Der Jonas-Komplex: Die versteckte Angst vor Erfolg und deinem idealen Ich

Der Jonas-Komplex: Einer der berühmtesten Psychologe des 20. Jahrhunderts, Abraham Maslow, war überzeugt, dass in uns allen ein Impuls zur Erreichung von Größe und ein Drang zum Heldentum besteht, sich auf das zuzubewegen, was er unsere „höchsten Möglichkeiten“ nannte.

Der Jonas-Komplex

Gemäß Maslow wird jeder mit einem Willen zur Tendenz zur Selbstverwirklichung geboren, aber nur wenige erreichen diesen Zustand. Was hindert Menschen daran, dieses Level zu erreichen? Das Wachstum zu einer normalen, gesunden Persönlichkeit kann bei jedem der Schritte in der Hierarchie der Bedürfnisse blockiert werden.

Wenn Menschen nicht für Nahrung und Unterkunft sorgen können, bleiben sie auf dem Niveau der physiologischen und Sicherheitsbedürfnisse stehen. Andere sind auf der Ebene der Liebe und der Bedürfnisse der Zugehörigkeit blockiert. Wieder andere befriedigen dann ihre Sozialbedürfnisse und gewinnen an Selbstwertgefühl.

Aber es gibt trotzdem Hindernisse, die uns davon abhalten, in der Bedürfnispyramide aufzusteigen. Eines dieser Hindernisse wird Jonas-Komplex genannt.

Nur wenige unter uns erreichen jedoch etwas von großem Wert. Es gibt verschiedene Gründe dafür. Aber es gibt einen, der den meisten Menschen nicht bewusst ist. Maslow hatte die Theorie, dass wir häufig unsere Größe mehr fürchten, als wir sie uns wünschen.

„Wir haben generell Angst davor, das zu werden, was wir in unseren perfektesten Momenten erblicken können … Wir genießen und begeistern uns sogar für die gottgleichen Möglichkeiten, die wir in uns selbst sehen … Und gleichzeitig zittern wir vor Schwäche, Ehrfurcht und Furcht. „(Abraham Maslow, The Farther Reaches of Human Nature)

Das klingt nach einer kontraintuitiven und wilden Theorie, aber dahinter steht tatsächlich ein psychologisches Prinzip.
Maslow nannte diese Furcht vor unserem eigenen Potenzial und Erfolg „Jonas-Komplex“, in Anlehnung an den biblischen Charakter Jona, der versuchte, vor dem Schicksal zu fliehen, das Gott ihm zuteil werden ließ. In diesem Beitrag werden wir die Psychologie hinter dieser Angst vor unserem Erfolg untersuchen und untersuchen, wie wir sie überwinden können.

Maslows eigene Lebensgeschichte demonstrierte seinen Jonas-Komplex. Trotz eines IQ von angeblich 195 war er nur ein durchschnittlicher Student und als weltberühmter Psychologe geriet er oft in Panik, wenn er einen Vortrag hielt.

In seinem Buch Art and Artist argumentierte Otto Rank, dass der Mensch von zwei grundlegenden Ängsten getrieben wird: Todesangst und Lebensangst. Die Angst vor dem Tod ist laut Rank nicht nur eine Angst vor unserem physischen Sterben. Wir befürchten auch eine Art von psychologischem Tod, der auftritt, wenn wir uns so vollständig an gesellschaftliche Normen anpassen, dass wir unsere Individualität verlieren.

Diese Angst motiviert uns, so Rank, uns zu differenzieren, indem wir die Potenziale, die uns einzigartig machen, verwirklichen. Es treibt uns dazu, im lateinischen Sinn des Wortes zu „existieren“, das heißt „herauszustehen und vorzutreten“.

Zu sehr hervorzustechen kann laut Rank jedoch Gefühle von Einsamkeit und Isolation hervorrufen. Je mehr wir uns individualisieren, desto mehr verlieren wir den tröstenden Schutz der Menge und die Angst vor dem Alleinstehen, die Rank als Lebensangst bezeichnet, kann stärker werden.

