bekommen.Es ist wahr, dass ich in Österreich ohne Luxus aufgewachsen bin. Es ist wahr, dass ich mit nur einer Turntasche nach Amerika gezogen bin. Und es ist wahr, dass ich als Maurer arbeitete und in Immobilien investierte, um Millionär zu werden, bevor ich das Schwert in Conan der Barbar schwang. Aber es ist nicht wahr, dass ich self-made bin. Wie jeder stand ich auf den Schultern der Riesen.

    Der Fall Michelangelo - Talent oder Ausbildung ?

    Auch für Michelangelo galt : Übung (und nicht Talent) macht den Meister. Viele von uns nehmen an, dass es die Veranlagung unserer Gene ist, die über unser Talent bestimmen. Beispielsweise wird in diesem Kontext immer der italienische Künstler Michelangelo als Beispiel für ein Genie gewählt. Diese Ansicht ist jedoch unvollständig.

    Wie ist es dann möglich,dass die Renaissance eine so ungewöhnlich große Anzahl grandioser Künstler Michelangelo, Raphael, Leonardo da Vinci oder Tizian hervorbrachte ? Eine so große Anhäufung von geborenen Genies in einem so kleinen Zeitraum ist sehr unwahrscheinlich.

    Lass uns die Renaissance doch einmal unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten: Während dieser Zeit erlebte die Kultur der Handwerkszünfte ihren Höhepunkt. Jugendliche wurden als Lehrlinge unter der Aufsicht von Meistern über viele Jahre ausgebildet.

    Michelangelo erlernte beispielsweise das Handwerk des Steinmetzes seitdem er 6 Jahre alt war und übte sich auch täglich in der Malerei und der Freskokunst. Auch er war kein Naturtalent, sondern seinem Meisterungsprozess gingen Jahre der Fehler und Fehlerbehebung- ein intensives Myelin-Workout.

    Was ich dir damit sagen möchte, ist, dass Michelangelo und co. permanent von anderen Meistern umgeben waren und so ihre Lernkurve deutlich beschleunigen konnten.

    Wie sich herausstellt, war Florenz ein Epizentrum für den Aufstieg einer mächtigen sozialen Erfindung namens Handwerksgilden. Gilden waren Vereinigungen von Webern, Malern, Goldschmieden und dergleichen, die sich organisiert haben, um den Wettbewerb zu regulieren und die Qualität zu kontrollieren. Gilden arbeiteten wie Angestellte im Besitz von Unternehmen. Sie hatten Management, Abgaben und strenge Richtlinien , wer im Handwerk arbeiten durfte.

    Ein Lehrling arbeitete direkt unter der Aufsicht des Meisters. Auszubildende lernten das Handwerk von hinten nach vorne- nicht durch Vortrag oder Theorie, sondern durch Handeln. Die Auszubildenden verbrachten Tausende von Stunden innerhalb von deliberate practice und innerhalb der Grenzen einer Welt, die auf der systematischen Produktion von Exzellenz basierte. Ihr Leben war ungefähr so ​​ähnlich wie bei einem zwölfjährigen Praktikanten, der unter der direkten Betreuung von Steven Spielberg ein Jahrzehnt verbringt und alle seine Geheimnisse über die Filmkunst lernt. Die Vorstellung, dass ein solches Kind eines Tages ein großer Filmregisseur werden könnte, wäre kaum eine Überraschung.

    Aber wer glaubt, dass er keine Hilfe mehr braucht, sollte diese Ansicht zumindest in Frage stellen. Es gibt einen Grund, warum die Weltbesten noch von Coaches und Mentoren lernen. Es geht über das Wissen des Lehrers hinaus. Es ist möglich von der Perspektive eines anderen Meisters sehr zu profitieren, weil sie Ding sehen, die den Lehrlingen selbst verborgen bleiben.

