Negativschleifen auflösen: Wie die richtige Perspektive die Negativschleife in unserem Kopf auflöst

Wenn wir mit schlechten Nachrichten, einer schwierigen Person oder einer Enttäuschung welcher Art auch immer zu tun haben, fangen die meisten an sich in eine Negativschleife zu denken. Wir reagieren über, rücken die Dinge aus dem Verhältnis, konzentrieren uns auf die negativen Aspekte des Lebens und leiden massiv an unbedeutenden Situationen.

Wir verlieren das größere Bild, konzentrieren uns auf das Negative und verärgern andere Leute, die uns sonst helfen könnten. Kurz gesagt: Wir leben unser Leben, als wäre es ein großer Notfall oder ein Qual! Weil alles wie eine so große Sache scheint, verbringen wir unser Leben mit einem Drama nach dem anderen. Nach einer Weile fangen wir an zu glauben, dass alles wirklich eine große Sache ist.

Die größte Entdeckung meiner Generation ist, dass ein Mensch sein Leben verändern kann, indem er seine Haltung ändert. -WILLIAM-JAMES

Der Schneeballeffekt des Denkens- Die Negativschleife

Unendlichkeit

Wie du es wahrscheinlich kennst, kann die Negativschleife schnell außer Kontrolle geraten. Hast du jemals bemerkt, wie verärgert du bist, dass du nicht aufhören kannst dich weiterhin in die Negativschleife zu denken? Ein Gedanke führt zu einem anderen und ehe du ich versiehst, glaubst du, dass die Welt untergeht.

Zum Beispiel ist es mir schon passiert, dass ich mitten in der Nacht aufgewacht bin, weil ich an einen Anruf denke, der am nächsten Tag gemacht werden muss. Doch anstatt mich erleichtert zu fühlen, dass ich mich an einen so wichtigen Anruf erinnere, habe ich angefangen über alles nachzudenken, was ich morgen tun muss und alle potentiellen Schwierigkeiten, die mir im Weg stehen könnten. Es häuft sich so schnell an, dass ich kein Auge mehr zu tue und beinahe schon Angst habe.

Für viele Menschen gibt es keine Begrenzung, wie lange diese Art von "Gedankenüberfall" oder diese Art der Negativschleife weitergehen kann. Ist es überflüssig zu erwähnen, dass es nur schwer möglich ist Frieden zu finden, wenn unser Kopf voller Sorgen ist und die Negativschleife nicht aufhören will. Je früher wir den Aufbau unseres geistigen Schneeballs (die Negativschleife) aufhalten, desto leichter ist es zu stoppen.

Glücklicherweise gibt es einen anderen Weg, um das Leben zu leben, der mit unserem Glück kompatibler ist. Dieser "andere Weg" heraus aus der Negativschleife des Denkens bedeutet, alte Gewohnheiten der "Reaktion" durch neue Gewohnheiten der Perspektive zu ersetzen.

Es gibt zwei Regeln für das Leben in Harmonie:

1) Hör auf dich wegen kleinen und unbedeutenden Dingen in eine Negativschleife zu denken.

2) (Fast) alles, was wir als "Problem" wahrnehmen, ist unbedeutend.

Ich will ehrlich zu dir sein: Wenn du aufhörst dich wegen kleinen Dingen in eine Negativschleife zu denken, wird dein Leben nicht perfekt sein, aber du wirst lernen, das Leben mit weniger innerem Widerstand zu akzeptieren.

Wir konzentrieren uns auf kleine "Probleme und Sorgen " und blasen sie auf. Ein Fremder, der uns im Verkehr schneidet, ein Mensch, der uns unhöflich begegnet oder jede andere Kleinigkeit, die uns in eine Negativschleife führt. Anstatt es loszulassen und mit unserem Tag weiterzumachen, überzeugen wir uns davon, dass unser Zorn gerechtfertigt ist und leiden darunter. So viele Menschen verbringen so viel von ihrer kostbaren Zeit in dieser Negativschleife, dass sie völlig den Kontakt mit der Magie und Schönheit des Lebens verlieren.

