Wie du die Big 5 der Persönlichkeit nutzen kannst, um andere Menschen zu verstehen und Probleme zu vermeiden

Die Big 5 der Persönlichkeit: Jeder von uns hat schon einmal eine Situation gehabt, in der wir sprachlos waren und nicht fassen konnten, warum eine Person dies nur getan hat, gesagt hat oder so etwas Verrücktes glauben kann. Oft ist das ein Ergebnis aus (teilweise) angeborenen Unterschieden in der Persönlichkeit.

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf die vielen Zuhörerfragen, die ich über meine Mini-Serie zu den Big 5 der Persönlichkeit erhalten habe. Während es in der alten Reihe darum ging, was die Big 5 dir über DICH und DEIN Leben sagen können und welche Bedeutung sie haben, geht es in diesem Beitrag darum das Wissen über die Big 5 der Persönlichkeit zu nutzen, um andere Menschen einzuschätzen und einige der potenziellen Konflikte zu antizipieren.

Wir alle sind Persönlichkeitsexperten. Seit unserer Kindheit achten wir auf die unverwechselbare Verhaltensweise anderer Menschen, in der Hoffnung herauszufinden, was wir von ihnen erwarten können. Wir sind auf diese Informationen angewiesen, um miteinander auszukommen.

Die angeborene Fähigkeit, Menschen einzuschätzen, ist ein erstaunliches Geschenk, das wir für selbstverständlich halten. Damit bilden wir einen unmittelbaren Eindruck von der Persönlichkeit eines jeden, dem wir begegnen. Dieser schnelle intuitive Prozess funktioniert so gut, dass wir lernen, uns darauf zu verlassen. Die meisten unserer Einschätzungen von Menschen werden auf diese automatische und unbewusste Weise gebildet.

Aber es gibt Zeiten, in denen wir die Persönlichkeit eines Menschen bewusst bewerten wollen. Wir wollen zum Beispiel verstehen, was es mit bestimmten Menschen auf sich hat, dass wir sie meiden. Vielleicht möchten wir entscheiden, ob die Person, mit der wir zusammen sind, geeignet für eine dauerhafte Beziehung ist.

Menschen anhand der „Big 5 der Persönlichkeit“ einordnen

Der Versuch den Menschen anhand von seiner Persönlichkeit zu kategorisieren ist vermutlich so alt wie die Menschheitsgeschichte. Bereits bei den alten Griechen gab es die Vier-Elemente-Lehre, die Menschen anhand der „Elemente“ Wasser, Feuer, Luft und Erde bestimmten Charaktertypen zuordnet.

Die Schwierigkeit entsteht hauptsächlich, weil nur wenigen von uns eine systematische Methode zur Bewertung von Persönlichkeiten beigebracht wurde. Stattdessen werden wir ständig mit einem widersprüchlichen Mischmasch von religiösen, moralischen, literarischen und psychologischen Ideen bombardiert, die nur schwer in einer geordneten Weise angewendet werden können.

Einer der größten Probleme ist auch, dass viele Persönlichkeitsmodelle nicht wissenschaftlich validiert sind. In diesem Beitrag möchte ich dir das Modell der Big 5 präsentieren, das sich in der Psychologie durchgesetzt hat.

Was ist das Fünf-Faktoren-Modell (die Big 5)?

Bei den Big 5 (auch Fünf-Faktoren-Modell, FFM) handelt es sich um ein Modell der Persönlichkeitspsychologie.

Die Big 5 wurden durch eine Vielzahl von Studien belegt und gelten heute international als das universelle Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung. Sie wurden innerhalb der letzten zwanzig Jahre in über 3.000 wissenschaftlichen Studien verwendet.

Die fehlende Fähigkeit andere Menschen akkurat einzuschätzen, kann dennoch für einige unserer größten Fehler verantwortlich sein.

Wenn du nachlesen möchtest, wie die Big 5 der Persönlichkeit entstanden sind, kann ich dir diesen Artikel ans Herz legen:

Erkenne dich selbst: Die Big 5 der Persönlichkeit und wie deine Persönlichkeit sich zusammensetzt

In diesem Beitrag beschreibe ich dir jedoch ein wissenschaftlich validiertes System, das dir hilft Persönlichkeit in einem vollkommen neuen Licht zu sehen und Fehler zu vermeiden. Basierend auf jahrzehntelanger Forschung wird jedes Unterthema es einfacher für dich machen, die Daten, die du bereits über bestimmte Personen hast, zu organisieren. Wenn du diese Informationen sortierst, erhältst du einen klareren Blick auf die Persönlichkeit einer Person und wie du mit ihnen umgehen kannst, um mit ihnen auszukommen.

