Eifersucht verstehen: Der (evolutionäre Sinn) der Eifersucht- David Buss

Eifersucht verstehen-Eifersucht ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Warum diese Aussage nicht richtig ist, erfährst du in dieser Episode.

Die Wissenschaft ist sich heute sicher, dass Eifersucht kein Symptom der Unreife oder Neurose ist. Eifersucht hat tiefe evolutionäre Wurzeln, die entscheidend für Erfolg und Reproduktionsfahigkeit unserer Vorfahren waren.

Nach den Erkenntnissen ist der evolutionären Psychologie ist der Mensch biologisch darauf angelegt, Nachkommen mit möglichst vielen verschiedenen Partnern zu produzieren. Aber warum gibt es dann die Eifersucht- ein Gefühl, das für viele Gewalttaten und grenzenlose Wut verantwortlich ist.

Dieser Beitrag baut hauptsächlich auf den Studien von Psychologieprofessor Dr. David M. Buss auf, der an der Harvard University und an der University of Texas in Austin lehrt und der Menschheit dabei hilft Eifersucht zu verstehen.

Achtung! Wenn du nicht bereit bist mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert zu werden, solltest du ab hier besser nicht weiterlesen. Wenn du jetzt darüber nachdenkst den Artikel komplett zu lesen, lass mich dir kurz darlegen, was du in diesem Betrag erfahren wirst:

Du wirst verstehen, warum Männer und Frauen einander betrügen, welche Unterschiede es zwischen der männlichen und weiblichen Ausdrucksweise der Eifersucht gibt und welchen evolutionären Nutzen die Eifersucht erfüllt hat.

Es wird also keine magische Pille sein, die dir hilft nie wieder Eifersucht zu empfinden, sondern eher einen Einblick geben, um Eifersucht verstehen zu können.

Früher war ich zweifellos davon überzeugt, dass ein Gefühl der Eifersucht implizieren würde, dass der Partner bzw. die Partnerin mir gehören würde und habe Eifersucht für eine unreife Emotion von spießigen und irrationalen Menschen angesehen. Ich selbst habe mich natürlich darüber
Erhaben gefühlt. Das Problem an meiner Behauptung? Ich hatte zu dem Zeitpunkt gar keine Freundin!

Eifersucht ist dem Menschen nicht nur angeboren, sie ist auch die alles durchdringende Emotion schlechthin. Auf alle menschlichen Beziehungen hat sie maßgeblichen Einfluss.-BORIS SOKOLOFF

Eifersucht verstehen: Die evolutionären Ursprünge der Eifersucht

Evolution Eifersucht David Buss

Jeder Mensch ist Teil einer evolutionären Erfolgsgeschichte. Wenn einer unserer Vorfahren durch eine Vielzahl von äußeren Umweltreizen(eine Eiszeit, eine Dürre, den Angriff eines Raubtieres oder eine Epidemie) ausgelöscht worden, wären du und ich heute nicht hier.

Für unsere Vorfahren hätte der Ausschluss aus sozialen Gemeinschaft den beinahe sicheren Tod bedeutet. Diese starken Selektionsmechanismen der Umwelt gelten natürlich auch für die Partnerwahl. Wir alle verdanken unsere Existenz Tausenden von Generationen erfolgreicher Vorfahren. Von ihnen haben wir die Leidenschaften und damit auch die Eifersucht geerbt, die zu ihrem evolutionären „Erfolg“ beigetragen haben.

Alle Hinweise deuten darauf hin, dass evolutionäre Tendenzen immer noch unter dem modernen Sexualverhalten lauern. Es gibt wahrscheinlich Tausende Definitionen, um Eifersucht verstehen und definieren zu können, aber hier sind zwei, die für die Erklärung essentiell sind.

Der Psychologe Gordon Clanton von der San Diego State University definiert Eifersucht als „ negatives Gefühl des Missfallens, das sich entweder als Furcht vor dem Verlust des Partners äußert oder als Unbehagen über eine reale oder eingebildete Erfahrung, die der Partner mit einer dritten Person hatte“.

In dieser Definition sind zwei zentrale Bestandteile der Eifersucht enthalten: der drohende Verlust des
Partners und die Präsenz einer dritten Person.

Der Evolutionspsychologe Martin Daly dagegen definiert Eifersucht als einen „Zustand, der hervorgerufen wird durch eine wahrgenommene Bedrohung einer wertvollen Beziehung oder Stellung und ein Verhalten motiviert, das dieser Bedrohung entgegenwirken soll.“

Diese Definition hebt zwei weitere Merkmale hervor, um Eifersucht verstehen zu können.

