20 Kognitive Verzerrungen, die deinen Entscheidungsprozess massiv beeinflussen

Kognitive Verzerrungen (1)

Der Papst fragte Michelangelo einmal: „Verraten Sie mir das Geheimnis Ihres Genies. Wie haben Sie die Statue von David erschaffen – dieses Meisterwerk aller Meisterwerke?“ Michelangelos Antwort: »Ganz einfach. Ich entfernte alles, was nicht David ist. «

Auch wenn wir dazu neigen über diese kleine Analogie zu schmunzeln, kann sie uns dennoch dazu anregen über unser Verhalten nachzudenken. Oft wissen wir nicht, was in unserem Leben „besser“ und „glücklicher“ eigentlich bedeutet. Was wir aber allzu gut kennen, ist die Tatsache, dass Fehlentscheidungen von unserer Seite weitreichende, negative Folgen haben können.

Was wäre, wenn wir die häufigsten dummen Denkfehler, die die meisten Menschen kennen und dadurch vermeiden könnten?

Kognitive Verzerrungen – System 1 und System 2

Auch wenn wir dazu neigen zu glauben, dass wir unsere Entscheidungen hauptsächlich rational treffen, machen uns die heutigen psychologischen Erkenntnisse einen Strich durch die Rechnung. In diesem Beitrag will ich dir mithilfe der Erklärung von kognitiven Verzerrungen zeigen, dass Menschen keine (primär) rationalen Wesen sind und unser Gehirn Prozesse und Abkürzungen benutzt, die schnelles Handeln ermöglicht. Dies geht aber im Gegenzug auch mit einer großen Fehleranfälligkeit einher.

Jeden Tag müssen wir uns gegen eine riesige Informationsflut wehren. Wir nehmen so viele Sinneseinflüsse wahr, dass unser Gehirn gar nicht alle adäquat verarbeiten kann. Deshalb benutzt unser Gehirn Shortcuts- auch Heuristiken genannt. Das schnelle Verarbeiten von Informationen ist die Grundlage für unser alltägliches Handeln, und damit manövrieren wir uns sicher durch den Alltag, ohne dass wir über jede Kleinigkeit intensiv nachdenken müssen.
Unsere Gehirne funktionieren gut genug, um uns im täglichen Informationsmeer zurechtfinden und effizient unser Leben bestreiten zu können. Gehirn. Der überwiegende Teil unserer Informationsverarbeitung wird von unbewussten Routinen gesteuert. Das verhindert, dass wir uns permanent kognitiv überlasten. Kognitive Verzerrungen, auch wenn es Verzerrungen sind, haben also durchaus wichtige Funktionen.

Daniel Kahneman war der führende Psychologe, der uns bis heute hilft, kognitive Verzerrungen zu verstehen. Dr. Daniel Kahneman gewann 2002 den Wirtschaftsnobelpreis. Bekannt wurden vor allem seine Arbeiten zu Urteilsheuristiken und kognitiven Verzerrungen. Daniel Kahneman und Amos Tversky legten die Grundlagen der Verhaltensökonomik. Steven Pinker nannte Kahneman den „wichtigsten lebenden Psychologen“.

Kahneman unterscheidet zwischen zwei Systemen des Denkens. System 1 ist schnell, intuitiv und emotional und System 2 ist langsamer, reflektierter und logischer. Das schnelle Denken hat einen größeren und durchdringenderen Einfluss durch seine intuitiven Eindrücke auf unsere Gedanken und unser Verhalten. Deshalb sollten wir uns bewusst sein, dass unsere Entscheidungen eher emotional als rational sind. Das Zusammenspiel der beiden Systeme bestimmt unsere Denkweise, die Urteile und Entscheidungen die wir fällen und damit auch unser Handeln, Und wer könnte nicht daran interessiert sein das Handeln zu optimieren und weisere Entscheidungen zu treffen?

Kognitive Verzerrungen können zu systematischen Denkfehlern führen

kognitive Verzerrungen

Das Problem mit unserer unbewussten Gewohnheit, routinierte Heuristiken zu nutzen, ist, dass bestimmte systematische Verzerrung auftreten. Gerade als Unternehmer und Selbstständige mit großer Verantwortung wollen wir uns möglichst selten selbst betrügen. Deshalb haben wir dir hier eine selektive für Unternehmer relevante Auswahl an kognitiven Verzerrungen und unbewussten Denkfehlern zusammengestellt.

Hier findest du einige der wichtigsten kognitiven Verzerrungen im Überblick.

Kognitive Verzerrungen #1- Ad Hominem Fallacy

Der Fehlschluss: Wenn du jemandem nicht vertrauen kannst, sollte man die Meinung dieser Person ignorieren.
Die Wahrheit: Was jemand sagt und wer es sagt, sollte getrennt beurteilt werden.

Manchmal kann ein Streit so heftig werden, dass man anfängt, die andere Person zu beschimpfen. Viele greifen die andere Person an, anstatt die Position, die diese Person eingenommen hat. Es ist einfacher, mit jemandem, den man als böse oder ignorant ansieht, nicht einverstanden zu sein. Jemanden einen Fanatiker, einen Idioten oder ein Arschloch zu nennen, fühlt sich gut an, aber es beweist nicht, dass man Recht hat oder diese Person Unrecht hat.
Das macht Sinn, aber man merkt nicht immer, wenn man es tut. Wenn du annimmst, dass jemand falsch liegt, basierend darauf, wer diese Person ist oder zu welcher Gruppe er oder sie gehört, hast du den ad hominem Irrtum begangen.

Was, wenn ein prominenter Wissenschaftler dabei erwischt wird, seine Forschungen zu fälschen? Siehst du jetzt alles, was der Wissenschaftler je entdeckt hat, als falsch an? Die Tendenz, den Wissenschaftler als verschlagenen und prinzipienlosen Menschen zu bezeichnen, ist schwer zu erschüttern.
Die kognitive Verzerrung ist in diesem Fall die Annahme, dass die gesamte Arbeit des Wissenschaftlers falsch ist, weil er oder sie das Etikett hat, das du dieser Person gegeben hast.