    Warum deine Identität von deiner Umwelt geformt wird

    Affe sieht, Affe tut

    Giacomo Rizzolatti an der Universität Parma in Italien spezialisiert sich auf Neurophysiologie von Primaten. Während der 1980er Jahre konzentrierte sich sein Labor darauf, zu untersuchen, wie einzelne Neuronen in Affen reagierten, wenn ein Affe eine Aktion durchführte. Wie wir Menschen haben Primaten eine Menge von verschiedenen Neuronen, die für verschiedene Funktionen im Zusammenhang mit der Durchführung auch der einfachste Aktionen verantwortlich sind.

    Bei der Durchführung einer dieser Studien haben die Forscher etwas Unerwartetes bemerkt. Ihre Entdeckung hat unser grundlegendes Verständnis geändert, wie wir Menschen zu solchen sozialen Kreaturen wurden. Das Interessante war, dass die gleichen Neuronen beim Affen reagierten, wenn er selbst eine Erdnuss mit der Hand griff als wenn der Affe nur beobachtete, dass der Wissenschaftler nach einer Erdnuss griff.

    Diese Ergebnisse waren erstaunlich, weil Neurowissenschaftler glaubten, dass das Gehirn in verschiedene Abschnitte für das Wahrnehmen, Denken und Handeln aufgeteilt gewesen sei. Aber in diesen so genannten Spiegelneuronen traten Wahrnehmung und Handlung in demselben exakten Neuron auf. Das Aufheben einer Erdnuss und zu sehen, wie eine andere Person es tat, hatte dieselbe Wirkung auf diese Neuronen.

    Die Aufregung über die Entdeckung der Spiegelneuronen wuchs so, dass sie schnell die Lösung für viele der härtesten Probleme in der Psychologie wurden. Diese renommierte Neurowissenschaftlerin Ramachandran schrieb, dass die Spiegelneuronen "die wichtigste ... Geschichte des Jahrzehnts" sind und sagte, dass "Spiegelneuronen für die Psychologie tun werden, was die DNA für die Biologie gemacht hat." Wie er voraussagte, wurde eine lange Liste von mentalen Phänomenen auf Spiegelneuronen seit ihrer Entdeckung zurückgeführt , einschließlich unserer Fähigkeit für Sprache, Kultur, Nachahmung und Empathie .

    Kurz gesagt: Spiegelneuronen spielen eine wichtige Rolle in unserer Fähigkeit, andere zu imitieren. Unsere kulturelle Entwicklung von Fähigkeiten und Gewohnheiten hängt von unserer Fähigkeit zur Nachahmung ab. Angesichts der Tatsache, dass Spiegelneuronen während des Handelns und der Wahrnehmung einer Handlung reagieren, scheinen sie wie ein idealer Mechanismus zur Unterstützung des Lernens zu sein.

    Hatte Nietzsche Recht ?

    Der Philosoph Friedrich Nietzsche hatte vielleicht nicht ganz Unrecht mit seiner sehr zynischen Aussage:

    Was auch immer sie denken und über ihren "Egoismus" sagen wollen, die große Mehrheit macht ihr ganzes Leben lang nichts für sich selbst. Was sie tun, wird für das Phantom ihres Selbst gehalten, das sich in den Köpfen um sie herum gebildet hat und Ihnen kommuniziert wurde.

    Nietzsche glaubte, dass unser Bewusstsein nicht etwas ist, das vollkommen in uns ist- wie ein wahrer Kern unseres Wesen, sondern argumentierte er, dass die Wahrnehmung unseres Selbsts in der Regel etwas Konstruiertes ist, das vor allem von den Menschen in unserem Leben stark beeinflusst wird. Die heutige Neurowissenschaft zeigt, dass er da gar nicht so Unrecht hat.

    Unsere Reaktionen auf kulturelle Trends geben uns einen Einblick in die Funktionsweise dieses Prozesses. Jeder von uns hat dieses eine Lied, das er zu Beginn schrecklich fand- nur um es 2 lauthals mit zu grölen. Oder vielleicht ist das auch nur bei mir so ?

