Essentialismus: Die Kunst dein Leben nach DEINEM Design und nicht nach fremden Standards zu leben

Das Leben mit der Philosophie des Essentialismus ist ein Leben, das wirklich Bedeutung hat. Wenn ich eine Erinnerung daran brauche, denke ich an folgende Geschichte, die ich neulich gelesen habe:

Es geht um einen Mann, dessen dreijährige Tochter gestorben ist. In seinem Kummer stellte er ein Video von ihrem kurzen Leben zusammen. Aber als er alle seine Videos und Bilder durchging, erkannte er, dass etwas fehlte.

Er hatte eine Menge Fotos gemacht und alles von jedem Ausflug und jeder Reise festgehalten, auf der sie gewesen waren. Er hatte viel Aufnahmen – das war nicht das Problem. Er bemerkte, dass er, während er viele Aufnahmen von den Orten und Sehenswürdigkeiten, die sie gesehen hatten, von Mahlzeiten, die sie gegessen hatten und von Wahrzeichen, die sie besucht hatten, hatte, gab es fast keine Nahaufnahmen von seiner Tochter selbst. Er war so beschäftigt, die Umgebung zu erfassen, dass er nicht das aufgezeichnet hatte, was wirklich essentiell ist.

Genau darum geht es beim Essentialismus : Dem gnadenlosen Filtern nach den Dingen, die wirklich zählen und auf der anderen Seite,den Dingen, die eliminiert werden können.

Dieser Weg ist anders- dieser Weg des Essentialismus ist eine Hilfe zur Befreiung aus den Ketten des krankhaften Perfektionismus und eine Möglichkeit dein Leben nach deinem Design zu leben anstatt von der Willkür deines Umfeld und der Welt fremdbestimmt zu sein.

Es klingt kontraintuitiv weniger anstatt mehr zu wollen, weil es uns jahrelang eingetrichtert wird, dass Konsum die ultimative Erfüllung liefert, aber wir alle haben schon bemerkt, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Ich gebe zu: Essentialismus ist ein radikaler Ansatz, aber wir leben auch in einer Welt der radikalen Ablenkung.

Ich lehne es ab mein Leben vom Zufall und der Willkür herum schubsen zu lassen und entscheide mich dafür mein Leben selbst zu designen. Wenn du auch diesen Weg wählen möchtest, kannst du weiterlesen und die Ketten des Verlangens nach mehr Konsum brechen.

Glück = Lieben, was ist

Sei zufrieden mit dem, was du hast. Freue dich an den Dingen, wie sie sind.
Wenn du feststellst, dass es dir an nichts fehlt, gehört dir die ganze Welt.
-LAO TZU

Das wahre Glück ist es, die Gegenwart zu genießen, ohne ängstliche Abhängigkeit von der Zukunft, um uns nicht mit den Hoffnungen oder Ängsten zu quälen, sondern sich mit dem zufrieden zu sein, was wir haben. Ein weiser Mann begnügt sich mit seinem Los, was auch immer es sein mag, ohne zu wünschen, was er nicht hat. -SENECA

Versuche nicht dein Glück davon abhängig zu machen, dass Ereignisse in einer Weise passieren, wie du es willst , sondern strebe danach, dass du glücklich werden kannst, mit dem, was geschieht.
– Epiktet

Lass mich einmal den bescheidenen Versuch unternehmen mich in die Reihe der großen Denker einzureihen und ein Zitat beizusteuern: Verlangen nach Mehr ist ein Vertrag, den du mit dir selbst schließt, erst wieder glücklich zu sein, wenn du das Begehrte erreicht hat.

Denk daran : Unser Gehirn ist evolutionär darauf ausgelegt nach möglichen Gefahren zu suchen und ist eher geneigt sich in extremer Weise auf das Negative zu fixieren als zu sterben.

Diese instinktive Notwendigkeit für das, was wir noch nicht haben, schafft in uns einen anhaltenden Zustand der Unzufriedenheit. Allerdings hat diese Strategie so viele Millionen Jahre Evolution hervorragend funktioniert. Ohne sie wären unsere Vorfahren sicher gestorben.

Dieses einfache, rücksichtslose Skript ist programmiert, um das Überleben um jeden Preis zu sichern. Es funktioniert außerordentlich gut für diesen Zweck des Überlebens, aber es spielt uns nicht in die Karten, wenn es um unser Glück geht.

Buddhismus und Stoizismus lehren, dass Streben nach äußeren Gütern oder das krankhafte Streben nach Mehr, um die Welt seinen Wünschen anzupassen, immer ein aussichtsloses Streben ist. Warum ? Weil unser Verlangen nie gestillt werden kann. Die Wissenschaft bestätigt ziemlich Ähnliches.

