Altruismus üben- Was wir vom glücklichsten Menschen der Welt Matthieu Ricard über loving kindness lernen können

In der westlichen Welt finden wir uns häufig in einer Welt wieder, wo Individualismus oft als Tugend geschätzt wird, aber manchmal verliert sie den guten Kern und wird beinahe schon zum Narzissmus, was kein optimaler Weg des Zusammenlebens einer Gesellschaft ist. Ich will nicht die alte Diskussion beantworten, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist und es auf einen evolutionären Ursprung beziehen, sondern eher die unterrepräsentierte Seite abbilden, dass der Mensch durchaus zu Altruismus fähig ist und auch Handlungen ausführen kann ohne einen eigenen Vorteil davon zu erwarten.

Dieser Beitrag soll keine Erörterung werden, ob der Mensch von Natur aus gut ist, wie Rousseau argumentierte oder ob „der Mensch dem Mensch ein Wolf ist“, wie Thomas Hobbes sagte, sondern ist Teil des Formats: „Der Mentor, den ich nie hatte“ und beinhaltete eine Geschichte, aus der wir lernen können. Der Mentor, den ich nie hatte in dieser Woche ist: Matthieu Ricard – der glücklichste Mensch der Welt.

Der Individualismus hat seine guten Aspekte. Immer mehr Menschen nehmen sich ihrer Reise zur Selbstverwirklichung an und schauen über den Tellerrand, was in meinen Augen ein riesiger Faktor in Bezug auf das Glück in unserem Leben ist. Andererseits steht krankhafter Egoismus steht im Mittelpunkt der meisten Probleme, denen wir heute gegenüberstehen.

Viele Menschen denken, dass Selbstlosigkeit, Altruismus, Empathie und Mitgefühl genetisch bestimmte Charaktereigenschaften sind und manche Menschen von Natur aus „egoistisch “ sind. Doch heute bestätigt auch die Wissenschaft, dass wir Fähigkeiten, wie Mitgefühl, Empathie und Altruismus auch üben und entwickeln können.

Matthieu Ricard- Eine (wahre) Geschichte über Altruismus und Glück

Im Jahr 2007 führte Matthieu Ricard zusammen mit Tania Singer in Maastricht eine Studie durch, in der es um Altruismus, Mitgefühl und Empathie ging. Als Versuchskaninchen wurde er gebeten sich über einen längeren Zeitraum Menschen vorzustellen, die von großem Leiden betroffen sind. Gemessen wurden die Gehirnströme mit fMRI- Scans (funktionelle Magnetresonanztomographie) .

Es hat den Vorteil, dass die Veränderungen der Gehirnaktivität beinahe in Echtzeit verfolgt werden können. Wie erwartet, leuchteten auf dem Scan die Gehirnreale auf, die auch aufleuchten, wenn eine Person selbst leidet.

Während einer Pause, nach einer ersten Reihe von Zeiträumen der Meditation, fragte Tania Singer ihn : „Was machst du gerade ? Es sieht nicht so aus, wie wir es normalerweise beobachten, wenn die Leute das Leiden eines anderen empfinden. Deine Gehirnströme verändern sich und es leuchten ganz andere Areale auf.“

Matthieu Ricard erklärte, dass er eine sogenannte „loving kindness Meditation“ durchführte und versuchte ein mächtiges Gefühl von Liebe und Freundlichkeit für andere Menschen zu entwickeln, die leiden, aber auch für alle fühlenden Wesen.

Tatsächlich bestätigte die vollständige Analyse der Daten, die nachträglich durchgeführt wurde, dass die beiden Zustände sich fundamental unterschieden. In den vorherigen Studien beobachteten Personen, die nicht in der Meditation ausgebildet wurden, eine Person, die in der Nähe des Scanners saß und schmerzhafte Elektroschocks erhielt. Die Forscher stellten fest, dass ein Teil des Gehirns, der mit Schmerzen verbunden ist, bei Probanden aktiviert wird, wenn sie sahen, dass jemand leidet.

