Thomas Jefferson : Warum heldenhafte Handlungen der Moral dich glücklicher machen- ein wissenschaftlicher Ansatz

Die Macht der moralischen Gefühle in Bezug auf das subjektive Wohlbefinden und die Verwandlung der Persönlichkeit ist seit langem bekannt. Schon 1771 schrieb Thomas Jefferson ‘s Freund Robert Skipwith und bat um Ratschläge, welche Bücher er für seine Bibliothek und für seine eigene Bildung kaufen sollte.

Jefferson schickte eine lange zurück Liste mit Titeln aus der Geschichte, Philosophie und Naturwissenschaft. Aber zusätzlich riet Jefferson zum Kauf von einigen fiktionalen Werken. Jefferson rechtfertigte diesen Ratschlag, indem er auf die nützlichen emotionalen Effekte von großen fiktionalen Werken verweist:

Alles ist nützlich, was dazu beiträgt, uns in den Prinzipien und Praktiken der Tugend zu festigen. Wenn irgendwelche … Handlungen der Nächstenliebe oder der Dankbarkeit- zum Beispiel- präsentiert werden entweder in unserem Anblick oder in unserer Phantasie, sind wir tief beeindruckt von seiner Schönheit und fühlen ein starkes Verlangen auch wohltätige und dankbare Handlungen selbst auszuführen. Wenn wir dagegen im Gegenteil eine grausame Tat sehen oder lesen, sind wir von seiner Deformität angewidert und begreifen ein Abscheu des Lasters. Jetzt ist jede Emotion dieser Art eine Übung unserer tugendhaften Dispositionen; und Dispositionen des Geistes- wie Glieder des Körpers erlange Kraft durch Training.- Jefferson

Jefferson fährt fort, dass die physischen Gefühle und Motivationen, die durch einen guten Roman verursacht werden, so mächtig sind, wie die, die durch echte Episoden des Lebens verursacht werden.

Jefferson identifizierte vor mehr als 200 Jahren, eins der Hauptmerkmale einer Emotion, die vom Psychologen Jonathan Haidt „Erhöhung“ (“elevation”) genannt wurde.

Diese „Erhöhung“ wird durch Taten der Tugend oder der moralischen Schönheit hervorgerufen. Es verursacht warme, offene Gefühle in der Brust und es motiviert Menschen sich selbst tugendhafter zu verhalten.

Obwohl diese „Erhöhung“ einige verwandte positive moralische Emotionen (z. B. Staunen, Dankbarkeit, Bewunderung) hervorruft, hat „Erhöhung“ fast keine Aufmerksamkeit erhalten. Seltsam, oder? Wer könnte nicht daran interessiert sein positive Emotionen zu erfahren, in dem er sich moralisch verhält.

Noch verrückter daran ist aber, dass moralische Einschätzungen in uns bei Missachtung der Moral ein Gefühl des Ekels hervorrufen. Das klingt verrückt, aber lass mich ein Beispiel machen. Ich werde dir eine kurze Geschichte erzählen. Pausiere, nachdem du es gelesen hast kurz und entscheidest, ob die Leute in der Geschichte moralisch falsch gehandelt haben oder nicht:

Eines Tages wird der Hund der Familie Meier von einem Auto vor ihrem Haus angefahren. Sie hatten gehört, dass Hundefleisch köstlich war, also schneiden sie den Körper des Hundes ab und kochten ihn und aßen ihn zum Abendessen. Niemand hat sie gesehen.

Wenn du wie die meisten (mich eingeschlossen) bist, hast du ein anfängliches Aufblitzen des Ekels gefühlt, aber du hast gezögert, bevor du es als moralisch falsch verworfen hast. Schließlich war der Hund schon tot, also haben sie ihn nicht verletzt, richtig? Und es war ihr Hund, also hatten sie ein Recht zu tun, was sie wollten, oder nicht? Es fühlt sich trotzdem falsch an, oder?

Ok, hier ist noch eine schwierigere Geschichte:

Ein Mann geht einmal in den Supermarkt und kauft ein in Folie eingeschweißtes Huhn. Aber bevor er das Huhn kocht, hat er Geschlechtsverkehr mit ihm. Dann kocht er es und isst es. Noch einmal, er hat dem Huhn kein Schaden zugefügt, er hat das Huhn rechtmäßig erworben und niemand sonst weiß davon. Man könnte es eine effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen nennen. Aber jetzt ist der Ekel (bei mir zumindest) noch viel stärker und die Aktion scheint unmoralisch. Eigentlich müssten wir rational sagen, dass es das Recht des Mannes anerkennt, das zu tun, was er will, solange er niemanden verletzt.

Aber ganz ehrlich: Es klingt für mich nach wie vor falsch. Was ich dir eigentlich mit den verstörenden Beispielen sagen wollte, ist, dass wir ein Gefühl des moralischen Ekels haben, wenn jemand etwas tut oder sagt, dass wir für unmoralisch halten.