    Ein dramatisches Beispiel dafür sind beispielsweise Babyfarben. Blau für Jungen und Rosa für Mädchen fühlt sich einfach richtig an, oder ? Stell dir vor, wenn ein Geschäft versucht, die Farben von heute auf morgen zu wechseln und rosa für Jungen und Blau für Mädchen zu verkaufen.

    Das würde sich niemals durchsetzen, oder? Eigentlich hat es das schon getan: Vor hundert Jahren war das Farbschema für Babys das Gegenteil von dem, was es jetzt ist. Sieh dir einmal diesen Kommentar aus einer Fachzeitschrift an , die 1918 veröffentlicht wurde:

    Die allgemein anerkannte Regel ist rosa für die Jungen und blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa, eine entschiedenere und stärkere Farbe ist und daher für den Jungen besser geeignet ist, während Blau, das zarter und zierlicher ist, für das Mädchen hübscher ist.

    Was will ich dir damit sagen ? Die soziale Welt vermittelt eine Sammlung von Überzeugungen über uns selbst, über Moral und über das, was ein gutes Leben ausmacht. Weil das Selbst maßgeblich durch Umwelteinflüsse konstruiert wird, klammern wir uns oft an diese Überzeugungen, als wären sie einmalige Ideen, die wir für uns selbst gemacht haben- die Produkte unserer inneren Stimme.

    Wo bleibt die Wissenschaft ?

    Nette Annekdote, aber "Wo bleibt die Wissenschaft ?" wirst du dich vielleicht jetzt fragen. Hier ein kleines Beispiel zum nachlesen:

    Studien von Lieberman zeigen, dass unser konzeptionelles Selbstverständnis stark an den sogenannten medialen präfrontalen Kortex (MPFC) gebunden ist. In einer Rezension, die Lieberman veröffentlichte, wurde der MPFC in 94 Prozent aller Studien der Selbstreflexion beobachtet, und es ist die einzige Region, die so zuverlässig mit dem Denken über "unser Selbst" verbunden sind.

    MPFC = Abkürzung für medialer präfrontaler Cortex

    Wenn wir beispielsweise sehr überzeugende Werbung, Propaganda oder auch einfach Reden über den Gebrauch von Sonnencreme (wie in einer Fallstudie von Lieberman bewiesen wurde) entscheiden wir nicht bewusst, was wir als Folge dessen tun werden, sondern die Aktivität unseres MPFCs. Interessant war, dass das, was die Probanden versprachen zu tun beinahe keinen Einfluss auf die tatsächlichen Handlungen hatte, während die Aktivität im MPFC eine sehr effektive Voraussage lieferte.

    Noch einmal deutet dies darauf hin, dass dieses Ding, das wir unser "Selbst" nennen, weit weniger privat und unabhängig vom Rest der Welt ist, als wir glauben. Wie sich herausstellt, ist die Art und Weise, wie unsere MPFC dafür verantwortlich, wie wir uns ändern werden, sondern auch, wie sich ganze Bevölkerungen verändern werden.

    Wir denken oft an unser wahres Selbst, das in einer Schlacht mit der aufgezwungenen Notwendigkeit hineinzupassen, was gegen unseren Willen ist. Verstehe mich nicht falsch: Persönliche Werte sind enorm wichtig, um einen Anker im Leben zu haben, aber unser MPFC erzählt eine andere Geschichte. Ich würde auch lieber hören, dass wir einfach unserer eigenen inneren Stimme folgen , aber das ist laut den Ergebnissen von zahlreichen Studien nicht die ganze Wahrheit.

    Wir formen unsere Identität nämlich nicht vollkommen alleine, sondern die Leute, die uns umgeben, haben einen Einfluss auf uns, den wir nicht bestreiten können. Jim Rohn hatte also nicht ganz Unrecht mit der Aussage, dass wir der Durchschnitt der 5 Menschen werden, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Das spielt für unsere eigene Identitätsbildung eine verdammt große Rolle.

