Warum du nicht deiner Leidenschaft folgen solltest- Die kontraintuitiven Gefahren der Leidenschaft

Es ist schwierig, den genauen Zeitpunkt festzustellen, in dem unsere Gesellschaft begann die „Leidenschaft“ zu idealisieren, aber Steve Jobs‘ Stanford Rede ist ohne Frage ein großer Wendepunkt gewesen.

Die Leidenschaftshypothese

Im Juni 2005 stand Steve Jobs auf dem Podium im Stanford Stadium, um eine Rede zu halten, die in die Geschichte eingehen sollte. Jobs redete zu einer Menge von 23.000 Menschen über die Lehren seines Lebens. Als er fertig war, erhielt er eine standing ovation. Zurecht! Es war eine überragende Rede mit vielen wertvollen Impulsen, aber seine Nachricht wird in der Gesellschaft häufig uminterpretiert. Die allgemeine Meinung, die sich jetzt abbildet, ist:

Du musst einfach deiner „Leidenschaft “ folgen, um glücklich zu sein. Es gibt eine für dich vom Universum vorbestimmte „Leidenschaft“. Wenn du diese wird dein Leben perfekt und ein konstanter Strom von positiven Emotionen und diese Arbeit wird dir IMMER Spaß machen. Der Schlüssel zum Glück ist, zuerst herauszufinden, was du leidenschaftlich willst und dann einen Job finden, der dieser Leidenschaft entspricht.

Ich sage nicht, dass Leidenschaft etwas Schlechtes ist. Leidenschaft hat definitiv seinen Platz und ich bewundere Steve Jobs und jeden, der Leidenschaft sucht, aber dahinter eine Nachricht, die laut Studienlage nicht richtig und auch gefährlich ist.

Er sagt:

… and the only way to be truly satisfied is to do what you believe is great work. And the only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle.

…aber wirklich erfüllt ist man nur, wenn man weiß, dass man gute Arbeit macht. Und das geht nur, wenn man seine Arbeit liebt. Wenn du es noch nicht gefunden hast, suche weiter. Gib nicht auf.

Dieser Beitrag bietet keine konkrete Beratung und keine „7 Schritte, wie du deinen Lebenssinn findest“. Das kann ich dir nicht bieten. Das Thema ist zu komplex, um auf eine Faustformel reduziert zu werden. Ich will dir einfach nur eine alternative Denkweise anbieten

Warum Steve Jobs selbst nicht seiner Leidenschaft gefolgt ist

Was Steve Jobs gesagt hat und was Steve Jobs gemeint und gemacht hat, war unterschiedlich.

Wenn wir in den Jahren vor der Gründung von Apple einen jungen Steve Jobs kennengelernt hätten, wären wir jemanden begegnet, dessen Leidenschaft nicht war ein Technologieunternehmen zu gründen. Er studierte stattdessen westliche Geschichte und interessierte sich für Spiritualität. Nach seinem ersten Jahr verließ er das College.

In den frühen siebziger Jahren kehrte er nach Kalifornien zurück, wo er zu seinen Eltern zurückkehrte und eine Nachtschicht bei Atari übernahm. Das Unternehmen hatte seine Aufmerksamkeit mit einer Anzeige in der Zeitung, die sagte: „Habe Spaß und verdiene Geld „. Während dieser Zeitspanne verließ er seine Arbeit bei Atari für mehrere Monate, um eine spirituelle Reise durch Indien zu machen und bei der Heimkehr begann er akribisch in einem Zen Center zu trainieren.

Diese Handlungen haben wenig mit jemandem zu tun, der eine Leidenschaft für Technologie und Unternehmertum hat. Das war weniger als ein Jahr bevor Jobs Apple Computer startete. Um es mit den Worten von Cal Newport, dem Autor des Buchs“ Traumjoblüge“ zu sagen:

Mit anderen Worten: In den Monaten, die vor der Gründung seines visionären Unternehmens lagen, war Steve Jobs ein junger Mann, der spirituelle Erleuchtung suchte und auf der anderen Seite mit Elektronik spielte, nur wenn versprochen wurde, dass er schnell Geld verdienen könnte.

Warum erzähle ich dir die Geschichte von Steve Jobs überhaupt? Wenn Steve Jobs seinen eigenen Rat genommen und beschlossen hatte, nur der Arbeit zu verfolgen, die er liebte, würden wir ihn wahrscheinlich heute als Meditationslehrer wiederfinden.