Um diese Art von kognitiven Verzerrungen zu vermeiden ist es wichtig die Position der Person von deinem Eindruck ihres Charakter getrennt wird. Wenn ein Raucher dir sagt, dass es legal sein sollte, in Restaurants zu rauchen, wäre es logisch inkonsequent diese Meinung abzulehnen, nur weil die Person, die sie anbietet, ein persönliches Interesse an der Sache hat. Vielleicht hat der Raucher einen guten Punkt, vielleicht auch nicht, aber die Tatsache, dass er oder sie Raucher ist, sollte dein Denken nicht verwirren.

Der ad hominem Trugschluss kann auch umgekehrt funktionieren. Man könnte annehmen, dass jemand vertrauenswürdig ist, weil er eloquent oder einen respektablen Job hat. Wir neigen dazu, Menschen als Charaktere zu sehen und auf Konsistenz in ihrem Verhalten zu achten. Dies ist in der Regel eine gute Sache, da es uns hilft, herauszufinden, wem wir vertrauen können.

Die Frage, ob man jemandem vertrauen kann oder nicht, und die Frage, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht, sind zwei verschiedene Dinge. Die Beurteilung des Charakters ist schon so lange ein nützliches Werkzeug in der Evolutionsgeschichte der Menschen, dass sie unsere Logik überschatten kann.

Kognitive Verzerrungen #2 Ankereffekt

Ankereffekt

„Dieses 50 € T-Shirt ist zu teuer für mich.“
„Sie haben Glück. Nur heute gibt es dieses Stück zum einem 20% Rabatt. “

„Das hört sich schon besser an. Wenn ich ein T-Shirt im Wert von 50 € günstiger bekommen kann, habe ich einen guten Deal gemacht. “
Auch wenn diese fiktionale Szene ein wenig vereinfacht ist, ist es ein Phänomen, das uns allen schon einmal passiert ist. Wir haben eine Tendenz, sich stark auf die ersten Informationen zu verlassen, die wir erhalten. Alle Entscheidungen oder Auswertungen, die wir machen, werden durch diesen „Anker“ beeinflusst, der zu unserem Bezugspunkt wird.

Wir tendieren dazu, unsere Entscheidungen nur aus diesem Referenzpunkt anzupassen. Der Grund, warum wir Schwierigkeiten haben, unsere zukünftigen Gefühle vorauszusagen, liegt daran, dass unser Bezugspunkt unser aktueller emotionaler Zustand ist. Der erste Eindruck oder die Wahrnehmung, die wir von allem machen, bleibt unser Anker- egal wie sehr wir behaupten, alle möglichen Faktoren bei der Entscheidung zu analysieren.

Der Ankereffekt beeinflusst den Betrag, den wir für Produkte bezahlen. Im obigen Beispiel hat die Person ein 50 € -Shirt gekauft, erst nachdem ihr gesagt wurde, dass sie es für 40 € bekommen kann. Weil der Ankerpreis von 50 € als Referenzpunkt benutzt wurde, sieht das Geschäft eigentlich ziemlich gut aus.

Ein klassisches Modell ist auch das Drei- Stufen- Preismodell. Hier gibt es immer ein teureres Angebot, das den Anker setzt, sodass das mittlere Angebot attraktiver erscheint. Wie du siehst, ist dieses sogar farblich hervorgehoben. In diesem Beispiel wir der Ankereffekt sogar zwei Mal genutzt, da das teuerste Angebot angeblich sogar 495 $ kostet. Was für ein Glück, dass du dieses Angebot ausgerechnet zu einem Zeitpunkt entdeckt hast, an dem du 40 % Rabatt bekommst.

Kognitive Verzerrungen #3 Availability bias

Der Availability Bias ist die Tendenz, die Entscheidungsfindung oder Argumentation beeinflussen zu lassen. Wenn du Entscheidungen triffst oder argumentierst, tritt der Verfügbarkeits-Bias oft auf, wenn eine Geschichte, an die du dich leicht erinnern kannst, eine zu große Rolle dabei spielt, wie du zu deiner Schlussfolgerung kommst.

Ein Beispiel für die Verfügbarkeitsverzerrung:
Sie raucht seit ihrem neunten Lebensjahr. Die Entscheidung, das Rauchen fortzusetzen oder dafür zu argumentieren, dass Rauchen nicht körperlich schädigend ist, weil du einen Raucher kennst, der 100 Jahre alt wurde, wäre ein gutes Beispiel für den Availability Bias. In diesem Szenario spielt die Geschichte eine zu große Rolle bei deiner Entscheidung, weil du deine Entscheidung mit einer einzigen Anekdote zu legitimieren versuchst. Eine Überprüfung der medizinischen Statistiken über die Gesundheit der Raucher sollte ein weitaus wichtigerer Faktor im Entscheidungsprozess sein.
Diejenigen, die am Availability Bias leiden (und das sind die meisten von uns), werden denken, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses proportional zur Leichtigkeit ist, mit der sie sich an ein Beispiel dafür erinnern können.

Kognitive Verzerrungen #4 Choice-supportive bias

Wenn man sich für etwas entscheidet, neigt man dazu, seiner Entscheidung positiv gegenüber zu stehen, auch wenn die Wahl Mängel aufweist. Der Choice Supportive Bias ist die Tendenz eines Entscheidungsträgers, seine eigene Entscheidung zu verteidigen oder sie später besser zu bewerten, als sie es war, einfach weil er sie getroffen hat.

Ein Beispiel für Choice Supportive Bias:
Letztes Jahr habe ich ein wichtiges Dokument verfassen müssen. Als ich bei der Hälfte angekommen war, ist mir aufgefallen, dass ich die eigentliche Fragestellung kaum oder gar nicht aufgegriffen habe.