Eine systematischere Organisation all dieser Informationen über Persönlichkeitsmerkmale, Muster und Charakterzüge wird dir helfen einen Sinn im Verhalten anderer Menschen zu finden. In anderen Fällen kann es dich auf Anzeichen von Gefahr aufmerksam machen, so dass du Schutzmaßnahmen ergreifen kannst.

Ohne Zweifel wird es deine Wertschätzung für die menschliche Vielfalt auf die gleiche Weise erhöhen und wirklich zu verstehen, warum Menschen sind, wie sie sind.

Die Big 5 der Persönlichkeit: Unterschiede in der Persönlichkeit

The beginning of wisdom is to call things by their right names.

Im Folgenden werde ich dir einen groben Überblick über die Big 5 der Persönlichkeit geben und aufzeigen, inwiefern es zu Konfliktpotenzial führen kann, wenn ein Merkmal der Big 5 zu sehr ausgeprägt ist. Trotzdem ist und bleibt auch das Modell der Big 5 ein Modell. Kein Modell der Welt kann die Komplexität des Menschen erfassen, aber die Auswahl der Big 5 ist aktuell das beste und genauste Modell, was die Wissenschaft uns momentan geben kann.

Das Bild der menschlichen Persönlichkeit und die nachfolgenden potenziellen Konfliktsituationen , die ich in diesem Beitrag beschreibe, sind also nur sehr wahrscheinliche aber keine garantierten Situationen. Außerdem können diese Konfliktpotenziale und Persönlichkeitsunterschiede in schwächerer Ausprägung vorliegen, weil es zwischen den Polen zwischen beispielsweise Extraversion und Introversion auch diverse Zwischenstufen gibt.

Die Big 5: Extraversion

Extraversion ist die Tendenz, sich aktiv an andere zu wenden. Leute mit hoher Extraversion werden von der sozialen Welt angeregt, stehen gerne im Mittelpunkt und schöpfen aus sozialer Interaktion Energie. Sie mögen auch Aufregung und neigen dazu, fröhlich, lebenslustig und voller Energie zu sein und positive Emotionen zu erleben.

Menschen mit niedriger Extraversion sind weniger an zwischenmenschlichen Interaktionen interessiert und neigen dazu, reserviert und ruhig zu sein. Aber ihr relativer Mangel an Interesse, mit Menschen zusammen zu sein, muss nicht darauf hinweisen, dass sie sie nicht mögen oder dass sie sozial ängstlich sind. Sie mögen es einfach lieber allein zu sein.

Besonders markant ist aber der Unterschied, dass Extrovertierte aus sozialen Situationen Kraft schöpfen, während sich der Introvertierte nach längerer Dauer ohne Zeit „für sich selbst“ im Gegensatz zum Extravertierten energielos und „ausgesaugt“ fühlt. Dementsprechend brauchen Extrovertierte mehr äußere Reize und Stimuli, weil es ihnen an inneren Reizen mangelt und sie sich so schnell gelangweilt fühlen.

In einer Studie des berühmten Psychologen namens Hans Eysenck wurde Zitronensaft auf die Zungen erwachsenener Introvertierten und Extrovertierten geträufelt. Die natürliche Reaktion der menschlichen Zunge auf einen Zitronensaft ist es, Speichel zu produzieren, der den sauren Zitrusgeschmack ausgleicht.

So stellte Eysenck fest, dass er die Empfindlichkeit für die Stimulation messen konnte – in diesem Fall die Stimulation eines Tropfen Zitronensaft – durch Messung, wie viel Speichel jede Person als Reaktion auf die Flüssigkeit produziert wurde. Er vermutete, dass die Introvertierten empfindlicher auf den Zitronensaft reagieren und mehr Speichel erzeugen würden. Und er hatte Recht.

In einer ähnlichen Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass Säuglinge, die empfindlicher auf den süßen Geschmack von Zuckerwasser sind, eher aufwachsen werden und Jugendliche werden, die empfindlich auf den Lärm einer lauten Party reagieren. Introvertierte fühlen die Auswirkungen von Geschmack, Lärm und gesellschaftlichem Leben ein wenig intensiver als ihre extrovertierten Pendants.

Extraversion

Wie das Wissen über „Extraversion“ dir hilft andere Menschen besser einzuschätzen

Außerdem erleben die Menschen aufgrund ihrer emotionalen Impulsivität mehr positive Emotionen als introvertierte Menschen.

Doch diese Impulsivität und ihr brennender Wunsch nach mehr Reizen ist gleichzeitig auch einer ihrer größten Nachteile. Sie kommen kaum zur Ruhe und brauchen öfters die Aufmerksamkeit anderer. Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, dass diese Extraversion damit auch schnell Abhängigkeit schafft- Abhängigkeit von äußeren Reizen und Abhängigkeit permanent in der Gegenwart von anderen Menschen sein zu müssen, um nicht verrückt zu werden.
Langfristig können extrem extrovertierte Menschen weniger extrovertierten Menschen viel Energie rauben und sogar sehr anstrengend sein.

