Welche Geschichte erzählst du dir : Wie Geschichten dein Selbstbild und deine Welt formen

„Welche Geschichte erzählst du dir: Wie persönliche Geschichten dein Selbstbild und deine Welt formen“. Diese Überschrift klingt nach einer wilden Theorien, aber wir werden in diesem Beitrag erfahren, warum Unterdrückung auf Mythen und Geschichten aufbaut, warum Geld einer der erfolgreichsten Geschichten der Menschheit ist und besonders, warum es maßgeblich für dein Glück und deine emotionale Meisterung ist, welche Geschichte du dir selbst über dich und dein Selbstbild erzählst.

In diesem Beitrag möchte ich mich auch einmal an dem ultimativen Satz versuchen. Was meine ich mit dem ultimativen Satz? Der Mensch ist das einzige Tier, das. . „Wir dürfen den Satz beenden, wie wir es mögen, aber es muss mit diesen acht Worten beginnen. Viele sind mit Behauptungen wie: Der Mensch ist das einzige Tier, das…

* Werkzeuge benutzt
* Sprache hat
* Emotionen und Bewusstsein hat
* uvm.

schon böse hingefallen, weil es später von der Wissenschaft widerlegt wurde. Doch nun will ich mir auch einmal an DEM SATZ versuchen: Der Mensch ist das einzige Tier, das so gut Geschichten erzählt, das es damit seine eigene Realität formt. Was ich damit meine, erfährst du in diesem Beitrag !

Die Geschichte deines Lebens: Der beste Geschichtenerzähler der Welt

Die Säbelzahntiger im Busch- Geschichte

säbelzahntiger skelett

Was ist also das Besondere an unserer Sprache und unserer Fähigkeit Geschichten zu erzählen ? Die Antwort: Flexibilität ! Natürlich können gewisse andere Primatenarten ebenfalls ihre Gruppenmitglieder warnen, wenn ein Löwe in der Nähe ist. Aber ein Mensch konnte seinen Kameraden berichten, dass er heute Morgen in der Nähe eines bestimmten Busches einen Säbelzahntiger gesehen hat. Er kann den Ort haargenau beschreiben und erklären, wie man dorthin kommt. Mit dieser Information kann die Gruppe sich besser schützen, weil sie vorgewarnt ist.

Die Klatsch- und Tratsch- Geschichte

Eine zweite Theorie geht dagegen davon aus, dass sich unsere Sprache entwickelte, um Informationen mit anderen Menschen auszutauschen. In dieser Theorie heißt es aber, dass der Mensch Sprache nicht primär nutze um vor dem Säbelzahntiger im Gebüsch zu warnen, sondern sich über andere Menschen der sozialen Gruppe zu unterhalten. In der Evolution der Menschheitsgeschichte war der Mensch ein verhältnismäßig körperlich schwaches Tier, aber ein riesiger Vorteil lag in der Tatsache, dass er ein sehr soziale Tier ist.

Nur indem der Mensch in seiner kleinen Herde zusammenarbeitet, konnte er überleben und sich fortpflanzen. Gerade aufgrund dieser extrem starken Gruppenbindung sind die sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe von wenigen Menschen von enormer Bedeutung: Wer hat mit wem Streit ? wer ist ehrlich ? Wer nimmt sich immer am meisten vom erlegten Mammut ? Wer schläft mit wem ? Diese Tendenz über andere zu reden, ist nicht verloren gegangen, wenn ich mich in der Gesellschaft umschaue.

Vielleicht hattest du auch schon einmal so einen Moment, indem dir eine gute Freundin erzählt, was der Cousin des besten Freunds von Lauras Bruder wieder gemacht hat und du kurz innehalten musstest und dir dachtest: Was zur Hölle ?! Um das zu verstehen, muss ich erst einmal kurz überlegen. Man muss eine Menge Dreiecks-, Vierecks- und anderen Über-Eck-Beziehungen im Kopf haben, wenn man in einer sozialen Gruppe lebt, weil alle Gruppenmitglieder untereinander noch Beziehungen haben.

Keine Spezies kann so gut lästern und über andere Menschen reden wie wir. Auch wenn wir das heute eher als unmoralisch ansehen, hat diese Fähigkeit im Verlauf der Geschichte eine enorm wichtige Funktion erfüllt. Wir konnten herausfinden, auf welche Mitmenschen Verlass war und wie wir durch soziale Kooperation größere Projekte starten konnten.

Machen wir uns doch nichts vor: Viele WhatsApp-Nachrichten, Zeitungsberichte und SocialMedia-Posts bestehen heute zum größten Teil auch häufig aus Gesprächen oder Statements über andere Leute- Klatsch und Tratsch. Die ersten Journalisten waren in prähistorischen Zeiten diejenigen, die den Rest der Gruppe vor Betrügern und Schnorrern warnten. Wir führen also die Tradition unser Jäger/Sammler- Vorfahren fort.

Die Macht der fiktionalen Geschichten

Du wirst dir eventuell jetzt sagen: Beide Hypothesen klingen zwar interessant, aber hauen mich noch nicht vom Hocker. Wie können diese Geschichten mein Selbstbild und die Welt um mich herum formen? Berechtigter Einwand! Das Einmalige an unserer Sprache ist nicht, dass wir damit Informationen über Menschen oder Säbelzahntiger weitergeben können, sondern nur der Mensch kann über Möglichkeiten spekulieren und Geschichten erfinden.

Yuval Noah Harari schreibt in seinem Buch "Sapiens- eine kleine Geschichte der Menschheit" Folgendes:

Legenden, Mythen, Götter und Religionen tauchen erstmals mit der kognitiven Revolution auf. Viele Tier- und Menschenarten konnten "Vorsicht Löwe! "rufen. Aber dank der kognitiven Revolution konnte nur der Sapiens sagen: »Der Löwe ist der Schutzgeist unseres Stammes.« Nur mit der menschlichen Sprache lassen sich Dinge erfinden und weitererzählen. Man könnte sie deshalb als »fiktive Sprache« bezeichnen.

Nur der Mensch kann über etwas sprechen, das nicht existiert. Versuch beispielsweise einmal einen Affen zu überzeugen dir eine Banane abzugeben, indem du ihm eine Geschichte über seinen glorreichen Einzug in den Affenhimmel erzählst. Viel Erfolg damit ! Um nochmal den Anfangssatz zu wiederholen: Der Mensch ist das einzige Tier, das so gut Geschichten erzählt, das es damit seine eigene Realität formt.