Ich brauchte die Hälfte des nächsten Tages, um zu akzeptieren, dass es ein Chaos war. Ich verbrachte den halben Tag damit, zu argumentieren, dass es so in Ordnung wäre, wenn der Rest erledigt wäre und dass ich neu anfangen muss. Ich war auf der Suche nach Beweisen für meine Entscheidung. Zum Glück hat mir eine objektivere Beurteilung der Situation Stunden Arbeit erspart, auch wenn ich wirklich gewünscht hätte, dass es anders gewesen wäre. Als mir klar wurde, dass ich unter dem Choice Supportive Bias litt, musste ich die Hälfte, die ich bereits geschrieben habe wieder löschen.

Kognitive Verzerrungen #5 Conformation bias

conformation bias

Der menschliche Geist, wenn er einmal eine Meinung angenommen hat, bezieht alle anderen Informationen auf seinen Standpunkt, um die Meinung zu unterstützen. – Francis Bacon

Der confirmation bias beschreibt unsere Tendenz Situationen in einer Weise zu interpretieren, die unsere eigenen langjährigen Überzeugungen bestätigen. Interessanterweise fühlt es sich an, als ob wir einen rationalen Ansatz nutzen, aber in Wirklichkeit testen und bestätigen wir nur, was wir schon glauben zu wissen. Wir neigen dazu, alle Informationen zu priorisieren, die unsere Sichtweise ergänzen und Alternativen abzulehnen.

Der Bestätigungsfehler beeinflusst stark, wie Menschen Informationen sammeln, analysieren und abrufen. Unser Denken wird automatisch selektiv. Wir umgeben uns selbst mit Leuten, die mit unseren Ansichten übereinstimmen.

Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine FestStellung, die dir als Folge dessen nicht mehr erlaubt deine vorgefertigten Meinungen zu hinterfragen.
Das klassische Beispiel dafür sind ältere Unternehmer, die sich ausschließlich im Offlinebereich aufhalten, weil sie „es immer schon so gemacht haben“ und seine älteren Kollegen ihm beipflichten. So muss er sich mit „seiner Wahrheit“ begnügen und wird aus purer Sturheit im wieder in seinem Glauben bestätigt werden, dass beispielsweise das Internet nur eine neumodische Erscheinung sei.

Wir suchen Bestätigung für unsere Überzeugungen und ignorieren alles, was sie herausfordern könnte.

Kognitive Verzerrungen #6 Contagion bias

Würdest du einen frisch gewaschenen Anzug anziehen, den Adolf Hitler einmal getragen hat? Unwahrscheinlich! Das ist erstaunlich. Denn Hitlers Pullover hat rein materiell nichts mehr mit Hitler zu tun. Trotzdem ekelst du dich davor.

Paul Rozin und seine Forschungskollegen der University of Pennsylvania baten Versuchspersonen, ein Foto von einer ihnen nahestehenden Person mitzubringen. Die Wissenschaftler pinnten das Foto ins Zentrum einer Zielscheibe und forderten die Probanden auf, Dartpfeile darauf zu werfen. Es tut der Mutter ja nicht weh, wenn ihr Bild mit Pfeilen durchlöchert wird!

Trotzdem war die Hemmung groß. Die Teilnehmer trafen viel schlechter als eine Kontrollgruppe mit leerer Zielscheibe. Ja, sie verhielten sich so, als würde sie eine magische Kraft abhalten, auf die Bilder zu zielen.

Verbindungen zwischen Personen und Dingen – selbst wenn sie längst vergangen oder nur immaterieller Art sind wie bei den Fotos – lassen sich kaum ignorieren. Dieses Phänomen steht hinter dem so genannten Contagion Bias.

Kognitive Verzerrungen #7 Dunning-Kruger-Effekt

Dunning-Kruger-Effekt

Die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen, wird Dunning-Kruger-Effekt genannt.
Diese Unkenntnis ist darauf zurückzuführen, dass einige Menschen aufgrund ihrer geringeren Kompetenz nicht mehr in der Lage sind, ihre Leistungen kritisch zu analysieren, was zu einer erheblichen Überschätzung ihrer selbst führt.

Mit einfachen Worten: „Menschen, die zu dumm sind, um zu wissen, wie dumm sie sind“. Umgekehrt gilt auch: Kompetente Menschen neigen dazu, ihre Fähigkeiten im Vergleich zu anderen zu unterschätzen.

Das Prinzip wird indirekt durch das gängige Sprichwort veranschaulicht: „Ich habe genug über ________ gelernt, um zu wissen, was ich nichts weiß“. Die Implikation ist, dass jemand, der nicht viel über das Thema gelernt hat, keine Wertschätzung dafür hat, wie viel es darüber zu lernen gibt, und so könnte er sein Niveau des Verständnisses grob überschätzen.

Der Dunning-Krüger-Effekt wurde durch verschiedene Experimente gezeigt, aber in diesem Fall testeten Dunning und Kruger die Schüler nach einer Reihe von Kriterien wie Humor, Grammatik und Logik und verglichen die tatsächlichen Testergebnisse mit der eigenen Einschätzung ihrer Leistung.
Diejenigen, die bei diesen Tests gut abgeschnitten haben, haben immer wieder gezeigt, dass sie ihre Leistung unterschätzen. Das ist nicht sehr überraschend und kann als eine Form der psychologischen Projektion erklärt werden: Diejenigen, die die Aufgaben leicht fanden (und damit sehr gut abschneiden), dachten fälschlicherweise, dass sie auch für andere leicht sein würden.

Diejenigen, die im Test am schlechtesten abgeschnitten haben, haben ihre Werte „stark überschätzt“ und damit den so genannten Dunning-Krüger-Effekt gezeigt.

Diese Überschätzung tritt zum Teil deshalb auf, weil Menschen, die in diesen Bereichen uninformiert sind, eine doppelte Belastung erleiden: Diese Menschen kommen nicht nur zu falschen Schlüssen und treffen unglückliche Entscheidungen, sondern ihre Inkompetenz beraubt sie auch der metakognitiven Fähigkeit, dies zu realisieren.

Jeder erlebt von Zeit zu Zeit den Dunning-Krüger-Effekt. Mit sich selbst ehrlich zu sein und all seine Fehler und Schwächen zu erkennen, ist keine angenehme Art zu denken, aber eine notwendige.

