Heroismus zur Überwindung der unterdrückten Todesfurcht

Momento mori

Hinweis: Dieser Beitrag ist massiv von Ernest Beckers Buch „Die Überwindung der Todesfurcht“ geprägt und nicht alle Gedanken aus diesem Beitrag sind meine eigenen. Wenn du also nach der Episode einen tieferen psychoanalytischen Einblick in das Thema Todesfurcht, kann ich dir Beckers Buch „Die Überwindung der Todesfurcht“ ans Herz legen.

Unter den zahlreichen Fragen der Menschheit ragt eine ganz besondere Herausforderung heraus: der Tod.
Die Idee des Todes verfolgt das menschliche Tier wie nichts anderes; es ist eine Triebfeder menschlicher Aktivität – eine Aktivität, die hauptsächlich darauf abzielt, das Verhängnis des Todes zu vermeiden, um es zu überwinden, indem es in gewisser Weise bestreitet, dass es das endgültige Schicksal der Menschen ist.

Menschen, anders als jedes andere Tier, sind sich ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst. Dieses Bewusstsein, wenn es nach Becker reflektiert wird, löst Angst aus, die so lähmend sein kann, dass man, um richtig im Alltag zu funktionieren, seine Sterblichkeit verdrängen oder verleugnen muss.

Der Tod hat einen langen Arm, sodass sein Einfluss häufig verborgen bleibt. Obwohl die Angst vor dem Sterben manche Menschen vollkommen lähmen kann, ist sie oft versteckt und drückt sich durch Symptome aus, die nichts mit der eigenen Sterblichkeit zu tun zu haben scheinen.

Le soleil ni la mort ne se peuvent regarder en face.
(Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Gesicht blicken.)
FRANÇOIS DE LA ROCHEFOUCAULD

Gilgamesch-Epos : Die Überwindung der Todesfurcht

Gilgamesch

Das ist die zentrale Botschaft des ältesten Mythos der Menschheit, des Gilgamesch-Epos der alten Sumerer. Der Mythos erzählt die Geschichte von König Gilgamesch von Uruk, des stärksten und fähigsten Menschen der Welt, der alles besitzt und jeden Feind in der Schlacht besiegt.

Eines Tages stirbt jedoch sein bester Freund Enkidu. Tagelang sitzt Gilgamesch neben dem Leichnam und starrt ihn an, bis er sieht, wie ein Wurm aus dem Nasenloch seines toten Freundes kriecht. In diesem Moment erfasst ihn die Verzweiflung und er beschließt, nie zu sterben.

Er ist entschlossen, den Tod zu besiegen-egal, was es kostet. Gilgamesch reist bis ans Ende der Welt, tötet Löwen, trifft auf Skorpionmenschen, fährt in die Unterwelt und zerschlägt die Steinriesen von Urschanabi. Doch alle Mühen sind vergebens.

Mit leeren Händen kehrt er nach Hause zurück und ist genauso sterblich wie zuvor. Er hat nur eines gelernt: Als die Götter den Menschen erschufen, gaben sie ihm den Tod als sein unvermeidliches Schicksal mit, und der Mensch muss lernen, damit zu leben.

Vergänglichkeit

Todesfurcht als existenzielles Dilemma der Menschheit

Das ist der Terror: aus dem Nichts erstanden zu sein, einen Namen zu haben, Bewusstsein zu haben, Gefühle und Gedanken und ein qualvolles Verlangen nach dem Leben zu haben und trotzdem sterben zu müssen. –Ernest Becker

Jeder Mensch fürchtet den Tod auf seine eigene Weise. Für manche ist die Furcht vor dem Tod die Hintergrundmelodie ihres Lebens, und jede Handlung ruft den Gedanken wach, dass der bestimmte Augenblick nie wiederkommen wird. Sogar ein alter Film löst ein Gefühl der Wehmut bei jenen aus, die ständig daran denken müssen, dass all die Schauspieler inzwischen zu Staub zerfallen sind.

Für andere Menschen erklingt die Furcht lauter, unbeherrschbar, tendiert dazu, sie um drei Uhr morgens zu überfallen, dass sie nach Luft schnappen angesichts des Schreckgespenstes des Todes. Sie sind von dem Gedanken besessen, dass auch sie bald tot sein werden – so wie jeder ringsherum.

Todesszenarien nehmen oft lebhafteste Formen an. Der eine ist in einem Sarg eingesperrt, die Nasenlöcher mit Erdreich verstopft, jedoch in vollem Bewusstsein dessen, dass er für immer und ewig in der Dunkelheit liegt. Ein anderer fürchtet, niemals mehr einen geliebten Menschen zu sehen, zu hören, zu berühren.