Es ist nicht schwer, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu finden, die zu diesem Bild passen. Marilyn Monroe ist ein faszinierendes Beispiel, denn ihr starkes Verlangen, Aufmerksamkeit auf ihren Körper zu lenken, war schon als kleines Mädchen sichtbar. Gloria Steinems Biografie beschreibt Marilyns Bericht über einen wiederkehrenden kindlichen Impuls, sich in der Kirche auszuziehen:

"Ich wollte unbedingt nackt aufstehen, damit Gott und alle anderen sehen können. Ich musste meine Zähne zusammenbeißen und auf meinen Händen sitzen, um mich nicht ausziehen zu müssen. "

Marilyns Drang sich selbst als Sexsymbol zu bewerben, die Leichtigkeit, mit der sie in sexuelle Beziehungen ein- und auswanderte und ihre übertriebenen (beinahe hysterischen) Emotionen außerhalb der Bühne passen in das klassische Muster einer sehr extrovertierten Person.

Stark Extrovertierte sind oft unverantwortlich, irrational und schockierend aufgeschlossen. Aber viele ziehen ein persönliches Publikum an, das sie aufregend und sehr lustig findet.

Dennoch würden die meisten Introvertierten langfristig im Beisein einer extrovertierten Person verrückt werden.

Introversion

Introvertierte sind dagegen sehr viel stärker an ihrer inneren, subjektiven Welt orientiert. Introvertierte Personen sind darauf bedacht eher zurückhaltend, schweigsam, introspektiv und ruhig zu leben und zu interagieren. Sie neigen dazu, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten sowie vorauszuplanen.

Fälschlicherweise werden Absagen von Partys, Ablehnungen von Verabredungen oder eine fehlende Kontaktaufnahme vom Bekannten- und Freundeskreis introvertierter Menschen in vielen Fällen als ein Zeichen der Desinteresse oder Gleichgültigkeit aufgefasst.Das ist in den meisten Fällen aber nicht wahr. Introvertierte streben genauso wie auch Extravertierte nach sozialen Kontakten, Freundschaften und Unternehmungen, jedoch nicht in solchem Umfang wie die Extrovertierten.

Daher wirst du introvertiert geprägte Menschen eher weniger auf überfüllte Partys und Veranstaltungen antreffen, sondern eher in ruhigeren Umgebungen und Gruppen, die eher kleiner sind.

Die Eigenheiten der starken Introversion

Introversion

Wir alle kennen Menschen, die gerne alleine sind. Aber nur wenige von uns haben viel Erfahrung mit denen, die ganz unten auf der Extraversion-Skala stehen, weil solche Ausreißer so gut wie immer alleine sind. Um dir ein Beispiel dafür zu geben, wie sich ein niedriger Wert in der Eigenschaft Extraversion anfühlt, habe ich eine Selbstbeschreibung herausgesucht, die ein Student namens Noitrix auf Yahoo! gepostet hat:

„Ich habe vor kurzem darüber nachgedacht, ob mein Leben unnatürlich oder merkwürdig ist, wenn ich mich mit anderen vergleiche, aber für mich ist mein Leben nicht sonderbar oder seltsam. Ich meine: Ich hatte nie wirklich ein Interesse daran, Freunde zu finden. Ich hatte in meinem ganzen Leben nur 2 Freunde, aber ich habe momentan niemanden. Ich fühle mich nicht einsam oder traurig oder so. Einsamkeit als Gefühl existiert für mich nicht, weil ich immer ein Einzelgänger sein wollte. In meiner Freizeit gehe ich nirgendwo hin. Ich habe keine Freunde und ich will wirklich niemanden kennen lernen. Ich will nicht einmal mit meiner Familie zusammen sein. In der Schule rede ich mit niemandem. Ich habe kein Verlangen, jemandem nahe zu kommen. In der Tat liebe ich es, allein zu sein.
Ich weiß nicht, wie es möglich ist, aber ich fühle mich nicht zu Mädchen hingezogen - aber ich mag auch keine Jungen. Ich hatte nie eine Freundin, weil ich kein wollte, weil ich es für sinnlos halte. Ich glaube nicht, dass ich mich jemals verlieben werde. Es interessiert mich nicht wirklich, was die Leute über mich sagen. Ich fühle nichts, wenn jemand mich lobt oder kritisiert. Außerdem vermeide ich Augenkontakt, wenn ich Fremde treffe.
Wenn ich viel Zeit mit anderen verbringen muss, habe ich das Gefühl, dass sie mir Lebensenergie entziehen und ich viel Zeit alleine verbringen muss, um mich zu regenerieren. Ich hasse Gerüchte, ich hasse Klatsch und ich hasse Smalltalk. Mein einziges Ziel im Leben ist es, meine Träume zu verwirklichen. Alles andere ist bedeutungslos. Freundschaft / Liebe bedeutet mir nichts.“

Wie du merkst, klingt auch eine extreme Ausprägung der Introversion sehr befremdlich für die meisten von uns. Besonders bei dem Aufeinandertreffen von extrem extrovertierten und stark introvertierten Menschen kommt es schnell zu Spannungen.

