Die „Furcht vor der Freiheit“ und die Lösung dagegen

Die Furcht vor der Freiheit ist eine der zentralen existenziellen Sorgen der Menschheit. Es wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass Freiheit intrinsisch wünschenswert ist, aber ganz häufig sind Individuen so sehr über Freiheit besorgt, dass in den Worten von Erich Fromm sogar eine „Furcht vor der Freiheit“ entstehen kann.

„Kann die Freiheit eine Last werden, zu schwer für den Menschen zu tragen, was er versucht zu entkommen?“ (Furcht vor Freiheit, Erich Fromm)

Erich Fromm leitet sein Buch „Die Furcht vor Freiheit“ mit folgenden Worten ein:

Viele sahen im Ersten Weltkrieg den Endkampf und in seinem Abschluß den endgültigen Sieg der Freiheit. Die bereits vorhandenen Demokratien schienen gestärkt daraus hervorzugehen, und neue Demokratien traten an die Stelle früherer Monarchien. Aber bereits nach wenigen Jahren tauchten neue Systeme auf, die alles verleugneten, was die Menschen in jahrhundertelangen Kämpfen errungen zu haben glaubten. Denn das Wesen dieser neuen Systeme, die sich des gesamten gesellschaftlichen und persönlichen Lebens der Bevölkerung bemächtigten, war die völlige Unterwerfung aller unter die Autorität einer Handvoll von Menschen, gegen die sie machtlos waren. Zunächst trösteten sich viele mit dem Gedanken, der Sieg des autoritären Systems sei auf die Geistesverwirrung einiger weniger einzelner zurückzuführen, die von ihrem Wahnsinn schon rechtzeitig wieder abgebracht werden könnten.

Andere wiegten sich im Glauben, die Italiener und die Deutschen besäßen nur noch nicht genügend Übung in Demokratie, und man könne daher ruhig zuwarten, bis sie die politische Reife der westlichen Demokratien erreicht hätten. Eine andere weitverbreitete Illusion – vielleicht die allergefährlichste – war die, daß Menschen wie Hitler allein durch ihre List und Tücke die Macht über den großen Staatsapparat errungen hätten, daß sie und ihre Gefolgsleute allein durch nackte Gewalt regierten und daß die Bevölkerung nur das willenlose Objekt von Betrug und Terror sei.

Inzwischen haben sich diese Ansichten als Irrtum herausgestellt. Wir mußten erkennen, daß Millionen von Deutschen ebenso bereitwillig ihre Freiheit aufgaben, wie ihre Väter für sie gekämpft hatten; daß sie, anstatt sich nach Freiheit zu sehnen, sich nach Möglichkeiten umsahen, ihr zu entfliehen; daß weitere Millionen gleichgültig waren und nicht glaubten, daß die Verteidigung der Freiheit es wert sei, für sie zu kämpfen und für sie zu sterben.

Erich Fromm

Die Geschichte hat zahlreiche Beispiele bereit, wie fatal es ist keine Verantwortung für unsere Handlungen zu tragen. Der Philosoph Eric Hoffer, der Massenbewegungen und Fanatismus erforscht hat, hatte es sich zur Aufgabe gemacht zu verstehen, warum Menschen sich freiwillig der Tyrannei unterordnen.

Besonders eine Wendung blieb in seinem Kopf hängen. Ein junger Deutscher, der sich den Nazis angeschlossen hatte, sagte ihm, dass sein primäres Motiv die Freiheit von der Freiheit sei.

Für diesen jungen Mann und für viele andere war es attraktiver die schwere Bürde von Verantwortung abzugeben. Aber dieser Impuls sorgte für viele Taten der Tyrannei und Brutalität, auf die die Welt hätte verzichten können.
Das Verlangen danach Verantwortung zu vermeiden kann oft überwältigend sein. Wenn wir Verantwortung übernehmen, spielt es plötzlich wirklich eine Rolle, welche Entscheidungen wir treffen, weil wir niemandem mehr die Schuld in die Schuhe schieben können- außer uns selbst.

Kein Wunder, dass wir der Freiheit entfliehen wollen- laut Fromm.

Erich Fromms 3 zentralen Vermeidungsmechanismen in Bezug auf die Furcht vor der Freiheit

Erich Fromm beschreibt 3 zentrale Fluchtmechanismen vor der Freiheit und der damit einhergehenden Verantwortung.

