Die stoische Kunst der Widerstandsfähigkeit zur Befreiung aus der Scheiße

Sind wir doch ehrlich: Jeder von uns geht einmal durch die Scheiße und niemand erlebt einen konstanten Strom von positiven Emotionen. Wenn wir Menschen sind, die leben oder lieben, wird Schmerz unvermeidbar sein. Gerade deshalb ist es wichtig, wie wir diesen Schmerz verarbeiten und mit ihnen umgehen können- Stichwort: Widerstandsfähigkeit.

Wenn wir mit Problemen und Widerständen aller Art konfrontiert werden, haben wir 3 primäre Arten darauf zu reagieren:

Option A -Widerstandsfähigkeit- Aufgeben ist keine Option

Diabolos ist das antike, altgriechische Wort für Teufel. Wortwörtlich heißt es: Derjenige, der Schwierigkeiten / Widerstände in den Weg legt.

Oft ist es einfach uns vorzustellen, dass es da einen Kerl mit Hörnern gibt, der uns Schwierigkeiten bereitet anstatt zu realisieren, dass wir uns häufig selbst im Weg stehen.

Was passiert, wenn wir keine Widerstandsfähigkeit zeigen und die Verantwortung wegschieben

verantwortung übernehmen

Die Geschichte hat zahlreiche Beispiele bereit, wie fatal es ist keine Verantwortung für unsere Handlungen zu tragen. Der Philosoph Eric Hoffer, der Massenbewegungen und Fanatismus erforscht hat, hatte es sich zur Aufgabe gemacht zu verstehen, warum Menschen sich freiwillig der Tyrannei unterordnen.

Besonders eine Wendung blieb in seinem Kopf hängen. Ein junger Deutscher, der sich den Nazis angeschlossen hatte, sagte ihm, dass sein primäres Motiv die Freiheit von der Freiheit sei.

Für diesen jungen Mann und für viele andere war es attraktiver die schwere Bürde von Verantwortung abzugeben. Aber dieser Impuls sorgte für viele Taten der Tyrannei und Brutalität, auf die die Welt hätte verzichten können.

Das Verlangen danach Verantwortung zu vermeiden kann oft überwältigend sein. Auf der anderen Seite gibt uns Verantwortung Macht. Wir sind keine Opfer, sondern die Schöpfer unseres eigenen Lebens. Das Gegenteil dieser Verantwortung ist erlernte Hilflosigkeit.

Erlernte Hilflosigkeit und Pessimismus- das Experiment

erlernte Hilflosigkeit

Erlernte Hilflosigkeit bezeichnet das Phänomen, dass Menschen und auch Tiere nach Erfahrungen der Hilflosigkeit ihr Verhalten selbst einengen und so destruktives und schädliches Verhalten nicht mehr abstellen und aufhören, obwohl sie es objektiv betrachtet, tun könnten.

Allen Angststörungen haben gemeinsam, dass die Personen ihre Angst nicht oder sehr schlecht kontrollieren können, was zu Hilflosigkeits- und zu Hoffnungslosigkeitführt. Diese sind laut Seligman sogar Ursache für Depressionen.

Seligman macht die fatalen Auswirkungen von erlernter Hilflosigkeit anhand eines richtungsweisenden Experiments deutlich.

Phase 1:

Während dieser Phase wird eine Gruppe von Hunden kurzen elektrischen Schocks ausgesetzt, welche sie durch die Betätigung eines kleinen Hebels verhindern können. Mit der Zeit lernen die Hunde, sofort nach Einsatz des Schocks diese Reaktion zu zeigen.

Eine zweite Gruppe von Hunden befindet sich in einer sogenannten Yoked-Bedingung, in der sie nicht die Möglichkeit haben den Schocks zu entkommen.Ihr Verhalten hat keinerlei Einfluss auf die Schocks.

Es gibt noch eine dritte Gruppe von Hunden, die als Kontrollgruppe eingesetzt wird. Sie erfährt jedoch keinerlei Schocks.

Phase 2:

Während dieser Phase werden alle drei Gruppen in einer Shuttle-Box trainiert. Eine Shuttle-Box besteht aus zwei identischen Boxen, die über einen Durchgang miteinander verbunden sind. Das Versuchstier wird in eine der beiden Boxen gesetzt und einem Schock ausgesetzt.