Mithilfe von Geschichten und Mythen können wir natürlich selbst eine Traumwelt in unserem Verstand erschaffen, aber darin liegt nicht die utimative Macht. Wir können gemeinsame Mythen und Geschichten erfinden und wenn genug Leute daran glauben als Menschheit zusammenarbeiten. So konnten wir Städte, Pyramiden und soziale Netzwerke erschaffen.

Uns kommen wahrscheinlich auch andere Tiere in den Kopf, die in großen Gruppen zusammenarbeiten, wie die Bienen. Bienen arbeiten zwar auch in großen Gruppen zusammen, doch sie handeln einfach nur nach evolutionären Programmen. Affen dagegen haben schon eine deutlich komplexere Form der Zusammenarbeit. Doch Affen kooperieren nur mit den Mitgliedern ihrer kleinen sozialen Gruppe, die selten über eine Anzahl von mehr als 50 Affen hinausgeht.

Mit zunehmender Größe der Affengruppe wird die soziale Bindung untereinander immer schwächer und die Grundlage des Vertrauens fehlt. Irgendwann kommt es dann dazu, dass sich die Gruppe von Affen trennt und kleinere Untergruppen gebildet werden.

Aber wie schaffte der Mensch es dieses Problem zu lösen? Sein Erfolgsgeheimnis waren Geschichten. Eine große Zahl von Menschen, die sich nie gesehen hat, kann trotzdem effektiv zusammenarbeiten, weil alle an gemeinsame Geschichten glauben. Zwei wildfremde Anwälte können sich verständigen, weil sie an die Existenz von Recht, Gesetz und Menschenrechten glauben. Zwei Priester können sich verständigen, weil sie an den selben Mythos (Bibel und Gott ) glauben. Aber auch du und die Kassiererin an der Supermarktkasse glauben an die selbe Geschichte- nämlich Geld. Wenn einer von euch nicht an den Wert des Geldes glauben würde, würde die Rechnung nicht aufgehen.

Aber diese Geschichten sind keine Lügen. Im Gegensatz zu einer Lüge ist eine erfundene Geschichte etwas, an die wir Menschen wirklich glauben. Und solange alle Menschen daran glauben, hat selbst eine Geschichte Macht in der Realität. Geschichten sind also nichts Schlechtes- wir brauchen sie sogar, um in einer großen Gruppe kommunizieren zu können.

Die 3 erfolgreichsten Geschichten der Menschheit

Die Geschichte deines Lebens: Staatsordnungen

Die Kooperation zwischen Menschenaffen findet wie eben genannt nur innerhalb der sozialen Gruppe statt, in der es eine Hierarchie gibt. Wenn beispielsweise zwei Gruppen von Bonobos aufeinandertreffen, benutzen sie oft Sex oder Kämpfe, um eine Hierarchie herzustellen.

Obwohl wir uns Menschen diesen beiden Strategien durchaus bewusst sind, ist es unter Menschen nicht immer die bevorzugte Wahl. Wir können den Frieden im nahen Osten also nicht ganz so einfach durch einen Faustkampf oder einer Orgie im Parlament lösen. Weil wir aber gewisse Mythen und Geschichten haben, an die wir alle glauben, ist es möglich Massen-Kooperation durchzuführen ohne intime Beziehungen untereinander zu haben.

Anderseits kann dadurch schnell Ungleichheit entstehen. Die meisten menschlichen Königreiche und Staatsordnungen waren äußerst ungleich, aber hielten überraschend stabil und effizient. Im antiken Ägypten lag der Pharao in seinem Palast in einer Hängematte und ließ sich Trauben füttern, während die Bauern auf den Feldern unter einer gnadenlos brennenden Sonne arbeiten.

Alle Menschen im Staat glauben an die Geschichte, dass der Pharao ein höheres Wesen ist und daher das Recht zur Unterdrückung hat. So kam es unter den Bauern selten zur Revolution.

Primaten sind zwar intelligent, aber ein Grund, warum sie nicht die Vorherrschaft über die Welt haben, ist die Tatsache, dass sie nicht in der Lage sind von einem auf den anderen Tag die ganze soziale Ordnung umzuwerfen.
Das heißt, während sich die Verhaltensmuster der Urmenschen über Zehntausende von Jahren hinweg nicht veränderten, konnte der Sapiens seine Gesellschaftsstrukturen, zwischenmenschlichen Beziehungen und alle möglichen anderen Verhaltensweisen innerhalb von ein oder zwei Jahrzehnten völlig über den Haufen werfen.

Ein Blick in die Geschichte der Deutschen

Ein Blick auf die deutsche Geschichte genügt. Wenn ein Einwohner Deutschland damals um das Jahr 1900 herum geboren wurde und 100 Jahre alt wurde, erlebt er eine Menge verschiedener Geschichten, die die Staatsordnung bestimmten. Im Verlauf der Kindheit wurde dieser Person im Kaiserreich Wilhelms II. groß. Daraufhin folgt das Erwachsenenalter in der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus in der DDR. Auch wenn einige jetzt aus Protest aufschreien werden: Ja- auch das wiedervereinigte und demokratische Deutschland ist eine Geschichte, die wir Menschen erfunden haben und keine gottgegebene Staatsordnung.

Die exakt gleiche Person in 5 verschiedenen politischen Systemen. Nicht die Gene der Person änderten ich über Nacht, sondern nur die Geschichte der Deutschen, an die wir als Kollektiv glauben.

Versteh mich nicht falsch: Ich liebe die Demokratie, die Menschenrechte und den Humanismus, aber trotzdem ist es eine Geschichte, die ihre Macht nur erhält, weil wir alle daran glauben. Es fühlt sich seltsam an etwas so Großes wie eine Staatsordnung oder eine Verfassung als Geschichte zu bezeichnen, aber ist es denn wirklich mehr als eine Geschichte, auf die wir Menschen uns geeinigt haben, um zusammen in einer großen Gruppe leben zu können ?

Lang lebe die Revolution!

Revolution

Die Geschichte liefert genügend Beweise für die entscheidende Bedeutung der Zusammenarbeit von Menschen, die effektive Geschichten erzählten. Um eine Revolution an zu zetteln, reicht es nämlich nicht aus eine Masse an Menschen zu haben. Hier einmal ein Beispiel aus der Geschichte:

1989 veranstaltete Nicolae Ceauşescu, der kommunistische Diktator Rumäniens, eine Massendemonstration in Bukarest. Der Kommunismus verlor immer mehr an Macht, nachdem die Berliner Mauer war gefallen war und es Revolutionen in den Nachbarländern gab. So kam es, dass der Diktator vor 80.000 Menschen eine Rede hielt, während die anderen Bürger in ganz Rumänien auf dem Fernseher zuschauten.