Ich zweifle nicht daran, dass Jobs später eine brennende Leidenschaft für seine Arbeit entwickelt hat. Wenn wir uns heute Reden von ihm ansehen, können wir uns fast sicher sein, dass er liebte, was er tat. Aber er folgte diesem einfachen Rat nicht. Apple wurde nicht aus Leidenschaft geboren, sondern stattdessen ein Ergebnis glücklicher Zufälle. Nicht umsonst redet der Psychologe Daniel Gilbert in seinem Buch „Ins Glück stolpern“ darüber, dass wir absolut nicht absehen können, was uns in der Zukunft glücklich machen wird.

Die Wissenschaft der Leidenschaft

 

"Die Wissenschaft der Leidenschaft- Echt jetzt, Dominique?!" , wirst du vielleicht jetzt sagen. Ich mag es auch nicht solche emotionalen Konzepte durch Daten zu entzaubern, aber was ich noch weniger mag, ist, dass Menschen leiden, weil sie an Mythen glauben, die sie nie glücklich machen werden.

Erkenntnis # 1: Leidenschaft ist nicht angeboren

Amy Wrzesniewski hat ihr komplette Karriere der Erforschung gewidmet, wie Menschen über ihre Arbeit und Karriere nachdenken. Ihr Durchbruch kam, als sie im Journal of Research in Personality eine Studie veröffentlichte, die die Unterscheidung zwischen einem Job, einer Karriere und einer Berufung erforscht. Ein Job (laut Wrzesniewski )ist ein Weg, um die Rechnungen zu bezahlen, eine Karriere ist ein Weg zu immer besserer Arbeit und eine Berufung ist Arbeit, die ein wichtiger Teil des Lebens und ein wichtiger Teil unser Identität ist.

Wrzesniewski befragte Angestellte aus einer Vielzahl von Berufen- Ärzte, Computerprogrammierer und Handwerker und stellte fest, dass die meisten Menschen ihre Arbeit mit einer dieser drei Kategorien stark identifizieren konnten.

Die Leidenschaftshypothese würde vermuten, dass Berufe, die mit Leidenschaften einhergehen, wie zum Beispiel ein Arzt oder ein Unternehmer häufiger als eine wahre Berufung erlebt werden, während weniger auffällige Berufe, von denen man nicht unbedingt träumt, von fast niemandem als Berufung erlebt werden. Um diese Hypothese zu testen, betrachtete Wrzesniewski eine Gruppe von Mitarbeitern, die alle die gleiche Position und fast identische Arbeitsverantwortung hatten: College-Verwaltungsassistenten. Sie fand zu ihrer Überraschung, dass diese Angestellten sich ziemlich gleichmäßig in alle 3 Kategorien verteilten.

Mit anderen Worten: Es ist nicht die Art der Arbeit, die darüber entscheidet, wie viel Menschen es genießen. In Wrzesniewskis Forschung sind die glücklichsten, leidenschaftlichsten Angestellten nicht diejenigen, die ihrer Leidenschaft gefolgt sind, sondern diejenigen, die schon lange genug an ihrer Fähigkeit feilten, um gut zu werden, in dem, was sie tun. Wenn wir viele Jahre Erfahrung haben, dann haben wir Zeit, um besser zu werden und ein Gefühl der Identifikation und Wirksamkeit zu entwickeln.

Es gibt uns auch Zeit stärkere Beziehungen zu den Mitarbeitern zu entwickeln. Es ist auch kein Geheimnis, dass gute menschliche Beziehungen zu unserem Glück beitragen können. Da widerspricht der Leidenschaftshypothese, die dagegen behauptet, dass wir das unmittelbare Glück finden, das von der Anpassung unserer Arbeit an eine wahre Leidenschaft kommt, die uns von Geburt an gegeben wurde.

Erkenntnis # 2: Leidenschaft ist eine Nebenwirkung der Meisterung

Die Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory, abgekürzt SDT) ist die nach aktuellen wohl die beste Wissenschaftsverständnis wohl eine besten Theorien, um zu erklären, warum wir das tun, was wir tun. SDT sagt uns, dass Motivation drei grundlegende psychologische Bedürfnisse erfordert, um intrinsisch motiviert für unsere Arbeit zu sein.