1) Furcht vor der Freiheit: Flucht in Autoritäre Systeme

Kommunismus

Zitat:

Der erste Fluchtmechanismus, mit dem wir uns befassen wollen, ist die Tendenz, die Unabhängigkeit des eigenen Selbst aufzugeben und es mit irgendjemand oder irgendetwas außerhalb seiner selbst zu verschmelzen, um sich auf diese Weise die Kraft zu erwerben, die dem eigenen Selbst fehlt. Es handelt sich also darum, neue »sekundäre Bindungen« als Ersatz für die verlorenen primären Bindungen zu suchen. Deutlich erkennbare Formen dieses Mechanismus sind das Streben nach Unterwerfung und nach Beherrschung oder – besser gesagt – die masochistischen und sadistischen Strebungen, wie sie in unterschiedlichem Grad bei normalen und bei neurotischen Menschen anzutreffen sind. Wir wollen zunächst diese Tendenzen beschreiben und dann zeigen, daß beide eine Flucht vor einem unerträglichen Alleinsein sind. Die häufigsten Formen, in denen masochistische Strebungen auftreten, sind Gefühle von Minderwertigkeit, Ohnmacht und individueller Bedeutungslosigkeit.

Das ist die gefährliche Wahrheit hinter autoritären Systemen: Sie nehmen die Verantwortung von deinen Schultern, aber mit ihr auch deine Freiheit. Manchmal haben die Menschen keine Ideen, sondern die Ideen Menschen. Unfassbare Grausamkeit war die brutale Folge des menschlichen Versuchs eine Utopie zu bilden und den Menschen in diese mit Gewalt hinein zu zwingen.

Was tun wir gegen die autoritären Systeme als Antwort auf die Furcht vor der Freiheit?

Aleksander Solzhenitsyns Antwort war:

„Der einfache Schritt eines mutigen Individuums ist es nicht mehr an der Lüge teilzunehmen.“

Dies sind die Worte von Alexander Solschenizyn, der russische Autor, der besonders für sein Buch Archipel Gulag berühmt ist, das Jahrzehnte lang sein als politischer Gefangener unter Stalin dokumentierte. Als Beobachter und Opfer von einem der tyrannischsten Regimes in der Geschichte, glaubte Solschenizyn fest, dass das Individuum in der Bekämpfung der Tyrannei eine entscheidende Rolle spielt.

Dieser Glaube an die Macht des Individuums, nicht nur Tyrannei zu bekämpfen, sondern auch die Gesundheit einer Gesellschaft zu erhalten, wurde von vielen anderen großen Denkern der vergangenen Jahrhunderte geteilt, darunter Ralph Waldo Emerson, Friedrich Nietzsche, William James und Carl Jung .

Eine solche Sichtweise ist in diesen Tagen aus der Mode gekommen, weil es die Last der Verantwortung bedeutet.
Stattdessen ist es viel häufiger die allgemeine Meinung, dass die Umstände oder soziale Veränderungen von Seiten des Staates in erster Linie für deinen Zustand verantwortlich sind und dass der Einzelne nichts tun kann, um den Zustand einer Gesellschaft zu verbessern.
Denn wie Ralph Waldo Emerson schrieb:

„Das Gegenmittel gegen den Machtmissbrauch der Regierung, ist der Einfluss von Charakter und das Wachstum des Individuums.“

Wenn wir zurück in die jüngere Geschichte blicken, wird man unter den brutalsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts eine Gemeinsamkeit feststellen, sei es Stalin, Hitler oder Mao. Sie alle betonten die Bedeutung des Kollektivs über den Wert des Individuums.

Diejenigen, die über andere herrschen wollen, reden den Menschen ein, dass sie es nicht aus Eigensinn tun, sondern für das Wohl der Gesellschaft und sichern sich damit eine sichere Machtquelle durch die Unterstützung der Massen.

Mit anderen Worten ist ein Kollektiv lediglich eine Gruppe von Menschen, die ein Ideologie um unzählige mögliche Faktoren baut -sei es Rasse, ethnische Zugehörigkeit, Reichtum, Religion oder das Land, in dem man sich befindet.

