Die Schrecken des Nihilismus und der Sinnlosigkeit- Wie du Nihilismus überwindest und Bedeutung findest

Gott ist tot- Damit hat der Philosoph Nietzsche angekündigt, was der Verlust der Werte und der Moral für die Welt bedeuten wird. Im Gegensatz zu der allgemeinen Auffassung war das aber nicht triumphierend gemeint, sondern als Warnung. Als Warnung vor dem Nihilismus, der das 20. Jahrhundert überschwemmen sollte.

Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus. Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt werden: denn die Nothwendigkeit selbst ist hier am Werke. Diese Zukunft redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt. Unsre ganze europäische Cultur bewegt sich seit langem schon mit einer Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: einem Strom ähnlich, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen.- Nietzsche

Nihilismus und totalitäre Staaten voller Zerstörung waren zwei grausame Eigenschaften des 20. Jahrhunderts, die eine direktes Ergebnis des Werteverlusts sind. Nietzsche benutzt die Metapher des Tods Gottes. Es ist jedoch kein Aufruf zur Zurückkehr zu Gott und dem Christentum.
Und das will ich auch nicht in diesem Blogbeitrag tun. Wenn ich den Begriff Gott in diesem Beitrag verwende, meine ich das christliche Wertesystem oder ein Wertesystem allgemein.

Nietzsche – Gott ist tot

Gott ist tot Nietzsche

Aber lass uns doch einmal ansehen, wie Nietzsche den Tod Gottes verkündet und was es für die Gesellschaft bedeutet hat:

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittag eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: "Ich suche Gott! Ich suche Gott!" Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verloren gegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? - so schrien und lachten sie durcheinander.

Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken.

"Wohin ist Gott?" rief er, "ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und ich! Wir sind seine Mörder! Aber wie haben wir das gemacht?

Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun?

Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?

Müssen nicht Laternen am Vormittag angezündet werden? Hören wir noch nichts von dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? - auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?

Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen?

Es gab nie eine größere Tat - und wer nun immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!" Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, dass sie in Stücke sprang und erlosch. "Ich komme zu früh", sagte er dann, "ich bin noch nicht an der Zeit.

Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert - es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden.

Nihilismus und die Gefahren des Werteverlusts

Nietzsche verkündet den Tod Gottes nicht als freudiges Ereignis, sondern einen Grund zur Sorge. („Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen?“)

Wie du siehst: Nietzsche zeigt auf, dass die Gesellschaft noch nicht bereit ist für den Zusammenbruch eines Wertesystems ist („Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert - es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit.“) und es massive, negative Folgen haben wird.
Eine der Folgen ist der Nihilismus und die Sinnlosigkeit. Aber was ist Nihilismus eigentlich?

Die Definition des Nihilismus

nihilismus

Der Nihilismus ist die philosophische Position, die behauptet, dass das Sein, vor allem die Vergangenheit und die gegenwärtige menschliche Existenz, ohne Bedeutung, Zweck, verständliche Wahrheit oder wesentlichen Wert sind. Sie behauptet, dass es keinen vernünftigen Beweis für die Existenz eines höheren Herrschers oder Schöpfers gibt, dass eine "wahre Moral" nicht existiert und dass objektive weltliche Ethik unmöglich ist. Darum hat das Leben in gewissem Sinne keine Wahrheit und kein Handeln ist jedem anderen objektiv vorzuziehen.

Das ist genau das, was die Wissenschaft behauptet. Alles wird zur "sozialen Konstruktion", jeder menschliche Wert und jede Moral. Du wirst jetzt vielleicht, wenn du ebenso, wie ich sehr rational denkst: Was ist das Problem daran?

