Jean-Paul Sartre: Die 3 Prinzipien für ein wirklich freies Leben

Jean-Paul Sartre

Dieser Blogartikel will und kann nicht den Anspruch erheben die Philosophie Sartres in seiner Gesamtheit zusammenzufassen. Er soll dir auch keine Fülle an abstrakten Konzepten und französischen Wörtern an die Hand geben, mit denen du bei deinen Freunden angeben kannst. Vielmehr soll dieser Beitrag dir die Relevanz der Philosophie von Jean-Paul Sartre für dein eigenes Leben aufzeigen und drei zentrale Bestandteile seiner Philosophie (Absurdität, Freiheit und Unaufrichtigkeit) dialektisch miteinander verbinden, um deren Auswirkungen und Folgen für dein Leben zu offenbaren.

Obwohl seine Philosophien komplex und mühsam zu verstehen sind, sind die Theorien, die Sartre im Existenzialismus manifestiert, hier in 3 Grundprinzipien vereinfacht.

Die Rolle der „Die Absurdität der Welt“ in der Philosophie von Jean-Paul Sartre

Ein wichtiger Bestandteil der Existenzphilosophie, der auch Jean-Paul Sartre angehört, ist die Darstellung der Existenz als grundsätzlich irrational. Während die meisten Philosophen versucht haben, philosophische Systeme zu schaffen, die eine rationale Darstellung der Realität liefern, haben sich die existentialistischen Philosophen auf die Absurdität der Realität fokussiert.

Nach atheistischen Existentialisten wie Sartre ist die „Absurdität“ der menschlichen Existenz das notwendige Ergebnis unserer Versuche, in einem gleichgültigen, gefühllosen Universum ein Leben mit Sinn und Zweck zu führen. Da Gott tot ist, wie Nietzsche sagt, gibt es keinen perfekten und absoluten Anhaltspunkt, von dem man sagen kann, dass menschliche Handlungen oder Entscheidungen objektiv und gut oder böse, richtig oder falsch sein können.

Vereinfacht gesagt bezieht sich dies auf gängige Objekte und Konzepte, die viel mehr sind als das, was wir uns vorstellen. Um die Absurdität deutlich zu machen, führt Sartre folgendes Beispiel an:

Eine Mahlzeit mit einem geliebten Menschen zu essen, bedeutet in Wirklichkeit, dass zwei Säugetiere an Stücken von toten Tieren und Pflanzen kauen, während sie mit ihren Knien unter einem Stück eines zerhackten Baumes sitzen. So kann es auch auf alle Situationen unseres Alltags angewendet werden. Bis wir die oberflächliche Normalität einer Situation loswerden, finden wir alles so logisch.

Doch das gilt für die meisten Dinge in unserem Leben. Selbst viele Dinge, die wir für selbstverständlich halten wie unsere Gesellschaftsordnung, Moral, Geld und zwischenmenschliche Werte sind im Angesicht dessen, dass es so viele andere Möglichkeiten gäbe, absurd.

Indem wir die Absurdität der Welt erkennen, finden wir befreiende Qualitäten, weshalb Sartre uns darauf aufmerksam macht. Das Leben ist viel bizarrer als wir denken und folglich reicher an Möglichkeiten.
Während Platon und Aristoteles davon überzeugt waren, dass alles eine eingebaut Essenz hat, geht Sartre in seiner Philosophie davon aus, dass erst die Menschen dem Sinnlosen einen Sinn geben und Objekten, Menschen oder Werten ihre Bedeutung zuschreiben.

Die Rolle der Freiheit in der Philosophie von Jean-Paul Sartre

jean-paul sartre

In der Philosophie von Jean- Paul Sartre spielen diese absurden Momente eine zentrale Rolle. Die Dinge müssen nicht so sein, wie sie sind. Wir sind freier, als wir es uns erlauben. Wir haben normalerweise viele Gründe, warum bestimmte Dinge nicht möglich sind. Aber stimmt das? Was hält dich zurück?
Sartre will durch die Beschreibung der Absurdität einen Zugang zu einer anderen Denkweise schaffen. Er möchte uns von der normalen, festen Perspektive abbringen, um unsere Vorstellungskraft zu befreien: Wir müssen nicht mehr mit dem Bus zur Arbeit fahren, nett zu Leuten sein, die wir nicht wirklich mögen oder unsere Träume für illusorische Sicherheit opfern. Eine befreiende und hoffnungsvolle Vorstellung.