Für acht Minuten lobte er die Ruhm des rumänischen Sozialismus und sah sehr zufrieden mit sich selbst aus, während die Menge uninteressiert wie Roboter klatschte. Doch dann kam der Moment an dem ein Imperium fiel. Ceauşescu sagt: "Ich möchte den Initiatoren und Organisatoren dieses großartigen Ereignisses in Bukarest danken, wenn ich es als a- ". In exakt diesem Moment schweigt er und kann seinen Augen nicht trauen.

Jemand im Publikum fing an zu buhen. Selbst heute weiß niemand, wer der erste war, aber was wir wissen, ist das innerhalb von ein paar Sekunden die Massen einstimmten und eine Revolution losbrach.In dem Moment, in dem eine Gesellschaftordnung- mit anderen Worten: eine lange erzählte Geschichte- zusammenbricht: ein Ceauşescu kann seinen Augen und Ohren nicht glauben.

Auf YouTube kann man noch heute sehen, wie seine Frau die Massen auffordert ruhig zu sein und der Kameramann die Kamera abwendet, aber nicht ausschaltet. So bekommen alle rumänischen Bürger, die dieses Situation gesehen haben mit, was gerade passiert ist.

Das kommunistische Rumänien zerfällt in seine Einzelteile, als 80.000 Menschen erkannten, dass sie viel stärker waren als der alte Mann auf dem Balkon und dass sie nur durch eine Geschichte unterdrückt wurden, der sie geglaubt hatten.

Geld- die erfolgreichste Geschichte der Welt

Geld ist beispielsweise eine der erfolgreichsten Geschichten der Menschheit. Wenn du einen Affen dazu überreden willst 10.000 Euro gegen eine Bananenstaude zu tauschen, wird er dir nicht entgegen kommen und dir so gar einen Vogel zeigen. Aber warum ?

Das liegt daran, dass Geld für den Affen weder subjektiven noch objektiven Wert hat. Was will er damit anfangen ? Er kann ihn nicht essen, keinen sozialen Status in der Gruppe dadurch erlangen und sonst auch nur wenig damit anfangen. Er betrachtet die objektive Realität : Es ist ein Stück wertloses Papier.

Für uns Menschen fällt Geld aber in die Kategorie "intersubjektive Geschichten". Solange Milliarden von Menschen an den Wert des Geldes glauben, können wir es gegen das eintauschen, was wir haben wollen. Wenn du ab morgen plötzlich deinen Glauben an den Wert des Geldes verlierst, macht das keinen Großen Unterschied.

Aber wenn plötzlich die Hälfte der Menschheit vom einen auf den anderen Tag das Vertrauen in das Geld verliert und nicht mehr an den Wert glaubt, verliert Geld auch den Wert. Die objektive Realität bleibt zwar in Form des Papiers bestehen, aber Geld an sich würde wertlos sein.

Vielleicht denkst du dir jetzt: Was für ein bescheuertes Beispiel. Das ist doch vollkommen hypothetisch. Aber die Geschichte zeigt, dass so etwas schon häufiger passiert ist. 1985 verkündete die Regierung von Myanmar (früher Burma) plötzlich, dass die Banknoten von 25,50 und 100 Kyats nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel waren und ab heute keinen Wert mehr hatten. Die Menschen erhielten noch nicht einmal die Möglichkeit die Banknoten einzutauschen.

So zerfiel vom einen auf den anderen Tag das wertvolle Geld zu einem Haufen von wertlosem Papier. Im August 1986 wurden Banknoten von 15 und 35 Kyats ausgegeben. Der damalige Diktator glaubte, dass 15 und 35 Glückszahlen waren. Ihm brachten sie weniger Glück. Ein Jahr später verordnete die Regierung nämlich plötzlich, dass auch diese keinen Wert mehr hatten.

Versteh mich nicht falsch: Geld ist eine enorm nützliche Geschichte, die dem Menschen effektiven Handel ermöglicht hat und viel Gutes in der Welt bewirkt hat, aber es bleibt dennoch eine Geschichte in unserem Kopf und ist keine objektive Realität.

Religion - eine Geschichte der Menschheit

neptun poseidon

Da alle gesellschaftlichen Ordnungen von Menschen erfunden werden, sind sie hochgradig fragil. Wie lösten die Menschen das: mit angeblich übermenschlichen Regeln- Religion. Religionen müssen diese Gesellschaftsordnungen dann legitimieren, indem sie auf einen übermenschlichen Willen verweisen. Ohne diesen würden die Menschen das System für extrem ungerecht halten. Aber wenn es von einem höheren Wesen so gewollt ist, können die Leute ruhig gestellt werden.

Eine Religion ist dementsprechend ein System von menschlichen Normen und Werten, das ihrer Ansicht nach bindend ist, weil ein höheres Wesen die Gesetze herabgeschickt hat. Auch wenn wir heute die alten Religionen für ihre Naivität auslachen zu glauben, dass es mehrere Götter gibt, erzählen wir uns häufig einfach nur eine andere Geschichte- die des einen Gottes.

Elfenbeinfigur eines »Löwenmenschen« aus der Stadel-Höhle am Hohenstein in der Schwäbischen Alb. Foto: Thomas Stephan, © Ulmer Museum/Foto: Thomas Stephan

Die Figur ist rund 32000 Jahre alt und damit eines der ältesten Kunstwerke der Menschheit. Ein Hinweise auf unsere Fähigkeit uns Dinge vorzustellen, die nicht existieren.

Bedeutung wird geschaffen, wenn viele Menschen ein gemeinsames Netzwerk von Geschichten miteinander verbinden. Warum ist der Verzicht auf Schweinefleisch für einen Moslem sinnvoll? Weil es auch seine Eltern, seine Brüder, seine Nachbarn und alle Leute der selben Religion für sinnvoll halten. Und warum denken all diese Leute, dass es sinnvoll ist? Weil ihre Freunde und Nachbarn die gleiche Ansicht teilen.

Je mehr Leute dazukommen und je mehr gegenseitige Bestätigung dieses Netz bekommt, desto stärker wird es. Bauern bauten also in der Vergangenheit Tempel für ihren Lieblingsgott und hielten Feste zu seinen Ehren ab. So fungierten die Götter als juristische Personen, die Felder und Sklaven besitzen und Kredite geben konnten.

