Gewalt ( Steven Pinker) – Zusammenfassung

Steven Pinker Gewalt (1)

Das Buch Gewalt – Eine neue Geschichte der Menschheit von Steven Pinker zeigt, warum wir in der friedlichsten Zeit der Geschichte leben. Ungeachtet dessen, was die Medien uns sagen, ist die Welt heute ein sicherer Ort, als jemals zuvor in der Geschichte.

Steven Pinker erklärt, warum die Gewalt in den letzten 5.000 Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. Dazu erzählt er von den fünf großen Motivatoren der Gewalt, den vier „besseren Engeln unserer Natur“, die diesen Kräften entgegenwirken und sechs großen, historischen Strömungen, die die Gewalt drastisch verringert haben.

Wer ist Steven Pinker?

Steven Pinker ist Professor für Psychologie in Harvard und auf Kognitionswissenschaften spezialisiert. Die Bücher, die er geschrieben hat, decken eine Vielzahl von psychologischen Themen ab. Außerdem schreibt er regelmäßig für verschiedene Zeitungen wie die New York Times oder das Forbes Magazine.

3 zentrale Erkenntnisse aus Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit :

Steven Pinker Gewalt

Hast du auch manchmal den Drang, Leute von der Rolltreppe zu schubsen, wenn sie trödeln, während du es eilig hast oder darüber nachgedacht anderen Gewalt anzutun? Wenn ja musst du dir keine Sorgen machen. Diese Gedanken sind quasi ein Teil unserer menschlichen Natur.

Gewalt ist in jedem von uns tief verankert, denn evolutionär betrachtet war sie für das Überleben der Menschen wichtig.
Gleichzeitig hat die Natur aber auch einige Mechanismen in unserer Psyche eingebaut, die dazu dienen, Gewalt zu vermeiden.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass unsere gute, gewaltfreie Seite sich historisch gesehen durchzusetzen scheint. Anhand unzähliger Beispiele, Aspekte, Studien und Statistiken untermauert er diese These und belegt so, dass – und warum – die Menschen bisher noch nie so gewaltfrei und sicher gelebt haben wie heute.

„Dies ist ein dickes Buch, aber das muss so sein“, schreibt Pinker in der Einleitung zu seinem über 1.200 Seiten langen Werk. Aber du wirst sehen, es lohnt sich.

1. Erkenntnis aus Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit :

Viele Leute verstehen unter einer Ideologie das Ziel einen perfekten Zustand zu erreichen, in dem alle glücklich und zufrieden sind. Doch der Weg hin zu diesem paradiesischen Zustand war in der Geschichte oft genug mit Gewalt gepflastert.

Selbst die wohlmeinendsten Ideologien können extrem werden und sehr gewalttätig werden. Beispiele für extreme und gewaltsame Ideologien sind die christlichen Kreuzzüge zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert, dem Nazi-Regime und dem Jihad-Krieg. Es gibt verschiedene psychologische Mechanismen, die dazu führen, dass wir Menschen anfällig für alle möglichen Ideologien sind.

Eine Tendenz ist es uns selbst und die Mitmenschen in Gruppen einzuordnen: „Die anderen“ und „wir“ sind Kategorien, die unser Gehirn liebt, weil sie alles so schön einfach machen.

In diesen Gruppen drängen sich Menschen mit ähnlichen Ideen und Werten zusammen, verstärken diese und polarisieren sie, bis sie extremer werden. Dies wird auch als Bestätigungsfehler bezeichnet. Wir vermeiden zu sagen, was wir wirklich denken, um niemanden in der Gruppe zu verärgern und mit dem Gruppendenken zu gehen. Dies wird Herdenverhalten genannt. Im Interesse der sozialen Anpassung neigen wir dazu, diejenigen außerhalb unserer eigenen Ideologie zu bestrafen, in der Hoffnung, sie zu bekehren.
So begannen einige der schlimmsten Fälle von Völkermord in der Geschichte. Eine Person teilte eine extreme ideologische Sichtweise mit ihrer Ingroup, sie stimmten alle überein und verbreiteten dann die Idee, bestraften, schüchterten, bedrohten und verstummen alle Nichtkonformer, bis die Mehrheit der Gesellschaft Teil der Gruppe ist.

2. Erkenntnis aus Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit : Der Flynn-Effekt

Eine Sache, die Gewalt im Keim erstickt, ist die wachsende Intelligenz. Wenn du dich deiner Rationalität bedienst, kannst du extreme und gewalttätige Ideen schnell entlarven.
Gewalt ist zwar oft einfach umzusetzen und verspricht schnelle Erfolge, aber sie ist auch meistens ziemlich dumm. Je klüger und gebildeter wir werden, desto mehr andere Wege fallen uns ein, um das zu bekommen, was wir wollen. Auch das ergibt evolutionsbiologisch betrachtet durchaus Sinn. Wer sein eigenes Leben erhalten will, sucht lieber nach Sicherheit als nach Gewalt – vor allem, wenn er ein bisschen Verstand hat.