  • -Eifersucht als eine episodische Erfahrung niemand kann ständig
    im Zustand der Eifersucht verweilen
  • -Eifersucht als eine Reaktion auf die Bedrohung einer wertvollen Beziehung, in der
    eine starke emotionale Involvierung herrscht
  • Eifersucht ist eine aufgrund der Gefahr sexuellen Betrugs durchaus ein notwendiges „Mittel“, um die Zuneigung des Partners zu sichern. In einer unsicheren Welt, in der Rivalen lauern, Partner sich zu anderen Personen hingezogen fühlen und Untreue massive Kosten haben könnte, wäre es sehr unlogisch, wenn die Evolution keine Verteidigungsmechanismen bereitgestellt hätte, um diese Gefahren zu bekämpfen.

    Eifersucht verstehen: Die dunkle Seite der Eifersucht

    Hat man jemals die Opfer der Eifersucht gezählt? Jeden Tag ertönt irgendwo ein Revolverschuss aus Eifersucht; jeden Tag dringt ein Messer in einen warmen Körper ein; jeden Tag versinkt eine unglückliche Person, von Eifersucht und Lebensüberdruss zerrüttet, in unergründliche Tiefen. Was sind all die grässlichen Schlachten, von denen die Geschichtsbücher erzählen, im Vergleich zu dieser
    beängstigenden Leidenschaft Eifersucht? -WILLHELM STEKEL: »THE DEPTHS OF THE SOUL«, 1921

    Eifersucht ist der Hauptgrund für körperliche Misshandlung in der Ehe und kann sogar zu Mord und Totschlag führen. Eifersucht kann wie ein Gift wirken, das die schönste Partnerschaft zerreißt, das Selbstwertgefühl beeinträchtigt und Menschen zur Gewalt verleitet.

    In Umfragen wurde von Dr. David Buss festgestellt, dass beinahe alle Frauen und Männer mindestens eine Phase intensiver Eifersucht durchgemacht haben. 31 Prozent meinten, ihre eigene Eifersucht sei manchmal schwer zu kontrollieren gewesen. Und 38 Prozent sagten, dass ihre
    Eifersucht sie sogar dazu getrieben habe, jemandem wehtun zu wollen.

    Unterschiedliche Manifestation der Eifersucht bei Mann und Frau

    Eifersucht evolution

    Männer und Frauen haben verschiedene Strategien entwickelt, um mit dem Problem des Überlebens und der Reproduktion umzugehen- Männer, um sicherzustellen, dass die Kinder, die in einer Beziehung entstehen, wirklich ihre sind.

    Denke an eine wichtige intime Beziehung, die du gerade hast oder einmal hattest. Stelle dir vor, dass dein Partner beginnt sich für jemand anderen zu interessieren.

    Was würde dich eifersüchtiger machen?

  • -zu entdecken, dass dein Partner eine tiefe emotionale Verbindung mit jemand anderem aufbaut
  • -zu entdecken, dass dein Partner leidenschaftlichen Sex mit einer anderen Person hat
  • Natürlich sind beide Situationen absolut kein erstrebenswertes Szenario, aber die Mehrheit der Frauen in den USA, Niederlanden, Deutschland, Japan, Korea und Simbabwe werden die emotionale Untreue schlimmer finden. Die Mehrheit der Männer dagegen leidet stärker unter der Vorstellung einer sexuellen Untreue der Partnerin.

    Zur Erklärung der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Manifestation der Eifersucht muss man seinen Blick zurück auf die evolutionäre Geschichte wenden. Besonders wichtig ist dabei der grundlegende Unterschied in der Fortpflanzung.

    Die Befruchtung findet bei der menschlichen Spezies findet im Körper der Frau statt, nicht in dem des Mannes. Für unsere männlichen Vorfahren stellte dies ein großes Problem dar - das Problem der unsicheren Vaterschaft, was wiederum die Reproduktion betrifft – das zentrale Ziel der Evolution.

    Ein betrogener Mann läuft Gefahr, Jahre lang Ressourcen in die Kinder eines anderen Mannes zu investieren und so nie seine Gene an die nächste Generation weitergeben zu können.

    Frauen konnten dagegen selbstverständlich immer 100 Prozent sicher sein, die Mütter ihrer Kinder zu sein.

    „Mama's baby, papa's maybe“

    Unsere weiblichen Vorfahren hatten dagegen ein anderes Problem: den Verlust der Zuneigung des Partners an eine Rivalin und deren Kinder. Da emotionales Engagement das verlässlichste Zeichen für diesen Verlust ist, der in der Vergangenheit ziemlich wahrscheinlich zum Tod oder schlechten Lebens des Kindes und der Frau geführt hätte, reagieren Frauen besonders sensibel auf Hinweise über die Gefühle des Partners für andere Frauen.