Es mag lächerlich klingen: Einrichtung, die nur in unserem Kopf existieren, die Dinge und Menschen kontrollieren. Aber auch heutzutage sagen wir hin und wieder, dass Apple ein neues iPhone herausbringt oder Griechenland pleite ist. Genauso wie unsere Vorfahren sehen wir häufig nicht, dass Menschen dahinter stehen, die zusammenarbeiten, weil sie an die selbe Geschichte glauben.

Wir Menschen denken häufig, dass wir selbst Geschichte schreiben, aber tatsächlich dreht dreht sich Historik, um ein Netz aus Geschichten, das wir uns selbst erzählen. Ich wage mich zu urteilen, ob es ein höheres Wesen gibt. Das kann niemand beweisen, aber auch niemand ausschließen. Was wir aber wissen, ist dass Religionen und Institutionen wie Kirchen und die Namen, die wir verteilen (Gott, Jahwe, Allah...) von Menschen geschaffen sind und damit Geschichten.

Die Geschichten deines Lebens- Aber sie funktionieren doch

Geschichten ermöglichen es uns, besser zusammenzuarbeiten. Der Preis, den wir bezahlen, ist, dass die gleichen Geschichten auch die Ziele unserer Zusammenarbeit bestimmen. So können wir sehr aufwändige Kooperationssysteme haben, die dazu dienen, fiktiven Zielen und Interessen zu dienen. Folglich scheint das System gut zu funktionieren, aber nur, wenn wir die eigenen Kriterien des Systems annehmen. Zum Beispiel würde ein muslimischer Mullah sagen: "Unser System funktioniert. Es gibt jetzt 1,5 Milliarden Muslime weltweit, und mehr Menschen studieren den Koran und unterwerfen sich Allahs Willen als je zuvor. "Die entscheidende Frage ist jedoch, ob das der richtige Maßstab ist um den Erfolg einer Unternehmung zu messen.

Ein Schulleiter würde sagen: "Unser System funktioniert. In den letzten fünf Jahren sind die Prüfungsergebnisse um 7,3 Prozent gestiegen. Die Frage, ob das Bildungssystem wirklich daran gemessen werden sollte oder vielleicht eher mündige, autonome Bürger und Kinder zu erziehen ? Auch ein Sklavenhalter im antiken Ägypten hätte gesagt: "Unser System funktioniert. Wir sammeln mehr Steuern, und bauen größere Pyramiden als jeder andere in der Welt. Die Frage ist ob wir den Erfolg einer Gesellschaft alleine am Wirtschaftswachstum messen oder auch am Glück der Menschen ?

Sklaverei

Wenn wir also menschliche Kooperationsnetze zu bewerten, hängt alles davon ab, wie wir das Ganze beurteilen und messen. Ich mache absichtlich ein sehr überspitztes Beispiels: Messen wir den Nationalsozialismus am Wirtschaftswachstum oder an der unmenschlichen Grausamkeit menschlichen Leids? Ich glaube, dass du meine Meinung heraushören kannst.

Was ich dir sagen will: Geschichte ist keine einzelne Erzählung, sondern beinhaltet eine Vielzahl von alternativen Erzählungen. Wenn wir uns entscheiden eine Seite zu erzählen, wählen wir auch gleichzeitig eine andere zu verschweigen. Eine Religion ist erfolgreich, wenn sie den göttlichen Geboten folgt. Ein Unternehmen gedeiht, wenn es viel Geld macht usw...

Nur weil eine Geschichte funktioniert, heißt es nicht, dass sie effektiv geschweige denn fair oder menschlich ist. Keine Sorge: Der Beitrag wird keine politische Stellungnahme. Diese Erkenntnis ist nur essentiell um die persönliche Geschichten zu hinterfragen, die dein Selbstbild und deine Welt formen.

Die Geschichte unser Zeit: Humanismus

Menschenrechte

Das ist doch alles Vergangenheit, oder ? Auf den ersten Blick scheint es, dass die moderne Gesellschaft ganz anders ist als die Königreiche des alten Ägypten oder des mittelalterlichen Kaiserreichs. Hat der Aufstieg der modernen Wissenschaft nicht die Grundregeln des menschlichen Spiels verändert? Die moderne Wissenschaft hat die Regeln des Spiels sicher geändert, aber sie hat nicht einfach Mythen durch Tatsachen ersetzt. Mythen dominieren weiterhin die Menschheit.

Dass primitive Stämme und unsere Urahnen ihre Gesellschaft zusammenhalten, indem sie an Geister glauben und bei einem bestimmten Stand des Mondes um ein Feuer herumtanzen, leuchtet uns ein. Dabei übersehen wir aber schnell, dass die Einrichtungen unserer modernen Gesellschaft gar nicht so verschieden sind. Die Schamanen unser Zeit sind Politiker und Anwälte, deren Beruf es ist von Menschen geschaffene Regeln zu verteidigen. In diesen Worten steckt keine Wertung: Ich glaube an die meisten Geschichten unser Gesellschaft.

Die Funktion der Geschichte wird nicht sterben. Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen, die wir in der Welt beobachten können, ist, dass egal wie zivilisiert, fortgeschritten und rational ein Volk wird: Unsere Gesellschaft baut auf Mythen und Geschichten auf. Vielleicht heißen die Geschichten heute nicht mehr so häufig Glaube, Religion oder Königsherrschaft. Wir haben neue Geschichten: Humanismus, Demokratie und Menschenrechte.

Natürlich gibt es Geschichten, die mehr und weniger Leid verursachen als andere. Humanismus ist beispielsweise ein Beispiel für eine Geschichte, an dich glaube. Auch wenn wir es uns heute kaum noch vorstellen können: Auch Humanismus und Moral war nicht so festgelegt wie heute. Auch Menschenrechte wie Gleichberechtigung und Freiheit sind keine objektiven Gesetze der Realität und der Natur, sondern nur von Menschen erfundene Geschichten, um eine große Masse an Menschen zu organisieren.

Und auch in meinem Körper zieht sich alles zusammen, wenn ich so etwas schreibe, weil es sich einfach falsch anhört zu sagen, dass unsere heutigen Werte nur menschliche Erfindungen sind. Denn auch ich glaube aus vollstem Herzen an Gleichberechtigung, die Würde des Menschen, Freiheit und Menschlichkeit und Empathie gegenüber anderen- selbst wenn es nur eine Geschichte ist, auf die sich viele Menschen geeinigt haben.

Ich bin also ein großer Fan des Humanismus und teile auch hier im Podcast auch eine Menge Grundideen des humnistischen Gedankenguts, weil ich glaube, dass es im Vergleich zu anderen Ideologien und Geschichten eine faire Art und Weise ist miteinander umzugehen. Außerdem fühlt sich der friedliche und freundliche Umgang für mich angenehmer an als die Unterdrückung. Trotzdem ist es ein menschliches Konstrukt.

