Die Kunst der Selbsttransformation aus der Perspektive der Psychologie –Impulse von Jung, Maslow und Emerson

Selbsttransformation: Die meisten Menschen leben ein Leben in stiller Verzweiflung- diese Bemerkung hat Henry David Thoreau vor über 150 Jahren gemacht. Jedoch ist es eine Beobachtung, die heute noch Anklang findet. Diese Verzweiflung ist das Produkt von nagenden Gefühlen, dass wir unser Leben verschwenden könnten-begleitet von der Frustration, dass wir trotz unseres Wunsches zu wachsen und unserem Leben Bedeutung zu geben, die Jahre haben vorbeiziehen lassen.

Die Selbsttransformation bleibt aus und nichts scheint sich zu ändern, obwohl wir wissen, was zu tun ist. Wenn wir diese Gefühle ignorieren, werden wir für immer in unseren Träumen von dem verfolgt werden, was gewesen sein könnte.

In diesem Beitrag werden wir eine kleine Reise durch die psychologische Geschichte der Selbsttransformation machen(mit einigen ausgewählten Persönlichkeiten)- die Lösung, wie wir dem Leben der stillen Verzweiflung entfliehen können. Die Episode wird nicht ganz so strukturiert und wissenschaftlich sein, wie üblich, sondern einen Einblick in das geben, was die Psychologie bzw. einige ausgewählte Psychologen und Philosophen über die Kunst der Selbsttransformation sagten.

Carl Jung über die Selbsttransformation

Carl Jung

Carl Jung schrieb so treffend:

Wir können nichts ändern, bevor wir es nicht akzeptieren.

Radikale Akzeptanz der Realität : Die Auflösung deiner inneren Zerrissenheit

Der erste Schritt sei daher zu erkennen, dass eine Veränderung in unserer Lebensweise erforderlich ist- zumindest wenn Selbsttransformation unser Ziel ist. Eine einfache Möglichkeit um festzustellen, wie nötig die Veränderung ist, ist es an Gefühlen von Reue, Sinnlosigkeit oder Schuld zu messen.

Jung glaubte, dass diese neurotischen Symptome in der überwältigenden Mehrheit der Fälle ein direktes Ergebnis einer unzureichenden Annäherung an das Leben und das Handeln nach seinen Idealen sei, obwohl die Signale die Notwendigkeit der Änderung eindeutig sind.

Die Bedeutung und der Sinn dieser „negativen Gefühle“ ist also dafür zu sorgen, dass der Mensch sich bewusst wird, in welchen Lagen seines Lebens er ungenutztes Potenzial hat und eine bessere Kenntnis seiner Grenzen und Möglichkeiten zu gewinnen. Jung setzte den Fokus darauf diesen Neurosen eine positive Bedeutung zu geben und sie weniger als lästige Bürde oder Krankheit zu sehen.

Das ist ein machtvoller Vorteil von Emotionen, der häufig vergessen wird- sie treiben uns dazu zu handeln, sind ein Stimulus zur Entwicklung der Persönlichkeit und erinnern dich rechtzeitig an deine blinde Flecken der Wahrnehmung, bevor ein schlimmes Szenario eintritt, das verhindert hätte werden können.

Doch laut Jung nehmen die meisten Menschen die einfache Straße der Verdrängung statt zu versuchen ihre Verhaltensweisen zu ändern. Die stumpfen ihre Gefühle des Schmerzes ab oder fliehen von ihnen, indem sie sich hedonistischen Freuden, wie Alkohol, Drogen, Partys, Ablenkung oder Ignoranz hingeben, was das Problem auf lange Sicht nur verschärft.

Dementsprechend warnte Jung (zugebenermaßen etwas drastisch) vor diesem Weg, indem er ihn als Weg des Todes bezeichnete.

“We may think there is a safe road. But that would be the road of death. Then nothing happens any longer – at any rate, not the right things. Anyone who takes the safe road is as good as dead.” (Carl Jung, Memories, Dreams, Reflections)

Abraham Maslow & Selbsttransformation

Abraham Maslow Transformation

Nach der persönlichen Akzeptanz, dass Änderung erforderlich ist, stellt sich eine neue Frage: Welche Art von Veränderung ist besonders förderlich für ein erfülltes Leben? Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich der Psychologe Abraham Maslow genau diese Frage gestellt.

Anders als viele seiner Kollegen, die sich die meiste Zeit dem Studium der psychologischen Krankheiten und Störungen widmeten, beschloss Maslow das Gegenteil zu tun. Er entschied sich, diejenigen zu studieren, die im Leben aufgeblüht sind und sich selbst verwirklicht haben, und das führte ihn zu einer meiner Meinung nach wichtigen Entdeckung.