Die Hunde können diesem Schock nun einfach entgehen, indem sie in die andere Box wechseln.

Ergebnis:

Die erste Gruppe, welche in Phase 1 den Schock mit ihrem Verhalten beenden konnte, lernt schnell dem Schock im zu entgehen. Mit der Zeit lernen die Tiere durch einen vorzeitigen Wechsel gänzlich zu vermeiden.

Auch die Kontrollgruppe, die die erste Phase ohne Schocks erfuhr, demonstriert Vermeidungslernen und unterscheidet sich darin nur in der langsameren Lerngeschwindigkeit von der ersten Gruppe.

Die zweite Gruppe der Hunde jedoch, welche in Phase 1 Schocks unabhängig von ihrem Verhalten erfahren hatte,bleiben zum Großteil oft lethargisch in der Box liegen und lassen die Schocks über sich ergehen.

Sie haben gelernt hilflos zu sein, obwohl sie es nicht sind.



Die Hunde sind jedoch nicht passiv, weil sie gelernt haben, dass Passivität Freude bringt, den Schmerz wegnimmt und den Schock aufhören lässt, sondern weil sie geglaubt und gelernt haben, dass nichts, was sie tun können, etwas am Endresultat ändern könnte. Keine gute Geschichte, um sich selbst zu erzählen, wenn man in der Scheiße sitzt.

Option B Marionette der Umstände statt Widerstandsfähigkeit-

Opferrolle

Auch Option B klingt wenig ansprechend. Es ist der Gedanke, dass wir mit viel Glück und noch mehr Therapie vielleicht wieder zum Startpunkt zurückkommen. Das Problem an dieser Denkweise ist, dass wir immer noch in der Opferrolle sind und uns als Marionette der Umstände ansehen

Option C: Mentale Stärke trainieren durch Antifragilität

Nassim Taleb hat das Konzept der Antifragilität in seinem gleichnamigen Buch als fundamentales Gesetz der Natur und der Evolution festgestellt.

Während fragile Dinge unter Druck zerfallen, profitiert das Antifragile von Unbeständigkeit und Erschütterung. Wenn wir ein Paket mit einem Inhalt aus Glas versenden schreiben, wir in der Regel" Vorsicht Glas" drauf. Denn dieses muss behutsam transportiert werden, weil es zerbricht, sobald es starken Belastungen oder Erschütterungen ausgesetzt ist.

Fragilität ist ein leicht verständliches Konzept. Doch wenn wir versuchen uns das Gegenteil von Fragilität vorzustellen, tun wir uns schwer. Wie nennt man etwas das von Unbeständigkeit profitiert?

Man könnte annehmen, dass die Antwort "robust" sei. Obwohl ein robuster Gegenstand Erschütterung besser überstehen kann als ein fragiler Gegenstand, ist es keineswegs ein Gegenteil.

Er profitiert von misslichen Umständen nicht. Das, wonach wir suchen, ist etwas das man mit Absicht misshandeln würde und etwas, das man mit einem Paket mit der Aufschrift: " Bitte grob behandeln" verschickt.

Das Problem ist, dass in keiner der großen Weltsprachen ein entsprechendes Wort existiert. Daher gebrauchen wir um Dinge zu beschreiben, die von Erschütterung profitieren, an dieser Stelle das Wort "antifragil"

Ein gutes Beispiel für Antifragilität ist die Hydra aus der griechischen Mythologie. Die Hydra war dem Mythos nach eine vielköpfige Schlange, die der antiken Welt zu schaffen machte.

Wann immer ihr einer ihrer Köpfe abgeschlagen wurde, wuchsen an seiner Stelle zwei neue nach. Somit profitierte die Hydra von jeder Verletzung, die sie erfuhr und war damit antifragil.

 Hydra Antifragilität

Quelle: http://animal-dream.com

Genauso ist es zum Teil mit der menschlichen Widerstandsfähigkeit und der mentalen und emotionalen Stärke. Auch wenn wir kurzfristig unter einer Verletzung leiden, kommen wir stärker aus der Situation zurück. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass manchmal etwas zerstört werden muss, damit etwas Neues aufblüht.