Heute sind die Dinge ganz anders. Seit Jahrhunderten hat uns der Humanismus überzeugt, dass wir selbst ultimative Quelle des Sinnes sind und dass unsere menschlichen Gefühle also die höchste Autorität ist.

* Humanistenpolitik: Der Wähler hat Recht.
* Humanistenwirtschaft: Der Kunde hat immer Recht.
* Humanistenästhetik: Schönheit liegt in den Augen des Betrachters.
* Humanistische Ethik: Wenn es sich gut anfühlt und niemand anderem schadet - tu es!
* Humanistische Bildung: Denken für dich selbst!

Das klingt für uns logisch, aber das war in der Menschheitsgeschichte nicht immer der Fall.Der Humanismus hat uns gelehrt, dass etwas nur schlecht sein kann, wenn es jemand anderem schadet. Mord ist also nicht mehr eine Sünde, weil ein Gott einmal gesagt hat: "Du sollst nicht töten." Vielmehr ist der Mord falsch, weil er schreckliches Leid im Opfer verursacht. Diebstahl ist nicht falsch, weil ein antiker Text sagt: "Du sollst nicht stehlen.", sondern weil sich jemand anderes schlecht fühlt, wenn er sein Vermögen verliert.

moses 10 gebote comic

Interessanterweise wollen heute auch religiöse Extreme diese humanistischen Gedankenströme zu ihren Vorteil nutzen , um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zum Beispiel gibt es seit zehn Jahre eine schwule Parade in den Straßen von Jerusalem. Es ist ein Tag der Harmonie, weil es eine seltene Gelegenheit ist, dass Juden, Muslime und Christen plötzlich eine gemeinsame Sache finden - sie alle rauchen vor Wut wegen der Schwulen-Parade.

Was ist aber wirklich interessant, ist das Argument, das sie benutzen. Sie sagen nicht: "Man darf keine Schwulen-Parade halten, weil Gott die Homosexualität verbietet." Sie passen sich an den humanistischen Zeitgeist an und erklären mit jedem verfügbaren Mikrofon und jeder Fernsehkamera, dass eine Schwulen-Parade, die durch die heilige Stadt Jerusalem geht, ihre Gefühle verletzt. So wie schwule Menschen wollen, dass sie ihre Gefühle respektieren, sollten sie uns und unsere Gefühle respektieren. "

Auch heute in der "zivilisierten Welt" haben wir Geschichten wie Liberalismus, Kommunismus, Kapitalismus usw. Die Anhänger dieser "Religionen" reagieren zwar sehr allergisch auf das Wort "Religion" und bezeichnen sie lieber "Ideologien". Diese Ideologien sehen den Religionen aber zum Verwechseln ähnlich- es bleibt ein System von Werten und Normen.

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen dem Christentum und dem Kommunismus. Das Christentum ist beispielsweise der Ansicht, dass eine übermenschliche Ordnung von einem allmächtigen Gott geschaffen wurde, während der Kommunismus nicht an Götter glaubt. Aber auch der Buddhismus hält nicht allzu viel von Göttern und wird trotzdem gemeinhin als Religion bezeichnet. Du siehst, dass die Grenzen fließend sind.

Die neue Religion bzw. Ideologie ist Humanismus.

Die 3. Realität

Wir finden es schwierig, die Idee von "imaginären Ordnungen und Geschichten" zu verstehen, weil wir Menschen häufig davon ausgehen, dass es nur zwei Arten von Realitäten gibt: objektive Realitäten und subjektive Realitäten. In objektiver Realität existiert alles unabhängig von unseren Überzeugungen und Gefühlen. Die Schwerkraft zum Beispiel ist eine objektive Realität. Sie war schon da, bevor Newton ein Apfel auf den Kopf gefallen ist und auch Menschen, die nicht daran glauben,sind davon betroffen.

Die subjektive Realität hängt dagegen von meinen persönlichen Überzeugungen und Gefühlen ab. Wenn ich zum Beispiel mit starken Rückenschmerzen zum Arzt gehe und dieser sagt, fühlt sich der Schmerz für mich 100 % echt an.

Häufig gehen wir davon aus, dass die Realität entweder objektiv oder subjektiv ist und dass es keine dritte Möglichkeit gibt. Wenn es kein subjektives Gefühl ist, muss es objektiv sein. Wenn viele Leute an Gott, Geld und eine Staatsordnung glauben, dann sind diese Dinge nicht nur ein subjektiver Glaube, sondern es muss eine feststehende objektive Realität sein.

Allerdings gibt es eine dritte Ebene der Realität: die intersubjektive Ebene. Intersubjektive Geschichten hängen von der Kommunikation zwischen einer großen Menge von Menschen ab und nicht von den Überzeugungen und Gefühlen einzelner Menschen ab.

Sapiens (Wir) beherrschen die Welt, weil nur sie ein intersubjektives Netz der Bedeutung spinnen können: ein Netz von Gesetzen, Mythen, Religionen, sozialen Regeln und Orten, die rein in ihrer gemeinsamen Vorstellung existieren. Dieses Netz erlaubt dem Menschen Kreuzzüge für imaginäre Götter auszuführen, in denen Menschen freiwillig für das Vaterland (eine andere schöne Geschichte) sterben, sozialistische Revolutionen und Menschenrechtsbewegungen zu organisieren.

Während Hunde, Schweine und Kühe beispielsweise auf den objektiven Bereich beschränkt sind und ihre Kommunikationssysteme nur die Realität beschreiben, verwenden Mensche Sprache, um völlig neue Realitäten zu schaffen.

Kein anderes Tier dominiert die Erde, nicht weil ihnen Bewusstsein oder Intelligenz fehlt, sondern weil ihnen die nötige Phantasie fehlt effektive Geschichten zu erzählen. Im körperlichen Kampf gegen einander haben wir keine Chance gegen einen Löwen. Dennoch sind wir mächtiger, weil wir Geschichten haben. Sie können kein Bankkonto eröffnen oder uns anzeigen. Obwohl diese Dinge nur Geschichten in unserem Kopf sind, ist jeder Bänker, Geld kontrollieren kann, viel mächtiger als der stärkste Löwe.

