Warum tust du das, was du tust? – eigene Motive hinterfragen

Manchmal brauchen wir drastische Beispiele, die uns helfen unsere Motive zu hinterfragen und in den Spiegel der Wirklichkeit zu schauen und unsere blinden Flecken unserer Wahrnehmung zu erkennen.

In dieser Episode will ich einmal zwei Beispiele geben, die ziemlich gut aufzeigen, dass viele Menschen sich in Lebenszielen und destruktiven Verhaltensmustern krankhaft festbeißen ohne zu reflektieren, welche Folgen es hat.
Es muss nicht auf zwanghaften Konsum und Habgier bezogen sein, sondern kann auf jeden Lebensbereich angewendet werden. Im Zentrum steht die Frage: „Aus welchem Grund lebst du so, wie du lebst? Aus welchem Grund entscheidest du dich so, wie du dich entscheidest?“

Ich hoffe, dass du diesen Beitrag unter diesem Gesichtspunkt anhörst und vielleicht deine eigenen Entscheidungen und Motive hinterfragst.

Eigene Motive für deine Entscheidungen hinterfragen

Genetikk Diamant

Der Rapper Karuzo der Band „Genetikk“ schreibt diesen Text aus der Sicht eines Diamanten:

Steck' seit zehntausend Jahren tief im Herzen des Berges
Sie sagen, dass ich es wert bin, für mich zu sterben
Dieser Junge gräbt mich aus, steckt mich in seinen Mund
Verschluckt mich, duckt sich
Rennt schweißgebadet, bis der Wärter den Hund schickt
Er reißt ihn nieder
Zähne tief in sei'm Fleisch
Doch nicht so tief wie das Messer, das ihn zerreißt, schneidet tief in den Bauch
Steckt seine Faust in den fiebrigen Leib
Und zieht mich raus, Blut tropft
Blut tropft auf die Lederschuhe des Warlords
Munition und Waffen für 'nen Mord ist 'n guter Deal
Dollars sind Blutverschmiert

Und ich geh durch viele Hände, Kontinente
Meer und Wüste bis zum Händler aus Europa
Und ich glänze, funkel, strahle
Frisch geschliffen und poliert
Ein wahrhaftiger Edelstein von makelloser Zier und Perfektion
Lupenrein, weiß mit Preisschild um den Hals
Im Schaufenster dieses Juweliers
Sie sieht mich, will mich
Er kauft mich, steck mich an ihren Finger
Und ich schimmer wunderschön wie immer
Sie trägt mich spazier'n

Präsentiert mich und verliert mich
Ausgerechnet auf dem Nachttisch ihres Hotelzimmers
Wo sie ihr Versprechen brach
Und laut stöhnend, ihren Ehemann vergessen hat
Und das nicht zum letzten mal
So lieg' ich da als stummer Zeuge
Meine Anwesenheit ist Beweis dessen, was nicht sein sollte
Eins folgt dem ander'n
Und als das Zimmermädchen mich findet
Verschwinde ich in ihrer Handtasche

Und sie bringt mich zum Pfandleiher
Doch der droht ihr mit Anzeige
Weil er ihr ankreidet, was anscheinend offensichtlich ist
Sie ist nicht die rechtmäßige Besitzerin
Und so steckt mich der Geschäftsmann in den Safe
Und fängt schon mal an zu rechnen wie viel Geld er gemacht hat, denn er zählt es gern achtsam
Weil er schläft dann entspannter

Doch plötzlich geht die Tür auf
"Hände hoch, Überfall! Pack alles was du hast in den Rucksack all deinen scheiß Schmuck, man!"
Und die Jungs springen in den Fluchtwagen
Wissen noch nicht, dass sie zum letzten Mal in Freiheit Luft atmen, weil sie die Bullen jagen und kriegen
Handschellen klicken, schnell ins Kittchen
Und weil keiner mit der Beute entwischt ist
Lieg' ich in der Asservatenkammer, ein paar Tage lang

Bis einer von der Staatsanwaltschaft mich einsteckt
Und auf Kreuzfahrt bringt
So ein teurer Ring, sie muss doch ja sagen
Denkt er sich und kniet vor ihr
Aber nein
Und so steht er allein, noch eine Weile am Bug
Schaut auf den Ozean und schmeißt mich rein
Sinke immer tiefer, immer kälter, immer mehr Druck
Kein Licht mehr, keine Menschen
Hier war mein Platz von Anfang an, verborgen im Dunkel
Wär' besser ihr hättet mich nie gefunden!
Hier war mein Platz von Anfang an, verborgen im Dunkel
Wär' besser ihr hättet mich nie gefunden!
(Nie gefunden)

Meerestiefe

Hernán Cortés und die Verführungen des Goldes

Im Jahr 1519 drangen Hernán Cortés und seine Conquistadores in das bis dahin von der restlichen Welt isolierte Mexiko ein. Die Azteken( die Einheimischen) erkannten schnell, dass die Fremden ein ungewöhnliches Interesse an einem gelben Metall hatten und von nichts anderem reden konnten.