Widerstandsfähigkeit ≠ Immunität gegen Schwierigkeiten und negative Emotionen

Es ist kein Zufall, dass eine Zeile von Hemingway wieder und wieder zitiert wird und so tief mit den Menschen räsoniert:

Die Welt zerbricht jeden und nachher sind viele an den gebrochenen Stellen stärker.- Ernest Hemingway

Viele Menschen denken, dass Widerstandsfähigkeit heißt, nach einer schweren Situation einfach wieder zu regenerieren oder Probleme an sich abprallen zu lassen. Doch damit verschweigen wir den unglaublichen Wert, den die Widerstandsfähigkeit gibt. Widerstandsfähigkeit gibt uns nämlich die Möglichkeit durch Schmerz zu wachsen und uns zu verbessern.

Resiliente Menschen finden also einen gesunden Weg diese harten Zeiten in ihr Leben zu integrieren. Es wird nämlich nie eine Zeit in unserem Leben geben, die frei von Veränderung und Herausforderungen ist. Widerstandsfähigkeit ist nicht die Fähigkeit Schmerzen zu ertragen. Widerstandsfähigkeit ist die Kraft und Geschwindigkeit unserer Reaktion auf Widerstände- und wir können sie ausbauen.

Ich behaupte nicht, dass die Hoffnung jeden Tag die Schmerzen überwiegen wird. Das wird sie nicht. Doch es gibt eine 3. Option: Die zeitlose Kunst: Schwierigkeiten zu Chancen zu machen, die uns die Stoiker lehren.

Widerstandsfähigkeit kommt aus der Dankbarkeit für das Gute in unserem Leben und von der Akzeptanz, dass es manchmal scheiße ist. Es kommt von der Art und Weise, wie wir Kummer verarbeiten.
Mittlerweile weiß die Psychologie, dass es etwas gibt, das sich posttraumatisches Wachstum nennt. Im Zuge der vernichtenden Schicksalsschläge können die Menschen größere Kraft und tieferen Sinn finden. Option A ( das Aufgeben) ist keine Wahl. Bei Option B ist der Weg zurück zum Ursprungszustand eine Qual . Doch Option C kann ein bedeutender Weg des Wachstums raus aus der Scheiße sein.

Es scheint schwer zu glauben, aber im Laufe der Zeit erleben viele Menschen, die schwere Krisen durchlebt haben ein posttraumatisches Wachstum.
Psychologen haben Hunderte von Menschen studiert, die alle Arten von Traumata erleiden mussten: Opfer von sexuellem Übergriffen und Missbrauch, Flüchtlinge und Kriegsgefangene und Überlebende von Unfällen, Naturkatastrophen, schweren Verletzungen und Krankheiten.

Einige dieser Menschen erlebten anhaltende Angst und Depression. Aber diejenigen, die Widerstandsfähigkeit entwickelt hatten und die passende Einstellung und mentale Stärke hatten konnten sogar in den schwierigsten Situationen des Lebens aufblühen. Andere schaffen es mit jahrelanger Therapie wieder zum Ursprungszustand zurück. Aber es gibt noch eine häufig missachtete dritte Möglichkeit:
Das persönliche Wachstum nach Zeiten des tiefen Schmerzes.

Viktor Frankl, der über mehrere Jahre in 3 verschiedenen Konzentrationslagern gefangen war und unfassbares Leid gesehen und erlebt hat, sagte:

Alles kann man einem Menschen nehmen, außer seine letzte Freiheit: in jeder Situation seine Einstellung zu wählen!

Wir alle müssen uns mit Verlust beschäftigen : Verlorene Arbeitsplätze , Verlorene Liebe, Verlorene Vertraute. Die Frage ist nicht, ob diese Dinge passieren werden. Sie werden passieren und gerade deshalb ist es ein riesiger Segen auf das Vermächtnis der Stoiker zurückgreifen zu können.

Gewählte Unbequemlichkeit als Möglichkeit um mentale Stärke zu trainieren

Widerstandfähigkeit

Der berühmte Stoiker Seneca war ein großer Befürworter sich mehrfach freiwillig in unbequeme Situationen zu bringen.

