Die Meisterung der Wut- Rauslassen, unterdrücken oder kontrollieren ?

Wut ist eine extrem starke, aber auch gleichzeitig extrem missverstandene Emotion, die uns wertvolle Nachrichten liefern. Anderseits ist sie, wenn sie Überhand nimmt, auch wie Gift, das wir selbst einnehmen mit dem Ziel andere zu vergiften.

Wut hat das Potenzial eine sehr zerstörerische Macht zu sein, wenn sie frei und ohne Hemmungen wütet. Andererseits kann sich auch nicht einfach beiseite geschoben und unterdrückt werden.

So funktioniert unser menschlicher Verstand jedoch nicht. Das erinnert mich an meinen kleinen Cousin, der sich beim „Versteckspiel“ die Augen mit einem Kissen zuhält, damit ich ihn nicht sehe. Genauso ist es mit Wut. Nur weil wir die Augen davor verschließen, heißt es nicht, dass sie weg sind.

HINWEIS: Die emotionale Meisterung der Wut beinhaltet deine Bereitschaft anzunehmen, dass es für gesunde Beziehungen und dein persönliches Glück meist sinnvoll ist zu versuchen das Problem wirklich zu lösen oder die Wut zu meistern, anstatt mit Gewalt durchprügeln zu wollen, dass du in dieser Situation Recht hast oder unbedingt Rache üben zu wollen.

Klingt hart, aber muss so gesagt werden: Wenn es dir also wichtig ist Recht zu haben um dein Ego zu stärken und du lieber Rache und Kontrolle ausüben möchtest, ist dieser Beitrag nichts für dich und du kannst auf das rote Kreuz in der rechten Ecke klicken.

Du bist noch da ? Dann viel Erfolg mit der Meisterung der Wut. 🙂

Die Geschichte vom Hammer-Paul Watzlawick

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüber zu gehen und ihn aus zu borgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgetäuscht und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie ihren blöden Hammer“. – Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklich sein

Wie wir sehen, ist unsere Wut häufig vollkommen irrational und sorgt dafür, dass wir selbst leiden und zwischenmenschliche Beziehungen durch diesen Impuls zur Wut gefährden. Doch gibt es eine Alternative dazu ? Das wollen wir in dieser Episode herausfinden.

Die hilfreiche Nachricht der Wut

Wut ist ein gutes Beispiel für eine Emotion, die auch einen gewissen Wert hat. Wut kann beispielsweise dafür sorgen, dass du den Mut und die Kraft aufbringst, um die zu verteidigen und zu schützen, die du liebst. Wahrscheinlich willst du sogar etwas Wut spüren, wenn jemand deine Kinder bedrohen würde.

Wut ist an sich weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, was du damit machst. Zorn und Wut entstehen normalerweise, weil wir glauben, dass wir ungerecht behandelt wurden, oder dass etwas unsere Fähigkeit blockiert, sinnvolle Ziele zu erreichen. Auch die Daten aus 3.677 Tagen, als die Leute im Alltag ihre Emotionen festhalten, aufschreiben und berichten mussten sprechen eine eindeutige Sprache .

Auch wenn meine Wut, wenn sie hochkommt meistens gegen die Computertastatur gerichtet ist zeigen die Daten, dass 63,3 Prozent der Wutausbrüche auf andere Menschen. bezogen sind. Wut wird in der Regel durch das ausgelöst, was andere Menschen getan haben, nicht tun, oder möglicherweise tun könnten.

Die offensichtliche Schwierigkeit liegt darin, herauszufinden, wie man mit Gefühlen der Wut umgeht, vor allem in Beziehungen. Auch wenn es immer propagiert wird, ist es nicht besonders hilfreich Selbstaussagen zu machen, die versuchen, den Zorn wegzuschieben, wie "Ich muss meinem Zorn Luft machen !" oder "Ich muss diesen Ärger für mich behalten" oder "Warum kann ich nicht weniger wütend sein? "

Stattdessen erkenne, wie die Stoiker sagen, den Unterschied zwischen Ereignissen, die du ändern kannst, und denen, die über deine Fähigkeit hinausgehen. Wenn du auf einer Reise bist und du deinen Mütze am ersten Tag verlierst, gibt es nichts, was du ändern kannst. Also gibt es keinen Vorteil, Wut auszudrücken.

Aber wenn du mit einem Ladenbesitzer auf einem Flohmarkt über den Preis eines Hutes verhandelst und wütend wirst, dass du einen höheren Preis als der letzte Kunde bezahlt hast, besitzt du Kontrolle und die Wut hat durchaus einen Wert. Doch wie kommunizieren wir in diesen Situationen angemessen Ärger oder Wut in einer Weise, die zu einem gesunden und gewünschten Ergebnis führt? Psychologe und Herausgeber vom Buch Anger Disorders, Dr. Howard Kassinove erwähnt, dass der Schlüssel ist, "einen passenden Ton zu verwenden, ohne die andere Person zu erniedrigen".

Die simple Nachricht der Wut

Oft ist die simple Nachricht einfach, dass eine unser Erwartungen nicht erfüllt wurde. Wenn jemand beispielsweise sein Wort nicht hält, empfinden wir einen Verlust von Vertrauen und Intimität in Bezug auf diese Person. Und da Verlust einer der 3 Schmerzauslöser ist, fühlen wir uns verletzt.

Die Person, die dich verletzt hat, ist sich womöglich gar nicht bewusst, was diese Situation für dich bedeutet hat. Vielleicht hat die Person einfach eine deiner ungeschriebenen Regeln gebrochen und wusste gar nichts davon, dass du diese Sache wertschätzt oder als festgesetzte Regel hast.

Klingt zwar abgedroschen, aber es ist wahr: Rede mit der Person !

Oft vergessen wir, dass wir andere Wertesysteme haben als andere Menschen und uns nicht dieselben Sachen am Herzen liegen. Ich habe vor langer Zeit einmal Harzer Käse probiert und habe mich fast übergeben müssen, aber anscheinend scheint es ja Leute zu geben, die dieses Dreckszeug mögen.

Auch wenn ich es nicht ausstehen kann, geben andere sogar Geld dafür aus. Oft vergessen wir, dass das Ganze auch für Emotionen und andere Werte gilt. Weil wir 24/7 in unserem eigenen Kopf leben, vergessen wir häufig, dass andere Menschen auch andere Ansichten haben könnten und auf andere Dinge Wert legen.

Daher kann ein Gespräch darüber extrem aufschlussreich sein. Niemand kann in unsere Köpfe hineingucken und lesen, welche unterbewussten Verhaltensregeln für ein "richtiges Leben" wir in unserem Kopf festgelegt haben und daher können wir auch nicht erwarten, dass andere es wissen.

Die übergeordnete Regel der Wut ist als : Entweder jemand anderes oder wir selbst haben eine Regel oder einen Standard verletzt, den wir für uns selbst unterbewusst gesetzt haben. Aber später mehr dazu.

Wut überwinden

Um dem Ganzen fürs nächste Mal vorzubeugen könntest du dich, nachdem die Wut ein wenig abgekühlt ist, fragen : Wie kann ich meine Standards und Regeln besser kommunizieren ? Was kann ich daraus lernen ?

Unbequemlichkeitserklärung der Wut

Streit

Wenn du Wut ausdrücken willst oder irgendeine andere negative Emotion, so ist ein Weg, dies zu tun, mit dem zu beginnen, was wir die Unbequemlichkeitserklärung nennen. Lass die anderen Leute ausdrücklich wissen, dass du intensive Emotionen erlebst und es deshalb schwieriger als üblich ist , klar zu kommunizieren. Entschuldige dich nicht für deine Gefühle, sondern für den potenziellen Mangel an Klarheit, den du in der Situation hast.