    Frauen wollen kurz gesagt vor allem wissen: Liebst du sie?

    Für eine Frau ist die Schwangerschaft von neun Monaten außerdem mit obligatorischen Investitionen verbunden. Im Vergleich dazu müssen Männer zur Zeugung desselben Kindes nur ein paar Stunden, Minuten oder sogar Sekunden ihrer Zeit aufbringen.

    Männer, die mit vielen Frauen schliefen, reproduzierten sich erfolgreicher als Männer, die mit wenigen Frauen Sex hatten. Unsere weiblichen Vorfahren hätten dagegen mit Hunderten von Männern im Laufe eines Jahres Sex haben und in diesem Zeitraum dennoch nur ein Kind zur Welt bringen können. Folglich entwickelten Männer ein größeres Verlangen nach Sex mit einer Vielzahl von Frauen.

    In manchen pseudowissenschaftlichen Theorien ist Eifersucht eine unreife Emotion oder ein Zeichen für Unsicherheit, aber evolutionär gesehen waren nicht-eifersüchtige Frauen und Männer weniger erfolgreich und wurden von Rivalen mit stärker ausgeprägten Leidenschaften wie Eifersucht verdrängt. Demzufolge ist Eifersucht eine Adaption, eine Anpassungsfunktion und keine Persönlichkeitsstörung.

    Sie treibt uns dazu an, unsere Partner mit Taktiken wie erhöhter Wachsamkeit oder in der gleichen Absicht mit Zuneigung zu überschütten. Dem Partner, der abtrünnig zu werden droht, über Eifersucht emotionale Verbindlichkeit zu kommunizieren trägt zur Erhaltung der Liebe bei.

    Selbstverständlich sind uns Menschen die Motive nicht bewusst und keine Frau wird denken: „Es ist wirklich furchtbar, dass Frank eine andere Frau liebt. Das untergräbt sein emotionales Engagement für mich und meine Kinder und beeinträchtigt folglich meine Möglichkeiten zur erfolgreichen Reproduktion.“

    Auch ein Mann denkt wohl kaum: „Wenn meine Frau Sex mit jemand anderem hat, dann wird meine Gewissheit, der leibliche Vater der Kinder zu sein, untergraben, und das gefährdet die Verbreitung meiner Gene. Folglich bin ich jetzt wütend.“

    Eifersucht ist emotionales und evolutionäres Wissen, das unbewusst zum Ausdruck gebracht. Wird und über Millionen von Jahre Evolution von unseren Vorfahren vererbt wurde.

    Einige wichtige Anmerkung fehlt noch: Es gibt überwältigende Beweise für die Annahme, dass die unterschiedlichen Wünsche nach verschiedenen sexuellen Partnern universell und nicht kulturabhängig sind.

    Warum Frauen Affären haben

    Eifersucht Affäre

    Ich glaube, dass es kein großes Geheimnis für dich ist, dass Männer ein überdurchschnittlich großes Verlangen danach haben mit verschiedenen Partnern zu verkehren, aber die potenziellen Vorteile die sich aus der kurzfristigen Sexualität von Frauen Ergeben ist lange Zeit unerforscht geblieben.

    Die Vorteile für Frauen müssen unter Berücksichtigung aller katastrophalen Folgen als groß genug gewesen sein um das Risiko wert zu sein. Historisch betrachtet, konnten Frauen auf vielerlei Art und Weise von Affären profitieren.

    Der erste und offensichtlichste Vorteil liegt in den „Ressourcen“, die der Mann bereitstellt. Gemeint ist keine Einladung zum Abendessen. In der Evolutionsgeschichte konnte ein Stück Fleisch jedoch zwischen Leben und Tod entscheiden.

    Zudem können Frauen, die Affären haben, Kinder mit genetisch größerer Vielfalt zur Welt bringen, was wiederum als Absicherung gegen veränderte Umweltbedingungen dienen kann.

    Und das größte Argument ist wahrscheinlich, dass das Risiko beträchtlich war, dass der Partner sich eine langfristig schwächende oder potentiell tödliche Verletzung zuziehen könnte.

    Unsere weiblichen Vorfahren, die keine „Partner-Versicherung“ dieser Art bzw. eine Option auf Ersatz für den Fall, dass ihrem Partner etwas passieren würde, hatten, mussten mehr Leid ertragen als Frauen, die sich um potenziellen Ersatz gekümmert hatten.

    Auch wenn viele es nicht gerne hören wollen oder es politisch inkorrekt klingen mag, macht es zumindest evolutionär gesehen Sinn für eine Frau einen männlichen Partner zur Versorgung und zum Schutz zu haben. Nicht immer waren die kulturellen Strukturen wie heute gegeben, die den Frauen die heutige Unabhängigkeit gegeben hat, was selbstverständlich ein erstrebenswertes Ziel ist.