Kognitive Verzerrungen #8 Effort Justification –

Effort Justification

Frank hat ein altes Auto eigenhändig restauriert. Eine Vielzahl von Wochenenden ging dafür drauf, sodass er andere Pflichten dafür vernachlässigte. Es war ein Krampf, aber nun steht das Prachtstück endlich fertig da und blitzt im Sonnenlicht.

Ein Jahr später braucht Frank dringend Geld. Er versucht das Auto zu verkaufen, aber seine Preisvorstellung liegt jenseits von Gut und Böse. Selbst als ein Interessent das Doppelte des Marktpreises bietet, verkauft Frank nicht.

Frank leidet unter einem Effekt, der sich Effort Justification nennt. Dieser sagt: Wer viel Ressourcen (Geld, Zeit, Energie) in eine Sache steckt, wird das Ergebnis überbewerten.

Wer nicht der Effort Justfication unterliegen will, sollte sich zu mehr Objektivität zwingen.

Kognitive Verzerrungen #9 Fluch des Wissens

„Ich habe Atembeschwerden“, beschwerte sich Sam bei seinem Arzt. „Die Hinterwand Ihres Nasopharynx ist entzündet, mit Hyperämie und akuter follikulärer Mandelentzündung“, versicherte ihm der Arzt nach einer gründlichen Untersuchung. „Ich werde sterben?“ fragte Sam weiß wie ein Laken. „Nein…Nein…Ich meinte, Sie haben Halsschmerzen!“

Wissen ist Macht, sagt man, aber es kann auch ein Fluch werden. Zu viel Wissen über irgendetwas behindert unsere Fähigkeit, Dinge aus der Perspektive anderer, weniger informierter Menschen zu verstehen. In einer Situation, in der wir über einen Bereich unserer Expertise befragt werden, neigen wir immer dazu, Jargons und Fachbegriffe zu verwenden, ohne die hohe Wahrscheinlichkeit zu erkennen, dass die andere Person sich dessen nicht bewusst ist.
Was wir einmal selbst lernen mussten, wird zum selbstverständlichen Wissen und führt zu falschen Annahmen darüber, wie viel andere Menschen verstehen.
Diese kognitive Verzerrung kann durch bewusstes Üben vermieden werden. Beginne mit den Grundlagen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, auf welchem Niveau dein Publikum oder dein Gegenüber steht.

Kognitive Verzerrungen #10 Fraiming Effekt

In einer Studie von Levin und Gaeth (1988) genossen die Teilnehmer eher den Verzehr von Rindfleisch, das als 75% mager beschrieben wurde, verglichen mit einer Gruppe, die Fleisch aß, das 25% Fett hatte.

Diese kognitive Verzerrung bezieht sich auf unsere Tendenz, unterschiedliche Schlussfolgerungen aus denselben Informationen zu ziehen, je nachdem, wie diese Informationen uns präsentiert werden. Der bloße „Rahmen“ einer Frage beeinflusst die Antwort, die wir geben.

Studien haben gezeigt, dass Menschen eine Option bevorzugen, die mit einem wahrgenommenen positiven Ergebnis im Vergleich zum entsprechenden negativen Ergebnis verbunden ist. Wenn sich eine Wirtschaftspolitik also eher auf die Beschäftigungsquote als auf die damit verbundene Arbeitslosenquote konzentriert, wird sie von den Menschen eher unterstützt.

Werbetreibende warnen Kunden davor, etwas zu vermeiden, indem sie ihre negativen Auswirkungen wie z.B. Anti-Raucher-Kampagnen hervorheben, während sie sich nur auf den positiven Aspekt konzentrieren, wenn sie wollen, dass die Kunden ein positives Image über ein Produkt entwickeln. Andere Male manipulieren sie die gleichen Statistiken, um unterschiedliche Nachrichten zu liefern. Ein Produkt, das behauptet, 90% Effizienz zu haben, kann von einem Gegner mit einer Chance zu scheitern von 10% angegriffen werden.

Kognitive Verzerrungen #10 Fundamentaler Attributionsfehler

Ein Mann rempelt dich an und geht ohne Entschuldigung weg. Was sind die unmittelbaren Gedanken in deinem Kopf in diesem Moment über diesen Fremden? Wahrscheinlich ist der erste Impuls eine Liste aller schlechten Eigenschaften zusammenzufassen, die er „offensichtlich“ besitzen muss. Die Wahrheit kann sehr wohl das genaue Gegenteil sein.

Vielleicht ist er einfach zu abgelenkt von etwas Wichtigem und wollte nie unhöflich sein. Das nennen wir den fundamentalen Zuschreibungsfehler. Angesichts solcher Ereignisse kommen wir sofort zu dem Schluss, dass das Verhalten einer Person in diesem bestimmten Moment kein isoliertes Ereignis ist, sondern ihre permanenten „Eigenschaften“ repräsentiert.

Wir neigen automatisch dazu, die Möglichkeit von Umwelt- und Sozialeinflüssen zu vernachlässigen, während wir schnell urteilen. Dies geschieht vor allem deshalb, weil der Mensch im Mittelpunkt steht. Um zu verstehen, was passiert ist, nehmen wir die Verhaltenshinweise dieser Person in dieser Situation auf und interpretieren sie als Spiegel ihrer Persönlichkeit und ignorieren alle offensichtlichen situativen Hinweise.

Ein Weg, um zu vermeiden, dass man dieser kognitiven Verzerrung zum Opfer fällt, ist, sich in die Lage dieser Person zu versetzen und an all die möglichen Ereignisse zu denken, die einen dazu bringen könnten, sich auf die gleiche Weise zu verhalten.

Kognitive Verzerrungen #11 Halo-Effekt

Halo Effekt

Ob du irgendwelche persönlichen Details über einen gutaussehenden Star in deinem Lieblingsfilm kennst oder nicht, es ist sehr wahrscheinlich, dass du glaubst, dass diese Person auch intelligent, freundlich und lustig ist.