Du kannst deine Wut mit einer Aussage wie "Ich muss sagen, dass ich mich jetzt unwohl und wütend fühle, was bedeutet, dass es nicht die beste Zeit ist, mich auszudrücken, aber unter den Umständen ist es wichtig für mich zu sagen... " Das Ziel ist es die Person zu entwaffnen, um sie davon abzuhalten, defensiv zu werden und die Wut zu erwidern. Auch wenn wir es immer wieder vergessen : Niemand anderes fühlt in diesem Moment dieselben Emotionen wie du und kann es 1:1 nachempfinden.

Wenn jemand hört, dass du wütend bist und dass das Gespräch für dich in dem Moment schwierig ist, erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass du auf ein deutlich höheres Level an Empathie triffst. Nachdem du diese Eröffnung benutzt hast, kannst du deine (unterbewusste) Regel ansprechen, die dein Gesprächspartner verletzt hat.

Wie gesagt: Das Ziel ist es nicht die Wut zu unterdrücken. Es ist in Ordnung die andere Person wissen zu lassen, dass du wütend bist. Doch die Art und Weise ist entscheidend. Während Aggressivität in Form von körperlicher Gewalt und Gebrüll dafür sorgt, dass der Gegenüber in der gleichen Art und Weise antworten wird, können so genannte Mikroaggressionen hilfreich sein, um deinen Gegenüber deine Emotionen zu kommunizieren.

Mikroaggressionen bedeuten nicht, dass du den anderen nur ein bisschen verprügelst, sondern dazu zählt beispielsweise das Ballen oder das kraftvolle Drücken der Fäuste auf einen Tisch. Es ist nicht das Ziel auf die andere Person einschüchternd zu wirken. Ich erzähle dir das nur, damit du verstehst, dass es in Ordnung ist die Wut zu fühlen.

Das ist alles in Ordnung, solange deine Gedankengänge sich eher so anhören: Welchen Sinn hat meine Wut ? Wird sie helfen die Situation zu verbessern oder wird sie eine geliebte Person verletzen? Wenn uns die Wut überkommt, scheint es, dass wir, wenn wir nicht in den Angriffsmodus gehen, ernsthafte Konsequenzen erleiden werden.

Mir ist bewusst, dass sich das Ganze jetzt, wie ein Idealbild anhört und es kontraintuitiv klingt seine Gefühle nicht rauszulassen, in dem man den anderen anschreit. Aber denk einmal daran, was das Ziel deiner Konversation ist : Willst du, dass dein verletzter Standard oder deine verletzte Regel ab sofort nicht mehr verletzt wird und du mit deinem Gesprächspartner wieder harmonisch kommunizieren kannst oder willst du dein Partner und Gegenüber bestrafen dafür, dass er nicht erahnt hat, dass seine Handlung dich wütend macht ?

Was davon willst du wirklich, wenn du ehrlich bist ? Wer von uns reagiert schon mit Offenheit und Empathie auf eine Forderung, wenn er angeschrien wird. Es ist absolut natürlich, dass der andere in den Verteidigungsmodus geht und zurückschreit- selbst wenn er weiß, dass er Unrecht hat.

Was ist also dein wahres Ziel hinter deinem Gespräch mit der anderen Person - Leid für euch beide zu schaffen oder das Problem, das eigentlich dahinter steht, zu lösen ?

Zur Aufheiterung !

Dieses kleine Zitat von Marcus Aurelius hat zwar keinen riesigen Mehrwert, aber es ist in meinen Augen ziemlich amüsant, das die Menschen der Antike auch ähnliche Probleme mit der Kontrolle der Wut in alltäglichen Situationen hatten, wie wir !

"Bist du wütend, wenn jemandes Achselhöhlen stinken oder wenn ihr Atem schlecht ist? Was ist der Sinn? Du sagst: Wenn sie einen Geruchssinn haben, müssen sie doch riechen, was sie anderen zumuten? Glückwunsch- du hast einen Geruchssinn! Also nutze deinen natürlichen Verstand, um sie aufzuwecken und ihnen das Ganze aufzuzeigen. Wenn die Person zuhört, wirst du sie ohne nutzlosen Zorn geheilt haben. Kein Drama und keine Show erforderlich. "

-MARCUS AURELIUS

Oliver Kahn Wut

Weisheit aus der Antike: Die Stoiker über Wut

Sowohl die alten asiatischen Philosophen wie Lao-tzu und Buddha sahen, dass die Menschen ihre wütenden Gefühle zum Großteil selbst erschaffen und die Wahl haben sie ihnen hinzugeben. Aber auch Stoiker wie Seneca und Epiktet waren sich ganz klarbewusst über die Fähigkeit der Menschen, ihre wütenden Gefühle und Handlungen zu konstruieren und zu dekonstruieren. Hier einmal ein paar Beispiele der Stoiker:

Wut ist wie Gift

Es gibt keine betäubendere Sache als Wut- nichts was dir mehr deiner eigenen Kraft raubt.- Seneca

Wie die Stoiker viele Male gesagt haben, wird Wut nie das Problem lösen. Normalerweise macht sie das Ganze noch schlimmer. Wir werden sauer, dann wird die andere Person sauer - jetzt ist jeder sauer, und das Problem ist noch genauso da wie vorher. Wut ist ein giftiger Treibstoff. . Wut heißt selbst Gift zu trinken und darauf zu warten, dass der andere stirbt.

Die wahre Quelle des Leidens

"Denk daran, dass es nicht derjenige ist, der dich angreift, der dir schadet, sondern der Schaden kommt aus deinem eigenen Glauben über die Provokation. Also, wenn jemand deinen Zorn weckt, wisse, dass es in Wahrheit deine eigene Bewertung ist, die es dieser Wut Treibstoff gibt. Stattdessen mache es zu deiner ersten Antwort, nicht von solchen Eindrücken weggetragen zu werden.
-Epiktet

Leiden ist schlimmer als Wut selbst

Wie viel schädlicher sind die Konsequenzen von Zorn und Trauer als die Umstände, die sie in uns geweckt haben!"
-MARCUS AURELIUS

Wenn wir uns in einem Loch befinden, hören wir auf zu graben. Ich glaube, dass das die am meisten missachteste Weisheit der Welt ist, obwohl es eigentlich jedem logisch erscheint und zum Allgemeinwissen gehört. Es hört sich nicht schwer an, aber das ist es. Wir gießen mit Wut häufig selbst Öl ins Feuer.

Aber warum zähle ich dir die ganzen Zitate aus der Antike auf ? Ich will dir zeigen, dass impulsive Wut kein modernes Problem sind und die Menschen Tausende von Jahren daran arbeiten die emotionale Meisterung über die destruktive Kraft der Wut zu erlangen. Das Interessante darin ist, dass das unsere heutige Therapie (kognitive Verhaltenstherapie, REVT usw. ) komplett auf dieser antiken stoischen Lehre aufbaut.

Wie du die Grundlagen der REVT (von Albert Ellis) nutzen kannst um deine Wut zu meistern

ABC- Formel Albert ellis REVT

Dr. Albert Ellis , der neben Sigmund Freud und Carl Rogers zu den wahrscheinlich berühmtesten Psychologen des 20. Jahrhunderts zählt und der Urheber der kognitiven Verhaltenstherapie ist, sagt, dass die 3 zerstörerischsten Glaubenssätze, die negativen Stress und destruktives Verhalten fördern, folgende sind:

Anstatt wie Freud und Co. in Kindheitskonflikten und traumatischen Ereignissen herumzustochern, stellte Ellis fest, dass die meisten Probleme von den Glaubenssätzen stammen, die wir uns über andere Menschen, die Welt und vor allem über uns selbst erzählen. Obwohl wir durchaus von unseren psychologischen Erfahrungen beeinflusst werden, sind wir nicht unsere Gedanken und Emotionen. Das Problem liegt eher in ihrer Bewertung. Hochgradig spannend , dass die Psychologie des 20. Jahrhunderts nach und nach herausfindet, was die Philosophie seit Tausenden von Jahren sagt.