Autonomie: das Gefühl, dass du die Kontrolle über deinen Tag hast und dass deine Handlungen wichtig sind

Kompetenz: das Gefühl, dass du gut in dem bist, was du tust

Verbundenheit: das Gefühl der Verbindung zu anderen Menschen

Diese Ergebnisse helfen, die Ergebnisse von Amy Wrzesniewski zu erklären: Vielleicht ist ein Grund dafür, dass erfahrene Assistenten ihre Arbeit genossen haben, weil es Zeit braucht, um die Kompetenz und Autonomie aufzubauen, die diesen Genuss erzeugt. Erfüllung im Beruf ist also eher ein Ergebnis aus diesen 3 Faktoren. Diese Botschaft ist aber nicht halb so inspirierend wie "Folge deiner Leidenschaft und du wirst sofort glücklich sein".

Leidenschaft kann gefährlich sein

Leidenschaft gefährlich

Ich argumentiere sogar, dass das krampfhafte Festhalten an der Leidenschaftshypothese uns weniger glücklich machen kann.

Es kann gefährlich sein zu glauben, dass irgendwo ein magischer "richtiger" Job auf uns wartet und du so lange suchen musst, bis du die Arbeit gefunden hast, die für dich bestimmt ist. Das Problem ist natürlich, wenn du etwas findest, an dem du Spaß hast und dann auch nur einmal an mehreren Tagen in Folge wenig Lust hast, ist die Folge lähmender Selbstzweifel. Schließlich muss ich, wenn ich meine Leidenschaft gefunden habe NIE wieder etwas machen, das mir keine Freude bereitet, oder?

Das Ganze bezieht sich nicht nur auf Leidenschaft, sondern auch auf das Denken allgemein. Mark Manson, der Autor des Buchs "The subtle art of not giving a fuck", hat das Problem perfekt beschrieben:

Das Verlangen nach mehr positiven Gefühle ist an sich eine negative Erfahrung. Paradoxerweise ist die Akzeptanz der eigenen negativen Erfahrungen an ich eine positive Erfahrung.

Denn wenn wir glauben, dass es einen Idealzustand in Form eines "perfekten" Berufs gibt, dann beginnen wir mit allem unzufrieden zu sein, weil eventuell etwas geben könnte, das 0,4 % mehr Leidenschaft für den Moment in dir hervorrufen könnte. Willkommen in der Feedbackschleife aus der Hölle.

paradoxon der wahlmöglichkeitem,paradox of choice

Leidenschaft und das Wahlparadoxon

In unserer Überflussgesellschaft sind wir tagtäglich mit einer endlosen Reihe an Angeboten und Möglichkeiten konfrontiert- von der Kleidung, die wir tragen bis zur Wahl unseres Mittagessens. Diese Möglichkeit zu wählen gibt uns das Gefühl der Freiheit. Das glauben wir zumindest.

In der Psychologie nennt man das Ganze: The paradox of choice (Das Paradoxon der Wahl). Dieses stellt diesen verbreiteten Glauben komplett auf den Kopf und behauptet dagegen, dass die Fülle an Wahlmöglichkeiten uns in psychischer Bedrängnis bringt und es uns unglaublich schwer macht überhaupt etwas auszuwählen. Wenn wir Entscheidungen getroffen haben, kann die Existenz von all den anderen verbliebenen Optionen uns nämlich eher unglücklich machen.

Jede Sekunde unseres Lebens treffen wir Entscheidungen und in jedem einzelnen Fall gibt es auch Alternativen, die eben jeweils andere Konsequenzen haben. Damit wächst der Druck zur "richtigen" Entscheidung. Die Entscheidung wird zur enormen Verantwortung und zur Belastung. Nicht umsonst nennen wir es die Qual der Wahl.

Für die letzten 30 Jahren hat sich nämlich das US Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt, während das empfundene Glück der Amerikaner immer weiter sank. Durchschnittlich geben im Laufe der letzten 30 Jahre immer weniger Menschen an mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein. Die stetig steigende Zahl der Menschen mit klinische Depression scheint diesen Trend widerzuspiegeln. Seit 1900 hat sich das Risiko verzehnfacht.