Wieder andere fühlen den Schmerz, unter der Erde zu sein, während alle Freunde oben sind. Das Leben dort wird ohne sie weitergehen, ohne die Möglichkeit, jemals zu erfahren, was aus ihrer Familie, ihren Freunden oder der eigenen kleinen Welt wird.

Die Philosophen in der menschlichen Geschichte haben immer, dass es etwas Besonderes am Menschen ist- etwas Tiefes das ihn charakterisiert und ihn von den anderen Tieren unterscheidet. Es war etwas in seinem Kern, etwas, das dafür sorgte, dass er sein eigentümliches Schicksal erleiden muss, das es ihm unmöglich macht, zu entkommen.

Zeitalter um Zeitalter haben Philosophen den Kern des Menschen als sein „Wesen“ oder seine „Essenz“ adressiert, etwas, das in seiner Natur fixiert ist, eine besondere Qualität oder ein Substanz. Aber nichts wurde jemals gefunden.

Die Eigentümlichkeit des Menschen blieb ein Dilemma. Der Grund, warum nie etwas gefunden wurde, war, wie Erich Fromm es ausdrückte, dass es keine Essenz gab, dass die Essenz des Menschen seine ist paradoxe Natur-die Tatsache, dass er halb Tier und halb Symbol ist.

Der Mensch hat eine symbolische Identität, weil er ein Geschöpf mit einem Namen, einer Lebensgeschichte und einer Vergangenheit ist. Er ist ein Schöpfer mit einem Verstand, der über Gott und die Welt spekuliert und sich gedanklich an einen Punkt in der Zukunft versetzen kann.

Die überwindung der Todesfurcht

Die anderen Tiere sind von diesem schmerzhaften Widerspruch verschont, da ihnen eine symbolische Identität und das damit verbundene SelbstBewusstsein fehlen. Sie agieren nur reflexartig, da sie nur von ihren Instinkten getrieben werden.
Sie leben und verschwinden mit der gleichen Gedankenlosigkeit: ein paar Minuten der Angst und es ist vorbei. Aber ein ganzes Leben mit dem unvermeidlichen Schicksal des Todes zu leben, das uns in unsere Träume verfolgt - das ist etwas anderes.

Die Quelle der existenziellen menschlichen Neurose ist also keine sexuelle Repression wie Sigmund Freud gesagt hat, sondern, wie Ernest Becker sagte, eigentlich die Unterdrückung der Todesfurcht.

Bewusstheit ist eine hohe Gabe. Sie macht uns menschlich, doch hat sie einen hohen Preis: die Wunde der Sterblichkeit. Unsere Existenz ist für immer von dem Wissen überschattet, dass wir wachsen, gedeihen und unausweichlich welken und sterben werden.

Weil der Mensch jedoch mit dem ständigen bewussten Wissen über seinen Tod lebensunfähig wäre, muss er verschiedene Möglichkeiten finden, um diese Todesfurcht zu unterdrücken.

Religion als Leugnung der Todesfurcht

Eine Möglichkeit zur Leugnung der Todesfurcht ist laut Becker die religiöse Lösung. Diese Idee ist für viele Menschen so attraktiv, weil sie eine Erzählung erschafft, in der du ewig lebst- mehr als das: Du wirst von Gott für immer in den Himmel aufgenommen und damit wirst du gerettet.

Historisch gesehen war die Religion das wirksamste Mittel, um Menschen davon zu überzeugen, dass ihr Leben
signifikant ist. Besonders die jüdisch-christlichen Lehren haben Gläubige überzeugt, dass die eigene Existenz eine Bedeutung für ein Schöpfer hat.

Nachdem unsere Gesellschaft jedoch wissenschaftlicher und säkularer geworden ist, fällt es vielen Menschen schwer diesen Sprung des Glaubens zu machen und ihr Leben danach zu richten, aber da man dem Tod nicht direkt ins Gesicht starren kann, brauchen wir alternative Lösungen.

Die Gesellschaft bietet eine weitere Verteidigungslinie gegen unsere natürliche Vergänglichkeit, indem sie als Ersatzreligion dienen kann.

Ein Töten auf dem Schlachtfeld hat oft weniger mit wirtschaftlicher Notwendigkeit oder politischer Realität zu tun als mit der Notwendigkeit, uns selbst zu versichern, dass wir etwas von bleibendem Wert erreicht haben. Man denke etwa an den jüngsten Krieg in Vietnam, in dem die Vereinigten Staaten nicht durch ein realistisches wirtschaftliches oder politisches Interesse angetrieben wurden, sondern durch die überwältigende Notwendigkeit, den "atheistischen Kommunismus" zu besiegen.

