Die stoische Kunst bösartige Kritik von Feedback zu unterscheiden

Kritik tut weh. Aber warum eigentlich? Und noch viel wichtiger: Was können wir gegen diesen Schmerz tun?

In diesem Beitrag geht es um die tiefgreifende Herausforderung, auf der Empfangsseite von Kritik zu sein. Dieser Beitrag ist keine Selbsthilfe, wie man mit seinen Fehlern Freundschaft schließen kann, sondern der schmale Grad zwischen bösartiger Kritik mit der Intention andere zu verletzen und Feedback zu unterscheiden, das uns helfen kann blinde Flecken in unserer Wahrnehmung zu erkennen und Fehler zu korrigieren.

Doch bevor wir einsteigen, lass uns mit einer Geschichte starten:

Eine kleine Geschichte über die Willkür der Kritik

Admiral Peary Nordpol

Nehmen wir den Fall Admiral Pearys, des Forschers, der am 6. April 1909 zur Begeisterung der Welt mit seinen Hundeschlitten den Nordpol erreichte, ein Ziel, für das mutige Männer seit Jahrhunderten gelitten und gehungert
hatten und gestorben waren, ohne es je zu erreichen.

Peary selbst wäre beinahe vor Hunger und Kälte umgekommen, acht seiner zehn Zehen waren erfroren und mussten abgenommen werden. Er hatte mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, dass er beinahe verrückt geworden wäre.

Seine Vorgesetzten in Washington waren eifersüchtig, weil er so bekannt war und gefeiert wurde. Deshalb beschuldigten sie ihn, Geld für wissenschaftliche Expeditionen zu sammeln und dann «nur in der Arktis
herumzusitzen und nichts zu tun». Vermutlich glaubten sie dies sogar, denn es ist beinahe unmöglich, nicht zu glauben, was man glauben möchte.

Ihr Entschluss, Peary zu demütigen und bloßzustellen, war so groß, dass Peary erst auf eine direkte Anweisung von Präsident McKinley hin seine Arbeit in der Arktis fortsetzen konnte.

Wäre Peary verleumdet worden, wenn er in Washington in der Marineabteilung einen Schreibtischposten gehabt hätte? Nein. Als unauffälliger Bürger hätte er keinen Neid und keine Missgunst geweckt.

Das ist das Schmerzhafte an Kritik. Sie schmerzt manchmal, obwohl sie nicht berechtigt ist. Aber nicht immer, ist der Fall so klar, wie in diesem Fall. Manchmal berauben wir uns bei Ablehnung aller Kritik der Möglichkeit unsere blinden Flecken auszugleichen und uns in verschiedenen Lebensbereichen zu verbessern.

Aber Achtung: Dieser Beitrag ist nicht die ultimative Lösung für alle Art von Kritik, sondern eine von vielen Linsen die Welt der Kritik zu sehen- jedoch meiner Meinung nach der Ansatz der emotional stabilsten und stärksten Philosophengruppe (der Stoiker).

Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Warum schmerzt Kritik eigentlich- weil wir soziale Wesen sind.

Hier ist die Situation, in der wir uns Menschen befinden. Wir sind evolutionär darauf programmiert einige Dinge angenehm zu finden und andere Dinge unangenehm oder sogar schmerzhaft zu empfinden. Insbesondere sozialer Schmerz ist ein zentrales Motiv menschlichen Lebens.

Wir sind evolutionär darauf ausgelegt sozial zu sein. Wir sind von tiefen Motivationen getrieben, um mit Freunden und Familie in Verbindung zu bleiben.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist eine neue Art von Wissenschaft namens soziale kognitive Neurowissenschaften geschaffen worden. Mit Werkzeugen wie funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) wurden erstaunliche Entdeckungen gemacht, wie das menschliche Gehirn auf das Bedürfnis nach Zugehörigkeit reagiert.

Das Ergebnis ist nicht überraschend- die Ausmaße schon! Wir haben ein beinahe überwältigendes Verlangen nach der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe.

Das Verlangen nach Liebe und Verbindung bedeutet ständig danach zu suchen starke emotionale Bündnisse und Beziehungen einzugehen. Warum schließen wir uns Clubs oder Mannschaften an? Warum bricht eine deutschlandweite Euphorie bei der Weltmeisterschaft aus? Warum heiraten wir? Aber warum schließen sich Jugendliche kriminellen Gangs an?