Die Persönlichkeiten, die am meisten aufblühten waren diejenigen, die Tendenzen zur Selbstverwirklichung hatten, die Maslow als "eine fortlaufende Verwirklichung seiner Potenzialen, Kapazitäten und Talente, als Erfüllung einer Mission, als vollständigere Erkenntnis, die Akzeptanz der eigenen intrinsischen Natur, und als eine unaufhörliche Tendenz zur Einheit“ bezeichnete.(Abraham Maslow- Toward a Psychology of Being)

Maslow war so überzeugt von der Wichtigkeit der Selbstverwirklichung, dass er die folgende Aussage machte:

"Wenn du dich mit weniger zufrieden gibst, als du fähig bist zu sein, wirst du wahrscheinlich alle Tage deines Lebens unglücklich sein." Abraham Maslow

Aber nach jahrelanger Stagnation, in denen sich unsere schlechten Gewohnheiten und destruktiven Verhaltensmuster verfestigt haben, wie können wir dann Selbsttransformation erlangen?

Hier liefert Ralph Waldo Emerson einen Impuls in Richtung Beantwortung der Frage:

Säe einen Gedanken und du wirst eine Handlung ernten, säe eine Handlung und du wirst eine Gewohnheit ernten, säe eine Gewohnheit und du erlangst einen Charakter, säe einen Charakter und du eroberst ein Schicksal.-Ralph Waldo Emerson

Der erste Schritt ist der "Gedanke", und für diejenigen von uns, die danach streben, ein erfüllteres und bedeutsameres Leben zu leben, bedeutet dies die Auswahl eines Sinn oder einer Mission für unsere Existenz. Denn wie Maslow darauf hingewiesen hat, sucht derjenige, der nach Selbsttransformation strebt, nach einer Lebensmission. Bei der Auswahl dieser Mission zur Selbsttransformation werden die Leute manchmal in den Glauben gestolpert, dass dies die Bestimmung ihrer „wahren Leidenschaft“ erfordert.

Den Mythos haben wir schon in einer vorangegangen Episode besprochen:

Warum du nicht deiner Leidenschaft folgen solltest- Die kontraintuitiven Gefahren der Leidenschaft

Doch laut Maslow geht es nicht um die externen Belohnungen und die Erreichung des Ziels, sondern vielmehr um die Veränderung, die uns förmlich dazu zwingt als Persönlichkeit zu wachsen. Wenn wir ein anspruchsvolles Ziel verfolgen, müssen wir unsere Komfortzone verlassen, neue Fähigkeiten entwickeln, Selbstdisziplin kultivieren und dabei entdecken wir, dass wir nicht so hilflos sind, wie wir es einmal dachten.

Selbstvertrauen - die wichtigste Erkenntnis

Erkenntnis

Wann beginnen wir jemandem zu vertrauen? Wenn wir uns auf sein Wort verlassen können. Genauso ist es mit SelbstVertrauen. Wir bekommen Selbstvertrauen in einer Tätigkeit, wenn wir mit persönlicher Integrität und der Wertschätzung unserer eigenen Werte das tun, was wir uns vorgenommen haben.

Wir vertrauen dann nach ein bisschen Übung in unsere eigenen Fähigkeiten mit einer bestimmten Situation oder mit einem bestimmten Themenbereich umgehen zu können. Das ist der springende Punkt: Selbstvertrauen ist eine aktive Praxis und keine genetisch verteilte Fähigkeit.

#1 Die vergessenen Wahrheiten der Selbsttransformation

Solange wir neue Dinge tun, die wir noch nie getan haben und in die Welt hinauszutreten, um unsere Fähigkeiten auszudehnen, solange wir mit anderen Menschen interagieren, gibt es immer kleine Veränderungen in unserer Umwelt. Und mit jeder kleinen Veränderung folgt auch ein bisschen Ungewissheit bzw. Angst vor der Zukunft.

Wenn wir das einmal nicht nur intellektuell verstehen, sondern wirklich verinnerlichen, ist es eine riesige Offenbarung! Das ist der Zeitpunkt, in dem das ewige Wenn-Dann-Spiel aufhört. Was meine ich mit dem Wenn-Dann- Spiel?

Lass uns auf den Großvater all jener Mythen in Bezug auf Selbstvertrauen zu sprechen kommen: Ich muss Selbstvertrauen haben, bevor ich das tue, was zählt. Diese Regel appelliert an "gesunden Menschenverstand", weil es oft viel einfacher ist, Maßnahmen zu ergreifen und die Dinge zu tun, die für dich wichtig sind, wenn wir uns schon zuversichtlich fühlen.

Aber wenn du nicht auf mich hörst, vielleicht interessiert dich ja, was Lance Armstrong, siebenmaliger Gewinner der Tour de France und allgemein als einer der größten Athleten in der menschlichen Geschichte zu diesem Thema zu sagen hat:

"Die Welt ist voll von Leuten, die versuchen, Selbstvertrauen zu erwerben oder es zu produzieren. Aber du kannst nicht vertrauen, du musst es verdienen. Wenn du mich fragst, ist die einzige Möglichkeit, das zu tun, Arbeit, Übung und Anstrengung. Du musst die Arbeit machen. "

Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn wir etwas mit Selbstvertrauen machen wollen - sprechen, malen, Tennis spielen oder sozialisieren - dann müssen wir die Arbeit reinstecken. Wir müssen die notwendigen Fähigkeiten immer wieder üben, bis sie natürlich kommen. Die Handlungen kommen zuerst. Die Gefühle des Selbstvertrauens kommen später, wenn du dir und deinen Handlungen selbst vertrauen kannst.

