Der soziale Vergleich: Das Gegengift gegen neurotisches Vergleichen mit anderen

Der soziale Vergleich (1)

Beinahe im gesamten Verlauf der Menschheitsgeschichte war der soziale Vergleich auf eine Gruppe einiger weniger Menschen in deinem Umfeld beschränkt. Heutzutage hat man Hunderte von Menschen auf seinen Freundeslisten und ist digital vernetzt. Der Schmerz des sozialen Vergleichs wird verstärkt, weil du dich mit der absoluten Elite auf Instagram und co. vergleichen kannst. Du hast jederzeit unmittelbar das „tolle Leben des Stars“ vor Augen, während du selbst an deinem Lebensentwurf zweifelst.

Es wird nahezu gewetteifert, welcher Kontakt es schafft, seine Freunde mit der letzten Aktivität vor Neid erblassen zu lassen und in diesen die Angst etwas zu verpassen , erwecken kannst.
Das hat drastische Auswirkungen für das Glücksbefinden vieler Menschen.

Aber das ist mehr als eine subjektive Theorie. Auch die Wissenschaft ist eindeutig, dass dein Platz in der Gesellschaft das Stressniveau beeinflusst und großen Einfluss auf die Widerstandskraft gegen Krankheiten hat.

Die Wissenschaft hinter sozialem Schmerz und dem sozialem Vergleich

Wir sind evolutionär darauf programmiert sozial zu sein! Wenn man Testpersonen beispielsweise an fMRI- Scans (functional magnetic resonance imaging ) sieht man, dass Menschen sozialen Schmerz genauso erleben, wie körperlichen Schmerz. Die neuronale Verbindung zwischen sozialem und körperlichem Schmerz sorgt dafür, dass wir starke soziale Bindungen haben, um einer sozialen Gruppe zu überleben und uns gegenseitig mit Wärme und Nahrung zu versorgen.

Es ist ein Überbleibsel aus der Evolution, da wir früher in bedeutend kleineren sozialen Gruppen gelebt haben als es heute der Fall ist. Wir würden niemals auf die Idee kommen jemandem bei einem gebrochenen Bein zu sagen, dass er sich nicht so anstellen solle- warum tun wir es dann bei emotionalem Schmerz.
Warum assoziieren wir diese Ereignisse mit Schmerz? Wenn ein Mensch die Bedrohung seiner sozialen Bedürfnisse sieht, antwortet das Gehirn genauso stark wie bei physischem Schmerz.

Nicht umsonst haben wir Wortspiele und Metaphern wie "Er hat mein Herz gebrochen!", "Er hat meine Gefühle verletzt!" oder " Es hat sich angefühlt, wie ein Schlag in die Magengrube! Wie die Psychologen herausfanden ist das Ganze doch mehr als eine Metapher.

Cyberball und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit

Im Jahr 2001 machte Naomi Eisenberger zusammen mit Martin Lieberman eine interessante Studie.´Sie nannten das Ganze Cyberball. Die Probanden spielten ein Spiel zusammen mit anderen Spieler übers Internet, dachten sie zumindest. Beim ganzen Prozess wurden ihre Gehirnströme gemessen.

In den nächsten 2- 3 Minuten warfen sie einen Tennisball in einem Dreieck von Person zu Person, bis auf einmal die Versuchsperson ausgeschlossen wurde und ausschließlich die anderen beiden den Tennisball hin und her warfen.
Ein klares Zeichen von sozialer Zurückweisung!

Du wirst dir eventuell von außen denken: Mir doch egal, was in der blöden Computersimulation passiert, aber nicht nur die Gehirnscans bestätigten, dass die Versuchsobjekte traurig oder wütend aufgrund der Vorkommnisse waren, sondern auch die kurz danach erhobenen Fragebögen zeigten dasselbe Ergebnis.
Die Nachricht ist eindeutig: Wir mögen es ganz und gar nicht, wenn uns eines unser fundamentalsten Bedürfnisse ohne Grund entzogen wird. Unser Gehirn ist hochgradig sozial programmiert. Und diese biologische Tiefe unseres Sozialbedürfnisses ist ein fundamentaler Bestandteil, von dem, was wir als Menschen sind.