    Wähle also weise, mit welchen Menschen du einen Großteil deines Lebens verbringen möchtest. Diese formen dich und deine Identität mehr als du glaubst.

    Talent - die selbsterfüllende Prophezeiung

    Dein relatives Alter- das heißt, wie alt du bist im Vergleich zu anderen eine Entwicklungsgruppe bist, kann dein "Talent" bedeutend beeinflussen. Hier ein Beispiel: bei kanadischen Eishockeyspielern ist der Stichtag in den Jugendmannschaften für die Teilnahme in bestimmten Altersgruppen der 1. Januar. Alle Kinder, die im gleichen Kalenderjahr geboren sind, treten gegeneinander an. Klingt nach dem Standardprozess, aber ist nicht immer unbedingt fair.

    In jeder Gruppe der besten Eishockeyspieler waren 40 Prozent zwischen Januar und März zur Welt gekommen, 30 Prozent zwischen April und Juni, 20 Prozent zwischen Juli und September und 10 Prozent zwischen Oktober und Dezember. Keine Angst- ich will dir nicht erzählen, dass ein gewisses Sternzeichen besser für Eishockey ausgelegt ist. Das hat nichts mit Astrologie zu tun.

    Wegen dieses jährlichen Stichtages konkurrieren Kinder, die im Januar geboren sind mit solchen die erst Ende Dezember geboren sind. Auch wenn ein Jahr für uns Erwachsene keinen großen Unterschied macht, kann es bei den Kindern ein Achtel des kompletten Lebensalters ausmachen.

    Nun können wir nicht mehr behaupten, dass die Auswahl der besten Spieler objektiv erfolgt. Das Auswahlsystem wird von Anfang an zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das heißt, dass sich aufgrund falscher Definition eine falsche Grundannahme bewahrheitet.

    Trainer und Mannschaftskollegen loben und fördern natürlich die Besseren und Stärkeren Gruppe der Gruppe, aber ignorieren, dass sie nur deshalb stärker und besser sein könnten, weil sie einfach älter sind. Diese Kinder erhalten nun mehr Unterstützung und Möglichkeiten ihr Spiel zu verbessern. Man spricht hier vom sich akkumulierenden Vorteil.

    Das Resultat ist, dass überproportional viele Geburtstage professioneller Eishockeyspieler in die erste Jahreshälfte fallen. Du wirst jetzt vielleicht sagen: Na und ? Was will ich mit Eishockey ? Dieses Phänomen gilt aber nicht nur für Sport, sondern auch für Schule, andere Sportarten und andere Bildungsinstitute.

    Ein Fünfjähriger wird schnell einmal als "Problemkind" bezeichnet und glaubt den Erwachsenen diese aufgezwungene Rolle, obwohl er eventuell einfach nur wegen seines Alters nicht so fokussiert ist wie die ruhigeren reiferen 6 Jährigen, die aufgrund ihres "Talents" gefördert werden und später womöglich an der Harvard-Universität studieren. In der Bildungswissenschaft ist dies als Rosenthaleffekt oder Pygmalioneffekt bekannt.

    Wir differenzieren die Kinder schon früh nach ihren Fähigkeiten. Für fortgeschrittene Leser und Rechner haben wir spezielle Klassen. Deswegen verwechseln die Lehrer schon in der ersten und zweiten Klasse Wissen mit Reife. Die älteren Kinder kommen in die Förderklassen, wo sie mehr lernen. Weil sie mehr gelernt haben, sind sie im nächsten Jahr wieder besser; und im nächsten Jahr passiert dasselbe, und ihr Vorsprung wird noch größer.

    Was ich dir damit sagen will: Talent ist nicht angeboren, sondern hat neben der richtigen Art zu üben eine große soziale Komponente!