Aus dem Bedürfnis nach Liebe und Verbindung mit anderen Menschen. Wir sind nun einmal soziale Wesen. Nicht nur nach Bedeutung und Status streben wir, sondern auch nach Nähe, tiefer Verbundenheit und Liebe.

Doch die meisten trauen sich auch nicht zu lieben, weil das Ganze wieder Verletzlichkeit und Ungewissheit bedeuten würde.

Vielleicht höre ich einige sehr dominante Leute von euch sagen: Was will ich mit Verbundenheit und Liebe? Ich bin ein Einzelkämpfer! Stimmt das wirklich?

Der Mensch als soziales Wesen

Wir sind evolutionär darauf programmiert sozial zu sein! Wenn man Testpersonen beispielsweise an fMRI- Scans (functional magnetic resonance imaging ) sieht man, dass Menschen sozialen Schmerz genauso erleben, wie körperlichen Schmerz. Die neuronale Verbindung zwischen sozialem und körperlichem Schmerz sorgt dafür, dass wir starke soziale Bindungen haben, um einer sozialen Gruppe zu überleben und uns gegenseitig mit Wärme und Nahrung zu versorgen.

Es ist ein Überbleibsel aus der Evolution, da wir früher in bedeutend kleiner sozialen Gruppen gelebt haben als es heute der Fall ist. Wir würden niemals auf die Idee kommen jemandem bei einem gebrochenen Bein zu sagen, dass er sich nicht so anstellen soll- warum tun wir es dann bei emotionalem Schmerz?

Warum assoziieren wir diese Ereignisse mit Schmerz? Wenn ein Mensch die Bedrohung seiner sozialen Bedürfnisse sieht, antwortet das Gehirn genauso stark wie bei physischem Schmerz.

Nicht um sonst haben wir Wortspiele und Metaphern wie "Er hat mein Herz gebrochen!", "Er hat meine Gefühle verletzt!" oder " Es hat sich angefühlt, wie ein Schlag in die Magengrube! Wie die Psychologen herausfanden ist das Ganze doch mehr als eine Metapher.

Cyberball und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Im Jahr 2001 machte Naomi Eisenberger zusammen mit Martin Lieberman eine interessante Studie.

Sie nannten das Ganze Cyberball. Die Probanden spielten ein Spiel zusammen mit anderen Spieler übers Internet, dachten sie zumindest. Beim ganzen Prozess wurden ihre Gehirnströme gemessen.

In den nächsten 2- 3 Minuten warfen sie einen Tennisball in einem Dreieck von Person zu Person, bis auf einmal die Versuchsperson ausgeschlossen wurde und ausschließlich die anderen beiden den Tennisball hin und her warfen.

Ein klares Zeichen von sozialer Zurückweisung!

Du wirst dir eventuell von außen denken: Mir doch egal, was in der blöden Computersimulation passiert, aber nicht nur die Gehirnscans bestätigten, dass die Versuchsobjekte traurig oder wütend aufgrund der Vorkommnisse waren, sondern auch die kurz danach erhobenen Fragebögen zeigten dasselbe Ergebnis.

Die Nachricht ist eindeutig: Wir mögen es ganz und gar nicht, wenn uns eines unser fundamentalsten Bedürfnisse ohne Grund entzogen wird. Unser Gehirn ist hochgradig sozial programmiert. Und diese biologische Tiefe unseres Sozialbedürfnisses ist ein fundamentaler Bestandteil, von dem, was wir als Menschen sind.

Warum Kritik schmerzt

Als soziale Tiere versuchen wir, Beziehungen zu anderen Menschen zu bilden. Deshalb nehmen wir es, wenn jemand, mit dem wir eine persönliche Beziehung haben, uns kritisiert, als Beweis dafür, dass jemand uns sozial nicht so hoch einschätzt, wie wir es in dem Moment gerne hätten.

Vielleicht wirst du jetzt sagen: Okay, ich habe die gesellschaftlichen Strukturen verstanden und welchen Zweck sie erfüllen. Aber was sagt mir das jetzt über die Schmerzen der Kritik.

Lass es mich dir mit dem Beispiel des Hummers verdeutlichen. Solange ein einzelner Hummer ein Territorium einnimmt, gibt es kein Problem. Doch was passiert, wenn sich hundert Hummer im selben Raum tummeln? Wie organisieren Hummer ihr Verhalten?

Hummer lobster dominanzhierarchie

Hummer sind im Gegensatz zu Menschen nicht besonders kooperativ und eher von ihrer biologischen Natur bestimmt. Deshalb müssen sie um Dominanz kämpfen, wenn sie ihr Territorium und ihren Platz in der Hierarchie sichern wollen, der extrem wichtig ist, wenn sie sich fortpflanzen wollen.

