Warum du deinen Drachen besiegen musst, um die Ungewissheit zu beenden und die Kontrolle über dein Leben wieder herzustellen

Wenn du eine Google über Ungewissheit startest, bekommst du zahlreiche Artikel wie „11 Wege wie emotional intelligente Menschen Ungewissheit akzeptieren und überwinden oder eine handlichen Liste: „7 Wege, um mit Ungewissheit umzugehen, so können Sie glücklicher und weniger ängstlich sein.“ Und wenn du Ungewissheit nicht überwinden kannst, kannst du zumindest mit Tipps zur Akzeptanz der Ungewissheit lernen, damit umzugehen.

Die implizite Prämisse ist, dass Ungewissheit etwas Unerwünschtes ist, was wir vermeiden müssen, wie Krankheit oder Gefahr – zumindest wenn wir hoffen, erfolgreich zu sein, stabile, emotional gesunde Menschen zu sein.
Ich könnte nicht vehementer widersprechen.

Eine kleine Geschichte über Ungewissheit

heiliger gral symbol

König Arthurs Ritter sitzen an einem runden Tisch, weil sie alle gleich sind. Sie sind auf der Suche nach dem Heiligen Gral -( ein Symbol der Erlösung, der Behälter des "nährenden" Blutes Christi ). Jeder Ritter macht sich unabhängig auf die Suche und das Interessante ist, dass jeder Ritter den Wald, an dem Punkt zur Suche betritt, der ihm am dunkelsten erscheint.

Die Dinge, die wir am meisten fürchten, bergen das größte Wachstum. Je tiefer der eigene Irrtum ist, desto schwieriger ist die Transformation. Je mehr Angst und Ungewissheit als Folge der Umstrukturierung freigesetzt wird, desto größer ist der Sieg. Bei der Ablehnung unserer Fehler und Probleme gewinnen wir kurzfristige Sicherheit, aber wirken unserem Wachstumsprozess entgegen, der es uns ermöglicht, unsere Schwächen zu überschreiten.

Die Ungewissheit -Paradoxon

Ungewissheit

Die Menschen sind, wie wir wissen, evolutionär darauf ausgelegt, um Vergnügen zu suchen und Schmerzen zu vermeiden und es uns dabei so leicht wie möglich zu machen. Angesichts dieses Designs verbringen wir die meiste Zeit bewusst oder unbewusst damit Stabilität zu suchen und dabei Unsicherheit und Stress zu vermeiden.

Und doch, wie die ganze Forschung uns sagt, ist es genau in der Ungewissheit, in der wir am meisten wachsen. Ein neuer Reiz stimuliert die Muskelentwicklung. Felsige Marktbedingungen zwingen die Investoren, neue Anlagestrategien zu betrachten. Einen Job zu verlieren, zwingt dich neue Fähigkeiten zu erwerben oder dich neu zu orientieren, was du wirklich im Leben machen willst. In fast jedem Feld geschieht die positive Entwicklung nicht im Kokon der Gewißheit, sondern in Zeiten der Instabilität.

Ungewissheit ist nicht ein Hindernis des Lebens, sondern ein Teil des Lebens, den wir nicht verachten wollen. So sehr wir uns auch nach Stabilität sehnen, wir wollen auch das Neue, Aufregende im Laufe unseres Lebens erfahren, entdecken und zu einer Reihe von verschiedenen Menschen zu werden. Neue Reize geben unserem Gehirn einen kleinen Dopamin-Kick. Es ist eine der ältesten Erkenntnisse der westlichen Zivilisation.

Heraklit nannte es πάντα ῥεῖ („alles fließt“) und verglich das Leben mit einem Fluss:

Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.
Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.
Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Über dieses Phänomen der Ungewissheit habe ich in dieser Episode bereits ausführlicher gesprochen:

Die Wissenschaft der Ungewissheit

In den vergangenen Jahren hat eine Reihe von Studien darauf hingewiesen, was Ungewissheit ist, wie es funktioniert und warum Menschen dazu bestimmt sind, es zu vermeiden. Um wirklich in Ungewissheit gedeihen zu können, müssen wir es verstehen, also lass uns einen Blick auf die neueste Forschung werfen.