    Talent- Warum Leidenschaft nicht reicht

    Jeder große und entscheidene Moment in den Annalen der Welt ist ein Triumph des Enthusiasmus
    —Ralph Waldo Emerson

    Leidenschaft oder Passion ist ein Begriff, der immer wieder im Rahmen des Talents fällt und du hörst von allen Seiten den Ratschlag, dass du deiner Leidenschaft folgen sollst. Natürlich brauchst du eine Menge intrinsischer Motivation um die Meisterung in einem gewissen Bereich zu erlangen, aber was bei dem Wort "Passion" häufig wegfällt, ist die zweite Seite der Medaille.

    Die alte Bedeutung des Wortes Passion oder Leidenschaft ist vollkommen verloren gegangen. Egal in welcher Sprache im Wort "Leidenschaft" steckt "leiden" drin. Auch im Griechischen heißt πάσχειν „leiden, durchstehen, erleben“, sowie im Lateinischen pati „erdulden, erleiden“ heißt.

    Wie wir eben schon gesehen haben, ist mit dem Bilden von Myelin eine Menge harter Arbeit außerhalb der Komfortzone verbunden. Ein entscheidenes Problem, das wir immer wieder beobachten, ist, dass die Leute, die ihrer Leidenschaft folgen, aufhören, wenn es richtig hart wird. Warum ? Weil sie denken: Wenn es nicht alles im Flow , ohne Aufwand und mit Spaß in jeder Sekunde vorangeht, ist es nicht meine wahre Leidenschaft und ich muss weiter suchen.

    Ich will dich nicht anlügen. Wir wissen es alle: Der Weg der Meisterung ist verdammt anstrengend und das Suchen nach ewiger Freude und Vergnügen ist eine Illusion.

    Wenn du andere Menschen fragst, was sie vom Leben wollen und ihre Antwort ist: " Ich will einfach glücklich sein, eine großartige Familie haben und einen Beruf, den ich mag.", dann ist diese Antwort, die ich früher übrigens auch immer gegeben habe, so allgemein und standardmäßig geworden, dass sie beinahe inhaltsleer ist.

    Jeder will sich gut fühlen. Jeder möchte ein einfaches unbeschwertes Leben führen, sich verlieben, großartigen Sex und Beziehungen haben, ein perfektes Aussehen haben, eine Menge Geld verdienen und Respekt genießen.
    Logisch. Jeder will das.

    Viel interessanter ist jedoch die Frage: Welche Dinge sind mir so viel Wert, dass ich dafür ein wenig Schmerz auf mich nehme ? Für welche Ziele, Beziehungen oder Werte bin ich bereit zu straucheln? Beinahe jeder möchte viel Geld verdienen, aber die wenigsten sind bereit 70 Stundenwochen in der Anfangszeit zu investieren. Jeder will eine glückliche Familie, aber die wenigsten sind bereit Kompromisse mit dem Partner einzugehen, empathisch zu zu hören und stundenlang an einem Samstag nachmittags Bälle im Nachbargarten zu holen und mit den Kindern zu spielen, wenn die Kumpels Bier trinken und Fußball gucken.

    Jeder möchte weise sein und emotionale Intelligenz erlangen, aber nur die wenigsten sind bereit zu meditieren, Bücher zu lesen. Jeder will einen gestählten Körper haben, aber die wenigsten wollen auf bestimmte Lebensmittel verzichten, weniger essen oder stundenlang im Fitnessstudio schwitzen.

    Was viel eher die Richtung deines Lebens bestimmt als die Frage: "Woran findest du Gefallen?" ist die Frage: " Für welche Sache oder für welche Menschen bist du bereit Schmerz und Unbequemlichkeit auf dich zu nehmen?"
    Es wird kein Pfad voller Regenbögen und Einhörner sein. Wenn du dich also ohnehin entscheiden musst, kannst du auch ein Pfad wählen, der es dir Wert erscheint.

    Ich will dir nicht sagen, was falsch oder richtig ist, sondern DICH fragen : Was bedeutet dir so viel, dass du bereit bist dafür Unbequemlichkeit und Schmerz auf dich zu nehmen ?
    Nur so halten wir deliberate practice und die Reise zur Meisterung durch.