Hedonistische Anpassung

hedonistische anpassung

Bildquelle: medium.com

Kannst du dich an eine Zeit erinnern, in der du über eine Sache fantasiert hast und darüber geträumt hast, aber zum Zeitpunkt, als du es bekommen hast,warst du lange nicht so glücklich, wie du gedacht hättest und die Emotion war lange nicht so intensiv, wie gedacht ?

Erinnere dich beispielsweise an ein Geschenk aus der Kindheit, das du unbedingt haben woltest. aber dann als du es bekommen hast, ignoriert hast. Warum passiert das ?
Unter der hedonistischen Tretmühle auch bekannt als hedonistische Adaption versteht man die Tendenz der Menschen nach einem stark positiven oder negativen Ereignis relativ schnell wieder zu einem stabilen Glückslevel zurückzukehren.

Das Glück relativ zu sein scheint, ist eine uralte Annahme. Doch trotz der Bedeutung dieser Aussage für die Philosophie und die Gesellschaft gab es keine empirischen Studien zu diesem Thema bis zum 20. Jahrhundert. Im Jahr 1978 haben Brickman, Coates & Janoff-Bulman eine Studie durchgeführt, um die Annahme zu prüfen, dass bedeutsame Ereignisse langfristig geringe Effekte auf das subjektive Glück haben.

Um diese Annahme zu testen, wurden diverse Studien durchgeführt. In der Studie verglichen sie das Glück von drei Gruppen: eine Gruppe von Lotteriegewinner, eine Gruppe von Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden und einer Kontrollgruppe.
Die Stichprobe bestand aus drei Gruppen: 22 Lotteriegewinner, 18 gelähmte Menschen und 22 Personen aus einer Kontrollgruppe. Mit allen Versuchsteilnehmern wurden Kurzinterviews durchgeführt.

Das Ziel war, das jetzige, das vergangene und das erwartete Glück, sowie die empfundene Freude bei alltäglichen Aktivitäten zu erfassen. Dafür wurde einer 6-Punkte-Skala benützt, wobei 0 der niedrigste und 5 der höchste Wert war. Die Zeit zwischen dem Interview und dem kritischen Ereignis (Lotteriegewinn bzw. Unfall) betrug zwischen einem Monat und einem Jahr.

Schlussfolgerungen aus den Studien von Brickman, Coates & Janoff-Bulman

Sie kamen zu drei Schlussfolgerungen:
Lotteriegewinner haben weniger Freude an alltäglichen Ereignissen als die Kontrollgruppe. Dieser Effekt kann durch „Adaptations-Niveau-Theorie“ von H. Helson erklärt werden und führt zu der überraschende Tatsache, dass Lotteriegewinner in der Regel nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht in der Lotterie gewonnen haben.

Das Glückslevel nach einmal sehr starken Einzelereignis sprang wieder auf den zuvor bestehenden Ursprungszustand zurück

Die insgesamt positive oder negative Auswirkung eines einzigen positiven oder negativen Ereignisses sollte nicht überschätzt werden.

Auch wenn es ein kurzfristiges Hoch in den Glücksgefühlen ist, wird es wieder zum ursprünglichen Setpoint zurückspringen. Egal ob du ein neues Haus kaufst, den Job verlierst, einen Unfall erleidest oder Geld im Lotto gewinnst, nach kurzer Zeit kehrt man wieder zu diesem Setpoint zurück.

Es ist zwar schade, dass wir durch mehr Wohlstand nicht glücklicher werden, aber viel wertvoller ist eigentlich die Tatsache, dass diese hedonistische Anpassung als Auffangnetz für schlechte Zeiten sehr hilfreich ist. Unser Körper ist ein echtes Wunderwerk, wenn es darum geht uns an neue und schwierige Situationen anzupassen.

Du wirst vielleicht sagen: Dominique, für diese Regel gibt es doch bestimmt Ausnahmen. Du hast dich Recht. Es gibt ein Einzelereignis, das das Glückslevel eines Menschen empirisch belegt langfristig anheben kann: Brustvergrößerungen bei Frauen. Ich weiß nicht, warum, aber laut Studien ist das der Fall. Kein Spaß: Es gibt tatsächlich Studien dazu.

Dank der hedonistischen Anpassung fangen wir an selbst das Leben und unser Träume für selbstverständlich zu nehmen. Anstatt unsere Tage damit zu verbringen, unser Glück zu genießen, verbringen wir sie, um uns mit der nie endenden Suche nach mehr zu quälen. Infolgedessen sind wir mit unserem Leben nie zufrieden.