Die beste Definition kommt aber nicht von einem Psychologen, sondern von Frank H. Knight, einem der führenden Ökonomen des letzten Jahrhunderts, der die Ungewissheit als den Zustand eines Organismus definiert hat, dem es an Informationen fehlt - Informationen darüber, ob, wo, wann, wie oder warum ein Ereignis eingetreten ist oder passieren wird.

Diese Lücke ist in unseren Informationen, wo Ungewissheit geboren ist, was zu jenen vertrauten Gefühlen von Hilflosigkeit, Verwirrung und Lähmung führt, das wir alle schon einmal erfahren haben. Warum entsteht in dieser Lücke Ungewissheit?

Weil wir unsere Umwelt durch Informationen vorherzusagen und zu kontrollieren versuchen. Unsere kognitiven Modelle (die mentalen Karten, die wir buchstäblich verwenden, um zu überleben) tatsächlich "erfordern die kontinuierliche Verringerung der Unsicherheit".

Mit anderen Worten: wir sind Kreaturen für stabile Umgebungen. Je unsicherer die Umwelt, desto instabiler unsere mentalen Karten, desto weniger Informationen wir erfolgreich verarbeiten, je weniger wir die Welt um uns herum kontrollieren - desto mehr vermeiden wir neue und interessante Informationen.

Also ist es keine Überraschung, dass wir Ungewissheit als schlecht bewerten. Denn in vielerlei Hinsicht ist es schlecht - schlecht für unsere antiken Gehirne, die nach Informationen und Kontrolle hungern, aber aus der Sicht des Gehirns gibt es nie genug Informationen in dieser komplexen Welt, so dass es niemals aufhört, unsicher zu sein.

Ungewissheitsintensivierungshypothese

Lass uns einen Blick auf die Studie von Yoav Bar-Anan, Timothy D. Wilson und Daniel T. Gilbert werfen, in der sie die Ungewissheitsintensivierungshypothese vorschlugen. Diese sagt im Grunde, dass Ungewissheit unangenehme Ereignisse unangenehmer macht, aber angenehme Ereignisse angenehmer.

Mit anderen Worten: Ungewissheit ist nicht selbst ein Problem - es verstärkt nur deine gegenwärtigen Umstände. Diese Idee baut auf früheren Untersuchungen auf, dass Ungewissheit die nach einem positiven Ereignis folgt, tatsächlich das Vergnügen verlängert.

In einer Studie zeigten die Teilnehmer einen angenehmen Film, der auf einer wahren Geschichte basiert und dann mit zwei möglichen Berichten über das, was mit der Hauptfigur am Ende passiert war, nach dem Film gemacht wurde. Teilnehmer, die in einem Zustand der Ungewissheit über den Charakter blieben, waren wesentlich länger in einer guten Stimmung als Teilnehmer, denen gesagt wurde, dass eins der beiden Enden wahr war.

Wir neigen dazu, Ungewissheit zu vermeiden, aber wir denken selten, dass die Ungewissheit unsere positiven Erfahrungen tatsächlich verstärkt.

Studien über Ungewissheit

https://dash.harvard.edu/bitstream/handle/1/3153298/Gilbert_FeelingUncertaintyIntensifies.pdf?sequence=1

http://psycnet.apa.org/journals/psp/88/1/5/

Wie wir lernen können Ungewissheit nicht nur auszuhalten und zu akzeptieren sondern zu lieben

Stabilität chaos

Die Evolution hat uns geformt, um zu überleben und das Überleben hängt zum großen Teil von Stabilität ab. Das menschliche Projekt in den letzten 2,5 Millionen Jahren, wenn man wirklich darüber nachdenkt, hat sich im Grunde genommen bemüht, die Instabilität so weit wie möglich zu reduzieren.

Aber egal wie stabil wir unser Leben machen, die Ungewissheit hat immer eine Möglichkeit, sich einzuschleichen. Mit jedem unerwarteten Schlag ist es fast so, als ob die Welt versucht, uns daran zu erinnern, dass Stabilität ein Mythos ist. Und jedes Mal, wenn das passiert, scheint unsere natürliche Antwort zu sein: "Nein - Stabilität ist unser Ziel." Wir kämpfen gegen Unsicherheit, indem wir uns noch verzweifelter an Gewissheit klammern.