Er tat dies um zu erkennen, wie gut er es doch hat und dass die Dinge, mit denen wir so viel Zeit verschwenden und um die wir uns so sehr fürchten vollkommen belanglos sind.

Während andere sich beklagen, wenn sie 2 Stunden nichts gegessen haben, lernt Seneca sich einfach zu freuen, dass es überhaupt essen gibt und ist einfach glücklich und dankbar,dass er am Leben ist. Er übt im Vorhinein mit den Dingen, die er fürchtet (z.B. Armut),umzugehen, indem er sich kleinen Dosen freiwillig einer gewissen Ungemütlichkeit aussetzt.

Seneca schreibt:

Leg ein paar Tage ein, an denen du , zufrieden mit ganz geringer und billiger Nahrung, mit harter und rauer Kleidung, dir sagen kannst:" Ist das der Zustand, den ich so sehr gefürchtet habe?" Gerade in der Sorgenlosigkeit bereit sich die Seele auf Schweres vor und stärke sich gegen die Ungerechtigkeit des Schicksals. (...) Wer im Ernstfall nach deinem Willen nicht zittern soll, den musst du für den Ernstfall ausbilden.

Auch die Navy-Seals, die amerikanische Eliteeinheit übt mit Extremsituationen umzugehen um sich für den Ernstfall zu desensibilisieren.

Angst vor Ablehnung verlieren und mentale Stärke aufbauen

Wenn du dich wie Seneca und Epiktet systematisch auf das, was du fürchtest vorbereitetst: Was soll dir dann noch Angst machen ?

Für mich war die größte Angst immer die Angst vor sozialer Ablehnung. Neben meiner Podastepisode zu diesem Thema, trainiere ich das Ganze auch in meinem Leben.

Reden kann jeder. Es geht natürlich auch darum seine Angst zu überwinden und die Angst vor Ablehnung in der Realität zu konfrontieren.

Wie mache ich das zum Beispiel ? Ich gehe an Karneval mit einem Elefantenkostüm ins Fitnessstudio! War das unangenehm ? Das kannst du mir glauben! Aber nur so verlassen wir unsere Komfortzone und wachsen über uns hinaus.

Hier der Fotobeweis:

Stoische Ruhe und die Verbindung zur Fähigkeit mentale Stärke zu trainieren

Auch wenn es viele Mythen um die Stoiker gibt und gesagt wird, dass sie ein emotionsloses Leben predigen, muss man aufpassen die Mythen nicht blind zu glauben. Stoizismus hat eine Reihe von extrem wirksamen Techniken, um die wahre und langanhaltende Erfüllung im Leben zu bekommen.

Immer wenn ich mich dazu entschieden habe, stoische Prinzipien in mein Leben zu integrieren, habe ich eine unfassbare Dankbarkeit in meinem Leben gespürt und nichts mehr als gegeben angenommen.

Diese Technik ist eine Möglichkeit seine Komfortzone zu erweitern und dankbarer für sein Leben zu sein.

Moderne Leser erkennen eventuell einen gewissen Masochismus in der stoischen Lehre. Es geht jedoch eigentlich um das Gegenteil. Sie führen das Ganze nicht aus um sich selbst zu bestrafen, sondern um die Dankbarkeit und Freude im Leben anzuheben.

Die Stoiker haben einen gewissen Grad an Unbequemlichkeit sogar wertgeschätzt, weil sie wussten, dass sie daran wachsen würden.

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker !

Eine Person, die es lernt mit kleinem Unbehagen umzugehen, entwickelt auch das Selbstbewusstsein mit den größeren Herausforderungen des Lebens umgehen zu können und hat die Möglichkeit mentale Stärke zu trainieren.