Musterunterbrechung der Negaivschleife

Musterunterbrechung

Doch bevor wir zu den 2 kontraintuitiven Strategien, um dich wegen kleinen Dingen nicht mehr in eine Negativschleife zu denken, kommen, möchte ich dir einen kleinen Trick verraten, wie du diese Negativspirale unterbrechen kannst?

Die Weisen aus Sivana glaubten, dass man nur reine Gedanken haben sollte. Wenn sie sich einmal erwischen sollten, dass ein unreiner Gedanke ihren Verstand durchzog, sprangen sie unter eiskaltes Wasser, bis sich die Kälte nicht mehr aushalten konnten.

Moment, Moment ! Das ist ein bisschen zu extrem und das ist auch nicht, das, was du machen solltest, aber ein ganz kleiner Funke Wahrheit ist dran. Du sollst dich nicht für negative Gedanken bestrafen. Die gehören dazu. Was du jedoch machen kannst, ist das Muster zu unterbrechen.

Dein Körper und der Zusammenhang mit deinen Emotionen

Deine Physiologie kontrolliert ein Großteil deiner Emotionen. Im Englischen sagt man so schön: "Motion creates emotion". Wir entwickeln im Verlauf der Zeit gewisse charakteristische Muster, indem wir uns immer auf dieselben Denkmuster fokussieren und als Folge dessen auch immer gleich handeln. Ich habe mich früher immer über die Dummheit der Fliegen gewundert, die immer wieder gegen dieselbe Scheibe geflogen sind, um nach draußen zu kommen. Doch eines Tages habe ich mich selbst ertappt, dass ich genau dasselbe gemacht habe.

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. - Albert Einstein

Ich habe immer wieder dieselben destruktiven Denkmuster gehabt und mich dann gewundert, warum ich mich schlecht gefühlt habe. Doch dafür haben wir die Musterunterbrechung. Die beste Möglichkeit um deine eigenen Muster zu unterbrechen, ist es etwas zu machen, dass du nicht erwartest bzw. das so radikal verschieden ist, von dem, was du sonst immer machst.

Der effektivste Weg führt nämlich über eine drastische Änderung der Physiologie. Auch auf die Gefahr hin jetzt als seltsam angesehen zu werden oder verrückt bezeichnet zu werden. Zeige ich dir meine Strategie zur Musterbrechung. Ich bewege mich zu dem Lied "Shake it off" von Taylor Swift und schüttle die negativen Dinge zuerst einmal ab.

Mag irre klingen, aber ich werde lieber als verrückt angesehen als mich selbst in eine Depression oder in einen Angstzustand hinein zu denken.

Alternativ funktioniert aber auch jede andere radikale Änderung in deinem Körper, wie zum Beispiel ein schnelles Aufstehen, ein Sprung, usw. Die Hauptsache ist, dass es die übliche Handlungs-und Denkweise unterbricht. Auch wenn die Musterunterbrechung eine machtvolle Technik ist, reicht sie nicht, um die Negativschleife langfristig auflösen zu können. Dazu brauchen wir einen Paradigmenwechsel.

Kontraintuitive Strategie 1 um dich wegen kleinen Dingen nicht mehr in eine Negativschleife zu denken- Die richtige Perspektive

Erde

Es ist schwierig in der Negativschleife zu bleiben, wenn wir einmal herauszoomen. Die richtige Perspektive lässt unsere Probleme beinahe schon winzig klein erscheinen und sorgt dafür, dass die Negativschleife sich auflöst. Manchmal ist es nämlich eine Art von Myopie oder Ichologie, die dafür sorgt, dass wir uns selbst schaden.

Starker Fokus auf uns selbst sorgt dafür, dass wir glauben, dass wir das Zentrum des Universums sind. Es gibt eine Welt jenseits unserer eigenen persönlichen Erfahrung, die mit Leuten gefüllt sind, die durch viel schlimmere Dinge gegangen sind und trotzdem unglaublich lebensbejahend sind. Wir sind nicht besonders oder einzigartig in dem Sinne, dass nur wir negativen Emotionen ausgesetzt sind.