Aber auch bei Liebesbeziehungen können derartige Persönlichkeitsdifferenzen dazu führen, dass der eine lieber einen ruhigen Abend auf der Coach verbringen möchte, während der andere lieber feiern gehen würde.

Die Big 5: Verträglichkeit(Agreeableness)


Verträglichkeit ist die Neigung, altruistisch, kooperativ und gutmütig zu sein. Menschen mit hoher „Verträglichkeit“ sind rücksichtsvoll, mitfühlend, hilfsbereit und kompromissbereit.

Ein zentrales Merkmal von Personen mit hohen Verträglichkeitswerten ist Altruismus , Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dieser nimmt an, dass die Menschen gute Absichten haben und vertrauenswürdig sind und findet Sinn in der Selbstaufopferung.

Ein Mensch mit niedriger Verträglichkeit nimmt an, dass die Menschen egoistisch sind und nur nach ihren eigenen Interessen streben. Er sieht die Menschen als Bedrohung für eigene Interessen. Diese Menschen erkennen, dass andere eventuell Hilfe brauchen, aber es gibt Dinge, die ihnen wichtiger sind.
Das Leben ist für sie ein einziger Wettbewerb und Konkurrenzkampf, in dem es nur Sieger und Besiegte gibt.

Verträglichkeit: Die Big 5 der Persönlichkeit und warum es nicht sinnvoll ist immer nett zu sein

Wie das Wissen über „Verträglichkeit“ dir hilft andere Menschen besser einzuschätzen

Um dir einmal beispielhaft drei Muster von ungewöhnlich niedriger Verträglichkeit zu geben - machiavellistisch, narzisstisch und antisozial/psychopathisch - und alle sind am unteren Ende der Verträglichkeitsskala.
Diese 3 Eigenschaften sind auch als die dunkle Triade bekannt.

Wer kommt mit Menschen zurecht? Niemand! Aber gerade Menschen, die einen hohen Level an Verträglichkeit haben, werden von diesen Menschen schnell ausgenutzt und sollten sich vor der dunklen Triade in Acht nehmen.

Die dunkle Triade: Wie du dich vor Manipulation, emotionaler Ausbeutung und der dunklen Seite des Menschen schützt

Die Big 5: Gewissenhaftigkeit(Conscientiousness)

Gewissenhaftigkeit ist die Tendenz, Impulse zu kontrollieren und Ziele hartnäckig zu verfolgen. Menschen mit Gewissenhaftigkeit sind ordentlich, zuverlässig, fleißig, strukturiert und pünktlich. Sie neigen dazu, vorauszuplanen und Dinge durch zu denken. Sie sind mehr an langfristigen als an kurzfristigen Zielen interessiert.

Menschen mit geringer Gewissenhaftigkeit sind spontaner, weniger konservativ, weniger pflichtbewusst und weniger leistungsorientiert. Menschen, die weniger gewissenhaft sind, leben einen unbekümmerten und tendenziell spontanen Lebensstil aus. Diese Ausprägung der Persönlichkeit misst besonders den Grad der Selbstkontrolle, Genauigkeit, des Verantwortungsbewusstseins der und Zielstrebigkeit.

Wie das Wissen über „Gewissenhaftigkeit“ dir hilft andere Menschen besser einzuschätzen

Obwohl Gewissenhaftigkeit bei der Ausführung von Aufgaben eine große Rolle spielt, beeinflusst sie auch zwischenmenschliche Beziehungen.

Krankhafter Perfektionismus als Folge hoher Gewissenhaftigkeit ist nicht unüblich.

Ist Perfektionismus ein Problem für dich? Wenn ja, welche Strategie benutzt du, um damit klar zu kommen?