Beispiele der gewählten Unbequemlichkeit um die mentale Stärke und Widerstandsfähigkeit zu trainieren

Mentale Stärke kann beispielsweise durch diese Dinge trainiert werden:

  • Frühstück auslassen und Intermittent fasting(hat zusätzlich noch gesundheitliche Vorteile
  • Kalt duschen (hat ebenfalls viele gesundheitliche Vorteile
  • Senecas Vorschlag: auf hartem Untergrund schlafen
  • Senecas Vorschlag: ein paar Tage nur günstige und monotone Nahrung zu sich führen- Reis und Bohnen

  • Kannst du dir vorstellen, wie überragend dein Essen schmeckt, wenn du wieder zu deinen alten Essgewohnheiten zurückkehrst oder wie weich, warm und kuschelig dein Bett ist ?

    Negative Visualisierung zum Aufbau von Widerstandsfähigkeit

    In den Tiefen des Winters habe ich endlich gelernt, dass in mir ein nie endender Sommer lag.
    -ALBERT CAMUS

    Aber egal, wie sehr wir versuchen zu verhindern, dass schlechte Dinge von uns passieren, irgendwann wird es passieren. Deshlb bereiten sich die Stoiker systematisch darauf vor.

    Wir Menschen sind zum großen Teil unglücklich, weil wir unersättlich sind. Nachdem wir hart gearbeitet haben, um zu bekommen, was wir wollen, verlieren wir routinemäßig das Interesse an dem Gegenstand unseres Wunsches. Anstatt uns zufrieden zu fühlen, fühlen wir uns nicht erfüllt und streben nach immer größeren Wünschen.

    Hedonistische Anpassung

    hedonistische anpassung

    Bildquelle: medium.com

    Kannst du dich an eine Zeit erinnern, in der du über eine Sache fantasiert hast und darüber geträumt hast, aber zum Zeitpunkt, als du es bekommen hast,warst du lange nicht so glücklich, wie du gedacht hättest und die Emotion war lange nicht so intensiv, wie gedacht ?

    Erinnere dich beispielsweise an ein Geschenk aus der Kindheit, das du unbedingt haben woltest. aber dann als du es bekommen hast, ignoriert hast. Warum passiert das ?
    Unter der hedonistischen Tretmühle auch bekannt als hedonistische Adaption versteht man die Tendenz der Menschen nach einem stark positiven oder negativen Ereignis relativ schnell wieder zu einem stabilen Glückslevel zurückzukehren.

    Das Glück relativ zu sein scheint, ist eine uralte Annahme. Doch trotz der Bedeutung dieser Aussage für die Philosophie und die Gesellschaft gab es keine empirischen Studien zu diesem Thema bis zum 20. Jahrhundert. Im Jahr 1978 haben Brickman, Coates & Janoff-Bulman eine Studie durchgeführt, um die Annahme zu prüfen, dass bedeutsame Ereignisse langfristig geringe Effekte auf das subjektive Glück haben.

    Um diese Annahme zu testen, wurden diverse Studien durchgeführt. In der Studie verglichen sie das Glück von drei Gruppen: eine Gruppe von Lotteriegewinner, eine Gruppe von Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden und einer Kontrollgruppe.

    Die Stichprobe bestand aus drei Gruppen: 22 Lotteriegewinner, 18 gelähmte Menschen und 22 Personen aus einer Kontrollgruppe. Mit allen Versuchsteilnehmern wurden Kurzinterviews durchgeführt. Das Ziel war, das jetzige, das vergangene und das erwartete Glück, sowie die empfundene Freude bei alltäglichen Aktivitäten zu erfassen. Dafür wurde einer 6-Punkte-Skala benützt, wobei 0 der niedrigste und 5 der höchste Wert war. Die Zeit zwischen dem Interview und dem kritischen Ereignis (Lotteriegewinn bzw. Unfall) betrug zwischen einem Monat und einem Jahr.

    Schlussfolgerungen aus den Studien von Brickman, Coates & Janoff-Bulman

    Sie kamen zu drei Schlussfolgerungen:

  • Lotteriegewinner haben weniger Freude an alltäglichen Ereignissen als die Kontrollgruppe.
  • Dieser Effekt kann durch „Adaptations-Niveau-Theorie“ von H. Helson erklärt werden und führt zu der überraschende Tatsache, dass Lotteriegewinner in der Regel nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht in der Lotterie gewonnen haben.

