Radikale Akzeptanz der Realität : Die Auflösung deiner inneren Zerrissenheit

Eines der wahrscheinlich interessantesten Widersprüche unserer Welt ist es, dass vor der Veränderung immer die radikale Akzeptanz (besonders die radikale Selbstakzeptanz) kommt. Aber bevor ich erkläre, wie das zustande kommt, möchte ich dir eine Geschichte erzählen.

Achtung: Radikale Akzeptanz ist ein fortgeschrittenes Konzept, das eine gewisse Achtsamkeit und ein wenig Training fordert. Wenn du nicht bereit bist deinen Verstand darauf zu trainieren nicht dem inneren Kritiker zu glauben, der für eine Menge Leid verantwortlich ist, dann ist dieser Beitrag nichts für dich. Denn „radikale Akzeptanz“ ist ein aktiver (!!!) Prozess des Trainings und kein Quickfix. Radikale Akzeptanz ist aber auch nicht nur ein Konzept, das ich mir aus dem Hut gezogen habe, sondern fester Bestandteil der sogenannten ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie)

Eine Geschichte über radikale Akzeptanz

mohini zoo tiger

Mohini war ein königlicher weißer Tiger, der seit vielen Jahren im Washington, D.C. National Zoo lebte. Für die meisten dieser Jahre war ihr Zuhause im alten Löwenhaus - ein typischer Käfig mit Eisenstangen und Zementboden. Mohini verbrachte ihre Tage unruhig in ihrem engen Quartier und schlich von einer Seite zu anderen Seite des Käfigs. Hin und her.

Schließlich arbeiteten Biologen und Mitarbeiter zusammen, um einen natürlichen Lebensraum für sie zu schaffen. Das neue Gehege umfasste mehrere Hektar, es hatte Hügel, Bäume, einen Teich und eine Variation an Vegetation. Mit Aufregung und Vorfreude entließen sie Mohini in ihre neue und Umgebung. Aber es war zu spät. Der Tiger suchte sofort Zuflucht in einer Ecke, wo sie für den Rest ihres Lebens lebte und sich im Umkreis von wenigen Metern bewegte. Hin und her.

Das ist vielleicht ist die größte Tragödie im Leben vieler Menschen: Die Tatsache, dass Freiheit möglich ist, aber wir in den gleichen alten Mustern gefangen sind. Verstrickt in die Trance und dem Glauben, dass wir nicht genug sind, gewöhnen wir uns daran mit der Selbstverurteilung, der Angst, der Unruhe und der Unzufriedenheit zu leben.

Wie Mohini, wachsen wir auf- mit Freiheit und Frieden, die uns jederzeit zu Verfügung stehen. Doch jeden Tag hören wir auf innere Stimmen, die unser Leben klein halten.

Steinzeit höhlenmenschen

Doch bevor ich dir sage, wie radikale Akzeptanz dir helfen kann, muss ich kurz ausholen: Was sind unsere wesentlichen Bedürfnisse, um zu überleben und zu reproduzieren?

Essen, Wasser, Obdach und Sex, aber nichts von diesen Dingen bedeutet viel, wenn du tot bist. Also war die Priorität Nummer eins evolutionär gesehen, auf alles zu schauen, was dir schaden könnte und es zu vermeiden! Je besser unsere evolutionären Vorfahren darin wurden, desto länger lebten sie und desto mehr konnten sie sich reproduzieren.

Mit jeder Generation wurde der menschliche Verstand zunehmend geschickter, um die Gefahr vorherzusagen und zu vermeiden. Und jetzt, nach hunderttausend Jahren der Evolution, ist das moderne Gehirn immer noch auf der Suche nach Schwierigkeiten. Es beurteilt und bewertet fast alles, was wir jeden Tag erleben: Ist das gut oder schlecht? Sicher oder gefährlich ? Schädlich oder hilfreich? In den heutigen Tagen sind es aber keine Säbelzahntiger oder 200 Kilogramm Wölfe, vor denen uns unser Verstand warnt.

Stattdessen es die Angst unsere Arbeit zu verlieren, abgelehnt zu werden, den Zug zu verpassen, nicht in der Lage zu sein die Rechnungen zu bezahlen oder irgendeine von einer Million Sorgen. Infolgedessen verbringen wir viel Zeit damit, uns Sorgen zu machen, die niemals passieren.

Ein weiteres wesentliches Bedürfnis für das Überleben eines Steinzeitmenschen ist es zu einer sozialen Gruppe zu gehören. Wenn dein Clan dich ausstößt, wird es nicht lange dauern, bis die Wölfe dich finden. Also, wie sorgt der Verstand dafür dich vor Ablehnung durch die Gruppe zu schützen? Durch den Vergleich mit anderen Mitgliedern des Clans: Passe ich ins Muster? Mache ich das „Richtige „? Leiste ich genug Beitrag? Bin ich so gut, wie die anderen? Mache ich etwas, das dafür sorgt, dass ich abgelehnt werden könnte?

Klingt bekannt, oder? Unsere heutigen Gehirne warnen uns immer wieder vor Ablehnung und vergleichen uns mit dem Rest der Gesellschaft. Kein Wunder, dass wir so viel Energie damit verbringen, um uns Sorgen zu machen, ob wir anderen gefallen werden! Vor hunderttausend Jahren hatten wir nur die wenigen Mitglieder unseres unmittelbaren Clans, um uns zu vergleichen.

Aber in diesen Tagen können wir jede Zeitung oder Zeitschrift öffnen, jeden Fernseher einschalten, einen Podcast einschalten und sofort eine ganze Reihe von Leuten finden, die schlauer, reicher, größer, schlanker, sexier, stärker, mächtiger, berühmter oder erfolgreicher sind als wir.

Was ist der schnellste Weg, um ein Teenager-Mädchen zu deprimieren? Zeig ihr eine Modezeitschrift. Wenn sie sich mit all den digital veränderten Supermodeln vergleicht, ist es beinahe garantiert, dass sie sich minderwertig oder geradezu unattraktiv fühlt. Und der Rest von uns ist nicht so anders. Dank der Evolution können unsere Gehirne immer nach Gefahren suchen und so finden wir auch immer etwas an das der Verstand sich haften kann!

So hat die Evolution unseren Verstand geformt, so dass wir fast zwangsläufig dazu bestimmt sind, psychologisch zu leiden: zu vergleichen, zu bewerten und zu kritisieren, uns darauf zu konzentrieren, was uns fehlt und uns alle möglichen erschreckenden Szenarien vorzustellen, von denen die meisten niemals passieren werden. Kein Wunder, dass die Menschen es schwer finden, glücklich zu sein!