Wie bei jeder Religion ist es einfacher, an die Religion oder das Glaubenssystem der eigenen Gesellschaft zu glauben, je mehr Menschen sie verehren. Und deshalb werden die Nonkonformisten von den Massen so gefürchtet, dass die einzigartigen Individuen Zweifel in den Köpfen der Konformisten in Bezug auf die Bedeutung ihrer sozialen Rollen und somit die Bedeutung ihrer Existenz errichten.
Es gibt große soziale Zwänge sich anzupassen, was individuelles Heldentum nicht unbedingt einfacher macht.

Die romantische Lösung: Das Glück in einem anderen Menschen als Antwort auf die Todesfurcht

Wir Menschen sind alle mehr oder weniger darauf gepolt, uns mit anderen zu verbinden. Aus welcher Perspektive wir die menschliche Gesellschaft auch immer betrachten, ob ihre breite Evolutionsgeschichte oder die Entwicklung des einzelnen Individuums, wir sind verpflichtet, den Menschen in seinem oder ihrem persönlichen Kontext zu betrachten – in Beziehung zu anderen.

Es gibt überzeugende Daten aus Studien mit nicht menschlichen Primaten, primitiven menschlichen Kulturen und der heutigen Gesellschaft, wonach unser Bedürfnis dazuzugehören massiv und fundamental ist: Wir haben immer in Gruppen mit intensiven und konstanten Beziehungen zwischen den jeweiligen Mitgliedern gelebt. Eine Bestätigung dafür findet sich überall: Um nur ein Beispiel zu nennen – viele jüngste Studien aus der Positiven Psychologie betonen, dass vertraute Beziehungen eine unerlässliche Bedingung für Glück seien.

Sterben jedoch ist einsam, das einsamste Ereignis im Leben. Sterben trennt einen nicht nur von anderen, sondern setzt einen einer zweiten, noch viel furchterregenderen Form von Einsamkeit aus: der Trennung von der Welt an sich.

Was ist also die Antwort auf dieses existenzielle Problem? Die romantische Lösung.

Die romantische Lösung beinhaltet die Vergötterung deines Liebhabers und ist das moderne Motiv der Popsongs und Hollywoodfilme. Aber letztlich kann keine Beziehung die Last der Todesfurcht tragen und der/die Geliebte ist nun einmal kein Gott.

Heldentum und Heroismus als Antwort auf die Leugnung der Todesfurcht

Heroismus

Ah, mon cher, for anyone who is alone, without God and without a master, the weight of days is dreadful. Hence one must choose a master, God being out of style.
—ALBERT CAMUS

Die menschliche Zivilisation hat einen Selbstverteidigungsmechanismus gegen das Wissen entwickelt hat, dass unsere Zeit hier begrenzt ist. Becker sagt, dass wir unterbewusst alle an einem Unsterblichkeitsprojekt teilnehmen. Menschen versuchen Teil von etwas zu werden, das für immer bleibt- Religion, Kunst, Musik, Patriotismus, politische oder soziale Bewegungen usw.
Laut Becker sei das unser Versuch an etwas Größerem teilzuhaben, das uns selbst ein Gefühl von Bedeutung, Wachstum und Beitrag gibt (3 der extrem wichtigen menschlichen Bedürfnisse.

Weil wir dem Tod nicht ins Gesicht starren können, brauchen wir Illusionen, um nicht von permanenter Angst gelähmt zu sein.
Die Art und Weise, wie Menschen den Tod verleugnen, besteht darin, nach dem Heldenhaften zu streben oder mit anderen Worten an Aktivitäten teilzunehmen, die dazu führen, dass sie glauben, Teil von etwas zu sein, das mehr ist, als ihr physischer Körper und ihnen dadurch gewähren eine Form der Unsterblichkeit zu erlangen.

Es ist leicht zu begreifen, wie ein Künstler oder Schriftsteller diese Art von Unsterblichkeit erreichen kann, indem er ein großes Werk erschafft, von dem er weiß, dass es die Menschen noch lange nach ihrem Tod beeinflussen wird. Aber was hat dasmit dir zu tun?