Der Halo-Effekt wurde erstmals vom Psychologen Edward Thorndike eingeführt. Wir fallen dieser Voreingenommenheit zum Opfer, wenn wir bestimmte Persönlichkeitsmerkmale einer Person bestimmen, indem wir ihren Gesamteindruck verallgemeinern. Der Halo-Effekt umfasst sowohl negative als auch positive Richtungen.

Die Abneigung gegen einen bestimmten Aspekt von etwas veranlasst uns, negativ über jede andere Sache, die damit zusammenhängt, nachzudenken. Wenn wir einen bestimmten Aspekt mögen, sehen wir alles andere in einem positiven Licht. Die Forschung hat gezeigt, dass Menschen dazu neigen, Menschen, die als körperlich attraktiv wahrgenommen werden, positive Eigenschaften zuzuschreiben. Deshalb nennt man es auch das „Stereotyp der physischen Attraktivität“ und das „Was schön ist, ist gut“ Prinzip.

Obwohl der Halo-Effekt eine mentale Abkürzung ist, die uns hilft, schnell Entscheidungen zu treffen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass unsere Eindrücke falsch sind. Der einzige Weg, dies zu vermeiden, ist, sich zu fragen, ob jemand tatsächlich eine bestimmte Eigenschaft hat oder ob man einfach davon ausgeht, dass er dies hat, weil man diese Person attraktiv findet.

Im Klassenzimmer unterliegen die Lehrer dem Halo-Effekt sogar bei der Bewertung ihrer Schüler. Zum Beispiel könnte ein Lehrer, der einen gut gekleideten Schüler sieht, dazu neigen, davon auszugehen, dass dieser ebenfalls fleißig und engagiert ist, bevor dieser Lehrer die Fähigkeiten des Schülers in diesen Bereichen objektiv bewertet hat. Wenn solche Halo-Effekte auftreten, können sie die Zustimmung der Schüler in bestimmten Funktionsbereichen beeinflussen und sogar die Noten der Schüler beeinflussen.

Die Kenntnis des Halo-Effekts macht es jedoch nicht leicht, seinen Einfluss auf unsere Wahrnehmungen und Entscheidungen zu vermeiden.

Kognitive Verzerrungen #12 Hindsight bias

Hindsight bias

DIE MISKONZEPTION: Nachdem du etwas Neues gelernt hast, erinnerst du dich daran, dass du einmal unwissend warst.
DIE WAHRHEIT: Man blickt oft auf die Dinge zurück, die man gerade gelernt hat und nimmt an, dass man sie schon immer kannte oder glaubte.

„Ich habe gerade das Auto lackiert.“ Ich wusste, dass das passieren würde!“ Das sagte Mike, als er zu seinem Auto ging und Kratzspuren an der Tür bemerkte.
Der Hindsight bias geschieht, wenn Menschen glauben, das Ergebnis eines jüngsten Ereignisses vorhergesagt zu haben, obwohl sie keinen objektiven Beweis für diese Behauptung haben. Erst nachdem das Ereignis eingetreten ist, wird behauptet, dass dies wahrscheinlich war.

Dies gilt sowohl für positive als auch für negative Ergebnisse. Unser dringendes Bedürfnis, die Welt um uns herum zu verstehen, macht uns anfällig für diese Verzerrungen. Zu wissen, dass wir vorhersagen können, was mit uns geschieht, hilft uns, uns in einer unberechenbaren Welt sicher zu fühlen. Die Forschung konzentriert sich auch darauf, wie wir selektive Informationen über das Ergebnis eines Ereignisses abrufen, um uns selbst davon zu überzeugen, was geschehen sollte.

Auch wenn wir der Meinung sind, dass die Vorhersage von Ergebnissen uns Komfort bietet, hat der Hindsight bias auch seine Nachteile. Es hindert uns daran, aus neuen Erfahrungen zu lernen und macht uns zu selbstbewusst in unserer vermeintlichen Fähigkeit, Vorhersagen zu treffen. Das ist der Grund, warum Menschen am Ende große Risiken eingehen, die später schädlich sein können.

Kognitive Verzerrungen #13 Negativity bias

kognitive Verzerrungen
Dein Kunde sagt dir: „Ich war fast vollkommen zufrieden mit dem Produkt.“
Konzentrierst du dich auf das Lob oder das kleine „fast“?

Der negativity bias bezieht sich auf unsere Tendenz, negative Ereignisse im Vergleich zu positiven (mit gleicher Intensität) stärker zu berücksichtigen.
Unsere menschlichen Vorfahren mussten, um ihr Überleben zu sichern besonderen Wert auf lebensdienliche Dinge, wie Unterkunft, Nahrung und Fortpflanzung Acht geben. Was aber noch wichtiger war, war es von den Dingen weg zu kommen, die das Leben bedrohen könnten (Fressfeinde, Unterernährung und Aggression von anderen Menschen).

Diese Dinge haben von einem evolutionären Standpunkt aus gesehen eine höhere Dringlichkeit. Logisch! Wenn du heute keine Nahrung findest, kannst du das morgen nachholen, aber wenn du heute einen Fressfeind unterschätzt, bekommst du morgen keine zweite Chance mehr.

So haben diejenigen, die sich vorsichtiger verhalten haben eher überlebt und haben sich eher reproduziert. Und Voilà: Viele Tausende Generationen später sucht unser Gehirn immer noch eher nach Gefahren um zu überleben anstatt die positiven Aspekte des Lebens zu betrachten.

Laut Neuropsychologe Rick Henson reagiert der Teil unseres Gehirns, der für Emotionen verantwortlich ist, sofort auf schlechte Nachrichten und speichert sie in unserem Langzeitgedächtnis. Die Evolutionspsychologie sagt, dass dies ein Teil unserer angeborenen Fight or flight- Reaktion
ist, die unseren Vorfahren geholfen hat, in der Wildnis zu überleben.

Negative Ereignisse haben eine deutlich größere Macht über unsere Emotionen.