Die Angst vor der Ungewissheit der Zukunft wird nicht aufhören. Ich bin mir bewusst, dass diese Offenbarung nicht genau das ist, was du hören wolltest. Wenn du wie einige Menschen, die ich gecoacht habe, bist, hast du gehofft, dass meine Worte auf wundersame Weise deine Ängste auslöschen würden. Es tut mir leid dir zu sagen, dass es nicht so funktioniert.

Selbsttransformation & die Komfortzone

Komfortzone

Wir übersehen also die versteckten Kosten der Komfortzone- das beklemmende Gefühl aus fehlendem Selbstvertrauen und Angst nicht nach unseren höchsten Werten zu leben und nicht unser herausragendes Potenzial zu nutzen.

Vielleicht wäre ein passenderer Name: "Reue-nicht- nach- seinem- Potenzial- zu- leben- Zone" oder die " ich-verpasse-das-was-es-heißt-zu-leben-Zone". Dein ganzes Leben und nicht nur deine Komfortzone erweitert sich. Wenn du deinen Tag mit der Frage beginnst: "Wie kann ich heute wachsen und zu der Person werden, die ich sein will?", gehst du ganz anders durch dein Leben als mit der Frage: "Wie vermeide ich möglichst alles Unbekannte und jeden Ärger?"

ACHTUNG: Die Risiken, von denen ich spreche, beinhalten keine körperlich gefährlichen Handlungen. Ebenso wenig gehören auch Risiken, die gegen die Rechte anderer Menschen verstoßen dazu. Diese Arten von Handlungen geben dir keinen Anstieg des Selbstvertrauens, weil sie nichts mit deinen Werten, Integrität oder Liebe zu tun haben.

Das Problem für viele ist jedoch, dass sie nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen oder warten bis die Angst oder die Unsicherheit aufhört, was nie passieren wird. Es ist angenehm seine Handlungen auf diese Art zu rationalisieren, um nicht die notwendigen Maßnahmen ergreifen zu müssen.

Die Fähigkeit zu handeln, auch wenn wir uns nicht danach fühlen, ist eine der charakteristischsten Eigenschaften der Selbsttransformation.

Maslow schrieb in einer Psychologie des Seins:

"Selbstverwirklichung/Selbsttransformation bedeutet keine Transzendenz aller menschlichen Probleme. Konflikte, Angst, Frustration, Traurigkeit, Schmerzen und Schuldgefühle können alle bei gesunden Menschen gefunden werden. "Abraham Maslow

Deshalb ist es egal, wer du bist oder in welchem Stadium du bist, negative Emotionen werden sich immer präsentieren - die Frage ist, ob du den Mut hast, angesichts dieser Gefühle zu handeln oder nicht? Diejenigen, die solchen Mut finden, werden sich selbst transformiere und wachsen.
Wie Emerson schrieb:

"Tu das, was du fürchtest, und der Tod der Angst ist sicher." (Ralph Waldo Emerson)

Gehen wir die „sichere Straße“, die Jung die Straße des Todes nennt und werden wir unsere verbleibenden Tage im Wissen verbringen, dass wir unser Leben verschwenden?

Selbsttransformation ist ein Prozess, der der Natur eines Phönix‘ gleicht. Du opferst Teile deines alten Ichs, das nicht nach deinen eigenen Idealen gehandelt hat und aus der Asche, wie ein Phönix und dieses neue Ich ist robuster für jede Art von Tragödie des Lebens. Vielleicht schaffst du es ja sogar anderen als ein Leuchtfeuer zu dienen.

5 Comments

  1. […] einer breiten Palette von Philosophen, von Sokrates und Aristoteles bis Nietzsche, Thoreau, Emerson mit eigenen […]

  2. […] Transformation einzulassen, das von den Stoikern befürwortet wird. Aber niemand hat gesagt, dass Selbsttransformation einfach […]

  3. […] eine individuelle Aufgabe ist, die eine individuelle Lösung erfordert, haben zahlreiche Denker die Selbstverwirklichung als besonders starke Lösung isoliert. Bereits im vierten Jahrhundert v. Chr. behauptete […]

  4. […] die sie zwischen den zwei unbewussten Zuständen (der Zeit vor der Geburt und nach dem Tod) haben, selbst transformieren, über sich hinauswachsen und sehen wollen, wozu sie persönlich fähig […]

  5. […] gütige Vater- der andere Teil des Archetyps nach Carl Gustav Jung– , der die „Kinder“ vor dem Chaos beschützt, Anarchie verhindert und in Form der […]

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