Das ist aber nicht nur ein Wunschdenken, sondern auch eine verpasste Gelegenheit zum Wachstum. Was meine ich damit?

Ordnung ist ein Ort oder eine Situation oder ein Zustand, wo die Dinge vorhersehbar sind. Du bist auf festem Boden und du weißt, was als nächstes passieren wird. Zu viel Ordnung und dieser Zustand können langweilig, restriktiv oder sogar bedrückend werden. Wenn zu wenig Ordnung herrscht, gibt es nicht genug Struktur, um überhaupt zu existieren und wir sind überwältigt von der Problem- und Informationsflut und ängstlich, weil unser sympathisches Nervensystems, das für das blanke Überleben notwendig ist, sehr aktiv ist.

Dieses Problem der Beziehung zwischen Ordnung und Chaos beschäftigt die Menschen so lange, dass es die Grundlage der Schöpfungsgeschichte jeder Kultur ist. Mythen und alte Geschichten erzählen wie eine Gottheit die Welt aus dem Chaos in die Ordnung gebracht hat.

Der Uroboros

uroboros

Der Uroboros (Schwanzverzehrer) ist eine drachenähnlichische Schlange, die ihren eigen Schwanz frisst und ein berühmtes alchemistisches Symbol der Verwandlung.

Als eine Schlange ist der Uroboros ein Geschöpf des Bodens, der Materie und der Erde. Wie ein Vogel ist es ein Geschöpf der Luft, dem Himmel, dem Spirituellen. Der Uroboros symbolisiert die Vereinigung von Bekanntem und Unbekanntem und symbolisiert traditionell die Gegenüberstellung der "männlichen" Prinzipien der Sicherheit, der Tyrannei und der Ordnung mit den "femininen" Prinzipien der Dunkelheit, Auflösung, Kreativität und Chaos.

Darüber hinaus hat der Uroboros die Fähigkeit, sich zu häuten, um "wiedergeboren" zu werden. So stellt er auch die Möglichkeit der Verwandlung dar, weil er seinen eigenen Schwanz frisst und steht dafür, dass das Chaos in Ordnung verwandelt werden kann.

Drachen, Schlangen, Ungewissheit? Was will ich dir damit sagen?

Der Archetyp im Umgang mit Ungewissheit- Der Mythos der Konfrontation des Drachens

Wir Menschen verarbeiten unser Leben in einer Reihe von Geschichten, die wir uns selbst erzählen. Sie sind so tief in unserem Unterbewusstsein verankert, dass sie seit Tausenden von Jahren weitergegeben worden sind und sich früher in Mythen und Sagen gefestigt haben und heute in Hollywoodblockbustern manifestieren, die Millionen verschlingen.

Der Held, der den Drachen tötet, ist einer der wenigen Mythen, die seit Tausenden von Jahren in fast allen Kulturen der Welt überlebt haben. Zahlreiche Lieder, Balladen und Märchen erzählen die Geschichte eines Drachen, der in der Gemeinde Verwüstung hervorgebracht hat, und um die Ordnung wiederherzustellen, musste der Held es bezwingen.

  • Kadmos tötet den Drachen vor dem Apollontempel.
  • Die Griechen haben ihre Inspiration von den ägyptischen Mythen genommen. (Herkules und die Hydra)
  • Das indische Erbe erzählt Geschichten über das Ungeheuer Vritra.
  • Das Motiv des Drachenkampfes findet sich in der russischen Folklore in der bekannten Ballade: Dobrynya Nikitich tötet Zmey Gorynych.

  • Das Töten des Drachenmythos wird im Allgemeinen als der symbolische Sieg der Ordnung über das Chaos bezeichnet. Der Drache stellt die chaotische Welt dar und es muss vom Helden bekämpft werden, um die Ordnung wiederherzustellen. Obwohl der Drache uns mit viel Furcht erfüllt, hat er doch etwas Faszinierendes- etwas dem wir kaum widerstehen können. Die Dinge, die du nicht kennst, sind der Geburtsort all deines neuen Wissens! Die Suche nach neuen Informationen in der Chance, dass jemand oder etwas uns etwas offenbaren kann, das wir nicht selbst herausfinden konnten! Es ist eine deutlich spannende Art, die Welt zu betrachten.