Ich will dich gar nicht anlügen. Die Realität ist: Das Leben beinhaltet Schmerzen. Die gute Nachricht ist, dass, obwohl wir Schmerzen nicht vermeiden können, lernen können, viel besser damit umzugehen. Eine der mächtigsten Waffen, die wir dafür haben, ist radikale Akzeptanz.

Radikale Akzeptanz und der Fight or flight-Mechanismus

Hast du jemals einen dieser alten Filme gesehen, wo der Bösewicht im Treibsand stecken bleibt und je mehr er kämpft, desto schneller zieht es ihn nach unten? Hier noch ein kleiner Survivaltipp am Rande 😛 .Wenn du jemals im Treibsand stecken bleiben solltest, ist der Kampf dagegen und das wilde Austreten das Schlimmste, was wir tun können.

Was du tun musst, ist es dich zurückzulegen, deine Arme auszubreiten und so still wie möglich auf der Oberfläche schwimmend zu liegen. Dann musst du einfach wie in den Westernfilmen nach deinem Pferd pfeifen, das kommt, um dich zu retten! In dieser Situation ist es schwierig, weil jeder Instinkt dir sagt, dass du versuchen willst zu entkommen. Aber wenn du nicht aufhörst zu kämpfen, wird der Sand immer dichter und härter. Sicher ist es nicht gerade lustig still auf dem Treibsand zu liegen, aber es bewahrt dich vor dem Tod!

Das gleiche Prinzip gilt für schwierige Gefühle: Je mehr wir versuchen, sie zu bekämpfen oder sie von uns wegzuschieben, desto mehr ersticken sie uns. Aber warum sollte das so sein?
Nun, stell dir vor, dass du bei deinem Verstand einen Schalter. Wenn er eingeschaltet ist, bedeutet das, dass wir gegen irgendeinen körperlichen oder emotionalen Schmerz kämpfen werden, der unseren Weg kreuzt. Was auch immer wir erleben, wir werden versuchen, es loszuwerden oder zu vermeiden.

Stress

Wenn wir mit Hindernissen konfrontiert sind, reagiert unser limbisches System über, das unter anderem für den sogenannten Fight or Flight-Modus verantwortlich ist. Dieser Fight or Flight-Modus ist ein alter Überlebensmechanismus, der eine enorme Stressreaktion in unserem Körper auslöst. In diesem stellt sich der gesamte Organismus auf eine neue Situation mit den beiden Optionen Kampf oder Flucht ein.
Stresshorme wie Cortisol sind nicht unbedingt etwas, das wir unserem Körper langfristig antun wollen.Zusätzlich wird auch dein Atem deutlich schneller- eine automatische Reaktion deines Körpers. Kurz gesagt: Wir fokussieren uns nur auf die Angst und blenden den Rest der Welt aus.

Und evolutionär gesehen funktioniert das klasse. Wenn du vor einem Fressfeind fliehen müsstest, wären das die richtigen Maßnahmen, um deinen Arsch zu retten. Aber hier das Problem: Wir haben eine Menge moderner Wege gefunden um Angst zu haben. Diese sind jedoch meist irrational, weil sie unser Überleben nicht bedrohen. Unser Gehirn macht da keinen Unterschied zwischen sozialer Angst und Überlebensangst.

Warum haben wir beispielsweise Angst öffentlich vor einer Gruppe zu sprechen? Weil es unser Überleben bedroht? Unwahrscheinlich ! Du merkst: Kampf oder Flucht sind im Fall der Emotionen nicht dies beste Strategie, weil wir sie damit nur unterdrücken.

Die versteckten Kosten der Emotionsunterdrückung

Emotionsunterdrückung

Die Unterdrückung unser Emotionen geht mit massiven Kosten für unser psychologisches Wohlergehen einher, wie Psychologen wie Carl Rogers und Nathaniel Branden gezeigt haben. Besonders Nathaniel zeigt, wie wie wir unser Selbstwertgefühl langfristig schädigen, wenn wir unsere Gefühle verleugnen.

Wenn der Perfektionist seine Emotionen ablehnt, nicht nur, indem er sich weigert, sie auszudrücken, sondern auch, indem er sich weigert, sie zu erleben, verschärfen sich diese Emotionen.

Ich lade dich einfach einmal ein das folgende Experiment durchzuführen: Denke für die nächsten zehn Sekunden nicht an ein grünes Zebra. Bitte denke unter keinen Umständen an ein grünes Zebra. Aller Wahrscheinlichkeit nach konntest du kaum aufhören, über das grüne Zebra nachzudenken. Doch nach einer Weile verschwindet der Gedanke natürlich - genauso wie es jeder Gedanke schließlich tut.

Nicht umsonst haben die Buddhisten den Vergleich mit einer Wolke. Er zieht einfach vorbei. Der Versuch, einen Gedanken aktiv zu unterdrücken, ihn zu bekämpfen und zu blockieren, hält ihn frisch und intensiv. Nur weil du die Gewitterwolke nicht sehen willst, ist sie trotzdem noch da.

Radikale Akzeptanz ist Voraussetzung für ein gesundes emotionales Leben. Wenn wir unsere Emotionen annehmen, wenn wir alles, was menschlich an uns ist, willkommen heißen, öffnen wir einen Raum, in dem wir uns selbst annehmen können. Wenn ich mich weigere zu akzeptieren, dass ich wütend oder enttäuscht bin, nachdem ich einen Fehler gemacht habe, unterdrücke ich meine Fähigkeit, Freude zu erleben, wenn mir etwas Gutes passiert.

Wenn ich meinen Zorn gegen einen Partner oder einen Freund nicht anerkenne, beschränke ich meine Fähigkeit, zu lieben. Wenn ich meine Angst ablehne, ersticke ich meinen Mut. Wenn ich mir nicht die Erlaubnis gebe Neid zu erleben, untergrabe ich meine Großzügigkeit. In den Worten des Psychologen Abraham Maslow: Indem er sich gegen die Hölle in sich selbst schützt, schneidet er sich auch vom Himmel ab."

Viele Hedonisten glauben, dass sie Glück erhalten, indem sie ausschließlich Dinge machen, die Spaß machen und von spaßiger Aktivität zu spaßiger Aktivität springen ohne den tieferen Sinn dahinter zu suchen. Aber es ist eine Täuschung, weil die Summe unserer Momentaufnahmen der Gefühle sich als ein sehr fehlerhafter Maßstab erweist, wie wir eine Episode, einen Film, einen Urlaub oder ein ganzes Leben beurteilen.