Das liegt hängt auch mit dem enormen Mehr an Entscheidungen zusammen, mit denen wir bombardiert werden. Wenn wir quasi unendlich viele Auswahlmöglichkeiten haben eine Entscheidung zu treffen und dann mit unserer Wahl unglücklich sind, suchen wir die Schuld meist bei uns selbst.

Der Vater der positiven Psychologie Martin Seligman stellte fest, dass Kontrollverlust im Angesicht zu vieler Möglichkeiten tatsächlich zu einer Depression führen kann.

Wie unsere Leidenschaft uns im Weg steht

"Erfülle alle deine Wünsche und du wirst glücklich.", bleibt das Mantra des modernen Lebens. Fast alle unsere Handlungen, die wir in der Gegenwart treffen, führen wir durch, um ein zukünftiges Ziel zu erreichen, das wir uns wünschen. Aber funktioniert das wirklich?

Kannst du dich an eine Zeit erinnern, in der du über eine Sache fantasiert hast und darüber geträumt hast, aber zum Zeitpunkt, als du es bekommen hast, warst du lange nicht so glücklich, wie du gedacht hättest und die Emotion war lange nicht so intensiv, wie gedacht ?

Erinnere dich beispielsweise an ein Geschenk aus der Kindheit, das du unbedingt haben wolltest. aber dann als du es bekommen hast, ignoriert hast. Warum passiert das?
Unter der hedonistischen Tretmühle auch bekannt als hedonistische Adaption versteht man die Tendenz der Menschen nach einem stark positiven oder negativen Ereignis relativ schnell wieder zu einem stabilen Glückslevel zurückzukehren.

Auch wenn es ein kurzfristiges Hoch in den Glücksgefühlen ist, wird es wieder zum ursprünglichen Setpoint zurückspringen. Egal ob du ein neues Haus kaufst, den Job verlierst, einen Unfall erleidest oder Geld im Lotto gewinnst, nach kurzer Zeit kehrt man wieder zu diesem Setpoint zurück.

Die Wortherkunft der Leidenschaft

pati

Der Begriff "Leidenschaft" wird immer beliebter- besonders in der Generation Y. Infolgedessen sind viele auf die Idee gekommen, zu glauben, dass das Geheimnis zu einem bedeutungsvollen Leben Leidenschaft ist. Leidenschaft ist aber kein Synonym für unsere höchsten Werte.

Natürlich brauchst du eine Menge intrinsischer Motivation um die Meisterung in einem gewissen Bereich zu erlangen, aber was bei dem Wort "Passion" häufig wegfällt, ist die zweite Seite der Medaille.
Die alte Bedeutung des Wortes Passion oder Leidenschaft ist vollkommen verloren gegangen. Egal in welcher Sprache im Wort "Leidenschaft" steckt "leiden" drin. Auch im Griechischen heißt πάσχειν „leiden, durchstehen, erleben“, sowie im Lateinischen pati „erdulden, erleiden“ heißt.

Das Suchen nach ewiger Freude und Vergnügen ist eine Illusion.

Wenn du andere Menschen fragst, was sie vom Leben wollen und ihre Antwort ist: " Ich will einfach glücklich sein, eine großartige Familie haben und einen Beruf, den ich mag.", dann ist diese Antwort, die ich früher übrigens auch immer gegeben habe, so allgemein und standardmäßig geworden, dass sie beinahe inhaltsleer ist.

Jeder will sich gut fühlen. Jeder möchte ein einfaches unbeschwertes Leben führen, sich verlieben, großartigen Sex und Beziehungen haben, ein perfektes Aussehen haben, eine Menge Geld verdienen und Respekt genießen.
Logisch. Jeder will das.

Viel interessanter ist jedoch die Frage: Welche Dinge sind mir so viel Wert, dass ich dafür ein wenig Schmerz auf mich nehme? Für welche Ziele, Beziehungen oder Werte bin ich bereit zu straucheln? Beinahe jeder möchte viel Geld verdienen, aber die wenigsten sind bereit 70 Stundenwochen in der Anfangszeit zu investieren. Jeder will eine glückliche Familie, aber die wenigsten sind bereit Kompromisse mit dem Partner einzugehen, empathisch zu zuhören und stundenlang an einem Samstagnachmittags Bälle im Nachbargarten zu holen und mit den Kindern zu spielen, wenn die Kumpels Bier trinken und Fußball gucken.