Warum wir Mythen und Geschichten brauchen

Mythen sind Geschichten, die uns auf unserer Suche nach der Wahrheit, nach Sinn, für Bedeutung helfen. Wir alle müssen unsere Geschichte erzählen und unsere Geschichte zu verstehen. Wir alle müssen den Tod verstehen und mit dem Tod fertig zu werden und wir alle brauchen Hilfe dabei durch das Leben zu navigieren. - Joseph Campbell

Lass uns der Wahrheit ins Gesicht schauen: Das Leben ist verrückt und chaotisch. Gerade weil unser Verstand Ungewissheit und Chaos gar nicht leiden kann, suchen wir immer nach Mustern, Bedeutung und Regelmäßigkeit in dieser chaotischen Welt. Geschichten und Mythen lösen dieses Problem für uns.

Wir lieben Geschichten, weil sie in unserem Gehirn evolutionär fest verankert sind. Wenn uns eine gute Geschichte packt, wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, was dafür sorgt, dass sich deine Konzentration und Fokus erhöht.
Im Verlauf der Evolution war es der effektivste Weg Informationen auszutauschen. Und das war auch gut so: Wenn deinem Ur-ur-ur-ur-uropa eine Geschichte erzählt wurde, das die Tochter seines Freundes starb, weil sie die roten Beeren gegessen hat, kann es sein, dass du und ich einer Geschichte das Leben verdanken.

Ich gebe es zu: Ein sehr theoretisches Beispiel. Aber auch die moderne Neurowissenschaft sagt etwas ganz Ähnliches. Wir verarbeiten die Informationen einer Geschichten im Gehirn genauso wie die Realität selbst.

Geschichten dienen uns Menschen also eine simulierte Lernerfahrung, um uns einen sicheren Weg zu geben, wie mit Gefahr umgehen können ohne uns ihr aussetzen zu können. In der heutigen Welt ist es unwahrscheinlich, dass du von einem Freund gewarnt werden musst, in welchem Gebüsch sich der Säbelzahntiger versteckt. Trotzdem kann dich heute eine Geschichte eines anderen Menschen warnen seine Fehler selbst auch zu machen.

Unsere Gehirne und Körper sind evolutionär darauf ausgelegt um in kleinen Gruppen von maximal 150 Menschen in Jäger-Sammler- Gesellschaften zusammen zu leben. In diesen Gruppen gab es eine enge Bindung zwischen den Mitgliedern. Unsere heutige Gesellschaft ist jedoch im Vergleich zu diesen sozialen Gruppen entfremdet und kalt. Die Nähe ist nicht immer gegeben. Deshalb brauchen wir Geschichten, um uns als Menschheit zu verständigen.

Diese Geschichten sind also nichts Schlechtes. Ohne Geschichten gäbe es keinen Handel und keine Wirtschaft mehr und es gäbe ein Verkehrschaos, weil jeder über die rote Ampel fährt. Wir könnten auch nicht mehr kommunizieren, wenn sich jeder eigene Bedeutungen für Worte ausdenken würde und sie jeden Tag ändern würde. Wir brauchen Geschichten !

Wie persönliche Geschichten dein Selbstbild und deine Welt formen

Wozu diese riesige Einleitung ? Das Ganze war kein Aufruf die Staatsordnung zu stürzen. Auf gar keinen Fall ! Ich wollte dir damit verdeutlichen, dass die Geschichten deines Lebens einen entscheidenen Einfluss auf dein Leben haben, den wir nur ganz selten sehen und hinterfragen. Oder wann hast du das letzte Mal über die Geschichte "Geld" oder "Demokratie" nachgedacht, die wir uns selbst erzählen ?

Shakespeare sagt schon, dass die Welt eine Bühne sei. Die Geschichte unseres Lebens ist nämlich eine, die aus der Sicht der 1. Person erzählt wird und damit hochgradig ungenau und unwahr sein kann. Wir handeln nicht nur nach persönlichen Werten , sondern auch nach denen der Gesellschaft.

Das liegt daran, dass die Geschichte deines Lebens von deinen Erinnerungen abhängt. Unsere Erinnerungen sind nämlich kein perfektes Abbild der Realität. Wir tendieren dazu Details zu vergessen und alle Dinge, die in unsere Erinnerung fehlen mit ausgedachten Details zu füllen.

Eine Studie zeigte beispielsweise, dass 73 % der Versuchsobjekte berichteten zur Zeit, als die Twin Towers 9/11 fielen, lebhafte Erinnerungen daran hatten, dass das erste Flugzeug in den Nordturm flog. Dabei ist das Ganze unmöglich, da das Bildmaterial an diesem Morgen noch gar nicht verfügbar war.

Wie du gesehen hast, konstruieren wir durch unsere Geschichten unsere Welt. Wir schaffen und empfangen diese Konstrukte. Wir übermitteln sie von Generation zu Generation. Um in einer komplexen Welt halbwegs gedankenlos arbeiten zu können und weil wir nicht wissen, dass es eine andere Option gibt, nehmen wir viele dieser kulturellen Konstrukte und besonders Denkmuster als wahr an. Das Problem ist - viele von ihnen sind längst über ihrem Ablaufdatum oder limitieren uns.

Das sagt Steve Jobs dazu:


Hilfreiche Geschichten für dein Leben

Wie gesagt: Ich will dir nicht sagen, welche Geschichten richtig oder falsch sind. Das kann ich nicht. Auch wenn ich eine große Liebe zur Wissenschaft habe, ist eine andere Frage, die ich mir immer stelle, wenn ich mein persönlichen Werte betrachte und Geschichten über mein Leben erzähle. Die Frage ist: Ist die Geschichte, die ich mir gerade erzähle hilfreich ?- Hilfreich für mich, mein Glück, die Menschen für mein Umfeld an geliebten Menschen und die Welt.

Hier sind einmal die Top 3 Geschichten, die ich über so viele Jahre Persönlichkeitsentwicklung geändert habe. Es gibt Hunderte oder Tausende davon, aber diese 3 haben mir eine komplett neue Weltsicht gegeben. Vielleicht können sie ja auch das Gleiche für dich tun.

Das Leben ist ein Geschenk

Donald Trump behauptet, dass das Leben ein Kampf ist. Im Buddhismus heißt es : Leben ist leiden. Auch wenn beide Aussagen vielleicht ein Funken Wahrheit haben, ist es meiner Meinung nach nicht die hilfreichste Geschichte, die du dir erzählen könntest. Klar: Wir wollen die negativen Aspekte nicht wegdiskutieren, sondern den richtigen Umgang mit ihnen lernen, aber das Leben ausschließlich über Leiden zu definieren beraubt uns eine Menge der Schönheit und Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens.

