Kognitive Umstrukturierung: Wie du lernst nicht länger selbst sabotierenden Gedanken unterworfen zu sein

Kognitive Umstrukturierung (1)

Kognitive Umstrukturierung beschreibt eine Umstrukturierung der gedanklichen Lebenskonzepte und Geschichten, die du dir selbst erzählst und ist ein zentrales Element der kognitiven Verhaltenstherapie.

Daher ist kognitive Umstrukturierung äußerst effektiv, wenn du weißt, wie und wann du es am besten verwendest. Konsequent und richtig angewendet wird es dir selbst sabotierende Geschichten und negative Gedanken zu hinterfragen und einschränkende Überzeugungen herauszufordern.

Große Versprechen- ich weiß! Dennoch ist diese machtvolle Technik ein wichtiges Werkzeug zur emotionalen Meisterung.

Was ist Kognitive Umstrukturierung

Anstelle der Psychoanalyse, die in Kindheitskonflikten und traumatischen Ereignissen sucht, stellt die kognitive Verhaltenstherapie fest, dass die meisten Probleme von den Glaubenssätzen stammen, die wir uns über andere Menschen, die Welt und vor allem über uns selbst erzählen.

Obwohl wir durchaus von unseren psychologischen Erfahrungen beeinflusst werden, sind wir nicht unsere Gedanken und Emotionen. Das Problem liegt eher in ihrer Bewertung. Hochgradig spannend, dass die Psychologie des 20. Jahrhunderts nach und nach herausfindet, was die Philosophie seit Tausenden von Jahren sagt.

Was die Gedanken der Menschen stört, sind keine Ereignisse, sondern deine Urteile über Ereignisse. “
-Epiktet

Es kann natürlich sein, dass diese unterbewussten Glaubenssätze aus deiner Kindheit stammen, aber trotzdem sind wir es die unsere Welt durch die Geschichten formen, die wir uns selbst erzählen.

Dieses Zitat von Epiktet bildet die Grundlage für viele der heutigen Therapien im 21. Jahrhundert. Darunter auch die sogenannte Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) und ein Konzept namens kognitive Verhaltenstherapie. Du wirst dir jetzt vielleicht sagen: Therapie?! Ich brauche doch keine Therapie. Da hast du vermutlich Recht, aber dennoch können uns die Strategien, die hinter solchen Therapien stecken, helfen unsere Emotionen zu meistern.

Genau an dieser Stelle greift das Konzept der kognitiven Umstrukturierung ein. Im Englischen wird es auch cognitive refraiming genannt- Frame =Rahmen. Mithilfe von kognitiver Umstrukturierung gibst du einer objektiven Situation einen neuen Rahmen.

Wenn etwas geschieht, entscheidest nur du, was es bedeutet. Ist es der Anfang? Vielleicht ist es das Ende? Ist es die schlimmste Niederlage deines Lebens oder ist es eine Chance etwas zu lernen und Resilienz und mentale Stärke zu entwickeln.

Die Lücke zwischen Reiz und Reaktion

Denken der Gesellschaft:

Ereignis ⇒ Gefühl

In Wahrheit gibt es jedoch einen äußerst wichtigen Zwischenschritt :

Ereignis ⇒ Beurteilung ⇒ Gefühl

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion selbst zu wählen.- Viktor E. Frankl

Wenn wir lernen diese Lücke bzw. diesen Raum, von dem Viktor Frankl spricht zu schließen, indem wir unsere eigene (positive) Bedeutung für eine unagenehme Situation geben. An sich ist jede Situation von Grund auf neutral- allein du vergibst die Bewertung.

Kognitives Reframing – auch bekannt als kognitive Umstrukturierung – ist also eine psychologische Technik, mit der du dein Gehirn aktiv neu programmieren kannst. Kurz gesagt: Wenn du Überzeugungen änderst du mithilfe der Neuroplastizität echte, physische Veränderung in deinem Gehirn.