Kognitive Verzerrungen #14 Outcome bias-

In einer Studie von Baron & Hershey (1988) erhielten die Teilnehmer ein hypothetisches Szenario über einen Chirurgen, der sich für eine riskante Operation entschied. Es wurde gezeigt, dass der Chirurg die Erfolgsquote gut kennt. Den Teilnehmern wurde dann mitgeteilt, dass der Patient entweder gestorben ist oder überlebt hat. Die Entscheidung des Chirurgen, zu operieren, galt als Fehler, wenn der Patient gestorben war und als die richtige Wahl, wenn der Patient überlebt hatte.

Wie der Name schon sagt, bezieht sich diese kognitive Verzerrung auf unsere Tendenz, die Qualität einer Entscheidung ausschließlich auf der Grundlage der Kenntnis ihres Ergebnisses zu beurteilen. Eine Entscheidung, die zu einem positiven Ergebnis führt, wird daher positiv bewertet.

Ebenso wird eine Entscheidung, die zu einem negativen Ergebnis führt, negativ bewertet. Ereignisse, die zur Entscheidung führen und andere wichtige Faktoren werden ignoriert und unser gesamter Fokus wird zum Ergebnis. Das ist eine klare kognitive Verzerrung. Denn das Ergebnis ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Diese Verzerrung ist bei negativen und weitgehend auf Zufall basierenden Ergebnissen stärker ausgeprägt.

Kognitive Verzerrungen #15 Projection bias

„Ihr seid alle zu einem Treffen in meinem Haus eingeladen, wo wir populäre japanische Anime sehen, salziges Popcorn essen und im Hof Verstecken spielen.“
Der Gastgeber dieser Partei hat fälschlicherweise angenommen, dass alle anderen seine Definition von „Spaß“ teilen. Diese Tendenz, selbstbewusst davon auszugehen, dass andere unsere Denkmuster, Einstellungen und Überzeugungen teilen, wird als Projektionsverzerrung bezeichnet. Ein verwandter Effekt, der als False-Consensus-Bias bekannt ist, bringt diese Tendenz noch einen Schritt weiter und lässt uns glauben, dass auch andere mit unseren Ansichten ‘einverstanden‘ sind. Wir halten an diesen Annahmen fest, obwohl wir wissen, dass es für jeden unmöglich ist, den gleichen mentalen Rahmen wie wir zu verwenden.

Die projektive Verzerrung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Ansichten anderer Menschen, sondern beinhaltet auch falsche Vorhersagen über unsere eigenen Ansichten zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft. Unsere Entscheidungen für die Zukunft basieren im Wesentlichen auf der Annahme, dass unsere derzeitigen Präferenzen unabhängig von der Zeit gleich bleiben. Ein Mann, der sehr hungrig ist, wird am Ende mehr Essen kaufen, als er normalerweise essen würde, wenn er annimmt, dass sein zukünftiges Selbst genauso hungrig ist wie er in diesem Moment.

Das Hauptproblem bei der Projektion ist, dass man nicht verstehen kann, dass man sich von anderen unterscheidet. Eine Möglichkeit, dies zu vermeiden, besteht also darin, vor einer schnellen Beurteilung darüber nachzudenken, wie sich die Wahrnehmung anderer von der deinigen unterscheiden kann.

Kognitive Verzerrungen #16 Selfserving bias

self serving bias

„Ich habe diesen Test bestanden, weil ich hart gelernt habe. Ich habe die letzte Klausur versiebt, weil der Lehrer absichtlich ‚Trickfragen‘ benutzt hat, um es schwierig zu machen.“

Diese Aussage impliziert eindeutig, dass derjenige, der gesagt hat, dass er die volle Anerkennung für das Bestehen eines Tests erhält, während er dem Lehrer die Schuld dafür gibt, dass er einen früheren Test nicht bestanden hat. Das Phänomen nennt man selfserving bias.

Wir haben die Tendenz, positive Ereignisse unseren eigenen inneren Eigenschaften zuzuschreiben und negative Ereignisse externen Kräften zuzuschreiben, die sich unserer Kontrolle entziehen. Sie ergibt sich aus unserer Tendenz, Ursachen jedem Verhalten (Attributionstheorie) in Form von Persönlichkeitsmerkmalen oder Umwelteinflüssen zuzuschreiben. Wir greifen auf diese Verzerrung zurück, weil wir unser Selbstverständnis vor Verletzungen schützen wollen. Wir versuchen unser Bestes, um uns selbst in einem positiven Licht zu sehen. Daher unternehmen wir extreme Anstrengungen, um alles zu rechtfertigen, was als Bedrohung für unser kostbares Selbstverständnis angesehen wird. Die gleiche Verzerrung findet auch auf Gruppenebene statt.

Kognitive Verzerrungen #17 Sunk Cost fallacy-

Das Missverständnis: Du triffst rationale Entscheidungen basierend auf dem zukünftigen Wert von Objekten, Investitionen und Erfahrungen.
Die Wahrheit: Deine Entscheidungen werden durch die emotionalen Investitionen verblendet und je mehr du in etwas investierst, desto schwieriger wird es, es aufzugeben.


Wir können eine Menge über den Umgang mit Verlust aus einem Videospiel namens Farmville lernen.

Du hast wahrscheinlich schon von diesem Spiel gehört. Im Jahr 2010 hatte jeder fünfte Facebook-Nutzer einen Farmville-Account. Die Flut von Updates, die durch das Spiel erzeugt wurden, hat andere Benutzer so sehr verärgert, dass das soziale Netzwerk gezwungen war, die Art und Weise zu ändern, wie Benutzer Nachrichten verschickten. Auf seinem Höhepunkt spielten 84 Millionen Menschen, eine Zahl, die größer ist als die Bevölkerung Italiens.
Farmville ist seitdem geschrumpft. Etwa 50 Millionen Menschen spielten noch Anfang 2011 – immer noch beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das Fantasy-Megaspiel World of Warcraft etwa ein Viertel so viele Spieler hat.