Was passiert mit einem Hummer, der einen Kampf verliert? Er zieht sich zurück und macht sich klein, weil er verloren hat und es dumm von ihm wäre direkt wieder einen stärkeren Hummer anzugreifen, der ihn schwer verletzen oder sogar töten könnte. Deshalb ist für ihn sinnvoll sich zurückzuziehen. Sein Serotoninspiegel sinkt und dadurch wird er ängstlicher und vorsichtiger.

Kritik und der Soziometer

Kritik

Auch dein Gehirn erfasst, wo du in der Hierarchie momentan stehst, auch wenn sich es sehr politisch inkorrekt anhört so etwas zu sagen und viele es nicht wahr haben wollen. Das Interessante ist, dass deine Empfindlichkeit für negative Emotionen zum Teil auch mit deinem Status in der Hierarchie korreliert.

Kritik kann, wenn sie als Beleidigung aufgefasst wird wie ein Angriff auf deine Stellung in der sozialen Hierarchie verstanden werden.

Wir Menschen sind mit einer Reihe von biologischen Systemen ausgestattet. Eines dieser Systeme überwacht wie angesprochen unseren sozialen Status.

Die erfolgreiche Aufrechterhaltung der Verbindungen zu anderen Personen erfordert ein System zur Überwachung anderer Reaktionen- ein System, das unseren Status mehr oder weniger kontinuierlich anhand von Stichwörtern überwachen muss-Missbilligung, Ablehnung, Kritik oder Ausgrenzung. Im Mittelpunkt dieses biologischen Systems steht etwas, das der Psychologe Leary ein Soziometer nennt.

Unser Soziometer agiert immer im Hintergrund. Angenommen, zum Beispiel wir sind auf einer Party und haben ein Gespräch mit jemandem. Ohne es zu realisieren, überwacht unser Soziometer unser gesellschaftliches Umfeld. Wenn also eine Person im selben Raum unseren Namen erwähnt, wird unser Soziometer unsere Aufmerksamkeit auf dieses Gespräch lenken.

Was sagt sie über uns? Werden wir gelobt? Beleidigt? Wenn es sich herausstellt, dass sie etwas Negatives sagt, wird unser Soziometer aktiviert und dazu führen, dass wir unangenehme Gefühle erleben.

Wir könnten zum Beispiel Wut erleben. Diese Emotionen werden uns wiederum dazu motivieren, etwas zu tun, um unseren sozialen Status zu verteidigen. Wenn es sich herausstellt, dass sie etwas Gutes über uns sagt, können wir eine ganz andere Emotion-gesellschaftliche Akzeptanz-erleben.

In der Tat kann unser Soziometer zu empfindlich sein: Laut Leary haben "Menschen mit instabilem Selbstwertgefühl im Wesentlichen ein instabileres Soziometer. Für solche Menschen führt geringfügige Kritik zu großen Veränderungen im Soziometer (und Selbstwertgefühl).

Dies würde natürlich erklären, warum Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl Kritik als besonders schmerzhaft finden.

Leider ist eins der zentralen Ziele der Evolution nicht, dass du dich gut fühlst, sondern das pure Überleben.

Es ist noch wichtig hinzufügen, dass, obwohl eine bleibende Sorge mit deiner Position auf der sozialen Hierarchie aufgrund unserer evolutionären Vorfahren bestehen bleibt, diese heute nicht mehr relevant ist. Heutzutage wird der Fall deines sozialen Status, der heute gar nicht mehr in diesem Maße existiert, dich weder in den Hungertod oder zum Auschluss aus der Gesellschaft treiben.

"Die Identitätskonversation"- Warum Kritik schmerzt

identität

Du hast, wie jeder von uns ein festes Bild von dir selbst in deinem Kopf und wahrscheinlich hältst du dich (wie die meisten) auch für guten Menschen. Was passiert nun, wenn jemand dein Bild, das du dir im Kopf gebildet hast, angreifst => Schmerz!

Die subtilste und am meisten vernachlässigte Konversation in schwierigen Gesprächssituationen ist die Konversation der Identität: Was sagt das Ganze über mich aus? Ich gebe zu, dass sie die herausforderndste Konversation ist, aber sie bietet uns eine beträchtliche Hebelwirkung bei der Bewältigung unserer Angst und Verbesserung unserer Fähigkeiten in den beiden anderen Konversationen.