Beckers Antwort ist, dass die Gesellschaft als das Vehikel fungiert, in dem die überwiegende Mehrheit der Menschen ihren Drang nach Heldentum auslebt. Wie er es ausdrückte:

„Es spielt keine Rolle, ob das System des Heldentums magisch, kulturell, religiös, primitiv oder weltlich, wissenschaftlich oder zivilisiert ist. Es ist immer noch ein System des Heldentums, in dem der Mensch versucht sich ein Gefühl des Wertes, eine kosmische Besonderheit, die ultimative Nützlichkeit für die Schaffung von einem unerschütterlichem Sinn zu erlangen. Sie versuchen dieses Gefühl durch die Befestigung eines Ortes in der Natur zu manifestieren- durch ein Gebäude das den menschlichen Wert widerspiegelt: einen Tempel, eine Kathedrale, einen Totempfahl, einen Wolkenkratzer, eine Familie, die sic über drei Generationen erstreckt. Die Hoffnung und der Glaube, dass die Dinge, die der Mensch in der Gesellschaft schafft, von nachhaltigem Wert und Bedeutung sind, dass sie überleben oder den Tod und den Verfall in den Schatten stellen, dass der Mensch und seine Werke zählen. ("Die Überwindung der Todesfurcht (the denial of death)" , Ernest Becker)

Mit anderen Worten, die meisten Menschen "leugnen den Tod", indem sie vollständig in ihrer sozialen Rolle absorbiert werden und danach streben, was auch immer die Gesellschaft für am wünschenswertesten hält. In unserer Zeit scheint das Geld, Ruhm und Status zu sein.

Es war Alfred Adler, der sah, dass ein geringes Selbstwertgefühl das zentrale Problem psychischer Erkrankungen war. Wann hat die Person am meisten Probleme mit seinem Selbstwertgefühl? Gerade wenn seine heroische Transzendenz seines Schicksals im Zweifel ist, wenn er an seiner eigenen Unsterblichkeit zweifelt, an dem bleibenden Wert seines Lebens; wenn er nicht überzeugt ist, dass sein Leben wirklich einen Unterschied ausmacht.

Ernest Becker nannte diesen Versuch seine Sterblichkeit zu verleugnen und als Folge dessen eine kosmische Bedeutung finden zu wollen: Drang zum Heldentum/Heroismus.

Ist Heroismus für alle eine Alternative zur Leugnung der Todesfurcht?

Becker erkannte, dass Heroismus im großen Stil nicht für jeden möglich sei. Für die Mehrheit der Menschen muss der Heroismus in einer viel begrenzteren Weise durch ihre alltäglichen Handlungen manifestiert werden. Ob sie diesen durch ihre Arbeit, Beziehungen, die Familie oder die Hingabe zu einer politischen Partei ausleben ist zweitrangig. Wichtig ist, dass sie überzeugt sind, dass ihre Handlungen zu etwas beitragen, das bedeutsam ist und sie überdauern wird.

Das Bewusstsein auf einen sehr engen Teil der Welt, sei es materieller Reichtum, sozialer Status, einen Partner oder ein Kind zu lenken, als ob diese Dinge so etwas, wie kosmische Bedeutung oder zumindest eine Bedeutung für den Lauf der Menschheit enthalten, erlaubt es dem Menschen seine kleine Rolle im großen Universum zu verbergen.

Trotz Todesfurcht deinen eigenen Weg finden

eigener weg

Jetzt erkennst du vielleicht, warum ich mich häufig dagegen ausspreche blind das zu machen, was andere machen und sich aus Furcht vor Freiheit anzupassen. Es beraubt uns oft der Möglichkeit den Versuch zu starten sich durch seinen Heroismus selbst zu überwinden.

Zurzeit, wo die meisten von uns ihr Erwachsenenalter erreichen, wird uns oft eingeredet, dass unsere Individualität etwas ist, das unterdrückt und nicht gefördert werden sollte.Nur sehr wenige Menschen verstehen sich als fähig, etwas von Bedeutung in der Welt hervorzubringen und so sind sie unfähig ihren persönlichen Heroismus auszuleben.

Für diese Menschen ist eine alternative Route zur Leugnung der Todesfurcht erforderlich, weil sie sonst Gefahr laufen, von Angst und nihilistischer und schmerzvoller Verzweiflung überwältigt zu werden. Diese Alternative wird durch Konformität und die Annahme der vorher festgelegten sozialen Rollen gefunden. Dieser Weg bietet den Menschen Sicherheit und Komfort.

Doch während die meisten Menschen sich anpassen, ohne zu reflektieren, warum sie dies und jenes tun, haben andere ein nagendes Gefühl, dass es mehr im Leben als die soziale Rolle gibt, die sie angenommen haben.