Neuroplastizität: Die revolutionäre Erkenntnis, dass unser Gehirn veränderbar ist

Kognitive Umstrukturierung angewandt auf das Leiden

Lass uns das Prinzip der kognitiven Umstrukturierung einmal auf ein sehr schwieriges Thema beziehen, das uns tagtäglich beschäftigt. Leiden.

„Leiden ist lebensnotwendig und fließt daher nicht von außen auf uns ein, sondern jeder trägt es als eine ewige Quelle in sich.“-Arthur Schopenhauer

Menschen werden als das „vernünftige Tier“ oder das „soziale Tier“ bezeichnet, aber das Epitheton „das leidende Tier“ ist genauso geeignet. Während alle Tiere in der Gegenwart aufgrund von Hunger oder Verletzungen leiden, sind die Menschen allein in ihrer Fähigkeit, Leiden inmitten äußerer Bequemlichkeit zu erzeugen und wissen, dass wir eines Tages sterben werden.

Wir grübeln über die Vergangenheit nach und sorgen uns um die Zukunft, und wie Kierkegaard es ausdrückte, wissen wir das „Terror, Verderben, und Vernichtung jedem Menschen innewohnen“ (Soren Kierkegaard)

Angesichts der enormen Rolle, die das Leiden im Leben eines jeden Menschen spielt, betrachten nur wenige Menschen seine Bedeutung. William James bezeichnete es sogar als „Wurm im Kern unserer üblichen Quellen der Freude“.

Nietzsches Sicht aufs Leiden

Anstatt zuzulassen, dass unser Leiden uns schwächt und uns des Lebens überdrüssig macht, werden wir lernen, es als eine Möglichkeit zum Wachstum zu gebrauchen.

Denn wie Nietzsche aus eigener Erfahrung sehr wohl wusste, ist Leiden oft eine Voraussetzung, um den Fallen der Mittelmäßigkeit zu entgehen.

Prüfet das Leben der besten und fruchtbarsten Menschen und Völker und fragt euch, ob ein Baum, der stolz in die Höhe wachsen soll, des schlechten Wetters und der Stürme entbehren könne: ob Ungunst und Widerstand von außen, ob irgendwelche Arten von Hass, Eifersucht, Eigensinn, Misstrauen, Härte, Habgier und Gewaltsamkeit nicht zu den begünstigenden Umständen gehören, ohne welche ein grosses Wachsthum selbst in der Tugend kaum möglich ist? Das Gift, an dem die schwächere Natur zu Grunde geht, ist für den Starken Stärkung − und er nennt es auch nicht Gift.

Nietzsche kam zu diesem Schluss hinsichtlich des positiven Wertes des Leidens bei seinem Versuch zu entdecken, warum manche Menschen unter Widerstand aufblühten und zu produktiven Menschen wurden, während andere ihr Leben in einem Zustand von „Verfall und Schwäche“ verbrachten. Was er erkannte, war, dass der Hauptunterschied zwischen den beiden Gruppen die Menge an „tiefem Leiden“ war, die man ertragen konnte.

Tiefgreifendes Leiden

Tiefgreifendes Leiden unterscheidet sich von den typischen Leiden. Anstatt schwach und bitter zu machen, wirkt es belebend und stärkend. Es ist produktiv in dem Sinne, dass es auf der Suche nach Selbstverwirklichung hilft.

Um die höchste Form der psychischen Gesundheit zu erreichen, müssen wir, so Nietzsche, nicht versuchen, uns von Leiden zu befreien, sondern lernen das Leiden zu ertragen und danach zu wachsen.

Nietzsche glaubte, dass einer der großen Vorteile von tiefgreifendem Leid darin besteht, dass es uns hilft, unsere Situation klarer zu sehen – es durchschneidet die Netze von Wahnvorstellungen und Illusionen, in die wir uns zu oft einschließen.

Tiefes Leiden erweist sich auch als unverzichtbarer Bestandteil der Selbsttransformation. So wie ein Waldfeuer all das tote und abgenutzte Material verbrennt, um Platz für neues Leben zu schaffen, glaubte auch Nietzsche, dass diejenigen, die in der Lage sind zu leiden, wissen, wie man Schmerz als Antrieb nutzt, um alles Schwache und Überflüssige in ihnen abzubrennen.