Es kann natürlich sein, dass diese unterbewussten Glaubenssätze aus deiner Kindheit stammen, aber trotzdem sind wir es die unsere Welt durch die Geschichten formen, die wir uns selbst erzählen. Das heißt nicht, dass du daran Schuld hast, aber nur, wenn wir Verantwortung für die Situation übernehmen, können wir diese auch wirklich meistern.

Was die Gedanken der Menschen stört, sind keine Ereignisse, sondern deine Urteile über Ereignisse. "
-Epiktet

Dieses Zitat von Epiktet bildet die Grundlage für viele der heutigen Therapien im 21. Jahrhundert. Darunter auch die sogenannte Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT). Du wirst dir jetzt vielleicht sagen: Therapie ?! Ich brauche doch keine Therapie. Da hast du vermutlich Recht, aber dennoch können uns die Strategien, die hinter solchen Therapien stecken, helfen besser mit aufsteigender Wut umzugehen und unsere Emotionen zu meistern.

Was genau ist Wut in diesem Kontext? Es ist eine besondere Kombination aus Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen, wenn du von unglücklichen Bedingungen und dem "unfairen" Verhalten der Menschen davon abgehalten wirst zu tun, was du willst.

Deine wütenden Gedanken und Gefühle führen zu körperlichen Erregung und Tendenzen gegen deine "Aggressoren" zu handeln. Unkontrollierter Ausdruck von Zorn wird von den meisten Experten (zumindestens in der Häufigkeit) für eine Form der emotionaler Störung gehalten, während die bloße innere Erfahrung des Zorns es nicht ist.

Die beiden unbefriedigenden Optionen im Umgang mit der Wut

Sind wir doch einmal ganz ehrlich. Die Ratschläge, die wir heute von den meisten in unserem Umfeld in Bezug auf den richtigen Umgang mit Wut bekommen, sind extrem unbefriedigend. Zum einen, weil diejenigen, die uns das Ganze empfehlen sich selbst nicht an ihre Ideale halten und zum anderen weil wir uns in unserer Wut, wenn sie heruntergespielt wird, nicht verstanden fühlen.

Der erste Ratschlag, den wir heute häufig bei dem Umgang mit Wut bekommen ist: Spüre die Wut, aber schluck sie runter, leugne und unterdrücke sie.

Das Problem: Dein Zorn ist nicht weg sondern bleibt. Und nun fällt es dir leicht dich selbst zu kritisieren, weil du dich nicht für deine Rechte eingestanden bist.

Unterdrückung ist keine Option

Aristoteles

Einer meiner Probleme ist, dass ich alles verinnerliche. Ich kann Wut nicht ausdrücken- ich lasse anstelle dessen zu, dass ein Tumor in mir wächst. —WOODY ALLEN

Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.-ARISTOTELES

Die Psychologen Jonathan Adler und Hal Hershfield fanden beispielsweise heraus, dass diejenigen, die Fähigkeit hatten mit negativen Emotionen umzugehen, deutlich höhere Anstiege in ihrem Wohlbefinden zeigten, während reine Positivität keinen Zuwachs in Bezug auf die emotionale Intelligenz zeigte.

Bei der Selbstregulierung geht es nicht darum, Emotionen zu vermeiden, zu verleugnen oder zu unterdrücken. Gefühle enthalten wertvolle Informationen, die wir verlieren, wenn wir sie leugnen oder unterdrücken. Es geht darum zu lernen mit Wut auf ein produktive Art umgehen zu können.

Das Hinhalten der Wange und alles über sich ergehen zu lassen, ist in der Welt, in der wir leben auch etwas unpraktisch. Leider bedeutet selbst das nicht, dass andere dich respektieren und dich gleich gut behandeln werden.

Sigmund Freuds hydraulische Theorie

Der zweite Ratschlag, der häufig gegenben wird, ist: Spüre die Wut und lass dieser freien Lauf. Wenn du die Wut nicht rauslässt, platzt du irgendwann vor Wut. Unterdrückte Wut wird dir mehr schaden als das Herausbrüllen.

Sigmund Freuds hydraulische Theorie besagt, dass Zorn und andere Emotionen eine Tendenz haben, in der Intensität unter Druck zu wachsen wie Dampf in einem Kessel zu erweitern -, so dass du , wenn sich zu viel Wut angesammelt hat, automatisch an die Decke gehst und dir wirklichen körperlichen Schaden zuzufügen.

Doch diese Theorie ist -wie viele Theorien der damaligen Zeit - auf dem Verständnis des menschlichen Körpers als Maschine aufgebaut. Heute verstehen wir den Körper jedoch eher als Programm komplizierter Algorithmen.

Es ist kein Geheimnis, wenn ich dir sage, dass die Menschen in den meisten Fällen deinen freien Ausdruck deiner Wut als eine aggressive oder feindliche Handlung aufnehmen werden und sich wahrscheinlich mit derselben Intensität zurückschießen werden.

Wir entscheiden uns für den dritten Weg- einer, der zwischen dem Aufgeben und sich alles gefallen lassen und den anderen, in dem du dich mit deinem Gesprächspartner fast zu Tode streitest, liegt.

Wie und warum du deine Wut selbst erschaffst: Die ABC- Methode von Dr. Albert Ellis

ABC

Die ABC, die ich dir auf den Weg geben möchte , ist ein eleganter Ansatz für das Problem des Umgangs mit deiner Wut und nicht eine magische Formel. Ganz im Gegenteil, da sich REVT mit der Suche nach Lösungen beschäftigt und deine Probleme realistisch behandelt. Bei dieser Methode geht es darum bei den Tatsachen der Wirklichkeit zu bleiben - nicht bei Theorien, die zwar interessant klingen, aber in der Praxis nicht funktionieren.

Lass uns das Ganze einmal mit einer Metapher einleiten:

Wir wissen, dass Wasser bei einer bestimmten Temperatur kocht und bei einer anderen friert. Doch wenn Menschen und verschiedene Situationen miteinander interagieren, gelten solche Gesetze der Kausalität nicht. Das heißt, dass eine Aktion eines anderen Menschen nicht immer sofort zu einer Reaktion von deiner Seite führt. Eine emotionale Reaktion erfolgt, obwohl sie von einem Aktivierungsereignis oder einem Problem betroffen ist, nicht direkt daraus.

Das bedeutet:

Denken der Gesellschaft:

Ereignis ⇒ Gefühl

In Wahrheit gibt es jedoch einen äußerst wichtigen Zwischenschritt :

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.- Viktor Frankl

Ereignis ⇒ Beurteilung ⇒ Gefühl

Wir alle haben ein Glaubenssystem entwickelt, auf das wir uns verlassen, um Situationen, Ideen, Menschen und Ereignissen zu beurteilen. Obwohl du dein eigenes persönliches Glauben oder Wert-System hast, haben wir auch alle viele Überzeugungen, die im Einklang mit anderen in unser gegebenen Gesellschaft oder Kultur sind.

Da jede Gesellschaft gewisse Geschichten und Glaubenssätze festlegt, die ihre Bewohner zusammen kooperativ binden, übergeben ihre religiösen, politischen und elterlichen Lehrer Leitlinien, die als Grundlage für die Entwicklung unserer eigenen persönlichen Glaubenssysteme dienen. Deshalb sind unsere individuellen Glaubenssysteme Ideen, die nicht ganz unsere eigenen sind.

Viel von dem, was wir gut oder schlecht , richtig oder falsch, halten, haben wir von anderen übernommen.
Auch wenn die Überzeugungen von der Umwelt beeinflusst werden, existiert keine universelles Recht und keine richtigen Glaubenssätze. Nichts ist gut oder schlecht- nur das Denken macht es dazu, wie Shakespeare schrieb.

Würde ein Ereignis direkt zu einer Emotion führen, wäre das wie ein Reflex und wir könnten wenig daran ändern. Das ist jedoch faktisch falsch. Wenn aber zwischen Ereignis und Gefühl eine Beurteilung stattfindet, gibt es einen Ansatzpunkt - für die bewusste Umbeurteilung der Situation.