Die Azteken kannten das Gold: Sie stellten Schmuck und Statuen daraus her, und gelegentlich benutzten sie den Goldstaub auch als Tauschmittel. Aber ihre eigentliche Währung waren Kakaobohnen und Tuchballen, weshalb sie die Besessenheit der Spanier nicht wirklich nachvollziehen konnten

Was war denn so besonderes an diesem Metall, das man nicht essen, trinken oder anziehen konnte, und das zu weich war, um Werkzeuge oder Waffen daraus herzustellen? Als die Einheimischen Cortés fragten, warum die Spanier so sehr hinter dem Gold her waren, antwortete er: „Sie leiden an einer Krankheit des Herzens, die nur mit Gold geheilt werden kann.“

Fjodr Michailowitsch Dostojewski: Das Pferd als Eigentum

dostojewski pferd

Hier noch ein sehr grausames Beispiel aus Fjodr Michailowitsch Dostojewskis Schuld und Sühne, das uns an die irre Vorstellung erinnert, dass wir Menschen sogar manchmal bereit sind anderen Lebewesen Leid zuzufügen, weil wir denken, dass sie unser Besitz sind oder wir von Natur aus über ihnen stehen:

Raskolnikow hatte einen furchtbaren Traum. Er träumte von seiner Kindheit, wo er noch in seinem Heimatstädtchen lebte. Er ist sieben Jahre alt und geht an einem Feiertage gegen Abend mit seinem Vater vor der Stadt spazieren. Es ist trübes Wetter, ein schwüler Tag; die Örtlichkeit ist genau dieselbe, wie sie sich in seinem Gedächtnisse erhalten hat; sie ist sogar in seinem Gedächtnisse lange nicht so scharf umrissen, wie sie ihm jetzt im Traume erscheint.

Das Städtchen steht deutlich vor ihm da, zum Greifen nahe; ringsum auch nicht ein Weidenbaum; irgendwo, in sehr weiter Ferne, ganz am Horizonte, sieht man die dunkle Silhouette eines Wäldchens. Einige Schritte von dem letzten zur Stadt gehörigen Gemüsegarten entfernt steht eine Schenke, eine große Schenke, die auf ihn stets einen unangenehmen Eindruck gemacht, ja, ihm sogar Furcht eingeflößt hatte, wenn er mit seinem Vater auf dem Spaziergange daran vorbeigekommen war.

Dort war immer ein großer Haufen von Menschen, die so entsetzlich schrien, lachten, schimpften, so unanständig und heiser sangen und sich so oft prügelten; in der Umgebung dieser Kneipe trieben sich immer betrunkene Kerle mit greulichen Gesichtern umher. Wenn sie ihnen begegneten, drückte er sich dicht an den Vater und zitterte am ganzen Leibe. Bei der Schenke führt ein Fahrweg vorbei, die Verbindungsstraße zum nächsten Dorf, die immer staubig ist, und der Staub auf dieser Straße ist immer ganz schwarz.

(…)

Und nun träumt ihm: er geht mit dem Vater auf der Landstraße nach dem Kirchhofe, und sie kommen bei der Schenke vorbei; er hat den Vater an der Hand gefaßt und blickt angstvoll nach der Schenke hin. Ein besonderer Umstand fesselt seine Aufmerksamkeit: heute scheint hier ein Volksvergnügen stattzufinden; da drängt sich ein dichter Menschenhaufe, aus geputzten Bürger- und Bauersfrauen, ihren Männern und allerlei Gesindel bestehend. Alle sind betrunken, alle singen Lieder, und vor der Tür der Schenke steht ein Wagen, aber ein seltsamer Wagen.

Es ist einer jener großen Wagen, vor die man große Lastpferde spannt und auf denen man Waren und Branntweinfässer transportiert. Er hatte immer gern diese riesigen Lastpferde betrachtet, mit den langen Mähnen und den dicken Beinen, wie sie ruhig und gemessen einherschritten und einen ganzen Berg hinter sich herzogen, ohne besondere Anstrengung, ja, als wäre es ihnen mit der beladenen Fuhre leichter zu gehen als ohne diese.