Für diese Leute ist der Podcast geeignet. Für diejenigen, die in der kurzen Zeit, die sie zwischen den zwei unbewussten Zuständen (der Zeit vor der Geburt und nach dem Tod) haben, selbst transformieren, über sich hinauswachsen und sehen wollen, wozu sie persönlich fähig sind.

Vielleicht kannst du eine dieser Personen sein, die die Kraft aufbringen kann, um der Wahrheit ins Auge zu blicken und sich nicht hinter der Schutzhülle des kulturellen Heroismus verstecken muss und keine dieser Illusionen benötigt, um zu leben, sondern stattdessen den Mut und die Kraft hat, sich freiwillig und heldenhaft der schwierigen existenziellen Situation zu stellen und danach zu streben an den Stellen, an denen du kannst Leiden zu verhindern und vielleicht sogar ein Leuchtfeuer für andere Menschen zu sein.

Wer weiß?

Der desillusionierte Held lehnt (laut Becker) das standardisierte Heldentum der Massenkultur zugunsten des kosmischen Heldentums ab, in dem es eine wahre Freude ist, die Ketten kritikloser, selbstzerstörerischer Abhängigkeit abzuwerfen und neue Wahl- und Handlungsmöglichkeiten sowie neue Formen von Mut und persönlicher Stärke zu entdecken.

Das Überwinden der Todesangst ist das Wiederfinden der Lebensfreude

Das Überwinden der Todesangst ist das Wiederfinden der Lebensfreude. Eine wirklich vollkommene Lebensbejahung kann nur erreicht werden, wenn Tod nicht als Gegenteil des Lebens, sondern als Teil akzeptiert wird. Das Überwinden des Todes bedeutet den Mut wahrhaft zu leben. - Joseph Campbell

Friedrich Nietzsche ist in seinem Leben damals auf ein Gedankenexperiment gestoßen, das seine Weltsicht für immer verändern sollte. Was wäre, wenn du dein Leben exakt in dieser Weise wieder und wieder und wieder erleben müsstest- mit allen Höhen und Tiefen?

Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: 'Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Mal erleben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wiederkommen, und alles in derselben Reihe und Folge -- und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augenblick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht -- und du mir ihr, Stäubchen vom Staube!' -- Würdest du dich nicht niederwerfen und mit den Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen, der so redete? Oder hast du einmal einen ungeheuren Augenblick erlebt, wo du ihm antworten würdest: 'du bist ein Gott, und nie hörte ich Göttlicheres!' Wenn jener Gedanke über dich Gewalt bekäme, er würde dich, wie du bist, verwandeln und vielleicht zermalmen; die Frage bei allem und jedem: 'willst du dies noch einmal und noch unzählige Male?' würde als das größte Schwergewicht auf deinem Handeln liegen!- Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft

Es geht nicht darum ein Argument für die Wiedergeburt zu geben, sondern dich zum Nachdenken anzuregen: Wie müsste dein Leben aussehen, dass du immer und immer wieder mit gutem Gewissen dasselbe Leben leben könntest- ohne Reue, ohne Bedauern und trotz des unvermeidlichen Schmerzes.

Die Vorstellung, dasselbe Leben immer und immer wieder, bis in alle Ewigkeit zu leben, kann schauerlich sein, eine Art existenzieller Mini-Schocktherapie. Sie dient häufig als Gedankenexperiment, das uns dazu bringt, ernsthaft darüber nachzudenken, wie wir wirklich leben wollen.

In unserem Leben kann keine positive Veränderung geschehen, solange man sich an den Gedanken klammert, der Grund dafür, dass man nicht gut lebt, liege außerhalb einem selbst.Einer von Nietzsches Lieblingsausdrücken ist amor fati (Liebe zum Schicksal) – in anderen Worten: Erschaffe das Schicksal, das du lieben kannst.

Wenn man sich auf dieses Experiment einlässt und den Gedanken schmerzlich oder gar unerträglich findet, dann gibt es eine offensichtliche Erklärung dafür: Man glaubt nicht, dass man sein Leben gut gelebt hat.

Meine Absicht ist dabei nicht, irgendjemanden in einem Meer des Bedauerns über die Vergangenheit zu ertränken, sondern am Ende seinen oder ihren Blick auf die Zukunft und jene potenziell lebensverändernde Frage zu richten.

2 Comments

  1. […] Abraham Maslow, war überzeugt, dass in uns allen ein Impuls zur Erreichung von Größe und ein Drang zum Heldentum besteht, sich auf das zuzubewegen, was er unsere „höchsten Möglichkeiten“ […]

  2. […] Heroismus zur Überwindung der unterdrückten Todesfurcht […]

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