Die Wissenschaft hat zwar anscheinend Gott durch eine andere Wahrheit ersetzt, aber hat einen Absolutheitsanspruch gestellt und ist damit auch "göttlich" geworden, weil sie einen "Glauben" an die absolut objektive Erkennbarkeit der Welt voraussetzt. Doch mit dem Verlust aller Werte, weil angeblich alles Auslegungssache ist, verlieren wir auch Werte wie:

  • Individualität
  • Menschenrechte
  • Die Würde des Menschen
  • Liebe
  • Das Gute

  • Wenn ein altes Glaubens- und Wertesystem fällt (oder Gott metaphorisch stirbt), leiden aus zwei Gründen. Der erste ist, dass Chaos und Stress uns zerfrisst. Evolutionär gesehen ist die Welt für uns nur kleines Feld der Sicherheit und ein riesiges Meer an Gefahren. Chaos und Ungewissheit aktivieren dieselben neuronalen Schaltkreise in unserem Gehirn wie Fressfeinde.

    Ratten im Chaos

    Auch hier können wir wieder aus dem Tierreich lernen. Wenn Ratten in eine neue Situation ausgesetzt werden, haben sie Angst und sind nervös. So reagieren auch wir Menschen auf Chaos.

    Stell dir einmal vor, was nun passiert, wenn Katzenduft im Käfig versprüht wird. Die Ratte friert zunächst ein, aber bewegt sich nach und nach in größerem Gebieten, wenn die Ratte merkt, dass keine Katze da ist. Wenn die Ratte wieder in eine neue Situation gebracht wird, geht das Ganze von vorne los.

    Die Ratte hat nicht gelernt, dass das Leben gefährlich ist, sondern wurde nur daran erinnert. Die Ratte braucht also eine halbwegs stabile Umgebung, um nicht in einem Zustand existenzieller Angst zu leben.
    Denk daran: Auch wir Menschen sind von der Evolution nicht ausgeschlossen und sind im weitgefassten Sinne Primaten. Deshalb brauchen auch wir Wertesysteme und mentale Strukturen, um nicht permanent in Angst zu leben und nicht mit Ungewissheit, Nihilismus und Sinnlosigkeit konfrontiert zu sein.

    Aber die zweite Konsequenz ist noch schlimmer. Sobald wir gelernt haben, dass ein Glaubenssystem, das solide ist, fallen könnte, ist es sehr schwierig, jemals noch irgendwelche Glauben an irgendwelche Glaubenssysteme und Wertesysteme zu haben.

    Man könnte das in gewissem Sinne als die Krankheit des kritischen rationalen Geistes bezeichnen.

    Dem Nihilismus fehlt das Ziel. Es fehlt die Antwort auf das "Warum?" Die obersten Werte entwerten sich. Es entsteht ein Vakuum der Wertlosigkeit und Ziellosigkeit, das auch von der Wissenschaft, wie stolz sie auf ihre Erklärungen auch sein mag, nicht ausgefüllt werden kann, weil sie selbst "niemals werteschaffend" sein kann. Der Wissenschaftler ist, laut Nietzsche, nicht weniger als der Gelehrte oder der Priester von einem anderen Ideal besessen, dass Objektivität die Antwort ist.

    Rationalität und Vernunft ist die zentrale Botschaft der westlichen Aufklärung, aber Menschen sind alles andere als vernünftige Wesen. Wir sind vor allem emotionale Wesen.

    Kurz gesagt: Alles kann über die Weltgeschichte gesagt werden, alles, was in der gestörtesten Phantasie in den Kopf kommen könnte. Nur eins kann man nicht sagen - das sie rational und vernünftig ist. Du würdest beim ersten Wort ersticken.- Dostoevsky

    Nietzsches Nihilismus

    Friedrich Nietzsche

    In seinem Buch "Jenseits von Gut und Böse" schreibt Nietzsche vernichtende Worte gegen den Nihilismus:

    Der Nihilismus steht vor der Thür: woher kommt uns dieser unheimlichste aller Gäste? (...) Rückschlag von »Gott ist die Wahrheit« in den fanatischen Glauben »Alles ist falsch«.

    Das ist ein zentrales Problem des Nihilismus. Der Verlust des christlichen Wertesystems sorgt dafür, dass viele Menschen ablehnen an irgendwas zu glauben und alle Wertesysteme für falsch halten.