A-uslöser der Wut

A

Obwohl keine strenge oder unflexible Definition für jede Kategorie existiert, können wir einfach sagen, dass, wenn irgendein Auslöser (A) in deinem Leben auftritt, hilfreiche negative Gefühle entstehen, die dir helfen dich auf ein Problem in deiner Umwelt aufmerksam zu machen, dem du dich widmen sollst.

Die Nachricht der Wut ist erst einmal relativ neutral. Jemand (vielleicht auch du selbst) hast einen deiner Standards verletzt und/oder fühlst dich ungerecht behandelt.

Denk daran: Unsere Gehirne sind primär evolutionär darauf ausgelegt zu überleben und sich fortzupflanzen. Das kann unser Gehirn verdammt gut ! Problem: Es kann schnell passieren, dass Glück und Wohlbefinden zweitrangig für unser Gehirn werden.

Natürlich wolltest du dich und deine Familie in prähistorischen Zeiten schützen und wütend reagieren, um den Angreifer zu verschrecken und das notwendige Adrenalin aufbringen, um dir und deiner sozialen Gruppe das Überleben zu sichern.

Das Problem: Die Struktur und der Aufbau unseres Gehirnes passt sich nicht so schnell an, wie unsere Kultur und Technologie, sodass es evolutionär zwar sinnvoll war Wut zu empfinden, aber nicht mehr ganz so sinnvoll ist, wenn wir denjenigen anschreien, der in der Kopierschlange vor uns steht und zulange braucht.
Unser Gehirn erhält über unsere Sinneskanäle zahlreiche "Rohdaten" über die Umweltreize. Auf der Basis früherer Erfahrungen und "Filtereinstellungen" wird dann entschieden, ob hinter dieser Information ein Impuls zum Handeln oder Bewerten entsteht.

B-ewertungen

B

Bei allem, was wir tun,interpretiert unser Gehirn die gefilterten Informationen und gibt ihnen eine Bedeutung. Bedeutung zu geben, ist eine wichtige Funktion des Gehirns. Das Problem: Wir verlassen dabei den Bereich der Fakten und betreten das Reich der Fantasie, denn wir können Situationen beliebige Bedeutungen geben.

Allein wir und niemand anderes hat die Macht die Bedeutung zu bestimmen, die wir jeder Situation geben. Darin liegt die größte Chance, weil wir damit in jeder misslichen Lage das Beste daraus machen können. Andererseits kann es aber dadurch auch schnell passieren, dass wir aus einer Mücke einen Elefanten machen und eine vermeintlich harmlose vollkommen überinterpretieren und damit eine Menge Leid schaffen.

Die letzte Freiheit des Menschen – seine Haltung in jeder Situation selbst zu wählen-Viktor Frankl

C- onsequences - Verhalten und Gefühle

C

Wenn die Konsequenz Wut ist, heißt es, dass unsere Gefühle von Wut weitgehend nur aus der Bewertung des Auslösers resultieren.

Zur Vereinfachung können wir unser Glaubenssystem in zwei Grundkategorien aufteilen:

  • Hilfreiche / Rationale Überzeugungen
  • Destruktive/ Irrationale Überzeugungen
  • Wenn man beispielsweise vor Wut brennt, neigt man zu sagen: "Siehst du nicht, was er mir Schlimmes angetan hat oder wie ignorant er/sie ist ? Wie kann er mich nur so rücksichtslos behandeln ? " Das mag eine vernünftige Aussage sein, die intuitiv richtig klingt. Allerdings ist sie nicht immer besonders hilfreich.

    Darin stecken nämlich zwei Nachrichten. Die erste Aussage: Er hat moralisch falsch gehandelt und es ist grausam und falsch so zu handeln.

    Auch wenn es in deinen Augen wahr scheint und sich für dich wirklich schrecklich und moralisch falsch anfühlt, ist es weder gesund noch hilfreich. Es ist, wie wir gleich noch sehen werden ein irrationaler Glaubenssatz, der dir, deinen Zielen und deinem Glück im Weg steht.

    Die zweite Nachricht ist, die rationale und objektive Überzeugung: Er oder sie hat meine Pläne vereitelt oder eine meiner Regeln gebrochen und seine Handlungen haben ein Gefühl der Wut in mir erweckt.

    Die Irrationalität der Wut

    Ist dir jemals aufgefallen, dass jeder, der mit dem Auto langsamer fährt als du ein Idiot ist und jeder, der schneller fährt, ein Irrer ?

    Meistens entspringt die Wut aus folgenden, irrationalen Quellen:

    1) Bewertung einer Handlung als moralisch falsch
    2) Glaubenssätze über das, was Menschen tun müssen und sollen
    3) "Ungerechtes" Verhalten auf Charaktereigenschaften beziehen

    Auch wenn wir uns dem Ganzen nicht häufig bewusst sind, stecken hinter unser Wut oft Glaubenssätze oder Bewertungen, über die wir eigentlich nur den Kopf schütteln können, wenn wir sie aufschreiben würden. Hier einmal ein paar Beispiele aus den 3 Kategorien.

    Wie gesagt: Ich sage nicht, dass wir das immer aktiv denken, aber verrückterweise sind das die dahinterstehende Denkprozesse.

    Bewertung einer Handlung als moralisch falsch

    Sind wir doch mal ehrlich: Wir sind 24/7 in unserem eigenen Kopf gefangen und daher ist es absolut verständlich, dass es manchmal dazu kommt, dass wir die Standards und die Moral unseres eigenen Lebens auf andere projizieren. Das Problem dabei ist, dass unsere unterbewussten Regel und unser Moralempfinden kein Naturgesetz ist an, das sich alle halten müssen.

    Klingt logisch. Trotzdem sind wir empört, wenn jemand diese Regel bricht. Die unterbewussten Bewertungen in diesen Situationen können sich dann so anhören:

  • "Andere Leute müssen mich immer genau so behandeln, wie ich es will. "
  • "Wenn sie es nicht tun, sollten sie die Gesellschaft und das Universum schwer bestrafen! "
  • "Andere Leute dürfen sich nicht inkompetent oder dumm und keine Fehler machen. Schließlich habe ich ja auch noch nie einen Fehler gemacht und Unrecht gehabt."

  • Solche Schwierigkeiten oder abweichende Meinungen sollten und dürfen absolut nicht existieren! Alle die nicht meiner Meinung sind müssen sich meiner Meinung unterwerfen.

    Glaubenssätze über das, was Menschen tun müssen und sollen

    Es ist fast unmöglich, die Folgen von dem zu übersehen, was nach den Worten "sollen und müssen" folgt. Wie soll die Realität sein? Was sollte ein Mensch sein oder tun? Ganz ehrlich: Wer kann das beurteilen und nach welchen Kriterien?

    Diese irrationale Vorstellungen, die nach dem Wort "sollte" folgen, sind die vielleicht zerstörerischsten und kontraproduktivsten aller irrationalen Glaubenssätze. Dieser Glaubenssatz, dass andere Menschen immer das tun sollen oder müssen, was unseren Idealen entspricht, ist sorgt dafür, dass viele Leute andere Menschen abwerten oder wütend auf sie werden und das nur weil diese Leute in diesem Moment nicht nach ihren Vorstellungen handeln .

    Du siehst die verrückter Logik dahinter ! Aber ich kann mich davon nicht freisprechen.

    Zum Beispiel wurde ich neulich auf einer langen Zugfahrt ein wenig wütend, weil ein anderer Fahrgast lange die Toilette blockierte und ich dringend auf Toilette musste. Doch als ich den irrationalen Glaubenssatz dahinter ("Andere Menschen haben kein Recht sich Zeit auf der Toilette zu lassen- nur weil ich gerade zufällig muss") erkannt habe, war die Wut schlagartig weg und ich musste mir sogar mein Lachen über die Irrationalität verkneifen.

    Hier noch ein paar überspitzte Beispiele:

    Die Welt (und alle Leute in ihr) müssen Bedingungen enthalten, die es mir ermöglichen, alles zu bekommen, was ich will, wenn ich es will. Bedingungen müssen so arrangiert werden, dass mir nichts verwehrt bleibt.