Angenommen, man könnte an eine hypothetischen Maschine angeschlossen werden, die für den Rest deines Lebens dein Gehirn anregen, würde alle positiven Gefühle zu erleben, die du dir wünschst. Die meisten Leute, denen ich diese imaginäre Wahl anbiete, verweigern die Maschine. Es sind nicht nur positive Gefühle, die wir wollen, wir wollen sie uns (laut heutigem Wissenschaftsverständnis nach Martin Seligman ) verdienen. Obwohl wir regelmäßig die uns zur Verfügung stehenden Shortcuts nutzen könnten, wie Alkohol, Schokolade, Einkaufen, Masturbation und Fernsehen, ergeben sie nicht das vollständige Bild.

Wir wollen gar kein Strom von ausschließlich positiven Emotionen. Wir wollen Bedeutung und ein tieferes Glück in unserem Leben. Das beste Beispiel siehst du bei gewissen Sportarten, wie dem Kraftsport oder dem Joggen. Die Hantel ist schwer und die Füße schmerzen und trotzdem setzen wir uns wieder und wieder freiwillig diesen Schmerzen aus, weil sie kein Leid für uns bedeuten, sondern wir sogar Erfüllung in ihnen finden.

Wann immer wir eine schmerzliche Emotion unterdrücken, so werden wir einen Preis zahlen. Schmerzhafte Gefühle sind genauso ein Teil der menschlichen Natur, wie das Gesetz der Schwerkraft Teil der physischen Natur ist und doch versuchen die meisten Menschen alles um das nicht akzeptieren zu müssen.

Würdest du ein Flugzeug kaufen, das von einem Ingenieur entworfen wurde, der die Gesetze der Natur nicht akzeptiert? Warum wenden wir nicht die gleichen Standards für unser Leben und unser Mindset an ? Warum wollen wir eine Illusion glauben, die die Basis allen Leidens ist, wenn unser eigenes Glück auf dem Spiel steht?

Was uns über Selbstkontrolle unser Emotionen erzählt wird

Von einem jungen Alter an werden wir gelehrt, dass wir unsere Gefühle immer und zu jeder Zeit kontrollieren müssen. Als du aufgewachsen bist, hast du wahrscheinlich eine Vielzahl von Ausdrücken gehört wie: "Hör auf zu heulen!„Hör auf dich selbst zu bemitleiden.“, „Es gibt keinen Grund zur Sorge, es gibt keine Notwendigkeit, Angst zu haben.“

Mit solchen Worten schickten die Erwachsenen um uns herum uns immer wieder die Botschaft, dass wir in der Lage sein müssen unsere Gefühle kontrollieren können. Und so schien es für uns, als ob sie ihre Emotionen auf Knopfdruck kontrollieren können.

Aber was ist bei ihnen hinter verschlossenen Türen passiert? Aller Wahrscheinlichkeit nach waren viele dieser Erwachsenen selbst nicht gut darin mit ihren eigenen Emotionen umzugehen. Auch wenn die Leute um uns herum auf der Oberfläche Meister ihrer Emotionen zu sein scheinen, ist das nicht immer die Realität.

Aber "scheinen" ist das Schlüsselwort an dieser Stelle. Die Tatsache ist, dass die meisten Menschen nicht offen oder ehrlich über den Kampf sind, den sie mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen durchmachen. Sie setzen eine Maske auf. Sie sind wie der sprichwörtliche Clown, der auf der Innenseite weint. Wir sehen jedoch nur die Schminke, die das wahre Gesicht verdeckt.

Radikale Akzeptanz- Was heißt das eigentlich und was heißt es nicht ?

Ich erinnere im Coaching immer gerne daran, dass radikal von dem lateinischen Wort "radix" abgeleitet wird, was so viel wie "Wurzel oder den Ursprung" bedeute. Radikale Akzeptanz ermöglicht es uns, zur Wurzel unserer Persönlichkeit zurückzukehren. Bei radikaler Akzeptanz geht es nicht um oberflächliche Symptombehandlung sondern das, was unseren Verstand beunruhigt an der Wurzel packen und zu schauen, wo der destruktive Gedankenstrom herkommt.

radikale Akzeptanz

Akzeptanz bedeutet nicht, dass man alles toleriert. "Accipere" ist dagegen das lateinische Wort für " annehmen" und heißt, dass wir das annehmen, was uns anboten wird." Es bedeutet nicht, aufzugeben oder eine Niederlage einzugestehen oder die Zähne zusammen zu beißen und es zu ertragen. Nämlich denk daran: Leiden entsteht nur, wenn du dich gegen das wendest und das von dir wegschiebst, was aktuell die Realität ist. Aber was, wenn du dein Leben verbessern willst und nicht nur so akzeptieren möchtest, wie es ist? Das ist der ganze Zweck dieses Beitrags. Aber der effektivste Weg, um Veränderungen in deinem Leben zu schaffen, ist, durch radikale Akzeptanz.

Radikale Akzeptanz- Das Paradoxon

paradox

Es scheint, dass sehr wenige gute Dinge im Leben von unserer radikalen Akzeptanz der Gegenwart kommen, so wie es ist. Vielleicht ist es deshalb so kontraintuitiv und wir hinterfragen die These der radikalen Akzeptanz zunächst. Um gebildet zu sein, müssen wir motiviert sein zu lernen. Um einen Sport zu beherrschen, müssen wir unsere Leistung kontinuierlich verbessern und unseren Widerstand gegen körperliche Anstrengung überwinden. Um ein besserer Partner oder Elternteil zu sein, müssen wir oft Anstrengung auf uns nehmen.

Und doch ist es wahr, dass die Meditation eine radikale Akzeptanz von dem erfordert, was in der Gegenwart gegeben ist- selbst in Zeiten des Schmerzes. Selbst beim Tippen dieser Worte klingt es falsch das Ganze so einfach zu beschreiben, aber die Wissenschaft und tausende Praktizierende der radikalen Akzeptanz sind, sind sich einig: Der Weg zum geistigen Frieden kann in einem einzigen Schritt durchquert werden: Radikale Akzeptanz.

Leid entsteht zum Großteil, wenn wir versuchen das von uns wegzuschieben, was ist und uns versuchen gegen die Realität zu stellen. So erhalten wir den Schmerz künstlich aufrecht, in dem wir uns oder die Umstände dafür verurteilen.

Es ist jedoch wichtig, radikale Akzeptanz von unangenehmen Empfindungen und Emotionen nicht als kleine Technik anzusehen, während wir heimlich hoffen, dass sie weggehen.Das Paradoxon ist, dass wir nur besser werden können und ein erfüllteres Leben leben können, indem wir uns weigern, alles so zu machen, wie wir es in der Vergangenheit gemacht haben. Gleichzeitig müssen wir aber auch die Dinge annehmen, wie sie in der Gegenwart sind, damit wir uns nicht selbst täuschen und uns ändern kann.