Auch wenn wir uns dem nicht immer unbedingt bewusst sind, bewerten wir soziale Situation oft unterbewusst, indem wir sie auf unseren eigenen Charakter und unsere eigene Identität beziehen. Das Identitätsgespräch schaut nach innen: Es geht darum, wer wir sind und wie wir uns selbst sehen.Du denkst vielleicht: "Ich versuche nur, meinen Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten oder meinen Partner mit einer Sache, die mich stört zu konfrontieren. Was zur Hölle hat das mit meiner Identität zu tun?"

Es ist die Konversation, die wir jeweils mit uns selbst haben- was diese Situation für uns, unser Leben und unsere Werte bedeutet. Wir führen eine interne Debatte darüber, ob diese Situation bedeutet, dass wir kompetent oder inkompetent sind, moralisch gut oder schlecht, würdig oder unwürdig Liebe und Nähe zu erhalten.

Welche Auswirkungen hat es auf unser Selbstbild und Selbstwertgefühl, unsere Zukunft und unser Wohlbefinden? Unsere Antworten auf diese Fragen bestimmen zum großen Teil, ob wir während des Gesprächs "ausgeglichen" sind oder ob wir ängstlich oder wütend reagieren.

Um eine Gehaltserhöhung bitten? Was, wenn du abgelehnt wirst? Was ist, wenn dein Chef dir sogar gute Gründe gibt? Was wird das für dein Selbstbild als kompetenter und angesehener Mitarbeiter bewirken?

Unsere Angst resultiert nicht nur daraus, dass wir uns der anderen Person stellen müssen, sondern die Konfrontation mit uns selbst. Die Konversation hat das Potenzial, unser Selbstbild zu zerstören, die Maske, die wir mit uns zu verwechseln pflegen. Das Gespräch mit sich selbst stellt eine Bedrohung für unsere Identität dar - die Geschichte, die wir uns über uns selbst erzählen - und der Eindruck, dass unsere Identität bedroht ist, kann zutiefst beunruhigend sein.

Das Alles-oder-Nichts Syndrom in schwierigen Gesprächssituationen

poker

Beim Umgang mit der Identitätskonversation geht es darum, die Art und Weise zu verstehen, in der wir uns anfällig machen, aus der Balance gestoßen zu werden. Der größte Faktor, der zu einer anfälligen Identität beiträgt, ist das Alles-oder-Nichts Syndrom. Dieser unterbewusste Glaubenssatz hört sich so an: Ich bin entweder kompetent oder inkompetent, gut oder böse, verdiene Liebe oder nicht.

Die primäre Gefahr vom Alles-oder-Nichts Syndrom ist, dass es unsere Identität extrem instabil werden lässt, so dass wir überempfindlich auf Feedback reagieren. Wenn wir uns mit negativen Informationen über uns selbst konfrontiert werden, gibt es, wenn wir das Alles-oder-Nichts Syndrom haben, nur zwei Möglichkeiten, wie man mit diesen Informationen umgeht, die beiden ernsthaften Probleme verursachen.

Entweder versuchen wir, die Informationen zu verleugnen, die mit unserem Selbstbild unvereinbar sind, oder wir machen das Gegenteil: Wir nehmen die Informationen in einer Weise auf, die ihre Bedeutung vollkommen überbewertet und zu einem Einbruch der Identität führt. Das Alles-oder-Nichts Syndrom ist also so robust wie ein zweibeiniger Hocker.

Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber Perfektionismus und die Aufrechterhaltung eines Bildes ist kein Schild gegen Kritik und Verurteilung.

Der Umgang mit Kritik- eine stoische Anleitung zur Meisterung der Kritik

Meisterung

Was wohl wichtiger ist als unsere externe Antwort auf eine Kritik oder irgendein Problem, ist aber unsere innere Antwort. Immerhin sollte unser Ziel im Umgang mit Kritik und negativem Feedback nicht nur es so aussehen zu lassen, als ob sie uns nicht schaden würden, sondern sie auch durch emotionale Meisterung davon abzuhalten, dass sie uns nicht von innen zerfressen.

Um das stoische Verhalten zu verstehen, ist es wichtig zu erkennen, dass Stoiker etwas tun, was die meisten Menschen ablehnen, nämlich die persönliche Verantwortung für ihr Glück zu übernehmen.