Als Matthieu Ricard jedoch die loving kindness Meditation oder auch Meditation der altruistischen Liebe genannt, durchführte, stellte Tania Singer fest, dass nicht mehr das Netzwerk aktiv war, das mit negativen Emotionen und Leid verbunden war, sondern bestimmte Areale, die traditionell mit positiven Emotionen verbunden waren ( mit dem Gefühl der Zugehörigkeit und der Liebe zum Beispiel ) lichterloh aufleuchteten

Neuroplastitzität

Matthieu Ricard- der glücklichste Mensch der Welt

Matthieu Ricard ist einer der ersten Meditierenden, der die Marke von 10.000 Stunden in tiefer Meditation verbracht hat. Sein Gehirn wurde mit 256 Elektroden an ein EEG angeschlossen, um das Level des Glücks zu messen, das er während der sogenannten "loving kindness Meditation empfindet. Die Emotionen in diesem Bewusstseinszustand sind, wie der Neurowissenschaftler Richard Davidson sagte, dass man es sich so vorstellen könnte, als ob ein Elefant direkt auf dich zu gerannt kommt. Dieselbe Intensität der Gefühle erlebt Matthieu Ricard- in diesem Zustand.

Alle Meditierenden mit über 10. 000 Stunden Meditationserfahrungen reproduzierten dieselben Ergebnisse im Labor. Das heißt, dass diese Fähigkeit des intensiven Glücks erlernbar bzw. trainierbar ist.

Was ist Altruismus?

Zu leben heißt für andere nützlich zu sein.-Seneca

Das Wort "Altruismus", abgeleitet vom lateinischen alter (ein anderer) und wurde zum ersten Mal im 19. Jahrhundert von Auguste Comte, einer der Väter der Soziologie und dem Begründer des Positivismus, verwendet. Altruismus bedeutet, dass Handlungen, die für das Wohlergehen anderer zum Preis von einigen Interessen durchgeführt werden und eventuell Gefahr für uns selbst bedeuten könnten, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten. Gute Absichten für den Altruismus sind unentbehrlich, aber sie reichen nicht aus. Das Handeln muss ein genaues Ziel haben zum Wohlergehen einer anderen Person beizutragen.

Altruismus kann als authentisch angesehen werden, solange der Wunsch nach dem Wohl des anderen unser oberstes Ziel darstellt, auch wenn unsere Motivation noch nicht in Handlungen umgewandelt wurde.

Im Gegensatz dazu betrachtet eine egoistische Person andere als Instrumente für eigene Interessen. Er zögert nicht, das Wohl des Anderen zu vernachlässigen oder gar zu opfern, wenn es sich als nützlich erweist, um seine Ziele zu erreichen. Aber Achtung: Die Tatsache, dass man Freude daran hat, für das Gute von anderen einzustehen, macht an sich selbst keine Handlung selbstsüchtig.

Können wir uns ändern? Altruismus und Selbstlosigkeit entwickeln und üben

Eine der Tragödien unserer Zeit ist, dass wir die Fähigkeit zur Verwandlung des menschlichen Geistes erheblich unterschätzen, da unsere Charakterzüge als relativ stabil empfunden werden. Es ist nicht so üblich für wütende Menschen, geduldig zu werden oder arrogante Menschen demütig werden.

Wir versuchen ständig, die äußeren Bedingungen unseres Lebens zu verbessern, und am Ende ist doch immer die Veränderung in unserem Verstand, die den Unterschied in Bezug auf unser Glück macht. Was ist, wenn ich dir sage, dass du das, was du deine angeborenen Eigenschaften nennst, nach Belieben formen kannst. Wenn du eine Person bist, die wie ich zu Angst neigt, muss das nicht so bleiben. Genauso ist es mit Gefühlen der Schuld, Wut, Eifersucht, Egoismus...

Ich bin nicht hier um dir zu sagen, was du zu tun hast und wie du sein sollst. Ich möchte dir nur die Möglichkeit eröffnen, dass es möglich ist mehr Altruismus und Mitgefühl zu entwickeln, wenn du das möchtest. Auch die heute Wissenschaft bestätigt, dass der Zustand des Mitgefühls einer der glücklichsten Zustände ist, die je im Gehirn gemessen wurden.