Der Weg des Essentialismus

Essentialismus

Ich hoffe ich konnte dich ein wenig überzeugen, dass es noch ein anderen Weg gibt- abgesehen vom krankhaften Streben nach Mehr.

Die Weisheit des Lebens besteht in der konstanten Eliminierung des Nicht-Essentiellen
-Lin Yutan

Weniger aber besser. Eine passendere Definition des Essentialismus wäre schwer zu bekommen.
Der Weg des Essentialisten ist die unerbittliche Verfolgung von weniger, aber besser. Beim Weg des Essentialismus geht es nicht darum ein Neujahrsversprechen zu setzen, häufiger "Nein" zu sagen oder ein neues Produktivitätstool.

Es geht darum, ständig zu fragen: "Mache ich das Richtige und lebe ich mein Leben nach meinem eigenen Design ?" Wir leben in einer Welt von mehr Chancen, Ablenkungen und Möglichkeit, als wir Zeit und Ressourcen haben. Und obwohl viele von ihnen gut oder sogar sehr gut sein können, ist es Fakt, dass die meisten trivial sind und nur wirklich wenige das sind, was du wirklich willst.

Der Grundgedanke des Essentialismus handelt nicht davon, wie man mehr Sachen macht und schafft. Es geht darum, wie du die richtigen Dinge machst, die DIR wirklich etwas bedeuten.

Das Wort Priorität fand erst in 1400ern ihren Weg in die deutsche Sprache . Es existierte nur im Singular. Es bedeutete das Erste oder vorrangige Ding. Erst in den 1900er Jahren pluralisierten wir den Begriff und begannen, über Prioritäten zu sprechen.

Doch das verzerrt die Bedeutung des Begriffes.Es kann nicht mehrere Sachen geben, die am Wichtigsten sind, sondern nur- du hast es erfasst- eine.

Aber wenn wir versuchen, alles zu tun und alles zu haben, finden wir uns Kompromisse an den Rändern, die wir niemals als unsere absichtliche Strategie annehmen würden. Wenn wir nicht gezielt und bewusst wählen, wo wir unsere Energien und Zeit konzentrieren wollen, werden andere Leute - unsere Chefs, unsere Kollegen, unsere Klienten und sogar unsere Familien - für uns wählen, und schon bald haben wir alles aus den Augen verloren Das ist sinnvoll und wichtig. Wir können unsere Entscheidungen bewusst machen oder den Agenda anderer Menschen erlauben, unser Leben zu kontrollieren.

Eine australische Krankenschwester namens Bronnie Ware, die sich um sterbende Menschen in den letzten zwölf Wochen ihres Lebens kümmerte,hörte immer wieder dieselben Geschichten- Geschichten der Reue. An der Spitze der Liste: "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt mein eigenes Leben zu leben und nicht das Leben, das andere von mir erwartet haben."

Anstatt auf den sozialen Druck zu reagieren, der dich in eine Million Richtungen zieht, lernst du einen Weg des Reduzierens, Vereinfachens und der Elimination des Nicht-Essentiellen.

Der Wert des Essentialismus

Der Weg des Essentialisten ist der Weg zur Kontrolle über unsere eigenen Entscheidungen. Es ist ein Weg zu neuen Ebenen von Erfolg und Bedeutung. Es ist der Weg, auf dem wir die Reise genießen, nicht nur das Ziel. Es ist eine fundamental andere Art zu Denken in einer Gesellschaft, die besessen ist nach Mehr.

Ich habe viele "erfolgreiche" Leute gesehen, die von der Sucht nach Mehr gefangen waren. Nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr kleine Aufgaben, mehr Termine und Meetings, mehr Stress. Aber das alles kommt auch mit versteckten Kosten. -weniger Leben und weniger Zeit für die essentiellen Dinge, die wirklich wichtig sind.

Du denkst, du tust, was du sollst. Die Gesellschaft belohnt dich dafür. Aber dann siehst du wie deine zeit durch deine Finger rinnt und Personen, die dir wichtig waren aus der Tür gehen, weil du nicht die Person bist, die du früher warst.

Die Zeiten der unbegrenzten Auswahl und warum Essentialismus die Lösung ist

paradoxon der wahlmöglichkeitem,paradox of choice

In unser Überflussgesellschaft sind wir tagtäglich mit einer endlosen Reihe an Angeboten und Möglichkeiten konfrontiert- von der Kleidung, die wir tragen bis zur Wahl unseres Mittagessens. Diese Möglichkeit zu wählen gibt uns das Gefühl der Freiheit. Das glauben wir zumindestens.