  • Das Glückslevel nach einmal sehr starken Einzelereignis sprang wieder auf den zuvor bestehenden Ursprungszustand zurück
  • Die insgesamt positive oder negative Auswirkung eines einzigen positiven oder negativen Ereignisses sollte nicht überschätzt werden.
  • Auch wenn es ein kurzfristiges Hoch in den Glücksgefühlen ist, wird es wieder zum ursprünglichen Setpoint zurückspringen. Egal ob du ein neues Haus kaufst, den Job verlierst, einen Unfall erleidest oder Geld im Lotto gewinnst, nach kurzer Zeit kehrt man wieder zu diesem Setpoint zurück.

    Es ist zwar schade, dass wir durch mehr Wohlstand nicht glücklicher werden, aber viel wertvoller ist eigentlich die Tatsache, dass diese hedonistische Anpassung als Auffangnetz für schlechte Zeiten sehr hilfreich ist. Unser Körper ist ein echtes Wunderwerk, wenn es darum geht uns an neue und schwierige Situationen anzupassen.

    Du wirst vielleicht sagen: Dominique, für diese Regel gibt es doch bestimmt Ausnahmen. Du hast dich Recht. Es gibt ein Einzelereignis, das das Glückslevel eines Menschen empirisch belegt langfristig anheben kann: Brustvergrößerungen bei Frauen. Ich weiß nicht, warum, aber laut Studien ist das der Fall. Kein Spaß: Es gibt tatsächlich Studien dazu.

    Negative Visualisierung, um Widerstandsfähigkeit aufzubauen

    Widerstandsfähigkeit

    Dank der hedonischen Anpassung fangen wir an selbst das Leben unser Träume für selbstverständlich zu nehmen. Anstatt unsere Tage damit zu verbringen, unser Glück zu genießen, verbringen wir sie, um uns mit der nie endenden Suche nach mehr zu quälen. Infolgedessen sind wir mit unserem Leben nie zufrieden. Negative Visualisierung kann uns helfen, dieses Schicksal zu vermeiden.

    Einige Gurus des positiven Denkens fallen jetzt aus allen Wolken und glauben, dass man sich verbieten muss einmal negative Dinge zu denken und dass die Stoiker, weil sie das Worst-Case-Szenario in Betracht ziehen, zum Pessimismus neigen würden. Im Gegenteil: Stoiker schöpfen daraus eine Menge an Erfüllung.

    Normalerweise kennzeichnen wir einen Optimisten als jemanden, der sein Glas als halb voll und nicht halb leer sieht. Für einen Stoiker wäre dieser Optimismus nur ein Ausgangspunkt. Nachdem er seine Wertschätzung ausgesprochen hat, dass sein Glas halb voll ist, anstatt völlig leer zu sein, wird er sich noch einmal betonen: Es könnte doch kaputt oder gestohlen werden.

    Das klingt zunächst ein bisschen kontraintuitiv klingen, aber für jemandem, der seine Freude und Dankbarkeit nicht verloren hat, ist die Welt ein wunderbarer Ort. Hedonistische Anpassung hat die Kraft unseren Genuss und unsere Dankbarkeit für das Leben auszulöschen. Wegen der Anpassung halten wir unser Leben und alles darin für selbstverständlich, anstatt uns daran zu erfreuen.

    Negative Visualisierung ist jedoch ein starkes Gegenmittel gegen die hedonische Anpassung. Indem wir uns bewusst über den Verlust von dem, was wir haben, nachdenken, können wir unsere Wertschätzung dafür wiedererlangen, und mit dieser wiedergewonnenen Wertschätzung können wir unsere Fähigkeit zur Freude wiederbeleben.

    Sie besteht darin während des Tages in regelmäßigen Abständen zu pausieren, um darüber nachzudenken, dass wir nicht ewig leben werden und deshalb dieser Tag unser letzter sein könnte. Solche Reflexion verwandelt uns nicht in Hedonisten, sondern lässt uns wertschätzen, wie wunderbar es ist, dass wir am Leben sind und die Gelegenheit haben, diesen Tag mit Aktivität zu füllen.

    Ein Grund, warum Kinder so frei und glücklich sind, ist, weil sie fast nichts als selbstverständlich ansehen. Für sie ist die Welt wunderbar neu und überraschend. Aber häufig verlieren wir diese Gabe und Träumer, die Welt um sie herum mit Freude annehmen, werden für verrückt erklärt, während viele stolz auf die Unfähigkeit sind Glück in den Alltagsmomenten zu finden.