Wir leben an dem einzigen Ort, der uns bekannt ist, an dem Leben entstehen kann. Wenn das kein Grund ist, einmal unserem eigenen Kopf heraus zu kommen und die größere Perspektive zu sehen, weiß ich es nicht. Selbst Carl Sagan, der selbst im Weltraum war und die Erde von oben gesehen hat, sagte:

"Es wurde gesagt, dass die Astronomie eine charakterbildende Erfahrung ist, die uns bescheiden macht. Es gibt vielleicht keine bessere Demonstration der Verrücktheit der menschlichen Einfälle als dieses ferne Bild unserer kleinen Welt. Für mich unterstreicht es unsere Verantwortung, uns freundlicher zu behandeln und den blassblauen Punkt zu bewahren und zu pflegen, das einzige Zuhause, das wir je gesehen haben. "

Wir leben auf dem blassblauen Punkt. Und es ist ein schöner Punkt. Wir müssen uns erinnern, dass die meisten Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, schon tot sind. Es gibt heute etwa 7 Milliarden Menschen auf der Erde und 115 Milliarden Menschen, die jemals in der Geschichte der Welt gelebt haben. Das bedeutet, dass 108 Milliarden Menschen tot sind. Die meisten Menschen haben bereits ihr Leben gelebt.

Um es noch einmal in ein anderes Verhältnis zu stecken. Vierzehn von fünfzehn Leuten, die jemals gelebt haben, werden nie wieder Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen, nie wieder Schokolade essen oder einen Sonnenuntergang oder ein Championsleaguefinale sehen. Vierzehn von allen fünfzehn Menschen werden niemals wieder den Geruch des Nachbar-Grills riechen, die kalte Seite des Kissens an einem heißen Sommertag spüren oder die flackernden Kerzen eines Geburtstags-Kuchens in einer dunklen Küche, die mit Freunde und Familie gefüllt ist, ausblasen .

Zu leben bedeutet, dass du die Lotterie schon gewonnen hast. Und du bist der eine aus den 15, der noch die Chance dazu hat. Diese Perspektive macht es schwierig in der Negativschleife zu bleiben.

Hier ist eine Übung: Gehe auf ein altes Schlachtfeld oder einen Ort von historischer Bedeutung. Schaue dir die Statuen an und du wirst merken, wie viele Generationen schon vor uns hier waren und wie kurz unsere Zeit hier auf der evolutionären Skala ist. In diesen Momenten haben wir ein Gefühl der Unermeßlichkeit der Welt.

Krankhafte Fokussierung auf sich selbst und damit auch die Negativschleife ist in solchen Momenten fast unmöglich. Der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson hat diese Dualität gut beschrieben - es ist möglich, sowohl unsere Bedeutung und unseren Wert als Mensch anzuerkennen aber auch uns gleichzeitig über die Irrelevanz klar zu werden, die wir und unsere Probleme im großen Bild spielen. Wie er sagt:

"Wenn ich ins Universum nachschaue, weiß ich, dass ich klein bin, aber ich bin auch gleichzeitig groß. Ich bin groß, weil ich mit dem Universum verbunden bin und das Universum mit mir verbunden ist. "

Sternentheraphie um der Perspektive der Negativschleife zu entkommen

Sternentherapie

Wenn in dir ein innerer Widerstand ist und du gegen irgendetwas ankämpfst, schau nach oben. Schau einfach für eine Minute in den Nachthimmel und erkenne, dass wir alle zur gleichen Zeit auf dem gleichen Planeten sind. Soweit wir sagen können, sind wir in unserer unmittelbaren Nähe der einzige Planet mit dem Leben. Wenn du anfängst die Sterne zu betrachten, erkennst, dass das Licht der Sterne und weißt, dass diese Sterne eigentlich gar nicht mehr existieren, wenn das Licht auf deine Rezeptoren trifft. Nur die Gewaltigkeit des Universums ist genug, um uns begeistern und alle unsere neurotischen Ängste in die richtige Perspektive zu rücken, sodass die "Probleme" klein wirken.

Wie klein sieht die Erde neben Uranus, Neptun und Saturn und Jupiter aus? Wenn unsere Erde ein Golfball ist, sind die anderen Planeten Tennisbälle und Bowlingkugeln. Und wie groß ist die Sonne im Vergleich zu unserem Golfball? Es ist größer als ein Haus!