Seid egoistisch, liebt euch untereinander.- Dalai-Lama

Neuroplastizität als Möglichkeit

Neuroplastizität

Jahrhunderte lang galt es als wissenschaftlich akzeptiert, dass unser Gehirn, sobald es einmal im Erwachsenenalter angekommen ist, nicht mehr formbar ist und das weitgehend keine neuen neuronalen Verbindungen mehr unserem Gehirn entstehen. Dies hielt sehr lange an, bis die Wissenschaftler einen erstaunlichen Prozess namens Neuroplastizität entdeckten.

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns sich selbst zu ändern. Das Präfix "neuro" bezieht sich auf die Neuronen in unserem Gehirn- die Nervenzellen in unserem Hirn und Nervensystem. Und das Suffix "Plastizität" meint, dass es veränderbar ist. Wir sind also in der Lage durch Gedanken und Übung unsere Gehirnstruktur zu beeinflussen und zu formen.

Diese Erkenntnis ist einer der revolutionären Durchbrüche der Wissenschaft gewesen und gibt Einblicke in das unglaubliche Potenzial des menschlichen Gehirns. Du brauchst aber keinen Hintergrund in der Neurowissenschaft oder Psychologie um diese Schritte zu verstehen.

Erfahrungs-bedingte Neuroplastizität

Neuroplastizität

Ich muss es einfach immer wieder betonen, weil ich von der Möglichkeit begeistert bin unser Gehirn nach unseren eigenen Vorstellungen formen zu können: Was auch immer wir wiederholt erfahren, denken und fühlen, erschafft langsam aber sicher eine neuronale Skulptur.

Im Englischen sagt man " Neurons that fire together wire together." Übersetzt: Neuronen, die zusammen feuern, verdrahten/verknüpfen sich auch. Tag für Tag bilden wir unser Gehirn durch intensives und wiederholtes Denken und Fühlen neue Strukturen. Andere nicht so aktive neuronale Pfade dagegen werden geschwächt. Diesen Prozess nennt man neuronalen Darwinismus - das Überleben der Beschäftigsten. Wenn wir diese neuronalen bahnen nicht trainieren, verlieren sie an Stärke, so wie auch ein Muskel an Stärke verliert, wenn er nicht trainiert wird.

Beispielsweise stärkt auch Meditation und Achtsamkeit gewisse Bereiche des Gehirns und findet damit auch immer mehr Anhänger, die mit Buddhismus und Spiritualität nichts am Hut haben. Die Datenlage ist einfach zu revolutionär um sie zu ignorieren.

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Auf der einen Seite passt sich dein Gehirn an, wenn du permanent in einem Zustand des Sorgens, des Stresses und der Selbstkritik verharrst, aber auf der anderen Seite wird dein Gehirn auch von Positivität, Dankbarkeit und Freude geformt und du kannst lernen eine optimistische Weltsicht, eine positive Stimmung und einen hohen Selbstwert zu entwickeln, wenn du das Gehirn positiv programmierst.

Altruismus- Wir sind nicht so verschieden

nicht so verschieden

Viele Soldaten haben plötzlich verstanden, als sie vor ihrem toten Feind standen, sein Personalausweis und Familienfotos in der Hand hatten, dass nicht nur ein Feind, sondern eher ein Mensch vor ihnen stand.

In seinem Roman "Im Westen nichts Neues" beschreibt Erich Maria Remarque die Gefühle eines jungen deutschen Soldaten, der gerade einen Feind mit eigenen Händen getötet hat und nun mit seinem Körper spricht:

Du warst mir nur eine Idee, eine Abstraktion, die in meinem Kopf lebte und ihre entsprechende Antwort hervorrief. Es war diese Abstraktion, die ich erstochen habe. Aber jetzt, zum ersten Mal, sehe ich: Du bist ein Mann wie ich. Ich dachte an deine Handgranaten, an dein Bajonett, an dein Gewehr; Jetzt sehe ich deine Frau und dein Gesicht und unsere Gemeinsamkeiten. Verzeih mir, Kamerad. Wir sehen es immer zu spät. Warum erzählen sie uns niemals, dass ihr arme Teufel seid, wie wir es sind und dass eure Mütter genauso ängstlich sind wie unsere und dass wir die gleiche Angst vor dem Tod haben und dasselbe Sterben und die gleiche Qual - Verzeih mir, Kamerad: Wie könntest du mein Feind sein?