Achtung mach dich darauf gefasst eine Sache zu erfahren, die dein Denken über Glück verändern wird: Der Wunsch nach mehr positiveren Erfahrungen ist an sich ein negatives Erlebnis, während paradoxerweise ist die radikale Akzeptanz der Gegenwart an sich eine positive Erfahrung ist .

Warum radikale Akzeptanz vor Veränderung kommt

Francis Bacon, der philosophische Vater der wissenschaftlichen Revolution, schrieb: "Um über die Natur zu bestimmen, muss ihr erst gehorcht werden. Nur wenn wir die Gesetze und Prozesse der Natur akzeptieren, wenn wir uns mit ihrer Existenz auseinandersetzen, können wir sie produktiv nutzen. Und eines dieser Gesetze ist, dass auch Emotionen, die wir nicht ausstehen können Teil des Lebens sind.

Aber auch der weltbekannte Psychologe Carl Rogers weist darauf hin, dass es ein verrücktes Paradoxon ist, dass radikale Akzeptanz vor Veränderung kommt. Wenn du zum Beispiel sehr sensibel gegenüber anderen Meinungen bist und beginnst dich jedes Mal zu verurteilen, wenn du überreagierst, ist unwahrscheinlich, dass es hilfreich ist.

Radikale Akzeptanz & das Stockdale Paradoxon

James Stockdale Paradoxon

Quelle: Wikipedia

James Stockdale, ein US-Pilot, dessen Flugzeug 1965 über Vietnam abgeschossen wurde, ertrug siebeneinhalb Jahre Gefangenschaft und Folter als Kriegsgefangener. Er weigerte sich, auch unter Folter, den Gefängniswächtern Macht über seinen Verstand zu geben. Für seine Widerstandsfähigkeit in Gefangenschaft und seine Führung seiner Mitgefangenen verdiente Stockdale die Congressional Medal of Honor .

Stockdale bemerkte, dass die Kriegsgefangenen, die am schnellsten zerbrachen, diejenigen waren, die sich über die Schwere ihrer Folter selbst täuschten. Sie stellten sich vor, dass sie nächste Woche oder nächsten Monat oder Weihnachten befreit werden würden. Aber er blieb ununterbrochen für sieben und ein halbes Jahr mental gesund unter härtester Folter, weil er sich weigerte, sich zu belügen oder sich selbst zu täuschen.

So erklärt er selbst das Stockdale Paradoxon: "Du darfst den Glauben niemals daran binden, dass du dich am Ende durchsetzen wirst, weil du dir nicht leisten kannst dein Vertrauen zu verlieren. Du musst die brutalsten Tatsachen deiner gegenwärtigen Wirklichkeit ehrlich konfrontieren, was auch immer sie sein mögen. Im Angesicht des Widerstands muss ein klarer Fokus auf die harte Realität behalten werden. Es ist dir nicht gut, die Realität zu verschweigen und sich selbst zu täuschen. Das Paradoxon ist jedoch, dass zur gleichen Zeit einen Weg gefunden werden muss, um die Hoffnung zu bewahren.

Selbstveurteilung

Radikale Akzeptanz bedeutet nicht, uns durch unsere Einschränkungen zu definieren

Es ist keine Entschuldigung für den Rückzug.Vielleicht schlussfolgern wir, dass wir, basierend auf unserer vergangenen Geschichte, dass wir nicht für intime Beziehungen ausgelegt sind und so bleiben wir einfach allein. Radikale Akzeptanz dagegen sagt, dass wir unsere mentale Barrieren und den Schmerz zuerst akzeptieren ohne uns selbst zu verurteilen und ihm Aufmerksamkeit widmen, ohne unseren furchtbasierten Geschichten die Macht zu geben, unser Leben zu kontrollieren.

Radikale Akzeptanz ≠ Ablenkung

Wie gehen wir Menschen meistens mit Schmerzen oder negativen Emotionen um? Wir saufen, wir essen, wir rauchen. Wir wenden uns an unsere iPhones oder unsere Facebook-Feeds oder unsere Videospiele. Du siehst es in jeder Schnulze - Eis und Schokolade als Betäubung und Ablenkung.

Radikale Akzeptanz ≠ Resignation

Resignation

Es ist jedoch enorm wichtig zwischen der radikale Akzeptanz schmerzlicher Emotionen und der selbstgewählten Opferrolle zu unterscheiden. Die Opferrolle ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Radikale Akzeptanz einer Emotion bedeutet nicht, dass wir hilflos sind und resignieren. Nathaniel Branden erklärt:

"Die Bereitschaft, unsere Gefühle zu erleben und zu akzeptieren, trägt keine Implikation, dass Emotionen das letzte Wort haben. Es mag sein, dass ich nicht in der Stimmung bin, heute zu arbeiten, aber ich kann meine Gefühle anerkennen, sie erleben, sie akzeptieren und dann trotzdem zur Arbeit gehen. Ich werde mit einem klarerem Verstand arbeiten, weil ich den Tag nicht mit Selbsttäuschung begonnen habe."

In ähnlicher Weise bemerkt der Psychologe Jon Kabat-Zinn: "Die Annahme des gegenwärtigen Augenblicks hat nichts mit Resignation im Angesicht dessen zu tun, was geschieht. Es bedeutet einfach eine klare Anerkennung, dass das, was geschieht, passiert. "

Radikale Akzeptanz bedeutet nicht Passivität

Radikale Akzeptanz macht uns nicht passiv. Ein Freund von mir, der Umweltaktivist ist, hat mir vor kurzem erzählt, dass die Welt ,wenn er die Verschlechterung unserer Umwelt akzeptieren würde, zugrunde gehen würde. Heißt radikale Akzeptanz, dass wir nicht auf Leiden in der Welt reagieren?

Nein ! Leid ist ein starker Energieräuber, der uns davon abhält eine Veränderung zu machen und und uns in Selbstmitleid und Wut schwelgen lässt anstatt das Problem anzugehen. Radikale Akzeptanz ist die Grundlage, um mit schwierigen Emotionen umzugehen.

Der Verstand als Geschichtenerzähler

Geschichtenerzähler

Unser Selbstbild & Ein Dokumentarfilm über Afrika

Afrika

Hast du jemals einen Dokumentarfilm über Afrika gesehen? Was hast du gesehen? Viele Krokodile, Löwen, Antilopen, Gorillas und Giraffen? Stammes-Tänze? Militärische Konflikte? Politischer Umbruch? Erstaunliche Berge, schöne, ruhige Dörfer? Armut, verhungernde Kinder, die von Aßgeiern umschlichen werden?