In der Psychologie nennt man das Ganze: The paradox of choice (Das Paradoxon der Wahl). Dieses stellt diesen verbreiteten Glauben komplett auf den Kopf und behauptet dagegen, dass die Fülle an Wahlmöglichkeiten uns in psychischer Bedrängnis bringt und es uns unglaublich schwer macht überhaupt etwas auszuwählen. Wenn wir Entscheidungen getroffen haben, kann die Existenz von all den anderen verbliebenen Optionen uns nämlich eher unglücklich machen.

Jede Sekunde unseres Lebens treffen wir Entscheidungen und in jedem einzelnen Fall gibt es auch Alternativen, die eben jeweils andere Konsequenzen haben. Damit wächst der Druck zur "richtigen" Entscheidung. Die Entscheidung wird zur enormen Verantwortung und zur Belastung. Nicht umsonst nennen wir es die Qual der Wahl.

Für die letzten 30 Jahren hat sich nämlich das US Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt, während das empfundene Glück der Amerikaner immer weiter sank. Durchschnittlich geben im Laufe der letzten 30 Jahre immer weniger Menschen an mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein. Die stetig steigende Zahl der Menschen mit klinische Depression scheint diesen Trend widerzuspiegeln. Seit 1900 hat sich das Risiko verzehnfacht.

Das liegt hängt auch mit dem enormen Mehr an Entscheidungen zusammen, mit denen wir bombardiert werden. Wenn wir quasi unendlich viele Auswahlmöglichkeiten haben eine Entscheidung zu treffen und dann mit unserer Wahl unglücklich sind, suchen wir die Schuld meist bei uns selbst.

Der Vater der positiven Psychologie Martin Seligman stellte fest, dass Kontrollverlust im Angesicht zu vieler Möglichkeiten tatsächlich zu einer Depression führen kann.

Das Denken, das dahintersteht, ist etwa Folgendes: Ich scheitere in allen Bereichen meines Lebens. Ich werde immer scheitern und bin einfach jemand, der scheitert. Diese Form von Selbstbeschuldigung findet in unserer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten hervorragenden Nährboden.

Während früher auch andere Umstände oder das Wirtschaftssystem Schuld haben konnte, sind wir, wenn wir uneingeschränkt entscheiden können, wie unser Leben verlaufen soll, immer der Sündenbock, wenn etwas nicht nach Plan verläuft.

Essentialismus und Ego-depletion

Viele intelligente und begabte Leute werden davon abgehalten, auf die nächste Stufe in ihrem Leben zu kommen, weil sie den Glauben nicht loslassen können, dass alles wichtig ist.
Hier ist die Realität. Es gibt keine perfekten Lösungen, sondern es gibt nur Kompromisse. Oder um es mit den Worten von Tim Ferriss zu sagen: Wir müssen regelmäßig kleine schlechte Dinge passieren lassen, um die wirklich großen Dinge geschafft zu bekommen.

Wir können nicht effektiv sein, wenn wir unseren Fokus in 6000 Richtungen streuen. Daher ist es uns unsere höchste Priorität unsere Fähigkeit zur Priorisierung zu schützen. Unsere Willenskraft ist nämlich wie eine Batterie, die mit jeder Entscheidung an Kraft verliert.

Ein Experiment zur Willenskraft

Eine Studie von Baumeister zeigt, wie leicht es ist, unsere Willenskraft zu schwächen.
Die eigentliche Untersuchung wurde als Geschmackstest getarnt und die Teilnehmer sollten mit leerem Magen erscheinen. Auf dem Tisch im Versuchsraum stand sowohl eine Schale mit Radieschen als auch eine Schale mit duftenden Keksen.

Nur einem Drittel der Teilnehmer wurde es gestattet, die dampfenden Kekse zu essen, während ein weiteres Drittel lediglich die Radieschen verputzen durfte. Das übrige Drittel der Teilnehmer diente als Kontrollgruppe.

Das unlösbare Rätsel und die Rolle der Willenskraft

Anschließend wurden die getesteten Personen in einen weiteren Raum geführt, wo sie ein Rätsel lösen sollten. Die Gemeinheit : Das Rätsel war unlösbar, weshalb die Teilnehmer zwangsläufig irgendwann aufgaben.
Die Forscher stellten ja nach Gruppe jedoch einen großen Unterschied in der durchschnittlichen Versuchszeit fest. Woran lag das ?
Wirklich bemerkenswert war folgende Beobachtung:

Die Probanden der Keksfraktion hielten durchschnittlich 19 Minuten durch. Doch die Teilnehmer der Radieschen-Gruppe, denen der Genuss der Kekse verwehrt blieb, gaben schon nach durchschnittlich 8 Minuten auf.