Ein Mechanismus, der sehr oft zutrifft, wenn es zu unmenschlicher Gewalt kommt, ist die sogenannte Dehumanisierung. Wenn wir unseren Gegenüber nicht als echten oder niederen Menschen wahrnehmen, fällt es uns leichter ihn grausam zu behandeln.

Denn wer kein Mensch ist, besitzt auch keinen Anspruch auf Menschenrechte- so zumindest die unbewusste Denkweise. Die Nazis haben beispielsweise den Begriff Untermensch geprägt, um grausame Taten an Juden zu rechtfertigen. Bei den Römern waren alle Ausländer "babari" (Barbaren) und galten als unzivilisiert. So war es einfacher einen Krieg zu rechtfertigen.

Wir sind nicht so verschieden- ein kleines Experiment

Ein Mann (ein Schauspieler) liegt auf dem Rasen an der University of Manchester in England, neben einem belebten Weg. Er scheint krank zu sein. Leute gehen vorbei. Nur wenige (15%) stoppen, um zu sehen, ob er Hilfe braucht.

Der zweite Teil des Versuchs: Der gleiche Mann liegt auf demselben Rasen, aber dieses Mal trägt er ein Liverpool-Fußball-Trikot (ein rivalisierender Club, aber einer, der viele Unterstützer unter den Studenten aus Liverpool hat). Dieses Mal halten 85% der Passanten an (Fans von Liverpool) , um zu sehen, ob er Hilfe braucht. Am Ende des Weges befragt ein Team von Forschern aus der Universität alle Passanten, unabhängig davon, ob sie gestoppt haben oder nicht.

Diese Studie, zusammen mit vielen anderen, bestätigt, dass das Gefühl der Zugehörigkeit unsere Kooperationsbereitschaft erheblich beeinflusst. Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder einer Gemeinschaft , in der jeder sich nah und verantwortlich für alle anderen fühlt, fördert Altruismus und Mitgefühl.

Die Quintessenz: Je ähnlicher uns jemand erscheint, desto schwerer fällt es uns ihm Gewalt anzutun oder ihn als böse zu betrachten. Wenn der andere als jemand erscheint, der weniger Wert zu haben scheint, sinkt die Hemmschwelle für Gewalt und Bösartigkeit.

Dieser Ansatz beginnt mit der folgenden Erkenntnis: Wenn ich tief in mich hineinsehe, finde ich ein Muster in meinen Intentionen und Handlungen: Ich möchte nicht leiden. Wenn ich dieses Bestreben in mir erkannt habe, passiert in mir etwas Magisches. Alle Lebewesen haben exakt das gleiche Bedürfnis, wie ich. Vielleicht haben sie andere Aktivitäten, Regeln und Muster das alles zu erreichen, aber sie sind gar nicht so verschieden.

Wir sind alle nur in unserem Kopf gefangen- jeden Tag, 24/7 und ohne Pause. Natürlich sind wir davon überzeugt, dass wir alleine Recht haben und die "richtigen Regeln" haben, wenn wir jahrelang Überzeugungsarbeit geleistet haben, um unser Weltbild zu konstruieren.

Wenn wir einmal verinnerlicht haben, dass andere nicht so verschieden sind und es sogar gefährlich ist andere zu dehumanisieren, können wir echtes Mitgefühl entwickeln- nicht nur um anderen zu helfen und empathisch zu sein, sondern auch selbst die machtvollen positiven Emotionen der loving kindness Meditation zu spüren.