Diese Angst, argumentiert Rank, treibt uns dazu, durch Konformität eine stärkere Verbindung mit der Gesellschaft herzustellen und vieles von dem zurückzuweisen, was uns einzigartig macht. Das Leben eines jeden Menschen wechselt zwischen dem von der Angst vor dem Tod getriebenen Trieb zur Individualisierung und dem von der Lebensangst getriebenen Impuls zur Anpassung.

„Zwischen diesen beiden Angstmöglichkeiten“, schrieb er, „… wird das Individuum sein ganzes Leben hin und her geworfen.“ (Otto Rank, Will-Ther

apie)

Ich persönlich bin skeptisch, aber laut Rank überwiegt für die meisten von uns die Angst vor dem Leben vor der Todesangst. Wir haben mehr Angst, aufzustehen, zu wagen, anders zu sein, als unsere Individualität aufzugeben. Diese Analyse von Rank’s deutet darauf hin, dass unsere Angst vor der Größe im Grunde genommen eine Angst vor dem Leben ist – eine Angst, allein zu stehen und uns von der Masse zu trennen. Denn wie Nietzsche so oft bemerkte:

„Das Konzept der Größe bedeutet, … anders sein zu können.“ (Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse)

Aber die Angst vor dem Leben ist nicht das Einzige, was uns daran hindert, unser Potenzial zu verwirklichen. Colin Wilson, einer der produktivsten Autoren des 20. Jahrhunderts, vermutet, dass eine "Bedeutungsneurose" die moderne Gesellschaft durchdringt und als zusätzliches Hindernis auf die Kultivierung der eigenen Größe wirkt.

Wilson beobachtete, dass ein Großteil des Denkens des 20. Jahrhunderts von dem beherrscht wurde, was er "die unheroische Hypothese" nannte, die er als "das Gefühl der Niederlage oder der Hilflosigkeit, die der heutigen Literatur zugrunde zu legen scheint".

Inkarus

Diese Hypothese erinnert an eine alte Sage.

Südlich der griechischen Insel Samos liegt das Ikarische Meer. Die Legende sagt, dass hier Ikarus gestorben ist- als ein Opfer seiner Hochmut. Sein Vater, Daedalus, war ein Handwerker-verbannt zur Gefangenschaft wegen der Sabotage des Königs Minos. Um zu entkommen, schuf Daedalus einen brillianten Fluchtplan, wie im Mythos beschrieben wird.

Er baute für sich und seinen Sohn eine komplizierte Konstruktion, die Flügeln glich. Darauf überzog er die Flügel mit Wachs und sie machte sich auf den Weg zu entkommen. Daedalus warnte Ikarus, nicht zu nah an der Sonne zu fliegen. Aber fasziniert von seiner neu gewonnen Fähigkeit zu fliegen, flog Ikarus zu hoch. Wir alle wissen, was als nächstes passiert ist: Das Wachs schmolz, und Ikarus, der geliebte Sohn, verlor seine Flügel, stürzte ins Meer und starb.

Die Lehre von diesem Mythos: Gehorche dem König! Gehorche deinem Vater! Stell dir nicht vor, dass du besser bist, als du bist, greife nicht nach den Sternen und vor allem, glaube nicht, dass du die Fähigkeit hast Großes zu tun.

ABER HALT: Das ist nicht alles. Es gibt noch einen Teil des Mythos, der immer verschwiegen wird: Daedalus beauftragte seinen Sohn nicht nur nicht zu hoch zu fliegen, sondern auch darauf zu achten nicht zu tief zu fliegen, zu nah am Meer, weil das Wasser seine Flügel ruinieren würde.

Ikarus

Der Mythos wurde verändert und ermutigt uns, den Teil über das Meer zu vergessen und eine Kultur zu schaffen, in der wir uns ständig über die Gefahren des Auffallens, Herausstehens und Andersseins erinnern. Viele wagen es deshalb nie zu hoch zu fliegen. Denn es fühlt sich sicher an niedrig zu fliegen. Wir haben kleine Träume und wollen nur nicht anders sein, um keine Kritik zu ernten. Doch die Unterdrückung des authentischen Ichs hat, versteckte Kosten, die uns nicht bewusst sind. Nicht umsonst sagt Henry David Thoreau:

Die Mehrheit der Menschen lebt ein Leben der stillen Verzweiflung.