    Die Leute sollten unbedingt besser handeln, als sie es gerade tun und unverzüglich aufhören unnötige Probleme für mich schaffen. Ich kann die Schwierigkeiten nicht ausstehen. Das reicht als Legitimation, dass sie nichts machen dürfen, da es gegen mein Ideal spricht.

    "Ungerechtes" Verhalten auf Charaktereigenschaften beziehen

    Schreibe niemals der Bösartigkeit zu, was durch Inkompetenz adäquat erklärt werden kann. - Napoleon Bonaparte

    Oft entstammt Wut auch aus dem Glaubenssatz, dass das Handeln einer Person in einer bestimmten Situation das perfekte Abbild der Person selbst ist. Jeder von uns hat schon einmal in einer Situation so gehandelt, wie

    Unsere irrationale Bewertung führt also dazu, dass wir eine Person verdammen, weil deinem Verdammnis eine ganze Person, die höchstwahrscheinlich in einer defensiven Weise reagieren wird, um ihre eigene Selbst- Bild. Solange du wütend bist, verschwindet deine Offenheit, und dein Zorn hemmt eine schnelle und effektive Lösung deines Problems.

    Es heißt nicht, dass die andere Person dich nicht verletzt hat oder dass du es herunterspielen sollst. Es soll eher darauf aufmerksam machen, dass wir ein Problem nicht lösen, in dem wir unsere ganze Wut auf eine Person richten .

    Ein Musterbeispiel zum gesunden Umgang mit Wut

    Denk daran. Das Ganze sind irrationale und unterbewusste Glaubenssätze, die unser Leben bestimmen können, auch wenn wir nie bewusst darüber nachgedacht haben.

    Oft denken wir Menschen unterbewusst, dass wir das Zentrum des Universums sind und dass alle anderen Menschen unsere Bedürfnisse und Launen kennen sollten /müssen . Wenn natürlich zwei oder mehr Personen interagieren, besteht die Möglichkeit, dass jeder von ihnen diese Haltung haben wird.

    Wie oft hast du schon Leute getroffen, die es als "unerträglich" ansehen, wenn das Wetter nicht zu ihrem Geschmack passt? Wir alle haben diese irrationalen Überzeugungen und das ist auch vollkommen natürlich. Die Frage ist aber nicht, ob sie natürlich sind, sondern ob sie hilfreich für unser Wohlbefinden und Glück sind.

    Wie gesagt: Es ist keine magische Pille oder irgendeine Formel für ewiges Glück, aber ein wirkungsvoller Schritt, den du ergreifen kannst, um ab heute zu verweigern dich von irrationaler Wut zerfressen zu lassen.

    Auslöser (A): Ich habe dich ungerecht behandelt, indem ich eine von uns getroffene Vereinbarung verletze.

    Irrationaler Glaubenssatz: "Was für ein Arsch! Er hat nicht das Recht dazu eine Vereinbarung zu brechen und so etwas mit mir zu machen."

    Ungesunde Konsequenz: Wut !

    Dekonstruktion des Glaubenssatzes (D): Hat er das wirklich aus Boshaftigkeit gemacht ? Vielleicht könnte ich versuchen effektiver kommunizieren, dass er/sie einen Standard meines Lebens verletzt hat ? Vielleicht hat er oder sie ja ganz andere Werte, die unser getroffenen Vereinbarung widersprechen oder er hat es in diesem Moment einfach vergessen ? Das passiert allen von uns einmal.

    Effektiver Glaubenssatz (E): "Ich kann keinen rationalen Grund sehen, warum der andere nie ein Vereinbarung vergessen oder brechen darf. Auch wenn es nicht mit meinen Werten und Standards im Leben übereinstimmt, hat er als Mensch die Freiheit das zu machen, was er will. Das heißt natürlich nicht, dass ich ihm nicht kommunizieren kann, dass er meine Werte und Erwartungen verletzt hat. "

    Ich gebe zu: Es fordert eine Menge an Achtsamkeit und Toleranz, aber du erinnerst dich an die Bedingung vom Anfang: Das Ziel ist es sich nicht von der Wut treiben zu lassen und damit die Beziehung oder das eigene Glück zu gefährden, sondern das Problem zu lösen.

    Ich weiß, dass es schwer ist das Ego in dieser Art und Weise loszulassen, aber niemand hat behauptet, dass emotionale Meisterung einfach ist. Es tut mir Leid, wenn du erwartet hast, dass ich dir auf der Basis eine Legitimation gebe den anderen anzuschreien und die Wut rauszulassen.

    Mein Ziel ist es aber denen zu helfen, die ihre Wut wirklich meistern wollen und nicht allen zu gefallen und Applaus und Zustimmung für das, was ich sage zu ernten. Und auch wenn es nicht immer angenehm ist und kontraintuitiv klingt, ist es eine extrem effektive Methode um die Wut zu meistern.

    Wut aus Gewohnheit

    Hamsterrad

    In REVT wird deine Wut im Gegensatz zur Psychoanalyse nicht für ein vergangenes Problem in deinem Leben gehalten. Das heißt nicht, dass dein bisherigen Erfahrungen absolut keine Auswirkung auf dein gegenwärtiges Verhalten haben. Zum Beispiel haben Forscher herausgefunden, dass Kinder, die von ihren Eltern streng bestraft werden, eine Tendenz entwickeln können, mehr Zorn zu empfinden und gewaltsamer gegen andere zu handeln als Kinder, die weniger streng behandelt werden.

    Es gibt aber auch andere genetische Faktoren zu berücksichtigen. Genetische Faktoren können auch Wut fördern. Wir sind bei unser Geburt also kein unbeschriebenes Blatt und eine Tendenz zur Wut ist nicht immer ein Produkt unvorteilhafter Erziehung oder schlechten Einflusses.

    Allerdings haben wir alle ursprünglich Glaubenssysteme erworben (besonders in Form von irrationalen Überzeugungen ). Diese Überzeugungen halten wir dann lebendig, indem wir sie selbst wiederholen, indem wir diese durch Handlung und das fehlende Hinterfragen verstärken.

    Andere können uns geholfen haben, diese irrationalen Überzeugungen zu erwerben, aber der Hauptgrund ist, dass wir sie durch jahrelange Wiederholung als Standardreaktion benutzen und immer wieder verstärken. Obwohl es natürlich scheint, halten wir sie am Leben, indem wir uns unterbewusst ständig sagen, dass diese Person nicht das Recht hat so zu handeln und dir nie etwas passieren darf, dass dich wütend macht.

    Wie beinahe alles in unserem Leben hat auch Wut eine starke Gewohnheitskomponente. Diese gewohnte Tendenz arbeitet mehr oder weniger automatisch und unbewusst und spielt eine große und wichtige Rolle für unser Verhalten. Wir können diesen Zwang deinen Wutreaktion zu wiederholen so erklären: In deiner frühen Kindheit wurdest du bestimmt einmal ungerecht zu behandeln, als du fast ganz auf andere für die Befriedigung deiner Triebe angewiesen warst. Du hast wahrscheinlich so etwas gedacht: "Sie dürfen mich nicht so ungerecht behandeln!"

    Das war zumindest der psychoanalytische Ansatz, aber es scheint auch eine genetisch verankerte Erklärung für unsere Wut über Ungerechtigkeit zu geben.

    Dir ist es wahrscheinlich schon aufgefallen: Menschen verhalten sich nicht nach einer kalten mathematischen Logik, sondern nehmen auch immer Bezug auf die soziale Logik. Wir werden häufig von Emotionen beherrscht. Diese Emotionen sind hochgradig anspruchsvolle Algorithmen, die die sozialen Mechanismen der alten Jäger-Sammler-Gesellschaften widerspiegeln.

    Wenn ich dir vor 30.000 Jahren geholfen habe, ein wildes Hühnchen zu jagen und du dann fast das ganze Hühnchen für dich beansprucht hättest und mir nur einen Flügel gegeben hättest, hätte das rationale Ich gesagt: "Besser ein Flügel als gar nichts !" Doch jeder von uns weiß, dass das nicht die Realität ist!