    Skepsis an der Moral ist das Entscheidende, Der Untergang der moralischen Weltauslegung, die keine Sanktion mehr hat, nachdem sie versucht hat, sich in eine Jenseitigkeit zu flüchten: endet in Nihilismus. »Alles hat keinen Sinn« (...) – erweckt das Mißtrauen, ob nicht alle Weltauslegungen falsch sind. Sehnsucht ins Nichts.-Nietzsche

    Warum ist das ein Problem? Darauf würde ich eine neurologische Erklärung geben. Positive Emotionen hängen vor allem von Dopamin ab (deswegen sind Kokain und Heroin so effektiv). Dopamin wird vor allem ausgeschüttet, wenn wir einem selbst gesetzten Ziel näher kommen. Darunter zählt auch, wenn wir nach den moralischen Standards handeln, die wir für richtig halten. Das heißt im Umkehrschluss: Keine Orientierung an einem moralischen Standard oder keinem Ziel => keine positiven Emotionen.

    Totalitärer Idealismus als Flucht vor Nihilismus und Sinnlosigkeit

    totalitärismus

    Solzhenitsyn erklärte:

    Vor einem halben Jahrhundert, während ich noch ein Kind war, erinnere ich mich an eine Reihe von alten Leuten, die folgende Erklärung für die großen Katastrophen gaben, die Russland widerfahren waren: "Die Menschen haben Gott vergessen, darum ist das alles passiert." Seitdem habe ich fast 50 Jahre lang an der Geschichte unserer Revolution gearbeitet. Dabei habe ich Hunderte von Büchern gelesen, Hunderte von persönlichen Zeugnissen gesammelt und habe bereits acht Bände meines eigenen zur Mühe beigetragen, den von diesem Umbruch verbleibenden Schutt wegzuräumen. Aber wenn ich heute gefragt wurde, so prägnant wie möglich die Hauptursache der ruinösen Revolution zu formulieren, die etwa 60 Millionen unseres Volkes verschluckte, konnte ich es nicht genauer sagen, als zu wiederholen: "Die Menschen haben Gott vergessen, darum ist das alles so ist passiert."

    Wie auch bei Nietzsche geht es nicht nur um Religion und Gott, sondern um den Verlust der Werte und Sinnlosigkeit. Nachdem die Rationalität den christlichen Glauben ersetzt und damit die Moral selbst hinterfragt hat, sind viele Menschen in eine tiefe Sinnkrise gefallen, weil auf einmal alles bedeutungslos schien.

    Das Ergebnis war, dass sich viele in die Arme totalitärer Systeme flüchten, um der quälenden Ungewissheit des Nihilismus zu entkommen. Der Staat, der die Illusion der perfekten Utopie/ der perfekten Staatsform verkörpert, wird der Sinn. Die Folge: Die größten Massenvernichtungen der Menschheitsgeschichte- Nazideutschland, die kommunistische Sowjetunion und alle totalitären Staaten, die noch folgen sollten.

    ACHTUNG VEREINFACHUNG:

    Kommunisten haben im Grunde gesagt: Wenn wir einfach aufhören, egoistisch zu sein und zuteilen, können wir die Welt in einen Ort verwandeln, wo jeder genug von allem haben wird, und alle in der Lage sind zu tun, was sie wollen. Wir sind alle gleich.

    Und wegen der natürlichen Güte der Menschen, wenn der Egoismus einmal überwunden werden kann, wird es das Paradies.

    Es war eine kraftvolle Idee, oder? Und wir können verstehen, warum es so attraktiv war.

    Doch in der Praxis kommt dieses Wunschdenken einer Utopie mit einem großen Preis- dem Preis der Freiheit und der persönlichen Bedeutung des Individuums. Niemand hat sich so intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und trifft den Nagel so exakt auf den Kopf, wie Dostoevsky:

    Dusche den Menschen mit allen irdischen Segnungen, ertränke ihn im Glück, so dass nur Blasen auf der Oberfläche auftauchen. (...) Gib ihm eine so große ökonomische Befriedigung, dass er nichts mehr zu tun hat, außer zu schlafen, Lebkuchen zu essen und sich um die Unendlichkeit der Weltgeschichte kümmern. Und hier ist er, dieser Mensch, der aus schierer Undankbarkeit etwas Böses tun wird. Er wird sogar seine Lebkuchen riskieren und wünscht absichtlich den verderblichsten Quatsch, die unökonomischste Sinnlosigkeit, nur um in all diesem positiven guten Sinn sein eigenes, schädliches, phantastisches Element zu mischen. Es sind gerade seine fantastischen Träume, seine banale Dummheit, die er sich halten will, mit dem alleinigen Zweck, sich selbst zu bestätigen, dass die Menschen immer noch Menschen sind und keine Klaviertasten. (..) Und mehr als das: auch wenn es sich herausstellen sollte, dass er ein Klavierschlüssel ist, wenn es ihm sogar mathematisch und naturwissenschaftlich bewiesen wäre, so würde er doch nicht zur Vernunft kommen, sondern etwas Gegensätzliches tun, um seinen eigenen Weg zu haben.- Dostoevsky (...)

    Auch wenn ich persönlich Dostoevskys sehr dunkles Menschenbild nicht teile, macht er einen wichtigen Punkt deutlich: Wir wollen keine Klaviertasten sein, die von fremden Händen gespielt werden, sondern freie Menschen, auch wenn das bedeutet, dass wir manchmal dumme Fehler machen und irrational handeln.

    1984 - Der Schrecken totalitärer Systeme

    1984 totalitäres System

    KRIEG IST FRIEDEN.

    FREIHEIT IST SKLAVEREI.

    IGNORANZ IST STÄRKE.

    Diese Worte klingen in meinem Kopf, seitdem ich das Buch 1984 von George Orwell gelesen habe, das genauso gut ins Horror-Genre aufgenommen werden könnte.

    1984 beschreibt eine Dystopie. Stell dir vor, in einem Land zu leben, dessen Führer ein totalitäres System bei der Regulierung ihres Bürgers anwenden.

    Arbeiten, Essen, Trinken, Schlafen, Sprechen, Denken, Fortpflanzen ... alles wird vom Staat kontrolliert. Jede Andeutung von Ungehorsam oder Abneigung kann von verschiedenen Staatsapparaten wie der Gedankenpolizei, dem Telescreen oder sogar Kindern erkannt werden, die nicht zögern, dich an die Behörden zu verraten. Auch die Sprache wird so verändert, dass man sich nicht ausdrücken kann, da der Individualismus ein Verbrechen ist.

    Die Vergangenheit und die Zeitungsberichte werden kontrolliert, in etwas umgeschrieben, das den etablierten Herrscher stärken wird. Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft. Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit. So heißt es im Buch.

    Es gibt keine wirkliche Wahrheit. Die "Wahrheit" ist, was der Staat sagt. Schwarz ist weiß, 2 + 2 = 5, wenn der Staat es befiehlt.

    Freiheit ist Sklaverei- der zweite Wahlspruch und bedeutet, dass der einzige Weg ist, um frei zu sein dem großen Bruder und der Partei zu gehorchen, die alles kontrolliert.

    Der Staat behält seine Struktur durch Folter, Einschüchterung, Gewalt und Gehirnwäsche.

    1984 George Orwell

    Die Partei behauptet, dass sie die Macht nicht um ihrer eigenen Zwecke willen anstrebte, sondern nur zum Wohlergehen der Menschheit. Dass sie die Macht suchte, weil die Menschen in der Masse schwache, feige Kreaturen waren, die es nicht ertrugen, frei zu sein oder der Wahrheit ins Angesicht zu sehen.

    Sie versprachen, dass sie nicht von anderen, die stärker waren als sie, beherrscht und systematisch betrogen werden mussten. Das ist das Versprechen jedes totalitären Systems.

    Die Schrecken des totalitären Kommunismus

    Kommunismus Sichel Hammer

    Du wirst vielleicht sagen: Das ist doch nur eine fiktionale Dystopie. Das sind die dunklen Gedanken eines Irren. Nein! So sah die Realität zum Teil aus. In Deutschland werden wir mit den Schrecken des NS-Systems überflutet. Zurecht. Ich hoffe, dass wir es niemals vergessen werden. Aber besonders in der heutigen Zeit fordern viele Menschen den Sturz des Kapitalismus und dafür den Kommunismus.
    Ich will dir exemplarisch einfach mal die Grausamkeit zeigen, die Millionen von Menschen als Folge des Strebens einer kommunistischen Utopie erleiden mussten, in dem ich im Buch Der Archipel Gulag markiert habe.