Wir alle haben emotionale Neigungen, Neurosen und Gewohnheiten, von denen wir besser ablassen würden, aber wenn es gut läuft, denken wir wenig daran, Veränderungen vorzunehmen. Wenn wir dagegen in einem längeren Leidenszustand stecken, erweist es sich hingegen als viel einfacher, radikale Veränderungen vorzunehmen, wie Nietzsche in der „fröhlichen Wissenschaft„ schrieb.

Selbsttransformation durch Leiden

Jede Form der Selbsttransformation erfordert jedoch intermittierende Perioden der Zerstörung und des Verfalls. Indem wir unser Selbst transformieren, müssen wir notwendigerweise Leidens- und Schmerzstadien durchlaufen.

Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist! (Nietzsche).

Tägliche Impulse #006: Der Phönix als Symbol der Selbsttranformation

Die Zucht des Leidens, des grossen Leidens — wisst ihr nicht, dass nur diese Zucht alle Erhöhungen des Menschen bisher geschaffen hat? Jene Spannung der Seele im Unglück, welche ihr die Stärke anzüchtet, ihre Schauer im Anblick des grossen Zugrundegehens, ihre Erfindsamkeit und Tapferkeit im Tragen, Ausharren, Ausdeuten, Ausnützen des Unglücks, und was ihr nur je von Tiefe, Geheimniss, Maske, Geist, List, Grösse geschenkt worden ist: — ist es nicht ihr unter Leiden, unter der Zucht des grossen Leidens geschenkt worden? Im Menschen ist Geschöpf und Schöpfer vereint: im Menschen ist Stoff, Bruchstück, Überfluss, Lehm, Koth, Unsinn, Chaos; aber im Menschen ist auch Schöpfer, Bildner, Hammer-Härte, Zuschauer-Göttlichkeit und siebenter Tag: — versteht ihr diesen Gegensatz? Und dass euer Mitleid dem» Geschöpf im Menschen «gilt, dem, was geformt, gebrochen, geschmiedet, gerissen, gebrannt, geglüht, geläutert werden muss, — dem, was nothwendig leiden muss und leiden soll?

Kognitive Umstrukturierung und Antifragilität

Nassim Taleb hat das Konzept der Antifragilität in seinem gleichnamigen Buch als fundamentales Gesetz der Natur und der Evolution festgestellt.

Während fragile Dinge unter Druck zerfallen, profitiert das Antifragile von Unbeständigkeit und Erschütterung. Wenn wir ein Paket mit einem Inhalt aus Glas versenden schreiben, wir in der Regel“ Vorsicht Glas“ drauf. Denn dieses muss behutsam transportiert werden, weil es zerbricht, sobald es starken Belastungen oder Erschütterungen ausgesetzt ist.

Fragilität ist ein leicht verständliches Konzept. Doch wenn wir versuchen uns das Gegenteil von Fragilität vorzustellen, tun wir uns schwer. Wie nennt man etwas das von Unbeständigkeit profitiert?

Man könnte annehmen, dass die Antwort "robust" sei. Obwohl ein robuster Gegenstand Erschütterung besser überstehen kann als ein fragiler Gegenstand, ist es keineswegs ein Gegenteil.

Er profitiert von misslichen Umständen nicht. Das, wonach wir suchen, ist etwas das man mit Absicht misshandeln würde und etwas, das man mit einem Paket mit der Aufschrift: " Bitte grob behandeln" verschickt.

Das Problem ist, dass in keiner der großen Weltsprachen ein entsprechendes Wort existiert. Daher gebrauchen wir um Dinge zu beschreiben, die von Erschütterung profitieren, an dieser Stelle das Wort "antifragil"

Ein gutes Beispiel für Antifragilität ist die Hydra aus der griechischen Mythologie. Die Hydra war dem Mythos nach eine vielköpfige Schlange, die der antiken Welt zu schaffen machte.