    Klar können wir den wunderschönen Sonnenuntergang ignorieren, der vor unserem Fenster aufflammt, um uns bitterlich über das Wetter oder die deutsche Bahn oder dass im Fernsehen nichts läuft zu beklagen. Negative Visualisierung ist daher ein wunderbarer Weg, um unsere Wertschätzung des Lebens und damit unsere Fähigkeit zur Freude wiederzuerlangen, weil wir uns unser Vergänglichkeit bewusst sind.

    Wir analysieren unsere Umstände nicht in Bezug auf das, was uns fehlt, sondern in Bezug darauf, wie viel wir haben. Es wird ein letztes Mal geben das wir das Geräusch von Fußstapfen im Schnee hören werden, den Mond beobachten werden, Sex haben werden oder die Wärme eines Kindes oder des Partners oder der Partnerin fühlen werden.

    Irgendwann wird es der letzte Atemzug sein. Ich lehne es ab ein ungelebtes Leben voller selbst erzeugter Qual zu sterben und nehme das Leben lieber als das Geschenk an, das es ist. Was ist mit dir ?

    Übung #1 zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit: Negative Visualisierung

    negative visualisierung

    Das Unglück wiegt am schwersten auf diejenigen, die nichts als Glück erwarten.- Seneca

  • 1) Du analysierst die Situation ohne Angst, offen und ehrlich, und überlegst, was die schlimmste Folge sein könnte.
  • 2) Nachdem du dir die schlimmst möglichsten Folgen klar gemacht hast, kannst du beschließen , dich gegebenenfalls damit abzufinden.
  • Auf einer Skala von 1-10 sind die meisten unser "Probleme" meistens nur eine 5 und wenn du in Deutschland lebst, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du nicht an Hunger und Unterernährung stirbst.

  • 3) Was könntest du tun, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und die schlimmstmöglichen Folgen, die du geistig bereits akzeptiert hast, abzumildern und wieder zurück zur Ursprungssituation zurück zu kehren?
  • 4) Was ist das realistische Endresultat aus der Situation ? Ist es WIRKLICH so wahrscheinlich, dass das allerschlimmste eintritt ? Visualisiere die realistische Situation in der Zukunft !
  • 5) Was ist, wenn du die schweren Zeiten sogar gut überstehst? Was ist wenn du sie nicht nur gut überstehst, sondern dadurch als Persönlichkeit mental unerschütterlich wirst und ein ungeahntes Glückslevel erreichst ?

  • So hat man mit dieser Form der Visualisierung die Möglichkeit, seine aktuelle Situation wert zu schätzen und als nicht selbstverständlich zu erkennen.Es ist eben nicht selbstverständlich, dass wir in Deutschland leben, gesund sind, Familie haben, lesen und schreiben können usw. Allzu oft vergessen wir das. Diese Übung dagegen holt uns wieder zurück ins „Hier und Jetzt".

    Übe. Bereite dich mental darauf vor. Stell dir vor, wie du die Schwierigkeit überwindest. Unser menschlicher Verstand ist Millionen von Jahren darauf konditioniert nur das Negative zu finden .

    Widerstandsfähigkeit und die Frage nach Kontrolle

    Du weißt, dass ich nicht der größte Fan der Bibel bin, aber an dieser Stelle trifft diese den Nagel auf den Kopf :

    Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

    Auch wenn wir nicht verantwortlich für die Dinge sind, die uns passieren, sind wir verantwortlich dafür, wie wir darauf antworten und damit umgehen.

    Die letzte Freiheit des Menschen – seine Haltung in jeder Situation selbst zu wählen-Viktor Frankl

    UNSERE WICHTIGSTE WAHL im Leben, nach Epiktet, ist, ob wir uns mit Dingen beschäftigen, die außerhalb von uns oder innerhalb von uns sind.
    Indem Epiktet uns diesen Rat anbietet, dreht er die normale Logik der Wunscherfüllung auf den Kopf. Wenn wir die meisten Leute fragen, wie sie glücklich werden können, werden sie sagen, dass sie hart dafür arbeiten müssen, um es zu bekommen.