Und es gibt Tausende von Sternen, genau wie unsere Sonne, die unsere Milchstraße füllt. Was ist eine Galaxie? Ein Klumpen von Sternen, Gas und Staub, der durch Schwerkraft zusammengehalten wird. Wir leben in einem dieser Klumpen und Wissenschaftler schätzen, dass es sechshunderttausend Sterne allein in unserer Galaxie gibt. Unsere Sonne ist nur einer von sechshunderttausend Sternen in unserer Galaxie. Aber es geht noch viel weiter.

Und dann denken wir uns in eine Negativschleife, wenn das W- LAN nicht funktioniert oder uns ein Kollege oder ein Freund kritisiert, wenn wir einen Fehleinkauf machen oder jemand uns "ungerecht" behandelt hat?

Kontraintuitive Strategie 2 um dich wegen kleinen Dingen nicht mehr in eine Negativschleife zu denken- Die Psychologie der Dankbarkeit

Psychologie der Dankbarkeit

Ich kann dir keinen Rat geben, wie du in kürzester Zeit reich wirst. Aber ich kann dir sagen, wie du es schaffen kannst dich reich zu fühlen, was meiner Meinung nach viel besser ist, als reich zu sein. Sei dankbar! Dies ist die einzig wirklich verlässliche Methode, um sich schnell reich zu fühlen.

Trotz des Beifalls, den die Dankbarkeit findet, wurde die Dankbarkeit von der wissenschaftlichen Psychologie lange Zeit nicht erforscht. Es ist möglich, dass die Psychologie die Dankbarkeit ignoriert hat, da sie für viele Menschen (oberflächlich) ein sehr offensichtliches und unkompliziertes Gefühl ist: Wir erhalten ein Geschenk und fühlen als Folge dessen ein angenehmes Gefühl der Dankbarkeit in unser Brust. Auch mir kam das Gefühl, als ich mich das erste Mal mit Dankbarkeit beschäftigt habe recht simpel vor, aber in Wahrheit ist Dankbarkeit ein tieferes, komplexeres Phänomen und für das menschliche Glück von entscheidender Bedeutung. Dankbarkeit gehört eindeutig zu den Dingen, die das Leben eines Menschen messbar verändern können.

Ich stütze mich zwar auf wissenschaftliche Erkenntnisse und bemühe mich um eine gewisse Objektivität, aber ich bin nicht neutral in Bezug auf das Thema Dankbarkeit. Ich halte Dankbarkeit für eine der besten Lebenseinstellungen der Welt.

Dankbarkeit bedeutet Anerkennen und Erkennen

Ich persönlich finde es immer hilfreich, mir Dankbarkeit in zwei Stadien vorzustellen:

  • Anerkennen
  • Zunächst müssen wir das Gute in unserem Leben anerkennen. Durch Dankbarkeit bejahen wir das Leben. Wir bekräftigen, dass es alles in allem positiv ist und dass es Dinge gibt, für die es sich zu leben lohnt und es Tausende oder Zehntausende Dinge gibt, die jeden Tag gut funktionieren.

  • Erkennen
  • Dem Anerkennen folgt die Erkenntnis, dass die Quelle der Dankbarkeit zumindest teilweise außerhalb unseres Selbst liegt. Dankbarkeit wird häufig von anderen Menschen oder äußeren Umständen hervorgerufen. Extrem selten ist man sich selbst gegenüber dankbar. Das ist einer der signifikanten Unterschiede, in denen sich Dankbarkeit von anderen Emotionen unterscheidet.

    Eine Person kann wütend auf sich selbst sein, zufrieden mit sich selbst, stolz auf sich selbst oder schuldig, aber es wäre seltsam, zu behaupten, dass eine Person sich selbst gegenüber Dankbarkeit empfindet, weil sich Dank meist an den Gebenden richtet. Aus dieser Perspektive heraus betrachtet, ist Dankbarkeit nicht nur eine einfache Emotion, sondern braucht die Bereitschaft, zu erkennen, dass wir etwas erhalten haben ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen.

