Tägliche Impulse #009:Nietzsches Gedankenexperiment zur ewigen Wiederkehr

Friedrich Nietzsche ist in seinem Leben damals auf ein Gedankenexperiment gestoßen, das seine Weltsicht für immer verändern sollte. Was wäre, wenn du dein Leben exakt in dieser Weise wieder und wieder und wieder erleben müsstest- mit allen Höhen und Tiefen?

Wie, wenn dir eines Tages oder Nachts ein Dämon in deine einsamste Einsamkeit nachschliche und dir sagte: 'Dieses Leben, wie du es jetzt lebst und gelebt hast, wirst du noch einmal und noch unzählige Mal erleben müssen; und es wird nichts Neues daran sein, sondern jeder Schmerz und jede Lust und jeder Gedanke und Seufzer und alles unsäglich Kleine und Große deines Lebens muss dir wiederkommen, und alles in derselben Reihe und Folge -- und ebenso diese Spinne und dieses Mondlicht zwischen den Bäumen, und ebenso dieser Augenblick und ich selber. Die ewige Sanduhr des Daseins wird immer wieder umgedreht -- und du mit ihr, Stäubchen vom Staube!' -- Würdest du dich nicht niederwerfen und mit den Zähnen knirschen und den Dämon verfluchen, der so redete? Oder hast du einmal einen ungeheuren Augenblick erlebt, wo du ihm antworten würdest: 'du bist ein Gott, und nie hörte ich Göttlicheres!' Wenn jener Gedanke über dich Gewalt bekäme, er würde dich, wie du bist, verwandeln und vielleicht zermalmen; die Frage bei allem und jedem: 'willst du dies noch einmal und noch unzählige Male?' würde als das größte Schwergewicht auf deinem Handeln liegen!- Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft

Es geht nicht darum ein Argument für die Wiedergeburt zu geben, sondern dich zum Nachdenken anzuregen: Wie müsste dein Leben aussehen, dass du immer und immer wieder mit gutem Gewissen dasselbe Leben leben könntest- ohne Reue, ohne Bedauern und trotz des unvermeidlichen Schmerzes.

Ernest Becker schreibt in seinem Buch „The denial of death“:

„… je ungelebter dein Leben ist, desto größer ist dein Todesangst. Je mehr du die Erfahrung verpasst dein Leben in vollen Zügen zu erleben, desto mehr wirst du den Tod fürchten. „

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