Ich weiß: Eins sehr drastisches Beispiel. Was ich dir sagen möchte, ist Folgendes: Wir können viel von einem Dokumentarfilm lernen, aber eines ist sicher: Ein Dokumentarfilm über Afrika ist nicht Afrika selbst.
Ein Dokumentarfilm kann Eindrücke von Afrika geben. Aber egal wie herausragend gefilmt, egal wie "authentisch" es ist, ein Dokumentarfilm über Afrika ist nicht dasselbe wie Afrika selbst.

Ähnlich wäre ein Dokumentarfilm über dich nicht dasselbe wie du selbst. Auch wenn dieser Dokumentarfilm tausend Stunden gedauert hat und alle möglichen relevanten Szenen aus deinem Leben aufgenommen hat, alle möglichen Interviews mit Leuten, die dich kennen und alle möglichen faszinierenden Details über deine innersten Geheimnisse - auch dann der Dokumentarfilm wäre nicht du.

Also, es gibt diesen riesigen Unterschied zwischen dem, was wir sind, und jedem Dokumentarfilm, den jeder jemals über uns machen könnte - egal wie "wahrheitsgetreu" dieser Dokumentarfilm sein kann.

Du erkennst die Parallele. Wir erzählen uns permanent Geschichten und so wie ein Dokumentarfilm über Afrika nicht Afrika ist, bist du nicht deine Gedanken. Aus einer ganzen Lebenszeit der Erfahrung - buchstäblich Hunderte von Tausenden von Stunden "Filmmaterial" (unser Denken) wählen wir je nach Situation die besonders dramatischen Erinnerungen aus und verwandeln sie manchmal in einen mächtigen Dokumentarfilm mit dem Titel „ Das bin ich!“

Das Problem ist, wenn wir diesen Dokumentarfilm sehen, vergessen wir, dass es nur ein stark bearbeitetes Video ist. Stattdessen glauben wir, dass wir das Video sind!

Der Verstand als Geschichtenerzähler

Der Verstand liebt es, Geschichten zu erzählen. Er hört nie damit auf. Den ganzen Tag, jeden Tag, erzählt es dir Geschichten darüber, wer du bist, wie du bist, was du mit deinem Leben machen solltest, was andere Leute von dir denken, was mit der Welt los ist, was in der Zukunft passieren wird und so weiter. Es ist wie ein Radio, das niemals aufhört zu senden.

Nur wenn wir mit ihnen "verschmelzen" und sie als unsere Identität annehmen, wenn wir so reagieren, als wären sie die Wahrheit, werden wir zu den Sklaven unser eigenen Geschichte. Defusion erlaubt uns anzuerkennen, dass die Geschichten da sind , aber wir nehmen sie nicht ernst. In ACT versuchen wir nicht, die Geschichte zu verändern, zu vermeiden oder loszuwerden. Wir wissen, wie unwirksam das ist. Stattdessen erkennen wir einfach: "Das ist eine Geschichte."

Das ist radikale Akzeptanz- die Basis, um seine Geschichte zu ändern.

Hier ein paar beliebte Geschichten:

  • Was habe ich getan um das zu verdienen?
  • Wenn dein Verstand keine andere Antwort findet, bekommst du die Antwort, dass du es verdienst. Ich muss vermutlich nicht sagen, was es mit deinem Selbstvertrauen und deinem Vertrauen ins Leben macht. Mit dieser Frage begibst du dich schnell in eine Opferrolle.

    Als Ergebnis, fühlen wir uns wertlos, nutzlos, "schlecht" oder unzureichend.

  • Was stimmt nicht mit mir?
  • Wenn du nicht immer glücklich bist, bist du defekt, ist auch eine Lüge, die wir schnell verinnerlichen. Es wird von der Gesellschaft als eine Schwäche oder Krankheit gesehen, Du bist nicht defekt - dein Verstand macht nur seinen Job, Er tut das, wofür er evolutionär ausgelegt ist: dich am Leben zu halten.

  • Ich darf das nicht fühlen

  • Ein Klassiker! Hier wählt dein Verstand einen Streit mit der Realität. Dein Verstand sagt: "Die Wirklichkeit ist falsch! Es soll nicht so sein! Hör auf! Gib mir die Realität, die ich will!“ Nenne mir einen Menschen, der je einen Streit mit der Realität gewinnen konnte.

    Wenn wir mit diesen Geschichten verschmelzen, geht der Schalter an und wir sehen unangenehme Emotionen als Bedrohung. Und wie reagiert unser Gehirn auf eine Bedrohung? Es aktiviert die fight-or-flight- Reaktion, die dann zu einem ganz neuen Haufen von unangenehmen Gefühlen führt!

    Warum die Angst vor Schmerzen mehr Schmerz schafft als die Schmerzen selbst

    Um eine Analogie zu zeichnen: Nehmen wir an, dass ein entfernter Verwandter vor der Haustür auftaucht. Du hast diesen Verwandten noch nie zuvor getroffen, aber dir wurden schon viele Geschichten über ihn erzählt. Dir wurde gesagt, dass es niemand mit ihm aushalten kann, dass die einzigen Beziehungen, die er hat, mit seltsamen Leuten ist und dass es immer in einer Verletzung endet.

    Wenn du diese Geschichten wirklich glaubst: was würde deine Haltung zu diesem Verwandten sein? Würdest du ihn in deinem Haus haben wollen?
    Natürlich nicht. Du würdest alles tun, um ihn so schnell wie möglich loszuwerden. Aber was, wenn alle diese Geschichten falsch oder übertrieben waren? Was wäre, wenn dieser Verwandte eigentlich eine nette Person war, die das Opfer von bösartigem Klatsch und Tratsch war?

    Der einzige Weg, um das jemals herausfinden , wäre es etwas Zeit mit ihm zu verbringen, den Klatsch und die Verleumdung beiseite zu legen und es für dich selbst zu überprüfen. Du hast wahrscheinlich schon so etwas Ähnliches in deinem eigenen Leben erlebt. Vielleicht gab es einmal jemanden in der Schule oder bei der Arbeit, von dem du viele schlechte Dinge gehört hast. Aber dann als du etwas Zeit mit ihm verbracht hast, erkanntest du, dass er keineswegs so schlimm war wie ihr Ruf und er extrem missverstanden worden ist.

    In der Tat ist die Angst vor Schmerzen oft der unangenehmste Teil einer schmerzlichen Erfahrung. In Momenten der akuten Schmerzen, glauben wir, in Angst versunken, dass "etwas falsch ist " oder irgendetwas nicht stimmt.