Vielleicht sind die Dinge, die du glaubst im wahrsten Sinne des Wortes nur „FestStellungen“. Du hast eine Sache in deinem Leben so festgestellt, dass du nicht mehr daran rütteln willst und kannst.

Die dunkle Seite der Freiheit in Sartres Philosophie

Oft neigen wir dazu Freiheit als einen ausschließlich positiven Begriff anzusehen. Freiheit gibt uns die Möglichkeit alles zu tun, was wir in unserem Leben tun wollen. Doch mit der Freiheit kommt auch die Last der Verantwortung.
Nach der Anerkennung unserer Freiheit stehen wir vor dem, was Sartre "Die Angst der Existenz" nennt. Alles ist (erschreckend) möglich, weil nichts einen vorherbestimmten, von Gott gegebenen Sinn hat. Nihilismus steht vor der Tür.

Die Furcht vor der Freiheit ist eine der zentralen existenziellen Sorgen der Menschheit. Es wird gewöhnlich davon ausgegangen, dass Freiheit intrinsisch wünschenswert ist, aber ganz häufig sind Individuen so sehr über Freiheit besorgt, dass in den Worten von Erich Fromm sogar eine "Furcht vor der Freiheit" entstehen kann.

Die Furcht vor der Freiheit-Erich Fromm

Zentraler Bestandteil der Philosophie Jean-Paul Sartres war das Motiv: Existieren heißt, sein eigenes Leben zu schaffen. Noch mehr als das: „Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein.“ Was meint Sartre damit?

Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt, weil er sich nicht selber erschaffen hat. Denn wenn er erst einmal in die Welt geworfen ist, wie Heidegger sagt, dann ist er für alles verantwortlich, was er tut.
Unsere Freiheit verdammt uns nach Sartre unser ganzes Leben lang dazu, uns zu entscheiden. Auch wer glaubt, sich nicht zu entscheiden, oder endlos seine Entscheidung zu einem wichtigen Thema aufschiebt, hat seine Entscheidung bereits gefällt: nichts zu verändern und vor sich hin zu vegetieren.
Frei zu sein bedeutet, für sein Leben verantwortlich zu sein, der Autor des eigenen Schicksals. Wegen der überwältigenden Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dieser Aufgabe fliehen die Menschen häufig aus der Freiheit und damit die Verantwortung, den eigenen Weg im Leben zu bestimmen.
Es ist sicherlich wahr, dass viele von uns unseren Verantwortungen und Potenzialen zu entgehen versuchen.

Viele existentielle Denker haben festgestellt, dass derjenige, der seine „Berufung“ ignoriert und somit unauthentisch lebt durch den Impuls der Schuldgefühle wieder zurück auf den Weg zu einer authentischen Existenz finden kann, weil sie uns zur Handlung treiben.

Irvin Yalom hat geschrieben:

"Einer, der es verpasst so vollkommen zu leben, wie er kann, erlebt ein tiefes, starkes Gefühl, das ich hier als" existenzielle Schuld "bezeichne. ... Existentielle Schuld ist eine positive konstruktive Kraft.“ (Existenzielle Psychotherapie , Irvin Yalom)

In dem Maße, in dem man seine Freiheit akzeptiert und damit die Tatsache, dass man für sein Schicksal komplett verantwortlich ist, steht man vor der (für manche) erschreckenden Erkenntnis, dass man allein ist.
Weil kein göttliches Wesen oder ein kosmischer Plan dein Leben lenkt, musst du deine eigene Bedeutung in deinem Leben finden und den Dingen eine Bedeutung geben, wenn du die Chance und Bürde der Verantwortung auf dich nehmen willst.

Die Rolle der Unaufrichtigkeit in der Philosophie von Jean-Paul Sartre

Die Unfähigkeit, deine eigene Freiheit zu akzeptieren, nennt man in der Philosophie Jean-Paul Sartres Unaufrichtigkeit (frz. mauvaise foi). Unaufrichtigkeit ist die Ideologie, dass Dinge auf eine bestimmte Art und Weise sein müssen . Wir müssen in einem bestimmten Job arbeiten oder zum Beispiel einen bestimmten Betrag verdienen.