Diese Fragen stellte Brene Brown Tausenden von Studienteilnehmern. Das waren ihre erschreckenden Ergebnisse, über den Schmerz, den Perfektionismus anrichtet:

  • Perfektionismus ist ein selbstzerstörerisches und süchtig machendes Glaubenssystem, das vom primären Gedanken genährt wird: Wenn ich mich nach Außen perfekt gebe und alles perfekt mache, kann ich Kritik, Scham und Verurteilung vermeiden.
  • Perfektionismus ist selbstzerstörerisch, weil es einfach nicht existiert. Es ein unerreichbares Ziel. Bei Perfektionismus geht es eher um die Wahrnehmung und die Kontrolle der Dinge. Manche Dinge können wir jedoch nicht kontrollieren- egal wie sehr wir es wollen.
  • Perfektionismus macht süchtig, weil wir denken, dass wir nur Angst, Scham, Verurteilung und Schuld fühlen, weil wir noch nicht perfekt genug sind. Doch wir neigen dazu uns auf den Weg zu machen alles richtig machen zu wollen, als diesen verdrehten Glaubenssatz zu hinterfragen.
  • Perfektionismus sorgt dafür, dass wir Scham, Angst vor Verurteilung innerlich attribuieren. Übersetzt heißt das emotional: "Ich fühle mich so, weil es mein Fehler ist! Warum kann ich nicht so perfekt sein, wie die Leute bei Instagram? Ich fühle mich so, weil ich nicht genug bin!

  • Perfektionismus oder die Tendenz dazu kann die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg erhöhen, aber kommt mit massiven psychologischen Kosten.

    Krankhafter Perfektionismus : Wie du es schaffst Perfektionismus abzulegen, indem du Verletzlichkeit zulässt

    Der Zusammenhang von Gewissenhaftigkeit, Ordnung und Magersucht

    Magersucht

    Was passiert, wenn der Teil der Gewissenhaftigkeit und der zwanghaften Ordnung die Oberhand bekommt? Viele junge Mädchen entwickeln Magersucht. Wie wir eben erfahren haben hängt ein übertriebenes Maß an Gewissenhaftigkeit mit einer hohen Sensibilität für Ekel zusammen.

    Sehr gewissenhafte Mädchen empfinden also schnell Ekel für ihren eigenen Körper, wenn sie ihn im Spiegel betrachten. Sie verlieren die Fähigkeit ihren Körper als Ganzes zu sehen. Es klingt kaum vorstellbar für gesunde Menschen, aber sie haben eine andere Körperwahrnehmung, sodass sie sich selbst anders im Spiegel sehen, als sie wirklich sind.

    Magersüchtige haben beispielsweise manchmal ein verzerrtes Bild der Realität. Selbst wenn du deinen Oberschenkel mit dem des magersüchtigen Patienten vergleichst und deiner um 50 % größer ist, können sie häufig nicht ausmachen, welcher größer ist.

    Oft ist es eine Obsession an Reinheit und Ordnung, die dazu führt, dass diese Menschen fast bis zu den Knochen herunterhungern möchten, weil der Knochen irgendwie eine gewisse Reinheit hat-ohne überschüssiges Gewebe.

    Und besonders beim Essen sind die Systeme, die mit Ekel zusammenhängen, enorm aktiv. Das macht evolutionär auch Sinn. Wenn du in prähistorischen Zeiten etwas Verdorbenes gegessen hättest, hätte es zu deinem Tod führen können. Unser Gehirn ist noch immer an steinzeitähnliche Zeiten angepasst und reagiert dementsprechend intensiv auf Ekel bei der Nahrungsaufnahme.

    Gewissenhaftigkeit & Geschäftigkeit

    Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die am Morgen hängt und das Heute verliert.

    Kierkegaard glaubte, dass die größte Quelle unseres Unglücks die Tatsache ist, dass wir Geschäftigkeit nicht als Entscheidung anerkennen und Gegenwärtigkeit viel mehr Fülle gibt als Produktivität um der Produktivitäts willen.
    Das ist Teil des zweischneidigen Schwerts der Gewissenhaftigkeit.Man opfert überdurchschnittlich oft das Jetzt für das Morgen. Auf der einen Seite ist genau das essentiell für Erfolg, Geld und Sicherheit im Leben. Auf der anderen Seite rinnt das Leben und das Jetzt schnell aus deinen Händen und das Leben schneller endet, als wir wollen.

    Zeit ist Geld

    Illustration von Lisbeth Zwerger- Alice in Wonderland

    „Was ist der Wert der Freiheit, Gesundheit und Freizeit, wenn niemand weiß, wie sie zu nutzen ist?“, würde eine Person mit niedrigerer Gewissenhaftigkeit sagen.

    Wie du siehst, kann auch eine sehr hohe Gewissenhaftigkeit zu Problemen führen, wenn die eine Person hochgradig perfektionistisch und ordnungsliebend ist und die andere Person in Chaos und Impulsivität lebt.