Wenn du am Morgen aufstehst, denk daran, was ein kostbares Privileg es ist, lebendig zu sein -. Zu atmen, zu denken, zu genießen, zu lieben“ - Marcus Aurelius

Ich erzähle mir lieber dieselbe Geschichte wie Marcus Aurelius. Es ist in der Psychologie kein Geheimnis, dass Dankbarkeit ein enorm starkes Gefühl ist und die Macht hat jede Art von Schmerz zu übertrumpfen.Es ist schwer traurig oder wütend zu sein, wenn du erkennst, dass so viele Jahrhunderte alles haargenau so ablaufe musste, dass du heute hier auf der Erde sein darfst.

Dankbarkeit rückt in Perspektive, wie wertvoll doch jeder Moment ist und mit wie viel Freude wir unser Leben leben könnten. Oft nehmen wir Dinge als gegeben und selbstverständlich hin, die alles andere als selbstverständlich sind. Die Möglichkeit fließendes, warmes Wasser aus dem Wasserhahn zu bekommen, den Kühlschrank zu öffnen und eine Fülle an Lebensmitteln zu haben und in einem friedvollen Land zu leben, in dem es keinen Krieg gibt, ist ein Luxus, den Millionen von Menschen nie erleben werden.

Diese kleine Lebensmetapher bzw. Geschichte hat mein Leben revolutioniert: Sowohl das Leben als auch jeden Tag als Geschenk anstatt als Qual anzusehen.

Alles ist von Grund auf neutral- du vergibst die Wertung

Die zweite machtvolle Geschichte drückte Viktor Frankl, der als KZ- Häftling wirklich enormem Leid und Druck ausgesetzt war und als einer der wenigen nicht nur überlebte, sondern auch seine Lebensfreude behielt, mit diesen Worten aus:

Die letzte aller menschlichen Freiheiten ist es seine eigene Einstellung in jeder gegebenen Situation zu wählen.

Jede Situation ist von Grund auf neutral. Allein du vergibst die Bewertung. Ich sage nicht, dass das eine richtig und das andere falsch ist. Du allein hast die Macht das zu bewerten. Du kannst dich jedoch fragen: Was davon gibt dir mehr Macht und Kontrolle über dein Leben ?

Was alles in deiner Hand liegt:

Macht

Neben dem Offensichtlichen - dem Handeln- kannst du auch eine Vielzahl von anderen Dingen kontrollieren :

  • Deine Emotionen
  • Du kannst zwar nicht kontrollieren, ob und welche Emotionen hochkommen, aber du kannst lernen nicht langfristig unter ihnen leiden zu müssen.

  • Deine Perspektive und Einstellung
  • Wie bewertest du die Situation? Ist die Emotion (in diesem Fall Einsamkeit) der Weltuntergang und eine Tragödie oder ist es eine Chance oder eine Nachricht, die dich auf einen besseren Weg bringen kann ?

    Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.- Viktor Frankl

  • Deine Entschlossenheit und deine Entscheidungen
  • Du wählst in jedem Moment. Auch das "Nichts- Tun" ist eine Wahl ! Du hast die Entscheidung, wie du jeden Tag handelst und ob du etwas gegen das Gefühl der Einsamkeit tun möchtest oder ob du resignierst. Du bist oft stärker als du denkst !

    Das ist dein Spielfeld- dein Raum der Kontrolle. Hier ist alles ein faires Spiel und niemand kann dir dazwischen funken. Du erkennst, wie viel Kontrolle du hast, oder ? Wir müssen nur eine mentale Unterscheidung in Bezug auf die Wahrnehmung machen, wie die Stoiker sagen : Dinge, die wir kontrollieren können und Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Wir können beispielsweise nicht das Wetter kontrollieren, aber unsere Reaktion darauf.

    Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.

    Diese Geschichte hat mir durch schwere Zeiten geholfen und mir die Möglichkeit gegeben mein Leben und die Kontrolle selbst in die Hand zu nehmen.

    Es gibt keine Niederlagen-nur Möglichkeiten zu wachsen und stärker zu werden

    Resilienz

    Viele Menschen denken, dass Widerstandsfähigkeit heißt, nach einer schweren Situation einfach wieder zu regenerieren oder Probleme an sich abprallen zu lassen. Doch damit verschweigen wir den unglaublichen Wert, den die Widerstandsfähigkeit gibt. Resilienz gibt uns nämlich die Möglichkeit durch Schmerz zu wachsen und uns zu verbessern.

    Resiliente Menschen finden also einen gesunden Weg mit harten Zeiten der Niederlage in ihrem Leben umzugehen. Es wird nämlich nie eine Zeit in unserem Leben geben, die frei von Veränderung und Herausforderungen ist.
    Das Ziel ist also nicht alle Herausforderungen zu unterdrücken, sondern diese in eine positive Bahn zu leiten. Es ist kein Zufall, dass eine Zeile von Hemingway wieder und wieder zitiert wird und so tief mit den Menschen räsoniert:

    Die Welt zerbricht jeden und nachher sind viele an den gebrochenen Stellen stärker.- Ernest Hemingway

    Eine Niederlage ist also nichts Schlimmes und kein Schicksalsschlag, sondern eine Möglichkeit zu wachsen und stärker zu werden.

    Was ist die Geschichte deines Lebens

    „Das Einzige, was zwischen dir und deinem Erfolg steht, ist die Geschichte, die du dir immer wieder erzählst.“ - Anthony Robbins

    Ich glaube, dass ich es für dich nichts Neues ist. Jeder hat seine eigenen persönlichen Abneigungen und Geschichten, aber alle weisen meist auf das gleiche grundlegende Thema hin: ‚Ich bin nicht gut genug, wie ich bin. Irgendetwas fehlt in meinem Leben( egal ob Geld, Glück oder Liebe. Es ist die Botschaft, die unser Verstand uns immer wieder sendet .

    Eine Zuhörerin hat beispielsweise erzählt, dass sie dazu neigt sich die Geschichte zu erzählen, dass sie alleine nicht glücklich sein kann und sich einsam fühlt. Jeder hat seine eigenen unterbewussten Geschichten.

    Für viele ist die Opferrolle zur Identität und Leid, Schmerz und Probleme zum Lebenssinn geworden. In dieser Episode sollte es primär darum gehen, dass Geschichte in unserem Leben haben und nicht um das Auflösen von unterbewussten Glaubenssätzen und Geschichten. Aber ich will dich trotzdem nicht ganz ohne eine praktisch Übung und ein Erfolgserlebnis gehen lassen.

    Jetzt das kostenlose Achtsamkeitsprogramm für Anfänger sichern !

    privacy Wir respektieren deine Privatsphäre und werden dir nie Spam schicken !