    Eifersucht verstehen:

    Eifersucht ist also keine Schwäche des Charakters oder wie der Buddhismus sagt ein »Drache im Paradies. Da steckt zum Teil auch ein Funken Wahrheit drin, aber dieser Sichtweise konzentriert sich nur auf die dunkle Seite Eifersucht und vernachlässigt dabei ihr positives Potenzial.

    Hier ein Beispiel, das von David Buss als sinnbildliches Beispiel gegeben hat:

    Ein Arzt, Mitte 40, suchte Hilfe, weil er seine 21 Jahre währende Ehe durch die Eifersucht seiner Frau gefährdet sah. Mit WutanfälIen und in quälenden Anrufen an seinem Arbeitsplatz, einem Krankenhaus, brachte seine Frau immer wieder ihre unbegründete Eifersucht zum Ausdruck. Er war sehr besorgt. Der Therapeut riet ihm, die Rolle des eifersüchtigen Ehegatten zu spielen, diese Taktik jedoch nicht seiner Frau zu verraten. Da er über mehrere Jahre gelernt hatte, wie sich eine eifersüchtige Person verhält, vermochte er die Rolle des eifersüchtigen Ehemannes so überzeugend und feinsinnig zu übernehmen, dass seine Frau sein Spiel nicht bemerkte. Hatte er seine Frau früher kaum jemals von der Arbeit aus angerufen, tat er dies nun umso häufiger. Er wollte wissen, ob sie zu Hause war und was sie gerade so treibe. Er machte misstrauische und kritische Bemerkungen über jedes neue Kleidungsstück, das sie trug, und äußerte seinen Unmut, sobald sie auch nur das geringste Interesse an einem anderen Mann zeigte. Die Wirkung war verblüffend. Die Frau fühlte sich durch die Aufmerksamkeit und das neue Interesse ihres Mannes geschmeichelt und ließ vollkommen von ihrem eifersüchtigen Verhalten ab. Ihrem Mann gegenüber verhielt sie sich nun zuvorkommend und liebevoll und brachte sogar Reue über ihr früheres Verhalten zum Ausdruck. Acht Monate später belichtete der Mann dem Therapeuten, seine Frau sei ihm gegenüber immer noch sehr liebevoll- vorsichtshalber spiele er jedoch von Zeit zu Zeit noch den eifersüchtigen Ehemann.

    In diesem Fall bewies der Ehemann emotionale Intelligenz, indem er sein Wissen über Eifersucht zur Rettung seiner Ehe einsetzte. Richtig angewendet, kann Eifersucht Partnerschaften bereichern und ein Verbundenheitsgefühl stärken, aber auf der anderen Seite auch toxisch wirken und die Liebe zerfressen.

    Eifersucht ist eine adaptive Emotion, die sich über Millionen von Jahren herausgebildet hat und untrennbar mit langfristiger Liebe verbunden ist. Aber weil Eifersucht ohne Fragen mit Schmerzen verknüpft ist, wird sie fast ausnahmslos als negative Emotion bezeichnet. In Anbetracht der tiefen Wurzeln dieser gefährlichen Leidenschaft ist die Eliminierung der Eifersucht enorm unwahrscheinlich.

    Doch wir können lernen sie zu verstehen. Die Evolution hat uns alle mit einer reichhaltigen Mischung an Emotionen ausgestattet- Eifersucht, Einsamkeit, Angst, Wut, Freude, Leidenschaft und Liebe … . Ich hoffe, dass dieser Beitrag in einem bescheidenen Maß dazu beigetragen hat Eifersucht verstehen zu können.

    Nach all dieser Wissenschaft und der Entzauberung der Liebe noch eine gute Nachricht. Liebe und Eifersucht wurde nicht vor ein paar hundert Jahren von europäischen Dichtem erfunden, wie einige glauben. Liebe ist ein universelles menschliches Phänomen, das in den unterschiedlichsten Gesellschaften anzutreffen ist. In einer Studie von David Buss mit 10 041 Personen aus 37 verschiedenen Kulturen nannten Frauen und Männer die Liebe als den wichtigsten Faktor bei der Wahl des Ehepartners.

    Das Leben ist ein ständiger Kampf um eine Position und die Suche nach Liebe. Liebe ist eine universelle menschliche Emotion, die die Geschlechter
    verbindet. Sie ist der evolutionsgeschichtliche Punkt des Zusammentreffens, an dem Männer und Frauen ihre Waffen niederlegen.- Hermann Hesse

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