    Stattdessen traten meine evolutionären Algorithmen auf , Adrenalin und Testosteron überschwemmten mein System, mein Blut kochte und schrie vor Wut aufgrund der Ungerechtigkeit. Kurzfristig bin ich zwar Gefahr gelaufen hungrig ins Bett zu gehen und habe sogar den ein oder anderen Schlag riskiert, aber es hat sich schon lange gelohnt, weil du zweimal gedacht hast, ob du mich wieder ungerecht behandelst.

    Wir verweigern unfaire Angebote, weil Leute, die immer nur sanftmütig waren die Steinzeit gar nicht überlebten. Beobachtungen in heutigen Jäger-Sammler-ähnlichen Gruppen unterstützen diese These. Die meisten Bands sind sehr egalitär. Wenn ein Jäger zurück zum Lager kommt, der einen fetten Hirsch trägt, bekommt jeder einen Anteil. Das gleiche gilt für Schimpansen. Wenn ein Schimpanse Nahrung findet, werden sich die anderen Truppenmitglieder mit ausgestreckten Händen um ihn sammeln, und gewöhnlich bekommen sie alle ein Stück ab.

    Wut als Bedürfnis nach Gerechtigkeit

    Affe wütend

    In einem anderen neueren Experiment setzte der Primatologe Frans de Waal zwei Kapuzineraffen in zwei benachbarten Käfigen , so dass jeder alles sehen konnte, was der andere tat. De Waal und seine Kollegen legten kleine Steine ​​in jeden Käfig und trainierten die Affen ihnen diese Steine ​​zu geben. Immer wenn ein Affe einen Stein übergab, erhielt er Nahrung im Austausch.

    Zuerst war die Belohnung ein Stück Gurke. Beide Affen waren sehr zufrieden damit und aßen glücklich ihre Gurke. Nach ein paar Runden zog de Waal in die nächste Phase des Experiments. Diesmal, als der erste Affe einen Stein übergab, bekam er eine Traube. Trauben sind für Affen natürlich viel leckerer und begehrenswerter als Gurken. Doch als der zweite Affe einen Stein gab, erhielt er wieder ein Stück Gurke.

    Der zweite Affe, der zuvor mit seiner Gurke sehr glücklich war, wurde extrem wütend. Er nahm die Gurke, sah sie ungläubig für einen Augenblick an und dann
    warf es den Wissenschaftlern in seiner Wut gegen die Brust, fing an zu springen und rüttelte am Käfig.

    Dieses extrem witzige Experiment (das man selbst auf YouTube sehen kann) hat viele dazu gebracht, zu glauben, dass Primaten eine natürliche Moral haben und dass Gleichheit ein universeller und zeitloser Wert ist. Die Menschen sind von Natur aus egalitär und ungleiche Gesellschaften werden in einer Partei immer zu Wut führen. Du siehst also, dass Wut auch einen evolutionären Sinn hat.

    Wir mögen nicht, wenn uns etwas weggenommen wird und haben anscheinend eine Art angeborenes Streben nach Fairness und Gerechtigkeit. Hier habe ich dir dieses verrückte Experiment eingebunden:

    Welche dieser Theorien (Psychoanalyse oder evolutionäre Herleitung ) nun ausschlaggebender ist, spielt erst einmal eine sekundäre Rolle. Was wir jedoch wissen, ist, dass sich eine Gewohnheit, die wir immer wieder wiederholen, einschleift und zu unser Standardreaktion.

    "Wenn du kein Hitzkopf sein willst, füttere deine Gewohnheit nicht. Versuche als ersten Schritt, ruhig zu bleiben und die Tage zu zählen, an denen du nicht wütend warst. Ich war jeden Tag wütend, jetzt jeden zweiten Tag, dann jeden dritten oder vierten. . . Denn Gewohnheit wird zuerst geschwächt und dann ausgelöscht.
    —EPIKTET

    Diese Kettenmethode ist eine hervorragende Möglichkeit, um eine positive Gewohnheit zu integrieren und destruktive zu beseitigen. Deine einzige Aufgabe ist es die Kette nicht zu brechen und den Rekord der älteren Kette zu übertreffen.

    Wie mit jeder Gewohnheit, ist es nicht einfach sie zu brechen, da dieser Prozess Tausende Mal wiederholt wurde. Und genauso funktioniert der Prozess in die andere Richtung. Nur indem du den "richtigen Umgang" mit Wut übst, kannst du ihn meistern und das alte Muster brechen.

    Ich will dich nicht anlügen. Es wir dauern und am Anfang auch häufiger scheitern, aber es wird sich lohnen

    Die kognitive Umstrukturierung der Wut

    Ellis hat zu dem ABC-Modell noch die Schritte D und E hinzugefügt:

    Dekonstruktion der Wut - hinterfrage deine destruktiven Glaubenssätze

    Effektiver Glaubenssatz - neue positive Auswirkungen und Erfahrungen durch neuen Glaubenssatz

    Die Erweiterung von ABC um DE wird heute als kognitive Umstrukturierung bezeichnet und bildet die Grundlage für die REVT.

    Ganz allgemein gilt der Grundsatz seine Annahmen, Schlussfolgerungen und Glaubenssätze kritisch zu hinterfragen un die Irrationalität in diesen zu finden. nach Wahrnehmungen und Informationen, die deiner bisherigen Interpretation widersprechen. Was könnte "A" noch bedeuten? Unterbreche den Kreis oder erschaffe einen hilfreichen ABC-Kreis.

    Dekonstruktion des Glaubenssatzes

    hinterfragen

    Weil unsere irrationalen Glaubenssätze oft sehr intensiv festgehalten werden, kann es Sinn machen diesen zu dekonstruieren. Egal wie bewusst du dir der Irrationalität einer Überzeugung bist, diese Einsicht wird wenig helfen, wenn wir nicht trainieren ihn zu hinterfragen.

    Wissen allein reicht nicht aus. Emotionale Einsicht, sowie Handeln sind erforderlich.
    Je stärker und emotionaler du deinen Wut-produzierenden irrationalen Glaubenssatz dekonstruierst , desto besser wirst du ihn in den Situationen, in denen es wirklich zählt, ablegen können.

    Dekonstruktion des Glaubenssatzes in der ABCDE-Methode ist einer der wichtigsten Schritte im Umgang mit der Wut. Wenn du wirklich daran arbeiten möchtest deine irrationalen Überzeugungen zu minimieren, kannst du verschiedene Methoden der Dekonstruktion verwenden, um das irrationale Denken abzulehnen. Damit dieser Blogbeitrag nicht hunderte von Seiten lang wird, beschränke ich mich auf meine persönlichen Favoriten, da ich nur bei diesen beurteilen kann, dass sie wirklich funktionieren.

    Wenn du deine Rationalität steigern und deine selbstzerstörerischen irrationalen Überzeugungen reduzieren willst, kannst du dir jeden Tag mindestens zehn Minuten lang die folgenden Fragen stellen und die Antworten sorgfältig durchdenken ( nicht bloß wie ein Papagei wiederholen !). Notiere jede Frage und deine Antworten auf auf ein Blatt Papier oder zeichne die Fragen und Antworten alternativ mit deinem Handy auf .

  • 1. Welchen selbstzerstörerischen irrationalen Glaubenssatz möchte ich aufgeben?
  • Illustrative Antwort: Ich muss immer und ohne jede Ausnahme in jeder Situation Recht von jeder Person bekommen und ihre Meinung muss sich meiner unterordnen.

  • 2. Kann ich diesen Glaubenssatz rational unterstützen?
  • Illustrative Antwort: Nein.

  • 3. Welche Beweise gibt es für die Falschheit dieser Bewertung?
  • Illustrative Antwort: Es gibt viele Hinweise darauf, dass der Glaubenssatz, dass jeder mir immer zustimmen muss und jeder nach meinen moralischen Vorstellungen handeln muss, falsch ist. Es gibt kein Gesetz des Universums, das besagt, dass jeder meine Werte kennen und teilen muss.