Es ist nicht zu leugnen, dass Menschen als soziale Wesen, eine natürliche Sehnsucht nach Gemeinschaft haben und den Wunsch sich mit einer Gruppe in irgendeiner Form zu identifizieren. Aber diejenigen, die wünschen, über andere zu herrschen, wollen nicht Menschen zu einem solchen kollektiven vereinen, sondern zu einer Position der kollektiven Überlegenheit erheben.

Das ist so verführerisch an der Flucht vor der Freiheit in die Arme autoritärer Systeme- der Glaubenssatz: Wir sind die guten Unterdrückten, ihr seid die bösen Unterdrücker.

Aber während immense Vorteile für die herrschende Elite der Nation entstehen, ebnet diese Form des Kollektivismus den Weg für Tyrannei.

Wie Carl Jung erklärt:

„Die zunehmende Abhängigkeit vom Staat ist alles andere als ein gesundes Symptom. Es bedeutet, dass die ganze Nation auf dem Weg ist eine Herde von Schafen zu werden, die sich ständig auf einem Hirten verlassen muss, der sie auf eine gute Weide treiben muss. Der Hirtenstab wird bald ein Stab aus Eisen, und die Hirten verwandeln sich in Wölfe. –Carl Jung

Die Fähigkeit, Menschen zu indoktrinieren an die Überlegenheit eines bestimmten Kollektivs zu glauben, ist laut Jung von entscheidender Bedeutung für ein tyrannisches Regime, um die Kontrolle über die Bevölkerung zu erhalten.

Dies wird durch die Tatsache belegt, dass auch in Ländern wie Nordkorea während der Hungersnot der 1990er Jahre oder in der Sowjetunion unter Stalins Herrschaft, wo die Bevölkerung fast verhungert ist , diese tyrannischen Regime es noch für notwendig hielten Propaganda zu betreiben, um den Zustand ihrer Nation zu verherrlichen.

Dies zeigt, dass rohe Gewalt nicht genug ist, um Tyrannei zu halten. Ein tyrannisches Regime wird nur die Macht halten können, wenn sie die Köpfe ihrer Untertanen kontrolliert.

Wie bricht man am besten ein starkes Individuum? Indem man ihm die Freiheit wegnimmt!

Die großen Historiker Will und Ariel Durant betonten, dass das Studium der Geschichte zeigt, dass eine gesunde Gesellschaft auf „Personen mit einer Klarheit des Geistes und Energie des Willens“ beruht, die in der Lage ist wirksame Reaktionen auf neue und ungewisse Situationen auszuüben“.

Nietzsche schrieb, dass “ selbstständig Denkende, unabhängige und unvoreingenommenen Menschen die Säulen einer starken Zivilisation [sind].

Das klingt absolut nicht nach der Flucht vor der Freiheit- im Gegenteil. Es klingt nach persönlicher Verantwortung des Individuums. Vor diesem Hintergrund sollte klar sein, dass Individuen die entscheidende Rolle bei der Schaffung einer freien Welt spielen müssen.
Während uns erzählt wird, dass wir glauben sollen, dass das Individuum in Gegenwart der großen sozialen Probleme machtlos ist, sagt Jung:

„Die Psychologie des Individuums wird in der Psychologie der Nation widergespiegelt ... Nur eine Änderung in der Einstellung des Einzelnen kann eine Änderung in der Psychologie der Nation einleiten. Die großen Probleme der Menschheit wurden noch nie durch allgemeine Gesetze gelöst, sondern nur durch Regeneration der Haltung des Einzelnen. -(Civilization in Transition, Carl Jung)

2) Furcht vor der Freiheit: Flucht ins Destruktive


Zitat:

Wie bereits erwähnt, ist zwischen den sado-masochistischen Strebungen und der Destruktivität zu unterscheiden, obwohl beide meist miteinander verquickt sind. Die Destruktivität unterscheidet sich insofern, als ihr Ziel nicht die aktive oder passive Symbiose, sondern die Vernichtung ihres Objektes ist. Aber auch sie wurzelt darin, daß Ohnmacht und Isolierung für den einzelnen unerträglich sind. Ich kann dem Gefühl meiner Ohnmacht gegenüber der Welt außerhalb von mir dadurch entrinnen, daß ich sie zerstöre. Sicher bleibe ich auch dann, wenn es mir gelungen ist, sie zu beseitigen, immer noch allein und isoliert, aber ich befinde mich dann in einer splendid Isolation, in der ich nicht von einer überwältigenden Macht von Objekten außerhalb meiner selbst zermalmt werden kann. Die Zerstörung der Welt ist der letzte, verzweifelte Versuch, mich davor zu retten, von ihr zermalmt zu werden. Ziel des Sadismus ist die Einverleibung des Objekts, Ziel der Destruktivität ist dessen Beseitigung. Der Sadismus strebt danach, das atomisierte Individuum durch die Herrschaft über andere zu stärken; die Destruktivität erstrebt das gleiche durch die Beseitigung jeder Bedrohung von außen.