    Stelle 1

    Punkt 1 läßt uns wissen, daß jede Handlung (nach § 6 des StGB auch der Verzicht auf Handlung) als konterrevolutionär erkannt wird, sofern sie auf eine Schwächung der Macht abzielt. . . Eine weitere Auslegung ergab: Arbeitsverweigerung im Lager (weil du hungrig und erschöpft bist) bedeutet Schwächung der Macht. Und wird mit Erschießen bestraft. (Die Exekution der Arbeitsverweigerer während des Krieges.) Ab 1934, als man uns den Terminus »Vaterland« wiederschenkte, wurde der Paragraph durch die Vaterlandsverrats-Punkte 1a, ib, ic, ld ergänzt.

    Eine auf die Schwächung des Kriegspotentials der UdSSR abzielende Handlung ist mit Erschießen zu bestrafen (ib), welches nur bei mildernden Umständen oder bei Zivilpersonen in zehn Jahre Haft (1a) umgewandelt werden darf. Weit ausgelegt: Wenn unsere Soldaten dafür, daß sie sich »dem Feind ergeben haben« (Schädigung des Kriegspotentials!) zu lediglich zehn Jahren verurteilt wurden, deutet sich darin ein beinahe schon ungesetzlicher Akt der Humanität an. Laut Stalinscher Gesetzgebung hätten sie nach ihrer Heimkehr allesamt erschossen werden müssen.

    Stelle 2

    Wenn man den früheren Menschen auf ihr stetes banges Fragen nach der Welt - wie sie in zwanzig, dreißig, vierzig Jahren wohl aussieht? - geantwortet hätte, daß in vierzig Jahren in Rußland die peinliche Befragung eingeführt sein würde, die da war: den Schädel mit einem Eisenring zusammenpressen, den Angeklagten in ein Säurebad tauchen, ihn nackt und gefesselt Ameisen oder Wanzen aussetzen, ihm eine glühende Stahlrute in den After treiben (»Geheimstempel«), langsam mit dem Stiefel seine Geschlechtsteile zertreten und, als leichtester Grad, ihn tagelang mit Schlaflosigkeit und Durst martern, ihn zu einem blutigen Klumpen schlagen - dann wäre kein Tschechow- Stück zu Ende gegangen, dies hätte alle Helden ins Irrenhaus gebracht.

    Ach, nicht nur die Tschechowschen Gestalten - welcher normale russische Mensch, nicht minder jedes Mitglied der RSDRP, hätte am Beginn des Jahrhunderts solches glauben, eine solche Schmähung der lichten Zukunft ertragen können? Was zu Zar Alexej Michailowitsch noch paßte, was unter Peter I. bereits als barbarisch empfunden wurde, was unter Biron an zehn bis zwanzig Personen angewandt werden konnte und seit der Großen Katharina völlig unmöglich war, das wurde in der Blütezeit des brillanten 20. Jahrhunderts, in einer Gesellschaft, die nach sozialistischen Grundsätzen geplant war, in Jahren, als bereits Flugzeuge flogen, Tonfilm und Radio erfunden waren, vollzogen, nicht von einem einzelnen Bösewicht, nicht an einem einzelnen verborgenen Ort, sondern von Zehntausenden darauf gedrillten Menschenbestien an wehrlosen Millionen von Opfern.