    Dankbarkeit beinhaltet eine gewisse Demut – die Erkenntnis, dass wir ohne die Mitwirkung anderer Menschen oder Gegenstände nicht das wären, was wir sind, und nicht das hätten, was wir im Leben haben. Außerdem geht Dankbarkeit mit der Erkenntnis einher, dass viele Taten von anderen Menschen aus Altruismus und selbstlosen Motiven entsteht. Wäre unsere Welt ausschließlich von Grausamkeit und Egoismus geprägt, gäbe es keiner Möglichkeit, Dankbarkeit zu empfinden. Durch unsere Dankbarkeit erkennen wir an, dass es auf dieser Welt Dinge gibt, die uns geschenkt wurden- einfach so.

    Der französische Ausdruck "je suis reconnaissant" kann auf drei Weisen gedeutet werden:

  • Ich erkenne ( intellektuelle Ebene)
  • Ich erkenne an (Ebene des Willens)
  • Ich gebe einer Sache Wert ( emotionale Ebene).

  • Diese kurze etymologische Ausführung beweist, dass Dankbarkeit viel mehr ist als ein oberflächliches Gefühl. Zu erkennen bedeutet, eine Situation neu zu erkennen und sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten als früher.

    Dankbarkeit & die Negativschleife

    Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Depressionen in umgekehrtem Verhältnis zur Dankbarkeit stehen. Je dankbarer ein Mensch ist, desto weniger läuft er Gefahr sich in eine Negativschleife zu denken. Und im Umkehrschluss: Je depressiver ein Mensch ist, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass er dankbar für das Leben ist.

    Philip Watkins, ein klinischer Psychologe aus den USA hat herausgefunden, dass Personen, die unter klinischen Depressionen litten, ein deutlich niedrigeres Maß an Dankbarkeit empfanden- in Zahlen fast 50 Prozent weniger im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Depressionen und die Negativschleife sind in der Regel Zustände, die mit wenig Freunde verbunden sind. Depressive Menschen sind daher meistens blind für die positiven Aspekte in ihrem Leben und es fällt ihn daher schwer die Negativschleife durch Dankbarkeit zu brechen.

    Die Wissenschaft ist sich heute sicher, dass Dankbarkeit die Abrufbarkeit positiver Erfahrungen verstärkt. Was bedeutet das? Wenn wir dankbar sind, nehmen wir die positiven Aspekte unseres Lebens intensiver wahr, was dafür sorgt, dass wir uns an diese Erfahrungen besser erinnern. Mit anderen Worten: Dankbarkeitsorientierte Menschen neigen dazu sich nicht nur im Rahmen eines psychologischen Experiments an die Dinge zu erinnern, die sie haben, sondern rufen sich regelmäßig auch die Geschenke in Erinnerung und fühlen deshalb häufiger tiefe Dankbarkeit.

    Außerdem kann Dankbarkeit Depressionen auch dadurch lindern und Negativschleifen auflösen, dass sie die Aufmerksamkeit vom eigenen Selbst ablenkt. Die Dankbarkeitsforschung hat gezeigt, dass depressive Menschen meist einen starken Fokus auf sich selbst haben, was ihre Stimmung noch intensiviert. Dankbarkeit bricht die Negativschleife mit ziemlicher Sicherheit. Mehr als das ! Sie sorgt sogar dafür, dass wir in eine Aufwärtsspirale der guten Gefühle kommen.

    Dankbarkeit ist Herzenssache

    Wenn wir negative emotionale Reaktionen wie Wut, Angst und inneren Widerstand erleben, wird unser Herzrhythmus unregelmäßig, was die Kommunikation zwischen dem Herzen und dem Gehirn erschwert. Der Widerstand gegen negative Emotionen setzt nicht nur im Kopf eine Negativschleife in Gang, sondern auch im Körper. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, der Blutdruck steigt und das Immunsystem wird geschwächt.

    Abbildung 2: Herzrhythmus-Muster bei verschiedenen Gemütszuständen
    Quelle: HearthMath Research Center. Copyright © 2001 by Institute of HearthMath.