    Und wenn wir uns die sprachliche Wurzel von "InFormation" ansehen, fügt sich das Bild zusammen. Wir bekommen einen Input und formen auf dessen Basis unser neues Weltbild. Deshalb: Information. Wir integrieren etwas, das wir früher gefürchtet haben und das ungewiss und damit die Verkörperung des Chaos war, in uns selbst, indem wir uns dem Unbekannten stellen.

    Das Motiv der Schlange und der Drachens ist kein Zufall, sondern hat eine tiefe evolutionäre Wurzel. Als Primaten sind unsere größten Feinde im Verlaufe der Evolution Schlangen gewesen, die im Dunkeln der Bäume lauern. Derjenige, der in diesen prähistorischen Zeiten die Schlage konfrontiert und verjagt hat, war der Held im Stamm, sein soziales Ansehen stieg und seine Paarungschancen stiegen. Wenn du jetzt einmal überlegst, was der Drache meist bewacht, wird dir die Analogie klar. Der Drache bewacht Gold und/oder eine Frau.

    Hier nochmal ein wissenschaftlicher Artikel zum Thema: evolutionäre Angst vor Schlangen.

    Der Drache bei Carl Jung

    Drache Carl Jung

    Carl Jung ist ein Schüler Freuds gewesen und ist einer der einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts. Seine Ideen, Begriffe und Theorien sind bis heute weit verbreitet und haben sich vielfach bewährt. In unserem Alltag benutzen wir oft seine Definitionen und Worte wie "komplex", "introvertiert", "extrovertiert" und "Archetyp", die massiv von Carl Jung geprägt wurden.

    Seine Ideen kamen aus der Welt der Symbole, aus den Träumen und Mythen. Jung ging mit seinen Nachforschungen einen langen Weg von der Phantasie zur Realität und vereinte die menschliche Psychologie mit ihrem wahren Selbst und seiner alten Geschichte.

    Ich will dir aber auch nicht verschweigen, dass es durchaus Kritik an Carl Jung gab. Die Kritik richtet sich vor allem gegen das Konzept des Unbewussten, das in der Analytischen Psychologie von C. G. Jung sehr weitgefasst ist. Jung wurde zum Beispiel dafür kritisiert, dass er bei seinen Theorien Religiöses und Psychologisches vermischt.

    Man kann von Jungs Theorien und Einstellungen halten, was man möchte, aber wir wissen heute (zum Beispiel aus der Psychotherapie), dass Konfrontation die effektivste Methode ist um Ängste und Probleme loszuwerden und Verdrängung zu unnötigem Leid führt. Der Drache ist ein mächtiges Bild, das dir im Kopf bleiben wird und dir helfen wird dein Leben und deine Ängste in einordnen und überwinden u können

    Wenn wir versuchen, den archetypischen Drachen bei Carl Jung Begriffen zu definieren, müssen wir zunächst Jungs Vorstellung vom Archetyp verstehen. Jung bezieht sich auf den Archetyp als ein inneres geistiges Bild, das ganz tief in der menschlichen Psyche verankert ist. Die alten Symbole wie zum Beispiel der Drache wurden angeblich aus dem kollektiven Unbewußten geschaffen, um gewisse Phänomene der Welt zu erklären, weil das rationale Denken und die Wissenschaft, wie wir sie heute kennen damals nicht existiert hat.

    Jung verwies auf Drachen in einer Reihe seiner Werke. Er zitiert sie zunächst als den Erzfeind des Heldenarchetyps. Daher haben wir das Bild des Drachen als ein böses Wesen, das auf die Zerstörung abzielt und auf seinem Stapel aus Goldstapel sitzt. Diese Bilder werden bis heute fortgesetzt, die Werke von Tolkien ( Autor der Herr der Ringe - Reihe) zeigen dies. Die Drachen werden von Heldenfiguren getötet und im Falle von Smaug im Hobbit fällt der Schatz in die Hände derer, die es verdienen.