Und warum spielt der soziale Vergleich eine Rolle

Als soziale Tiere versuchen wir, Beziehungen zu anderen Menschen zu bilden. Deshalb nehmen wir es, wenn jemand, mit dem wir eine persönliche Beziehung haben, uns kritisiert, als Beweis dafür, dass jemand uns sozial nicht so hoch einschätzt, wie wir es in dem Moment gerne hätten.
Vielleicht wirst du jetzt sagen: Okay, ich habe die gesellschaftlichen Strukturen verstanden und welchen Zweck sie erfüllen. Aber was sagt mir das jetzt über die Schmerzen des sozialen Vergleichs.

Lass es mich dir mit dem Beispiel des Hummers verdeutlichen. Solange ein einzelner Hummer ein Territorium einnimmt, gibt es kein Problem. Doch was passiert, wenn sich hundert Hummer im selben Raum tummeln? Wie organisieren Hummer ihr Verhalten?

Die Dominanzhierarchie des Hummers

Hummer lobster dominanzhierarchie

Hummer sind im Gegensatz zu Menschen nicht besonders kooperativ und eher von ihrer biologischen Natur bestimmt. Deshalb müssen sie um Dominanz kämpfen, wenn sie ihr Territorium und ihren Platz in der Hierarchie sichern wollen, der extrem wichtig ist, wenn sie sich fortpflanzen wollen.

Was passiert mit einem Hummer, der einen Kampf verliert? Er zieht sich zurück und macht sich klein, weil er verloren hat und es dumm von ihm wäre direkt wieder einen stärkeren Hummer anzugreifen, der ihn schwer verletzen oder sogar töten könnte. Deshalb ist für ihn sinnvoll sich zurückzuziehen. Sein Serotoninspiegel sinkt und dadurch wird er ängstlicher und vorsichtiger.

Der soziale Vergleich und der Soziometer

Kritik

Auch dein Gehirn erfasst, wo du in der Hierarchie momentan stehst, auch wenn sich es sehr politisch inkorrekt anhört so etwas zu sagen und viele es nicht wahr haben wollen. Das Interessante ist, dass deine Empfindlichkeit für negative Emotionen zum Teil auch mit deinem Status in der Hierarchie korreliert.
Kritik kann, wenn sie als Beleidigung aufgefasst wird wie ein Angriff auf deine Stellung in der sozialen Hierarchie verstanden werden.

Wir Menschen sind mit einer Reihe von biologischen Systemen ausgestattet. Eines dieser Systeme überwacht wie angesprochen unseren sozialen Status. Die erfolgreiche Aufrechterhaltung der Verbindungen zu anderen Personen erfordert ein System zur Überwachung anderer Reaktionen- ein System, das unseren Status mehr oder weniger kontinuierlich anhand von Stichwörtern überwachen muss-Missbilligung, Ablehnung, Kritik oder Ausgrenzung. Im Mittelpunkt dieses biologischen Systems steht etwas, das der Psychologe Leary ein Soziometer nennt.

Unser Soziometer agiert immer im Hintergrund. Angenommen, zum Beispiel wir sind auf einer Party und haben ein Gespräch mit jemandem. Ohne es zu realisieren, überwacht unser Soziometer unser gesellschaftliches Umfeld. Wenn also eine Person im selben Raum unseren Namen erwähnt, wird unser Soziometer unsere Aufmerksamkeit auf dieses Gespräch lenken.

Was sagt sie über uns? Werden wir gelobt? Beleidigt? Wenn es sich herausstellt, dass sie etwas Negatives sagt, wird unser Soziometer aktiviert und dazu führen, dass wir unangenehme Gefühle erleben. Wir könnten zum Beispiel Wut erleben. Diese Emotionen werden uns wiederum dazu motivieren, etwas zu tun, um unseren sozialen Status zu verteidigen. Wenn es sich herausstellt, dass sie etwas Gutes über uns sagt, können wir eine ganz andere Emotion (gesellschaftliche Akzeptanz)erleben.

In der Tat kann unser Soziometer zu empfindlich sein: Laut Leary haben "Menschen mit instabilem Selbstwertgefühl im Wesentlichen ein instabileres Soziometer. Für solche Menschen führt geringfügige Kritik zu großen Veränderungen im Soziometer (und Selbstwertgefühl).

Leider ist eins der zentralen Ziele der Evolution nicht, dass du dich gut fühlst, sondern das pure Überleben. Und wenn der soziale Vergleich dich evolutionär davor geschützt hat von der Gruppe ausgeschlossen zu werden, ist der soziale Schmerz, den du dabei fühlst das geringere Übel.