    Wenn wir im Gegensatz dazu tiefe Liebe, Dankbarkeit, Wertschätzung und Mitleid empfinden, ist der Herzrhythmus deutlich gleichmäßiger, was der Kommunikation zwischen Herz und Gehirn sehr zugute kommt. Es klingt verrückt, aber: Eine positive Grundstimmung hat einen harmonischen Herzrhythmus zur Folge. Durch das bewusste Erleben von Dankbarkeit können Menschen den natürlichen Rhythmus ihres Herzens wiederherstellen.

    Dankbarkeit & Vergleichsdenken

    In einem Experiment von Robert Emmons zur Dankbarkeit wurde den Teilnehmern eine vergleichsorientierte Vorgabe gegeben, indem sie gebeten wurden, jeden Tag fünf Dinge zu notieren, die sie nicht hatten, sich aber wünschten. Im Laufe der Zeit erlebte die Gruppe signifikant weniger Dankbarkeit und Freude, als Vergleichsgruppen, denen andere Vorgaben gemacht wurden.

    In einer weiteren Studie wurden die Experimentsteilnehmer zufällig in zwei Untergruppen aufgeteilt. Beide Gruppen wurden gebeten, Sätze zu vervollständigen. Bei Gruppe 1 handelte es sich um Aussagen wie: "Ich wünschte, ich wäre …". Die andere Gruppe bekam Sätze vorgelegt wie: "Ich bin froh, dass ich nicht …" Vor und nach der Vervollständigung sollten die Probanden ihre Lebenszufriedenheit einschätzen.

    Diejenigen, die den Satz "Ich bin froh, dass ich nicht …" vervollständigen sollten, waren erheblich zufriedener als vorher. Wir Menschen machen permanent Beurteilungen, von denen wir kaum etwas merken. Wir sind ständig damit beschäftigt, Situationen, Ereignisse, andere Menschen und uns selbst zu bewerten( immer vor dem Hintergrund unser Standardvorstellung). Es ist also hilfreich unsere Vergleichsbasis mit Vorsicht zu wählen. Vieles, was wir heute für selbstverständlich halten, ist alles andere als selbstverständlich und ist in anderen Teilen der Welt nur den wenigsten überhaupt ein Begriff.

    Verdirb dir nicht das, was du hast, indem du begehrst, was du nicht hast; aber denk dran, dass das, was du jetzt hast, früher zu den Dingen gehörte, auf die du nur hoffen konntest.- Epikur

    Dankbarkeit ist die Erkenntnis, dass wir im Augenblick alles haben, was wir brauchen.

    Dankbarkeit in der Negativschleife und dunklen Zeiten

    Licht im Dunkeln

    Abraham Maslow- einer der genialsten Psychologen aller Zeiten betrachtete die Selbstverwirklichung als die Spitze der Bedürfnishierarchie des Menschen. Diese Selbstverwirklichung (bestehend aus Altruismus, Güte, Philosophie, Glaube ...) galt für ihn als wichtige Säule der geistigen Gesundheit eines Menschen. Dabei hielt er Tragödie, Tod und Trauma für die wichtigsten Lebenserfahrungen eines Menschen, da sie das Individuum zu einer Veränderung seiner Lebenseinstellung zwingen.

    Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“. -Albert Camus

    9 11

    Am 11. September 2001, als die Passagierflugzeuge in die Twin Tower des New Yorker World Trade Center flogen, hielt die Welt den Atem an. Die Ereignisse dieses Tages boten Forschern eine Gelegenheit, die Reaktion der Menschen auf eine Tragödie zu untersuchen, die tiefe Narben im amerikanischen Bewusstsein hinterlassen hatte. In den nächsten vier Jahren wurden in psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften Hunderte von Studien veröffentlicht, die die emotionalen Konsequenzen der Anschläge auf die Menschen untersuchten.

    Ich will nicht verschweigen, dass es Beiträge gab, die sich auf die negativen Auswirkungen konzentrierten : auf posttraumatische Stress-Symptome, auf Angst, Depressionen, Schlafstörungen usw. Aber kurz danach erschienen auch andere Studien, die ein konträres Bild malten. Warum? Einige Menschen fühlten eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass sie noch am Leben waren oder wussten, dass ihre Angehörigen, ihre Freund und ihre Familie in Sicherheit waren.