  • 4. Was ist das Schlimmste, was mir passieren könnten, wenn ich nicht bekomme, was ich glaube haben zu müssen ?
  • Illustrative Antwort: Wenn ich nicht Recht bekomme und der andere auch das Recht auf eine eigene Meinung hat, ändert sich an der objektiven Realität nicht viel. Es gefällt mir zwar nicht und ich bin nach wie vor überzeugt, dass die andere Person moralisch falsch gehandelt hat und gegen ungeschriebene Regeln verstoßen hat, aber ich kann es akzeptieren.

  • 5. Welche guten Dinge könnten passieren, wenn ich nicht bekommen, was ich für mein Recht halte oder von dem ich glaube, dass ich es haben muss ?
  • Illustrative Antwort: Wenn die andere Person mir nicht Recht gibt, gefällt es mir zwar nicht, aber wir könnten uns gemeinsam lösungsorientiert dem Problem widmen. Ich könnte die Chance nutzen, um zu kommunizieren, dass die andere Person eine unterbewusste Regel von mir verletzt hat, dir mir wichtig ist.

    Wenn die andere Person, von dieser Regel weiß, wird sie in der Zukunft darauf achten sie nicht mehr zu verletzen. Das würde dafür sorgen, dass ich in dieserlei Hinsicht gar keine Wut mehr erleben muss.

    Humor zur Dekonstruktion der Wut

    In REVT gibt es viele verschiedene Möglichkeiten irrationale Überzeugungen zu dekonstruieren. Eine davon und mein persönliche Favorit ist: Absurdität und Humor. zu reduzieren. Indem wir einen Glaubenssatz auf seine Absurdität reduzieren und vollkommen ins Lächerliche ziehen.

    Wenn du zum Beispiel willst, dass ein Mann etwas für dich tut, aber sich weigert dir diesen Gefallen zu tun, kann es hilfreich sein deinen Wunsch nach Kontrolle über ihn in dieser Situation absichtlich zu übertreiben. Das könnte folgendermaßen aussehen:

    "Natürlich muss er tun, was ich will. Allein ich habe die absolute Kontrolle über sein Verhalten. Wenn ich ihm sage, dass er durch einen Reifen springen soll, muss es das selbstverständlich ausführen. Sonst habe ich natürlich das Recht ihn zu peitschen, bis er springt!"

    Das ist eine extrem effektive Art der Musterunterbrechung, wie man es in der Psychologie nennt, weil man kaum an der irrationalen Wut festhalten kann, wenn man sich darüber bewusst wird.

    Wenn du von anderen ein "gutes" Verhalten verlangst, kannst du dich daran erinnern: "Stimmt, ich handle auch immer so wie andere es sich vorstellen. Wenn ich zurückdenke, habe ich persönlich noch nie einen Fehler gemacht oder andere unfair behandelt.

    Wenn du innerlich oder äußerlich vor Wut jammern und schreien möchtest, weil die Umstände schlecht sind und du etwas Pech hattest, könntest du so etwas sagen wie:

    " Wie können sie nur mir- dem Zentrum des Universums, ausschlagen, was auch immer ich will. Jeder andere in der Welt muss mit Frustration und Wut leben, aber nicht ich! Ich verdiene es als einziger frei davon zu sein und fordere ab jetzt, dass sich mir nichts mehr im Weg steht. "

    Es ist wirklich schwer dann an diesen verrückten Glaubenssätzen festzuhalten und wütend zu sein, wenn man sich über die Absurdität bewusst wird. ABER VORSICHT: Richte den Humor, gerichtet gegen die unterbewussten Glaubenssätze, aber nicht gegen sich selbst als Person.

    Effektiver Glaubenssatz

    Wenn du diesen irrationalen Glaubenssatz bezweifelst , kannst du oft eine effektive neue Philosophie (E) herausfinden, die zwar wahr aber schwach ist: "Es gibt keinen Grund, warum der andere genau das tun sollte, was ich für richtig halte, aber ich kann und werde natürlich trotzdem versuchen die andere Person zu überzeugen, wenn ich glaube, dass damit das Problem innerhalb des Streits gelöst wäre.

    Das Schöne an diesem neuen Glaubenssatz ist, dass es nicht heißt, dass du den Schwanz einziehen und dir alles gefallen lassen musst. Durch diesen neuen Glaubenssatz kannst du aber die Irrationalität fallen lassen und wirklich dafür sorgen, dass dahinterstehende Problem zu lösen anstatt dich in Wut zu verlieren.

    Funktioniert diese Methode zur Meisterung der Wut wirklich ?

    Viele sagen, wenn sie von der ABC- Methode hören: Klingt logisch und sie funktioniert wirklich, nachdem ich sie ausprobiert habe, aber ich kann nicht zulassen, dass andere mir Unrecht tun.

    Es gibt einen gewaltigen Preis, den wir bezahlen, wenn wir um jeden Preis Recht haben wollen. Wenn wir ehrlich sind , ist unser vorübergehender Gemütszustand viel unwichtiger als die Lösung des Problems und das gesunde Verhältnis zum Gesprächspartner.

    Das ist natürlich deine persönliche Entscheidung. Doch willst du wirklich aufgrund deines Egos zulassen dich permanent

    Meiner Meinung nach hat Wut seinen Wert und sollte, wie jede andere Emotion nicht vernachlässigt werden, weil sie wertvolle Informationen enthält, aber es kann nicht schaden mit Wut umgehen zu können, wenn wir nicht langfristig Beziehungen, die uns etwas bedeuten, gefährden und selbst leiden wollen.

    Die rationale Annäherung an Wut und die REVT beinhaltet eine hartnäckige, anhaltende und unerbittliche Anstrengung zuzugeben,

    1) dass du dich wütend fühlst und die Emotionen nicht verdrängst.

    2) dass du dir eingestehst, dass du diese Gefühle weitgehend selbst erzeugt hast (auch wenn du nicht Schuld daran bist).

    3) dass du anerkennst, dass Wut im Übermaß mehr Schaden anrichtet als Gutes bringt.


    Wenn du diese 3 Gegebenheiten und Bedingungen für dich akzeptierst, steht deiner emotionalen Meisterung der Wut nichts mehr im Weg.

    Das Problem der Psychoanalyse

    Sigmund Freud psychoanalyse

    ACHTUNG : eigene Meinung- Meiner Meinung nach sind ein paar Techniken der Psychotherapie laut heutigem Wissenstand veraltet und nicht besonders effektiv. Das ist Problem ist häufig, dass sich viele Menschen nach Beendigung von vielen Jahren der Therapie immer noch nicht mit den schwierigen Situationen des Lebens ohne die fortgesetzte Hilfe ihres Therapeuten behaupten konnten. Das ist meiner Meinung nicht der Sinn dahinter.

    Außerdem glauben viele Arten von Psychotherapien, dass es notwendig ist den Ärger rauslassen, bevor man mit mit der Situation vernünftig umgehen kann. Doch viele klinische Studien zeigen, dass je mehr wir unseren Zorn auf diese Weise handhaben, desto wütender werden wir langfristig. REVT bietet eine gute Erklärung für diese Beobachtung. Wenn du zum Beispiel bewusst jemanden beleidigt hast, der dir "Unrecht" getan hat oder wenn du auf ein Kissen schlägst, das diese Person repräsentiert, so sagst du mit Wahrscheinlichkeit etwas wie: "Er hat mich wirklich ungerecht behandelt und ich hasse ihn . Er hätte es nicht unbedingt auf mich gelenkt, und ich hoffe wirklich, dass er dafür bestraft wird, mich so schlecht zu behandeln! "

    Außerdem zeigt die moderne Neurowissenschaft, dass die Neuronen, die zusammen feuern sich verknüpfen. Das heißt, dass du mit jedem Ausleben der Wut diesen neuronalen Schaltkreis verstärkst, da die Myelinschicht um die Nervenfasern dicker wird. Da diese Erkenntnis dir in diesem Kontext nichts bringt außer Wissen, mit dem du angeben kannst, will ich es in einem (unwissenschaftlichen) Satz zusammenfassen : Durch das Ausleben und Herauslassen der Wut gegenüber in einer anderen Person, trainierst du dein Nervensystem darauf auch in der nächsten Situation so reagieren.