    Der Zusammenhang von Dolores Umbridge und Gewissenhaftigkeit

    dolores umbridge

    J.K. Rowling, die Autorin der Harry Potter Reihe hat einen hervorragenden Job gemacht, indem sie einen der unsympathischsten Charaktere der Filmgeschichte erschaffen hat- Dolores Umbridge, die im Film ein unglaubliches Level an Gewissenhaftigkeit und Ordnungssinn hat.

    Dolores Umbridge ist die erste Untersekretärin des Zaubereiministers Fudge im Harry Potter Universum. Hogwarts, die Schule für Zauberer und Zauberinnen, wird von Dolores Umbridge übernommen, nachdem der ehemalige Schulleiter Dumbledore zum Rücktritt gezwungen wurde.

    Umbridge verfolgt die Interessen des Zaubereiministeriums und bei ihr soll niemand etwas lernen, was dem Ministerium potentiell gefährlich werden könnte. Deshalb lässt sie die Schüler ausschließlich in dem von ihr gewählten Lehrbuch lesen und stur Theorie auswendig lernen.

    Sie will eine ministeriell angeordnete Bildungsreform durchzuführen und will mit aller Gewalt Ordnung erzwingen, sodass sie Harry für seine angebliche Lüge foltert, indem er mit einer verzauberten Feder schreiben soll „Ich soll nicht lügen.“ In dem Moment, wo Harry beginnt diese Worte zu schreiben, ritzt sich das Geschriebene in seinen Handrücken.

    Schüler und Lehrkräfte, die gegen ihre Ideologie verstoßen, will sie aus der Schule verbannen. Dies betrifft vor allen anderen diejenigen, die über Voldemorts Wiederkehr sprechen, die Dumbledore unterstützen oder die sie aus rassistischen Gründen als "Halbmenschen" ablehnt.
    Sie gehörte nicht umsonst zum Haus Slytherin, das eine Schlange als Symbol hat und im Harry Potter Universum für das Böse steht.

    Ihr Hass und an Phobie grenzender Ekel gegen alle Geschöpfe, die nicht ganz und gar menschlich sind, und ihre sadistische Veranlagung sind bereits im Alter von 17 Jahren ausgeprägt. Manipulationen und das Talent Vorgesetzte zu manipulieren, verhelfen ihr zu einer steilen Karriere. Sie hat ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, was sie aber nicht davon abhielt, Leistungen ihrer Kollegen als die eigenen auszugeben.

    Sie lebt die dunklen Seiten der Gewissenhaftigkeit voll und ganz aus. Penibler Perfektionismus und unglaubliches Verlangen nach Sauberkeit und Ordnung, was nicht nur dazu führt, dass sie die Schüler in Hogwarts zum Zweck ihrer Ideologie unterdrückt, sondern auch dass sie Hass für alle entwickelt , die anders sind als sie.
    Später hat sie mit der Macht des Ministeriums so genannte Muggelstämmige verfolgt, weil sie nicht reinblütig waren. Bei diesen Muggelstämmigen handelt es sich um Zauberer, die nicht aus reinen Zaubererfamilien kommen, sondern auch Menschen in ihrem Stammbaum haben.

    Ordnung

    Wir werden an dieser Stelle wahrscheinlich alle J.K. Rowling für diese geniale Filmfigur bewundern, aber das Erschreckende ist, dass diese Eigenschaften nicht nur um fiktionale Figuren passen, sondern auch auf reale Menschen. Das beste Beispiel ist meiner Meinung nach Adolf Hitler.

    Mehr zu der dunklen Seite der Gewissenhaftigkeit erfährst du in folgendem Blogbeitrag über die Auswirkungen der Gewissenhaftigkeit auf dein Leben:

    Zwischen Erfolg und Grausamkeit: Das zweischneidige Schwert der Gewissenhaftigkeit

    Die Big 5: Neurotizismus (Neuroticism)

    Personen mit hohen Neurotizismuswerten sind leichter aus dem emotionalen Gleichgewicht zu bringen. Sie berichten häufiger von negativen Gefühlszustände und machen sich deutlich mehr Sorgen als weniger neurotische Menschen.

    Neurotizismus ist die Tendenz zu negativen Gefühlen, insbesondere in Reaktion auf wahrgenommene soziale Bedrohungen. Menschen mit hohen Werten an Neurotizismus sind emotional instabiler, neigen dazu, sich von kleinen Bedrohungen oder Frustrationen aus der Ruhe bringen zu lassen, und sind oft schlecht gelaunt.
    Sie sind anfällig für Angst, Depression, Verlegenheit, Selbstzweifel, Wut und Schuldgefühle.

    Kurz gesagt: Diese Menschen sind meist hochsensibel und sehr anfällig für Stress.

    Menschen mit niedrigen Werten an Neurotizismus dagegen sind emotional stabiler und können mit Stress, Sorgen und Trauer besser umgehen als der Durchschnitt.