    Barbara Fredrickson, die Autorin des Buchs "Die Macht der guten Gefühle" untersuchte die Häufigkeit positiver und negativer Gefühle vor und nach dem 11. September. Sie hatte zufälligerweise noch Kontakt zu einer Studentengruppe, der sie einige Monate vor 9 /11 einen Fragebogen zum Thema Gefühle vorgelegt hatte. Die Studentengruppe wurde gebeten, sich an den 11. September und die Folgetage zu erinnern. Sie sollten berichten, wie häufig sie jedes von 20 unterschiedlichen Gefühlen erlebt hatten, wozu sowohl Emotionen gehörten, die mit den Terroranschlägen zu tun hatten, als auch solche, die völlig unabhängig davon waren.

    Der Fragebogen umfasste also sowohl positive Gefühle (Freude, Hoffnung, Liebe) als auch negative (Angst, Ärger, Trauer). Von den 20 Emotionen des Fragebogens war Dankbarkeit auf Platz 2 nur noch übertroffen vom Mitgefühl. Die Menschen, die selbst in dieser Krise positive Gefühle erleben konnten, verfügten über größere Resilienz. Resiliente Personen entwickelten infolge der Anschläge weniger Probleme und zeigten geringere Stressreaktionen. Dankbarkeit und andere positive Gefühle scheinen also eine Art Schutzwirkung zu haben.

    Niemand ist geeigneter, Dankbarkeit zu empfinden, als der Mensch, der aus dem Königreich der Nacht emporgestiegen ist

    - Elie Wiesel, Überlebender des Holocaust, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger.

    Elie Wiesel weiß aus eigener Erfahrung, dass es hilfreich ist, seine Einstellung bewusst von den äußeren Umständen zu trennen. Im Alter von 15 Jahren war er in Heimatdorf (in Rumänien) von den Nazis verhaftet und auf einem Viehwagen nach Auschwitz transportiert worden. Er erlebte, was es bedeutet, sich für nichts anderes mehr zu interessieren als für das eigene Überleben in den Zeiten, wo das Leben ausschließlich durch Hunger, Leiden und bittere Kälte geprägt ist.

    Irgendwie überstand Wiesel die Grausamkeit des Konzentrationslagers. Vor ein paar Jahren interviewte Oprah Winfrey ihn. Sie fragte ihn, ob er nach diesen dunklen Zeiten überhaupt noch Platz für Dankbarkeit hatte. Seine Antwort :

    Doch natürlich. Gleich nach dem Krieg sagte ich anderen Menschen gern: "Danke, dass Sie leben, dass Sie menschlich sind." Und bis zum heutigen Tag ist das Wort, das mir am häufigsten über die Lippen kommt, Danke. Wenn ein Mensch keine Dankbarkeit kennt, fehlt ihm ein wichtiges Stück Menschlichkeit. Eine Person definiert sich fast schon durch ihre Einstellung der Dankbarkeit gegenüber … Für mich bedeutet jede Stunde meines Lebens eine Gnade. Und jedes Mal, wenn ich jemanden treffe und sein Lächeln sehe, empfinde ich eine tief aus dem Herzen kommende Dankbarkeit.

    Dankbarkeit nicht nur einfach irgendeine New- Age- Technik des positiven Denkens, sondern die Erkenntnis, dass wir uns auch aus der tiefsten Scheiße befreien können und auch darin noch einen Sinn erkennen können. Das ist, was mich an der Dankbarkeit am Meisten fasziniert.

    Ein Dankbarkeitstagebuch zur Überwindung der Negativschleife

    Dankbarkeitstagebuch

    Doch wie bei fast allem reicht das Wissen nicht aus. Auch Dankbarkeit zur Befreiung aus der Negativschleife muss geübt werden. Eine der besten Methoden, um tiefe Dankbarkeit zu entwickeln, ist es sie zu einem täglichen Ritual zu machen. Dazu empfiehlt sich das Führen eines Dankbarkeitstagebuch, indem du täglich 3 neue Dinge aufschreibst, für die du dankbar bist. Indem wir uns jeden Tag aufs Neue notieren, werden wir uns bewusst, welche Fülle wir in unserem Leben haben.