Wann immer ihr einer ihrer Köpfe abgeschlagen wurde, wuchsen an seiner Stelle zwei neue nach. Somit profitierte die Hydra von jeder Verletzung, die sie erfuhr und war damit antifragil.

 Hydra Antifragilität

Quelle: http://animal-dream.com

Posttraumatisches Wachstum

Warum erzähle ich dir das? Genauso ist es zum Teil mit der menschlichen Widerstandsfähigkeit und der mentalen und emotionalen Stärke. Auch wenn wir kurzfristig unter einer Verletzung leiden, kommen wir stärker aus der Situation zurück. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass manchmal etwas zerstört werden muss, damit etwas Neues aufblüht. Es gibt nicht nur Trauma als Folge von Widerstand, sondern vor allem "posttraumatisches Wachstum"!

Es ist kein Zufall, dass eine Zeile von Hemingway wieder und wieder zitiert wird und so tief mit den Menschen räsoniert:

Die Welt zerbricht jeden und nachher sind viele an den gebrochenen Stellen stärker.- Ernest Hemingway

Viele Menschen denken, dass Widerstandsfähigkeit heißt, nach einer schweren Situation einfach wieder zu regenerieren oder Probleme an sich abprallen zu lassen. Doch damit verschweigen wir den unglaublichen Wert, den die Widerstandsfähigkeit gibt. Widerstandsfähigkeit gibt uns nämlich die Möglichkeit durch Schmerz zu wachsen und uns zu verbessern.

Die stoische Kunst der Widerstandsfähigkeit zur Befreiung aus der Scheiße

Was ist die Geschichte deines Lebens

Stelle dir die Frage: Was wird dich die zerstörerische Geschichte, die du dir selbst erzählst langfristig emotional, körperlich, finanziell und spirituell kosten? Was wird sie diejenigen in deinem Umfeld kosten, die du liebst?

„Das Einzige, was zwischen dir und deinem Erfolg steht, ist die Geschichte, die du dir immer wieder erzählst.“ - Anthony Robbins

Ich glaube, dass ich es für dich nichts Neues ist. Jeder hat seine eigenen persönlichen Abneigungen und Geschichten, aber alle weisen meist auf das gleiche grundlegende Thema hin: Ich bin nicht gut genug, wie ich bin. Irgendetwas fehlt in meinem Leben (egal ob Geld, Glück oder Liebe. Es ist die Botschaft, die unser Verstand uns immer wieder sendet,

Eine Zuhörerin hat beispielsweise erzählt, dass sie dazu neigt sich die Geschichte zu erzählen, dass sie alleine nicht glücklich sein kann und sich einsam fühlt. Jeder hat seine eigenen unterbewussten Geschichten.

Kognitive Umstrukturierung – ein Fazit

Destruktive Glaubenssätze erkennen und auflösen: Wie du ab heute ein für alle Male ablehnst deine destruktiven Glaubenssätze zu einem Teil von die zu machen

Für viele sind die Opferrolle zur Identität und Leid, Schmerz und Probleme zum Lebenssinn geworden. In dieser Episode sollte es primär darum gehen dir zu zeigen, dass selbst das Leiden durch einen anderen Rahmen gesehen werden kann.

Auf welche Situationen in deinem Leben kannst du kognitive Umstrukturierung anwenden, um weniger darunter leiden zu müssen.

Kognitive Umstrukturierung bedeutet anders denken zu lernen und nicht den Gedanken unterworfen zu sein, die dich quälen. Unsere Gedanken folgen unserem Fokus. Wenn etwas geschieht, entscheidest nur du, was es bedeutet.

Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. In diesem Raum haben wir die Freiheit und die Macht, unsere Reaktion selbst zu wählen.- Viktor E. Frankl

In einem Satz: Kognitive Umstrukturierung basiert auf der Hauptaussage: Es geht nicht darum, was dir passiert, sondern es geht um die Geschichte, die du dir selbst darüber erzählst.

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