(...)
Aber plötzlich erhebt sich ein großer Lärm: aus der Schenke kommen unter Schreien und Singen, mit Balalaiken in den Händen, stierartig betrunkene Bauern heraus, große Kerle in roten und blauen Hemden, die Röcke nur lose übergeworfen.

»Setzt euch rauf, setzt euch alle rauf!« schreit einer, ein junger Kerl mit dickem Halse und fleischigem, rotem Gesichte. »Ich fahre euch alle, setzt euch nur rauf!«
Gelächter antwortet auf diese Aufforderung, und es wird geschrien:
»So eine Kracke! Die wird uns auch gerade ziehen können!«
»Du bist wohl nicht gescheit, Mikolka? So eine kleine Stute vor so einen Wagen zu spannen!«
»Die kleine Falbe ist gewiß schon ihre zwanzig Jahre alt, Brüder!«
»Setzt euch nur rauf; ich fahre euch alle!« schreit Mikolka wieder, springt als erster auf den Wagen, faßt die Zügel und stellt sich in seiner ganzen Größe auf das Vorderteil. »Der Braune ist schon lange mit Matwej davon«, schreit er vom Wagen herunter. »Aber diese Stute tut weiter nichts als mich ärgern, Brüder; ich möchte sie am liebsten totschlagen; sie frißt ihr Futter umsonst!

Hört ihr wohl: setzt euch rauf! Ich will sie Galopp laufen lassen! Galopp soll sie laufen!«
Er nimmt die Peitsche in die Hand und bereitet sich mit einer wahren Wonne darauf vor, das Pferd zu schlagen.
»Na, setzt euch doch rauf! Immer zu!« wird unter Lachen in der Menge gerufen. »Hört ihr wohl? Sie soll Galopp laufen!«
»Die ist wohl schon seit zehn Jahren nicht mehr Galopp gelaufen.«
»Das wird ein schöner Galopp werden!«
»Nur keine Schonung, Brüder! Jeder muß eine Peitsche nehmen; macht euch fertig!«
»Jawohl, jawohl! Die soll's kriegen!«

dostoevsky pferd

Alle klettern unter Gelächter und Witzworten auf Mikolkas Wagen. Sechs Mann sind hinaufgestiegen, und es können noch mehr sitzen. Sie nehmen noch ein dickes Weib mit gesunder, roter Gesichtsfarbe mit hinauf. Sie trägt ein rotes baumwollnes Kleid, einen Kopfputz aus Glasperlen, an den Füßen plumpe Schuhe; sie knackt Nüsse und lacht. Ringsum in der Menge wird gleichfalls gelacht; und wirklich: warum sollten sie auch nicht lachen? So eine jämmerliche Mähre, und soll eine solche Last im Galopp ziehen!

Zwei Burschen auf dem Wagen nehmen sofort jeder eine Peitsche, um Mikolka zu helfen. »Hüh!« ruft dieser, und die Mähre zieht aus Leibeskräften, kann aber nicht einmal im Schritt damit zurechtkommen, geschweige denn im Galopp; sie trippelt nur mit den Beinen herum, ächzt und knickt ein unter den Hieben der drei Peitschen, die hageldicht auf sie niedersausen. Das Gelächter auf dem Wagen und in der Menge verdoppelt sich; aber Mikolka wird ärgerlich und peitscht in seiner Wut immer wieder auf die Stute los, als ob er wirklich dächte, sie würde noch galoppieren.

»Laßt mich auch mitmachen, Brüder!« schreit ein Bursche aus der Menge, der gleichfalls Lust bekommen hat.
»Steig nur rauf! Steigt nur alle rauf!« ruft Mikolka. »Sie muß alle ziehen. Ich peitsche sie zu Tode!«
Und er peitscht und peitscht und blickt sich um, womit er sie wohl sonst noch in seiner Raserei schlagen könnte.
»Papa, Papa!« ruft das Kind seinem Vater zu. »Papa, was tun sie da? Papa, sie schlagen das arme Pferd!«
»Komm weg, komm weg!« antwortet der Vater. »Es sind Betrunkene; sie treiben Tollheiten, die Narren. Komm weg; sieh nicht hin.« Und er will ihn wegführen; doch das Kind reißt sich von seiner Hand los und läuft, seiner selbst nicht mächtig, zu dem Pferde. Aber mit dem armen Tiere steht es schon schlecht. Es verliert den Atem, bleibt stehen, zieht wieder an und fällt beinahe hin.