Über die Kosten andere zu verurteilen

beschuldigen

Es ist alles zu leicht zu glauben, oder gar darauf zu bestehen, dass andere Leute sich so verhalten sollten, wie wir es wollen. Unterbewusst haben wir oft Glaubenssätze, dass andere so handeln sollten, wie wir es für angemessen halten. Häufig wenn jemand gegen eine diese unterbewussten Regeln verstößt, verurteilen wir die Leute. Es beginnt mit ausgefallener Kleidung, die wir mit unserem Ideal vergleichen, wie man sich zu kleiden hat.

Aber auch Charaktereigenschaften und Interessen werden schnell verurteilt oder ausgelacht. Was wir dabei vergessen ist, dass wir andere Leute mit unseren Standards vergleichen, von denen wir selbstverständlich auch nicht behaupten können, dass sie das Maß aller Dinge sind und als universelle Standards für alle gelten sollten.

Auch wenn es uns nicht gefällt und wir das Beste für andere wollen: Die Leute können wählen in einer ganz eigenen Weise zu leben. Anders als es unserem Lebensideal entspricht. Natürlich wirst du jetzt zustimmend nicken und sagen, dass das selbstverständlich ist.

Aber glauben wir das wirklich immer? Viele von uns- mich eingeschlossen- haben (wenn auch nicht auch aus böser Absicht) andere verurteilt, wenn sie

  • Reichtum über Glück gestellt haben
  • Seltsame Kleidung oder eine seltsame Frisur hatten
  • Kinderlos blieben wollen
  • kein Interesse an einer festen Partnerschaft oder Ehe haben
  • ein einfaches Leben leben wollen
  • etwas tun, das gegen unser Moralempfinden verstößt

  • Ich habe mich bei einigen dieser Beispiele ertappt gefühlt. Manchmal verhängen wir anderen unterbewusst unsere eigenen Standards und vergessen, dass es ein komplett anderer Mensch ist, der andere Vorlieben oder andere Gefühle hat. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir noch nicht einmal, dass sie Freude, Liebe oder Schmerz so intensiv fühlen, wie wir, weil wir nicht in ihre Köpfe hineinsehen können

    Wenn wir andere verurteilen und schlecht reden, stärken wir, wie wir eben gelernt haben durch Neuroplastizität die neuronalen Verbindungen des Verurteilens, um etwas vereinfacht und unwissenschaftlich auszudrücken. Die Nachricht leibt jedoch gleich: Wenn wir permanent alle Schwächen und Fehler in anderen suchen und sie dafür zu verurteilen, üben wir auch in uns selbst immer Fehler und Imperfektionen zu finden.

    Altruismus und loving kindness

    loving kindness

    Auch wenn wir hin und wieder altruistische Gedanken denken, sind sie flüchtig und bald durch andere Gedanken ersetzt. Wenn wir wirklich Altruismus und Mitgefühl integrieren wollen, müssen wir diese Qualitäten über lange Zeiträume kultivieren, sie in unseren Köpfen verankern, sie pflegen und verstärken, bis sie ein dauerhafter Teil unserer Denkweise geworden sind.

    Der beste praktische Ratschlag, den ich der gegenwärtigen Generation geben kann, ist, die Tugend der Liebe zu üben -Bertrand Russell

    Wenn wir geistige oder körperliche Schmerzen erleben, fühlen wir oft ein Gefühl der Isolation, eine Trennung von Menschlichkeit und Leben. Nicht umsonst sagt man, dass man sich allein mit dem Schmerz fühlt.
    Gerade deswegen ist die Verbindung mit anderen Menschen- auch wenn sie hier nur in Form der Meditation geschieht, eine machtvolle Waffe gegen Schmerz.

    In unserer Kultur, wenn wir über Liebe sprechen, ist diese normalerweise an eigene Erwartungen geknüpft- die Erwartung an gewisse Bedingungen. Unterbewusst hat sich in unseren Köpfen das Denkmuster integriert: Ich werde dich lieben /mögen, solange du dich in den folgenden fünfzehn Weisen benimmst oder nicht gegen diese unterbewussten Regeln von mir verstößt.