Die Stoiker haben eine sehr ungewöhnliche Sicht auf den Umgang mit Kritik. Wenn die Kritik oder Beleidigung uns trifft, sind wir selbst verantwortlich. Wenn wir die richtigen Werte gewählt haben, kann uns keine Kritik wirklichen Schaden anrichten.

Kritik ist kein Zauberspruch, der in dir eine negative Emotion auslöst, vor der du dich nicht schützen kannst, sondern dein Urteil über eine Situation. Damit ist das, was schmerzt nicht die Kritik selbst, sondern deine eigene Bewertung- eine Reaktion in dir.

Die Meinungen von anderen ändert nicht unsere Realität. Wenn überhaupt wird die Kritik problematisch, wenn du dich damit identifizierst. Wenn die Identifikation mit der Kritik ausbleibt, sind es nicht mehr als Worte.

Wenn ich dir ein Geschenk gebe und du es ablehnst: Wem gehört es dann? Mir natürlich. So ist es auch mit bösen Worten, Kritik und Beleidigungen anderer. Nur wenn wir es persönlich nehmen und uns damit identifizieren, erzeugt es Schmerz in uns. Alles ist von Grund auf neutral- wir vergeben die Bewertung.

So wird dein Verstand, wie eine innere Festung, die weder Feuer noch Eisen (in diesem Fall symbolisch für Kritik) zerstören kann.

Kritik?! Lass uns die Prioritäten verschieben

Eines der Dinge, über die wir wenig Kontrolle haben, ist, was andere Leute von uns denken. Auch wenn wir zu ihnen außerordentlich nett sind, könnten uns trotzdem verachten.

Wir würden also gut daran tun, wie die Stoiker sagen, unsere Zeit und Energie sinnvoller zu nutzen. Anstatt sozialen Status anzuhäufen und danach zu streben von jeden gemocht und bewundert zu werden, könnten wir die Zeit stattdessen mit etwas verbringen, über das wir eine beträchtliche Kontrolle haben.

Nämlich die Wahl der eigenen Werte und das Leben in Übereinstimmung mit ihnen. Wenn du Kritik von jemandem erntest, sagt er nicht viel mehr als, dass du nicht nach SEINEN Ideale, Vorstellungen und Werten gehandelt hast. In seinen Augen ist die Kritik also gerechtfertigt.

Angenommen ein Stoiker findet nach der Reflexion über eine ungerechtfertigte und bösartige Kritik, dass diese nichts enthält, was er in seinem Programm der Persönlichkeitsentwicklung verwenden kann. Im Gegenteil, das einzige, was die bösartige Kritik offenbart, ist ein Teil des beleidigenden Charakters des Gegenübers.

Wenn ein Stoiker das Ziel solcher Beleidigungen ist, wird er nicht verrückt und sucht Rache, indem er ihm Gegenangriffe startet. Tatsächlich könnte es den Stoiker sogar beruhigen, dass ein „schlechter Mensch“ ihn beleidigen würde. Was beunruhigend wäre, wäre wenn der schlechte Mensch ihn beglückwünschte, wie er sein Leben lebte.

Wir haben es nicht in unserer Macht, jemanden zu werden, der nie kritisiert wird, aber wir haben es in unserer Macht, gewisse vorbildliche Charakterzüge zu entwickeln.

Um das Wertesystem der Stoiker besser zu verstehen, betrachte die folgende Frage: Würdest du lieber, dass die Leute denken, dass du ein guter Mensch bist, wenn du tatsächlich ein schlechter Mensch bist, oder dass sie denken, dass du ein schlechter Mensch bist, wenn du tatsächlich ein guter Mensch bist?

Wenn du die erste Alternative wählst - wie die meisten Leute ist es ein dramatischer Beweis für das Ausmaß, in dem du Ruhm schätzst.

Die Stoiker aber würden die zweite Alternative ohne Zögern bevorzugen: Es ist aus stoischer Sicht viel besser ein guter Mensch zu sein und die Leute denken zu lassen, dass du schlecht bist, als ein schlechter Mensch zu sein und die Leute denken zu lassen, dass du gut bist.

Wir steigen also aus dem sozialen Hierarchie-Spiel aus und sind der Richter unser eigenen Werte.

Hier noch eine zentrale Reflexionsfrage: Warum erlauben wir anderen Menschen, die uns oft gar nichts bedeuten so viel Kontrolle über eigenes Leben?