Jeder möchte weise sein und emotionale Intelligenz erlangen, aber nur die wenigsten sind bereit zu meditieren, Bücher zu lesen. Jeder will einen gestählten Körper haben, aber die wenigsten wollen auf bestimmte Lebensmittel verzichten, weniger essen oder stundenlang im Fitnessstudio schwitzen.

Was viel eher die Richtung deines Lebens bestimmt als die Frage: "Was erfüllt dich gerade im Moment mit Leidenschaft?" ist die Frage: " Für welche Sache oder für welche Menschen bist du bereit Schmerz und Unbequemlichkeit auf dich zu nehmen?"

Ich will dir nicht sagen, was falsch oder richtig ist, sondern DICH fragen: Was bedeutet dir so viel, dass du bereit bist dafür Unbequemlichkeit und Schmerz auf dich zu nehmen ?

Uncle Sam

Über die Leidenschaft hinaus: Die vergessene Geschichte von Steve Jobs

Aber Steve Jobs hat in seiner Rede nicht nur von Leidenschaft gesprochen, sondern auch von etwas, das viel mehr unser Leben und unsere Entscheidungen beeinflusst als unsere Leidenschaft: Unser Tod!

Seine Worte:

"Als ich 17 war, las ich einen Satz, der etwa so ging: «Wenn man jeden Tag lebt, als wäre es der letzte, wird man irgendwann recht haben.» Das hat mich beeindruckt, und seitdem habe ich jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich gefragt: Wenn heute mein letzter Tag wäre, würde ich dann tun wollen, was ich heute tun werde? Und wenn ich allzu oft mit Nein antwortete, dann wusste ich, dass ich etwas ändern musste."

Mich daran zu erinnern, dass ich eines Tages tot sein werde, hat mir eines der wichtigsten Werkzeuge gegeben um große Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Weil fast alles- alle äußeren Erwartungen, jeder Stolz, jede Angst sich zu blamieren oder zu scheitern im Angesicht des Todes wegfällt.

Sich daran zu erinnern, dass man sterben wirst, ist die beste Möglichkeit die Falle zu vermeiden zu denken, dass du etwas zu verlieren hast. Es gibt keinen Grund nicht deinem Herzen zu folgen.

Diesen Ansatz finde ich persönlich deutlich effektiver, weil er nicht nur fragt, was kurzzeitig Vergnügen in Form von Leidenschaft schafft, sondern auch, was du hinterlassen willst, für welche Werte du stehen willst und was deine Freunde und deine Familie am Tag deiner Beerdigung über dich sagen sollen.

Die Alternative zur Leidenschaftshypothese- Woran kann ich mich dann orientieren?

Werte bestimmen

Für einige Leute funktioniert die Leidenschaftshypothese. Die Macht der Leidenschaft ist in so ziemlich jeder Karriere von professionellen Sportlern und Athleten zu sehen. Du wirst kaum einen Profifußballer finden, der nicht behauptet, dass seine Leidenschaft für den Sport weiter zurückgeht, als er sich erinnern kann. Trotzdem ist es eine falsche Schlussfolgerung zu sagen: Aber xyz hat gesagt, dass man einfach seiner Leidenschaft folgen muss, um auf ewig glücklich zu sein.

Nur weil die Oma von Manuel trinkt, wie ein Loch und raucht wie ein Schlot, würde niemand Manuel ernst nehmen, wenn er sagen würde: "Meine Oma ist 107 Jahre ab, weil sie raucht und trinkt"

Andererseits will ich es auch nicht so darstellen als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen. Mein einziges Ziel war es dir aufzuzeigen, dass die Leidenschaftshypothese fehlerhaft ist. Um dich jedoch nicht ohne Alternative zurückzulassen, möchte ich dir noch 2 Impulse weitergeben.

Werte statt Leidenschaft

Eine halbherzige Anstrengung, die daher kommt, dass wir fremde Ideale übernommen haben, treibt uns nicht an. Deshalb ist der Wertefaktor ein Schlüssel zum Erreichen eines erfüllten Lebens. Indem du dir deiner höchsten Werte bewusst wirst, mobilisierst du eine tiefe Kraft. Es ist eine unschlagbare Kombination.