Roy Baumeister Studie

Fazit

Die Theorie, dass mentale Anstrengung unsere Willenskraft negativ beeinflussen kann, wird Selbsterschöpfung ( Ego Depletion) genannt:

Wenn Baumeister mit seiner Theorie recht hat, dann ist unsere Fähigkeit zur Selbstkontrolle beschränkt. Sie ist abhängig davon, in wieweit unsere mentale Energie zum jeweiligen Zeitpunkt aufgebraucht ist.

Wenn unsere Willenskraft einmal erschöpft ist, weil wir aktiv einer Versuchung widerstehen mussten, dann fehlt diese Willenskraft an anderer Stelle.

Die Liste der Situationen und Aufgaben, die bekanntermaßen die Selbstkontrolle erschöpfen, ist lang und vielfältig. Bei allen geht es um Konflikte und die Notwendigkeit, eine natürliche Neigung zu unterdrücken. – Nobelpreisgewinner Daniel Kahneman

Das Mindset des Essentialismus

Fast alles ist Lärm und nur sehr wenige Dinge sind außergewöhnlich wertvoll und essentiell . Das ist der Grund, warum wir herausfinden wollen, was UNS am wichtigsten ist.

Essentialismus: Hinterfragen

hinterfragen

Achtung: Hier kommt eine persönliche Meinung: Warum haben wir Menschen das starke Bedürfnis den Durchschnitt zu erforschen. Der Durchschnittsdeutsche trinkt x Liter Bier, der Durchschnittsdeutsche guckt x Stunden Fernseher. Die interessanter Frage ist meiner Meinung nach:

Was machen die Topperformer, die Menschen, die die Welt verändert haben und ein Leben nach ihren Vorstellungen leben?

All diese Leute haben Essentialismus bewusst oder unterbewusst als Lebensprinzip und fragen sich:

"Wird diese Aktivität oder Anstrengung den höchstmöglichen Beitrag zu meinem Ziel machen?"

Essentialismus: Was ist essentiell- was ist unwichtig

Ein Paradoxon des Essentialismus ist, dass die Essentialisten tatsächlich mehr Möglichkeiten als ihre nicht-essentialistischen Pendants erforschen. Nonessentialisten werden von praktisch alles begeistert und reagieren auf alles. Aber weil sie so beschäftigt sind, jede Gelegenheit und Idee zu verfolgen, die sie tatsächlich weniger erforschen.

Der Weg des Essentialisten hingegen besteht darin, eine breite Palette von Optionen zu erforschen und zu bewerten, bevor sie sich verpflichten. Weil die Essentialisten sich nur auf die entscheidenden Ideen oder Aktivitäten konzentrieren und "groß werden", erforschen sie zunächst mehr Möglichkeiten, um sicherzustellen, dass sie später das richtige auswählen.

Essentialismus ist das individuelle Designen des Lebens und nicht das Leben nach dem Standard.

Die Unwichtigkeit von beinahe allem und das Paretogesetz

Pareto

Oft tappen wir in die Falle zu denken, dass alle unser Aufgaben und Verantwortungen essentiell und extrem wichtig sind. Dieses Gefühl ist normal. Studien haben festgestellt, dass wir dazu neigen, Dinge,die wir schon besitzen wertvoller einzuschätzen als sie es wert sind und damit finden wir es schwieriger sie loszuwerden.

„Wenn ich fünf Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen, würde ich vier Stunden meine Säge schärfen.“

Unter Effektivität versteht man das Maß der Zielerreichung zu verstehen, womit das Verhältnis vom Angestrebten zum Erreichten gemeint ist. Der dahinterliegende Aufwand spielt dabei keine Rolle.

Frage: Bringt uns diese Sache dem Ziel näher?
Unter Effizienz versteht man das Handeln so zu optimieren, dass das gewünschte Ziel mit möglichst wenig Aufwand erreicht werden kann.
Frage: Tun wir die Dinge auf die richtige Art und Weise?

Wichtig ist nun, dass du erst deine Ziele kennst(also effektiv bist) bevor du dir Gedanken machen kannst, wie du möglich effizient bist.
Hier noch ein Beispiel zur Demonstration des Problems, das ich oft hatte.

Angenommen du willst nach Rom gelangen. Bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom. Wir starten in Köln und fahren mit dem Auto nach München. Von da trampen wir schließlich nach Hamburg und schwimmen den Weg bis nach Rom. Das ist effektiv, weil es uns unserem Ziel näher bringt. Macht das Sinn? Nein, weil es sehr ineffektiv ist. In diesem Fall habe ich es natürlich sehr überspitzt dargestellt.
Wieder unser Rombeispiel, um dir Effizienz zu erklären, wenn die Effektivität jedoch fehlt: Wir haben das Ziel nach Rom zu gelangen und fliegen mit dem schnellsten Flugzeug, das zur Verfügung steht direkt nach Chile. Macht das Sinn? Nein! Wir waren zwar sehr schnell und effizient unterwegs, aber nicht effektiv.