    Loving Kindness oder metta, wie es in Pali heißt, ist ein bedingungsloses Wohlwollen, das nicht an äußere Bedingungen geknüpft ist.

    Die Vorteile der Loving kindness- Meditation

    Es gibt immer wieder gespaltene Meinungen in Bezug auf die Studien. Die einen sagen, dass ich die Studien nicht heraussuchen muss, weil sie sie ohnehin nicht lesen. Die anderen sagen, dass es zu schön und revolutionär ist, um wahr zu sein und ich die Studien doch bitte anhängen soll. Deshalb habe ich sie jetzt jeweils verlinkt und jeder kann selbst entscheiden, ob er mir glaubt oder sie selbst durchliest. 🙂

  • erhöht positive Emotionen und verringert negative Emotionen
  • verringert chronische Schmerzen
  • verringert Gefahr für Krankheiten, wie Schizophrenie
  • verlangsamt das Altern
  • erhöht Empathievermögen
  • erhöht die Fähigkeit soziale Verbindungen zu schließen
  • verringert Selbstkritik
  • langfristig haltende Effekte des Glücks
  • Die Effekte von loving kindness sind aber auch wissenschaftlich belegt. Eine Studie aus 2008 von Barbara Fredrickson belegt, dass die Menschen, die ungefähr 1 Stunde pro Woche loving kindness praktiziert haben, eine deutlich größere Bandbreite an positiven Emotionen erlebt haben (Liebe, Freude, Dankbarkeit, unerschütterliche Zufriedenheit, Hoffnung, Neugierde und Staunen) . Zudem wir in deinem Gehirn noch ein Cocktail an Hormonen ausgeschüttet, der für Glücksgefühle verantwortlich ist. Besonders Oxytocin- das Kuschelhormon- ist beteiligt.

    Zusätzlich sei ein Vorteil, dass andere Leute dazu tendieren dich zu mögen, wenn du loving-kindness als Praxis in deinen Alltag integriert hast. Antike Texte besagen sogar, dass Tiere dich deutlich lieber mögen, wenn du die Fähigkeit der loving-kindness entwickelt hast. Dazu habe ich leider keine Studien und Gehirnmessungen. 😉

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    Traditionelle buddhistische Übung & moderner Alltagstipp: Kultivierung des Mitgefühls durch Frieden, Freude und Wohlwollen

    Empathie

    Diese Meditation zum kostenlosen Download ist die traditionelle buddhistische Übung:

    Downloads

    Aber man kann selbstverständlich auch verstehen, dass du nicht jeden Tag die Zeit findest diese Meditation auszuführen. Daher gibt es noch eine Alltagsübung bei der du Altruismus üben kannst und die positiven Effekte auf dein Glück spüren kannst:

    Wenn du das nächste Mal durch die Innenstadt gehst, versuche zwei fremde Menschen in deiner Umgebung ausfindig zu machen und wünsche ihnen von Herzen in Gedanken, dass sie glücklich sind. Das war es. Du musst nicht tun, nichts sagen, sondern es nur denken. Du kannst es selbstverständlich auch zuhause in deinem Zimmer praktizieren und Freuden oder Leuten, die dir etwas bedeuten diese Gedanken widmen. Fokussiere dich nicht auf das, was du aus der Situation bekommst, sondern wünsche zwei fremden Menschen in Gedanken mit einem leichten Lächeln auf den Lippen von Herzen, dass sie frei von Leiden sind und glücklich sind.

    Wie du wahrscheinlich schon bemerkt hast, ist Liebe zu anderen Menschen (selbst zu einer Partnerin) kein andauernder Strom von ausschließlich positiven Emotionen. Es ist eigentlich viel flüchtiger als die meisten von uns es wahr haben wollen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass dieses Gefühl erneuerbar ist. Die Forschung von Barbara Fredrickson und ihren Kollegen hat in der Tat gezeigt, dass man dieses Gefühl reproduzieren kann und dass die Quantität der positiven Emotionen deutlich mehr zählt als die Qualität.