Nichts kann dir Frieden bringen außer du selbst. Nichts kann dir Frieden bringen, außer der Triumph deiner eigenen wahren Prinzipien und Werte. Hier findest du noch weitere extrem tiefgehende Fragen, die dir helfen deine authentischen Werte zu bestimmen.

Bestimme deine authentischen Werte

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In einer Welt, die ständig versucht dich zu etwas anderem zu machen, ist die größte Errungenschaft du selbst zu sein.
-Ralph Waldo Emerson

Sinn und Bedeutung statt Leidenschaft

Die Griechen haben ihren höchsten Wert "Telos" genannt- das griechische Wort für "Ende im Sinn" oder "Zweck". Am besten kann man dieses Wort mit "selbstvergebener Lebenssinn" übersetzen. Ich möchte dich nicht anlügen: Wenn du deinen Telos oder purpose als Ziel formulierst und erreichst, wirst du auch nicht auf ewig erfüllt sein. Wie du auch immer du es nennen willst: Telos, purpose, Mission oder Lebenssinn.

Es ist ein Kompass für ein erfülltes Leben, an dem man sich orientieren kann und kein Ziel. Das Studium des Telos heißt Teleologie. Wenn wir teleologisch über etwas nachdenken, schauen wir uns das Ende an - das ultimative Ziel - und organisieren unser Leben darum, um es zu erfüllen.

Das Wissen um eine Lebensaufgabe hat einen eminent psychotherapeutischen und psychohygienischen Wert. Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.-Viktor Frankl

Die Frage ist falsch gestellt, wenn wir nach dem Sinn des Lebens fragen. Das Leben ist es, das Fragen stellt.-Viktor Frankl

Wird ein selbst vergebener Lebenssinn zu einem konstanten Strom von positiven Emotionen führen - Nein! Aber ein Warum hat, dem ist das Wie zweitrangig. Ich kann und werde in diesem Blogpost keine Schritt-für Schritt-Anleitung für deinen Lebenssinn geben- weil das nicht möglich ist. Aber ich habe in einem anderen Post bereits einmal gezeigt, wie der Weg zur Selbstverwirklichung aussehen kann - die Heldenreise:

 

Ich bin ehrlich zu dir: Ich empfinde keine tiefe Leidenschaft für emotionale Intelligenz und das Projekt "Erzählmirmehr", ABER ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man zutiefst unglücklich ist und glaubt eine innere Leere zu haben und es liegt mir so sehr am Herzen, dass es mir mehr Wert ist, als die kurzzeitige Freude, die ich hätte, wenn ich der dem Vergnügen und der Leidenschaft hinterher jagen. Ich fühle eine tiefe Verantwortung diesen unglaublichen inneren Frieden, das Glück und die Bedeutung, die auch aus meinem Weg zur emotionalen Meisterung gezogen habe, weiterzugeben, weil ich weiß, wie es ist ganz unten zu sein.

"Wenn du meine Farben wegnimmst, würde ich Pastellfarben benutzen. Wenn du meine Pastellfarben wegnimmst, würde ich Buntstifte benutzen. Wenn du meine Buntstifte wegnimmst, würde ich Bleistifte benutzen. Wenn du mich nackt entkleidest und mich ins Gefängnis werfen würdest, würde ich in meinen Hände spucken und an die Wände malen. "
- Pablo Picasso

Picasso trifft es ganz gut. Es ist keine brennende Leidenschaft, die ihn angetrieben hat und die Hoffnung immer nur positive Gefühle beim Malen zu erleben, sondern das Bedürfnis der Bedeutung und des Sinns im Kreieren und im Schaffungsprozess. Niemand hat eine vererbte oder angeborene Leidenschaft. Aber jeder hat Werte, die sich im Laufe der Jahre entwickeln und deine Handlungen steuern. Diese kannst du als effektiven Kompass nutzen, um Entscheidungen zu treffen, die uns erfüllen und Sinn stiften.

2 Comments

  1. […] die trotzdem im Fokus der Öffentlichkeit wachsen konnten: Bill Gates, Warren Buffett, Steve Jobs, Steven Spielberg […]

  2. […] Bedürfnis, mehr Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Zu diesem Zweck beschloss er, seine Leidenschaften einzudämmen, einige schlechte Angewohnheiten zu brechen und den moralischen Teil seiner Persönlichkeit […]

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