Wer die persönlichen Beziehungen in unserem gesellschaftlichen Leben betrachtet, muss manchmal fast schon bestürzt sein über das Ausmaß der überall herrschenden Destruktivität. Meist ist man sich ihrer nicht unmittelbar bewusst, sondern rationalisiert sie.

Tatsächlich gibt es-laut Fromm-praktisch nichts, was nicht zur Rationalisierung der Destruktivität herangezogen wird. Liebe, Pflicht, Gewissen und Patriotismus benutzte und benutzt man als Masken, um andere oder sich selbst zu zerstören.

Dieser Hass auf die Welt und die Liebe zur Destruktivität ist auch die primäre Warnung der Geschichte von Kain und Abel, über die ich bereits einen Episode gemacht habe:

Kain und Abel: Warum du dein ideales Ich unter keinen Umständen verwerfen solltest

Kain verweigert sich die Verantwortung bei sich zu suchen und richtet seinen Charakter nicht nach dem Ideal aus und dem, was er sein könnte, wenn er zurück an die Arbeit gehen würde und neue "Opfer" bringen würde und verflucht Gott insgeheim dafür. Du fragst dich vielleicht: Warum sollte jemand sein Ideal töten? Das Problem ist, dass du einen Richter hast, sobald du ein Ideal hast.

Was dagegen einfacher ist, ist sein Ideal zu zerstören anstatt zu versuchen es zu verfolgen, weil ein Wertesystem immer auch Verantwortung bedeutet. Du wirst dein eigener Richter und unterdrückst deine Impulse, um moralisch nach deinem Ideal zu handeln. Einzugestehen, dass du (manchmal! ) Mitschuld an dem hast, was dir Schreckliches passiert, ist eine verdammt unangenehme Vorstellung.

Es gibt diese Idee, dass wir Menschen ein Gewissen haben und es dieses Gefühl oder die Stimme in deinem Kopf ist, die kurz bevor du etwas Dummes tust, sagt, dass es dumm ist und du es nicht tun solltest. Aber du entscheidest dich dagegen auf dieses Gewissen zu hören und so passiert das, was passieren muss. Das, wovor du gewarnt wurdest, tritt ein.

Es ist schlimm genug, wenn etwas Schreckliches passiert, aber dann die zusätzliche Pille zu schlucken, dass du gewarnt wurdest und es trotzdem gemacht hast, ist nicht so einfach. Und ich denke, dass wir häufiger in dieser Situation sind als wir zugeben wollen.

Das ist das Letzte, was Kain hören will. Seine Opfer werden nicht erhöht und jetzt erkennt er, dass er auch dazu beigetragen hat, indem er nicht die richtigen Opfer macht, die notwendig sind.

Es gibt nichts Schreckliches, das dir jemand antun kann, als dir zu sagen, dass du zum Teil zu deinem eigenen Unglück beigetragen hast.

Achtung: Ich sage nicht, dass das für alle Menschen gilt! Menschen, die klinisch depressiv sind zum Beispiel. Klinische Depression ist eine schreckliche Sache, die oft eine große genetische Komponente hat.

Und genau das tut Gott Kain an. Was macht Kain daraufhin?

Kain tötet seinen Bruder.

Die Warnung der Kain und Abel – Geschichte

Das ist die eigentliche Warnung der Geschichte. Rational wäre es darauf zu hören, mit welcher Ignoranz oder mit welcher Blindheit wir zu unserem Unglück beigetragen haben. Aber wir Menschen sind nicht rational.