Der nach dem Forscher James R. Flynn benannte Flynn-Effekt beschreibt den kontinuierlichen Anstieg der IQ-Werte – durchschnittlich 3 Punkte pro Dekade. Du denkst vielleicht, dass das nicht viel ist, aber wenn du einen der Teenager von heute genommen und sie im Jahr 1910 abgeladen hättest, wären sie sofort schlauer als 98% ihrer Kollegen.
Zumindest ein Teil dieses Anstiegs ist auf Verbesserungen im Bildungsbereich und eine stärkere Betonung des kritischen Denkens von Kindern zurückzuführen. Außerdem müssen Kinder heute in einer viel komplexeren Umgebung navigieren und mehr und schneller lernen.

3. Erkenntnis aus Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit : Die humanitäre Philosophie hat dazu beigetragen Gewalt stark zu reduzieren

Humanismus

Gute Ideen haben Auswirkungen. Auch wenn es für uns heute selbstverständlich ist, waren die menschlichen Werte bzw. der Humanismus ebenfalls eine entscheide Welle im Rückgang der Gewalt. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand mit dem Humanismus eine neue Weltsicht, die das Zusammenleben für immer verändern würde.

Die Grundgedanken des Humanismus, dass jeder Mensch die gleichen Rechte, die gleiche Würde und eine menschliche Behandlung verdiente verbreiteten sich nach und nach wie ein Lauffeuer in der gesamten Welt.

Besonders da der Buchdruck seit dem 16. Jahrhundert existierte, verbreitete sich die Nachricht des Humanismus enorm schnell. Der Buchdruck ermöglichte zudem Texte von anderen Menschen zu lesen, so dass der Bildungsgrad Bevölkerungsgruppe stark anstieg, was auch wieder Auswirkungen auf das positive Zusammenleben hatte.

Krieg scheint so alt zu sein wie die Menschheit, Frieden aber ist eine moderne Erfindung. - Henry Maine

Toleranz

Seit den 60er Jahren lernt unsere Gesellschaft dass jeder ein Recht auf gewaltfreies Leben hat. Der letzte große Schritt hin zu weniger Gewalt bestand darin, dass immer mehr Randgruppen gleiche Rechte zugesprochen werden. Bei diesem Trend handelt es sich um die Fortsetzung der humanitären Gedanken aus dem 16. Jahrhundert. Grundgedanke des Humanismus ist es, dass alle Menschen Individuen sind die die gleiche Behandlung verdienen.

Daraus folgt, dass es auch egal ist, welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welche sexuelle Orientierung ein Mensch hat. Das ändert nichts an seinen Rechten. Die Akzeptanz für andere Personengruppen nimmt stetig zu. In den 1960 er Jahren gaben noch 50% der weißen Familien in den USA an, dass sie wegziehen würden, wenn eine schwarze Familie in das Haus neben ihn einziehen würde. In den 80er Jahren dagegen fiel der Prozentsatz in den einstelligen Bereich.

Diese Tendenz hat sich sogar schon auf unseren Umgang mit Tieren ausgedehnt. Vor 100 Jahren wäre es undenkbar gewesen eine Diskussion darüber zu führen, wie viel Quadratmeter eine Legehenne verdient hat- ein erfreulicher Trend. Terrorismus und Kriege befinden sich also auf dem Rückzug, sondern auch die alten Alltag wird immer mehr eingeschränkt mit dem Ergebnis dass wir heute in den friedlichsten Zeiten leben, die es jemals gab.

Zusammenfassendes Fazit über Gewalt von Steven Pinker

In jedem von uns kämpfen verschiedene psychologische Mechanismen gegeneinander. Einige verleiten uns dazu, Gewalt anzuwenden, während andere versuchen, Gewalt zu verhindern. Um es anthropologisch zu sagen: Der Mensch ist weder ausschließlich gut noch ausschließlich böse. Auch wenn es kontraintuitiv erscheint, wird unsere Welt seit ihrem Entstehen immer weniger gewalttätig. Auch wenn bei weitem noch viele Probleme existieren, scheinen wir einige Ding richtig gemacht zu haben.

Informationsdiät & selektive Ignoranz- Warum die Gegenwart nicht so scheiße ist, wie uns immer erzählt wird

Gewalt - Steven Pinker

12, 99 Euro
8.1

Lesbarkeit

9.5/10

Potenzial zum Wachstum

7.0/10

Relevanz für dein Leben

6.0/10

Tiefsinnigkeit

8.0/10

Interessant?

10.0/10

1 Comment

  1. […] Verzerrungen. Daniel Kahneman und Amos Tversky legten die Grundlagen der Verhaltensökonomik. Steven Pinker nannte Kahneman den „wichtigsten lebenden […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.