Ein stoisches Wachstumsmindset

selbstbild carol dweck

Wenn wir dem stoischen Rat folgen, dann müssen wir lernen uns selbst zu hinterfragen. Wir müssen nicht nur zugeben, dass wir fehlerhaft sind, sondern Zeit und Energie verbringen individuelle Fehler zu korrigieren. Das klingt überhaupt nicht nach Spaß. Das ist auch ein Grund, warum viele jede Art von Kritik als „Hate“ abstempeln- es ist leichter und angenehmer.

Es ist verständlich, dass die Leute zögern würden, sich auf das Programm der persönlichen Transformation einzulassen, das von den Stoikern befürwortet wird. Aber niemand hat gesagt, dass Selbsttransformation einfach ist.

Philosophie, Politik, Religion, Geschichte, Psychologie und deine eigene Persönlichkeit. Zu all diesen Themen bildest du dir eine Meinung. Aber aus einer Meinung wird schnell eine Ideologie.

Ideologien sind oft blind für die Möglichkeit der Veränderung, weil sie einen Absolutheitsanspruch stellen. Mit einer festgefahrenen Meinung werden wir selbst blind für Verbesserungen und verbauen uns damit die Chance zu wachsen.

Deswegen ist meine Behauptung: Selbstzweifel sind sinnvoll und Feedback wichtig um unsere blinden Flecken in der Wahrnehmung zu sehen.

Wenn du Ideen in der Welt hinterfragst, wie kann dann eine so komplexe Sache, wie deine Persönlichkeit davon ausgeschlossen sein.

"Das menschliche Verständnis, wenn es einmal eine Meinung angenommen hat (entweder als die empfangene Meinung oder als eigene angenehme Meinung) zieht es alles andere heran, um diese zu stützen und damit einverstanden zu sein."- Francis Bacon

Der so genannte Bestätigungs-Bias ist eine der so genannten kognitiven Verzerrungen und beschreibt unsere Tendenz Dinge, Menschen und Fakten in einer Weise zu suchen und zu interpretieren, die unsere eigenen langjährigen Überzeugungen stützen.

Interessanterweise fühlt es sich so an, als ob wir einen rationalen Ansatz nutzen, aber in Wirklichkeit testen und bestätigen wir meistens nur, was wir schon glauben, wahr zu sein. Wir neigen dazu, Informationen zu begünstigen, die unsere Sichtweise ergänzen und lehnen Alternativen ab. Wir bemühen uns, solche Beweise zu suchen und ihnen große Bedeutung zu verleihen.

Der Bestätigungsfehler beeinflusst stark, wie Menschen Informationen sammeln, analysieren und abrufen. Unser Denken wird automatisch selektiv. Wir umgeben uns selbst mit Leuten, die mit unseren Ansichten übereinstimmen.

Wir müssen uns deshalb bemühen, unsere eigenen Gedanken von Zeit zu Zeit herauszufordern.

Dein Ego ist dein Feind- Ryan Holiday

Das ist eine sehr ungewöhnliche Sichtweise auf Selbstzweifel, aber vielleicht willst du also auch einmal hinterfragen, wer du bist oder ob das, was du machst deinen Wünschen entspricht.

Gerade ist es wichtig ein dynamisches Selbstbild zu entwickeln, wie Carol Dweck es nennt.

Das dynamische Selbstbild findet man bei Menschen, die glauben, dass Übung den Meister macht. Diese Menschen wollen sich stetig weiterentwickeln und verbessern und handeln trotz Angst vor dem Scheitern, weil sie wissen, dass sie aus Fehlern lernen und Herausforderungen ihre Fähigkeiten nur stärken können.

Menschen mit einem statischen Selbstbild dagegen glauben, dass Fähigkeiten angeboren und damit für immer festgelegt sind. Für einen Menschen mit statischem Selbstbild gibt es folglich kein Entwicklungspotential. Diese Menschen geben schnell auf, wenn sie auf ein Hindernis treffen und lassen sich aus Angst, zu versagen, nicht auf Herausforderungen ein.

Hier einmal eine Tabelle zur groben Einordnung:

Mindset Carol Dweck

Ich weiß, dass es verlockend sich ausschließlich in die rechte Spalte einzuordnen, aber frage dich: Handelst du auch wirklich so. Ich selbst ertappe mich immer wieder, wenn ich in die linke Spalte abdrifte.

Mindset: Wie du die Selbstsabotage beendest

Ich gebe ungerne direkte Ratschläge, weil ein Ratschlag trotzdem immer ein Schlag bleibt, aber: Lebe nach den Werten, die du im Grunde deines Herzens für richtig hältst - denn kritisiert wirst du sowieso.

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