    Schmerz zum Vorteil nutzen

    Stelle dir die Frage: Was wird dich die zerstörerische Geschichte, die du dir selbst erzählst langfristig emotional, körperlich, finanziell und spirituell kosten ? Was wird er diejenigen in deinem Umfeld kosten, die du liebst ?

    Ich weiß: Der Gedanke daran tut manchmal weh, aber gerade wenn wir einiges an Schmerz mit einem destruktiven Glaubenssatz verknüpfen, können wir ihn wirklich loslassen. Visualisiere also dein Leben mit diesem destruktiven Glaubenssatz und was dieser destruktive Glaubenssatz dich kosten könnte ! Gehe mental in diese Situation hinein !

    Freude zum Vorteil nutzen

    Aber wir wollen nicht im Negativen Verharren. Der nächste Schritt ist positive Emotionen an diesen Glaubenssatz zu knüpfen : Was wird die Änderung des Glaubenssatzes Positives in deinem Leben bewirken ? Wie stolz kannst du auf dich sein ? Welches Momentum würde es in deinem Leben auslösen, wenn du deine Geschichte ändern würdest ? Wie würde ich mich und mein Umfeld glücklicher machen, wenn ich diesen Glaubenssatz nicht mehr hätte ? In welche anderen Lebensbereiche würde sich dieser Mindshift übertragen ?

    Der Schlüssel ist es eine Menge starker Gründe zu finden, warum der Wandel in deinen Gedanken sofort stattfinden sollte und nicht in der Zukunft. Wenn wir das Warum gefunden haben, ist das Wie nur noch Formsache.

    Musterunterbrechung

    Musterunterbrechung

    Vielleicht kennst du es: Man denkt sich immer wieder in eine Negativschleife hinein. Alles begann mit einem harmlosen Gedanken, aber wir spinnen uns durch die seltsamsten Gedankengänge, die fern von jeder Realität sind, ein Konstrukt von negativen Gedanken.

    Unser Gehirn unterscheidet nicht vor dem, was wir mental in unserem Gehirn als Bilder produzieren und was wir in der Realität erleben.

    Was ist, wenn ich dir sage, dass du diese Spiralen des negativen Denkens jederzeit unterbrechen kannst ?

    Die Weisen aus Sivana glaubten, dass man nur reine Gedanken haben sollte. Wenn sie sich einmal erwischen sollten, dass ein unreiner Gedanke ihren Verstand durchzog, sprangen sie unter eiskaltes Wasser, bis sich die Kälte nicht mehr aushalten konnten.

    Moment, Moment ! Das ist ein bisschen zu extrem und das ist auch nicht, das, was du machen solltest, aber ein ganz kleiner Funke Wahrheit ist dran. Du sollst dich nicht für negative Gedanken bestrafen. Die gehören dazu. Was du jedoch machen kannst, ist das Muster zu unterbrechen.

    Deine Physiologie kontrolliert ein Großteil deiner Emotionen. Im Englischen sagt man so schön: "Motion creates emotion". Daher ist es sinnvoll eine zerstörerische Geschichte durch eine ungewöhnliche körperliche Aktion zu unterbinden. Beispielsweise wirst du sofort aus deiner negativen Geschichte gerissen, wenn du beginnst wie wild zu tanzen oder dich zu schütteln. Das sind natürlich drastische Varianten- du kannst dieses Konzept der Musterunterbechung, das auch aus der Psychologie kommt , auch durch eine weniger drastische körperliche Aktion brechen.

    Klingt verrückt- ist es auch, aber es funktioniert.

    Erschaffe eine neue mutbringende Alternative

    Heilung

    Identifiziere die positive Nachricht deiner Geschichte. Jede Emotion- auch die negativen- haben eine Nachricht für uns. Was kann dir diese Emotion sagen? Vielleicht sagt die Emotion dir die Emotion, dass du noch viel ungenutztes Potenzial hast, das du erfüllen könntest ? Was auch immer deine negative Geschichte ist. Wenn du dir kurz die Zeit nimmst, findest du bestimmt eine Botschaft darin. Nimm dir die Zeit die positive Absicht zu würdigen und zu erkennen, dass die Geschichte eine positive Absicht hat.

    Was wäre eine alternative Geschichte, die du dir erzählen könntest? Eine Geschichte, die wahr ist, aber deutlich hilfreicher und dir Mut und Kraft gibt. Lass nun eine neue Geschichte entstehen, die die positive Intention der alten Geschichte aufgreift. Sobald die neue Geschichte entstanden ist, schreibe sie auf und wiederhole und lies sie immer, wenn du wieder in die Muster der kräfteraubenden Geschichte fällst.

    Das ist eine kleine aber mächtige Übung, die dir hilft deinen Fokus in eine andere Richtung zu lenken. Und wie wir wissen, können wir Menschen nicht gleichzeitig dankbar und erfüllt sein und Angst haben.
    Welche Geschichte über Geld, Familie, Beziehungen und dein Glück möchtest du dir selbst zukünftig erzählen ? Welche unterbewussten Geschichten hattest du bis jetzt ?

    6 Comments

    1. […] wir diese Geschichte glauben, werden wir zum Sklaven der äußeren Umstände, weil angeblich nichts mehr im Feld unser […]

    2. […] sagt schon, dass die Welt eine Bühne sei. Die Geschichte unseres Lebens ist nämlich eine, die aus der Sicht der 1. Person erzählt wird und damit hochgradig ungenau und […]

    3. […] sehen die Welt durch eine Linse von selbst erzählten Geschichten und durch Filme und Helden, an denen wir uns orientieren, bekommen wir Hinweise, wie wir in der […]

    4. […] Menschen verarbeiten unser Leben in einer Reihe von Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Sie sind so tief in unserem Unterbewusstsein verankert, dass sie […]

    5. […] Introverion durchaus real ist, ist Schüchternheit nicht mehr als eine Geschichte, die du dir selbst erzählst. Die Geschichte klingt ungefähr so: Ich bin schüchtern, also kann ich nicht xyz machen, sein oder […]

    6. […] Halt einmal kurz inne und denk darüber nach: Welches Problem habe ich im gerade im Moment – nicht heute, morgen oder 5 Stunden, sondern jetzt? Das Interessante ist, dass Probleme nur selten im Hier und Jetzt sind. Unser Verstand macht sich Gedanken, was das Ganze für unsere Zukunft oder Vergangenheit bedeutet. Es ist die Tyrannei der Geschichten, die wir uns selbst erzählen. […]

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.