»Peitscht sie tot!« schreit Mikolka. »Jetzt geht's los! Ich peitsche sie zu Tode!«
»Bist du denn kein Christenmensch, du Satan?« ruft ein alter Mann aus dem Haufen.
»Hat man denn so etwas schon gesehen, daß so eine Kracke so eine Fuhre ziehen soll!« fügt ein andrer hinzu.
»Du wirst sie noch zu Tode quälen!« ruft ein Dritter.
»Das geht dich nichts an! Sie ist mein Eigentum. Ich kann mit ihr tun, was ich will. Steigt auch ihr noch rauf! Steigt alle noch rauf! Sie muß noch Galopp laufen!«
Plötzlich bricht ein allgemeines Gelächter los und übertönt alles: die Stute hat die unaufhörlichen Hiebe nicht mehr aushalten können und in ihrer Not angefangen auszuschlagen. Selbst der alte Mann kann sich des Lächelns nicht erwehren; wahrhaftig komisch: so ein jämmerliches Tier, und schlägt noch aus!

Zwei Burschen aus der Menge holen sich jeder eine Peitsche und laufen zu der Stute hin, um sie von den Seiten zu hauen. Jeder haut von seiner Seite.

»Aufs Maul! Haut sie in die Augen, in die Augen!« schreit Mikolka.
»Ein Lied, Brüder!« ruft einer auf dem Wagen, und alle, die darauf sind, fallen mit ein. Ein Gassenhauer ertönt; ein Tambourin rasselt; im Refrain wird gepfiffen. Das Weib knackt Nüsse und lacht.

Der Knabe läuft von hinten an das Pferd heran, läuft nach vorn; er sieht, wie es in die Augen geschlagen wird, gerade in die Augen! Er weint; das Herz will ihm brechen; die Tränen laufen ihm über die Wangen. Ein Peitschenhieb streift ihm das Gesicht, er fühlt es nicht; er ringt die Hände, er schreit, er stürzt zu dem grauköpfigen, graubärtigen Manne hin, der den Kopf schüttelt und dieses ganze Treiben mißbilligt. Eine Frau faßt ihn an der Hand und will ihn fortführen; aber er reißt sich los und läuft wieder zu dem Pferde hin. Das Tier ist schon beinahe mit seiner Kraft zu Ende; aber es beginnt noch einmal auszuschlagen.

»Hol dich der Satan!« schreit Mikolka wütend. Er wirft die Peitsche hin, bückt sich und zieht vom Boden des Wagens eine lange, dicke Deichselstange hervor, faßt sie mit beiden Händen am einen Ende und holt mit starker Anstrengung über der Falben aus.
»Er macht sie kaputt!« schreien die Umstehenden.
»Er schlägt sie tot!«
»Sie ist mein Eigentum!« schreit Mikolka und läßt mit aller Wucht die Deichselstange niederschmettern. Man hört einen schweren, dumpfen Schlag.
»Haut sie doch mit der Peitsche, haut sie! Was steht ihr!« rufen Stimmen aus dem Haufen.

Mikolka aber holt zum zweiten Male aus, und ein zweiter Schlag fällt mit aller Wucht auf den Rücken der unglücklichen Mähre. Sie knickt mit dem ganzen Hinterteil ein, springt aber auf und zieht und zieht mit dem Aufgebot der letzten Kräfte nach dieser und jener Seite, um den Wagen in Bewegung zu bringen; aber von allen Seiten schlagen sechs Peitschen auf sie ein, und die Deichselstange erhebt sich von neuem und fällt zum dritten und vierten Male im Takt wuchtig nieder. Mikolka ist ganz rasend, daß er die Stute nicht mit einem Schlage tot bekommt.

»Die ist zählebig!« rufen die Umstehenden.
»Jetzt wird sie bestimmt gleich fallen, Brüder; dann ist's mit ihr aus!« ruft aus dem Haufen ein interessierter Zuschauer.
»Du solltest ein Beil nehmen und ihr flink den Garaus machen!« ruft ein Dritter.
»Ach was, hol dich der Kuckuck! Macht mal Platz da!« schreit Mikolka grimmig,

wirft die Deichselstange von sich, bückt sich noch einmal zum Wagen hinunter und zieht eine eiserne Brechstange hervor. »Vorgesehen!« ruft er und holt mit aller Kraft nach seinem armen Pferdchen aus. Der Schlag schmettert nieder; die Stute schwankt, sinkt zusammen, macht einen Versuch anzuziehen; aber die Brechstange trifft sie von neuem mit voller Wucht in den Rücken, und das Tier fällt auf die Erde, als wären ihm alle vier Beine mit einem Male abgehauen.