    Der Drache stellt persönliche Hindernisse dar, die überwunden werden müssen, um ein stärkerer Mensch zu werden.

    Carl Jungs Archetypen: Der Schatten

    Es geht aber nicht nur darum äußere Probleme zu besiegen, sondern auch innere Drachen unserer eigenen Persönlichkeit. Aber wo kommt eigentlich das Wort "Person" her? Es kommt aus dem Lateinischen und heißt Maske. Per-sonare heißt "durchtönen". Damit ist nämlich die Stimme durch eine Maske gemeint.

    Carl Jung sagt ganz treffend:

    "Der Zweck der Individuation ist nun kein anderer, als das Selbst aus den falschen Hüllen der Persona (...) zu befreien. Carl Jung. Der Individuationsprozeß hat [...] in keiner Weise ein sogenanntes moralisches Ziel im landläufigen Gebrauch des Wortes. Er erstrebt keinen Perfektionismus und soll dem Menschen nur dazu verhelfen, im weitesten Sinn wesensgetreu der zu werden, der er in der Tat ist, und sich nicht hinter jener Idealmaske zu verbergen, die so gerne mit dem wahren Wesens eines Individuums verwechselt wird (...) Niemand ist vollkommen [...]. Niemand kann es sein. Es ist eine Illusion. Das einzige, was wir tun können, ist bescheiden danach zu streben, uns selbst zu erfüllen und möglichst vollständige menschliche Wesen zu werden, und das ist schon anstrengend genug."

    Schatten Carl Jung

    Carl Jung ist berühmt für die Formulierung des Begriffs des Schattens, der Teil der Persönlichkeit von uns allen, den wir im Lauf unseres Lebens in die Dunkelheit des Unbewussten verbannen, weil wir diesen nicht konfrontieren wollen.

    Im jungen Alter erfahren wir Menschen, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, Impulse, Emotionen und Verhaltensweisen negative Rückmeldungen aus unserer Familie, von Gleichaltrigen und von der Gesellschaft hervorrufen. Diese negative Rückmeldung löst die Angst im Individuum aus, was dazu führt, dass diese "negativen" Eigenschaften unterdrückt werden. Im Laufe der Entwicklung verschmelzen diese unterdrückten Eigenschaften des eigenen Wesens, um den Schatten zu bilden - die "dunkle" Seite unseres Seins.

    Der Schatten hat viele vertraute Namen: das verstoßene Selbst, das unterdrückte Selbst oder bei Freud das ES. Wenn wir uns mit unserer dunkleren Seite konfrontiert sehen, verwenden wir Metaphern, um diese Schattenbegegnungen zu beschreiben: unsere Dämonen zu treffen, mit dem Teufel kämpfen, in die Unterwelt gehen, die Midlife-Krise oder wie eben angesprochen: den Drachen konfrontieren.

    Der Schatten ist ein moralisches Problem, welches dich herausfordert. Der Schatten in diesem Sinne stellt das Gegenstück zur Persona, der "Theatermaske" eines Menschen dar. Er enthält oft die 'negativen', sozial unerwünschten und daher unterdrückten Züge der Persönlichkeit, also jenen Teil des Ichs, die wegen möglicherweise gesellschaftsinkompatibler Tendenzen gerne unterdrückt werden.

    Die Aufgabenstellung im Leben, der jeder gegenüber steht, ist nach Jung bewusst zu werden, dass wir alle einen Schatten haben, eine dunkle Seite, etwas, das wir Ablehnen und diesen Schatten bewusst in die bewusste Persönlichkeit zu integrieren, indem wir diesen mit offenen Armen nicht als einen verabscheuungswürdigen Aspekt des Selbst, sondern als notwendigen und lebenswichtigen Teil des Seins ansehen.

    "Man wird nicht erleuchtet, indem man Lichtfiguren vorstellt, sondern indem man sich der Dunkelheit bewusst macht. Das letztere Verfahren ist jedoch unangenehm und daher nicht beliebt. "(Carl Jung)

    Wenn du dir die Grausamkeit des 20. Jahrhunderts ansiehst und das Böse, das unschuldigen Menschen angetan wurde, weißt du, dass sowohl Dunkelheit und Helligkeit die Welt ausmachen. Vollständig zu sein, heißt nach Jung zugleich voller Widersprüche sein. Man verfälscht den Menschen, wenn man ein einheitliches Bild von ihm entwerfen will.