Soweit so gut. Aber da, wo wir eine negative moralische Empfindung haben, wenn jemand etwas „moralisch Falsches“ tut, haben wir auch eine positive Emotion, wenn wir selbst etwas „moralisch Richtiges“ tun oder sehen, dass jemand anderes etwas „moralisch Richtiges“ tut.

Für den modernen Leser klingen solche Aussagen der „moralischen“ Reinheit und des „Guten“ altmodisch. Das ist mir bewusst. Doch wie wir eben gesehen haben, beeinflussen Gefühle von moralischem Ekel unsere Verhaltensweisen massiv und im Umkehrschluss bekommen wir eine Flut von positiven Emotionen, wenn wir etwas Moralisches tun. Dieses Gegenteil des (moralischen) Ekels nennt der Psychologe Jonathan Haidt „Erhöhung“ (elevation).

Ekel Jonathan Haidt

Die grundlegenden Merkmale der „Erhöhung“ (Elevation)

Jonathan Haidt ließ Probanden in einigen von ihm durchgeführten Experimenten
10-minütige Videoclips über das Leben von Mutter Teresa ansehen, während die Kontrollgruppen emotional neutrale, aber interessante Dokumentarfilme oder eine Comedy-Sequenz der Fernsehshow "Amerikas lustigsten Heimvideos" ansehen.

Die Studien fanden, dass die Teilnehmer, die die Videoclips über das Leben von Mutter Teresa angesehen haben, berichteten, dass sie besonders warme, angenehme oder "kribbelnde" Gefühle in der Brust hatten und das Bedürfnis hatten anderen helfen zu wollen, selbst besser zu werden und sich mit anderen zu verbinden.

Dieses Gefühl der „Elevation“ passt gut zu Fredricksons (1998) " Broaden and build "-Modell der positiven Emotionen, in dem bewiesen wurde, dass positive Emotionen die Menschen motiviere Fähigkeiten und Beziehungen zu entwickeln, die ihnen auf Dauer helfen werden.

Wie du die Macht der guten Gefühle zu deinem Vorteil nutzt und warum die Realität verhandelbar ist

Vielleicht weißt du jetzt, warum ich den Mentor Me Monday als Podcastreihe eingeführt habe. 😉

Moralische Schönheit in unterschiedlichen Kulturen

„Elevation“ scheint nicht nur ein kulturell geschaffenes westliches Gefühl zu sein. 1997 führte Haidt acht Interviews in einem kleinen Dorf in Indien. Er bat Probanden sechs emotionale Situationen zu erzählen, die sie erlebt hatten. Eine davon war "eine Situation, in der du jemanden gesehen hast, der eine moralisch gute Tat vollbringt, die jedoch nicht dir nützt, sondern jemand anderem.

Sechs der acht Probanden konnten solche Situationen beschreiben, in denen sie Zeugen einer guten Tat wurden und in allen sechs Fällen waren die Kennzeichen der „Elevation“ vorhanden (d.h. warme, angenehme oder "kribbelnde" Gefühle in der Brust und das Bedürfnis anderen helfen zu wollen, selbst besser zu werden und sich mit anderen zu verbinden).

Aber diese Ergebnisse sind keine Einzelfälle. Im Jahr 1998 beispielsweise wiederholte Yuki Amano, ein japanisch-amerikanischer Student ähnliche Interviews mit 15 Personen mit unterschiedlichen Hintergründen in Japan.

Sie fand, dass Probanden ebenso emotional auf die guten Taten anderer reagierten.
Viele der Interviews drehten sich um japanische Wörter für Herz
(kimochi, kokoro) und für Zeiten, in denen das Herz bewegt wird (Kandou). Zum Beispiel fand bei der Befragung einer 46-jährigen Hausfrau folgender Austausch statt:

F: Haben Sie jemals positive Gefühle wegen etwas gehabt, was jemand anderes getan
hat?
A: Ja, habe ich. Zum Beispiel, wenn es eine Naturkatastrophe in einem anderen
Land gibt und diejenigen, die tatsächlich dorthin gehen und als Freiwillige helfen.
F: Sie fühlen positive Gefühle, wenn Sie solche Geschichten über diese Menschen hören?
A: Ja.
F: Kannst du die Gefühle im Detail erklären?
A: Ich frage mich, ob es etwas gibt, was ich mit meiner eigenen Kraft tun kann.
Zum Beispiel: Geld spenden, Klamotten spenden und das habe ich dann auch selbst getan. . . Ich denke, dass ich dasselbe tun könnte, obwohl was ich getan habe, nicht viel im Vergleich zu dem ist, was diese Helden tun.
F: Wenn du diese Gefühle hast, hast du dann ein körperliches Gefühl?
A: Wenn ich die Nachricht von einer Katastrophe sehe, fühle ich Schmerzen in meiner Brust und mir kommen tatsächlich Tränen, wenn ich die Zeitung lese. Dann, wenn ich sehe, dass es Freiwillige gibt, die helfen, Menschen da draußen, die
Schmerzen lindern, erhellt sich mein Herz [akarui] und ich fühle mich glücklich [yokatta], erleichtert [anshin], fühle Bewunderung [sugoi] und Respekt [sonkei]. Wenn ich Freiwillige sehe, wird das von traurigen Nachrichten schwere Herz, leichter.