    Diese Dinge können mit alltäglichen Ereignissen verbunden sein, mit persönlichen Eigenschaften oder Menschen in deinem Leben, die dein Leben bereichern. Diese Technik führt zu einer eindeutig lebensbejahenden Grundeinstellung.
    Es ist es ganz egal, ob du den Tagebucheintrag morgens oder abends machst. Du musst auch kein elegantes, vergoldetes Buch kaufen, das mit dem Leder der edelsten Rinder überzogen ist.

    Das Wichtigste ist die tägliche Gewohnheit, ein Gespür dafür zu bekommen, welche Ereignisse unsere Dankbarkeit verdient haben. Ein riesiger Korpus an psychologischer Forschung deutet darauf hin, dass das Aufschreiben oder Aussprechen im Gegensatz zum reinen Denken gigantische Vorteile hat. Das schriftliche Festhalten der Gedanken trägt zur Organisation und Integration bei. Außerdem hilft das Niederschreiben die Erfahrungen zu akzeptieren und in die richtige Perspektive zu rücken.

    Um die Negativschleife zu brechen, ist es ungeheuer wichtig, dass wir im Dankbarkeitstagebuch nicht nur unterbewusst die 3 Dinge des Vortags aufzählen.

    Tag 1: Meine Katze, mein Hund, meine Wohnung

    Tag 2: Meine Katze, meine Wohnung mein Hund

    Tag 3: Meine Wohnung, meine Katze, mein Hund

    Du verstehst, was ich meine. Um die Negativschleife wirklich zu brechen und aufzulösen und "Dankbarkeitsmüdigkeit" vorzubeugen, müssen wir uns aktiv dem Glück bewusst werden, das uns jeden Tag geschenkt wird.

    Durch Dankbarkeit die Negativschleife brechen: Ein Fazit

    Die Philosophen der Aufklärung, David Hume und Immanuel Kant waren sich in Bezug auf das Thema Undankbarkeit einig. Hume sagte, dass "von allen Verbrechen, deren menschliche Wesen fähig sind, das abscheulichste und widernatürlichste die Undankbarkeit" sei, während Kant Undankbarkeit als »das Wesen des Bösen« bezeichnete.

    Auch William Shakespeare sagte:

    Ich hasse Undank mehr an einem Menschen, als Lügen, Hoffart, laute Trunkenheit, als jedes Laster, dessen starkes Gift das schwache Blut bewohnt.

    Okay, okay! Das war vielleicht schon fast zu viel des Guten. So weit würde ich jetzt nicht gehen, aber ganz Unrecht haben sie nicht. Es gibt so viel, für das wir dankbar sein können.

    Ich habe neulich bei Instagram gepostet:

    Viele Menschen brauchen keinen Grund um sich schlecht zu fühlen. Lass uns das Ganze aber einmal umdrehen. Warum brauchen wir immer ein Grund um uns überragend zu fühlen? ✌

    So viele Milliarden Jahre Evolution musste alles EXAKT so passieren, dass du heute hier in dieser goldenen Zeit lebst! Eine Änderung in der Geschichte der Zeit und du wärst nicht mehr das schnellste Spermium gewesen. Heute gehen wir davon aus, dass 115 Milliarden insgesamt zusammengerechnet auf der Erde gelebt haben. Das heißt 108 Milliarden Menschen werden nie wieder Zeit mit Freunden oder der Familie verbringen, nie wieder Schokolade essen oder einen Sonnenuntergang oder aus (gegebenem Anlass) ein Championsleaguefinale sehen.

    Und wir nehmen es als selbstverständlich hin?
    Das Leben ist keine Qual, sondern ein unfassbares Glück! Genieß es und sei dankbar! Wenn wir unsere Erwartungen gegen Dankbarkeit eintauschen, endet das ewige Vergleichen mit anderen und die innere Verknappung endet!

    Es ist schwierig in der Negativschleife zu bleiben, wenn wir einmal herauszoomen und erkennen, dass nicht alles selbstverständlich ist, was uns vom Leben geschenkt wird.

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