Armut, der soziale Vergleich und Stress

sadismus
In der Tat ist Armut mit vielen physischen und psychischen Stressfaktoren verbunden. Arme Menschen arbeiten oft mit hohen körperlichen Anforderungen und geringer Arbeitsplatzsicherheit, so dass sie kaum Kontrolle über ihre Arbeitssituation und hohen Stress haben.

Außerdem haben arme Menschen weniger Möglichkeiten, Stress durch Urlaub oder Hobbys abzubauen - es gibt einfach nicht genug Geld, um zu sparen.

Das Ergebnis ist, dass Armut dazu führt, dass diese Menschen stressbedingte Krankheiten erleben und dieser Effekt bleibt bestehen, selbst wenn sie aus der Armut entfliehen können. Dies zeigte eine Studie älterer Nonnen, die in jungen Jahren in das Nonnenkloster eintraten. Sie stellten fest, dass die Bedingungen, unter denen sie aufwuchsen, die Krankheitsbilder im Alter beeinflussten - obwohl sie seit 50 Jahren unter den gleichen Bedingungen lebten.

Aber du musst nicht arm sein, um die stressbedingten Auswirkungen des sozialen Vergleichs zu spüren. In der Tat ist es genauso schlimm, sich nur schlecht zu fühlen. Es hängt nämlich von deinem subjektiven, sozioökonomischen Status ab, deinem Lebensstandard und deiner finanziellen Sicherheit (nicht im absoluten Sinne), sondern nur im sozialen Vergleich.

Das Gegengift gegen den zerstörerischen Vergleich

Dieser soziale Schmerz, den du bei Ungleichheit fühlst, bezieht sich jedoch nicht nur auf finanzielle Ressourcen, sondern überträgt sich auf andere Bereiche.

Es war leichter für Menschen, in etwas gut zu sein, als wir in kleinen ländlichen Gemeinden lebten. Der eine könnte der beste Tischler sein. Jemand anderes könnte der Basketball-Star sein. Es gab nur ein oder zwei Mechaniker und ein paar Lehrer und nicht Millionen.
In jedem ihrer Bereiche hatten diese lokalen Helden die Gelegenheit, das serotoninhaltige Selbstvertrauen des Siegers zu genießen, um den Vergleich von eben aufzugreifen.

Doch wie das moderne Sprichwort lautet: Egal wie gut du bist, es gibt immer einen Asiaten, der besser ist als du. Das Gegengift gegen des schmerzhaften, sozialen Vergleichs liegt aber nicht in einer sozialen Revolution, sondern in der Verantwortung des Individuums.
Wir sind nicht in gleich in unseren Fähigkeiten oder in den Ergebnissen, die wir produzieren und werden es nie sein. Eine sehr kleine Anzahl von Menschen wird sich in jeder Domäne an die Spitze setzen.

Doch gleichzeitig ist der Boden der sozialen Hierarchie kein Ort, an dem du sein willst. Dieser soziale Vergleich macht die meisten Menschen unglücklich. Sie verschwenden dort ihr Leben.
Aus solchen Gründen hat eine ganze Generation von Sozialpsychologen "positive Illusionen" als den einzig verlässlichen Weg zur psychischen Gesundheit empfohlen. Ihr Credo? Lass eine Lüge dein Schirm sein. Eine trostlosere, elendere, pessimistischere Philosophie ist kaum vorstellbar: Die Dinge sind so schrecklich, dass nur die Täuschung dich retten kann.

Ein alternativer Ansatz gegen den Schmerz des sozialen Vergleichs

Hier ist ein alternativer Ansatz (und einer, der keine Illusionen erfordert). Wenn die Karten immer gegen dich gemischt sind, ist das Spiel, das du spielst, vielleicht ein falsches.

Jedes Spiel hat seine Chance auf Erfolg oder Misserfolg. Unterschiede sind allgegenwärtig. Wir könnten damit beginnen, die Schwarz-Weiß-Unterscheidungen selbst zu betrachten: "Erfolg" oder "Versagen". Angeblich hast du entweder Erfolg, eine umfassende, singuläre, vollkommene, gute Sache oder ihr Gegenteil: Versagen.

Die Wörter implizieren keine Alternative und keinen Mittelweg. In einer Welt, die so komplex ist wie die unsrige, sind solche Verallgemeinerungen ein Zeichen für naive, nüchterne oder gar böswillige Analysen. Es gibt viele gute Spiele, in denen du erfolgreich sein kannst. Spiele, die zu deinen Talenten passen, dich produktiv mit anderen Leuten zusammenbringen und dich im Laufe der Zeit zu einem besseren Menschen machen. Ob Anwalt. Klempner, Arzt, Zimmermann oder Lehrer. Und dabei handelt es sich nur um den beruflichen Erfolg. Die Welt lässt viele Arten des Seins zu.