    Wenn du deinen Gefühlen auf diese Weise freien Lauf lässt, wirst du deine irrationalen Überzeugungen über die Person verstärken. Er hat in deinen Augen falsch gehandelt und er hat kein Recht, solche Fehler zu machen oder anderer Meinung zu sein. Nun verdient er es mit deiner Wut bestraft zu werden. Wenn wir das erkennen, was hinter diesem irrationalen Glaubenssatz steht, schüttlen wir sogar den Kopf über diese Irrationalität und können diesen einfacher fallen lassen.

    Ich kenne außerdem keinen Erwachsenen, der seine Ansichten ausschließlich mit der Hilfe der klassischen Psychoanalyse verändern konnte. Wir alle haben bestimmte Einstellungen und Glaubenssätze mehrfach in unserem Leben verändert.

    Akzeptanz der Wut

    Akzeptanz

    Hoffentlich hat dieses System dir deutlich gezeigt, wie du deine Wut und andere ungesunde Gefühle reduzieren kannst. Weil du trotzdem noch ein Mensch bist, wie wir alle, wirst du mit aller Wahrscheinlichkeit sehen, dass du von Zeit zu Zeit trotzdem noch einmal in alte Muster zurückfällst.

    Wir haben nämlich noch eine mächtige Waffe in der Trickkiste: radikale Akzeptanz. Das Benennen der Wut entzieht ihr vollständig die destruktive Kraft. Nämlich nicht die Wut schafft das Leid, sondern der Widerstand gegen den Moment und deine Emotionen.Je weniger wir darüber reden und es akzeptieren, desto mehr Kontrolle hat die Wut über unser Leben.

    Wut loslassen und das Schreiben auf dem Wasser

    Egal ob Dalai Lama, Psychologen wie Paul Ekman oder deine eigenen Erfahrungen- alle bestätigen, dass es nicht möglich ist, einen unheilvollen Gedanken oder eine Emotionen davon abzuhalten hoch zu kommen.
    Allerdings hat der Dalai Lama einen wichtigen Punkt hinzugefügt: Während wir nicht aufhören können, ein unheilvolles Denken oder Emotionen direkt im Entstehungspunkt auf zu halten, haben wir die Macht, es zu akzeptieren und als Folge dessen loszulassen bzw. existieren zu lassen, sobald es entsteht.

    Der Buddha hat eine sehr schöne Metapher für diesen Geisteszustand. Er nennt es "das Schrieben auf dem Wasser ". Wenn ein unheilvoller Gedanke oder ein Gefühl in einem geübten Verstand auftaucht, ist es wie auf dem Wasser zu schreiben: in dem Moment, in dem es geschrieben steht, verschwindet es. Ich bin mir bewusst, dass es eine sehr illusorische Vorstellung ist, aber die Metapher soll aufzeigen, dass es nicht darum geht Emotionen zu unterdrücken oder aggressiv zu übermitteln.

    Eine der wichtigsten lebensverändernden Einsichten, die in der Meditation gewonnen wurden, ist, dass Schmerz und Leiden qualitativ unterschiedlich sind. Der Ursprung dieser Einsicht ist die Praxis des Loslassens. Loslassen ist eine äußerst wichtige Fertigkeit. Es ist eine der wesentlichen Grundlagen der Meditationspraxis.

    Die wichtigste Einsicht hier ist, dass Bewertung von Empfindung und Wahrnehmung getrennt sind. Sie entstehen so eng zusammen, dass wir den Unterschied normalerweise nicht bemerken. Allerdings können wir durch Achtsamkeitspraxis lernen, dass es eine winzige Lücke zwischen ihnen gibt. Nämlich während der Schmerz durchaus real ist, ist es Leiden nicht. Gerade wenn wir uns gegen diesen Schmerz stellen und seine Existenz verneinen wollen, kommt noch Leiden hinzu.

    Ich will dich nicht anlügen: Am Schmerz hat sich nicht viel verändert, aber an deiner Einstellung zum Schmerz . Eine der interessantesten historischen Figuren, die diese Einsicht erworben hat, war der römische Kaiser Marcus Aurelius, der schrieb grob zusammengefasst:

    Wenn du durch irgendetwas Äußeres beunruhigt bist, ist es der Schmerz nicht auf die Sache selbst zurückzuführen, sondern auf deine Bewertung davon. Und das liegt in deiner Macht- deine Einstellung kannst du jederzeit widerrufen.

    Vom Zwang zur Wahl - Achtsamkeit und Wut

    compulsion choice

    Man kann keine größere Meisterung erlangen als die Meisterung über sich selbst.
    -Leonardo da Vinci

    Ich weiß, dass ich viel verlange und es nicht immer einfach ist im Eifer des Gefechts so zu reagieren, weil die Wut den Kopf vernebelt. Anderseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten eher gnadenlos unterfordert sind und sie die besten Ergebnisse erzielen, wenn ich viel von ihnen fordere.

    Aber um nicht vom Impuls der Wut überwältigt zu sein, braucht es eine gewisse Achtsamkeit und ein Verständnis davon, dass zwischen Reiz und Reaktion eine Lücke ist. Der Hauptfokus dieses Blogbeitrags sollte die REVT sein, aber ein gewisses Maß an Achtsamkeit ist nötig, um die Wut in den Situationen, in denen es wirklich zählt, zu erkennen.

    Der Zusammenhang von Körper und Wut

    Stress bekämpfen

    Wenn wir über starke Emotionen wie Wut reden, können wir den Körper nicht vernachlässigen. Emotionen entstehen nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper. Dein Atem wird flach, und du fühlst einen enormen Druck auf der Brust. Diese Stresssignale können wir uns zunutze machen, um unseren Fokus auf den Atem zu bringen- den ultimativen Anker in die Gegenwart.

    Unsere anfängliche Tendenz ist, in eine Situation zu springen und impulsiv zu handeln- besonders in Fällen, in denen unser Blut kocht und unsere Sicherung durchgeht. Der ultimative Anker in die Gegenwart sind Pausen, tiefe Atemzüge und Momente der Reflexion anstatt schneller Impulsreaktionen.

    Tiefe Atemzüge signalisieren deinem Nervensystem, dass in dieser Situation alles in Ordnung ist. Wenn du dich danach weniger wütend fühlst, ist das toll, aber das ist nicht das Ziel. Hier geht es primär darum, eine breitere Palette von Optionen zu wählen, um in einer emotional aufgeladenen Situation einen kühlen Kopf zu behalten.

    Body Scan- Meditation

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    Und denk daran: Mir gelingt es auch nicht immer im Eifer des Gefechts daran zu denken. Wenn es um emotionale Meisterung geht, gilt der Satz: Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht!

    4 Comments

    1. […] ohnehin nicht mehr ändern. Wenn ich diesen Brief jetzt abschicke, dann habe ich zwar meine Wut abgelassen und meine Seite der Geschichte betont, aber Meade wird versuchen, sich zu rechtfertigen und […]

    2. […] einen Raum, in dem wir uns selbst annehmen können. Wenn ich mich weigere zu akzeptieren, dass ich wütend oder enttäuscht bin, nachdem ich einen Fehler gemacht habe, unterdrücke ich meine Fähigkeit, Freude zu erleben, […]

    3. […] krankhaften Perfektionismus abzulegen. Lerne auch negative Emotionen, wie Angst, Traurigkeit und Wut zu […]

    4. […] wir negative emotionale Reaktionen wie Wut, Angst und inneren Widerstand erleben, wird unser Herzrhythmus unregelmäßig, was die […]

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