Du wirst über diese überspitzten Beispiele jetzt zwar schmunzeln, aber genau so ergeht es vielen von uns täglich. Wir räumen zuerst unseren E-Mailordner in Windeseile auf und fühlen uns produktiv. Wir waren zwar effizient, aber haben die Effektivität vernachlässigt.
Ich kann dir gar nicht aufzählen, wie oft ich in diese Falle getappt bin. Vielleicht erkennst du ja auch dich wieder und bist vorgewarnt.

Die Pareto-Regel oder auch 80/20- Regel ist dir vielleicht ein Begriff. Der Begriff „Regel“ hat mich lange die unglaubliche Macht dieses mathematischen Gesetztes unterschätzen lassen. Um den Hintergrund ein wenig zu erläutern: Der italienische Ökonom und Soziologe Wilfredo Pareto stellte im 19.Jahrhundert fest, dass es ein immer wiederkehrendes Muster gibt-die 80/20 Regel.

Er stellte beispielsweise fest, dass 20 % der Weltbevölkerung 80 % des Vermögens besitzen oder dass 20 % der Kunden 80 % des Ertrags eines Unternehmens ausmachen. Umgekehrt stiften aber auch 20% der Kunden 80% der Unruhe. Du hast den Punkt vermutlich schon verstanden. Wie eben gesagt, ist das Pareto-Prinzip nicht nur eine Regel, sondern eine mathematische Formel, die sich durch sich selbst teilt:

Paretogesetz

Macht der extremen Kriterien

Held

Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie man bestimmt, welche Entscheidungen jetzt wirklich die Richtigen sind. Derek Sivers hat meiner Meinung nach den besten Leitfaden dazu gegeben. Sein einfacher Leitspruch ist: „If it is not a hell yeah, it a no“(Wenn deine Antwort nicht „Ja zur Hölle“ lautet, bedeutet das „Nein“).

Es gibt kein Zwischending. Das kannst du auf alle Bereich deines Lebens anwenden: Menschen in deinem Umfeld, private Projekte und Geschäfte zum Beispiel. Man sieht überall immer neue Chancen, aber der genauste Kompass für das, was du wirklich willst, ist deine Intuition. Lieb es oder lass es !

Das erste Mal habe ich von diesem Konzept im Buch der 5 Ringe “gelesen - Da heißt es : Ein Krieger zieht nur ungern sein Schwert, aber wenn er es einmal zieht, ist er bereit zu töten. Das trifft die Philosophie des Essentialismus meiner Meinung nach hervorragend.

Durch die Anwendung härterer Kriterien können wir in die anspruchsvolle Suchmaschine unseres Gehirns umprogrammieren. Wenn wir nach "einer guten Gelegenheit" suchen, dann finden wir Dinge, die in Ordnung sind. Aber niemand will ein Leben, das In Ordnung ist.

Stattdessen können wir eine fortgeschrittene Suche durchführen und drei Fragen stellen:

  • Wodurch fühle ich mich zutiefst inspiriert?
  • Wofür bin ich bereit Schmerzen zu empfinden und zu kämpfen ?
  • Was trifft auf ein bedeutendes Bedürfnis in der Welt?

  • Wenn du andere Menschen fragst, was sie vom Leben wollen und ihre Antwort ist: " Ich will einfach glücklich sein, eine großartige Familie haben und einen Beruf, den ich mag.", dann ist diese Antwort, die ich früher übrigens auch immer gegeben habe, so allgemein und standardmäßig geworden, dass sie beinahe inhaltsleer ist.

    Jeder will sich gut fühlen. Jeder möchte ein einfaches unbeschwertes Leben führen, sich verlieben, großartigen Sex und Beziehungen haben, ein perfektes Aussehen haben, eine Menge Geld verdienen und Respekt genießen.
    Logisch. Jeder will das.

    Viel interessanter ist jedoch die Frage: Welche Dinge sind mir so viel Wert, dass ich dafür ein wenig Schmerz auf mich nehme ? Für welche Ziele, Beziehungen oder Werte bin ich bereit zu straucheln? Beinahe jeder möchte viel Geld verdienen, aber die wenigsten sind bereit 70 Stundenwochen in der Anfangszeit zu investieren. Jeder will eine glückliche Familie, aber die wenigsten sind bereit Kompromisse mit dem Partner einzugehen, empathisch zu zu hören und stundenlang an einem Samstag nachmittags Bälle im Nachbargarten zu holen, wenn die Kumpels Bier trinken und Fußball gucken.

