Tägliche Impulse #007: Warum Selbstzweifel ihren Nutzen haben

Philosophie, Politik, Religion, Geschichte, Psychologie und deine eigene Persönlichkeit. Zu all diesen Themen bildest du dir eine Meinung. Aber aus einer Meinung wird schnell eine Ideologie.

So kann es schnell passieren, dass wir nicht die Ideen haben, sondern die Ideen eher uns (im Griff) haben.

Ideologien sind oft blind für die Möglichkeit der Veränderung, weil sie einen Absolutheitsanspruch stellen. Mit einer festgefahrenen Meinung werden wir selbst blind für Verbesserungen und verbauen uns damit die Chance zu wachsen.

Deswegen ist meine Behauptung: Selbstzweifel sind sinnvoll und Feedback wichtig um unsere blinden Flecken in der Wahrnehmung zu sehen.

Wenn du Ideen in der Welt hinterfragst, wie kann dann beispielsweise eine so komplexe Sache, wie deine Persönlichkeit davon ausgeschlossen sein.

„Das menschliche Verständnis, wenn es einmal eine Meinung angenommen hat (entweder als die empfangene Meinung oder als eigene angenehme Meinung) zieht es alles andere heran, um diese zu stützen und damit einverstanden zu sein.“- Francis Bacon

Der so genannte Bestätigungs-Bias ist eine der so genannten kognitiven Verzerrungen und beschreibt unsere Tendenz Dinge, Menschen und Fakten in einer Weise zu suchen und zu interpretieren, die unsere eigenen langjährigen Überzeugungen stützen.

Interessanterweise fühlt es sich so an, als ob wir einen rationalen Ansatz nutzen, aber in Wirklichkeit testen und bestätigen wir meistens nur, was wir schon glauben, wahr zu sein. Wir neigen dazu, Informationen zu begünstigen, die unsere Sichtweise ergänzen und lehnen Alternativen ab. Wir bemühen uns, solche Beweise zu suchen und ihnen große Bedeutung zu verleihen.

Der Bestätigungsfehler beeinflusst stark, wie Menschen Informationen sammeln, analysieren und abrufen. Unser Denken wird automatisch selektiv. Wir umgeben uns selbst mit Leuten, die mit unseren Ansichten übereinstimmen.

Das Leben besteht aus Geschichten

Wir Menschen bilden also bewusst oder unterbewusst Geschichten, wie die Welt oder das Leben ist. Diese Geschichten haben einen entscheidenen Einfluss auf dein Leben, den wir nur ganz selten sehen und hinterfragen. Oder wann hast du das letzte Mal darüber nachgedacht, welche Geschichte du dir selbst über „Geld“, „Moral“, „Gerechtigkeit“, „Demokratie“ oder „deine Persönlichkeit“ erzählst?

Shakespeare sagt schon, dass die Welt eine Bühne sei. Die Geschichte unseres Lebens ist nämlich eine, die aus der Sicht der 1. Person erzählt wird und damit hochgradig ungenau und unwahr sein kann. Wir handeln nicht nur nach; persönlichen Werten , sondern auch nach denen der Gesellschaft.

Das liegt daran, dass die Geschichte deines Lebens von deinen Erinnerungen abhängt. Unsere Erinnerungen sind nämlich kein perfektes Abbild der Realität. Wir tendieren dazu Details zu vergessen und alle Dinge, die in unsere Erinnerung fehlen mit ausgedachten Details zu füllen.

Eine Studie zeigte beispielsweise, dass 73 % der Versuchsobjekte berichteten zur Zeit, als die Twin Towers 9/11 fielen, lebhafte Erinnerungen daran hatten, dass das erste Flugzeug in den Nordturm flog. Dabei ist das Ganze unmöglich, da das Bildmaterial an diesem Morgen noch gar nicht verfügbar war.

Wir konstruieren durch unsere Geschichten unsere Welt. Wir schaffen und empfangen diese Konstrukte. Wir übermitteln sie von Generation zu Generation. Um in einer komplexen Welt halbwegs gedankenlos arbeiten zu können und weil wir nicht wissen, dass es eine andere Option gibt, nehmen wir viele dieser kulturellen Konstrukte und besonders Denkmuster als wahr an. Das Problem ist – viele von ihnen sind längst über ihrem Ablaufdatum oder limitieren uns.

Das sagt Steve Jobs dazu:

Mehr über die Wirkung der Geschichten auf dein Selbstbild gibt es hier:

Wir müssen uns deshalb bemühen, unsere eigenen Gedanken von Zeit zu Zeit herauszufordern, um unseren Horizont zu erweitern- auch wenn es mit Selbstzweifeln einher geht. Sich zu hinterfragen bedeutet kurz den Boden zu verlieren. Nicht zu wagen und zu hinterfragen, bedeutet sich selbst zu verlieren.

Das ist eine sehr ungewöhnliche Sichtweise auf Selbstzweifel, aber vielleicht willst du also auch einmal hinterfragen, wer du bist oder ob das, was du machst deinen Wünschen entspricht. Welche Geschichten erzählst du dir über dich und deine Persönlichkeit?

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