    Stelle 3

    Der Mensch agiert halb unbewußt oder vollends unkontrolliert, so daß wir ihm wegen seiner Aussagen nicht böse sein dürfen*. Sie sagten es unumwunden: »Sie wollen nicht aufrichtig sein, darum ist es Ihnen verboten zu schlafen!« Manchmal wurde der Raffinesse halber nicht das Stehen verordnet, sondern das Sitzen auf einem weichen Diwan, was besonders zum Schlafen einlädt (der diensthabende Wärter saß daneben und puffte den Betroffenen in die Seite, sobald dem die Augen zufielen). Folgendermaßen beschreibt ein Opfer (das den vorherigen Tag zudem in einer Wanzenbox abgesessen hatte) seine Empfindungen nach dieser Folter:

    »Schüttelfrost nach dem großen Blutverlust. Die Augen sind ausgetrocknet, als hielte jemand ein glühendes Eisen daran. Die Zunge ist vor Durst angeschwollen und sticht bei der leisesten Bewegung wie ein Igel. Schluckkrämpfe schnüren einem die Kehle zu.«

    Nicht nur, daß du nicht schläfst, du wirst auch noch drei, vier Tage und Nächte lang ununterbrochen voneinander ablösenden Untersuchungsrichtern verhört. Die bereits erwähnte Wanzenbox, ein dunkler Bretterverschlag mit einer hundertköpfigen, tausendköpfigen Wanzenzucht. Mit nacktem Oberkörper wird der Delinquent hineingestoßen, im Nu haben die hungrigen Wanzen von ihm Besitz ergriffen, fallen gierig über ihn her, stürzen sich von der Decke auf ihn herunter. Am Anfang kämpft er erbittert, schlägt um sich, glaubt in ihrem Gestank zu ersticken; nach einigen Stunden sinkt er kraftlos zusammen und läßt sich widerstandslos aussaugen.

    Stelle 4

    Die Phantasie und Geisteskraft der shakespearischen Bösewichter machte an einem Dutzend von Leichen halt. Denn es fehlt einem die Ideologie. Die Ideologie! Sie ist es, die der bösen Tat die gesuchte Rechtfertigung und dem Bösewicht die nötige zähe Härte gibt. Jene gesellschaftliche Theorie, die ihm hilft, seine Taten vor sich und vor den anderen reinzuwaschen, nicht Vorwürfe zu hören, nicht Verwünschungen, sondern Huldigungen und Lob.

    So stärkten sich die Inquisitoren am Christentum, die Eroberer an der Erhöhung der Heimat, die Kolonisatoren an der Zivilisation, die Nationalsozialisten an der Rasse, die Jakobiner (die früheren und die späteren) an der Gleichheit, an der Brüderlichkeit und am Glück der künftigen Generationen.
    Dank der Ideologie war es dem 20. Jahrhundert beschieden, die millionenfache Untat zu erleiden. Sie ist nicht zu leugnen, nicht zu umgehen, nicht zu verschweigen, und doch wollen wir es wagen, darauf zu bestehen, daß es Bösewichter nicht gibt? Wer hat denn diese Millionen vernichtet? (…)

    Ein Rätsel ist's, nicht für uns Zeitgenossen zu lösen: Weswegen ist es Deutschland gegeben, seine Mörder zu strafen, und Rußland nicht? Welch verhängnisvoller Weg steht uns bevor, wenn es uns nicht gegeben ist, die giftige Fäulnis aus unserem Leibe zu schneiden? Was soll dann die Welt von Rußland lernen?

    Lösungen für den Nihilismus und die Sinnlosigkeit

    Nietzsches Lösung: Ein neuer Nihilismus

    Ich will kein Anspruch auf die Richtigkeit meiner Argumentationsstruktur stellen. Deshalb will ich dir auch Nietzsches Ansatz erklären. Denn Nietzsche war auf so vielen Ebenen genialer als ich es bin.
    Die Forderung Nietzsches war der Übergang vom passiven zum aktiven Nihilismus, der einer Zerstörung alter, mit Geboten beschriebener "Tafeln", eine "Umwertung aller Werte" wie er es nennt.
    Nietzsche redet vom Übermenschen und der Selbstüberwindung.

    Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, – ein Seil über einem Abgrunde. -Nietzsche

    Er glaubte nicht, dass die Menschen ihre eigenen Wertesysteme bilden könnten. Er dachte, es müsste eine neue Art von Mensch sein, die es schaffen könnte- der Übermensch.
    Vielleicht bin ich nicht so genial wie Nietzsche oder zu naiv, um es zu erkennen, aber ich glaube, dass die Verantwortung bei dem Individuum liegt.