    Uncle Sam

    Ein kleines Q&A über den Talent- Mythos

    Die 3 häufigsten Fragen, die mir in Bezug auf Talent nach dem neu erworbenen Wissen immer gestellt werden:

    F: Warum ist "deliberate practice" so effektiv?
    A: Weil der beste Weg , um eine Fähigkeit auf zu bauen, ist Neuronen zusammen feuern zu lassen, Fehler zu machen, sie zu verbessern und dann wieder Neuronen feuern zu lassen- immer und immer wieder. Anstrengung ist keine Option: es ist eine biologische Notwendigkeit.

    Q: Warum sind Leidenschaft und Beharrlichkeit wichtige Zutaten von Talenten?

    A: Weil das Entwickeln von Myelin immense Energie und Zeit in Anspruch nimmt . Wenn es dir den Aufwand nicht wert ist, wirst du nie hart genug arbeiten, um Meisterung zu erreichen. Ich sag nicht, dass jede Meisterung erreichen muss oder soll, aber wenn du den Artikel bis hier gelesen hast, ist es vermutlich dein Anspruch.

    F: Was ist der beste Weg um in die Ruhmeshalle zu kommen?
    A: Gehe geradeaus auf der Myelin Straße.

    Talent und die Tragödie des fixierten Mindsets

    Nach diesem neu erworbenen Wissen gibt es eigentlich nur noch eine Sache, die dich abhalten kann: ein fixiertes Mindset, wie Carol Dweck- die Forscherin, die sich auf Motivationspsychologie und Mindset spezialisiert hat, sagt.

    In der Welt des fixierten Mindsets denken wir häufig (unterbewusst) schwarz oder weiß. Entweder sind wir begabt oder unbegabt in einer Sache. Menschen mit diesem fixierten Mindset haben immer das unterbewusste Gefühl ihr Selbstbild (egal ob positiv oder negativ) beweisen zu müssen.

    So ist in dieser Welt eine kleine Niederlage ein Beweis für Inkompetenz, eine schlechte Note der Beweis für Dummheit und die Meinung anderer die Realität der Person.Unterbewusst wird Anstrengung verurteilt und abgelehnt, weil "intelligente Leute nicht lernen müssen" oder "dumme Leute" es erst gar nicht versuchen müssen- so zumindest der Gedankengang. Diese Leute glauben, dass die Qualitäten von Personen in Stein gemeißelt sind. Genau das erschafft den Drang des Egos sich immer wieder aufs Neue beweisen zu müssen.

    Besonders aussagekräftig ist ein Experiment aus der Columbia University. Dort wurden die Gehirnwellen der Menschen mit verschiedenen Mindsets gemessen- mit interessanten Ergebnissen. Ihnen wurden schwierige Fragen gestellt, während ihre Gehirnströme gemessen wurden.

    Es zeigte sich, dass die Menschen mit einem fixierten Mindset nur interessiert an der Tatsache waren, ob sie richtig oder falsch lagen. Die richtige Antwort interessierte sich nicht. Es ging ihnen nicht um das Lernen, sondern nur um die Bestätigung des Egos.

    Weitere Studien zeigen ebenfalls, dass Menschen mit einem fixierten Mindset anfälliger für Depressionen waren und je depressiver sie wurden , desto weniger haben sie auch in Richtung ihres Ziels hingearbeitet.

    Weißt du warum ? Aus Angst und falschem Stolz des Egos- nichts ist schwerer als zu gestehen, dass man alles gegeben hat und es nicht gereicht hat. Sobald du es jedoch versuchst, kannst du keine Ausreden mehr finden im Sinne von : "Wenn ich mich wirklich angestrengt hätte, hätte ich (hier verlorenen Traum einfügen) sein können.

