Die hedonistische Tretmühle- Warum dich ein Lottogewinn nicht glücklich machen wird

Die hedonistische Tretmühle ist ein psychologisches Prinzip, das für große Aufregung gesorgt hat. Zurecht! Die allgemein bekannte Definition der hedonistischen Tretmühle (auch hedonistische Adaptation genannt) ist die Tendenz, nach einem einmaligen stark emotionalen Lebensereignis schnell wieder zu dem Ursprungslevels des Glücks zurückzuspringen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Ereignis stark positiv oder negativ war. Man spricht auch von einer sogenannten Set-Point-Theorie des Glücks.

Was ist Hedonismus?

Ein Mensch, der sich dem Hedonismus verschrieben hat, tut alles um Glück zu empfinden und Schmerz zu vermeiden. Es geht um puren Fokus auf kurzzeitige Freude und Verlangen einen konstanten Fluss von positiven Emotionen entstehen zu lassen.

Es geht nur um die Erfüllung des aktuellen Verlangens und daher sucht er oder sie direkte Befriedigung dieses Verlangens. Dir fallen bestimmt ein paar dieser Leute ein. Alkohol, übermäßiger Fernsehkosum und andere Drogen sind für den Hedonisten das bevorzugte Mittel um kurzfristig Glück, Freude und Ablenkung zu erfahren.

Was ist die hedonistische Tretmühle genau und wie äußert es sich?

Funktioniert diese Strategie um Glück zu erlangen? Macht uns der Erfolg in der Zukunft wirklich glücklicher? Wir ackern jeden Tag, um in der Zukunft glücklicher zu sein bzw. mehr zu haben, weil wir uns davon Glück versprechen. Aber ist das wahr? Lass uns dieser Frage einmal nachgehen:

Kannst du dich an eine Zeit erinnern, in der du über eine Sache fantasiert hast und darüber geträumt hast, aber zum Zeitpunkt, als du es bekommen hast, warst du lange nicht so glücklich, wie du gedacht hättest und die Emotion war lange nicht so intensiv, wie gedacht ?

Erinnere dich beispielsweise an ein Geschenk aus der Kindheit, das du unbedingt haben wolltest. aber dann als du es bekommen hast, ignoriert hast. Warum passiert das?
Unter der hedonistischen Tretmühle auch bekannt als hedonistische Adaption versteht man die Tendenz der Menschen nach einem stark positiven oder negativen Ereignis relativ schnell wieder zu einem stabilen Glückslevel zurückzukehren.

Das Glück relativ zu sein scheint, ist eine uralte Annahme. Doch trotz der Bedeutung dieser Aussage für die Philosophie und die Gesellschaft gab es keine empirischen Studien zu diesem Thema bis zum 20. Jahrhundert. Im Jahr 1978 haben Brickman, Coates & Janoff-Bulman eine Studie durchgeführt, um die Annahme zu prüfen, dass bedeutsame Einzelereignisse langfristig geringe Effekte auf das subjektive Glück haben.

Um diese Annahme zu testen, wurden diverse Studien durchgeführt. In der Studie verglichen sie das Glück von drei Gruppen: eine Gruppe von Lotteriegewinner, eine Gruppe von Menschen, die durch einen Unfall gelähmt wurden und einer Kontrollgruppe.

Die Stichprobe bestand aus drei Gruppen: 22 Lotteriegewinner, 18 gelähmte Menschen und 22 Personen aus einer Kontrollgruppe. Mit allen Versuchsteilnehmern wurden Kurzinterviews durchgeführt. Das Ziel war, das jetzige, das vergangene und das erwartete Glück, sowie die empfundene Freude bei alltäglichen Aktivitäten zu erfassen. Dafür wurde einer 6-Punkte-Skala benützt, wobei 0 der niedrigste und 5 der höchste Wert war. Die Zeit zwischen dem Interview und dem kritischen Ereignis (Lotteriegewinn bzw. Unfall) betrug zwischen einem Monat und einem Jahr.

Schlussfolgerungen aus den Studien von Brickman, Coates & Janoff-Bulman

Sie kamen zu drei Schlussfolgerungen:

  • Lotteriegewinner haben weniger Freude an alltäglichen Ereignissen als die Kontrollgruppe.
  • Dieser Effekt kann durch „Adaptations-Niveau-Theorie“ von H. Helson erklärt werden und führt zu der überraschende Tatsache, dass Lotteriegewinner in der Regel nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht in der Lotterie gewonnen haben.

  • Das Glückslevel nach einmal sehr starken Einzelereignis sprang wieder auf den zuvor bestehenden Ursprungszustand zurück
  • Die insgesamt positive oder negative Auswirkung eines einzigen positiven oder negativen Ereignisses sollte nicht überschätzt werden.
  • Homöostase & Die Set Point Theorie

    hedonistische Tretmühle

    Auch wenn es ein kurzfristiges Hoch in den Glücksgefühlen ist, wird es wieder zum ursprünglichen Setpoint zurückspringen. Egal ob du ein neues Haus kaufst, den Job verlierst, einen Unfall erleidest oder Geld im Lotto gewinnst, nach kurzer Zeit kehrt man wieder zu diesem Setpoint zurück.

    Wir alle haben gewisse Widerstände gegen große Veränderungen- egal ob sie schlimm oder gut sind. Unser Körper, Gehirn und Verhalten hat die langfristige Tendenz so zu bleiben, wie es ist und innerhalb der engeren Limitationen zu verharren und jedes Mal zurückzufallen, wenn sich etwas ändert.