    Jeder möchte weise sein und emotionale Intelligenz erlangen, aber nur die wenigsten sind bereit zu meditieren, Bücher zu lesen und die Übungen zu machen, die ich häufiger empfehle. Jeder will einen gestählten Körper haben, aber die wenigsten wollen auf bestimmte Lebensmittel verzichten, weniger essen oder stundenlang im Fitnessstudio zu schwitzen.

    Was viel eher die Richtung deines Lebens bestimmt als die Frage: "Woran findest du Gefallen?" ist die Frage: " Für welche Sache oder für welche Menschen bist du bereit Schmerz und Unbequemlichkeit auf dich zu nehmen?"
    Ich muss es wiederholen: Solange du ein Mensch bist, der lebt und liebt, wird es nicht immer ein Strom von Glück und ausschließlich positiven Emotionen sein. Es wird kein Pfad voller Regenbögen und Einhörner sein. Wenn du dich also ohnehin entscheiden musst, kannst du auch ein Pfad wählen, der es dir Wert erscheint.

    Ich will dir nicht sagen, was falsch oder richtig ist, sondern DICH fragen : Was bedeutet dir so viel, dass du bereit bist dafür Unbequemlichkeit und Leid auf dich zu nehmen ?

    Essentialismus und die Angst etwas zu verpassen

    Wikipedia:

    Die Angst, etwas zu verpassen (engl.: Fear of missing out, abgekürzt FOMO), ist eine Form der gesellschaftlichen Beklemmung/Angst/Besorgnis. Das Phänomen beschreibt die zwanghafte Sorge, eine soziale Interaktion, eine ungewöhnliche Erfahrung oder ein anderes befriedigendes Ereignis zu verpassen und nicht mehr auf dem Laufenden zu bleiben.

    Seth Godin zieht eine interessante Analogie. Es gibt drei Arten von Leuten, die wir im Supermarkt sehen.

    Der Eine kommt in eine kurze Schlange und bleibt darin, egal wie langsam es ist oder wie viel schneller die anderen zu gehen scheinen.

    Der Zweite wechselt zwischen beiden Schlangen hin und her- in der Hoffnung ein wenig Zeit sparen zu können.

    Ein Dritter wechselt nur einmal - wenn es klar ist, dass sich die Wartezeit in deiner Schlang verzögert und es eine klare Alternative gibt.

    Die Lehre: Nur weil du einen Weg begonnen hast, bedeutet das nicht, dass du für immer verpflichtet bist, besonders wenn dieser Weg sich als fehlerhaft erweist. Gleichzeitig ist das keine Entschuldigung, um flüchtig oder unaufhörlich unverbindlich zu sein. Es braucht Mut, die Dinge anders zu machen und eine Veränderung zu machen, sowie Disziplin und Bewusstsein zu wissen, dass die Vorstellung von "Oh, aber das sieht noch besser aus" ist eine Versuchung, die auch nicht endlos verfolgt werden kann.

    Essentialismus und die Macht des Neins

    "Zu welcher Sache von meiner Liste der konkurrierenden Prioritäten, sollte ich ja sagen?" ist nicht die Frage des Essentialismus. Die wesentliche Frage: "Wozu soll ich Nein sagen? "Das ist die Frage, die deine wahren Prioritäten aufdecken wird. Wenn es einen Mangel an Klarheit gibt, verschwenden wir Menschen Zeit und Energie auf die trivialen und unwichtigen Dinge.

    Im heutigen Zeitalter der Pop-up Nachrichten, in dem wir permanent 17 Tabs am Computer geöffnet haben, ist es wichtig uns zu entscheiden. Interessant ist der sprachliche Ursprung des Wortes „entscheiden“, weil er in vielen Sprachen den gleichen Hintergrund hat. Darin steckt nämlich das Wort „scheiden“. Es gibt also eine Wahl zwischen mindestens zwei Optionen und im Moment der Entscheidung fallen alle anderen Optionen weg- sie werden praktisch abgeschieden- und eine einzige Lösung bleibt übrig, auf die man seinen vollen Fokus setzen kann und so direkt den Weg auf der Überholspur fahren kann.

    Auch im Englischen setzt sich das Wort „decision“( Entscheidung) aus den lateinischen Worten de(von) und caedere (schneiden) zusammen. Das, was jetzt interessant daran ist, ist die Tatsache, dass eine wahre Entscheidung bedeutet dich dazu zu verpflichten, indem du alle anderen Entscheidungen abschneidest und stur deinen Weg der Wahl verfolgst. Ich habe auch lange nicht diese Macht der Entscheidung verstanden. Wenn du jedoch an dein Leben zurückdenkst: Die wirklich großen Sprünge nach vorne hast du wahrscheinlich auch nur gemacht, wenn du dich wirklich entschieden hast und deinen Weg fokussiert gegangen bist.