    Wir wissen, dass beinahe alles Gute in unserem Leben nicht vollständig ohne einen Preis kommt und die Entwicklung der Persönlichkeit gehört zu den kostspieligsten Dingen. Es handelt sich um das Jasagen zu sich selber und alle Teile seines Ichs zu konfrontieren- egal, wie viel Angst es uns bereitet.

    Das ist die Botschaft, die jeder unterbewusst hören will. Blick dem Unbekannten ins Gesicht. Hör auf dich selbst zu belügen und tue, was dein Herz dir wirklich sagt. Du wirst zu einer besseren Person werden und damit zu einer besseren Welt beitragen.

    Warum konfrontieren dann nicht alle ihren Schatten: Weil es uns Angst macht und verdammt nochmal schwierig ist. Die meisten können und werden nicht zugeben, dass sie ein Problem verdrängen oder tief im Inneren nicht ausschließlich die tugendhaften, selbstlosen und guten Menschen sind, sondern stattdessen auch egoistische, zerstörerische und unmoralische Impulse und Fähigkeiten enthalten. Die meisten würden sich lieber mit einem blinden Optimismus über die Güte ihrer Natur täuschen und nach Jung damit ein fragmentierter Mensch bleiben.

    Was passiert, wenn wir die Ungewissheit nicht konfrontieren?

    Medusa

    Ich weiß, was du sagst oder zumindest unterbewusst denkst: Ich will aber nicht Ungewissheit konfrontieren. Auch dafür gibt es eine mythologische Repräsentation, die die andere menschliche Reaktion auf das Unbekannte verkörpert-Medusa.

    Medusa ist, wie auch ihre Schwestern, Stheno und Euryale, eine der drei Gorgonen und eine Tochter der Meeresgötter Keto und Phorkys. Die Darstellungen der Gorgonen sind unterschiedlich. Allerdings werden sie meist als bösartige, geflügelte Jungfrauen mit Reißzähnen, ehernen Klauen und einem Gürtel aus Schlangen beschrieben. Medusa war die schönste Gorgone, wurde jedoch von der Göttin Athene verflucht. Seither trug sie Schlangen als Haare und versteinerte jeden, der sie erblickte.

    Hmmm Schlange und Versteinerung? Das kommt uns doch bekannt vor. Das ist auch Thema eines Harry Potter Teils- Harry Potter und die Kammer des Schreckens. In diesem Teil kämpft Harry gegen einen Basilisk, der einer Schlange verdammt ähnlich sieht und jeden, den er ansieht zu Stein verwandelt bzw. tötet. Was hat das Ganze mit dir zu tun?

    Stress

    Wenn wir mit Hindernissen konfrontiert sind, reagiert unser limbisches System, das unter anderem für den sogenannten Fight-Flight- or Freeze-Modus verantwortlich ist. Dieser ist ein alter Überlebensmechanismus, der eine enorme Stressreaktion in unserem Körper auslöst. In diesem stellt sich der gesamte Organismus auf eine neue Situation mit den Optionen Kampf Flucht oder Einfrieren ein.

    Ich weiß, dass die Flucht verführerisch klingt, aber Flucht ist keine Lösung, weil der Drache immer noch da ist. Auch das Einfrieren bzw. Erstarren ist nicht gerade hilfreich, weil es dann nicht lange dauert, bis die Schlange dich (metaphorisch gesprochen) auch frisst.

    Der Schatten und die verborgene Macht der Ungewissheit

    Was besonders interessant ist, ist die Idee, dass der Schatten nicht nur destruktive und böse Aspekte der Persönlichkeit verkörpert, sondern auch starke, kreative und kraftvolle Fähigkeiten enthält. Deswegen hütet der Drache auch das Gold.

    Zum Beispiel wird es heute immer häufiger, dass Psychologen und die Gesellschaft Individuen, die rebellieren und radikale Verantwortung übernehmen als "anti-autoritär" oder verrückt diagnostizieren. Wenn diese positiven Züge in Form des Schattens verlegt werden, ist man zwangsläufig weniger als man sein könnte. Das Wachstum des Individuums wird blockiert und das Leben wird steril.