Ein Spiel mit so vielen Spielern muss starke, unverfälschte Freude versprechen, oder? Eigentlich hat der dauerhafte Reiz von Farmville wenig mit Spaß zu tun. Um zu verstehen, warum Menschen sich für dieses Spiel engagieren und was es wir über die süchtig machende Natur der Investition lehren können, müssen wir zuerst verstehen, wie unsere Angst vor Verlust zu dem sunk cost bias führt.

In dem Buch des Psychologen Daniel Kahneman, Thinking Fast and Slow , schreibt er darüber, wie er und sein Kollege Amos Tversky durch ihre Arbeit in den 70er und 80er Jahren das Ungleichgewicht zwischen Verlusten und Gewinnen in unserem Kopf aufgedeckt haben. Kahneman erklärt, dass das menschliche Gehirn, mit dem wir Entscheidungen treffen, ein automatisches und unbewusstes System entwickelt hat, um zu beurteilen, wie man vorgehen soll, wenn ein Verlustpotenzial entsteht, da alle Entscheidungen mit Ungewissheit über die Zukunft verbunden sind.

Kahneman sagt, dass Organismen, die mehr Dringlichkeit auf die Vermeidung von Bedrohungen als auf die Maximierung von Möglichkeiten gelegt haben, eher ihre Gene weitergeben. Also hat sich im Laufe der Zeit die Aussicht auf Verluste zu einem stärkeren Motivator auf unser Verhalten als das Versprechen von Gewinnen entwickelt.

Der Sunk Cost Bias bei Farmville

Farmville ist ein wertvolles Werkzeug, um unsere Schwäche angesichts des Verlustes zu verstehen. Diese kognitive Verzerrung ist der Motor, der Farmville am Laufen hält, und die Entwickler hinter Farmville wissen das.

Farmville zu spielen ist eine Verpflichtung zu einer virtuellen Lebensform. Deine Vernachlässigung hat Konsequenzen. Wenn du nicht zurückkehrst, waren deine Investitionen umsonst und du wirst das Gefühl haben, dass du die Zeit, Geld und Mühe verschwendet hast.

Du musst manchmal Tage später, zurückkehren, um die Belohnung für die Zeit und das virtuelle Geld zu erhalten. Wenn du das nicht tust, wirst du nicht nur nicht belohnt, sondern verlierst auch deine Investitionen. Um diese Gefühle abzuwenden, kannst du Farmville reales Geld zahlen.
Der Drang, den Kurs zu halten und deine Farm florieren zu lassen, wird immer stärker, je mehr du in sie investierst. Du spielst weiterhin Farmville- nicht um Spaß zu haben, sondern um negative Emotionen zu vermeiden.

Es ist eine edle und ausschließlich menschliche Neigung, auf dem Wunsch zu beharren zwanghaft den Kurs zu halten. Studien zeigen, dass Tiere und kleine Kinder diesen Irrtum nicht begehen. Wespen, Würmern, Ratten und Waschbären, Kleinkindern und Hunden ist es egal, wie viel sie investiert haben oder wie viel sie verschwenden. Sie können nur sofortige Verluste und Gewinne sehen. Als erwachsener Mensch habst du die Gabe des Nachdenkens und des Bedauerns.
Doch diese Begabung kann auch zum Fluch werden. Wenn negative Ergebnisse die positiven überwiegen, ist es besser für dich, deine bisherige Investition loszulassen und weiterzumachen.

______________________________________

Kognitive Verzerrungen #18 Survivorship Bias

Survivorship Bias

Du siehst einen erfolgreichen Politiker. Was ist mit den hundert anderen, die nie die Wahl gewonnen haben? Du siehst einen erfolgreichen Geschäftsmann. Was ist mit den hundert anderen, die ein Unternehmen gegründet haben, das nicht funktioniert hat? Du siehst einen erfolgreichen Autor. Was ist mit den hundert anderen, die ihre Arbeit nicht veröffentlichen konnten?

Der Survivorship Bias beschreibt unsere Tendenz, nützliche Informationen aus Erfolgen zu extrahieren und diese aus Fehlern zu ignorieren. Wir sind mehr daran interessiert herauszufinden, wie etwas „überlebt“ und erfolgreich war, als wie es gescheitert ist und endete. Wir lassen uns von Beispielen aus der Praxis inspirieren, bei denen jeder neue Höhen des Erfolgs erreicht. Wir erkennen jedoch nicht die wichtigste Lektion des „Was-nicht-zu-tun“ an und streben gleichzeitig den Erfolg an.

Wir werden dieser wichtigen Lektion beraubt, weil sie es nie in die Schlagzeilen und inspirierenden Reden schafft. Nur die Erfolgsgeschichten werden zu unserem „Bezugsrahmen“.
Die Konzentration auf Erfolgsgeschichten gibt uns unrealistische Erwartungen an den Erfolg in der realen Welt. Wir müssen uns daran erinnern, wo immer es eine Chance auf Erfolg gibt, das Scheitern darf nicht zu weit zurückliegen. Daher ist das Lernen aus dem Scheitern auch ein Schlüssel zum Erfolg. Die Neugierde über die andere Seite der Medaille kann uns helfen, die Vorurteile der Überlebenden zu vermeiden.

“ Als Diagoras, der Atheist. in Samothrake war, erzählte ihm einer seiner Freunde Geschichten von Menschen, die sehr gefährliche Stürme überlebt hatten; „Seht,“ sagt er, „, wie viele wurden durch ihre Gebete zu den Göttern gerettet.“ „Ay“, sagt Diagoras, „Ich sehe diejenigen, die gerettet wurden, aber wo sind diejenigen, die Schiffbruch erlitten haben?“-Cicero, Über die Natur der Götter

Survivorship Bias ist eine kognitive Verzerrung, die auftritt, wenn jemand versucht, eine Entscheidung zu treffen, die auf vergangenen Erfolgen basiert, während er vergangene Misserfolge ignoriert.