Thomas Jeffersons moralische Weisheit

Es ist eine grundlegende Eigenschaft des Menschen, dass wir manchmal anderen helfen, obwohl es sogar Kosten oder Gefahren für uns selbst bedeuten.

Wenn wir zu Beginn dieses Kapitels zu Jeffersons Brief zurückkehren sehen wir, dass
Jeffersons Brief nicht nur poetische Gedanken umfasst. Es enthält eine überraschend präzise und moderne Beschreibung eines machtvollen Gefühls.

Er beschrieb die auslösende Bedingung für dieses gute, angenehme, kribbelnde Gefühl, als die Präsentation der moralischen Reinheit/Schönheit- z.B ein Akt der Nächstenliebe oder der Dankbarkeit. Er beschrieb das Motiv als "ein starkes Verlangen in uns selbst, gemeinnützig zu handeln und dankbar zu sein.

Jefferson lokalisiert die physiologische Antwort des Körpers ebenfalls auf Brusthöhle, und er beschrieb es ebenfalls als eine Art warmes Kribbeln.

Jefferson hat vor mehr 230 Jahren vorgeschlagen, dass „elevation“/ Erhöhung, wie Jonathan Haidt es nennt, oder das moralisch „Gute“ das Gegenteil
von sozialem Ekel ist, wenn jemand etwas Grausames tut.

Beispielsweise verspüren Probanden bei Menschen wie Hitler eine Art sozialen Ekel. In den 1980ern führten die Psychologen Paul Rozin und Carol Nemeroff ein besonderes Experiment durch.

Sie fragten eine Gruppe von Testpersonen, ob sie bereit wären, einen Pullover zu tragen, was die meisten bejahten. Als jedoch erwähnt wurde, dass das Kleidungsstück Adolf Hitler gehört hat, drehten die meisten sich angeekelt weg und machten Würggeräusche.
Obwohl dieses Gefühl des Ekels sehr irrational ist, wollen die meisten nicht in physischen Kontakt mit irgendetwas kommen, das einen Mörder berührte, weil sie eine Art Kontamination fürchten.

Und wenn es einen moralischen Ekel gibt, muss es auch sein Gegenteil geben. Genau das nennt Jonathan Haidt „Erhöhung“ und ist eines der unterschätztesten Einflüsse auf das menschliche Glücksempfinden.

Irgendwie wissen wir alle, dass es stimmt, aber wir scheinen es vergessen zu haben.

Hitler pullover experiment

Abschließende Gedanken zu der Verbindung von positiven Emotionen und Moral

Das Verrückte ist, dass jeder die negativen moralischen Gefühle (Wut, Scham, Schuld) in und auswendig kennt. Was ist aber mit den positiven moralischen Gefühlen?

Wie du vermutlich gemerkt hast, lege ich bei diesem Podcast einen großen Wert die eigenen Werte zu bestimmen. Jetzt kennst du noch einen zusätzlichen Grund: Es gibt dir Bedeutung und mehr positive Emotionen in deinem Leben.

Doch nach welchen Kriterien, wähle ich meine Werte oder Ideale aus? Das ist eine schwierige Frage, aber ich möchte dir zwei Reflexionsfragen/sätze mitgeben:

Der erste Gedanke ist Kants sogenannter „kategorische Imperativ“, der folgendermaßen lautet: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Der zweite Gedanke ist: Welche Menschen bewunderst du und warum? Anstatt, wie viele Menschen, bitter und neidisch zu werden, könntest du versuchen dich an deren Ideal zu orientieren. Besonders deine Bewunderung ist ein Ausdruck dessen, was du als moralisch gut empfindest.

Ich kann kaum verstehen, warum wir solche Dinge nicht in der Schule lernen. Positive moralische Gefühle sind eine hochgradig unterschätzte Macht, wenn es um unser persönliches Glück und eine funktionierende Gesellschaft geht.

Moralische Entwicklung wird allgemein als ein langsamer und lebenslanger Prozess bezeichnet. Doch viele Leute haben Momente der tiefen emotionalen Erschütterung erlebt, die sie (sowohl positiv als auch negativ) für immer verändert hat.

Wie der geniale Psychologe Abraham Maslow beschreibt, der die Veränderungen durch außergewöhnlich kraftvolle Erlebnisse studierte, können diese tiefe Einschnitte in den Identitäten der Menschen und in ihrem Leben bewirken, aber seit Maslow gab es wenig empirische Forschung zu solchen Themen.

Ich glaube, dass machtvolle Erlebnisse des moralischen Heldentums solche einschneidenden Momente sein können, die Gefühle des Zynismus und der Bitterkeit mit Gefühlen der Hoffnung, des Optimismus und einem Gefühl der moralischen Inspiration ersetzen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.