    Big 5 Neurotizismus

    Wie das Wissen über „Neurotizismus“ dir hilft andere Menschen besser einzuschätzen

    Wie bei den anderen Merkmalen der Big Five liegt die Heritabilität (Erblichkeit) bei circa 48 % und ist zum großen Teil genetisch bedingt. Der Korpus der Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Neurotizismus relativ konstant im Leben eines Menschen bleibt, aber jedoch in der Lebensmitte stärker ausgeprägt ist, während der Neurotizismus im Alter eher abflacht.

    Warum ist es sinnvoll sich mit Neurotizismus zu beschäftigen? Weil keine andere Eigenschaft der Big 5 unsere Gefühlswelt so sehr bestimmt, wie der Neurotizismus. Von den Betroffenen wird er oft sehr negativ wahrgenommen.
    Gerade weil Menschen mit hohen Werten an Neurotizismus sehr sensibel ist, ist es sinnvoll bei sozialen Interaktionen mit einem neurotischeren Menschen vorsichtiger zu sein, weil auch kleine nicht böse gemeinte Scherze die andere Person verletzen können.

    Es gibt also nur selten Faustformeln, wie: Behandle eine Person auf diese Weise, um jenes Ergebnis zu bekommen. Der Umgang mit Menschen ist häufig deutlich komplizierter. Daher ist das Wissen um die Big 5 der Persönlichkeit extrem hilfreich, um andere Menschen individuell einzuschätzen.

    Wie das Wissen über „Offenheit“ dir hilft andere Menschen besser einzuschätzen

    Offenheit Kreativität

    Personen mit hohen Werten an Offenheit haben oft eine blühende Phantasie. Sie lieben neue Stimuli, neue Situationen und Erfahrungen. Wir messen die Offenheit für Erfahrungen in sechs verschiedenen Bereichen.

  • neugierig (Offenheit für Erfahrung )
  • Wie Carl Rogers sagt, erleben offene Personen ihre Emotionen deutlich stärker als weniger offene Menschen. Sie schätzen die Erfahrung der Gefühle und sehen es als eine Quelle von Bedeutung im Leben.

  • mögen es über abstrakte Konzepte nachzudenken ( Offenheit des Werte- und Normensystems )
  • intellektuell (Offenheit für Ideen)
  • Offenheit für Ideen und Werte sind auch Facetten der Offenheit. Offene Menschen
    sind neugierig und suchen Wissen um seiner selbst willen. In der Kategorie der Offenheit in Bezug auf Ideen sind statistisch vor allem Männer vertreten.

  • phantasievoll (Offenheit für Fantasie)
  • Offenheit in Bezug auf Phantasie bezieht sich auf eine lebendige Tendenz zu Tagträumen zu entwickeln. Das scheint manchmal beinahe so, als ob diese Person in seiner eigenen Welt lebt.

  • experimentierfreudig (Offenheit für Handlungen)
  • Offenheit für Handlungen ist das Gegenteil von Starrheit: Offene Leute sind bereiter neue Erlebnisse zu machen und in ein fremdes Land zu reisen.

  • künstlerisch (Offenheit für Ästhetik)
  • Offenheit in Bezug auf Ästhetik eine hohe Sensibilität für Kunst und Schönheit. Es ist reine Erfahrung um ihrer selbst willen.

    Offenheit Ästhetik

    Wer dagegen eine nur schwach ausgeprägte Offenheit besitzt, ist eher konservativ und vorsichtig und meidet Veränderung. Sie widerstreben neuen Ideen und wollen alles beim Alten belassen. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

    Das ist auch die Motivation hinter dieser Reihe zu den Big 5 der Persönlichkeit. Ich möchte dich darauf aufmerksam machen, dass wir biologisch und genetisch zu gewissen Merkmalen tendieren. Gerade deshalb kann es hilfreich sein sich selbst so gut zu kennen, dass man auf die potentiellen Probleme die mit einer intensiven Ausprägung einer der Big 5 kommen kann.

    Konservativ (wenig Offenheit) vs. Liberal (hohe Offenheit)

    liberal konservativ

    Hier einmal eins von vielen Beispielen, um dir die möglichen Spannungen zwischen offenen und weniger offenen Person aufzuzeigen.

    Es gibt soziale und politische Implikationen für diese Persönlichkeitsmerkmale der Big 5- so auch für Offenheit. Menschen, die hohe Level an Offenheit haben, neigen dazu, politisch liberal und tolerant gegenüber Vielfalt zu sein. Infolgedessen sind sie in der Regel offener für verschiedene Kulturen und Lebensstile.