Denn wenn die Struktur der Wirklichkeit selbst dir etwas sagt, ist es am besten zuzuhören, weil es ohnehin keinen Ausweg gibt. Aber das ist nicht das, was Kain tut. Er ist durch seine Verwundbarkeit und sein Leben so verärgert, so voller Hass und Bitterkeit über sein Versagen, die entsprechenden Opfer zu machen und sich angemessen zu verhalten, dass er beschließt sein Ideal zu zerstören, um die innere Zerrissenheit zu reduzieren, die er fühlt. Und weil er Gott selbst nicht töten kann und die Werte, die damit verbunden sind, rächt er sich symbolisch an Gottes Liebling und damit an der Existenz selbst.

Vielleicht denkst du jetzt, dass das vollkommen absurd klingt. Zum Glück denkst du das. Das sind nämlich die Gedankenmuster von Psychopaten.

Die Columbine killers

columbine killers

Das erinnert an den Fall der so genannten Columbine killers, der im gleichen Maß interessant, wie erschreckend ist.

Der Amoklauf an der Columbine High School wurde am 20. April 1999 von zwei Schülern der Columbine High School durchgeführt. Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17) ermordeten dabei zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. Außerdem verwundeten sie 24 weitere Menschen und töteten anschließend sich selbst. Der Amoklauf ist die bis heute blutigste Tat ihrer Art an einer US-amerikanischen Highschool.
Eric Harris betrieb seit Ende 1996 eine eigene Website, auf der er über seinen wachsenden Hass auf Gesellschaft und Mitmenschen- die Welt allgemein- zu schreiben

Aus Tagebucheinträgen geht hervor, dass das Duo spätestens seit Mitte 1998 einen Amoklauf an ihrer Schule plante. Sie arbeiteten einen akribischen Plan aus, der vorsah, während der Pause die Schulcafeteria mit eigens gebauten Zeitbomben zu sprengen und dann möglichst viele Überlebende zu erschießen. Zudem platzierten sie ebenfalls Zeitbomben in ihren Autos, die anschließend Polizei und Rettungspersonal treffen sollten. Sie hofften dabei, mehrere hundert Menschen zu töten.

In einem Video, das die beiden kurz vor dem Amoklauf aufnahmen, erklärte Harris:

„There is nothing that anyone could have done to prevent this. No one is to blame except me and voDKa [Klebolds Spitzname]. Our actions are a two man war against everyone else.“

„Es gibt nichts, das irgendjemand hätte tun können, um dies zu verhindern. Niemand außer mir und voDKa [Klebolds Spitzname] kann verantwortlich gemacht werden.

Aktionen sind ein Zwei-Mann-Krieg gegen alle anderen.“

Seine Gedanken sind unglaublich dunkel, bitter und auf pure Zerstörung aus. Wenn du dir seine Schriften durchliest, merkst du schnell, dass er eine solche Abscheu für die Menschheit hatte, dass es in seinem Kopf nicht gereicht hätte Suizid zu begehen, sondern er Rache an der Existenz selbst üben wollte.

Hass auf das Sein und ein Verlangen für Rache ist ein dunkles Motiv. Weil ihre Opferbemühungen in der Vergangenheit gescheitert sind, verabscheuen sie das Leben und schwingen metaphorisch die Faust gegen Gott und beschuldigen ihn für die Struktur der Existenz.

In seinen Augen Menschen sollte alles aus dem Gesicht der Existenz entfernt, weil das Leben so grausam ist.

Moralische Verantwortung

Das Wort Sünde hieß ursprünglich von einem griechischen Wort „αμαρτία“. Eigentlich kommt dieser Begriff aus der Metaphorik des Bogenschießens und bedeutet so viel, wie „das Ziel verfehlen“

Das ist eine schöne Metapher für das so negativ behaftete Wort Sünde. Es ist nicht der Fall, dass irgendwo in den Wolken ein alter Mann sitzt, der deine Handlungen beobachtet und sich darum kümmert, was du machst. Das meine ich in diesem Kontext nicht mit Sünde.

Wikipedia sagt:

Der griechische Ausdruck ἁμαρτία (hamartia) des Neuen Testaments und das hebräische Wort chata’a oder chat'at (חַטָּאָה/חַטָּ֣את) des Tanach bedeuten Verfehlen eines Ziels – konkret und im übertragenen Sinn, also Verfehlung – und werden in deutschen Bibelübersetzungen mit Sünde wiedergegeben.