    Die Macht der guten Gefühle - Quantität zählt

    Quantität

    Das Geheimnis besteht darin, die positive Stimmung nicht krampfhaft festzuhalten und ihre flüchtige Natur nicht zu leugnen. Denn wir wissen alle, dass Emotionen nicht ewig halten- egal ob positiv oder negativ. Stattdessen ist es sinnvoll, dass wir die Quantität positiver Erfahrungen in unserem Leben erhöhen.

    Das Verrückte ist, dass man das Ganze mathematisch messen kann. Beim sogenannten positiven Quotient. handelt es sich nämlich um das messbare Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen. Formal betrachtet, berechnet sich der positive Quotient durch die Häufigkeit positiver Emotionen während
    eines beliebigen Lebensabschnitts geteilt durch die Häufigkeit negativer Gefühle im gleichen Zeitraum. (Formel P:N (Positivität : Negativität ))

    Der positive Quotient macht dabei den enormen Unterschied. Er entscheidet, wie wir die objektive Realität wahrnehmen und ob wir uns eine Realität schaffen, die uns gut tut. Wie bei allem in der Natur, ist ein Zustand der Stagnation selten. Entweder wachsen wir emotional oder sterben innerlich ab. Etwas dazwischen gibt es selten.

    Die Macht der guten Gefühle -Der 3-zu-1-Quotient

    Die Macht der guten Gefühle 3:1

    Bislang habe ich nur grob beschrieben, dass eine positive Lebenseinstellung unseren Verstand öffnet und unsere Lebensqualität verbessern kann. Was mich davon überzeugt hat mir eine positive Grundhaltung zu Herzen nehmen und damit im eigenen Leben zu experimentieren, war das eben beschriebene 3:1 Verhältnis, weil es endlich mal im Gegensatz zu vielen positiven Gurus beschrieben hat, dass negative Gefühle auch dazu gehören und nicht der Weltuntergang sind.

    Stell dir einmal folgendes Szenario vor:

    Du schaltest den Fernseher ein. Der Nachrichtensprecher berichtet gerade live aus einem aktuellen Kriegsgebiet und zeigt, wie die IS unschuldige Kinder und Zivilisten brutal hingerichtet hat. Laut vielen positiven Gurus sollen wir dann denken und sagen: "Was für eine hervorragende Kameraführung. Und was für lebhafte Bilder! Die IS-Kämpfer haben das bestimmt nicht böse gemeint."

    Bullshit ! Ich muss nicht weitermachen, oder? Dieses positive Denken hat absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Eine hundertprozentig positive Lebenseinstellung leugnet die Menschlichkeit
    des Lebens.

    Den Quotient, den Barbara Fredrickson durch ihre Studien herausgefunden hat, ist realitätsnaher: ein Quotient der guten Gefühle von 3:1. Mit anderen Worten: Auf jede bedrückende emotionale Erfahrung kommen drei positive Erlebnisse.

    Diese 3:1-Regel ist aber nicht in Stein gemeißelt. Die Wissenschaft ist niemals perfekt und hat immer wieder neue Erkenntnisse auf Lager. Doch mich persönlich beruhigt die Erkenntnis, dass das Rezept nicht
    3:0 lautet.

    Negative Erlebnisse sind wichtig, niemand kann ohne das Negative wachsen. Selbst die glücklichsten Menschen der Welt trauern, wenn sie einen geliebten Menschen verlieren, ärgern und fürchten sich wie wir alle.

    Deshalb ist der positive 3-zu-1-Quotient auch so befreiend: Er umfasst die ganze Palette menschlicher Emotionen. Nichts muss unterdrückt und zur Seite geschoben werden, sondern wir sehen der Realität ins Auge und formen daraus unsere wertvollste und bestmögliche eigene, positive Realität.

    Daher ist die Qualität der positiven Gefühle nicht ausschlaggebend, sondern die Quantität, um gegen die Übermacht der negativen Gefühle anzukommen. In diversen Studien zeigte sich, dass Menschen ab einem bestimmten Mischverhältnis von positiven aus negativen Emotionen eine allgemein positive Lebenseinstellung annehmen. Dieser Punkt nennt sich Tipping-Point.