    Übermensch Nietzsche

    Nur eine Wertestruktur oder die Wertschätzung, dass eine Sache wichtiger ist als eine andere, kann uns aus dieser grausamen Paralyse des Nihilismus befreien. Natürlich ist jedes Wertesystem unperfekt, weil die Realität einfach viel zu komplex ist, um in ein Modell gepresst zu werden. Das erinnert mich an eine kleine Geschichte.

    Warum kein Wertesystem die Realität erfassen kann

    Aristoteles, der Vater der modernen Logik, der intellektuelle Riese des alten Griechenlands, ging am Strand spazieren. Er erblickte einen herrlichen Sonnenuntergang vor ihm, aber er hatte keine Zeit für solche banalen Phänomene. Er dachte ernsthaft über ein großes Existenzproblem nach. In feierlichem Denken verloren, ging er den Strand auf und ab.

    Es war noch ein anderer Mann am Strand, der so intensiv im Sand grub, dass Aristoteles ihn nach einer Weile bemerkte. Aristoteles hielt in seinen Reflexionen inne, um zu fragen: "Was genau machst du da?" Der Mann sagte: "Bitte störe mich nicht, ich mache etwas sehr Wichtiges." Er fuhr mit seiner Arbeit mit wütender Intensität fort.

    Aristoteles Neugier war geweckt. Er fragte wieder: "Aber was machst du?" Der Mann sagte: "Störe mich nicht Es ist sehr wichtig." Aristoteles sagte: "Was ist das für eine wichtige Sache?" Der Mann zeigte ihm ein kleines Loch, das er in den Sand gegraben hatte, und sagte: "Ich leere den Ozean, sodass er in dieses Loch passt." Er hatte einen Esslöffel in der Hand.

    Aristoteles lachte und sagte: "Das ist lächerlich! Du musst verrückt sein! Weißt du, wie groß dieser Ozean ist? Wie kann man diesen Ozean in dieses kleine Loch zwängen? Und vor allem mit einem Esslöffel? Das ist völliger Wahnsinn. " Der Mann sah Aristoteles an, warf den Löffel hinunter und sagte: "Mein Job ist schon fertig."

    Aristoteles sagte: "Was meinst du?" Der andere Mann stand auf und sagte: "Ich versuche, den Ozean mit einem Esslöffel in dieses Loch zu entleeren. Du sagst mir, es ist Wahnsinn. Aber was versuchst du zu tun? Weißt du, wie groß dieses Universum ist? Es kann eine Milliarde Ozeane wie dieses und mehr enthalten, und du versuchst es, es in das kleine Loch deines Kopfes zu pressen - und mit was? Mit Esslöffeln namens Gedanken! Das ist lächerlich. "

    Der andere Mann war Heraklit, ein anderer großer griechische Philosoph. Auf einen Schlag zeigte er Aristoteles, wie verrückt es war, die Realität in Modelle der Welt zu stecken und zu glauben, dass diese Modelle das Universum erklären können.

    Verantwortung als Lösung für Nihilismus und Sinnlosigkeit

    Du wirst dich vielleicht fragen: Warum sollte jemand ein totalitäres System oder Nihilismus wählen. Weil ein Wertesystem große Verantwortung bedeutet. In dem Moment, wo du eine Sache mehr wertschätzt als eine andere, übernimmst du Verantwortung nach dieser Moral zu handeln und dafür hin und wieder Vergnügen zu opfern. Wenn du beispielsweise Wahrheit als Moral schätzt, musst du dich immer und immer wieder den Schmerzen stellen, die es kostet, die Wahrheit zu sagen anstatt deinen Gegenüber anzulügen. Und das ist nicht immer ein einfaches Vergnügen.
    Und stell dir einmal vor, welche Verantwortung und welcher Schmerz dann mit einem ganzen Wertesystem kommen.