Es ist auch unwahrscheinlich, dass du nur ein einziges Spiel spielst. Du hast eine Karriere, Freunde, Familienmitglieder und persönliche Projekte, künstlerische Bestrebungen und sportliche Bestrebungen. Du kannst deinen Erfolg über alle Spiele hinweg beurteilen, die du spielst. Angenommen dein Kollege übertrifft dich bei der Arbeit. Seine Frau hat jedoch eine Affäre, während deine Ehe stabil und glücklich ist. Wer hat es besser? Der Promi, den du bewunderst, ist ein betrunkener, leidender und einsamer Mensch. Er hat zwar Geld und Rum, aber ist sein Leben wirklich deinem vorzuziehen?

Der Vergleich mit dir selbst > der soziale Vergleich

Wenn der innere Kritiker dich mit solchen Vergleichen abwertet, so funktioniert das folgendermaßen: Erstens wählt er eine einzige, willkürliche Vergleichsdomäne aus (Ruhm, Macht oder Macht). Dann verhält er es sich so, als ob diese Domäne die einzige relevante ist. Dann kontrastiert es dich ungünstig mit jemandem, der innerhalb dieser Domäne der Beste ist.

Er kann noch einen Schritt weiter gehen und die unüberbrückbare Kluft zwischen dir und deinem Vergleichsziel als Beweis für die fundamentale Ungerechtigkeit des Lebens nutzen. Auf diese Weise kann deine Motivation, etwas zu tun, am effektivsten untergraben werden.

Langfristige und intrinsische Motivation finden? So wirst du nicht mehr länger deiner Motivationslosigkeit unterworfen sein!

Diejenigen, die einen solchen Ansatz der Selbstevaluation akzeptieren, können sicherlich nicht beschuldigt werden, sich das Leben besonders leicht zu machen.

Wenn wir erwachsen werden, werden wir im Gegensatz zur Jugendzeit immer individueller und einzigartiger. Die Bedingungen unseres Lebens werden immer persönlicher und immer weniger mit denen anderer Menschen vergleichbar.

Vielleicht stellen wir uns häufig die falschen Fragen. Warum vergleichen wir uns anstatt mit anderen Menschen, nicht a) mit der Person, die wir gestern waren und b) mit der Person, die wir sein wollen.

Das eine macht dich bescheiden und lässt dich deinen Fokus auf kleine Schritte richten. Das andere gibt dir ein persönliches Ideal und gibt dir sowohl Sinn als auch Motivation in deinem Leben das Leben zu erschaffen, dass DU haben willst.

Damit ergeben sich neue Fragen:
• Wie willst du dein Leben messen?

Wie willst du dein Leben messen?

• Was sind deine persönlichen Werte?

Wie du persönliche Werte für dein Leben bestimmen kannst – eine Schritt für Schritt- Anleitung zum authentischen Ich


• Was ist das Ideal, an dem du dich orientieren möchtest?

Chronische Sinnlosigkeit: Wie Ideallosigkeit zu Sinnlosigkeit im Leben führt

Diese Fragen sind so machtvoll, weil sie deinen Fokus vom zwanghaften sozialen Vergleich ablenken und auf dich, deine Werte, deine Ziele und die beste Vision deiner selbst lenken.

Vielleicht macht es Sinn dich nicht so sehr dem sozialen Vergleich auszusetzen, sondern eher dein Leben an deinen eigenen Standards zu messen und bescheiden, aber bestimmt immer mehr zu der Person zu werden, die du sein willst.

In Zeiten, in denen du zweifelst dagegen, hilft der Blick zurück. Wo warst du vor 3 Jahren, 2 Monaten oder einem Jahr. Du wirst sehen, dass du schon Fortschritt gemacht hast. Vergleiche dich also mit der Person, die du gestern warst und der soziale Vergleich beginnt weniger zu schmerzen.

1 Comment

  1. […] viele von uns sind Mangelerscheinungen gleich um die Ecke. Es braucht nicht viel – den sozialen Vergleich , kritisiert zu werden, in Streit zu geraten, einen Fehler bei der Arbeit zu machen – um uns […]

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