Kognitive Verzerrungen #19 Die Truthahnillusion

Angenommen wir wollen uns einen Truthahn vorstellen, der jeden Tag gefüttert und gemästet wird. Jede Fütterung wird die Überzeugung des Truthahns stärken, dass die Menschen ihm wohlgesinnt sind und ihm ohne eine Gegenleistung zu erwarten jeden Tag mit Futter versorgen. Doch dann passiert etwas Überraschendes. Die Amerikaner haben einen besonderen Tag im Jahr- Thanksgiving. Und wenn du einmal googlest, was das beliebteste Thanksgivingessen ist, sieht es nicht gut aus für den Truthahn und er wird seine Meinung ändern müssen.

Kurz gesagt: Wir können nicht auf der Grundlage des Bekannten Eigenschaften der Zukunft ermitteln? Eine klassische, kognitive Verzerrung.
Ich will dich nicht nur vor Leuten warnen, die sagen, dass sie die Zukunft kennen, wie die meisten Menschen an der Börse, die spekulieren anstatt zu investieren, sondern dir sagen, dass unsere menschlichen Gehirn Antizipationsmaschinen sind, die den Blick in die Zukunft immer auf der Vergangenheit aufbauen.

Wir sind aber anfällig für blinde Flecken. Ein Beispiel dafür ist das Internet. Früher glaubte man, dass das Internet nicht weiter von Bedeutung sein würde und nur eine weitere Erfindung, aber das Internet hat die Welt in einer Weise verändert, von der wir es nie geglaubt hätten.

Kognitive Verzerrungen #20 Verlustaversion-

Verlustaversion

Emotionen und nicht Rationalität lenken unsere Entscheidungen. Lass es uns an einem Beispiel verdeutlichen. Hier zwei hypothetische Szenarien:
1) Du erhältst 1000 Euro und musst dich dann entscheiden ob du noch einmal 500 € sicher annehmen möchtest oder lieber die 50% Chance haben willst weitere 1000 € zu gewinnen.

2) Du erhältst 2000 € und darfst dann auswählen, ob du einen Verlust von 500 € hinnehmen willst oder ob du ein 50/50 Risiko eingehen möchtest 1000 € zu verlieren.

In beiden Fällen verspricht dir die sichere Option 1500 € und die riskante Variante je nach Ausgang 1000 oder 2000 Euro. Rein rational gesehen würden wir beide in beiden Szenarien die gleiche Wahl treffen.

Dies ist aber nicht der Fall. Im ersten Szenario entscheiden sich die meisten Menschen für die sichere Wette, während im zweiten Fall die meisten das Glücksspiel eingehen. Unser irrationales Verhalten hat drei Gründe:

a) Verlustaversion: Wir fürchten Verluste mehr als wir gewinnen schätzen
b) Orientierung am Referenzpunkt.
Die Tatsache dass es in unserem Beispiel bei 1000 bzw. 2000 € losgeht, hat einen Einfluss darauf, wie wir unsere Chancen bewerten.
c) Der wahrgenommene Wert muss nicht den objektiven Wert entsprechen
Obwohl der wahrgenommene Wert der Abnahme von 1000 € auf 500 Euro nicht größer ist als die Abnahme von 2000 auf 1500, nehmen wir ihn als intensiver wahr.

Verlustaversion bezieht sich auf unsere Tendenz eher Verluste zu vermeiden anstatt Gewinne zu jagen, wenn wir eine Entscheidung treffen. Laut der Forschung ist der psychologische Effekt des Verlustes doppelt so groß wie der Gewinn. Selbst wenn der monetäre Wert des Verlustes und des Gewinns derselbe ist, werden wir dem Verlust eher eine größere Bedeutung beimessen.

Mit anderen Worten: Die Menschen fühlen den Schmerz, den der Verlust begleitet, stärker als das Vergnügen, das mit dem Gewinn verbunden ist. Infolgedessen gehen die Menschen am Ende mehr Risiken ein, um Verluste zu vermeiden, selbst wenn dies bedeutet, dass sie potenziell in einer schlechteren Position als vorher sind.

Wenn du also das nächste Mal eine Investition in welcher Form auch immer tätigst, denke daran, dass du beim Verlust wahrscheinlich mehr Angst haben wirst, aber dass die Chance auf den Erfolg genauso hoch sein kann. Um diese Verzerrung zu vermeiden, ist es wichtig, langfristig zu denken. Versuche das größere Bild und die Folgen, die folgen können, zu betrachten. Schnelle Entscheidungen sind schlechte Entscheidungen.

Der Schlüssel zur Vermeidung dieser Verzerrung ist es, langfristig zu denken. Sicherlich mag es wichtig erscheinen, in vielen Momenten zu versuchen, Verluste zu vermeiden. Aber versuche das Gesamtbild und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben können, zu betrachten. Schnelle Entscheidungen sind nicht immer gute Entscheidungen.

Können wir kognitive Verzerrungen und Denkfehler komplett eliminieren

kognitive Verzerrungen
Auch bei dieser Frage wollen wir die Hüllen der Illusion fallen lassen. Die klare Antwort lautet Nein. Es gibt gegenwärtig keine Mittel, um unser Gehirn so zu verändern, dass wir nicht mehr anfällig für verzerrtes Denken wären.

Der alternative Weg, um jede Verzerrung zu vermeiden, wäre ein permanentes aktives Nachdenken darüber, ob das eigene Denken bei jeder noch so banalen Informationsverarbeitung verzerrt ist oder nicht. Ganz hilflos sind wir aber nicht. Wir können nämlich unsere Anfälligkeit für verzerrtes Denken ein wenig reduzieren. Dadurch, dass du bis hierher gelesen hast, hast du schon einen Schritt in diese Richtung gemacht: Wenn wir uns bewusst sind, dass auch wir verzerrt denken, werden wir unserem eigenen Denken gegenüber skeptisch. Diese Einsicht ist essenziell.

Die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass wir uns getäuscht haben können und wir kognitive Verzerrungen ist nicht nur menschlich, sondern die Grundlage kritischen Denkens.

Weitere Bücher zu kognitiven Verzerrungen und irrationalen Denkfehlern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.