    Menschen mit einem höheren Quotienten als 3:1 sind allerdings die Minderheit. Bei den meisten beträgt das Verhältnis eher 2:1. Sie tendieren sogar zu Unzufriedenheit mit ihrem Leben. Bei depressiven Person liegt der Quotient sogar bei 1:1. Gerade deshalb kann eine loving kindess Praxis massiv zu unserem Wohlbefinden beitragen, wenn wir diese kleinen Dinge im Alltag schätzen und das Verhältnis erhöhen.

    Altruismus üben - ein Fazit

    "Ich weiß nicht, was dein Schicksal sein wird, aber eines weiß ich: Die Einzigen unter euch, die wirklich glücklich sein werden, sind diejenigen, die gesucht haben und gefunden haben, wie sie anderen dienen sollen. "-Albert Schweitzer

    Wir sind einmalige Freaks der Natur, die ohne Zweifel die Fähigkeit haben anderen zu schaden und egoistisch zu sein, ABER auch gelegentlich so selbstlos und teambewusst wie Bienen sein können. Einfach aus reinem Altruismus und Mitgefühl Gutes zu tun ohne über unseren eigenen persönlichen Nutzen nachzudenken. Und die Fähigkeit zum Altruismus und der Selbstlosigkeit kann, wie wir eben gelesen habe trainiert werden.

    Jeder Mensch muss entscheiden, ob er im Licht des kreativen Altruismus oder in der Dunkelheit des zerstörerischen Egoismus wandeln wird.
    -MARTIN LUTHER KING JR.

    Altruismus ist wie die Ringe im Wasser, wenn man einen Kieselstein wirft. Zuerst sind die Kreise sehr klein, dann werden sie größer, und schließlich füllen sie die gesamte Oberfläche des Sees und du hast die Chance durch deinen Altruismus einen dieser Steine zu werfen und Wellen zu schlagen, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

    Genau das meine ich mit meinem Standardspruch, den du immer wieder von mir hörst(Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht) . Niemand verlangt, dass du der nächste Gandhi werden musst. Doch es ist in meinem Weltbild erstrebenswert zu einem Menschen zu werden, der eine gewisse Empathie und Mitgefühl hat- kein Roboter, sondern ein Mensch, der sich um andere Menschen sorgt.

    In diesem Sinne: Du musst kein Heiliger sein- ein Mensch reicht.

    6 Comments

    1. […] Außerdem geht Dankbarkeit mit der Erkenntnis einher, dass viele Taten von anderen Menschen aus Altruismus und selbstlosen Motiven entsteht. Wäre unsere Welt ausschließlich von Grausamkeit und Egoismus […]

    2. […] Vielleicht glaubst du ja dem laut neurowissenschaftlichen Studien glücklichsten Menschen der Welt. Matthieu Ricard, buddhistischer Mönch und Wissenschaftler und glücklichster Mensch der Welt stellt fest, dass "je […]

    3. […] Altruismus üben- Was wir vom glücklichsten Menschen der Welt Matthieu Ricard über loving kindness… […]

    4. […] zentrales Merkmal von Personen mit hohen Verträglichkeitswerten ist Altruismus , Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dieser nimmt an, dass die Menschen gute Absichten haben und […]

    5. […] Personen, die in diesen Merkmalen hohe Ergebnisse erzielen sind, begehen eher Verbrechen verursachen soziale Not und Probleme am Arbeitsplatz. Diese Individuen zeigen mehrere Kernmerkmale, darunter “ Ein Hang zur Manipulation, Egozentrismus, Mangel an Ehrlichkeit und Demut und Tendenzen zur zwischenmenschlichen Ausbeutung und fehlende Empathie . […]

    6. […] Wenn wir einmal verinnerlicht haben, dass andere nicht so verschieden sind und es sogar gefährlich ist andere zu dehumanisieren, können wir echtes Mitgefühl entwickeln. […]

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