    Defusion mit der Geschichte

    Radikale Akzeptanz- die Geschichten benennen

    Eine herausragende Möglichkeit, um den Geschichten die destruktive Macht zu nehmen, ist es unsere Lieblingsgeschichten zu identifizieren und ihnen dann Namen zu geben, wie die "Verlierer!" Geschichte, oder die "Mein Leben ist scheiße!" Geschichte oder die "Ich kann es nicht!" Geschichte. Du kennst deine eigenen Geschichten wahrscheinlich am besten.

    Wenn deine Geschichten auftauchen, hilft es sie namentlich zu benennen . Zum Beispiel könntest du dir selbst sagen: Ah ja. Da erkenne ich meinen alten Favorit, die "Ich bin ein Misserfolg" Geschichte. Oder: Aha! Hier kommt die "Ich kann das nicht bewältigen"- Geschichte. Sobald wir eine Geschichte anerkannt haben, dann nimmt es uns die Angst vor dieser Geschichte.

    Therapeut und Forscher David Barlow und seine Kollegen schlagen einen ähnlichen Ansatz für den Umgang mit Stress und Angst vor, die der negativen Visualisierung nahekommt, die wir schon häufig im Rahmen des Podcasts besprochen haben.

    Vielleicht sagst du: Pfff, das ist doch nur ein Forscher, der irgendwo im Labor sitzt und keine Sorgen hat. Dem glaube ich nicht. Vielleicht glaubst du ja dem laut neurowissenschaftlichen Studien glücklichsten Menschen der Welt. Matthieu Ricard, buddhistischer Mönch und Wissenschaftler und glücklichster Mensch der Welt stellt fest, dass "je mehr wir die Wut ehrlich betrachten, anerkennen und benennen, desto eher verschwindet sie, wie der Frost unter der Morgensonne schmelzt. Wenn man sie wirklich ansieht, verliert es plötzlich ihre destruktive Kraft. " Das gleiche gilt für Neid, Traurigkeit, Angst, Hass und andere schmerzhafte Emotionen.

    Radikale Akzeptanz- Danke sagen

    radikale Akzeptanz

    Dies ist eine einfache und effektive Technik. Wenn dein Verstand beginnt, mit den gleichen alten Geschichten zu kommen, sag einfach danke. Du könntest dir selbst (leise) Dinge sagen ,wie: 'Danke, lärmender Affe in meinem Kopf! Sehr informativ! Vielen Dank für das Teilen!

    Wenn du dir danken willst, tu es nicht sarkastisch oder aggressiv. Tu es mit Wärme und Humor und mit einer echten Wertschätzung für die erstaunliche Fähigkeit deines Verstandes.

    Der Zeitpunkt, an dem wir unsere Erwartungen für Dankbarkeit eintauschen, ist der Zeitpunkt, an dem es uns an nichts mehr fehlt. Dankbarkeit ist ein machtvolles Mittel gegen destruktive Emotionen.

    Radikale Akzeptanz durch die Stimmentechnik

    Diese Technik ist besonders gut bei wiederkehrenden negativen Selbsturteilen. Finde einen Gedanken, der dich permanent stört. Konzentriere dich auf den Gedanken für zehn Sekunden und glaube ihn. Spüre seine destruktive Macht. Fühle den Schmerz, den dieser Gedanke in dir hervorruft.

    Jetzt kommt der witzige Teil. Wähle jetzt eine Stimme einer animierten Cartoon- Figur. Wir haben schon erfahren, dass wir nicht unsere Gedanken sind. Dann können wir die Stimme in unserem Kopf, den inneren Kritiker, der uns permanent mit Selbstkritik unterhält, auch mit einer Comic-Figur austauschen.

    Beachte, was passiert, wenn die destuktiven Gedanken auf einmal von Donald Duck oder Gollum aus Herr der Ringe laut ausgesprochen werden- sie verlieren ihre destruktive Kraft und wir nehmen unsere negativen Gedanken nicht ganz so ernst.

    Doch weil wir 24/7 in unserem eigenen Kopf gefangen sind, glauben wir schnell, dass wir unsere Gedanken sind. Wenn jemand uns ein Geschenk gibt und wir es ablehnen: Wem gehört es dann? Der anderen Person- genauso ist es mit jeder Art von Kritik –auch Selbstkritik. Zum Problem wird es, wenn wir uns damit identifizieren.

    Denk daran: Das Ziel der Defusion ist es nicht, unangenehme Gedanken loszuwerden, sondern sie zu sehen, was sie sind - nur Worte.

    Radikale Akzeptanz- Ja zum Leben sagen

    Radikale Akzeptanz: Mara zum Tee einladen

    Eine meiner Lieblingsgeschichten des Buddha zeigt die Kraft der radikalen Akzeptanz. Als der Buddha entschlossen war, unter dem Bodhi-Baum zu pausieren, wurde er mit der Schattenseite der menschlichen Natur konfrontiert ( dargestellt als der böse Gott Mara) . Im Sanskrit bedeutet Mara "Täuschung", die Ignoranz, die uns in Begierde und Angst verwickelt und unsere erleuchtete Natur verdeckt.

    Als Mara auftauchte, konnte der Buddha sicherlich die enorme Verführung Maras erkennen, aber er identifizierte sich nicht mit seinen Gedanken, sondern übte radikale Akzeptanz. Mara wandte alle Kräfte an, um ihn davon abzuhalten, erleuchtet zu werden. Dazu rief er Erscheinungen wie Armeen von Kriegern hervor, um die Wut in ihm zu erwecken oder Frauen, um ihn zu verführen.

    Doch anstatt Mara zu ignorieren oder ihn zu vertreiben, erkannte der Buddha ruhig seine Anwesenheit und sagte: "Ich sehe dich, Mara." Dann lud er Mara metaphorisch (wie in der asiatische Kultur üblich) zum Tee einladen und ihm als Gastgeber zu dienen.

    Er gab Mara ein Kissen, so dass er bequem sitzen konnte, füllte zwei Becher mit Tee und legte sie auf den niedrigen Tisch zwischen ihnen ab. Mara blieb für eine Weile bleiben und ging dann kurze Zeit später, während der Buddha frei und ungestört blieb.

    Mara Tee

    Mara ist eine Metapher für das, wovor wir uns am meisten fürchten oder den Schmerz den wir empfinden. Radikale Akzeptanz beginnt mit unserer eigenen Pause unter dem Bodhi-Baum. So wie sich der Buddha sich bereitwillig zu einer Begegnung mit Mara öffnete, können wir auch pausieren und radikal akzeptieren, was das Leben uns in jedem Augenblick bietet.