Angst vor Erfolg- Der Jonas-Komplex

Abraham Maslow, ein Freund Colin Wilsons, kam zu sehr ähnlichen Schlüssen. Maslow pflegte seine Studenten zu fragen, wer unter ihnen einen großen Roman schreiben würde, oder ein großer Leader oder Komponist werden würde, und entdeckte, dass:

"Im Allgemeinen fangen alle an zu kichern, zu erröten und ihr Gesicht zu verbergen, bis er fragt; Wenn nicht du, wer sonst?"
Wenn du absichtlich kleiner und unbedeutender sein willst, als wozu du fähig bist, dann warne ich dich, dass du für den Rest deines Lebens zutiefst unglücklich sein wirst. Abraham Maslow

Maslow dachte, die Angst, die seine Schüler zeigten, sei das Ergebnis einer Unfähigkeit, die "gottähnlichen Möglichkeiten" zu lange zu ergründen, ohne der legitimen Angst zu unterliegen, dass solche Arroganz zu ungesunden Größenwahnvorstellungen führen könne.

Als Folge dieser Angst tendieren die Menschen zum entgegengesetzten Extrem und sehen sich als kleiner Wurm, der nichts von Bedeutung erreichen kann. Maslow glaubte jedoch, dass beide Extreme - sich selbst als einen Gott oder einen Wurm zu sehen - gleichermaßen schädlich seien.

Er riet uns daher, den "goldenen Mittelweg" zu finden. Um unsere Furcht vor Größe zu überwinden, müssen wir lernen, uns auf unsere Ziele zuzubewegen, während wir gleichzeitig die Demut im Bewusstsein bewahren, dass wir alle doch menschlich sind. Oder wie Maslow erklärte:

"Für manche Menschen ist diese Umgehung des eigenen Wachstums, niedrige Aspirationen und Ziele zu setzen, die Angst davor sein eigenes Potenzial zu entfalten, freiwillige Selbstverkrüppelung. Tatsächlich kann das eigene Wachstum durch den Selbstschutz vor Narzissmus, Arroganz, sündhaftem Stolz und Hybris auch behindert werden. Es gibt Menschen, die diese Integration zwischen Demut und Stolz, die für die kreative Arbeit absolut notwendig ist, nicht schaffen können. Um zu erfinden oder zu schaffen, muss man die "Arroganz der Kreativität" haben, die so viele Forscher bemerkt haben.

Das Versagen, diesen Sprung des Glaubens zu überwinden, um unsere Zweifel zu überwinden, führt zu der Angst vor Erfolg. In vielen Fällen werden wir ausgefeilte Mittel schaffen, um unserem eigenen Erfolg auszuweichen oder ihn zu untergraben. Das ist der Grund, warum wir uns oft dazu entschließen, aufzuschieben, anstatt einfach das zu tun, von dem wir wissen, dass wir es tun sollten.
Diese Idee wird durch Steven Pressfields Konzept vom „Widerstand" gut zum Ausdruck gebracht, das im Wesentlichen eine Ausarbeitung des Jonas-Komplexes ist.

Sich selbst herauszufordern, sein höchstes Potenzial zu erreichen, ist schwierig und zu riskant, weil du plötzlich VOLLKOMMEN verantwortlich bist für alles, was du tust. Es ist einfacher, sich stellvertretend in Fernsehsendungen und Videospielen zu ertränken und damit die heldenhafte Größe fiktiver Figuren, statt das eigene Potenzial zu entwickeln.

Achtung: Dieser Beitrag ist kein Aufruf zum naiven (!) Optimismus, sondern soll dich zum Nachdenken anregen, ob nicht vielleicht auch in dir das versteckte Denken liegt:

Was wäre, wenn es klappt? Wäre ich dem Druck des Erfolgs und der Verantwortung meines idealen Ichs gewachsen?

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