»Nun gebt ihr den Rest!« schreit Mikolka und springt wie ein Besessener vom Wagen herunter. Einige Burschen, gleichfalls betrunken und mit geröteten Gesichtern, ergreifen, was ihnen in die Hände kommt, Peitschen, Stöcke, die Deichselstange, und laufen zu der verendenden Stute hin. Mikolka stellt sich auf der einen Seite neben das Tier und fängt an, es mit der Brechstange auf den Rücken zu schlagen, wohin er gerade trifft. Die Mähre streckt das Maul vor, holt noch einmal schwer Atem und stirbt.
»Na, nun hast du ihr das Lebenslicht ausgeblasen!« ruft jemand in dein Haufen.
»Warum wollte sie auch nicht Galopp laufen!«
»Sie ist mein Eigentum!« schreit Mikolka, die Brechstange in den Händen, mit blutunterlaufenen Augen. Er steht da, als bedauerte er, daß nichts mehr da ist, was er schlagen könnte.
»Aber du bist wirklich ein rechter Unchrist!" rufen jetzt viele Stimmen aus der Menge.

Der arme Knabe ist ganz fassungslos. Laut aufschreiend drängt er sich durch den Schwarm hindurch zu der Falben hin, umfaßt ihren toten, blutigen Kopf und küßt ihn; er küßt sie auf die Augen, auf die Lefzen. Dann springt er plötzlich auf und stürzt in heller Wut, die kleinen Fäuste ballend, auf Mikolka los. In diesem Augenblicke bekommt der Vater, der schon lange hinter ihm her ist, ihn endlich zu fassen und trägt ihn aus dem Gedränge hinaus.
»Komm weg, komm weg!« sagt er zu ihm. »Wir wollen nach Hause gehen!«
»Papa! Warum haben sie . . . das arme Pferd . . . totgeschlagen?« schluchzt er; aber er bekommt keine Luft, und die Worte ringen sich wie einzelne Schreie aus der gepreßten Brust.
»Sie sind betrunken, . . . sie treiben Unfug, . . . es geht uns nichts an, . . . komm weg!« sagt der Vater. Der Knabe schlingt beide Arme um den Vater; aber die Brust ist ihm so beengt, so furchtbar beengt.

Kultur des Schweigens

Grausamkeit passiert und die meisten schauen zu, weil sie nicht bei anderen Menschen anecken wollen oder anderen Lebewesen Leid zufügen, weil sie denken, dass sie ihr Besitz sind.

Wie weit bist du bereit zu gehen, wenn es darum geht Besitz anzuhäufen oder zu verteidigen? Die gegebenen Beispiele sind zugegebenermaßen etwas überspitzt, aber gerade in der Übertreibung finden wir oft den vorgehaltenen Spiegel, der uns hilft unsere Motive zu hinterfragen.

Dein Leben ist wie Monopoly

Monopoly ist ein tolles Spiel. Der Sinn ist es möglichst viel zu erwerben und am Ende alles zu besitzen. Die Häuser, die Hotels, das Geld- das viele schöne Geld. Schnell kommt man zur Erkenntnis, dass man sich voll dem Erwerb hingeben muss, um zu gewinnen.

Doch es gibt ein Haken bei dem Spiel: Am Ende kommt wieder alles zurück in die Box. All diese Häuser und Hotels, alle Bahnhöfe und die Versorgungsunternehmen, all diese Grundstücke und all das wundervolle Geld kommt jetzt zurück in die Box- ob du es willst oder nicht. Nichts davon war jemals wirklich deins.

Das Spielbrett ist dein Leben. Auch das prall gefüllte Konto, der Ruhm, die ultimative Beförderung, die Karriereleiter oder was auch immer du gerade verfolgst, wird eines Tages auch wieder in die Box wandern, wenn du in der Box unter der Erde liegen wirst.

Wie weit musst du diese Straße hinuntergehen, bevor du siehst, wo sie dich hinführt und erkennst, dass es niemals genug ist und du dir die befreiende Frage stellst: Wer willst du sein und was willst du mit deiner begrenzten Zeit auf anfangen?

Versteh mich nicht falsch: Geld stinkt nicht. Auch ein Karriere und Geld haben in meinen Augen einen Wert, aber es geht nicht darum, was ich wertschätze, sondern darum, was du wertschätzt.

Hier ein paar Fragen zur Reflexion deiner Motive und Intentionen- den Fäden, die deine Handlungen beeinflussen.

1. Brauchst du wirklich das alles, was dir andere als ultimatives Ideal aufzwingen wollen?
2. Was sind deine wahren Motive für deine alltäglichen Handlungen? Warum tust du das, was du jeden Tag tust?
3. Was macht das gute Leben in deinen Augen neben der Anhäufung von materiellen Gütern noch aus?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.