    Sie sind gegen rechtsextremistischen Autoritarismus, soziale Dominanz und Vorurteile. Die Offenheit hat eine stärkere (negative) Beziehung zum rechten Autoritarismus als die anderen Faktoren der Big 5 ( Z.B Gewissenhaftigkeit), aber fühlen sie daher von der linken politischen Seite des Spektrums angezogen, die im 20 Jahrhundert (beispielsweise in der Sowjetunion) ebenfalls den Tod von Millionen Menschen verursacht hat.

    In Bezug auf den Konservatismus haben Studien festgestellt, dass der Konservatismus mit einer geringen Offenheit und all seinen Facetten zusammenhängt.

    Diese Menschen wollen alles so lassen, wie es ist, während offene Menschen nach Veränderung streben.
    Was bringt dir die Information? Ich persönlich falle eher in die liberale Kategorie. Früher konnte ich nie verstehen, wie man als Konservativer(niedriger in Offenheit) so stur auf seinem Punkt beharren konnte und andere Leute nicht einfach machen lassen konnte, was sie wollen.

    Ich habe dazu geneigt diese Menschen für ignorant und dumm zu halten, bis mir aufgefallen ist, dass ich derjenige war, der ignorant war. Die eher konservativen Menschen fallen eher von ihrer biologischen Persönlichkeit her in die Kategorie mit weniger Offenheit, was weder gut noch schlecht ist.

    Das sorgt aber dafür, dass sie alles beim Alten lassen wollen und weniger tolerant in Bezug auf Neues sind. Wenn wir verstehen, dass die Persönlichkeit eines Menschen zum Teil genetisch abhängig ist und seine Meinungen nicht etwas sind, das er komplett frei wählt, können wir eine produktive Konversation führen, andere Menschen besser verstehen, unsere eigene Ignoranz erkennen und aufhören andere deshalb zu verurteilen.

    Liberale und Konservative brauchen die jeweils andere Seite

    Ob man eher konservative oder liberale Meinungen hat, hängt zum großen Teil also auch mit unserer Persönlichkeit zusammen.

    So zum Beispiel neigen Konservative zum Beispiel dazu, höhere Level an Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Ordnung zu haben und machen damit einen Großteil der Produktivität in unser Gesellschaft aus. Aber gerade deshalb wollen sie nichts an den aktuellen Systemen ändern- weil sie funktionieren.

    Das bedeutet, dass die Konservativen bessere Manager und Administratoren sind, die alles verwalten und für Ordnung sorgen.

    Die Liberalen sind höher in der Offenheit eingstuft und niedriger in der Gewissenhaftigkeit. Sie sind nicht annähernd so produktiv, wie die gewissenhaften Menschen. Allerdings bringen sie immer wieder neue Impulse in die Gesellschaft ein und erkennen an welchen Enden das System seine Lücken hat.

    Das bedeutet, dass die Liberalen bessere Unternehmer und Künstler sind, die Neues kreieren, aber sich ungerne im Alltagsgeschäft aufhalten.

    Die Liberalen springen von einer Sache zur anderen, was sie kreativer macht, aber sie sind nicht so gut bei der Umsetzung, wie die Konservativen.

    Liberale und Konservative müssen also kommunizieren, um die Gesellschaft zu behalten, anstatt sich in bewaffnete Lager aufzuteilen und die andere Seite zu versklaven, was in der Geschichte sowohl von der rechten politischen Seite als auch von der linken politischen Seite ausging.

    Auch das kannst du auf dein Leben anwenden. Es ist nicht immer Schwarz und Weiß. Dazwischen liegt eine Menge Grau. Es ist falsch zu sagen, dass alles, was besteht, Scheiße ist, aber andererseits ist es auch ignorant zu behaupten, dass unser Leben oder die Staat fehlerlos ist und wir nicht daran arbeiten sollte.

    Ein Fazit über die Nützlichkeit der Big 5 der Persönlichkeit

    Nachdem du über die Bedeutung dieser fünf Bereiche nachgedacht hast, wird es dir einfacher fallen andere Menschen besser zu verstehen, indem du diese auf jemanden anwenden, den du kennst. Obwohl dies nur eine grobe Zusammenfassung dessen ist, was einen Menschen ausmacht, ist der Big Five-Rahmen enorm hilfreich, um andere Menschen und ihre Persönlichkeit besser zu verstehen-vielleicht sogar warum sie anders denken als du.

    Wenn du die Einzelepisoden zu den Big 5 der Persönlichkeit anhören willst, klicke oben im Menü auf „Emotionale Intelligenz“ und dann auf die Unterkategorie „Big 5 der Persönlichkeit“. In diesen Episoden erfährst du, was die Big 5 dir über DICH und DEIN Leben sagen können.

    Big 5 der Persönlichkeit

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.