    Jedes Ja zieht auch ein Nein mit sich

    Je mehr wir darüber nachdenken, was wir aufgeben, desto leichter ist es Nein zu sagen. Wenn wir keinen klaren Sinn für die Opportunitätskosten haben - mit anderen Worten, den Wert dessen, was wir aufgeben - dann ist es besonders leicht, in die Falle zu tappen, dass wir glauben immer alles erledigen zu können.

    Denk daran: Nein ist ein vollständiger Satz. Du musst dich nicht rechtfertigen und hast jederzeit das Recht "Nein" zu sagen.

    Selbstgewählte Grenzen sind eine Stärkung. Forderungen und Belastungen von anderen, lenken davon ab selbst die Initiative zu ergreifen und zu handeln.

    Wenn du dein Leben nicht priorisierst, wird jemand anderes es tun. Der Essentialist erkennt nicht nur die Macht der Wahl, er feiert sie. Der Essentialist weiß, dass wir, wenn wir unser Wahlrecht aufgeben, indem wir permanent per Smartphone erreichbar sind, anderen nicht nur die Macht , sondern auch die ausdrückliche Erlaubnis geben, für uns zu wählen.

    Das ist grundlegende Wertvorstellung des Essentialismus: Nur einmal geben wir uns die Erlaubnis damit aufzuhören alles tun zu wollen und zu jedem und allem Ja zu sagen. Nämlich nicht nur das "Nein" kommt mit einem Preis, sondern auch das "Ja", weil es dich davon abhält das zu machen, was du wirklich willst und dein Leben nach deinem eigenen Design statt nach den Regeln und Standards anderer zu leben.

    Was ist mit dir? Wie oft hast du auf eine Anfrage reagiert, indem du Ja gesagt hast ohne wirklich darüber nachzudenken? Wie oft hast du dich entschlossen, etwas zu tun- nur um dich später zu fragen: "Warum habe ich mich jetzt dazu verpflichtet?" Wie oft sagst du Ja einfach um anderen zu gefallen oder um Ärger zu vermeiden oder weil "Ja" zu deiner Standardantwort geworden ist?

    Das Leben des Essentialismus = ein Leben, das wirklich zählt

    Essentialismus

    Erinnerst du dich an die Anfangsgeschichte mit dem kleinen Mädchen? Diese Geschichte fängt meine persönliche Erkenntnis auf, die ich im Rahmen meiner Beschäftigung mit Essentialismus gekommen ist. Es ist das Bewusstsein dafür, wie wenig Zeit wir in unserem Leben haben. Für mich ist das kein deprimierender Gedanke, sondern ein spannender. Es entfernt Angst vor der Wahl der falschen Sache.

    Ein Hauptziel hinter dem Leben eines Essentialisten ist ein Leben ohne Bedauern. Wenn wir richtig identifiziert haben, was für uns persönlich wirklich zählt, wohin wir unsere Zeit und Energie investieren wollen, dann ist es schwierig, die Entscheidungen zu bereuen, die wir machen.

    Wir können stolz auf das Leben sein, das wir gewählt haben. Wenn du eine Sache aus diesem Blogbeitrag mitnimmst, hoffe ich, dass du dich daran erinnern wirst: Was für eine Entscheidung oder Herausforderung oder Kreuzung du auch immer in deinem Leben wählst, frag dich: "Was ist DIR persönlich wichtig?" Beseitige alles andere. Persönliche Werte sind ein wertvoller Kompass.

    Essentialismus und die Rolle der Wahl

    Die Wahl ist im Kern das, was es bedeutet, ein Essentialist zu sein. Man kann dir alles nehmen außer einer einzigen Sache : Die Freiheit in jeder Situation deine Einstellung zu wählen.

    Jeder Tag ist eine neue Chance zu wählen.

  • um deine Perspektive zu ändern
  • um den Schalter der Veränderung umzulegen
  • um dein Leben nach deinen Vorstellungen zu priorisieren

  • Man kann dir alles nehmen außer einer einzigen Sache : Die Freiheit in jeder Situation deine Einstellung zu wählen.

    Ich habe eine Vision von Menschen, die den Mut haben, ein Leben zu leben, das sich selbst treu ist, anstatt das Leben zu leben, das andere von ihnen erwarten.
    Vielleicht kann ich mit dieser alternativen Denkweise einen Impuls eine Konversation zu beginnen, die zur Bewegung wird.

    3 Comments

    1. […] sein, indem wir Grenzen ziehen. Falsch ! Grenzen ziehen ist beinahe schon essentiell, um unser Leben nach unserem Design und nicht nach den Vorstellungen anderer zu […]

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