Ich muss zugeben, dass das zum Teil auch meine persönliche Überzeugung ist: Wenn du und ich bereit sind über unsere banale täglichen Impulse hinwegzusehen und versuchen einen Vertrag mit unseren Werten und dem Guten (Definition offen) zu schließen, haben wir keine Ahnung, was damit bewegen könnten. Das beginnt aber mit der Orientierung an einem Ideal und nicht mit der Zerstörung des Ideals, wie Kain es tut.

Die Flucht vor Freiheit ist keine Lösung. Radikale Verantwortung ist der Weg.

3) Furcht vor der Freiheit: Flucht ins Konformistische

Zitat:

Bei den bisher erörterten Mechanismen überwindet der einzelne sein Gefühl der Ohnmacht gegenüber der überwältigenden Macht der Außenwelt, indem er entweder auf seine individuelle Integrität verzichtet oder indem er andere zerstört, so daß die Welt für ihn nicht länger bedrohlich ist. Andere Fluchtmechanismen bestehen darin, daß man sich so total von der Welt zurückzieht, daß diese ihren bedrohlichen Charakter verliert (bestimmte psychotische Zustände bieten und daß man sich psychologisch in einem solchen Maße aufbläht , daß die Außenwelt vergleichsweise klein wird. Wenn diese Fluchtmechanismen für die Individualpsychologie auch wichtig sind, so sind sie kulturell nur von untergeordneter Bedeutung. Ich möchte deshalb hier nicht näher darauf eingehen und mich lieber einem weiteren Fluchtmechanismus zuwenden, der von größter gesellschaftlicher Bedeutung ist.

Dieser Mechanismus stellt die Lösung dar, für die sich die meisten normalen Menschen in unserer heutigen Gesellschaft entscheiden. Er besteht kurz gesagt darin, daß der einzelne aufhört, er selbst zu sein; er gleicht sich völlig dem Persönlichkeitsmodell an, das ihm seine Kultur anbietet, und wird deshalb genau wie alle anderen und so, wie die anderen es von ihm erwarten. Die Diskrepanz zwischen dem »Ich« und der Welt verschwindet und damit auch die bewußte Angst vor dem Alleinsein und der Ohnmacht. Man könnte diesen Mechanismus mit der Schutzfärbung gewisser Tiere vergleichen. Diese sehen ihrer Umgebung so ähnlich, daß sie kaum von ihr zu unterscheiden sind.

Wer sein Selbst aufgibt und zu einem Automaten wird, der mit Millionen anderer Automaten in seiner Umgebung identisch ist, fühlt sich nicht mehr allein und braucht deshalb keine Angst mehr zu haben. Aber der Preis, den er dafür zahlen muß, ist hoch, es ist der Verlust seines Selbst.

“When you adopt the standards and the values of someone else, you surrender your own integrity [and] become, to the extent of your surrender, less of a human being.”

,schrieb Eleanor Roosevelt.

Wie also können wir zwischen der unausweichlichen sozialen Dimension unseres Lebens und der unangreifbaren Integrität des Individuums vermitteln?

„Für Non-Konformität peitscht dich die Welt mit ihrer Unmut“. (Ralph Waldo Emerson)

Diese Bemerkung von Ralph Waldo Emerson macht deutlich, dass die Kraft der Konformität ziemlich stark war, als er vor fast 200 Jahren lebte. Allerdings würde er wahrscheinlich auch überrascht sein, wie sehr Non-Konformisten im heutigen SocialMedia- Zeitalter Scham und Spott aus der ganzen Welt ertragen müssen, weil sie etwas tun, das als nicht sozial akzeptabel angesehen wird.

Während Konformität oft als Nachahmung von Verhaltensweisen, Überzeugungen und Werten, die sozial akzeptabel sind, definiert wird, ist Non-Konformität nicht nur die Ablehnung des gesellschaftlich Akzeptierten ist. Eine Person, die Dinge nur aus dem Wunsch tut, „anders“ zu sein, orientiert sich immer noch Anderen und nicht aus persönlichen Gründen oder dem Wunsch authentisch nach den eigenen Idealen zu leben.