    Ich stell mir immer den griechischen Gott Atlas vor, der von den Göttern bestraft wurde den Himmel auf seinen Schultern zu tragen, damit er nicht auf die Erde stürzt. Das ist sein Schicksal oder sein Fluch.
    Im ersten Moment denkt man: Armer Atlas. Vielleicht sollte er einfach den verdammten Himmel ablegen und ein Bierchen trinken oder so.
    Aber wenn wir weiterhin darüber nachdenken, gibt es Atlas auch ein Gefühl von Bedeutung in seinem Leben. Ja, es ist eine Menge Verantwortung und keine einfache Aufgabe, aber dadurch, dass er das Wohlergehen der Welt über sein eigenes Vergnügen stellt, gibt er seinem Leben einen Sinn.

    Im Gegensatz zu Nietzsche glaube ich daran, dass jedes Individuum seine oder ihre Werte selbst wählen kann, aber es zwei Einschränkungen gibt- !. das ständige Hinterfragen von allem, was man zu wissen glaubt. Das ist der ultimative Akt hin zur Bescheidenheit und weg von der Selbstlüge.

    Die zweite Einschränkung ist, dass dein Wertesystem ein Spiel ist, das andere bereit sind zu spielen und das langfristig nicht in einer Abwärtsspirale endet. Diese Idee geht auf Piaget zurück.

    Nihilismus – ein Fazit

    Radikale Verantwortung für die Welt und Ehrlichkeit in Bezug auf seine eigene Verletzlichkeit und Fehlbarkeit als Mensch ist schmerzvoll- verdammt schmerzvoll, aber ich halte mich an das, was John Stuart Mill gesagt hat:

    Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr. Und wenn der Narr oder das Schwein anderer Ansicht sind, dann deshalb, weil sie nur die eine Seite der Angelegenheit kennen. Die andere Partei hingegen kennt beide Seiten."

    Ich persönlich habe bzw. versuche mich, soweit ich kann für ein Wertesystem zu entscheiden, in dem Bescheidenheit, Moral und das „Richtige“ über dem kurzzeitigen Vergnügen stehen.
    Die Schlussfolgerung, die ich aus der Lektüre der Existenzialisten, wie Nietzsche, Sartre, Kierkegaard und co. gezogen habe, ist:

    Wenn das sinnlose Leiden der Menschheit die Unfähigkeit ist, Bedeutung zu extrahieren, ist es keine pragmatische Lösung ein Nihilist zu sein, weil wir damit uns und anderen mehr Leid als notwendig zufügen und in die Gefahr des Suizids oder der Depression laufen, weil wir nichts mehr wertschätzen, aber immer noch jeden Schmerz in der Welt fühlen.

    Völkermord im Rahmen eines totalitären Systems, um der Illusion einer Utopie zu folgen, die die menschliche Freiheit einschränkt- das ist auch eine Option, für die ein paar Menschen offen zu sein scheinen.

    Ich definitiv nicht! Ich wehre mich mit Händen und Füßen dagegen, wo ich kann. Zu etwas wie den Höllen der sowjetischen Gulags oder die deutschen Konzentrationslager will ich nicht beitragen.

    Ich fordere dich heraus deine Werte zu bestimmen:

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    4 Comments

    1. […] Meinung, dass kein Mensch schlecht geboren wurde, sondern eine Kombination aus Umständen und einem ideologische Rahmen jeden von uns zu bösen Taten verleiten […]

    2. […] Wenn du im Laufe deines Lebens eine vernichtende Niederlage oder absoluten Kontrollverlust erlebt hast, lernst du im Laufe der Zeit, dass es kein Entrinnen gibt, und wenn eine Flucht angeboten wird, wirst du nicht handeln. Du wirst vielleicht schon ein Nihilist. […]

    3. […] es nur noch darum geht, wer das größere Opfer ist und wer mehr unterdrückt ist, dann wird der Nihilismus laut Nietzsche die Welt besetzen. Ohne die höheren Werte, die von den höheren Menschen […]

    4. […] Diese Menschen können ihren Kopf oft nicht abschalten und überdenken und hinterfragen, was zu intellektuellen Nihilismus und Rastlosigkeit führen […]

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