Tägliche Impulse #005: Carl Jung- Die Persona

Es war Jung, der den Begriff der persona formulierte: die Maske, die „die Individualität vorgetäuscht hat“. Aber wo kommt eigentlich das Wort „Person“ her? Es kommt aus dem Lateinischen und heißt Maske. Per-sonare heißt „durchtönen“. Damit ist nämlich die Stimme durch eine Maske gemeint.

Carl Jung sagt ganz treffend:

"Der Zweck der Individuation ist nun kein anderer, als das Selbst aus den falschen Hüllen der Persona (...) zu befreien. Carl Jung. Der Individuationsprozeß hat [...] in keiner Weise ein sogenanntes moralisches Ziel im landläufigen Gebrauch des Wortes. Er erstrebt keinen Perfektionismus und soll dem Menschen nur dazu verhelfen, im weitesten Sinn wesensgetreu der zu werden, der er in der Tat ist, und sich nicht hinter jener Idealmaske zu verbergen, die so gerne mit dem wahren Wesens eines Individuums verwechselt wird (...) Niemand ist vollkommen [...]. Niemand kann es sein. Es ist eine Illusion. Das einzige, was wir tun können, ist bescheiden danach zu streben, uns selbst zu erfüllen und möglichst vollständige menschliche Wesen zu werden, und das ist schon anstrengend genug."

Die Persona, wie Carl Jung sie nennt, hält viele davon ab Individualität zu wählen und eher eine soziale Make anzunehmen. Warum sollte jemand sich gegen seine Individualität entscheiden und anstelle dessen die Persona- die soziale Maske- wählen? Ralph Waldo Emerson bietet eine mögliche Antwort:

„Für Non-Konformität peitscht dich die Welt mit ihrer Unmut“. (Ralph Waldo Emerson)

Diese Bemerkung von Ralph Waldo Emerson macht deutlich, dass die Kraft der Konformität ziemlich stark war, als er vor fast 200 Jahren lebte. Allerdings würde er wahrscheinlich auch überrascht sein, wie sehr Non-Konformisten im heutigen SocialMedia- Zeitalter Scham und Spott aus der ganzen Welt ertragen müssen, weil sie etwas tun, das als nicht sozial akzeptabel angesehen wird.

Während Konformität oft als Nachahmung von Verhaltensweisen, Überzeugungen und Werten, die sozial akzeptabel sind, definiert wird, ist Non-Konformität nicht nur die Ablehnung des gesellschaftlich Akzeptierten ist. Eine Person, die Dinge nur aus dem Wunsch tut, „anders“ zu sein, orientiert sich immer noch Anderen und nicht aus persönlichen Gründen oder dem Wunsch authentisch nach den eigenen Idealen zu leben.

Auch Fromm gibt ein ähnliches Echo:

Für die meisten Psychiater ist die Struktur ihrer eigenen Gesellschaft etwas so Selbstverständliches, dass für sie ein nicht gut angepaßter Mensch das Stigma der Minderwertigkeit trägt. Andererseits gibt man einer gut angepaßten Person auf der Skala menschlicher Werte einen höheren Rang. Wenn wir die beiden Begriffe »normal« und »neurotisch« einander gegenüberstellen, so kommen wir zu folgendem Schluß: Der gut angepaßte, normale Mensch ist im Hinblick auf die menschlichen Werte oft weniger gesund als der neurotische. Oft ist er nur deshalb so gut angepaßt, weil er sein Selbst aufgegeben hat, um mehr oder weniger so zu werden, wie man es von ihm erwartet. Dabei kann ihm jede echte Individualität und Spontaneität verloren gegangen sein.

Warum beharre ich beim heutigen Impuls so sehr auf die persona und ihr Risiken? Weil es ein Akt der Selbsttäuschung ist!

Einer der Hauptnachteile der Selbsttäuschung, vor dem ich am meisten Angst habe, ist, dass jede Lüge einen gefährlichen Präzedenzfall darstellt. Wir werden besser in dem, was wir üben. Irgendwann, wenn ich nicht aufpasse, lebe ich in einem wackligen Konstrukt aus Lügen und Selbsttäuschung, das nicht langfristig halten kann.

Wer sein Selbst aufgibt und zu einem Automaten wird, der mit Millionen anderer Automaten in seiner Umgebung identisch ist, fühlt sich nicht mehr allein und braucht deshalb keine Angst mehr zu haben. Aber der Preis, den er dafür zahlen muß, ist hoch, es ist der Verlust seines Selbst.- Erich Fromm

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