    Wir haben erstens keine andere Wahl als radikal zu akzeptieren und zweitens kommt unser Leiden daher, dass wir das, was gerade im Moment ist ablehnen und versuchen von uns wegzuschieben oder zu verneinen. Auch Carl Jung- einer der wohl genialsten Psychologen aller Zeiten sagte, dass einer seiner wichtigsten Erkenntnisse sei, dass es die unerschlossenen und nicht akzeptierten Teile unserer Psyche sind, die die Quelle aller Neurosen und allen Leidens sind.

    Radikale Akzeptanz gesteht ein, dass der Schmerz existiert und kann ihn auf dieser Basis im Nachhinein akzeptieren. Doch radikale Akzeptanz ist die absolute Grundlage, um mit Schmerz umgehen zu können ohne sich selbst zu bemitleiden und im Leid zu verlieren.

    Pema Chödrön, eine amerikanische Nonne, die ein hoch angesehener Lehrer des tibetischen Buddhismus ist, wählt etwas weichere Worte, um das Ganze auszudrücken und sagt, dass wir durch radikale Akzeptanz lernen Freundschaft mit uns selbst zu schließen und damit den Schlüssel zum Leben auf der tiefsten Ebene ermöglichen.

    Als ich das erste Mal radikale Akzeptanz praktiziert habe, war mein "Ja" sehr mechanisch, widerwillig und unaufrichtig, aber jedes Mal, wenn ich es sagte und glaubte, konnte ich spüren, dass sich etwas in mir entspannte. Ich fing an, das Ja mit einem weicheren, freundlicheren Ton in meinem Kopf zu wiederholen. Ich lächelte sogar von Zeit zu Zeit - viel vom Drama und Leid, das ich in meinem Kopf zusammen gesponnen hatte, kam mir auf einmal so irrational vor.

    Mein Durchbruch kam damals als ich mir den Zeh an der Treppe gestoßen hatte. Früher wäre ich wahrscheinlich an die Decke gegangen und hätte mich darüber beschwert, dass die Treppe im Weg steht. Doch auch wenn es ein vergleichbar kleiner Schmerz war, merkte ich das die Praxis der radikalen Akzeptanz Früchte zu tragen schien. Ich fing an zu lachen. Ich lachte über meinen verrückten Glaubenssatz und die innere Stimme im Kopf, die mir mit Donald Duck-Stimme sagte: " Wie kann die Treppe es nur wagen sich mir- dem Zentrum der Welt- in den Weg zu stellen."

    Was ich dir damit sagen will: Humor und die Defusion mit unseren Gedanken kann dafür sorgen, dass wir den Schmerz eventuell noch empfinden, aber ihn nicht mehr als böse darstellen und lernen ihn zu akzeptieren.

    Ein radikales JA

    Mir ist bewusst, dass das "Ja " zum Leben sagen sehr weich klingt, aber auch Jocko Wilink ein Elitesoldat der Navy Seals, der bereits einmal im Podcast im Rahmen der vollen Verantwortung aufgetaucht ist, sagt, dass die Antwort auf Schmerz und das Leben immer ein "Ja" ist. Und Jocko Wilink ist ein Berg von einem Mann und wohl die härteste und widerstandsfähigste Person, die ich jemals reden gehört habe.

    Unsere Praxis, Ja zu sagen, ist nicht auf unsere unmittelbare Erfahrung beschränkt. Wir können ja zu dem ganzen Leben sagen, das wir leben. Ja zu unseren Freundschaften, zu unserer Erziehung, zu unserem physischen Aussehen, zu unserer Persönlichkeit, zu unserer Arbeit, zu unserem spirituellen Weg. Doch weil wir in der Regel auf Perfektion abzielen, wenn wir zurückkommen, um einen Blick darauf werfen,"wie wir uns anstellen", fühlt es sich an als ob irgendetwas fehlt.

    Es ist sehr befreiend Ja zu unserem unvollkommenen Leben zu sagen, das nicht immer nach Plan verläuft. Du wirst erkennen, dass es gar nicht perfekt sein muss, um das maximale Glück herauszuziehen. Wenn wir den irren Glaubenssatz ablegen, dass Mehr die Lösung ist, sind wir frei und können Ja zu unserem Leben, wie es ist. Weil wir das, was wir in unserem Körper empfinden, nicht vernachlässigen, erlaubt uns die Achtsamkeit, das Leben so zu sehen, wie es ist.

    Denn nur, wenn wir die Verletzlichkeit haben Ja zur Traurigkeit, Ja zur Angst zu sagen, hören wir auf uns selbst zu bescheißen und können auch offen für alles Positive sein- Dankbarkeit, Freud und Liebe. Wenn ich radikale Akzeptanz im Coaching vorstelle, bringt es oft Einwände oder Verwirrung. Ist das nicht nur eine weitere flache Version von "positivem Denken", ein Weg, um die Realität zu verschweigen ?

    Radikale Akzeptanz als Technik zu betrachten, um unangenehme Gefühle loszuwerden und uns besser zu fühlen, würde der Sache nicht gerecht werden. Radikale Akzeptanz ist kein Weg, unsere Erfahrung zu manipulieren, sondern vielmehr eine Hilfe, um das Leben zu akzeptieren, wie es ist.

    Thich Nhat Hanh nennt seine Praxis "Smile Yoga". Er schlägt vor, ein stummes, aber echtes Lächeln viele Male während des Tages auf unsere Lippen zu setzen. Egal, ob wir meditieren, uns wütend oder verletzt fühlen oder einfach nur an einer Ampel stoppen. "Eine winzige Knospe eines Lächelns auf deinen Lippen", schreibt Thich Nhat Hanh, "nährt das Bewusstsein und beruhigt dich auf wundersame Weise.

    Das Ganze ist nicht nur ein esoterisches Geschwafel, sondern die Muskeln, die verwendet werden, um ein Lächeln zu erzeugen, schicken tatsächlich eine biochemische Nachricht an unser Nervensystem, dass die fight or flight- Reaktion stoppt.

    Stoiker: Radikale Akzeptanz und die Frage nach Kontrolle

    Du weißt, dass ich nicht der größte Fan der Bibel bin, aber an dieser Stelle trifft diese den Nagel auf den Kopf :

    Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

    Auch wenn wir nicht verantwortlich für die Dinge sind, die uns passieren, sind wir verantwortlich dafür, wie wir darauf antworten und damit umgehen.

    Die letzte Freiheit des Menschen – seine Haltung in jeder Situation selbst zu wählen-Viktor Frankl

    UNSERE WICHTIGSTE WAHL im Leben, nach Epiktet, ist, ob wir uns mit Dingen beschäftigen, die außerhalb von uns oder innerhalb von uns sind.
    Indem Epiktet uns diesen Rat anbietet, dreht er die normale Logik der Wunscherfüllung auf den Kopf. Wenn wir die meisten Leute fragen, wie sie glücklich werden können, werden sie sagen, dass sie hart dafür arbeiten müssen, um es zu bekommen.