    Wenn sie alles erreicht haben, dann werden sie endlich Frieden, Erfüllung und Glück finden. Aber wie Epiktet schon wusste, macht uns die hedonistische Anpassung einen strich durch die Rechnung.

    Während die meisten Menschen versuchen, Zufriedenheit zu erlangen, indem sie die Welt um sie herum verändern, empfiehlt Epiktet uns, Zufriedenheit zu erlangen, indem wir uns ändern - genauer gesagt, indem wir unseren internen Locus der Kontrolle ändern. Und er steht nicht mit diesem Ratschlag. In der Tat ist es der Ratschlag, der von praktisch jedem Philosophen und religiösen Denker gegeben wird, der über das menschliche Verlangen und die Ursachen der menschlichen Unzufriedenheit reflektiert hat.

    Sie stimmen überein, dass es einfacher ist deine eigenen Einstellungen zu kontrollieren als die Welt um dich zu verändern zu wollen. Wir werden unbesiegbar, wenn wir beginnen das zu lieben, was ist.

    Du kannst zwar nicht kontrollieren, ob und welche Emotionen hochkommen, aber du kannst lernen nicht langfristig unter ihnen leiden zu müssen.

  • Deine Perspektive und Einstellung
  • Deine Entschlossenheit und deine Entscheidungen

  • Das ist dein Spielfeld- dein Raum der Kontrolle. Hier ist alles ein faires Spiel und niemand kann dir dazwischen funken. Du erkennst, wie viel Kontrolle du hast, oder ? Wir müssen nur eine mentale Unterscheidung in Bezug auf die Wahrnehmung machen, wie die Stoiker sagen : Dinge, die wir kontrollieren können und Dinge, die wir nicht kontrollieren können.

    hedonistische Anpassung

    Der Kreis schließt sich

    So liegt die Entscheidung auch in deiner Hand. Resignierst du, lernst du hilflos zu sein, gibst du dich auf und oder übernimmst du volle Kontrolle und Verantwortung für deine Situation und wächst durch den Rückschlag. Die Person, die du werden wirst, wird dich auffangen, wenn du fällst. Sie können dich schlagen, sie können dich treten, sie können dir alles nehmen- außer einer einzigen Sache: Die Einstellung und die Bewertung zu der Niederlage, die du gerade erleidest.

     Hydra Antifragilität

    Quelle: http://animal-dream.com

    Als Stoiker sind wir wie die Hydra. Wenn uns ein Kopf abgeschlagen wird, wachsen uns 2 neue. Auch wenn wir kurzfristig unter einer Verletzung leiden, kommen wir stärker aus der Situation zurück. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass manchmal etwas zerstört werden muss, damit etwas Neues aufblüht.

    Also lass uns die Definition des Erfolgs ändern . Erfolg heißt nicht niemals einen Rückschlag zu erleben. Erfolg ist Seelenfrieden- ein direktes Ergebnis der Selbstzufriedenheit aus der Erkenntnis, dass du dein Bestes gegeben hast, um die beste Person zu werden, die du sein kannst.

    Ehrgeiz bedeutet das Klammern deines Wohlbefindens an das, was andere Leute sagen oder tun. . . Vernunft bedeutet es an deine eigenen Handlungen zu binden. - Marcus Aurelius

    Natürlich wird Dankbarkeit und die Chance des Wachstums nicht immer der erste und primäre Gedanke in Extremsituationen sein, aber es kann ein guter Anker sein, wenn der Sturm und die Wellen Überhand nehmen. Es wird auch Tage geben, an denen wir die dunkle Seite sehen, aber denk daran: Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht !

    3 Comments

    1. […] New- Age- Technik des positiven Denkens, sondern die Erkenntnis, dass wir uns auch aus der tiefsten Scheiße befreien können und auch darin noch einen Sinn erkennen können. Das ist, was mich an der Dankbarkeit am […]

    2. […] Einflüssen ( wie im Stanford Prison Experiment) zu widerstehen und gleichzeitig die persönliche Widerstandsfähigkeit zu […]

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