Unaufrichtigkeit beschreibt das Phänomen, dass der Mensch durch soziale Anpassung „ Wertvorstellungen“ übernimmt, die nicht seine eigenen sind und seine absolute Freiheit aufgibt, damit er sich die Frage, wer er wirklich ist, nicht mehr zu stellen braucht. Unaufrichtigkeit ist, wenn wir etwas als wahr akzeptieren, das wir nicht wirklich glauben, weil es überzeugend ist, nicht weil wir denken, dass es die „Wahrheit“ ist, sondern weil es bequem und einfach ist, daran zu glauben.

Wir Menschen tun es wahrscheinlich öfter als wir es wahr haben wollen. Wir essen Dinge, von denen wir wissen, dass sie schlecht für uns sind und legitimieren es mit einer Googlesuche einer angeblichen Studie, die uns beweist, dass wir nicht unbedingt Gemüse essen müssen, um gesund zu sein. Glück gehabt!
Wir reden uns ein, dass wir keine Zeit haben, um zum Sport zu gehen oder andere Dinge zu machen, von denen wir wissen, dass wir sie eigentlich tun sollten, damit wir eine bequeme Legitimation haben nicht den unbequemen Schmerz der Disziplin auf uns zu nehmen.

Unaufrichtigkeit und das Beispiel des Kellners

In seinem Buch „Das Sein und das Nichts“ beschreibt Sartre die Unaufrichtigkeit in Form der Charakterisierung eines Kellners. Um genauer zu sein: Sartre beschreibt einen Kellner, der sich sagt, dass er nur ein Kellner ist. Dieser Kellner hasst seinen Job. Er geht zum selben Restaurant- Tag für Tag, ohne sich erfüllt zu fühlen, aber wenn er darüber nachdenkt, sich für einen anderen Job zu bewerben oder sich die schwierigen Fragen stellt, die mit dieser Art von Lebensentscheidungen einhergehen, dann sagt er sich einfach:
Ich bin ein Kellner, der immer ein Kellner war und auch immer ein Kellner sein wird. Mein Vater war ein Kellner, wie sein Vater vor ihm.

Es ist sein selbstgewähltes „Schicksal“. Er sagt sich, dass er keine Wahl hat, dass er weitermachen muss, weil er das Geld braucht. So akzeptiert er das unerfüllte Hamsterrad, das er Leben nennt.

Sartre würde sagen, dass der Kellner die Unaufrichtigkeit nutzt, um diese schwierige Lebensentscheidung mit allen ihren Konsequenzen zu vermeiden. So erzählt er sich selbst eine dieser Geschichten, um den kurzfristigen Schmerz der Freiheit zu vermeiden. Die Folge ist langfristiges Leiden.

Sartre will nicht die Basis des American Dreams legitimieren, sondern eher dazu aufrufen den Schmerz der Freiheit auf sich zu nehmen, um ein Individuum zu werden. Oft setzen wir uns selbst die Grenzen. Sartre wollte uns mit diesen Beobachtungen nicht frustrieren. Er wollte uns nur daran erinnern, so frei zu sein und zu leben, wie wir wirklich sind.

Die zentralen Reflexionsfragen aus der Philosophie Jean-Paul Sartres

Jean-Paul Sartre
Die zentralen Reflexionsfragen, die sich für dich als Folge der Philosophie von Jean-Paul Sartre könnten folgende sein:

• In welchen Lebensbereichen verdrängst du deine Freiheit, um nicht der unangenehmen Realität ins Auge sehen müssen?
• Welche Grenzen setzt du dir selber, weil du (bewusst oder unterbewusst) nicht bereit bist die Verantwortung für Konsequenzen, die mit der Freiheit einhergehen, zu tragen?
• Was wäre, wenn du dir nicht mehr selbst künstliche Grenzen setzen würdest, um die Bürde der Verantwortung zu vermeiden?
….

Vielleicht findest du noch weitere Fragen, die sich für dich aus der Philosophie von Jean-Paul Sartre ergeben? Oft wird die Freiheit einseitig idealisiert. Doch mit Freiheit kommt zum Teil schmerzvolle Verantwortung. Die richtige Balance zwischen Freiheit und Verantwortung muss jeder für sich selbst herausfinden. Nicht alle Menschen werden sich wagen maximale Freiheit in ihrem Leben zu akzeptieren.

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