    Wenn sie alles erreicht haben, dann werden sie endlich Frieden, Erfüllung und Glück finden. Aber wie Epiktet schon wusste, macht uns die hedonistische Anpassung einen strich durch die Rechnung.

    Während die meisten Menschen versuchen, Zufriedenheit zu erlangen, indem sie die Welt um sie herum verändern, empfiehlt Epiktet uns, Zufriedenheit zu erlangen, indem wir uns ändern - genauer gesagt, indem wir unseren internen Locus der Kontrolle ändern. Und er steht nicht mit diesem Ratschlag. In der Tat ist es der Ratschlag, der von praktisch jedem Philosophen und religiösen Denker gegeben wird, der über das menschliche Verlangen und die Ursachen der menschlichen Unzufriedenheit reflektiert hat.

    Sie stimmen überein, dass es einfacher ist deine eigenen Einstellungen zu kontrollieren als die Welt um dich zu verändern zu wollen. Wir werden unbesiegbar, wenn wir beginnen das zu lieben, was ist.
    Du kannst zwar nicht kontrollieren, ob und welche Emotionen hochkommen, aber du kannst lernen nicht langfristig unter ihnen leiden zu müssen.

  • Deine Perspektive und Einstellung
  • Deine Entschlossenheit und deine Entscheidungen

  • Das ist dein Spielfeld- dein Raum der Kontrolle. Hier ist alles ein faires Spiel und niemand kann dir dazwischen funken. Du erkennst, wie viel Kontrolle du hast, oder ? Wir müssen nur eine mentale Unterscheidung in Bezug auf die Wahrnehmung machen, wie die Stoiker sagen : Dinge, die wir kontrollieren können und Dinge, die wir nicht kontrollieren können.

    hedonistische Anpassung

    Die Wissenschaft hinter dem Zusammenhang der Akzeptanz und der Achtsamkeit

    Auch die Wissenschaft hinter radikaler Akzeptanz der Realität fasziniert . In einer Reihe von Experimenten, die 2009 an der University of North Carolina von einem jungen Psychologen namens Fadel Zeidan durchgeführt wurden, wurden die Auswirkungen der Meditation auf die Fähigkeit der Menschen, körperliche Schmerzen zu ertragen, zu testen, und so entschloss er sich mit erfrischender Unkompliziertheit, ihnen Schmerzen zuzufügen.

    Im Rahmen seiner Forschung fügte er ihnen leichte Elektroschocks, die selbstverständlich nicht stark genug waren, um schädlich zu sein, aber mächtig genug, um Arme und Beine zucken zu lassen. - Die Teilnehmer wurden gebeten, ihre subjektive Erfahrung des Schmerzes zu beurteilen.

    Manche erhielten dann im Laufe der nächsten Tage drei zwanzigminütige Lektionen in der Achtsamkeitsmeditation und zeigten ihnen, wie sie ein nicht-wertendes Bewusstsein für ihre Gedanken, Gefühle und Empfindungen entwickeln könnten- radikale Akzeptanz.

    Als weitere Elektroschocks verabreicht wurden, zeigten diejenigen, die die Meditationstechniken verwendeten, signifikant reduzierte Schmerzen. Ablenkung hatte dagegen eine geringe Wirkung, aber es war nicht annähernd so groß, wie die Wirkung der Meditation. Und die Achtsamkeit senkte (im Gegensatz zur Ablenkung) die Schmerzspiegel, auch wenn die Teilnehmer während der Schocks nicht aktiv meditierten.

    Denk daran, dass du menschlich bist und radikale Akzeptanz eine Übung für Fortgeschrittene ist. Also wird es viele Momente geben, in denen wir vergessen, diese neuen Fähigkeiten zu benutzen. Und das ist okay.

    Denk auch daran, dass keine Technik narrensicher ist. Es kann Zeiten geben, in denen du sie ausprobierst und es nicht gelingt. Radikale Akzeptanz ist wie jede andere Fähigkeit: Je mehr wir üben, desto besser wird man. Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht !

    Hier kannst du dir noch eine kostenlose Achtsamkeitsmeditation herunterladen:

    Downloads

    Weitere Ressourcen, Bücher und Artikel zur radikalen Akzeptanz

  • Tara Brachs Buch: Radical Acceptance: Embracing Your Life With the Heart of a Buddha
  • !Achtung: buddhistisch geprägt!

  • Hale Dwoskins Buch: Die Sedona-Methode: Wie Sie sich von emotionalem Ballast befreien und Ihre Wünsche verwirklichen 5 einfache Schritte
  • Losgelöst vom Buddhismus:

  • Der Zusammenhang von Selbstwertgefühl und radikaler Akzeptanz:
  • 11 Comments

    1. […] Was jedoch helfen kann ist eine Kombination aus dem Hinterfragen der destruktiven Glaubenssätzeund radikaler Selbstakzeptanz. […]

    2. […] möchte ich nur kurz anreißen, da ich das dahinterstehende Konzept schon in meinem Beitrag über radikale Akzeptanz ausführlich erklärt […]

    3. […] möchte ich nur kurz anreißen, da ich das dahinterstehende Konzept schon in meinem Beitrag über radikale Akzeptanz ausführlich erklärt […]

    4. […] möchte ich nur kurz anreißen, da ich das dahinterstehende Konzept schon in meinem Beitrag über radikale Akzeptanz ausführlich erklärt […]

    5. […] Was jedoch helfen kann ist eine Kombination aus dem Hinterfragen der destruktiven Glaubenssätzeund radikaler Selbstakzeptanz. […]

    6. […] Kontrolle liegt. Vielmehr ist es eine Funktion der 6 Säulen des Selbstwertgefühls: unserer Akzeptanz, Ehrlichkeit, Selbstliebe und persönlichen Integrität, Selbstoffenheit und […]

    7. […] zu machen und sich angemessen zu verhalten, dass er beschließt sein Ideal zu zerstören, um die innere Zerrissenheit zu reduzieren, die er fühlt. Und weil er Gott selbst nicht töten kann und die Werte, die damit […]

    8. […] Die Behandlung von psychischen Leiden dieser Art, gemäß der existenziellen Psychotherapie, beinhaltet nicht (nur) Medikamente, sondern Selbstreflexion, philosophische Erforschung, eine Erweiterung des Bewusstseins und die Akzeptanz des menschlichen Zustands. […]

    9. […] Radikale Akzeptanz der Realität : Die Auflösung deiner inneren Zerrissenheit […]

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