Auch Fromm gibt ein ähnliches Echo:

Für die meisten Psychiater ist die Struktur ihrer eigenen Gesellschaft etwas so Selbstverständliches, dass für sie ein nicht gut angepaßter Mensch das Stigma der Minderwertigkeit trägt. Andererseits gibt man einer gut angepaßten Person auf der Skala menschlicher Werte einen höheren Rang. Wenn wir die beiden Begriffe »normal« und »neurotisch« einander gegenüberstellen, so kommen wir zu folgendem Schluß: Der gut angepaßte, normale Mensch ist im Hinblick auf die menschlichen Werte oft weniger gesund als der neurotische. Oft ist er nur deshalb so gut angepaßt, weil er sein Selbst aufgegeben hat, um mehr oder weniger so zu werden, wie man es von ihm erwartet. Dabei kann ihm jede echte Individualität und Spontaneität verloren gegangen sein.

Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein

jean-paul sartre

Der Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre war ein zentraler Vertreter des Existenzialismus und sagte: Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen. Noch mehr als das: „Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein.“ Was meint Sartre damit?

Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt, weil er sich nicht selber erschaffen hat. Denn wenn er erst einmal in die Welt geworfen ist, dann ist er für alles verantwortlich, was er tut.

Unsere Freiheit verdammt uns nach Sartre unser ganzes Leben lang dazu, uns zu entscheiden. Auch wer glaubt, sich nicht zu entscheiden, oder endlos seine Entscheidung zu einem wichtigen Thema aufschiebt, hat seine Entscheidung bereits gefällt: nichts zu verändern und vor sich hin zu vegetieren.

Frei zu sein bedeutet, für sein Leben verantwortlich zu sein, der Autor des eigenen Schicksals. Wegen der überwältigenden Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dieser Aufgabe fliehen die Menschen häufig aus der Freiheit und damit die Verantwortung, den eigenen Weg im Leben zu bestimmen.

Es ist sicherlich wahr, dass viele von uns unseren Verantwortungen und Potenzialen zu entgehen versuchen. Viele existentielle Denker haben festgestellt, dass derjenige, der seine Berufung ignoriert und somit unauthentisch lebt durch den Impuls der Schuldgefühle wieder zurück auf den Weg zu einer authentischen Existenz finden kann, weil sie uns zur Handlung treiben.

Irvin Yalom hat geschrieben:

"Einer, der es verpasst so vollkommen zu leben, wie er kann, erlebt ein tiefes, starkes Gefühl, das ich hier als" existenzielle Schuld "bezeichne. ... Existentielle Schuld ist eine positive konstruktive Kraft.“ (Existenzielle Psychotherapie , Irvin Yalom)

Die Flucht vor der Freiheit- ein Fazit

Eine Sache, die mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass die Nachricht der „persönlichen Verantwortung“ so gut aufgenommen wird. Ich kann zum Teil manchmal wirklich sehen, wie die Augen meiner Gesprächspartner aufleuchten. Man merkt, wann der Gesprächspartner wirklich aufmerksam zuhört.

Was ist so seltsam daran ist, dass wir heute mit Rechten und Freiheiten überschüttet werden und die Menschen sich trotzdem nach Verantwortung sehnen. Denn Verantwortung gibt uns Menschen auch einen gewissen Sinn und ein Gefühl von Bedeutung.

Wahrscheinlich dürsten wir alle so sehr nach der Nachricht, weil sie verloren gegangen zu sein scheint und oft das Bild projiziert wird, dass du ein Opfer des Systems bist, der permanent dazu beiträgt die Welt zu zerstören- und das durch deine pure Existenz. Man hört es auch immer wieder, dass der Mensch wie der Krebs des Planeten ist. Warum sendet man eine solche Nachricht?

Vielleicht wollen wir manchmal auch hören, dass wir eine unglaubliche Macht und ein unglaubliches Potenzial haben, wenn wir unseren Arsch hoch bekommen, Verantwortung übernehmen und uns einer verdammt schwierigen Aufgabe stellen, die es wert ist den Schmerz der Verantwortung zu tragen.

Du kannst eine überwältigende Kraft für das Gute sein, wenn du dich gegen die Flucht vor der Freiheit entscheidest.

Reflexionsfrage des Tages: In welchem Lebensbereich hast du „Furcht vor der Freiheit“ und stürzt dich in Verleugnung und Selbstbetrug?

2 Comments

  1. […] Die „Furcht vor der Freiheit“ und die Lösung dagegen […]

  2. […] warum ich mich häufig dagegen ausspreche blind das zu machen, was andere machen und sich aus Furcht vor Freiheit anzupassen. Es beraubt uns oft der Möglichkeit den Versuch zu starten sich durch seinen Heroismus […]

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