    Diesen Prozess nennt man Homöostase. Das Ganze ist ein Schutzzustand. Wenn beispielsweise deine Körpertemperatur um 10% nach oben und unten schwanken würde, hättest du große Probleme zu überleben. Alle selbstregulierenden Systeme - von Bakterien bis zum menschlichen Individuum- haben einen Status der Homöostase.

    Ein passendes Beispiel aus dem Alltag findest du in Form eines Thermostat. Er muss sich flexibel an die Umwelt anpassen und so diesen Status der Homöostase bewahren. Immer, wenn etwas passiert, das außerhalb der Norm ist, springt das Thermostat wieder an den Ursprungspunkt zurück.

    Wenn ich in New York bin, möchte ich in Europa sein, und wenn ich in Europa bin, möchte ich in New York sein. -Woody Allen

    Brickman und Campbell beschrieben die hedonistische Tretmühle zuerst im Jahr 1971. Aber weitere Untersuchungen von Ed Diener haben die ersten Erkenntnisse verfeinert und ein besseres Verständnis in den Ablauf dieses Prozesses gebracht. 5 Punkte sind zu berücksichtigen:

  • 1. Der Set Point des Glücks ist nicht neutral
  • 2. Der Set Point des Glücks ist individuell
  • 3. Wir haben mehrere Sets Point des Glücks
  • 4. Empfundenes Glück kann sich ändern
  • 5. Es gibt individuelle Unterschiede in der hedonistischen Anpassung

  • Wie du trotz hedonistischer Tretmühle glücklicher wirst

    Die Wissenschaft zeigt, dass unsere äußeren Umstände nur ca. 10 % unseres Glücks ausmachen. Der eben genante Setpoint ist bis zu 50 % genetisch bedingt. Um die restlichen 40 % und wie wir dieses Glück, das aus unserem Inneren kommt, maximieren können, kümmern wir uns hier auf dieser Webseite und im Erzähl mir mehr- Podcast.

    In ihrem Buch "The How of Happiness" sagt die Forscherin Sonja Lyubomirsky:

    Wenn du mit einem niedrigen Set Point in Bezug auf dein Glück kämpfst, verurteile dich nicht. Es ist nicht deine Schuld und es ist nicht so, als ob etwas nicht mit dir stimmt. Dir wurden gewisse genetische Karten ausgeteilt. Und auch wenn 50% hoch ist, sind es nicht 100%. Es gibt also eine Menge Spielraum für Verbesserungen.

    1. Gib dir die Erlaubnis, menschlich zu sein und den krankhaften Perfektionismus abzulegen. Lerne auch negative Emotionen, wie Angst, Traurigkeit und Wut zu akzeptieren.

    2. Vereinfache dein Leben. Konzentriere dich auf eine Sache und beseitige Multitasking.

    3. Finde Sinn UND Vergnügen

    4. Praktiziere Dankbarkeit.

    5. Erhöhe den Aufwand, in den Beziehungen, die dir wirklich etwas bedeuten.

    6. Achten auf die Geist-Körper-Verbindung: Achtsamkeit Meditation, Yoga und Atemübungen sind machtvolle Instrumente. Besonders loving kindness Meditation beweist sich als effektiv.

    Es gibt noch zahlreiche andere Werkzeuge, die du hier auf dieser Webseite findest, aber diese kleinen Impulse bzw. die dahinter stehenden Links führen dich zu einer Vielzahl von Beiträgen , die dir eine messbare Erhöhung deines Glücks Set Points verschaffen werden. So schaffst du es jedoch dein Glücks-Set-Point langfristig anzuheben und die hedonistische Tretmühle zu vermeiden.

    Weitere Ressourcen und Bücher über die hedonistische Tretmühle

    Baumeister, R. F., & Bushman, B. J. (2009). Social psychology and human nature, (2nd ed.). Boston, MA, United States: Cengage Learning.

    Brickman, P., Coates, D., & Janoff-Bulman, R. (1978). Lottery winners and accident victims: Is happiness relative? Journal of Personality and Social Psychology, 36(8), 917–927.

    Diener, E., Lucas, R. E., & Scollon, C. N. (2006). Beyond the hedonic treadmill: Revising the adaptation theory of well-being. American Psychologist, 61(4), 305–314.

    Eysenck, M. W. : Happiness: Facts and Myths. Psychology Press, 1990, S. 94ff.

    Fredrickson, B. L., Cohn, M. A., Coffey, K. A., Pek, J., & Finkel, S. M. (2008). Open hearts build lives: Positive emotions, induced through loving-kindness meditation, build consequential personal resources. Journal of Personality and Social Psychology, 95(5)

    Lyubomirsky, S. (2007). The how of happiness: A scientific approach to getting the life you want. New York: Penguin.

    Lyubomirsky, S., Tucker, K., L., Implications of individual differences in subjective happiness for perceiving, interpreting, and thinking about life events (1998). Motivation and Emotion, 22(2), 155-183.

    Martin-Krumm, C., Lyubomirsky, S., & Nelson, S., K., Positive psychology and adaptation : which contribution ?, in Tarquinio, C., Spitz, E., Psychologie de l'adaptation (2012). De Boeck, chapter 13, 335-353.

    Rousseau, J.-J., Cress, D. A., & Miller, J. (1992). Discourse on the origin of inequality. Indianapolis: Hackett Publishing Company.

    Studien über die hedonistische Tretmühle:

    http://faculty.som.yale.edu/ShaneFrederick/HedonicTreadmill.pdf

    http://psycnet.apa.org/journals/psp/36/8/917/

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