    So passiert es, dass diese Menschen ein Leben nach den Vorstellung anderer Menschen leben und ein minimales persönliches Wachstum erleben, weil sie in ihrem fixierten Mindset gefangen sind. Ein sehr viraler Artikel in den New York Times fasst es perfekt zusammen: Fehler werden im fixierten Mindset nicht als Aktion( Ich bin gescheitert), sondern als Identität (Ich bin ein Versager) wahrgenommen.

    Dieses fixierte Mindset manifestiert sich in allen möglichen "Ich kann nicht" oder "Ich bin nicht" Aussagen:

  • nicht intelligent genug
  • nicht reich genug
  • nicht hübsch genug
  • nicht diszipliniert genug

  • Ich könnte Stunden so weitermachen, aber jeder von uns weiß ab diesem Punkt wahrscheinlich selbst, in welchen Bereichen er ein fixiertes Mindset hat.

    Auch wenn hunderte Jahre reichlich Beweise liefern, dass die Korrelationen zwischen IQ und Leistung nicht annähernd so stark sind wie die Gesellschaft glaubt, ist es doch die allgemeine Meinung der Gesellschaft. Die "streng determinierten" natürlichen Grenzen, die angeblich vom Schicksal oder von denen Genen vorherbestimmt sind, werden nur real, weil wir daran glauben und als Folge dessen nicht handeln.

    Fazit: Wie nutzt du das neue Wissen über den Talent -Mythos

    Du hast nun 2 Möglichkeiten, wie du auf das neu erworbene Wissen reagierst. Entweder du verfluchst dich, deine Eltern und deine Lehrer, dass du nicht so früh gefördert wurdest, wie andere Kinder, die nun einen Zeitvorsprung haben und schwelgst deshalb in Selbstmitleid.

    Die andere Option ist jetzt erst recht anzugreifen und dich auf deinen eigenen Weg zur Meisterung einer bestimmten Fähigkeit zu machen, da du nun weißt, dass mehr in deiner Hand liegt als du geglaubt hättest. Wenn es dir wirklich etwas bedeutet, steck' Blut, Schweiß und Arbeit in die Sache, die es dir Wert erscheint.

    Glaubst du, dass du, wenn du noch einmal von vorne starten könntest, heute besser in deinen Fähigkeiten wärst als du es jetzt bist ? Natürlich ! Das beweist im Endeffekt, dass das, was wir im Leben erreichen nur die Spitze auf dem Eisberg des Möglichen ist. Natürlich gehört für deinen großen Durchbruch ein bisschen Glück dazu, aber selten in der Geschichte ist ein wahrer Meister seines Faches nicht erfolgreich gewesen.

    Wie kannst du also ab heute daraufhin trainieren, dass du so gut wirst, dass man sich in deinem Feld gar nicht mehr ignorieren kann ?

    PS: Auch ich bin auf einer persönlichen Reise zur Meisterung: der Weg zur emotionalen Meisterung ! Sind wir doch einmal ehrlich: Die meisten Fehler machen wir, weil unsere Sicherung durchbrennt und wir überschnell reagieren. Und auch unser Glück muss häufig leiden, wenn wir keine Kontrolle über unsere Emotionen haben und ihnen wie Sklaven ausgeliefert sind.

    Ich bin noch nicht bei der magischen 10.000 Stundengrenze angekommen, aber arbeite seit 5 Jahren mit diversen Techniken wie Meditation, aber auch mit den neusten Erkenntnissen der Neurowissenschaft und positiven Psychologie, die den meisten verborgen bleiben.

    Aber auch ich selbst lerne von den Meistern. Da Vinci sagte: Es gibt keine größere Meisterung als die Meisterung seiner selbst.

    Wenn du dich also dafür interessierst, wie du die Meisterung deiner selbst und deiner Emotionen lernen kannst, würde ich mich freuen, wenn du einmal in meinen Podcast hineinhörst:

    Für Appleuser:

    Für Androiduser:

    2 Comments

    1. […] glaubte nicht an Gott gegebenes Talent, sondern wurde stattdessen dazu erzogen, dass der wichtigste Teil der Persönlichkeit sein […]

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.