    Es würde uns schockieren, wenn wir uns bewusst werden, wie viel wir einfach von anderen Menschen übernommen haben- Glaubenssysteme, was man sagen darf und was nicht, was Tradition ist und was "falsch ist". Genau deshalb macht uns die Konfrontation mit der Ungewissheit, dem Drachen oder dem Schatten Angst. Weil wir uns der Ungewissheit aussetzen müssen, dass die Welt nicht so ist, wie der Rahmen, in den wir sie früher gepresst haben.

    Der Schatten ist damit die Tür zu unserer Individualität.

    Was wir am meisten brauchen, ist immer da zu finden, wo wir am wenigsten suchen wollen. Je tiefer das Problem oder ein Irrtum in unserem Wertesystem ist, desto schwieriger ist die Revolution, desto mehr Angst und Ungewissheit werden als Folge der Umstrukturierung freigesetzt. Die Dinge, die das größte Wachstum geben, sind auch oft schmerzhaft. Unter solchen Umständen ist es leicht, weg zu laufen.

    Bei der Ablehnung unserer Fehler gewinnen wir kurzfristige Sicherheit, aber wir wirken einem Wachstumsprozess entgegen, der es uns ermöglicht, unsere Schwächen zu überschreiten und unser schmerzhaft begrenztes Leben zu tolerieren. Ungewissheit ist etwas, dass die meisten Menschen zutiefst verängstigt. Niemand bringt uns bei, mit ihr umzugehen und sie zu akzeptieren. Wer sich jedoch bemüht den Umgang mit ihr zu lernen, der startet in ein völlig neues Leben.

    inri

    Angeblich soll an Jesus Kreuz auch die Inschrift INRI gestanden haben, was allgemein immer als "Iesus Nasaremus Rex Iudaeorum" (Jesus von Nazareth, König der Juden) übersetzt wird. Es gibt aber noch eine andere Deutung: "I.N.R.I." - "Igne Natura Renovatur Integra (Durch Feuer wird die reine Natur erneuert)

    Ähnlich verwandeln sich menschliche Persönlichkeiten durch den Kontakt mit dem Chaos. Die Dinge gehen schief und wir wachen auf. Deine alte Persönlichkeit und dein altes Wertesystem sterben und ein neues entsteht aus der Asche, wie ein Phönix und dieses Neue ist robuster für jede Art von Chaos.

    5 Comments

    1. […] gesehen ist die Welt für uns nur kleines Feld der Sicherheit und ein riesiges Meer an Gefahren. Chaos und Ungewissheit aktivieren dieselben neuronalen Schaltkreise in unserem Gehirn wie […]

    2. […] Der Schatten hat viele vertraute Namen: das verstoßene Selbst, das unterdrückte Selbst oder bei Freud das ES. Wenn wir uns mit unserer dunkleren Seite konfrontiert sehen, verwenden wir Metaphern, um diese Schattenbegegnungen zu beschreiben: unsere Dämonen zu treffen, mit dem Teufel kämpfen, in die Unterwelt gehen, die Midlife-Krise oder wie eben angesprochen: den Drachen konfrontieren. […]

    3. […] du dich am unteren Ende der Hierarchie befindest, bist du schneller von den Anforderungen und Ungewissheiten der Welt überwältigt. Im Verlauf der Evolution hätte diese geringe Stellung in der Hierarchie wenig […]

    4. […] Der Schatten hat viele vertraute Namen: das verstoßene Selbst, das unterdrückte Selbst oder bei Freud das ES. Wenn wir uns mit unserer dunkleren Seite konfrontiert sehen, verwenden wir Metaphern, um diese Schattenbegegnungen zu beschreiben: unsere Dämonen zu treffen, mit dem Teufel kämpfen, in die Unterwelt gehen, die Midlife-Krise oder auch den Drachen konfrontieren. […]

    5. […] in der Gegenwart können die unnötige Angst und die Ungewissheit und den Schmerz reduzieren, der integraler Teil des Lebens ist. Es ist die allgemeine Haltung, dass […]

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